Schuldenbarometer 2016: Rückgang der Privatinsolvenzen in Deutschland immer mehr Ältere rutschen in die Pleite

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1 Schuldenbarometer 2016: Rückgang der Privatinsolvenzen in Deutschland immer mehr Ältere rutschen in die Pleite 1. Überblick: Privatinsolvenzen sinken um 6,4 Prozent Die Zahl der Privatinsolvenzen ist 2016 erneut zurückgegangen. Im vergangenen Jahr verringerten sich die privaten Pleiten um 6,4 Prozent auf Fälle (2015: Privatinsolvenzen). So lauten die Ergebnisse der Bürgel Studie Schuldenbarometer Die Privatinsolvenzen sind durch den sechsten Rückgang in Folge auf den niedrigsten Stand seit 2005 gesunken, kommentiert Bürgel Geschäftsführer Klaus-Jürgen Baum die Zahlen. Im bisherigen Rekord-Insolvenzjahr 2010 mussten in Deutschland noch Privatpersonen eine Insolvenz anmelden. Hauptursache für den weiteren Rückgang bei den Privatinsolvenzen ist die weiterhin niedrige Arbeitslosenquote in Deutschland. Auch wenn die Gründe für eine Verschuldung unterschiedlich und individuell sind, ist Arbeitslosigkeit der 1/9

2 häufigste Grund für eine Verbraucherinsolvenz. Die Formel ist daher einfach. Wenn die Beschäftigtenzahlen steigen, sinken die Zahlen der Privatinsolvenzen, so Baum. Positiv wirkte sich 2016 für die Verbraucher auch ein Anstieg der Reallöhne aus. Ein weiterer Grund für das Absinken der Privatpleiten ist methodischer Natur. So sehen viele überschuldete Bürger, die ein Pfändungsschutzkonto nutzen, keine Notwendigkeit, eine Privatinsolvenz anzumelden. Dies ist der Fall, wenn das monatliche Einkommen der Betroffenen so gering ist, dass es unter dem pfändbaren Betrag liegt. Für das laufende Jahr rechnet die Wirtschaftsauskunftei Bürgel mit bis zu Privatinsolvenzen in Deutschland und mit dem siebten Rückgang in Folge. 2. Privatinsolvenzen im Alter: Fünfter Anstieg in Folge Die Entwicklung bei den Privatinsolvenzen in der Altersgruppe 61 Jahre und älter ging auch im Jahr 2016 in eine Gegenrichtung. So stiegen die Privatpleiten bei den älteren Bundesbürgern um 0,9 Prozent auf Fälle (Anteil am Insolvenzgeschehen: 10,7 Prozent). Dies war in der betrachteten Altersgruppe bereits der fünfte Anstieg in Folge. Das Problem der Privatinsolvenzen im Alter wird noch deutlicher, wenn die Entwicklung der Privatinsolvenzen in den letzten fünf Jahren analysiert wird. Während die Privatpleiten in Deutschland von 2011 ( Fälle) bis 2016 insgesamt um 25,8 Prozent zurückgegangen sind, gab es im gleichen Zeitraum in der Altersgruppe 61 Jahre und älter einen Anstieg um 23,9 Prozent (2011: Fälle). 2/9

3 Ursachen für eine Privatinsolvenz im Alter resultieren aus dem problematischen Arbeitsmarkt in der Vergangenheit und dem Wandel der Erwerbsformen. Dazu zählt beispielsweise die Zunahme von Niedriglohnbeschäftigung und in der Folge eine entsprechend geringe Altersrente. Dass die Renten nicht ausreichen, beruht in vielen Fällen auch auf einer Erwerbsbilanz mit Unterbrechungen. Das Risiko einer Privatinsolvenz im Alter wird zudem durch hohe Kosten im Krankheitsfall erhöht. Zu den Betroffenen von Privatinsolvenzen in der Altersgruppe 61 Jahre und älter zählen auch ehemals Selbstständige, da bei ihnen die Altersvorsorge aufgrund der fehlenden Pflicht häufig auf der Strecke bleibt. Diese Entwicklungen in Verbindung mit dem demografischen Wandel werden dazu führen, dass künftig eine immer größer werdende Bevölkerungsgruppe vor finanziellen Problemen im Alter stehen wird. In allen anderen betrachteten Altersgruppen gingen die Privatinsolvenzen zurück. Den stärksten Rückgang gab es in der jüngsten Altersgruppe der jährigen (minus 16,0 Prozent). Den größten Anteil an der Privatinsolvenzstatistik haben Bürger zwischen 31 und 40 Jahren. In dieser Altersklasse mussten Privatpersonen eine Insolvenz anmelden (Anteil am Insolvenzgeschehen: 26,9 Prozent). 3/9

4 3. Vergleich der Bundesländer: Bremen und Saarland sind die Insolvenzhochburgen Wie schon in der Vergangenheit war das Bundesland Bremen auch im Jahr 2016 eine Insolvenzhochburg. In dem Stadtstaat gab es auf Einwohner 212 Privatinsolvenzen und damit mit Abstand am meisten Fälle. Am zweithäufigsten wurden im Jahr 2016 im Saarland Privatinsolvenzen gemeldet (175 Privatinsolvenzen je Einwohner). Danach folgen mit Niedersachsen (171 Fälle je Einwohner), Hamburg (166) und Schleswig-Holstein (157) Bundesländer aus dem Norden Deutschlands. Mit Sachsen-Anhalt (157), Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg (je 136) sowie Nordrhein-Westfalen (132) liegen vier weitere Bundesländer über dem Bundesdurchschnitt, der bei 123 Pleiten je Einwohner liegt. Am wenigsten Privatinsolvenzen meldete im Jahr 2016 Bayern (86 Fälle je Einwohner). Ebenfalls niedrige Werte lieferten Baden-Württemberg (90) und Thüringen (102). 4/9

5 In der Analyse der absoluten Privatinsolvenzzahlen stehen die einwohnerstarken Bundesländer Nordrhein-Westfalen ( Privatinsolvenzen); Niedersachsen (13.546) und Bayern (11.240) an der Spitze der Statistik. 5/9

6 4. Großstadtranking: In Hannover gibt es die meisten Pleiten Bürgel hat auch die Situation der Privatinsolvenzen in den 20 Großstädten analysiert. In diesem Ranking führt Hannover die Statistik mit 207 Privatinsolvenzen je Einwohner an. Ebenfalls viele Privatinsolvenzen meldeten auch die Städte Bremen (204 Privatpleiten je Einwohner), Wuppertal (172), Hamburg (166) und Leipzig (163). Bezogen auf die Großstädte gab es die wenigsten Privatpleiten in Stuttgart. In der Hauptstadt Baden- Württembergs wurden 88 Privatinsolvenzen je Einwohner gemeldet. Dahinter rangieren München (90), Münster (97), Bonn und Dresden (je 108). 5. Prozentuale Veränderungen: Anstiege in Bremen und Thüringen In 14 der 16 Bundesländer zeigt sich der bundesweite Trend der sinkenden Privatinsolvenzen. Den stärksten Rückgang bei Privatpleiten im Jahr 2016 meldete Brandenburg (minus 13,2 Prozent). Zweistellig sanken die Fallzahlen ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern (minus 11,9 Prozent) und in Berlin (minus 10,5 Prozent). Auch in Schleswig-Holstein (minus 8,4 Prozent), Nordrhein- Westfalen (minus 8,1 Prozent), Sachsen (minus 7,5 Prozent), Hamburg (minus 7,0 Prozent) und Bayern (minus 6,6 Prozent) waren die Rückgänge der Verbraucherinsolvenzen stärker als im Bundesdurchschnitt. Lediglich in Bremen (plus 1,6 Prozent) und in Thüringen (plus 0,5 Prozent) zeigte sich der Trend rückläufiger Privatpleiten nicht. 6/9

7 6. Privatinsolvenzen nach Geschlecht: Mehr Männer als Frauen von einer Privatinsolvenz betroffen Ein Trend der letzten Jahre setzte sich auch 2016 fort. Männer müssen in Deutschland eher eine Privatinsolvenz anmelden als Frauen. Diese Aussage bezieht sich sowohl auf die absoluten als auch auf die relativen Zahlen. Während der Bundesdurchschnitt bei 123 Fällen je Einwohner liegt, 7/9

8 verantworteten männliche Bundesbürger im Jahr Privatpleiten je Einwohner (absolut: Fälle). Dem gegenüber stehen Frauen, die eine private Insolvenz anmelden mussten. Anders ausgedrückt wurden im vergangenen Jahr weit unter dem Bundesdurchschnitt 101 Frauen unter Bürgern zahlungsunfähig. Der Hauptgrund dafür, dass mehr Männer eine Privatinsolvenz anmelden als Frauen, liegt darin, dass der Mann in vielen Familien - trotz der veränderten Lebensformen und Rollenbilder - weiterhin als Hauptverdiener und Haushaltsverantwortlicher gilt. Dieser kommt im Falle einer Überschuldung innerhalb der Familie für diese auf und meldet eine Privatinsolvenz an. 7. Ursachen der Privatinsolvenz: Sechs Hauptgründe für eine Verbraucherinsolvenz Die Gründe für Privatinsolvenzen sind in den meisten Fällen sehr unterschiedlich und individuell. Dennoch gibt es sechs Hauptursachen, die die Betroffenen in eine finanziell prekäre Lage führen und damit eine Privatinsolvenz auslösen können. Zu den Gründen gehören Arbeitslosigkeit und reduzierte Arbeit, Einkommensarmut, gescheiterte Selbstständigkeit, unwirtschaftliche Haushaltsführung, Veränderungen in der familiären Situation wie Scheidung beziehungsweise Trennung und Krankheit. 8/9

9 Der überwiegende Teil der Privatpersonen in einer Insolvenz hat vor allem Schulden bei Kreditinstituten, Versandhändlern, Versicherungen, Behörden, Vermietern, Energieversorgern und Telefongesellschaften. Die Durchschnittsschuldenhöhe der Betroffenen liegt bei rund Euro. Herausgeber: Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG, Gasstraße 18, Hamburg, 9/9

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