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1 münchen Heft 35 Internationale Stummfilmtage Frank Wisbar Carl Laemmle Junior Zauberkunst und Film Ingmar Bergman The School of Reis Herbert Achternbusch Werner-Herzog-Filmpreis Rumänisches Filmfestival Will Tremper Jeanne Moreau 100 Jahre Emelka Klaus Volkmer Stadtentwicklung Künstlerkino FilmWeltWirtschaft

2 Eintrittspreise 4 (3 für MFZ-Mitglieder). Ab 120 Minuten Filmlänge oder mit Gästen: 1 Aufschlag. Ab 180 Minuten, mit Live-Musik oder bei 3D: 2 Aufschlag. Die Kasse öffnet jeweils 60 Minuten vor und schließt 30 Minuten nach Beginn der Vorstellung. Bei allen öffentlichen Veranstaltungen verbleibt ein Kartenkontingent für den freien Verkauf an der Abendkasse. Kartenreservierung Kartenreservierungen sind bis zu vier Wochen im Voraus möglich und können unter der Telefonnummer 089/ auf Band gesprochen werden. Vorbestellte Karten müssen bis 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn an der Kasse abgeholt worden sein, ansonsten verfällt die Reservierung. Kartenvorverkauf Karten können bis zu vier Wochen im Voraus gekauft werden. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass unmittelbar vor Vorstellungsbeginn bei starkem Besucherandrang kein Kartenvorverkauf erfolgt. Karten behalten ihre Gültigkeit nur bis Vorstellungsbeginn. An der Abendkasse können vorverkaufte Karten bis 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn gegen Kostenerstattung wieder zurückgegeben werden. Programmabonnement Das Kinoprogrammheft und unseren Newsletter können Sie unter kostenlos abonnieren. Das Programmheft wird an Mitglieder des MFZ auf Wunsch kostenlos versandt. Ansonsten bitten wir um die Zusendung eines adres- sierten und mit 1,45 frankierten DIN A5-Briefumschlages an die Adresse des Filmmuseums. Den täglich aktualisierten Spielplan finden Sie auch auf Mitgliedschaft Wer sich für die Arbeit des Filmmuseums interessiert, kann Mitglied im Verein der Freunde des Filmmuseums München, dem Münchner Filmzentrum e.v. (MFZ) werden. Mitgliedsanträge sind an der Kinokasse erhältlich. Der Jahresbeitrag beträgt 20 und berechtigt zum ermäßigten Eintritt ins Filmmuseum sowie zur Teilnahme an den Mitgliederversammlungen des MFZ, in denen die Programmplanungen des Filmmuseums diskutiert und Projekte entwickelt werden. Weitere Informationen erhalten Sie unter Tel. 089 / und Rollstuhlfahrer / Hörgeschädigte Der Kinosaal und die Behindertentoilette im Untergeschoss sind über einen Aufzug barrierefrei zugänglich. Das Kino ist mit einer Induktionsschleife für Hörgerätebesitzer ausgestattet. Der Empfang ist auf den Plätzen am Anfang und Ende der Sitzreihen am besten. Saalmikrofon Das Kino verfügt über ein Saalmikrofon zur Kontrolle des Kinotons durch die Filmvorführer. Verkehrsverbindung Sie erreichen das Filmmuseum in 5 Gehminuten vom U/S-Bahnhof Marienplatz oder in 7 Gehminuten vom U-Bahnhof und der Trambahnhaltestelle Sendlinger Tor. Mitgliederversammlungen des Münchner Filmzentrums e. V. (MFZ) Die für alle Interessierten öffentlichen Mitgliederversammlungen des Fördervereins des Filmmuseums finden einmal im Monat montags um Uhr im Gotischen Zimmer des Ignaz-Günther-Hauses (St.-Jakobs-Platz 20, München, 1. Stock) statt. Termine: 17. September 2018, 15. Oktober 2018, 12. November 2018, 10. Dezember 2018, 14. Januar 2019 und 11. Februar Informationen: [email protected]. Open Scene am Donnerstag Die Termine am Donnerstag sind teilweise für aktuelle Veranstaltungen reserviert. Das Programm wird etwa acht Tage vorher festgelegt und in den Schaukästen an der Kinokasse, im -Newsletter, unter auf Facebook, auf Twitter und durch Ankündigungen in der Tagespresse bekannt gegeben. Impressum Landeshauptstadt München. Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, München, 089/ , [email protected] Redaktion: Stefan Drößler, Claudia Engelhardt, Christoph Michel, Klaus Volkmer Gestaltung: KOSCH Werbeagentur, München Druck: Weber Offset GmbH, München

3 Emelka, Digitalisierung, Carl Laemmle Junior, Zauberkunst und Film Mit großem Aufwand wurde im vergangenen Jahr der 100. Geburtstag der Ufa gefeiert.»die Ufa Geschichte einer Marke«heißt eine Ausstellung, die noch bis zum 16. September in München zu sehen ist. Dass im Januar 2019 die Emelka 100. Geburtstag hätte, der in den 1920er Jahren zweitgrößte deutsche Filmkonzern, findet weitaus weniger Beachtung. Die Ressentiments, die die Berliner Filmszene der bayerischen Konkurrenz entgegenbrachte, setzen sich bis heute fort. Ihnen wird aber auch nicht von bayerischer Seite entgegengetreten: Die bayerische Filmgeschichte ist erschreckend schlecht aufgearbeitet und dokumentiert. Anlass genug für das Filmmuseum, sich des Themas Emelka einmal genauer anzunehmen. Einige der Filme der größten Retrospektive, die jemals der Emelka-Produktion gewidmet war, werden in neuen Restaurierungen des Filmmuseums und anderer Archive zu sehen sein. Seit Juni 2018 besitzt das Filmmuseum einen eigenen Filmscanner, drei Workstations, ein mit dem Vorführraum verbundenes Netzwerk und ein digitales Speichersystem, mit dem Filmdaten gesichert werden können. Damit kann es seinen Aufgaben der digitalen Filmvorführung und Filmrestaurierung gerecht werden. Komplexere Projekte, die aufwändige Zusatzarbeiten erfordern, werden auch weiterhin in Zusammenarbeit mit spezialisierten Studios stattfinden. Wir freuen uns, dass wir künftig gerade die Filme, die durch das Raster der Digitalisierungsfördermaßnahmen fallen, selber bearbeiten und auch den Verleih der vom Filmmuseum rekonstruierten Filme wesentlich effizienter gestalten können. Selbst dem Kinobetrieb bieten sich jetzt neue Möglichkeiten, problematisches Filmmaterial vorführbar zu machen. Sie als Publikum können sich mehr denn je darauf verlassen, dass Sie im Filmmuseum immer die bestmögliche Filmqualität geboten bekommen. Restaurierungen des Filmmuseums wurden in diesem Jahr schon weit über München hinaus auf internationalen Filmfestivals in Berlin, Bangkok, San Francisco, Belgrad, Paris, Bologna, Locarno und Buenos Aires gezeigt. Im neuen Programm finden Sie wieder eine bewährte Mischung aus Altem und Neuem, Bekanntem und Unbekanntem, Leichtem und Schwierigem, Ernsthaftem und Unterhaltendem, Gängigem und Experimentellem. Die Retrospektive»Carl Laemmle Junior«, die wir in Zusammenarbeit mit Dave Kehr vom Museum of Modern Art zusammengestellt haben, präsentiert viele Titel, die in Deutschland noch nie im Kino zu sehen waren, meist in neuwertigen 35mm-Filmkopien, die uns aus dem Archiv von NBC Universal zur Verfügung gestellt werden. Ganz besonders unterhaltsame Abende verspricht die Filmreihe»Zauberkunst und Film«, bei der zwei Münchner Zauberkünstler und eine Zauberkünstlerin Filme einführen und die spannende Wechselbeziehung von Kino und der Kunst der Täuschung anhand praktischer Beispiele erläutern. Und zuguterletzt möchten wir auf die Retrospektive des Münchner Journalisten, Schriftstellers und Filmemachers Will Tremper hinweisen, der am 19. September seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte und dessen Regiearbeiten in neu restaurierten digitalen Fassungen präsentiert werden. Wir wünschen Ihnen spannende, vergnügliche, aufschlussreiche und nachdenkliche Kinoerlebnisse. Ihr Filmmuseum 2 Rückblick 3 Internationale Stummfilmtage 7 Frank Wisbar 11 Carl Laemmle Junior 20 Zauberkunst und Film 27 Ingmar Bergman 31 The School of Reis 32 Herbert Achternbusch 37 Film und Psychoanalyse 39 Werner-Herzog-Filmpreis 40 Rumänisches Filmfestival 46 Will Tremper 51 Jeanne Moreau 62 Zuschauerkino Jahre Emelka 72 Klaus Volkmer 74 Stadtentwicklung 75 Künstlerkino 79 FilmWeltWirtschaft 80 Kalenderübersicht R = Regie B = Drehbuch K = Kamera M = Musik S = Schnitt T = Ton D = Darsteller P = Produktion OF = Originalfassung OmU = Originalfassung mit Untertiteln OmeU = Originalfassung mit englischen Untertiteln OmfU = Originalfassung mit französischen Unter titeln OmÜ = Originalfassung mit deutscher Übersetzung dtf = deutsche Synchronfassung \ = Live-Musikbegleitung 2 = Einführung = Zu Gast

4 Rückblick Rückblick März 2018: Claudia Engelhardt und Sonja Maria Kröner beim Publikumsgespräch nach der Vorführung des Films SOMMERHÄUSER, der es in die Auswahl»Deutsche Filme 2017«geschafft hatte. 5. April 2018: István Szabó im Gespräch mit Stefan Drößler und dem Publikum über seinen Film MEPHISTO, der in einer Filmreihe zur Ausstellung»Du bist Faust«der Kunsthalle München gezeigt wurde. 26. Mai 2018: Jerzy Skolimowski und Kameramann Charly Steinberger am Kinoeingang vor der Vorführung der überarbeiteten Fassung des lange verbotenen Films HÄNDE HOCH! 7. Juni 2018: Die Gamelan-Experten Wayne Vitale aus San Francisco und András Varsányi, Leiter der Sammlung Musik des Stadtmuseums, eröffnen mit einem Filmprogramm das Internationale Gamelan-Festival. 14. Juni 2018: Ute Aurand und Robert Beavers zeigen in der Underdox-Halbzeit ihre Kurzfilme und diskutieren mit dem Publikum über die Faszination des Arbeitens mit 16mm-Filmmaterial. 30. Juni 2018: Im Rahmen des Filmfests München präsentiert sich Emma Thompson dem Publikum im Filmmuseum und spricht über ihr Drehbuch für den Film SENSE AND SENSIBILITY von Ang Lee.

5 Internationale Stummfilmtage DIE STADT OHNE JUDEN Internationale Stummfilmtage 3 Das Filmmuseum München beginnt sein neues Programm traditionsgemäß mit einer Auswahl von seltenen und neu rekonstruierten Stummfilmen aus dem Programm der»bonner Stummfilmtage«, des größten deutschen Stummfilmfestivals. Zur Aufführung gelangen die besten Fassungen der jeweiligen Filme, oft wertvolle Unikate, für die namhafte Stummfilmmusiker neue Musikbegleitungen ausarbeiten und live einspielen. Die einzelnen Filme werden ausführlicher auf der Website der Bonner Veranstaltung ( und in einem Programmheft vorgestellt, das an der Kinokasse ausliegt. Die Auswahl für das Programm des Filmmuseums konzentriert sich auf Raritäten, die in München lange nicht mehr oder noch nie zu sehen waren. Es sind Filme aus verschiedenen Ländern und Kontinenten, die die Vielfalt und hohe Qualität des Stummfilmschaffens dokumentieren. Oft sind die vorgestellten Fassungen das Ergebnis aufwändiger Restaurierungsarbeiten der Filmarchive, die in der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) zusammengeschlossen sind und mit denen das Filmmuseum in regem Kontakt steht. In diesem Jahr sind mehrere Eigenrekonstruktionen des Filmmuseums dabei, so auch ein Film, der in der Filmgeschichtsschreibung oft übersehenen Pionierin Alice Guy, der bis heute einzigen Frau, die von 1911 bis 1914 in Amerika ein eigenes Filmstudio leitete und bei mehreren Hundert Filmen selber Regie führte. CUPID AND THE COMET ist eine Komödie, die eine einfache Geschichte erzählt, in der eine selbstbewusste junge Frau im Mittelpunkt steht, die ihren Willen durchsetzt. Die legendäre Komödie THE BATTLE OF THE CENTURY mit Stan Laurel und Oliver Hardy wurde um neu gefundene Sequenzen ergänzt und ist nun nahezu vollständig. Zum bizarren sowjetischen Animationsfilm INTERPLANETARISCHE REVOLUTION und zu G.W. Pabsts wiederentdecktem Meisterwerk ABWEGE, dessen Kameranegativ erhalten geblieben ist und die Grundlage für die digitale Restaurierung war, hat die Münchner Komponistin Masha Khotimski zwei ungewöhnliche Musikbegleitungen komponiert, die sie im Filmmuseum persönlich vorstellen wird. Alle anderen Filme werden von bewährten Stummfilmpianisten live am Flügel begleitet, die dem Publi-

6 Internationale Stummfilmtage 4 kum des Filmmuseums vertraut sind: Richard Siedhoff (Weimar), Joachim Bärenz (Oberhausen), Günter A. Buchwald (Freiburg) und Masako Ohta (München). Die Aufführung der vom Filmarchiv Austria erstellten neuen Fassung von DIE STADT OHNE JUDEN findet in Zusammenarbeit mit dem NS-Dokumentationszentrum München statt. Stefan Drößler Vårt kronprinspar i Hollywood (Unser Kronprinzenpaar in Hollywood) Schweden min OmU Der schwedische Kronprinz Gustaf Adolf und seine Frau, Kronprinzessin Louise, sind zu Besuch in Hollywood und besichtigen das Studio von MGM. Sie werden von Louis B. Mayer empfangen und treffen auf Stars wie Greta Garbo, Lon Chaney und Ramon Novarro. Die Schlussszene wurde in Zweifarbtechnicolor gedreht. Flesh and the Devil (Es war) USA 1926 R: Clarence Brown B: Benjamin Glazer, nach dem Roman»Es war«von Hermann Sudermann K: William Daniels D: John Gilbert, Greta Garbo, Lars Hanson, Barbara Kent, William Orlamond 112 min OF Der dritte Hollywoodfilm von Greta Garbo brachte sie mit John Gilbert zusammen, mit dem sie fortan auch im Privatleben das große Liebespaar des amerikanischen Stummfilms wurde. FLESH AND THE DEVIL erzählt die Geschichte zweier Jugendfreunde, von denen einer als Militärkadett auf Heimaturlaub ein Verhältnis mit der Gattin eines Offiziers beginnt. Kameramann William Daniels schuf mit seiner modellierenden Lichtsetzung das Image der»göttlichen«garbo. Donnerstag, 6. September 2018, Uhr Live-Musik: Richard Siedhoff Einführung: Stefan Drößler Rosita (Rosita, die Straßensängerin) USA 1923 R: Ernst Lubitsch B: Norbert Falk, Edward Knoblock, Hanns Kräly, nach dem Stück»Don César de Bazan«von Adolphe d Ennery und Philippe Dumanoir K: Charles Rosher D: Mary Pickford, Holbrook Blinn, Irene Rich, George Walsh, Charles Belcher 97 min OF Hauptdarstellerin und Produzentin Mary Pickford mochte Ernst Lubitschs ersten Hollywoodfilm in späteren Jahren nicht mehr und ließ das Originalnegativ vernichten. Dabei war der unterhaltsame Kostümfilm um eine Straßensängerin, die von den Massen gefeiert wird und der sogar der König verfällt, seinerzeit sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum ziemlich erfolgreich.»lubitsch hat in ROSITA alles, was er konnte, alles, was er in Deutschland geleistet hat, zusammengefasst und auf die Probe der amerikanischen Schauspielkunst, der amerikanischen Photographiertechnik gestellt. Mary Pickford ist in den heiteren Partien und in allen Übergängen unverbraucht, von strömender Laune. Reizend in momentanen Einfällen, reich in Improvisationen, die aber immer diszipliniert, immer situationsmäßig festgelegt sind.«(herbert Ihering) Eine neue Restaurierung des Museum of Modern Art. Freitag, 7. September 2018, Uhr Live-Musik: Joachim Bärenz Ben-Hur: A Tale of the Christ (Ben Hur) USA 1925 R: Fred Niblo B: June Mathis, Carey Wilson, Bess Meredyth, nach dem Roman von Lew Wallace K: Clyde De Vinna, René Guissart, Percy Hilburn, Karl Struss D: Ramon Novarro, Francis X. Bushman, May McAvoy, Betty Bronson, Claire McDowell, Kathleen Key, Mitchell Lewis 141 min OF Die Dreharbeiten zum teuersten Stummfilm aller Zeiten dauerten zwei Jahre und sprengten alle Grenzen. Allein für das vor großer Kulisse real stattfindende Wagenrennen wurden 47 Kameras eingesetzt. Viele Sequenzen wurden im überaus teuren und komplizierten Zweifarbtechnicolor-Verfahren aufgenommen. BEN-HUR beeindruckt bis heute als fesselnde Superproduktion, die ein Welterfolg war, aber aufgrund der hohen Produktions- und Werbekosten nur wenig Gewinn einspielte. Dennoch lohnte sich das Projekt für die Produzenten: Es etablierte den Ruf von MGM als mächtigstes Studio der Welt, das in den folgenden Jahrzehnten Hollywood dominierte.»es ist vielleicht die bedeutendste Regieleistung Niblos in diesem Film, dass fast unmerklich immer wieder der Faden aus dem grandiosen Massenbild zum Schicksal der Einzelnen führt.«(licht-bild-bühne) Freitag, 7. September 2018, Uhr Live-Musik: Richard Siedhoff Cupid and the Comet (Die Liebe siegt) USA 1911 R+B: Alice Guy D: 10 min dtf viragiert The Count (Der Graf) USA 1916 R: Charles Chaplin B: Charles Chaplin, Vincent Bryan, Maverick Terrell

7 K: William C. Foster, Roland Totheroh D: Charles Chaplin, Eric Campbell, Edna Purviance 25 min OF One Week (Buster Keatons Flitterwochen) USA 1920 R+B: Buster Keaton, Edward F. Cline K: Elgin Lessley D: Buster Keaton, Sybil Seely, Joe Roberts 21 min OF The Battle of the Century (Alles in Schlagsahne) USA 1927 R: Clyde Bruckman B: Hal Roach, H.M. Walker K: George Stevens D: Stan Laurel, Oliver Hardy, Noah Young 20 min OF viragiert Vier amerikanische Komödien: Filmpionierin Alice Guy erzählt die Geschichte einer selbstbewussten jungen Frau, die ihren Willen durchsetzt und dafür in Männerkleidung heiratet, Schneidergeselle Charlie Chaplin wird auf einer Party für einen reichen Grafen gehalten, Buster Keaton baut sich ein surreales Fertighaus zusammen, und Laurel & Hardy liefern sich eine legendäre Tortenschlacht, die durch neu aufgefundene Szenen vom Filmmuseum München vervollständigt wurde. Samstag, 8. September 2018, Uhr Live-Musik: Richard Siedhoff Einführung: Stefan Drößler Izu no odoriko (Das Mädchen von Izu) Japan 1933 R: Heinosuke Gosho B: Akira Fushimi, nach dem Roman von Yasunari Kawabata K: Jôji Ohara D: Kinuyo Tanaka, Den Obinata, Tokuji Kobayashi 124 min OmeU Ein Meisterwerk des japanischen Stummfilms, das auf einem erfolgreichen Roman von Yasunari Kawabata basiert, der 1968 als erster japanischer Autor mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Die melodramatische Geschichte eines Studenten aus Tokyo, der sich auf der Halbinsel Izu in eine Tänzerin einer ärmlichen Wandertheatertruppe verliebt, beschreibt Heinosuke Gosho in poetischen Bildern und einer Stimmung, die der in den später entstandenen Filmen von Yasujirō Ozu ähnelt. Der Film etablierte Gosho als Meister lyrischer Liebesfilme, der ein besonderes Auge für sozial Benachteiligte und die Armen der Gesellschaft hatte.»filme müssen, wie jedes andere Kunstwerk auch, die Gefühle des Publikums berühren, und zwar tiefgehend. Nur aus der Liebe zu unseren Mitmenschen können wir schöpferisch tätig werden. Die Menschenliebe ist die Basis jeder Kreativität.«(Gosho) Samstag, 8. September 2018, Uhr Live-Musik: Joachim Bärenz Die Stadt ohne Juden Österreich 1924 R: Hans Karl Breslauer B: Hans Karl Breslauer, Ida Jenbach, nach dem Roman von Hugo Bettauer K: Hugo Eywo D: Johannes Riemann, Eugen Neufeld, Hans Moser, Karl Thema, Anna Milety 87 min Hugo Bettauers provokanter Roman, der die politischen und ökonomischen Auswirkungen einer Verbannung der Juden aus Wien beschreibt, lief erfolgreich in den österreichischen Kinos, fand aber international nur wenig Verbreitung. Die neue Rekonstruktion des Filmarchivs Austria, die über Crowdfunding große internationale Unterstützung erfuhr, wurde aus zwei Fragmenten zusammengesetzt, die in Frankreich und in den Niederlanden gefunden wurden. Die Prophezeiungen des Films sind beklemmend und gelten bis heute als erstes künstlerisches Statement aus Österreich gegen den Antisemitismus. Seinerzeit fand der Film außerhalb Wiens, wo er trotz Störmanöver rechtsgerichteter Kreise in mehreren Kinos gleichzeitig lief, nur wenig Verbreitung. Heute, in einer Zeit der Ab- und Ausgrenzung, wirkt er leider erstaunlich aktuell. Sonntag, 9. September 2018, Uhr Live-Musik: Günter A. Buchwald Einführung: Nikolaus Wostry Oblomok imperii (Der Mann, der das Gedächtnis verlor) Sowjetunion 1929 R: Fridrich Ermler B: Katarina Vinogradskaja, Fridrich Ermler K: Evgenij Šnejder D: Fëdor Nikitin, Ljudmila Semënova, Valerij Solovcov, Jakov Gudkin, Sergej Gerasimov 109 min OmeU Deutsche Erstaufführung einer neuen Rekonstruktion der Originalfassung von Fridrich Ermlers bildgewaltigem Filmklassiker, von dem bisher nur gekürzte Fassungen bekannt waren. Ein Bahnarbeiter verliert als Soldat im Ersten Weltkrieg durch einen Schock sein Gedächtnis. Zehn Jahre später erkennt er am Zugfenster seine Frau und kann sich plötzlich wieder an früher erinnern. Auf der Suche nach ihr reist er durch ein neues Land und erkennt staunend, was sich seit der Oktoberrevolution alles verändert hat.»eine originelle Fabel, die Ermler mit hoher künstlerischer Meisterschaft umzusetzen versteht. Am meisten beeindrucken zweifellos auch heute noch die Sequenzen, in denen das wiedererwachende Bewusstsein Filimonows optisch transparent wird. Die Assoziationsmontagen des Internationale Stummfilmtage 5

8 Internationale Stummfilmtage 6 Films sind dabei ein höchst beachtenswertes Experiment.«(Fred Gehler) Sonntag, 9. September 2018, Uhr Live-Musik: Joachim Bärenz Lebende Bilder Filme aus den Jahren min engl. OF Bei Pathé in Paris wie auch bei der Filmgesellschaft American Mutoscope & Biograph griffen frühe Filme über das Alltagsleben, kleine Betrügereien oder Kinderstreiche gerne auf Werke der Genremalerei als visuelle Inspiration zurück. Gemälde waren aber auch Vorlage für Filme über historische Ereignisse wie Szenen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg oder die Ermordung Marats. Besondere Attraktionen bildeten aber Filme, die gegensätzlicher nicht sein konnten: erotisches und religiöses Kino. Unter dem Vorwand, klassische Bilder oder Skulpturen nachzubilden, konnte das Kino nackte Menschen präsentieren. Die Möglichkeiten des Films erweiterten die von Gemälden bekannten Darstellungen der Leiden Jesu und der von ihm vollbrachten Wunder. Das von der Filmwissenschaftlerin Valentine Robert zusammengestellte Programm präsentiert 30 Filme aus der Frühgeschichte des Kinos und zeigt die Gemälde, auf die sie sich beziehen. Dienstag, 11. September 2018, Uhr Live-Musik: Masako Ohta Einführung: Valentine Robert L'hirondelle et la mésange (Die Schwalbe und die Meise) Belgien 1924 R: André Antoine B: Gustave Grillet K: Léonce-Henri Burel D: Louis Ravet, Pierre Alcover, Maguy Deliac, Georges Denola, Jane Maylianes 78 min OmU Pierre Van Groot navigiert mit seinen zwei Lastkähnen»Schwalbe«und»Meise«auf den Kanälen zwischen Belgien und Frankreich. Die Filmaufnahmen, die André Antoine 1920 drehte, wurden vom Produzenten als für die Kinoauswertung ungeeignet bewertet, so dass die Produktion gestoppt wurde, obwohl Antoine noch eine Kriminalgeschichte einbaute. Erst 1984 wurde das ungeschnittene Material in der Cinémathèque française zusammengesetzt, und es konnte ein poetisches Meisterwerk entdeckt werden.»es ist Dokumentarrealismus der atemberaubenden Art, im gleitenden Rhythmus von Kanälen und Flüssen geschnittene Bilder von Landschaften, Städten, von Menschen auf Kähnen, an Ufern, zu Wasser und zu Land. Kompositionen, denen man Antoines Sinn für die Mise-en-Scène jedenfalls anzusehen glaubt, Figuren, die man bei der Arbeit sieht, in der Stadt, auf dem Kahn, auf dem Land.«(Ekkehard Knörer) Dienstag, 11. September 2018, Uhr Live-Musik: Günter A. Buchwald It's the Old Army Game (Ein moderner Glücksjäger) USA 1925 R: Edward Sutherland B: William LeBaron, Thomas J. Geraghty, J. Clarkson Miller, nach dem Bühnenprogramm»The Comic Supplement«von Joseph P. McEvoy und W. C. Fields K: Alvin Wyckoff D: W. C. Fields, Louise Brooks, Blanche Ring, William Gaxton, Mary Foy 77 min OF W. C. Fields ist heute in erster Linie als Komiker der frühen Tonfilmzeit in Erinnerung, der sich mit zynischen Dialogen dem Chaos um ihn herum zu entziehen versucht. Dass sein Humor auch im Stummfilm funktioniert, zeigt dieser Film, der dem wesentlich bekannteren Remake IT'S A GIFT (1934) durchaus ebenbürtig ist. Als ständig nörgelnder Betreiber eines Drugstores, in dem die attraktive Louise Brooks angestellt ist, fällt er auf einen Hochstapler herein, der sich bei ihm einmietet.»fields' Spiel ist sehr amüsant. Wir glauben nicht, jemals ein größeres Feuerwerk an Gags in einem einzigen Film gesehen zu haben. Viele der Einfälle sind neu, aber auch die mehr oder weniger bekannten komischen Szenen gewinnen durch Fields' unnachahmliches Spiel.«(The Moving Picture World) Mittwoch, 12. September 2018, Uhr Live-Musik: Günter A. Buchwald Mežplanetnaja revoljucija (Interplanetarische Revolution) Sowjetunion 1924 R+B: Nikolaj Chodataev, Senon Komissarenko, Jurij Merkulov K: V. Alekseev 10 min OmU Einer der ersten künstlerischen sowjetischen Zeichentrickfilme beschreibt in avantgardistischer Gestaltung die bolschewistische Errettung des Mars vor dem Zugriff des Großkapitals. Abwege DE 1928 R: G.W. Pabst B: Franz Schulz, Adolf Lantz, Ladislaus Vajda, Helen Gosewisch K: Theodor Sparkuhl D: Gustav Diessl, Brigitte Helm, Hertha von Walther, Jack Trevor, Fritz Odemar 96 min Weil der vermögende Rechtsanwalt Thomas Beck über seiner Arbeit seine Frau Irene vernachlässigt, beginnt diese einen Flirt mit einem Kunstmaler und taucht ins Berliner Nachtleben ein. G. W. Pabst, der große Realist des Weimarer Kinos, nimmt eine Ehekrise zum Anlass für ein flirrendes Gesellschaftsporträt, in dem die Kamera in einen Strudel aus Luxus und Laster stürzt. Der auf der Basis des Kameranegativs rekonstruierte Film besticht durch seine brillante Bildqualität und elegante Montage. Für beide Filme hat Masha Khotimski moderne neue Begleitmusiken komponiert. Mittwoch, 12. September 2018, Uhr Zu Gast: Masha Khotimski

9 Frank Wisbars Kriegsfilme der 1950er Jahre Frank Wisbar 7 Zeichnung von Helmuth Ellgaard Klaus Kanzog, der im November 2016 seinen 90. Geburtstag feierte, gilt als einer der wichtigen Impulsgeber der Filmwissenschaft in Deutschland. Seine neue Studie über militärische Leitbilder im westdeutschen Spielfilm der 1950er Jahre reiht sich in die zahlreichen jüngeren Publikationen zum Nachkriegsfilm ein. Kanzog konzentriert sich auf Filme, deren filmischer Diskurs sich unmittelbar auf die öffentlichen Diskussionen über die militärische Verteidigungsbereitschaft und soldatische Ehre während und kurz nach der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik bezog, [darunter] vier Filme von Frank Wisbar, HAIE UND KLEINE FISCHE (1957), HUNDE WOLLT IHR EWIG LEBEN (1959), FABRIK DER OFFIZIERE (1960) und NACHT FIEL ÜBER GOTENHAFEN (1960). Seine Analysen sind dabei nicht rein phänomenologisch fundiert. Vielmehr setzt Kanzog die Filme und ihre Roman- oder Drehbuchvorlage mithilfe vieler Quellen in Bezug zueinander und dokumentiert die damit verbundenen Auseinandersetzungen in zeitgenössischen Briefwechseln von Fachleuten und Zeitzeugen. Insbesondere die Briefe der an der Katastrophe von Stalingrad beteiligten Wehrmachtsgeneräle, die im Militärarchiv des Bundesarchivs erhalten sind, ergeben ein facettenreiches Bild der komplizierten Interessenkonflikte, denen HUNDE WOLLT IHR EWIG LEBEN und der Versuch ausgesetzt waren, ein möglichst authentisches Bild der Kämpfe um Stalingrad zu zeichnen. Dabei fokussiert Kanzog auf die Darstellung soldatischer Leitbilder und die Verhandlung der grundsätzlichen Frage der militärischen Verteidigungsbereitschaft. Zugleich geht er auf die Problematik der Faktizität der dargestellten Sachverhalte im Spannungsfeld künstlerischer Freiheit ein. Fabian Schmidt Militärische Leitbilder in Spielfilmen der Bundesrepublik der 1950er Jahre Wir sprechen und schreiben über Filme, zuallererst aber sehen wir sie oder sollten sie gesehen haben; die öffentliche Meinungsbildung vollzieht sich vorwiegend in publizistischen Bewertungen, die eigene individuell. Für den Betrachter war das Kino in den fünfziger Jahren noch der privilegierte Ort filmischer Wahrnehmung

10 Frank Wisbar 8 (und gesellschaftlicher Reputation).»Es war die Zeit, da Millionen Menschen von einem Kinobesuch sich noch die schönsten Stunden versprachen. Eine legendäre Zeit war das«. (Horst Frank) Das Kino war gegenüber der alltäglichen Lebenswelt ein»anderer Raum«, den man betrat und nach einer gewissen Zeit wieder verließ. Hier bestanden eigene Wahrnehmungsbedingungen, und hier galten eigene Wahrnehmungsregeln. Dieser»andere Raum«war ein Raum der Distanz, der Entspannung, aber auch Fluchtraum. Hier ließ man sich auf ein Spiel ein, und hier galt die Definition J. Huizingas:»Spiel ist nicht das gewöhnliche oder das eigentliche Leben. Es ist vielmehr das Heraustreten aus ihm in eine zeitweilige Sphäre von Aktivität mit einer eigenen Tendenz.«Im Kino setzen Fiktionen Energien frei, hier gewinnen Fantasien Realität und meditative Enklaven an Boden. Das zeitweise Verweilen in diesem»anderen«raum erleichtert die Reflexion über das eigene Verhalten. Unabdingbar ist das Wiederverlassen dieses Raums, so wie in der Selbsthypnose gewonnene Zustände wieder abgerufen werden müssen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Kinos besonders ersehnte»andere«orte, und die vier Besatzungsmächte entsprachen jeweils auf ihre Weise diesem Begehren durch die schnelle Wiederbelebung des Filmwesens. Da sprach man gern von der»stunde Null«: Doch gab es diese»stunde Null«nur in jenem Augenblick, in dem das NS-Herrschaftssystem zusammenbrach und die Besatzungsherrschaft errichtet wurde, die alle Überlebenden zwang, sich gemäß den veränderten politischen Verhältnissen neu zu orientieren. Auch für die deutsche Filmwirtschaft war dies nur formal ein Neuanfang. Viele Filmschaffende, die sich von Goebbels hatten kompromittieren, nicht aber disziplinieren lassen, waren sofort wieder zur Stelle und garantierten Kontinuität. Diese Kontinuität im deutschen Filmschaffen der 1930er bis 1950er Jahre beruhte auf fünf Faktoren: (1) auf dem ungebrochenen Charisma der Stars, (2) auf dem Können handwerklich erfahrener Kameraleute, (3) auf den tradierten Schnitt- und Montageverfahren, (4) auf der Pflege erprobter Genres, (5) auf der Fähigkeit, sich den Interessen und Bedürfnissen der Publikums anzupassen. Die Ufa war als Firma zerschlagen worden, als»erfahrung«lebte sie weiter. Die neuen Filmproduzenten folgten den Zeittendenzen, so auch in der Debatte um die deutsche Wiederbewaffnung. Die Filme unterstützten die Verteidigung der Distanz der Wehrmacht gegenüber den ideologischen Grundsätzen der NSDAP; den Gesamtkomplex Waffen-SS sparten sie wohlweislich aus. Sie erfüllten damit den sehnlichen Wunsch nach einer griffigen Unterscheidung zwischen»akzeptablem«und»nicht akzeptablem«verhalten von Wehrmachtsangehörigen und kamen in der öffentlichen Diskussion um die umstrittene Traditionsbindung der Bundeswehr einem Rechtfertigungsverlangen nach. Die gezielten Sympathielenkungen standen im Dienste einer ausgeprägten Argumentationsstrategie. Ihr emotionaler Impetus ging von Schauspielern aus, in die man sich hineinversetzen konnte. Da gewannen Generäle, junge Offiziere und Soldaten gleichermaßen Überzeugungskraft. Ein charismatischer Schauspieler überzeugt durch seine persönliche Ausstrahlung. Er versetzt Zuschauer in die Lage, Bewährungssituationen nachzuvollziehen und sich an ihnen zu orientieren. Ein charismatischer Schauspieler ist auch in Zweifeln und Niederlagen stark. Da hatte man bei der Rollenbesetzung in den einzelnen Filmen eine glückliche Hand. Man aktivierte bewährte Schauspieler, die dem Zuschauer bekannt waren und die sich in die neuen Figurenkonzepte einfügten. Die Geburtsjahrgänge der Schauspieler 1903 (O. E. Hasse), 1907 (Ernst Wilhelm Borchert), 1908 (Ernst von Klipstein), 1910 (Wolfgang Preiss) machen deren Generationszusammengehörigkeit erkennbar. Ihre gemeinsamen Lebenserfahrungen waren die Voraussetzung für die authentische Gestaltung ihrer Rollen. Für die jüngere Generation mussten authentische Repräsentanten gefunden werden. Das gelang Alfred Weidenmann. Horst Frank berichtet, dass Weidenmann im Sommer 1956 für DER STERN VON AFRIKA»neue (preiswerte) Gesichter«suchte und eine Personalentscheidung mit weitreichenden Folgen traf. Unter den sechs ausgewählten Schauspielern waren Joachim Hansen (1930), Hansjörg Felmy (1931) und Horst Frank (1929), die er in DER STERN VON AFRIKA einsetzte und für die dieser Film sowie ihr späterer Einsatz in den Wisbar-Filmen zum Sprungbrett für eine große Filmkarriere wurde. Gegenüber Hansjörg Felmy und Joachim Hansen, an denen sich junge Offiziere in der Bundeswehr durchaus orientieren konnten, bildet Horst Frank den Gegenpol.»Wenn etwas an Horst Frank pathologisch ist, so seine innere Erlebnisfähigkeit, die zweifellos weit über das Normale hinausgeht eine Übersensibilität, die dem geistigen und seelischen Normalverbraucher wahrscheinlich schon darum nicht geheuer ist, weil er sie sich ohne Ventil in seinem künstlerischen Beruf einfach nicht leisten kann, wenn er nicht früher oder später vor die Hunde gehen will.«(inge Dombrowski / Rudolf Borchert) Horst Frank bekannte:»meine (Charakter-)Visage hat mich bekannt gemacht; die Rollen der Grübler, der Zyniker, der Zerrissenen und Schwieri-

11 gen lagen mir.«als Gerd Heyne in HAIE UND KLEINE FI- SCHE und Feldwebel Böse in HUNDE WOLLT IHR EWIG LEBEN war er mehr als das. Von ihm gingen die Impulse für die kritische Reflexion über den Wehrdienst aus. Das Interesse an dem,»was geschah«, ist ungebrochen, doch ein ausgeprägtes Geschichtsbewusstsein entwickelt sich daraus nur rudimentär. Zurückliegende Ereignisse werden zeitlich eingeordnet, am ehesten im Rückblick auf die eigene Vergangenheit. Man rekonstruiert Abläufe, versucht, sie teleologisch in geschichtlichen Zusammenhängen zu sehen und ist auf Zusatzinformationen angewiesen, die nicht ad hoc zur Verfügung stehen. Dabei geraten zwei Tendenzen einander ins Gehege, die Suche nach gesicherten Fakten und ihre Nutzanwendung. Informationsfluten treffen auf unterschiedliche Interessen, wecken Neugier, Suchbilder bestimmen die Auswahl. Siebzig Jahre nach der Wehrergänzung zum Grundgesetz und der dadurch ermöglichten Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland richtet sich unser Interesse auf den Elementaraffekt dieses historischen Ereignisses, der in den fünfziger Jahren Verdrängtes aktivierte. Die aus dieser Zeit überlieferten Spielfilme vermitteln diesen Elementaraffekt und lösen zugleich neue Affekte aus, die in Schach gehalten werden müssen, um die Wahrnehmung der historischen Gegebenheiten von voreiligen Vorurteilen freizuhalten. Dies gilt besonders für die Umstände, unter denen diese Filme produziert wurden. Angelpunkt ihrer Bewertung ist die Tragfähigkeit der Argumente des filmischen Diskurses zum Zeitpunkt ihrer Uraufführung. Historische Beweiskraft erlangen diese Argumente erst aufgrund gesicherter Kenntnisse über die»historische Zeit«und deren führende Persönlichkeiten; Nachprüfungen bestätigen Korrektheit und decken Unschärfen, Lücken, Fehler auf. Der Spielraum für Spekulationen ist groß, aber auch die Duldsamkeit gegenüber Eigenmächtigkeiten. Trotz der unvermeidlichen Begleitschäden will man in der Hauptsache daran glauben, dass es»wohl so war«. Auf dieser Basis können Betrachter durchaus ein Geschichtsbewusstsein entwickeln. Eine Kinostunde ist jedoch keine Geschichtsstunde und ein Spielfilm kein Geschichtsbuch. Klaus Kanzog Haie und kleine Fische BRD 1957 R: Frank Wisbar B: Wolfgang Ott, nach seinem Roman K: Günter Haase M: Hans-Martin Majewski D: Hansjörg Felmy, Susanne Bethmann, Wolfgang Preiss, Heinz Engelmann, Frank Wisbar 9 HUNDE WOLLT IHR EWIG LEBEN

12 Frank Wisbar 10 Horst Frank, Mady Rahl 120 min»basierend auf dem Roman von Wolfgang Ott (1954) dramatisiert dieser packende U-Boot-Film eine der unbarmherzigsten Fronten des Zweiten Weltkriegs. Wie der Titel suggeriert, ist Wisbar ganz auf der Seite der einfachen Soldaten, die nach bestem Wissen und Gewissen ums Überleben kämpfen und immer wieder die eigene Ohnmacht erfahren. Immer wieder integriert Wisbar reale Wochenschauausschnitte auch in seinen späteren Werken, so dass der Film im Guten wie im Bedenklichen sehr zeitgenössisch wirkt: HAIE UND KLEINE FISCHE schafft eine dichte Simulation des U-Boot-Krieges, bleibt dabei aber ideologisch indifferent. Das ist insofern legitim, als dass der Film sich an der Beleuchtung von Einzelschicksalen in Grenzsituationen versucht. HAIE UND KLEINE FISCHE reflektiert so intensiv die Stimmung jener Jahre, in denen der Krieg eine noch sehr lebendige Erinnerung ist.«(marcus Stiglegger) Freitag, 14. September 2018, Uhr Einführung: Klaus Kanzog Hunde wollt ihr ewig leben BRD 1959 R: Frank Wisbar B: Frank Wisbar, Frank Dimen, Heinz Schröter, nach dem Roman von Fritz Wöss K: Helmuth Ashley M: Herbert Windt D: Joachim Hansen, Wilhelm Borchert, Wolfgang Preiss, Karl Lange, Horst Frank 98 min»wisbar bevölkerte die Szenerie von Stalingrad mit den vorgeprägten Typen, die dem ideologischen Proporz des deutschen Kriegsfilms entsprechen. Es gibt den guten, idealistischen, tapferen Nationalsozialisten, der am Schluss geläutert wird, und den bösen, doch feigen Nazi-Offizier, der am Ende angstschlotternd zum Feind überläuft. Darüber hinaus existiert, in der Gestalt von Sonja Ziemann, sogar das liebende Russenmädchen, das plötzlich hinter der sowjetischen Front auftaucht und dem verirrten deutschen Helden die Rückkehr zu den eigenen Truppen ermöglicht. Diese Schwächen können auch nicht durch die eindrucksvoll inszenierten Kampfszenen und die eingeblendeten Wochenschaubilder wettgemacht werden, die zwar technisch perfekt eingefügt wurden, aber nicht immer nahtlos an das Atelier-Grauen anschließen.«(der Spiegel 16/1959) Samstag, 15. September 2018, Uhr Einführung: Klaus Kanzog Nacht fiel über Gotenhafen BRD 1960 R: Frank Wisbar B: Frank Wisbar, Victor Schuller, nach einem Tatsachenbericht des Stern K: Elio Carniel, Willy Winterstein M: Hans-Martin Majewski D: Sonja Ziemann, Gunnar Möller, Erik Schumann, Brigitte Horney, Mady Rahl 99 min»als letzten Teil seiner Kriegsfilm-Trilogie drehte Frank Wisbar eine den deutschen Frauen gewidmete Schicksalsballade, die sich von einem 1939er Bunten Abend auf dem Kraft-durch-Freude-Dampfer Wilhelm Gustloff bis zum Untergang des Schiffes hindehnt: Im Januar 1945 wurde es, mit 6000 Flüchtlingen an Bord, durch russische U-Boot-Torpedos in der Ostsee versenkt. Technisch brillant gelang allerdings die Schiffskatastrophe, und mit erstaunlicher Vitalität übertrumpft Brigitte Horney alle ihre Mitspieler.«(Der Spiegel 11/1960)»Dazu passt, dass Wisbar originale Aufnahmen vom Treck in seinen Film einbaute und mit nachgestellten Szenen montierte. Dem Publikum wird diese Collage im Film nicht kenntlich gemacht. Zusätzlich erschuf Wisbar neue Bilder von Flucht und Vertreibung, nämlich die Bilder des Gustloff-Untergangs, von dem keine Fotografien oder Filmaufnahmen überliefert sind. Ungeachtet dessen wurden die fiktiven Bilder des Untergangs selbst in den 2000er Jahren sowohl in Dokumentationen als auch in Printmedien wiederverwertet, die Bild-Zeitung verwendete Wisbars erfundene Bilder des Gustloff-Untergangs im Jahr 2002 sogar als Authentifizierungsreferenz.«(Alina Laura Tiews) Sonntag, 16. September 2018, Uhr Einführung: Klaus Kanzog Fabrik der Offiziere BRD 1960 R: Frank Wisbar B: Franz Höllering, Frank Wisbar, nach dem Roman von Hans Hellmut Kirst K: Kurt Grigoleit M: Hans-Martin Majewski D: Karl Lange, Karl John, Erik Schumann, Horst Frank, Peter Carsten, Helmut Griem 96 min»der deutschen Kriegsfilmzubereitung nach Illustriertenmanier ist jetzt auch der Spielleiter Frank Wisbar erlegen, als er des 08/15-Autors und Münchner Filmkritikers Hans Hellmut Kirst jüngstes Roman-Opus im Nicht-Anecken-Stil der Zehnten Muse bescherte. Ein Vorgesetztenmord an einer Kriegsschule liefert die Glieder für die erprobte Gleichung: Edler Offizier plus sturer Nazi plus Widerstandskämpfer plus Kasinoprasser plus leidende Soldatenbraut gleich deutsche Tragödie.«(Der Spiegel 3/1961)»Kein pathetischer Held produziert sich vor der Kamera, sondern ein Mensch, den sein Gewissen gegen alle Absicht in den Konflikt treibt. Helmut Griem (in seiner ersten Filmrolle) meistert den schwierigen Part mit überzeugender, herber Ausdruckskraft.«(Film-Dienst 3-4/1961) Dienstag, 18. September 2018, Uhr Einführung: Klaus Kanzog

13 Universal unter Carl Laemmle Junior Februar Von links: Will Hays, Carl Laemmle Senior, Mary Pickford, Will Rogers, Carl Laemmle Junior. Carl Laemmle Junior 11 Der aus dem schwäbischen Laupheim in die USA eingewanderte Carl Laemmle stieg 1909 ins Kinogeschäft ein und gründete 1912 die Universal Studios, bei denen das Starsystem seinen Anfang nahm und die als erste auch ihr Gelände als Touristenattraktion vermarkteten. Im Jahr 1928, am Ende der Stummfilmzeit, folgte ein gewagter Schritt: Carl Laemmle»schenkte«seinem 20-jährigen Sohn Julius die Position als Head of Production doch nicht, ohne den vorher noch umzubenennen. Fortan hieß er nicht mehr Julius, sondern»carl Laemmle, jr.«, was Kontinuität signalisieren sollte, sich aber für den jungen Mann, der bald nur noch»junior«genannt wurde, als schwere Hypothek erwies. Man bezweifelte des Juniors Befähigung für seinen Posten, zumal der Senior für seinen Nepotismus bekannt war, und machte hinter seinem Rücken Witze über ihn. Carl Laemmle Senior wandte sich mehr und mehr seinem humanitären Engagement zu, während Junior, stets makellos gekleidet und strahlend, das Studio auf neue Wege führte und zugleich viele Filme persönlich produzierte. Zwischen den beiden mächtigen und ungewöhnlich jungen Produktionschefs der Studios MGM und Universal, Irving Thalberg und Carl Laemmle Junior, bestand eine starke Rivalität, die auch damit zusammenhing, dass Thalberg zunächst selber bei Universal tätig gewesen war. Die Konkurrenz der beiden war von fazinierenden Kontrasten geprägt: Thalberg feuerte den exzentrischen Regisseur Erich von Stroheim, während Junior gezielt dessen nicht minder exzentrische Kollegen Paul Fejos und Edward Cahn einstellte. Thalberg ließ Dickens und Shakespeare verfilmen, Junior dagegen Gegenwartsautoren wie Erich Maria Remarque, Hans Fallada oder Stefan Zweig. Und während Thalberg einer der Verfasser des Production Code war, setzte Junior alles daran, die Zensur zu untergraben Wiederaufführungen von John Stahls BACK STREET (1932) wurden nach der Einsetzung des Production Code rundweg abgelehnt, zunächst weil der Film»nicht die korrekten moralischen Werte«vertrete. Später wurde gar beschieden, BACK STREET sei»zum Symbol für genau die falsche Art Filme geworden«, denen der Production Code doch ein Ende setzen sollte. Allein Junior ist es zu verdanken, dass bei der Universal die Horrorklassiker der 1930er Jahre DRACULA,

14 Carl Laemmle Junior 12 FRANKENSTEIN, THE MUMMY, THE INVISIBLE MAN etc. entstanden (die das Filmmuseum im Frühjahr 2017 zeigte), doch sein Einfluss ging weit darüber hinaus. Er wollte das für seine Sparsamkeit berüchtigte Studio aufwerten und die gut eingeführte Produktpalette aus Western, Serials und Kurzfilmkomödien auf echte A-Filme umstellen, die vorerst durch die erfolgreiche B-Produktion querfinanziert werden sollten. Er war kultiviert, ehrgeizig und risikofreudig, förderte Innovationen in der Studiotechnik und versuchte neue Formen zu etablieren. KING OF JAZZ (1930) sollte eine neue Art des Musikfilms begründen und die verschwenderisch ausgestatteten MGM-Musicals in den Schatten stellen, doch der Aufwand für dieses Farbspektakel zahlte sich nicht aus. Das Projekt, das rund zwei Millionen Dollar verschlungen hatte, fiel an der Kasse durch. Junior war eine unverbesserliche Spielernatur. Wenn er auf kostspielige, wagemutige und anspruchsvolle Projekte setzte, erwiesen sich seine furchtlosen Entscheidungen oft als richtig, wie bei ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT (1930), der trotz heftiger Kontroversen im Vorfeld (den Weltkrieg aus der Sicht des Feindes zeigen?), enormer Schwierigkeiten in der Produktion und Zensurproblemen in vielen Ländern doch letztlich ein Welterfolg wurde und dem 22-jährigen Produzenten einen Oscar eintrug. Variety schrieb:»nichts wird hier dezent übergangen, nichts für das weibliche Publikum geschönt. Gezeigt wird der Krieg, wie er ist, Schlachterei. Der Völkerbund könnte keine bessere Investition tätigen als den Film aufzukaufen und ihn in allen Sprachen der Welt allen Nationen alljährlich zu zeigen, bis das Wort Krieg aus den Lexika getilgt wird.«junior band unkonventionelle Regisseure ans Studio James Whales doppelbödige Ironie, Edward Cahns zynischer Nihilismus, John Stahls humanistisches Feuer fanden in deren Jahren bei der Universal ihren vollsten Ausdruck. Er konnte Stars mit demselben Geschick aufbauen, das schon sein Vater, der Erfinder des Star-Systems, bewiesen hatte Margaret Sullavan kam für ONLY YESTERDAY, dann produzierte Junior für sie mit LITTLE MAN, WHAT NOW? einen der ersten Hollywoodfilme, die den Aufstieg der Nazis behandelten. Universal hatte ursprünglich eine besonders enge Bindung an die deutsche Filmindustrie gepflegt, doch nun war Universal das erste große Studio, das sich wegen der Nationalsozialisten aus dem lukrativen deutschen Markt zurückzog. Derweil hielten sich Fox, Warner und MGM dem Exportgeschäft zuliebe brav an Vorgaben der neuen Machthaber in Deutschland und vermieden jeden Anflug von Kritik. Bis heute kann man lesen, Juniors teure Flops hätten das Studio ruiniert, doch das trifft nicht zu. Das Problem war nicht der gelegentliche Misserfolg, sondern vielmehr eine schleichende Kostenfalle, wie die Papiere des Unternehmens belegen: Ein mittlerer Film, an dem keine großen Erwartungen hingen, war bei der Universal früher auf $ gekommen; unter Junior konnte er $ bis $ mehr kosten. Die Defizite sammelten sich an, bis Junior 1936 seinem Spielerinstinkt folgte und, anstatt Budgets zusammenzustreichen, alles auf eine Karte setzte eine Verfilmung des Musicals SHOW BOAT im ganz großen Stil mit aufwändigen Bauten, kunstvollen Kostümen und den Stars der Bühnenversion einschließlich des großen Paul Robeson. Im sicheren Gefühl, einen Riesenhit zu landen und im vollen Vertrauen auf James Whales Inszenierung nickte Junior die Kosten ab, die sich letztlich auf $ summierten. Derweil spielte Laemmle Senior, der schon so manche finanzielle Krise ebenso geschickt wie fragwürdig gemeistert hatte, auf Risiko. Für einen Kredit von gerade $ stand eine Option auf das gesamte Studio als Sicherheit. Als der Kredit fällig wurde, griffen die Geldgeber zu und übernahmen Universal am 14. März 1936 für fünfeinhalb Millionen Dollar gerade viermal soviel, wie SHOW BOAT gekostet hatte. Einen Monat später kündigte Junior. Mit nur 28 Jahren war er ein gescheiterter Filmproduzent. Die bittere Ironie war, dass SHOW BOAT ein enormer Erfolg bei Kritik und Publikum wurde zu spät für die Rettung der Laemmles. James Whale hatte besonderen Grund, Juniors Abschied zu bedauern, denn sein nächster Film, THE ROAD BACK, die Fortsetzung von ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT, wurde von den neuen Chefs nach Boykottdrohungen aus Deutschland massiv zusammengekürzt. Die Library of Congress konnte die jahrzehntelang verlorene Urfassung von THE ROAD BACK wieder herstellen, die neben SHOW BOAT am Ende der Filmreihe steht.

15 Junior war zunächst noch einige Monate bei MGM angestellt, ohne dass das zu einem Film geführt hätte. Nach dem Tod seines Vaters 1939 erbte Junior rund fünf Millionen Dollar. Er lebte noch bis 1979, Gerüchte um einzelne Projekte Juniors gab es immer wieder, doch die Filme nahmen nie Gestalt an. Bei seinem Tod war das Herrenhaus in Beverly Hills beliehen und das Vermögen fast aufgebraucht. Sogar sein Oscar für ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT war verschwunden und wurde nicht wieder aufgefunden. Die New York Times hielt es nicht für nötig, einen Nachruf zu bringen. Die Filme dieser Reihe belegen durchweg, dass Junior als Produzent eine risikofreudige, wagemutige Linie verfolgte. Er war weder ein Verschwender noch ein Pfennigfuchser, sondern stattete Projekte, an die er glaubte, mit Mitteln aus, die andere Studios nicht riskierten. Die Vielzahl beeindruckender Produktionen aus gerade sieben Jahren, von denen wir nur einen kleinen Teil ausgewählt haben, lässt uns mit der Frage zurück: Was hätte Junior noch geschaffen, was wäre alles möglich gewesen, wäre die Ära Laemmle nicht 1936 abrupt beendet worden? Dave Kehr, Christoph Michel All Quiet on the Western Front (Im Westen nichts Neues) USA 1930 R: Lewis Milestone B: Maxwell Anderson, George Abbott, Del Andrews, nach dem Roman von Erich Maria Remarque K: Arthur Edeson M: David Broekman D: Lew Ayres, Louis Wolheim, John Wray, Arnold Lucy, Ben Alexander 136 min OmU Der Film folgt Paul und seinen Freunden von der Schulbank durch die Grundausbildung in die Schützengräben und begleitet sie mit großem Aufwand und dokumentarischer Genauigkeit bis zum bitteren Ende. Die Darstellerin von Pauls Mutter, ZaSu Pitts, war eine beliebte Komikerin, und das Publikum in Testvorführungen reagierte bei ihrem Auftritt reflexartig mit Gelächter. Der Cutter (und spätere Regisseur) Edward L. Cahn musste den Film in Windeseile auf der Zugfahrt von Los Angeles nach New York überarbeiten, um ZaSu Pitts durch nachgedrehte Szenen mit Beryl Mercer zu ersetzen. Obwohl es bei Aufführungen in Deutschland zu Störaktionen der SA kam und der Film daraufhin zeitweise verboten wurde, war ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT schließlich einer der erfolgreichsten Filme der Saison 1931/32. Der Oscar für den besten Film gab Junior das Gefühl, sich bewiesen zu haben. Freitag, 14. September 2018, Uhr Dienstag, 18. September 2018, Uhr Outside the Law (Sirenen um Mitternacht) USA 1930 R: Tod Browning B: Tod Browning, Garrett Fort K: Roy F. Overbaugh M: David Broekman D: Edward G. Robinson, Mary Nolan, Owen Moore, Eddie Sturgis, John George 79 min OF Ein Ganovenpärchen hintergeht einen Gangsterboss und muss untertauchen. Regisseur Tod Browning kann in seiner Vorliebe für den amerikanischen fahrenden Carnival schwelgen eine Welt für sich, ein Zwischenreich aus Showbusiness und Verbrechen. Die Figuren scheinen der Sideshow aus Brownings FREAKS (1932) entsprungen. In der brillanten dialogfreien Anfangssequenz tritt Owen Moore als beinloser»automat«im Schaufenster eines Kaufhauses auf, während Mary Nolan als leicht bekleidetes Model in einem Museum für»lebende Bilder«arbeitet im Grunde nichts anderes als eine Burlesque Show. Auf der Flucht vor dem Gangsterboss geben sich die beiden als Frischvermählte aus und verstecken sich in einer für sie exotischen, befremdlichen»normalität«, in der Welt der middle class, die sie zugleich anzieht und anwidert. Browning, der diese Außenseitergeschichte 1920 schon einmal für Laemmle Senior als Stummfilm inszeniert hatte, kehrte nach Jahren bei MGM zur Universal zurück. Samstag, 15. September 2018, Uhr King of Jazz (Der Jazzkönig) USA 1930 R: John Murray Anderson B: Harry Ruskin K: Jerome Ash, Hal Mohr, Ray Rennahan M: Milton Ager, James Dietrich, George Gershwin, Ferde Grofé Sr., Billy Rose, Mabel Wayne, Jack Yellen D: Paul Whiteman, John Boles, Laura La Plante, Jeanette Loff, Glenn Tryon 98 min OF»Mit der Superproduktion KING OF JAZZ wollte Universal dem darniederliegenden Genre Musical neues Leben einhauchen. Paul Whiteman war als Bandleader auf dem Gipfel seines Ruhmes und hatte die erste Garde des Jazz engagiert, darunter einen jungen Sänger namens Bing Crosby. John Murray Anderson hatte spektakuläre Broadwayrevuen inszeniert Carl Laemmle Junior 13

16 Carl Laemmle Junior 14 und konnte neben Universals Vertragsstars die größten Bühnentalente für seine Vision begeistern, obwohl er keine Filmerfahrung hatte. Das Endergebnis war eine beispiellose Verbindung von Bühnen- und Filmelementen ohne Plot und fast ohne Dialog in strahlendem frühem Technicolor. War KING OF JAZZ jahrzehntelang nur in schlechten und unvollständigen Kopien verfügbar, kann man ihn nun erstmals seit 85 Jahren in einer Form sehen und hören, die der ursprünglichen Länge, Szenenfolge und Bildqualität nahe kommt.«(james Layton, David Pierce) Sonntag, 16. September 2018, Uhr A House Divided (Der Mannsteufel) USA 1931 R: William Wyler B: John B. Clymer, Dale Van Every, John Huston, Olive Edens K: Charles J. Stumar D: Walter Huston, Douglass Montgomery, Helen Chandler, Mary Foy, Lloyd Ingraham 70 min OF Nach Lehrjahren in Western und Actionfilmen kann man dies als den ersten echten William-Wyler-Film ansehen. Wie in vielen seiner späteren Filme, so ist auch hier die Hauptperson eine Vaterfigur in der Krise. Seth Law ist ein charismatischer Mann der Tat, ein Witwer, der seinen empfindsamen Sohn so unerbittlich dominiert wie die kleine Gemeinde, in der er lebt. Eine junge Frau in Not heiratet ihn aus Dankbarkeit, fühlt sich aber zu seinem verängstigten Sohn hingezogen. Die Geschichte spielt auf einer kleinen Insel vor der Pazifikküste im Nordosten der USA, und die düstere Atmosphäre der zerlumpten Kolonie von Lachsfischern lässt an Roberto Rossellinis 20 Jahre später entstandenen STROMBOLI denken. Huston scheint sich im Verlauf der Handlung physisch zu verwandeln, er wird vom hoch aufragenden Giganten zur kriechenden Schlange, ebenso wie sich Wylers Kamerapositionen von Hustons Aussichtspunkt auf der Anhöhe bergab zum Erdboden verlagern. Freitag, 21. September 2018, Uhr Dienstag, 25. September 2018, Uhr Seed ( und der Tag kam) USA 1931 R: John M. Stahl B: Gladys Lehman, nach dem Roman von Charles G. Norris K: Jackson Rose M: Heinz Roemheld D: John Boles, Genevieve Tobin, Lois Wilson, Raymond Hackett, Bette Davis, ZaSu Pitts, Richard Tucker, Helen Parrish 96 min OF Bart Carter, verheiratet, fünf Kinder, hat einen Roman geschrieben. Als seine frühere Freundin Margaret ihm hilft, das Buch herauszubringen, lässt Bart sich scheiden und heiratet Margaret. Er produziert immer mehr Schund, um seinen Lebensstil zu finanzieren. Nach einer Begegnung mit seinen Kindern aus erster Ehe, die ohne ihn ganz gut geraten sind, holt er sie zu sich, als könnte er Versäumtes nachholen. Der Regisseur John Stahl, geboren in Baku als Jacob Strelitsky, hatte schon als junger Mann ein kleines Hollywoodstudio geleitet und war eines der Gründungsmitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Junior verstand sich glänzend mit ihm und ließ ihm freie Hand bei der Besetzung und Inszenierung seiner Filme, als hätte Stahl ein Studio im Studio. Seine Filme über Figuren, die gegen unüberwindliche Vorurteile ankämpfen, deren Leben aus der Bahn gerät, oder die schicksalhafte Fehlentscheidungen nicht mehr korrigieren können, sind geprägt von tiefer Menschlichkeit. Samstag, 22. September 2018, Uhr Law and Order (Gesetz und Ordnung) USA 1932 R: Edward L. Cahn B: John Huston, Tom Reed, nach dem Roman»Saint Johnson«von W. R. Burnett K: Jackson Rose M: David Broekman D: Walter Huston, Harry Carey, Russell Hopton, Raymond Hatton, Ralph Ince 75 min OF In Tombstone herrscht das Recht des Stärkeren. Der frühere Marshal Frame Johnson hat das Kämpfen satt, als er mit seinen Brüdern in den Ort kommt, doch er trägt noch einmal den Stern und tritt zur letzten Konfrontation an. Edward L. Cahn lässt die entfesselte Kamera ins Geschehen eintauchen und hinausflüchten, als wäre sie Beteiligte und nicht Beobachterin der Ereignisse.»Dieser fast vergessene Film ist vielleicht der einzige Tonfilm-Western, der noch einmal zu der urwüchsigen Qualität und dem rigorosen Realismus der frühen William-S.-Hart-Filme findet, nicht nur in der Handlung, sondern auch in der Bildgestaltung, der Figurenzeichnung und der Inszenierung. Die Geschichte wird geradeheraus und in gelassenem Tempo erzählt, die Action ist nie Selbstzweck, doch den Höhepunkt bildet eines der rohesten und heftigsten Feuergefechte der Filmgeschichte.«(George N. Fenin, William K. Everson) Sonntag, 23. September 2018, Uhr

17 Back Street (Seitenwege des Lebens) USA 1932 R: John M. Stahl B: Gladys Lehman, Lynn Starling, Gene Fowler, Ben Hecht, nach dem Roman von Fannie Hurst K: Karl Freund M: David Broekman D: Irene Dunne, John Boles, June Clyde, George Meeker, ZaSu Pitts, Shirley Grey, Doris Lloyd 93 min OF Dreimal wurde Fannie Hursts Bestseller bei der Universal verfilmt, und diese erste Version von John Stahl bleibt mit Abstand die bewegendste. Eine junge Frau in Cincinnati um 1890 schlägt den Heiratsantrag eines vielversprechenden Jungunternehmers aus, zugunsten ihrer hoffnungslosen Liebe zu einem verheirateten Bankier. Da eine Scheidung undenkbar ist, wird sie dessen Geliebte, was in ein Leben voller heimlicher Treffen und unerfüllter Sehnsüchte mündet. Irene Dunne, in dieser Frühphase ihrer Karriere noch ganz auf die»junge Naive«festgelegt, bewies hier, dass sie komplexe, widersprüchliche Figuren mit Leben erfüllen konnte. Für Stahl bildeten SEED, BACK STREET und ONLY YESTER- DAY eine Trilogie über die Scheinheiligkeit des Scheidungsrechts, ein Thema, dem die Zensoren ganz und gar nicht gewogen waren, zumal die nicht legitimierte Beziehung von aufrichtigen Gefühlen getragen ist und nicht nach Strafe verlangt. Freitag, 28. September 2018, Uhr Once in a Lifetime (Einmal im Leben) USA 1932 R: Russell Mack B: Seton I. Miller, nach dem Theaterstück von Moss Hart und George S. Kaufman K: George Robinson D: Jack Oakie, Sidney Fox, Aline MacMahon, ZaSu Pitts, Gregory Ratoff 91 min OF Ein Studio im riskanten Umbruch vom Stummfilm zum Tonfilm. Das neue Regietalent, das das Studio retten soll, verfilmt das falsche Drehbuch, doch der Wunderknabe ist ein reiner Tor, dessen Fehler ihm stets zum Erfolg gereichen:»you're so stupid it's perfect!«die Stars werden mit Sprechunterricht gequält, Drehbuchautoren pendeln zwischen Studio und Sanatorium, der ständig geräuschvoll essende Regisseur treibt die Tonmeister in den Wahnsinn. Die bissige Satire, die mit großem Erfolg am Broadway lief, wurde für die Verfilmung nur geringfügig abgemildert. Der Film beginnt mit einer persönlichen Widmung von Junior, der sich selbst dafür lobt:»i pity the man who cannot enjoy a laugh at his own expense.«wir fühlen mit dem Filmproduzenten Herman Glogauer (Gregory Ratoff), wenn er über die neuen Zeiten klagt:»what did they have to go and make pictures talk for? Things were going along fine. You couldn't stop making money even if you turned out a good picture you made money!«samstag, 29. September 2018, Uhr The Old Dark House (Das Haus des Grauens) USA 1932 R: James Whale B: Benn W. Levy, R.C. Sherriff, nach dem Roman»Benighted«von J. B. Priestley K: Arthur Edeson M: David Broekman D: Boris Karloff, Melvyn Douglas, Gloria Stuart, Charles Laughton, Lillian Bond, Ernest Thesiger, Eva Moore 72 min OF Fünf Reisende suchen in einer stürmischen Nacht Zuflucht im Haus der exzentrischen Familie Femm, die alles andere als harmlos ist. Schon der Titel verspricht die definitive Schauergeschichte in einem unheimlichen Gemäuer. Atmosphäre ist alles: Wehende Vorhänge, unheimliche Geräusche, fliehende Schatten, ein düsteres Familiengeheimnis mit jedem Sehen wird THE OLD DARK HOUSE reicher, komplexer, witziger, ein größerer Genuss. Ernest Thesiger lädt seine Dialoge mit einer unnachahmlichen Mischung aus Geiz, Ungastlichkeit und Verachtung auf, durch die ein einfacher Satz wie»have a potato «zur Drohung wird, Eva Moore ruft angesichts der ungebetenen Gäste entsetzt»no beds! They can't have beds!«, Charles Laughton als großmäuliger Neureicher breitet seinen derben Lancashire-Dialekt aus, und Gloria Stuart befolgt James Whales Regieanweisung:»Gloria, I want you to be a white flame.«sonntag, 30. September 2018, Uhr Dienstag, 2. Oktober 2018, Uhr Air Mail (Luftpost) USA 1932 R: John Ford B: Frank Wead, Dale Van Every K: Karl Freund M: Gilbert Kurland D: Ralph Bellamy, Gloria Stuart, Pat O'Brien, Slim Summerville, Lillian Bond 84 min OF Postpiloten riskieren ihr Leben bei Tag und Nacht und in jedem Wetter, darauf stimmt uns in der ersten Einstellung des Films ein Textrelief ein, umtost von Sturm, Regen und Schnee. Von ihrem gottverlassenen Hangar aus starten die Flieger ins Ungewisse. Einer von ihnen verunglückt, als Ersatz kommt ein selbstverliebter Draufgänger, der das Team zu sprengen droht. AIR MAIL kombiniert Carl Laemmle Junior 15

18 Carl Laemmle Junior 16 haarsträubende reale Flugstunts so liebevoll und sorgfältig mit detailversessenen Modellaufnahmen, dass die beiden Realitäten miteinander verschmelzen. Fords realistisch-expressionistischer Film nutzt dasselbe Handlungsgerüst wie Howards Hawks' ONLY ANGELS HAVE WINGS (1937), doch die Parallelen unterstreichen einen grundlegenden Unterschied zwischen den Regisseuren:»Hawks gehört zum Kino des Schauspiels und der Texte, Ford zum Kino des Seins und der Bilder. An Dialoge bei Hawks erinnern wir uns im Zusammenhang mit ihren Darstellern; an Dialoge bei Ford im Zusammenhang mit seinen Kompositionen.«(Tag Gallagher) Freitag, 5. Oktober 2018, Uhr Afraid to Talk (Angst zu reden) USA 1932 R: Edward L. Cahn B: Tom Reed, nach dem Theaterstück»Merry-Go-Round«von Albert Maltz und George Sklar K: Karl Freund M: James Dietrich D: Eric Linden, Sidney Fox, Tully Marshall, Louis Calhern, George Meeker 69 min OF Wie das kontroverse Theaterstück»Merry-Go-Round«(»Karussell«) beschreibt auch der Film einen geschlossenen Kreislauf der Korruption in allen wichtigen Institutionen einer namenlosen Großstadt. Ein Hoteldiener wird Zeuge, wie ein Gangsterboss einen Konkurrenten beseitigt; er informiert pflichtbewusst den Staatsanwalt, der die Tat prompt dem jungen Mann anhängt. Während die Gangsterfilme der Warner Brothers ihre Protagonisten zu tragischen Helden stilisierten, hing den Gangstern in Universal-Filmen keine Spur von romantischem Individualismus an; sie sind Rädchen in einer kalten Maschinerie der Korruption, ohne Gewissen, Reue oder größeren eigenen Willen. Cahns meisterlicher Umgang mit Tempo und Kontrapunkt mag angesichts seiner Erfahrung als Cutter naheliegen, überraschender ist aber seine visuelle Gestaltungskraft, wenn Bilder bisweilen bis zur Abstraktion stilisiert sind und an expressionistische Filme erinnern. Samstag, 6. Oktober 2018, Uhr Dienstag, 9. Oktober 2018, Uhr Laughter in Hell (Gelächter in der Hölle) USA 1933 R: Edward L. Cahn B: Tom Reed, nach dem Roman von Jim Tully K: John Stumar D: Pat O'Brien, Tommy Conlon, Merna Kennedy, Berton Churchill, Gloria Stuart 70 min OF Nachwuchstalent Edward L. Cahn genoss das Vertrauen von Junior und nutzte die Freiheit dazu, eines der politisch wie stilistisch radikalsten Werke zu schaffen, die aus diesem abenteuerlustigen Studio hervorgingen. Der Lokomotivführer Barney Slaney ermordet seine untreue Frau, als er sie mit ihrem Liebhaber ertappt einem von drei Brüdern, die Barney seit seiner Kindheit gequält haben. Als Kettensträfling wird er Zeuge eines brutalen, rassistisch motivierten Lynchmordes. Ihm gelingt die Flucht und er wandert alleine durch eine trostlose Mondlandschaft, eine expressionistische Einöde, von Seuchen und Armut verheert. In der Begegnung mit einem anderen Flüchtling, einer Frau, die durch die Krankheit ihre Familie verloren hat, scheint die Erlösung kurzzeitig vorstellbar. Cahns visueller Einfallsreichtum prägt jede Sequenz des Films, wie in den unglaublichen Reiß-Zooms, die Barneys Raserei verdeutlichen. Die extreme Stilisierung ging Junior zu weit, Cahn wurde umgehend entlassen. Sonntag, 7. Oktober 2018, Uhr Destination Unknown (Ziel unbekannt) USA 1933 R: Tay Garnett B: Tom Buckingham K: Edward Snyder M: W. Franke Harling D: Pat O'Brien, Ralph Bellamy, Betty Compson, Alan Hale, Tom Brown 66 min OF Zu Beginn der Weltwirtschaftskrise stellten auffallend viele Filme Gottes Hilfe als Mittel gegen gesellschaftliche Missstände dar. Wohl keiner tat das so explizit wie diese wilde Allegorie, in der ein Schiff für die Nation steht ein Schiff ohne Kapitän, das in der Flaute treibt, den Laderaum voll illegalem Alkohol für die durstigen Amerikaner im letzten Jahr der Prohibition. Der Chef der Schmuggler herrscht mit eiserner Hand über die Mannschaft, denn er bestimmt über das verbliebene Trinkwasser. Nichts bewegt sich, bis ein geheimnisvoller Fremder aus der Tiefe des Laderaums emporsteigt und verkündet, der Wein sei zu Wasser verwandelt. Garnett drehte DESTINATION UNKNOWN in seinem unverwechselbaren Stil schäbig und elegant zugleich, wie THE POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE fast zur Gänze auf einem echten Dreimastschoner, der im größten Atelier der Universal vor schwarzem Samt an Drahtseilen aufgehängt war. Um ihn schwebte die Kamera auf einem Riesenkran. Mittwoch, 10. Oktober 2018, Uhr

19 Only Yesterday (Eine Frau vergißt nicht) USA 1933 R: John M. Stahl B: William Hurlbut, Arthur Richman, George O'Neil K: Merritt B. Gerstad M: C. Bakaleinikoff, Walter Donaldson D: Margaret Sullavan, John Boles, Edna May Oliver, Billie Burke, Benita Hume 105 min OF»Frederick Lewis Allens Sachbuch Only Yesterday: An Informal History of the 1920's gab dem Film nur den Titel. Als Irene Dunne, die erste Wahl für die Hauptrolle, nicht frei war, wurde Junior am Broadway fündig: Margaret Sullavan wurde schnell der einzige genreübergreifende Star der Universal, aber ihr Mangel an Filmerfahrung belastete den Drehplan und das Budget. Recht spät bemerkte das Studio gewisse Parallelen der Filmhandlung zu Stefan Zweigs Brief einer Unbekannten : Eine junge Frau wird nach einem One-nightstand schwanger; Jahre später trifft sie den Mann wieder, der sich nicht an sie erinnert. Paul Kohner sicherte der Universal zwei Wochen vor dem Kinostart des Films noch schnell in aller Stille die Rechte an Zweigs Buch. Die Zensurbehörde war weniger leicht zu besänftigen, sie kritisierte den Film beim Ersteinsatz streng und verweigerte ihm nach 1934 ihr Siegel, so dass Wiederaufführungen ausgeschlossen waren.«(richard Koszarski) Dienstag, 16. Oktober 2018, Uhr Samstag, 20. Oktober 2018, Uhr The Kiss Before the Mirror (Der Kuss vor dem Spiegel) USA 1933 R: James Whale B: William Anthony McGuire, nach dem Stück von Ladislas Fodor K: Karl Freund M: W. Franke Harling D: Nancy Carroll, Frank Morgan, Paul Lukas, Gloria Stuart, Jean Dixon 69 min OF James Whales wohl radikalster Film führt die Stilisierung an den Rand der Abstraktion. Whale gestaltet die Eröffnungssequenz als durchchoreografierten traumhaften Tanz der Sexualität und des Todes, in dem die Kamerafahrten, die Bewegungen der Schauspieler und die Dialoge exakt auf den schmachtenden Rhythmus eines Tangos angelegt sind. Das Spiel mit Doppelungen, das der Titel verspricht, wird als visuelles Motiv (Spiegel spiegeln Spiegel in betont symmetrischen Einstellungen) ebenso fortgesetzt wie als Handlungsmotiv: Ein Mann wird des Mordes an seiner untreuen Frau beschuldigt; kaum hat sein Freund die Verteidigung übernommen, findet der sich in fast derselben Situation. Karl Freunds spektakulärer, makelloser 360-Grad- Schwenk während eines leidenschaftlichen Plädoyers im Gerichtssaal bringt das klaustrophobische Gefühl des Gefangenseins auf den Punkt: Menschenleben, zur endlosen Wiederholung verdammt. Dienstag, 16. Oktober 2018, Uhr Dienstag, 23. Oktober 2018, Uhr Ladies Must Love USA 1933 R: Ewald André Dupont B: John Francis Larkin K: Tony Gaudio M: Howard Jackson D: June Knight, Neil Hamilton, Sally O'Neil, Dorothy Burgess, Mary Carlisle 70 min OF E.A. Dupont, einer von Juniors Regie-Importen aus Deutschland, hatte schon mehrfach in Großbritannien und Frankreich gearbeitet und auch diverse Sprachversionen gedreht. Mit dieser Komödie lieferte er eine etwas zynischere Variation auf das»gold Diggers«-Thema, mit dem Warner Brothers so erfolgreich waren. Drei junge Frauen, die sich regelmäßig von wohlhabenden Männern aushalten lassen, schließen einen Vertrag, künftig jegliche»beute«gleichmäßig untereinander aufzuteilen und bringen auch ihre idealistische Mitbewohnerin dazu, zu unterschreiben. Als gerade die einen Playboy von der Park Avenue kennenlernt, der womöglich wirklich etwas für sie empfindet, erpressen die anderen drei sie mit dem längst vergessenen Vertrag. LADIES MUST LOVE ist straff inszeniert, technisch ehrgeizig und voll cleverer Einfälle, die die Zensurbehörde provozierten, ohne ihr Angriffsfläche zu bieten. Der vielversprechende Beginn einer letztlich nicht sehr glücklichen Schaffensphase Duponts in Hollywood. Freitag, 19. Oktober 2018, Uhr Carl Laemmle Junior 17

20 Carl Laemmle Junior 18 By Candlelight (Bei Kerzenlicht) USA 1933 R: James Whale B: Ruth Cummings, F. Hugh Herbert, Karen DeWolf, Hanns Kräly, nach dem Stück von Karl Farkas und Siegfried Geyer K: John J. Mescall M: W. Franke Harling D: Elissa Landi, Paul Lukas, Nils Asther, Dorothy Revier, Lawrence Grant 70 min OF Wenn Fürst von Rommer in routinierter Choreographie die Dame des jeweiligen Abends umgarnt, weiß sein ergebener Diener Josef genau, wann ein»stromausfall«gebraucht wird, um seinem Herrn zum Erfolg zu verhelfen. Unterwegs nach Monte Carlo lernt er die elegante Marie kennen und beschließt, selber die bewährte Methode des Fürsten zum Einsatz zu bringen. Aber im rasenden Wirbel vorgetäuschter Identitäten und gesellschaftlicher Stellungen läuft nichts nach Josefs ausgeklügeltem Plan. James Whale ist in seinem Element, wenn er Standesdünkel und Klassenunterschiede auf die Schippe nimmt. Der schicksalhafte Wiederholungszwang, den er wenige Monate zuvor im meisterhaften THE KISS BEFORE THE MIRROR tragisch in Szene setzte (ebenfalls mit Paul Lukas in der Hauptrolle), wird nun zur Triebfeder einer durch und durch europäisch geprägten Farce. Sonntag, 21. Oktober 2018, Uhr The Black Cat (Die schwarze Katze) USA 1934 R: Edgar G. Ulmer B: Peter Ruric K: John J. Mescall M: Heinz Roemheld D: Boris Karloff, Bela Lugosi, David Manners, Jacqueline Wells, Egon Brecher 65 min OF Nach 17 Jahren in russischer Gefangenschaft kehrt Dr. Vitus Werdegast (Bela Lugosi) zum einstigen Perversionen, den der junge Edgar Ulmer nur dank der grenzenlosen Unterstützung seines guten Freundes Junior realisieren konnte, während Senior auf Reisen war. Filme mit derart morbider Grundstimmung hatten wenige Monate später durch die Festlegung des Production Code schlagartig überhaupt keine Chance mehr. Von den sieben Filmen, in denen Karloff und Lugosi gemeinsam vor der Kamera standen, ist THE BLACK CAT mit Sicherheit der gelungenste und der einzige, in denen ihre Rollen ebenbürtig waren. Freitag, 26. Oktober 2018, Uhr Little Man, What Now? (Kleiner Mann was nun?) USA 1934 R: Frank Borzage B: William Anthony McGuire, nach dem Roman von Hans Fallada K: Norbert Brodine M: Arthur Kay D: Margaret Sullavan, Douglass Montgomery, Alan Hale, Catherine Doucet, DeWitt Jennings 98 min OF Frank Borzage war 1933 zur Universal gekommen, um SHOW BOAT zu drehen, doch in der langwierigen Vorbereitungsphase des Großprojektes wies ihm Junior einen ursprünglich für James Whale gedachten Film zu: die Bearbeitung des Romans von Hans Fallada. Der Vorschlag kam von Margaret Sullavan, die von Borzages gerade abgeschlossenem Film NO GREATER GLORY begeistert war. Sullavans sanfte Entschlossenheit ist die treibende Kraft in der Geschichte um ein junges Paar in der Weimarer Republik, das in den Jahren der Inflation ins Elend gerät. Den Mann spielt Douglass Montgomery als einen von Borzages sanftmütigen Träumern. Die Handlung verläuft nicht in großen melodramatischen Wellen, sondern als Abfolge kleiner Ereignisse, während er von einer Anstellung zur anderen treibt, sie sich auf ihr kommendes Kind vorbereitet, und auf den Straßen Berlins die Unruhe wächst. Samstag, 27. Oktober 2018, Uhr Weltkriegs-Schlachtfeld zurück, das nun ein Friedhof ist. Er sucht Rache an seinem früheren Freund Hjalmar Poelzig (Boris Karloff), der seinerzeit eine ganze Armee an den Feind verriet und auf den Ruinen eben jener Tat seine hypermoderne gläserne Villa errichtet hat. THE BLACK CAT ist ein Film des schleichenden Grauens, geradezu ein genüsslich ausgebreiteter Katalog an The Good Fairy (Die Fee) USA 1935 R: William Wyler B: Preston Sturges, nach dem Theaterstück von Ferenc Molnár K: Norbert Brodine M: Heinz Roemheld D: Margaret Sullavan, Herbert Marshall, Frank Morgan, Reginald Owen, Eric Blore 98 min OF Luisa (Margaret Sullavan, der größte Kassenmagnet des Studios) wird aus dem Waisenhaus gerettet und arbeitet als Platzanweiserin im größten Kinopalast von Budapest (in Wahrheit das Pantages Theater in Hollywood). Um die unerwünschte Zuwendung eines Industriellen abzuwehren, erfindet sie einen Ehemann, den sie zufällig aus dem Telefonbuch auswählt. Dieser, ein Anwalt, der seine kleine Kanzlei nur mit Mühe halten kann, ist plötzlich in den höchsten Kreisen gefragt und

21 kann sein Glück kaum fassen. Sullavan soll endlose Kämpfe mit Wyler ausgefochten haben, besonders, da sie als Theaterschauspielerin mit dessen Neigung nicht zurechtkam, jede Szene dutzendfach zu drehen. Als die Dreharbeiten sich schon acht Wochen hinzogen, vertrugen sie sich und heirateten. Doch Wylers Vertrag war dadurch nicht mehr zu retten, obwohl er ein Cousin der Laemmles war. Bei Samuel Goldwyn fand er bald eine Langzeitstelle, auf der er seine zahlreichen Oscarnominierungen sammelte. Sonntag, 28. Oktober 2018, Uhr Dienstag, 30. Oktober 2018, Uhr Remember Last Night? (Was geschah gestern?) USA 1935 R: James Whale B: Harry Clork, Doris Malloy, Dan Totheroh, nach dem Roman»The Hangover Murders«von Adam Hobhouse K: Joseph A. Valentine M: Franz Waxman D: Edward Arnold, Robert Young, Constance Cummings, George Meeker, Sally Eilers 81 min OF Im Anschluss an THE BRIDE OF FRAN- KENSTEIN drehte James Whale diese nicht minder bissige satirische Komödie um eine Clique von betuchten Parasiten in den»besseren Kreisen«New Yorks, die nach einer besonders wilden Party feststellen, dass einer von ihnen ermordet wurde. Leider waren alle zu betrunken, als dass sich das Geschehen klar rekonstruieren ließe, also werden die Gastgeber detektivisch tätig und ziehen auch einen Hypnosearzt hinzu. Der britische Butler scheint stellvertretend für den (britischen) Regisseur zu sprechen, wenn er seine Arbeitgeber mit ausgesuchter Verachtung behandelt. Im riesigen Set des Wochenendhauses in Long Island gleitet die Kamera mit charakteristischer Eleganz durch Wände und Böden. Die Hypnosesequenz bietet Whale die Gelegenheit zu genüsslicher Selbstparodie, wenn er Schatten wirbeln lässt und die Kamera noch schräger hängt als in seinen Frankenstein-Filmen. Sonntag, 4. November 2018, Uhr Show Boat (Showboat) USA 1936 R: James Whale B: Edna Ferber, Oscar Hammerstein II, nach dem Musical von Jerome Kern und Oscar Hammerstein II K: John J. Mescall M: Jerome Kern D: Irene Dunne, Allan Jones, Charles Winninger, Paul Robeson, Helen Morgan 113 min OF Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Mississippi. Cap'n Andy betreibt das beliebte Showboat»Cotton Palace«. Als Miss Julie LaVerne, der große Star seines Ensembles, aufgrund der rassistischen Gesetze die Truppe verlassen muss, nimmt Andys Tochter Magnolia deren Platz ein. SHOW BOAT, besetzt mit den Stars der Broadwayversion, ist das einzige amerikanische Musical mit dem unvergleichlichen Paul Robeson. Seine Interpretation von»ol' Man River«ist so eindrucksvoll, dass viele das Stück für ein echtes folk spiritual halten. Bei dieser zweiten Verfilmung des Musicals hatten Junior Laemmle und James Whale weder Kosten noch Mühen gescheut. Nach dem Platzen einer Spekulation von Juniors Vater fiel das Studio zum Spottpreis an die Geldgeber, die Laemmles konnten nur noch von außen mit ansehen, wie SHOW BOAT zum Erfolg wurde. Als MGM für seine Neuverfilmung 1951 die Filmrechte erwarb, wurden die früheren Versionen aus dem Verkehr gezogen. Dienstag, 6. November 2018, Uhr The Road Back (Der Weg zurück) USA 1937 R: James Whale B: Charles Kenyon, R.C. Sherriff, nach dem Roman von Erich Maria Remarque K: John J. Mescall, George Robinson M: Dimitri Tiomkin D: John King, Richard Cromwell, Slim Summerville, Maurice Murphy, Andy Devine 100 min OF Erich Maria Remarques Fortsetzung von»im Westen nichts Neues«erschien 1930/31; beide Romane wurden im Mai 1933 in Deutschland öffentlich verbrannt. Junior Laemmle hatte sich jahrelang für das Projekt engagiert, nun hoffte sein Nachfolger, damit einen Erfolg wie ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT zu landen. James Whales Verfilmung erzählt von vier desillusionierten Kriegsheimkehrern (darunter Slim Summerville als dieselbe Figur, die er 1930 verkörperte), die sich in der von Hunger und Anarchie gezeichneten Heimat nicht mehr zurechtfinden, in der Schieber und Opportunisten das Sagen haben. THE ROAD BACK wurde nach dem Ersteinsatz 1937 zurückgezogen und 1939 in massiv veränderter Form als antideutscher Propagandafilm wiederveröffentlicht. Die Library of Congress konnte kürzlich die jahrzehntelang verlorene Urfassung rekonstruieren. Mittwoch, 7. November 2018, Uhr Carl Laemmle Junior 19

22 Zauberkunst und Film Zauberkunst und Film 20»Wenn ich einen Film mache, dann mache ich mich einer Täuschung schuldig. Ich bediene mich einer Maschine, die auf einer physiologischen Unzulänglichkeit des Menschen aufbaut, einer Maschine, die es mir erlaubt, mein Publikum von einer Stimmung in eine völlig andere zu versetzen. Ich bin also entweder ein Betrüger oder wenn das Publikum weiß, dass ich es täusche ein Illusionist. Ich täusche, und ich verfüge über die wunderbarste und erstaunlichste Zaubermaschine, die je im Laufe der Geschichte in die Hände eines Gauklers gefallen ist.«ingmar Bergman Der doppelte Blick Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Geburt des Films mitten in das Goldene Zeitalter der Zauberkunst fiel. Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert wurden Zauberkünstler von Presse und Publikum wie Stars behandelt und reisten mit spektakulären Shows um die Welt. Viele Namen der damaligen Protagonisten, wie Carl Hertz, Servais le Roy, Howard Thurston oder Harry Kellar, sind in der Öffentlichkeit heute ebenso vergessen wie die meisten Namen der ersten Filmpioniere. Nur der Ruhm von Harry Houdini hat bis in die heutige Zeit überdauert. In gewisser Weise zu Unrecht, denn er galt unter seinen zeitgenössischen Kollegen zwar als sensationeller Entfesselungskünstler und genialer Selbstvermarkter, jedoch nur als mittelmäßiger Zauberkünstler, vergleichbar mit der Qualität als Schauspieler, die er in seinen späteren Ausflügen zum Film an den Tag gelegt hat. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen des akrobatischen Entfesselungshandwerks und der neben dem manipulativ-technischen Trickhandwerk hauptsächlich auf psychologischen Nuancen und Finten beruhenden Zauberkunst. Houdini jedoch wusste um seine Grenzen und beauftragte einige kreative Nebendarsteller dieser Epoche wie Charles Morrit, Kunststücke für ihn zu entwickeln, so dass er 1918 u.a. mit der Illusion eines verschwindenden Elefanten vor Zuschauern im New Yorker Hippodrome Erfolge feiern konnte. Josephy, P. T. Selbit, Guy Jarrett und Buatier de Kolta waren weitere kreative Köpfe dieser Epoche, die hauptsächlich im Hintergrund agierten, neue Tricks, Techniken und Prinzipien für die Zauberkunst erfanden. Haupt- und Nebendarsteller in einer Person war der englische Zauberkünstler David Devant, genialer Erfinder und origineller Präsentator. Er war bereits in ganz London als Zauberkünstler bekannt, bevor er zusammen mit John Neville Maskelyne in der St. George s Hall und später in der Egyptian Hall jahrzehntelang auftrat. Devants und Maskelynes Erfindungsreichtum versprach in jeder Saison neue Kunststücke und veranlasste den amerikanischen Zauberkünstler Harry Kellar, der stets auf der Suche nach Ideen war, jährlich nach London zu reisen. Schließlich warb er einen Mitarbeiter Devants ab, den deutschen Zauberer Paul Valadon, um an die Geheimnisse der Kunststücke zu gelangen, die er sich auch nach mehrmaligem Besuch der Vorstellungen nicht erklären konnte. Eine Anekdote der Zauberhistorie, die Eingang fand in das Drehbuch für Christopher Nolans THE PRESTIGE.

23 Doch auch in anderen Ländern betrieben in dieser Zeit Zauberkünstler ihre eigenen Spielorte. In Paris hatte der geniale Jean-Eugène Robert-Houdin bereits Mitte des 19. Jahrhunderts sein eigenes Theater eröffnet, das Jahre nach seinem Tod von einem gewissen Georges Méliès erworben und damit vor dem Vergessen bewahrt wurde. Méliès wiederum hatte während eines einjährigen Aufenthalts in London durch seine regelmäßigen Besuche der Vorstellungen von Devant und Maskelyne zur Zauberkunst gefunden, verkaufte seinen Brüdern den geerbten Anteil am elterlichen Schuhimperium und erwarb vom Erlös das Theater Robert-Houdin. Der Zufall wollte es, dass die Gebrüder Lumière über diesem Theater ihre Werkstatt einrichteten und so war auch Georges Méliès einer der geladenen Gäste im Grand Café an jenem denkwürdigen Dezembertag im Jahr 1895 und wurde Zeuge der ersten öffentlichen Vorführung des»cinématographe«. In dieser fast drehbuchartigen Verkettung der Lebenslinien und Ereignisse hat die viel zitierte Magie des Films, haben die Parallelen beider Kunstformen ihren Ursprung. Beide Künste beruhen im Kern auf Täuschungen der Wahrnehmung und beide erschaffen auf diesem Fundament ihre Fiktionen und Illusionen. Beide haben die Wirkmacht, ihre Zuschauer sogartig in fiktionale Welten zu entführen und aus ihrem im Kern illusionären Handwerk Kunst entstehen zu lassen, wie es Georges Méliès schon erkannte:»intelligent angewandte Tricks ermöglichen es, das Übernatürliche, das Imaginäre, sogar das Unmögliche sichtbar zu machen und wirklich künstlerische Bilder aufzunehmen, die für jeden, der bedenkt, dass bei ihrer Ausführung alle Register der Kunst gezogen werden, ein wahrer Genuss sind.«und an diesem Nachmittag des 25. Dezember 1895 in Paris bedurfte es bezeichnenderweise eines Zauberkünstlers als Zuschauer, um das wahre Potential dieses von seinen Schöpfern anfänglich eher als technische Erfindung betrachteten Gerätes zu erkennen. Der wohl magischste Moment der Filmgeschichte fand hier statt. Zunächst wurden lediglich Fotos als Lichtbildvortrag gezeigt, und die Zuschauer fragten sich bereits, wofür sie ihre Zeit verschwendeten. Bis sich plötzlich das Foto mit einem Pferdewagen und Passanten in Bewegung setzte, etwas bisher nie Dagewesenes, für unmöglich Gehaltenes wurde in diesem Moment Realität:»Wir saßen wie gelähmt vor Verblüffung, mit offenen Mündern, fassungslos staunend vor diesem Spektakel, das jenseits jeder Beschreibung war.«so beschrieb Georges Méliès das Erlebnis, und genau diese emotionale Reaktion, diese magischen Momente sind es, die Zauberkünstler anstreben und mit allen verborgenen handwerklichen Mitteln im Herz und Hirn ihres Publikums erschaffen wollen. Der Magier Méliès erkannte sofort intuitiv, dass diese»zaubermaschine in der Hand eines Gauklers«, wie es Ingmar Bergman nannte, vollkommen neuartige Wunder vollbringen würde. Da sich die Lumières aber weigerten, ihre Maschine in die Hände eines Zauberers zu geben, nutzte Méliès seine Kontakte nach London, um dort den»théâtrographe«des Ingenieurs Robert W. Paul zu erwerben, der zwar nur als Projektor funktionierte, nach einem technischen Umbau jedoch auch als Kamera nutzbar war. Méliès begann sofort, eigene Filme zu drehen und erfand das Grundrepertoire filmischer Tricktechniken, die das»kino der Attraktionen«, wie es der Filmhistoriker Tom Gunning nennt, prägten. Neben seinen Methoden zur Herstellung spektakulärer Effekte auf der Leinwand bewies Méliès auch einigen Erfindungsreichtum in der szenischen Struktur seiner oft magischen Filmsketche, die wiederum den theatralen Inszenierungen Maskelynes und Devants in der Egyptian Hall nachempfunden waren. Auch wenn dieses»kino des Erzählens«sehr bald das frühe»kino der Attraktionen«überholte, durchzieht die handwerkliche und inhaltliche Verwandtschaft beider Kunstformen die Filmwelt bis heute. Die Zauberhistorie und ihre Protagonisten bieten nicht nur eine Fülle an drehbuchtauglichen Charakteren, Rivalitäten und Zauberkunst und Film 21

24 Zauberkunst und Film 22 Geheimnissen, die Filmemacher wie Orson Welles (F FOR FAKE), Woody Allen (MAGIC IN THE MOONLIGHT), David Mamet (HOUSE OF GAMES) und Christopher Nolan (THE PRESTIGE) in ihren Werken aufgreifen. Auch zahlreiche Zauberkünstler wagten mehr oder weniger erfolgreiche Ausflüge in die Schauspielerei, von Harry Houdini, Channing Pollock und Ricky Jay bis hin zu Steve Martin, der seine Karriere als Zauberkünstler begann. Hinter der Leinwand wiederum beraten viele Zauberkünstler Filmschaffende bei Spezialeffekten oder trainieren Schauspieler für Filmszenen. Werner Herzog lädt regelmäßig Zauberkünstler als Dozenten in seine Rogue Film School ein. Umgekehrt schrieben und produzierten David Cronenberg und Ivan Reitman in den Anfängen ihrer Filmkarrieren die Show»Spellbound«des kanadischen Zauberkünstlers Doug Henning, die später unter anderer Leitung als»the Magic Show«mit fast 2000 Vorführungen zwischen 1974 und 1978 zur bis heute erfolgreichsten Broadway-Zaubershow wurde. Unabhängig von diesen personellen und handwerklichen Überschneidungen gibt es eine rein ästhetische Ebene, die beide Künste verbindet: eine eigene Form des Wahrnehmungsspiels mit Schein und Sein, mit Wahrheit und Fiktion, die das Publikum in einen speziellen Spannungszustand versetzt. Denn für die Betrachtung und den ästhetischen Genuss ist in beiden Fällen das nötig, was der Theaterregisseur Peter Brook den»doppelten Blick«nannte und der Philosoph Martin Seel in seinen Ausführungen zur Ästhetik des Kinos die»doppelte Aufmerksamkeit«: Um einen Film zu sehen, braucht man, bildlich gesprochen, ein durchschauendes und ein unschuldiges Auge. Das durchschauende Auge sieht Handwerk, Technik und Machart, während das naive Auge Schicksal und Drama sieht. Der Zuschauer weiß auf einer Ebene, dass John Malkovich ein Schauspieler ist und er einer Filmvorführung beiwohnt, aber auf der emotionalen Ebene folgt er gespannt dem Schicksal der Figur, die Malkovich nur verkörpert. Das Wissen um die filmische Darstellung ist dem Zuschauer stets präsent, es gibt keine vollständige Immersion im Film. Das Oszillieren zwischen dem rationalen Bewusstsein, einem Film beizuwohnen, und der gleichzeitigen emotionalen Beteiligung am dramaturgischen Inhalt ergibt die spezielle Ästhetik, die einen»angriff auf die Gegenwart des Zuschauers«(Seel) darstellt und ihn in seinen Bann zieht. Ähnlich ist es mit der Zauberkunst: Hier entsteht die ureigene Ästhetik des Unmöglichen durch das intellektuelle Bewusstsein, einer trickreichen Illusion beizuwohnen, bei der gleichzeitigen Erfahrung auf emotionaler Ebene, etwas Unmögliches (in der Realität!) zu erleben. Seel beschreibt diesen Schwebezustand im Spannungsfeld zwischen Intellekt und Emotion als»ästhetische Wahrnehmung«und beschreibt sie als»ein Spiel, das wir spielen und das mit uns gespielt wird«. Diese Ästhetik verschwindet, sobald das Erlebte intellektuell nicht als Illusion erkannt, sondern vom Zuschauer als ein echtes Phänomen eingestuft wird. Wenn Gedankenleser und Hellseher wie Hanussen, Uri Geller und gegenwärtig manche Mentalisten dem Publikum vortäuschen, echten Phänomenen beizuwohnen, sind sie trickreiche Betrüger und keine künstlerischen Illusionisten, vergleichbar einem Regisseur, der einen fiktionalen Spielfilm als Dokumentation präsentiert. In F FOR FAKE greift Orson Welles die Geschichte des berühmten Kunstfälschers Elmyr de Hory auf, bezeichnet sich selbst auch als Scharlatan und lässt die Zuschauer ohne Gewissheit darüber zurück, welche Teile seiner Dokumentation wahr und welche falsch sind. Die emotionale Wahrhaftigkeit eines magischen Moments, der Augenblick des verschwindenden Elefanten, der erscheinenden Münze oder der sich in der Zuschauerhand verwandelnden Spielkarte, bildet bei aller Gemeinsamkeit des doppelten Blicks und der durchschauten Illusion den entscheidenden Unterschied zur Filmkunst: Zauberkunst projiziert ihre fiktiven Illusionen in die Realität. Die Bedeutung der gefühlten Wahrheit des magischen Moments, diese Fiktion des Unmöglichen in der Realität, beschreibt Werner Herzog:»Wir müssen von der Realität fragen, wie wichtig ist sie wirklich? Und: wie wichtig ist das Faktische? Es hat normative Kraft, aber es kann uns niemals die Einsicht bringen, den ekstatischen Moment, aus dem Wahrheit entspringt (...), aber in den schönen Künsten,

25 Literatur, Theater, Musik und Kino ist es möglich, eine tiefere Wahrheitsebene zu berühren eine poetische, ekstatische Wahrheit, die geheimnisvoll ist und nur mit Aufwand erreicht werden kann.«die Zauberkunst vermag in ihren schönsten und intensivsten magischen Momenten (auf die sie oft mit großem technischen, dramaturgischen und psychologischen Aufwand hinarbeitet) in den Händen ihrer fähigsten Interpreten ebenfalls poetische Wahrheiten offenzulegen, und sei es nur die Erkenntnis über die Grenzen unserer Wahrnehmung. Thomas Fraps Die Filmreihe findet zur Ausstellung»Lust der Täuschung«in der Kunsthalle München ( bis ) statt. Thomas Fraps, Markus Laymann und Michelle Spillner werden bei ihren Filmeinführungen auch Zauberkunststücke präsentieren und Fragen aus dem Publikum beantworten. Hypnose Österreich 1919 R+B: Otto Poll D: Erik Jan Hanussen, Bogia Horska, Walter Illig, Anstige Latinovits, Grete Jacobsen 13 min (Ausschnitt) viragiert Hanussen BRD 1988 R+B: István Szabó, nach der Autobiografie»Meine Lebenslinie«von Erik Jan Hanussen K: Lajos Koltai M: Zdenkó Tamássy, György Vukán D: Klaus Maria Brandauer, Erland Josephson, Ildikó Bánsági, Walter Schmidinger, Károly Eperjes, Grazyna Szapolowska 116 min Erik Jan Hanussen ( ) kam als Zauberkünstler, Hypnotiseur und Hellseher in den 1920er Jahren zu Ruhm wurde er von einem SA-Kommando ermordet. In seiner 1930 veröffentlichten Autobiografie bezeichnete er sich selber als Hochstapler und verriet einige seiner Tricks. István Szabós Film ist keine historisch akkurate Schilderung seines Lebens, sondern nimmt sich einige künstlerische Freiheiten heraus. Markus Laymann klärt über die Hintergründe auf und präsentiert authentische Dokumente wie ein Fragment des Films HYPNOSE (»ein Kriminalfall aus den Erlebnissen des Meisterdetektivs und Telepathen Hanussen mit dem Meister selbst in der Hauptrolle«) und Tonaufnahmen. Mittwoch, 19. September 2018, Uhr Einführung: Markus Laymann Judex Frankreich 1963 R: Georges Franju B: Jacques Champreux, Francis Lacassin, nach dem Serial von Louis Feuillade K: Marcel Fradetal M: Maurice Jarre D: Channing Pollock, Francine Bergé, Edith Scob, Théo Sarapo, Sylva Koscina, René Génin 98 min OmeU Channing Pollock ( ) war einer der charismatischsten Illusionisten, der Tricks mit Tauben vorführte und als einer der schönsten Männer der Welt galt. Er spielt die Titelrolle in George Franjus fantasievoller Hommage an das Stummfilmserial um einen mysteriösen Detektiv.»Judex, Meister der Verkleidung, entführt einen betrügerischen Banker und bekämpft eine verführerische Kontrahentin. Francine Bergés maliziöser Sex-Appeal und lustvolle kriminelle Energie setzen faszinierende Sixties-Noten im bewusst anachronistischen Stoff, den Franju von zunehmend deliranten Spuk-Abenteuern bis zur Kostümball-Epiphanie à la Max Ernst als zeitlose Poetik des Phantastischen zelebriert.«(christoph Huber) Mittwoch, 26. September 2018, Uhr Escamotage d'une dame chez Robert-Houdin / Le livre magique / L'homme-orchestre / L'homme à la tête de caoutchouc / Le chaudron infernal / Les cartes vivantes / Le papillon fantastique / Les illusions fantaisistes FR R+B: Georges Méliès 25 min Hugo (Hugo Cabret) USA 2011 R: Martin Scorsese B: John Logan, nach dem Roman»The Invention of Hugo Cabret«von Brian Selznick K: Robert Richardson M: Howard Shore D: Ben Kingsley, Asa Butterfield, Sacha Baron Cohen, Chloe Grace Moretz, Ray Winstone, Emily Mortimer, Christopher Lee 126 min OF 3D Georges Méliès ( ) war ein Zauberkünstler, der in Paris das Théâtre Robert-Houdin betrieb und schon sehr früh den Kinematographen für sich entdeckte und Filmtricks entwickelte. Seine 1897 gegründete Produktionsfirma Star-Film stellte bis 1913 über 500 Filme her. Während des Ersten Weltkriegs verlor Méliès sein gesamtes Vermögen und betrieb in der Métro-Station Montparnasse einen Spielzeugla- Zauberkunst und Film 23

26 Zauberkunst und Film 24 den. Martin Scorsese setzte ihm in seinem brillanten 3D-Film HUGO ein bewegendes filmisches Denkmal. Mittwoch, 3. Oktober 2018, Uhr Einführung: Thomas Fraps The Prestige (Die Meister der Magie) USA 2006 R: Christopher Nolan B: Jonathan & Christopher Nolan, nach dem Roman von Christopher Priest K: Wally Pfister M: David Julyan D: Hugh Jackman, Christian Bale, Michael Caine, Rebecca Hall, Scarlett Johansson, David Bowie, Ricky Jay 130 min OmU»Im Blickund Mittelpunkt: Zwei begnadete Illusionisten, Popstars ihrer Zeit/Epoche, die sich an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in London heftigst bekriegen. Einst konnten sie gut miteinander, doch dann, nach einem fürchterlichen tödlichen Schicksalsschlag, wurden sie erbitterte Gegner. In verschachtelten Rückblenden erzählt Nolan von diesem ewigen Zweikampf, mit dem dann auch die Kreativität der Beiden ständig gefordert wie angestachelt und entwickelt wird. So dass dann auch, als reale historische Figur, sogar Nikola Tesla (David Bowie) bemüht wird, der radikale Erfinder, Ingenieur und Wissenschaftler. Die Folge: Ein Feuerwerk an Offenbarungen, Wendungen, verblüffenden Einfällen, Tricks, peppigen Show-Gigs. Gewürzt mit vielen opulenten wie rätselhaften Fallen.«(Hans-Ulrich Pönack) Mittwoch, 10. Oktober 2018, Uhr Houdini USA 1996 R: Gene M. Gamache B: Kirk G. Carter M: Jason Nyberg 61 min OF The Grim Game (Das unerbittliche Spiel) USA 1919 R+B: Irvin Willat K: Frank M. Blount, J. O. Taylor D: Harry Houdini, Thomas Jefferson, Ann Forrest, Tully Marshall, Mae Busch 70 min OF Harry Houdini ( ) war ein legendärer Entfesselungs- und Zauberkünstler. Seine spektakulären Aktionen, sich unter Wasser gefesselt aus Kisten oder Käfigen zu befreien oder kopfüber in eine Zwangsjacke eingeschnürt an Wolkenkratzern zu hängen, trugen dazu bei, dass er Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa und den USA zu einem der bekanntesten Showstars aufstieg. Houdini nutzte auch das noch relativ neue Medium Film, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. THE GRIM GAME zeigt Houdini als unschuldig Verurteilten, der aus dem Gefängnis ausbricht und auf eigene Faust in spektakulären Flucht- und Actionszenen (ein Flugzeugzusammenstoß in der Luft) die wahren Schuldigen verfolgt. Der lange Zeit verloren geglaubte Film wurde erst kürzlich digital restauriert und läuft in deutscher Erstaufführung. Mittwoch, 17. Oktober 2018, Uhr Einführung: Markus Laymann Ansiktet (Das Gesicht) Schweden 1958 R+B: Ingmar Bergman K: Gunnar Fischer M: Erik Nordgren D: Max von Sydow, Ingrid Thulin, Gunnar Björnstrand, Naima Wifstrand, Bibi Andersson, Erland Josephson 101 min OmeU Stockholm 1846: Der reisende Magier Dr. Vogler wird zum Objekt einer Wette zwischen einem Konsul und einem Wissenschaftler, der Vogler als Scharlatan entlarven will.»bergman ist, wie Vogler, ein Illusionist. Er weiß zu faszinieren. Das ist eine Frage des Berufs. Wenn er uns wieder einmal das Drama des modernen Menschen vermittelt, der durchdrungen ist vom Rationalismus und gleichzeitig von panischer Angst vor dem metaphysischen Unbekannten, dessen Geheimnisse er auf wissenschaftliche Weise erforschen möchte, so ist dieser Film außerdem eine Reflexion über den Sinn des Filmemachens. Die Laterna magica spielt eine große Rolle in Voglers Phantasmagorien. Bergman, der versucht, sich des Kinos zu bedienen wie ein Robert- Houdin der Kamera, merkt, dass er mit ihm ein zweischneidiges Werkzeug in der Hand hält. Seine Macht ist die Verzauberung.«(Jacques Siclier) Mittwoch, 24. Oktober 2018, Uhr La fée printemps (Die Frühlingsfee) Frankreich 1906 R+B: Alice Guy 4 min dtf koloriert La fée aux pigeons (Die Taubenfee) Frankreich 1906 R+B: Segundo de Chomón 2 min dtf koloriert Women in Boxes (Frauen in Kisten) USA 2008 R+K: Phil Noyes, Harry Pallenberg B: Blaire Baron

27 M: Richard Allen Mit Deanna Shimada, Irene Larsen, Frances Willard, Coral Reveen, Gay Blackstone, Cathy Daniel, Pam Thompson 80 min OF Selbst heute noch gibt es nur wenige weibliche Zauberkünstler. Die Rolle der Frauen ist in Märchen, Legenden und frühen Filmen auf die der zaubernden guten Feen und bösen Hexen beschränkt, denen im Mittelalter der Prozess gemacht wurde. WOMEN IN BOXES untersucht die Rolle der Assistentinnen von Zauberkünstlern. Viele sind nicht nur»schmückendes Beiwerk«der Shows, sondern unverzichtbare Bestandteile der Inszenierung, ohne die die»magie«nicht funktionieren würde. Der Film wirft einen Blick hinter die Kulissen und stellt bekannte Magierinnen vor. Michelle Spillner, eine der prominentesten deutschen Zauberkünstlerinnen, führt das Programm ein und dabei Beispiele ihrer Kunst vor. Mittwoch, 31. Oktober 2018, Uhr Einführung: Michelle Spillner Scoop (Der Knüller) GB 2006 R+B: Woody Allen K: Remi Adefarasin D: Woody Allen, Hugh Jackman, Scarlett Johansson, Ian McShane, Charles Dance, Romola Garai 96 min OmU»Leicht-locker-spannend-ulkig-pointiert hält ein toter, aber weiterhin sehr ehrgeiziger Sensationsreporter zwei völlig unterschiedliche Seelen im heutigen Britannien auf Trab: Einen heiter-lakonischen, in die betulichen Routine-Jahre gekommenen Magier ( Splendini ) sowie eine aufstrebende Journalistik-Studentin. Beide verketten sich in der Suche nach dem berüchtigten, von Scotland Yard mehr oder weniger eifrig gesuchten Tarot-Killer. Wie das zusammenläuft und zusammenpasst, hat Woody Allen einmal mehr augenzwinkernd-komisch in einen feinen 90 Minuten-Rhythmus bewegt; mit viel schöner Kicherei über herrliche Einfälle/Ideen/Gedanken, mit hübschen Anspielungs-Pointen auf die bessere Adels-Menschheit und feiner viktorianischer London-Architektur. Und mit wieder einem kernigen Überraschungs-Schluss. Intelligente, schlagfertige, lächelnd-geistreiche Wunderbar-Komödie; Allen ist und bleibt einfach gut.«(hans-ulrich Pönack) Mittwoch, 7. November 2018, Uhr Orson Welles' Magic Show USA R+B: Orson Welles K: Gary Graver, Tim Suhrstedt D: Orson Welles, Angie Dickinson, Allen Bracken, Gary Graver, Roger Hill 27 min OF F for Fake (F wie Fälschung) Frankreich 1973 R+B: Orson Welles K: Gary Graver, François Reichenbach, Christian Odasso M: Michel Legrand Mit Orson Welles, Oja Kodar, François Reichenbach, Elmyr de Hory, Clifford Irving 89 min engl. OF Zeit seines Lebens hat sich Orson Welles ( ) für das Zaubertheater und die Kunst der Illusion interessiert. Stefan Drößler zeigt Auftritte von Orson Welles als Magier in Hollywood (1943), in den Münchner Kammerspielen (1950), im Riviera Hotel in Las Vegas (1956), in Fernsehshows und in seinem unvollendeten Filmprojekt THE MAGIC SHOW. Selbst nach dem Tod von Orson Welles konnte David Copperfield mit ihm im Jenseits noch eine sensationelle Nummer aufführen. In F FOR FAKE, einer Reflexion über Kunst und Betrug, Wahrheit und Lüge, sagt Picasso:»Wahrheit ist eine Lüge.«Gehüllt in den schwarzen Mantel des Magiers ergänzt Welles diabolisch lächelnd:»eine Lüge, die hilft, Wirklichkeit zu begreifen.«mittwoch, 14. November 2018, Uhr Einführung: Stefan Drößler, Thomas Fraps Simsalabim. Porträt des großen Zauberkünstlers Kalanag BRD 1958 R: Artur Müller 30 min (Ausschnitte) Truxa Deutschland 1937 R+B: Hans H. Zerlett, nach dem Roman»Programm mit Truxa«von Heinrich Seiler K: Friedl Behn-Grund M: Leo Leux, Matthias Perl D: La Jana, Hannes Stelzer, Ernst Fritz Fürbringer, Mady Rahl, Peter Elsholtz, Rudolf Klein-Rogge 92 min Der in den 1950er Jahren populäre Zauberkünstler Kalanag ( ), der aus einem einzigen Krug jedes gewünschte Getränk ausschenkte und auf offener Bühne ein Auto verschwinden ließ, war unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Schreiber in den 1930er Jahren Direktor der Bavaria Film und von Zauberkunst und Film 25

28 Zauberkunst und Film bis 1945 Präsident des»magischen Zirkels«. Als er nach dem Krieg Berufsverbot erhielt und nicht mehr beim Film arbeiten durfte, machte er sein Hobby zum Beruf und tourte durch die Welt. In SIMSALABIM präsentiert sich Kalanag dem Publikum so, wie es ihn in den 1950er Jahren schätzte. TRUXA gehört zu den von Schreiber produzierten Spielfilmen, die im Varieté-Milieu spielen. Im Mittelpunkt steht ein intriganter Illusionist, der sich in eine Tänzerin verliebt hat. Mittwoch, 28. November 2018, Uhr Einführung: Rolf Aurich, Markus Laymann The Geisha Boy (Jerry außer Rand und Band) USA 1958 R+B: Frank Tashlin K: Haskell B. Boggs M: Walter Scharf D: Jerry Lewis, Marie McDonald, Sessue Hayakawa, Barton MacLane, Suzanne Pleshette, Nobu McCarthy, Robert Hirano 98 min OF Jerry Lewis als arbeitsloser Zauberkünstler, der zur Betreuung der amerikanischen Truppen nach Japan beordert wird. Doch schon auf dem Flug dorthin kommt es zu Komplikationen, als sich sein Partner und bester Freund Harry, ein weißes Kaninchen, selbstständig macht. Regisseur Frank Tashlin, der vom Zeichentrickfilm bei Warner Brothers kam, versieht seinen Film mit absurden visuellen Gags und Anspielungen auf die Filmgeschichte: So tanzen plötzlich um den Fujiyama herum die berühmten Paramount-Sterne, verfärbt sich Harry nach ausgiebigem Sonnenbad und zitiert Sessue Hayakawa seine Rolle als Colonel Saito aus dem Film THE BRIDGE ON THE RIVER KWAI (1957) von David Lean. Mittwoch, 5. Dezember 2018, Uhr John Mulholland Zauberer im Kalten Krieg Deutschland 2015 R: Alexander Landsberger B: Friedemann Goez, Alexander Landsberger K: Jörg Rambaum M: Balz Aliesch 43 min The Men Who Stare at Goats (Männer, die auf Ziegen starren) USA 2009 R: Grant Heslov B: Peter Straughan, nach dem Buch von Jon Ronso K: Robert Elswit M: Rolfe Kent D: George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick 94 min OmU Im Kalten Krieg experimentierten die Geheimdienste mit allen erdenklichen Mitteln und suchten den Rat von Experten. So kontaktierte die CIA den New Yorker Zauberkünstler John Mulholland ( ) und beauftragte ihn, Tricks für Geheimagenten zu entwickeln und den möglichen Einsatz parapsychologischer Techniken wie Telepathie, Hellseherei, Gedankenlesen auf Brauchbarkeit zu prüfen. Die Filmsatire THE MEN WHO STARE AT GOATS spielt im Irakkrieg und zeigt einen Journalisten, der auf eine amerikanische Spezialeinheit trifft, die mit ungewöhnlichen Kampf- und Folterstrategien arbeitet und dabei parapsychologische Mittel und Drogen einsetzt. Mittwoch, 12. Dezember 2018, Uhr Einführung: Thomas Fraps House of Games (Haus der Spiele) USA 1988 R+B: David Mamet K: Juan Ruiz Anchía M: Alaric Jans D: Lindsay Crouse, Joe Mantegna, Mike Nussbaum, Lilia Skala, J.T. Walsh, Ricky Jay 102 min OF»Eine gut situierte Psychologin und Bestseller-Autorin gerät an einen sympathischen Schurken, der Menschen ausnimmt, ohne dass die davon etwas merken. Mit viel psychologischem Einfühlungsvermögen und professionellen Tricks. Ohne Gewalt und Hektik, nur mit reinen Worten und Gesten. Zwei scheinbar ebenbürtige Profis aus der Seelenecke treffen da aufeinander und beginnen ihr eigenes Spiel. HAUS DER SPIELE besitzt Charme und Raffinesse. Ein Leckerbissen aus der intelligenten Spannungsschublade.«(Hans-Ulrich Pönack) David Mamet arbeitet eng mit dem Zauberkünstler Ricky Jay zusammen, der als Experte für Kartenkunst, Falschspiel, Closeup- und Mentalmagie gilt und eine Firma betreibt, die Trickrequisiten und»deceptive Practices«für Filmproduktionen und Bühnenshows entwickelt. Als Darsteller wirkt er in Filmen von David Mamet, Paul Thomas Anderson, Christopher Nolan und Gus Van Sant mit. Mittwoch, 19. Dezember 2018, Uhr

29 Ingmar Bergman zum 100. Geburtstag Ingmar Bergman bei den Dreharbeiten zu DAS SIEBENTE SIEGEL Ingmar Bergman schreibt James Baldwin, nachdem er im Jahr davor Ingmar Bergman in Stockholm besucht hatte, um ihn zu interviewen:»i realized, with a small shock, that the landscape of Bergman's mind was simply the landscape in which he had grown up.«für den in New York geborenen afroamerikanischen Intellektuellen muss es zumindest eine kuriose Erkenntnis gewesen sein, dass der international erfolgreiche Regisseur sein gesamtes künstlerisches Potential aus diesem, zumindest damals noch, recht weltfernen kleinen Land schöpfte. Bergman hatte im Sommer das Mittelalterdrama DIE JUNGFRAUENQUELLE (1960), das ihm seinen ersten Oscar bescheren sollte, abgedreht und bereitete die Don Juan-Komödie DAS TEUFELSAUGE (1960) vor. Zehn Jahre zuvor hatte Bergman zuallererst aus finanziellen Gründen für Svensk Filmindustri einen Politthriller im Stil der Schwarze-Serie-Filme gedreht. Physisch zwar in Schweden angesiedelt, hatte der Film inhaltlich und emotional aber nichts mit dem Regisseur zu tun. MENSCHENJAGD (1950) sollte, indem man die in Hollywood schon erfolgreichen schwedischen Schauspieler Signe Hasso und Alf Kjellin reimportierte, den Weltmarkt erobern. Er endete als Fiasko, Bergman nannte ihn seinen schlechtesten Film und erteilte später Aufführungsverbot. Eine Voraussetzung für das filmische Werk des 1918 in Uppsala nördlich Stockholm geborenen Schweden war die tiefe Verwurzelung in»seiner«schwedischen Kultur und Tradition. Bergman, der ja zunächst beim Theater angefangen hatte und diesem Medium im Gegensatz zum Kinofilm bis ins hohe Alter treu blieb, nannte stets als seine größten Vorbilder den schwedischen Filmpionier Victor Sjöström und den schwedischen Dramatiker August Strindberg. Eine weitere prägende Instanz war die bürgerlich-protestantische Familie, der er entstammte. Die beinahe lebenslange Auseinandersetzung mit der väterlichen Autorität Bergmans Vater war evangelischer Pastor und die zumindest für die erste Hälfte des Werkes bis in die 1960er Jahre hinein bestimmende Frage nach der Existenz Gottes, die Bergman dann in DAS SCHWEIGEN (1963) für das Publikum eher rätselhaft verschlüsselt beantwortete, wurzeln in diesem familiären Kontext. Er selber betrachtete diesen Film als eindeutig negative Antwort auf diese existen-

30 Ingmar Bergman 28 zielle Grundfrage und fühlte sich fortan davon befreit, wie man Interviews oder auch seiner Autobiografie»Laterna Magica«entnehmen kann. Besonders die Gottessuche und die sich um dieses Thema gruppierenden Filme wie DAS SIEBENTE SIEGEL (1957), DIE JUNGFRAUENQUELLE oder DAS SCHWEIGEN setzen bis heute den Ton, wenn es darum geht, einen typischen Bergman-Film zu charakterisieren. Generationen von Filmwissenschaftlern haben sich mit diesen in harten Schwarzweißkontrasten gedrehten Dramen auseinandergesetzt. Leicht übersehen wird dabei, dass sich dem Drama zumindest in DAS SIEBENTE SIEGEL mit der Gauklertruppe, die dem mit dem Tod Schach spielenden und Gott suchenden Ritter begegnet, ein leichter und oft amüsanter Aspekt hinzugesellt, wenn nicht gar entgegenstellt. Es sind die von Bergman geliebten und verehrten Schauspieler, die das Leben und die Freude daran symbolisieren und zum Ausdruck bringen und deren Figuren stets mit großer Liebe von ihrem Schöpfer, dem Drehbuchautor Bergman, behandelt werden. Überhaupt sind oft Schauspieler oder Schauspielerinnen zentrale Figuren in Bergmans Filmen der 1950er Jahre, mit ihnen schlägt er in vielen Filmen, die bis 1960 entstanden sind, komische Töne an. So in der Liebeskomödie EINE LEKTION IN LIEBE (1954) oder in seinem erfolgreichsten komischen Film DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT (1955), in dem Eva Dahlbeck eine unabhängige und selbstbewusste Schauspielerin verkörpert, die auch das eine typische Bergman-Konstellation nicht von den Männern getrieben wird, sondern ihr Spiel mit den schwachen Männern treibt. Immer wieder stellte Bergman in seinen Filmen Frauen ins Zentrum, erzählte die Geschichte aus ihrer Perspektive und arbeitete dabei neben Eva Dahlbeck mit so großartigen Schauspielerinnen wie Harriet Andersson, Ingrid Thulin oder Liv Ullmann zusammen. DAS SCHWEIGEN löste wegen seiner direkten Darstellung von Sexualität nach seiner Premiere in der im Gegensatz zu Schweden noch sehr verklemmten Bundesrepublik einen der größten Kinoskandale aus und löste im Bundestag eine Zensurdebatte aus. Auch hier stehen zwei Frauen, die Schwestern Ester und Anna (Ingrid Thulin und Gunnel Lindblom), im Mittelpunkt. Ester ist intellektuell, beherrscht, unfähig, ihre tiefen Wünsche zu formulieren und bildet den Gegenpol zu ihrer Schwester Anna, die emotional ist und von ihren Trieben beherrscht wird, aber gleichzeitig auch warmherzige Mutter ihres Sohnes Johann sein kann. Alle drei sind auf einer gemeinsamen Reise in einer fremden, nicht zu identifizierenden aber wohl als osteuropäisch zu deutenden Stadt gestrandet. Außerhalb des Hotels deutet Bergman einen heraufziehenden Krieg an. Ein Thema, das er wenige Jahre später in SCHANDE (1968) in verstörenden Schwarzweißbildern verhandeln sollte. Das Ehepaar Eva und Jan Rosenberg (Liv Ullmann und Max von Sydow), beide Musiker, leben zurückgezogen auf einer Insel in der Ostsee. Ihre Beziehung wird durch einen nicht näher erklärten und im Laufe der Handlung sich immer weiter verschärfenden, ihre Lebensgrundlagen zerstörenden Krieg auf die Probe gestellt. Schließlich zerbricht die emotionale Bindung und sie bleiben nur noch aus pragmatischem Überlebenswillen beieinander. Auch hier interessierte sich Bergman nicht primär für den äußeren Rahmen, der die Geschichte antreibt, sondern für die universellen Erfahrungen, die die betroffenen Individuen unter dem Einfluss des Krieges machen. Dieses Interesse des Regisseurs an den Kernfragen menschlicher Existenz und menschlichen Zusammenlebens und der schon in den 1950er und 1960er Jahren außergewöhnlich liberale und progressive gesellschaftliche Rahmen in Schweden, der es Bergman ermöglichte, seine künstlerische Vision weitgehend uneingeschränkt umzusetzen, machen viele seiner dramatischen Filme zu universellen bis heute gültigen Werken des internationalen Films. Neben den äußeren Parametern wie unendlichen Regalmetern Sekundärliteratur, drei Oscars, der sogenannten»palme der Palmen«, die man Bergman in Cannes 1997 als einzigem Regisseur überhaupt verliehen hat, und unzähligen weiteren Preisen, ist es aber vor allem der Moment, wenn man als heutiger Zuschauer einen Bergman-Film sieht und bemerkt, wie stark man berührt wird, und beginnt, die eigene Existenz in Relation zum Schicksal der Protagonisten auf der Leinwand zu hinterfragen, der klar macht, dass es 2018 einen ganz Großen des internationalen Films zu feiern gilt. Nils Warnecke Nachdem das Filmmuseum 2006 eine nahezu vollständige Retrospektive der Filme von Ingmar Bergman präsentiert hat, beschränkt sich dieses Programm auf drei Themenfelder, die im herkömmlichen Verständnis als»untypisch«für Bergman gelten: Komödien, Historienfilme und Politik. Erstmals im Filmmuseum wird sein Kalter-Kriegs-Thriller MENSCHENJAGD zu sehen sein, den die Familie Bergman ausnahmsweise für eine Aufführung freigibt. En lektion i kärlek (Lektion in Liebe) Schweden 1954 R+B: Ingmar Bergman K: Martin Bodin M: Dag Wirén D: Eva Dahlbeck, Gunnar Björnstrand, Yvonne Lombard, Harriet Andersson, Åke Grönberg 96 min OmeU François Truffaut nennt LEKTION IN LIEBE»eine irre Komödie à la Lubitsch.«Es geht um einen doppel-

31 ten Ehebruch: Der Frauenarzt David lässt sich nach 16 Ehejahren mit einer Patientin ein. Seine Frau Marianne revanchiert sich und bändelt wieder mit ihrem früheren Verlobten an.»mehr aus Spaß fing ich an, Szenen zu schreiben, Eheszenen. Es machte mir mehr und mehr Spaß, und dann dachte ich an Gunnar Björnstrand und Eva Dahlbeck, und da wurde es noch lustiger. Innerhalb einer Woche war das Manuskript geschrieben. Ich glaube, ich hatte zehn Tage Zeit zur Vorbereitung, und dann ging es los. Es war eine sehr leichtsinnige Produktion. Das ist wohl das Gute an dem Film, nehme ich an, dass er vollkommen leichtsinnig ist.«(ingmar Bergman) Freitag, 21. September 2018, Uhr Sommarnattens leende (Das Lächeln einer Sommernacht) Schweden 1955 R+B: Ingmar Bergman K: Gunnar Fischer M: Erik Nordgren D: Ulla Jacobsson, Eva Dahlbeck, Gunnar Björnstrand, Harriet Andersson, Margit Carlqvist, Jarl Kulle 108 min OmU»Elegant und federleicht inszenierte Komödie über die Liebesverwirrungen einer Mittsommernacht, die einen zynischen Anwalt, seine erotisch unerweckte Kindfrau und seine ehemalige Geliebte, deren eifersüchtigen Liebhaber und den Theologie studierenden Sohn in erotische Wallungen bringt. Angeregt durch den magischen Dämmer der Mittsommernacht kommen die wahren Gefühle zum Vorschein und lassen die Sinnenlust über den lustfeindlichen Geist des Bürgertums triumphieren.«(franz Stadler) Samstag, 22. September 2018, Uhr Mittwoch, 26. September 2018, Uhr Djävulens öga (Das Teufelsauge) Schweden 1960 R+B: Ingmar Bergman, nach dem Hörspiel»Don Juan vender tilbage«von Oluf Bang K: Gunnar Fischer M: Erik Nordgren D: Jarl Kulle, Bibi Andersson, Gunnar Björnstrand, Nils Poppe, Gertrud Fridh 87 min OmeU Don Juan kehrt auf die Erde zurück: Er soll einer Jungfrau am Tag vor der Hochzeit die Unschuld rauben.»eine Komödie in Zwischentönen, mehr ironisch als beißend, mit einem Schimmer von Verrücktheit, im Rhythmus eines rondo capriccioso von Scarlatti. Wenn Bergman Satan zeigt wie einen Industriellen in seinem Büro, in einer absichtlich überdrehten Theaterhölle mit überbelichteten Flammen, wenn er sich bei der Metamorphose Don Juans in einen Menschen des 20. Jahrhunderts eines Paravents bedient wie beim Szenenwechsel im Faust auf einer Provinzbühne, dann amüsiert er sich. Diese Vision hat weder etwas Symbolisches noch ist sie beunruhigend.«(jacques Siclier) Sonntag, 23. September 2018, Uhr Auf der Suche nach Ingmar Bergman Deutschland 2018 R: Margarethe von Trotta B: Margarethe von Trotta, Felix Moeller K: Börres Weiffenbach, Florian Lampersberger Mit Liv Ullmann, Daniel Bergman, Ruben Östlund, Mia Hansen-Løve, Olivier Assayas 99 min»ein Dokumentarfilm über Arbeitsbeziehungen, Einstellungen, Haltungen, Obsessionen, Krisen. Natürlich kommen die üblichen Verdächtigen zu Wort: die noch lebenden Bergman-Schauspielerinnen, die alten und neuen Kollegen, die Familie. Aber wenn Liv Ullmann Margarethe von Trotta gegenübersitzt, dann entsteht daraus eben kein Festgottesdienst für einen abwesenden Großmeister, sondern es geht erst mal um gemeinsame Erfahrungen als Frauen auf roten Teppichen. Wie schön dieses Bergman-Porträt montiert ist, fällt erst beim genauen Hinsehen auf. Trottas Recherche verwebt sich mit den Bergman-Filmausschnitten zu einem vielschichtigen visuellen Dialograum, in dem kurze Blicke, Gesten, Bewegungen aus der Filmgeschichte ins Heute greifen.«(jan Künemund) Dienstag, 25. September 2018, Uhr Gycklarnas afton (Abend der Gaukler) Schweden 1953 R+B: Ingmar Bergman K: Sven Nykvist, Hilding Bladh M: Karl-Birger Blomdahl D: Åke Grönberg, Harriet Andersson, Hasse Ekman, Gunnar Björnstrand, Anders Ek 93 min OmU Um 1900 nahe der schwedischen Küste ziehen Zirkuswagen übers Land. Der Zirkusdirektor Albert wird von seiner gefühllosen Frau zurückgewiesen und erfährt, dass seine Geliebte sich von einem Schauspieler hat verführen lassen.»bergmans immer wiederkehrende Themen sind hier in einer komplexen Bildersprache auf die Leinwand gebracht, die von der überbelichteten Blässe der stummen Rückblende bis zu den expressionistischen Kompositionen der Theaterszenen reicht.«(wolfram Tichy)»Ich glaube, dass das Sonnenlicht für mich eine angstgeladene Bedeutung hat. Ich wollte, dass alles so weiß wie möglich sein sollte, so hart und so tot und so weiß wie möglich, es sollte eine Art Unbarmherzigkeit zu spüren sein.«(ingmar Bergman) Freitag, 28. September 2018, Uhr Det sjunde inseglet (Das siebente Siegel) Schweden 1957 R+B: Ingmar Bergman, nach seinem Bühnenstück»Trämalning«K: Gunnar Fischer M: Erik Nordgren D: Max von Sydow, Bengt Ekerot, Nils Poppe, Gunnar Björnstrand, Bibi Andersson, Gunnel Lindblom 96 min OmU»DAS SIEBENTE SIEGEL ist ein Drama über Glaube und Zweifel in mittelalterlichem Kostüm, das erste von Bergmans großen Legenden- und Mys- Ingmar Bergman 29

32 Ingmar Bergman 30 terienspielen aus den 1950er und 1960er Jahren. Der Tod ist die Hauptperson. Der Ritter Antonius Block, der seine besten Jahre in Kreuzfahrerlanden sinnlos verrinnen sah, spielt mit dem Tod Schach, und erst als er sein Geschick akzeptiert, kann er mit seinem Opfertod die wenigen wirklich Lebenstüchtigen retten: die naive Gauklerfamilie Jof, Mia und Kleinkind auf dem Wege in ein anderes Land, eine neue Heilige Familie auf der Flucht. Doch nichts ist in dem Film eindeutig.«(gösta Werner) Samstag, 29. September 2018, Uhr Dienstag, 2. Oktober 2018, Uhr Jungfrukällan (Die Jungfrauenquelle) Schweden 1960 R: Ingmar Bergman B: Ulla Isaksson, nach der Ballade»Herr Töres dotter i vänge«k: Sven Nykvist M: Erik Nordgren D: Max von Sydow, Birgitta Valberg, Gunnel Lindblom, Birgitta Pettersson, Axel Düberg, Tor Isedal 89 min OmU»Sparsam im Wort, virtuos im Bild erzählt der Film eine mittelalterliche Legende, in der ein unschuldiges Mädchen auf dem Weg zur Kirche im Walde von zwei Wegelagerern überfallen, geschändet und getötet wird. Die realistische Darstellung besteht auf einer Ausmalung von Einzelheiten, die unverzeihlich ist«, wetterte der Film-Dienst. Im Münchner Lenbach-Kino wurde eine Kopie des Films von der Polizei beschlagnahmt, um eine vom Amtsgericht München verfügte Kürzung der Vergewaltigungsszene durchzusetzen. Bergman ließ verlauten:»ich suche den künstlerischen Ausdruck für meine Visionen. Da kann ich mir nicht überlegen, ob vielleicht diese oder jene Szene jemanden verärgert.«sonntag, 30. September 2018, Uhr Sånt händer inte här (Menschenjagd) Schweden 1950 R: Ingmar Bergman B: Herbert Grevenius K: Gunnar Fischer M: Erik Nordgren D: Signe Hasso, Alf Kjellin, Ulf Palme, Gösta Cederlund, Yngve Nordwall, Stig Olin 84 min OmeU Ein Agent aus einem fiktiven kommunistischen Land im Baltikum trifft in Stockholm seine in den Westen emigrierte Frau, deren Eltern er verraten hat. Er will gestohlene Geheimdokumente den Amerikanern als Gegenleistung für politisches Asyl anbieten.»die Szenen aus Stockholm sind wunderbar, man sieht Wolken am Himmel und viele Szenen aus der Innenstadt, die es sonst in keinem Bergman-Film gibt. Mit den Spannungsmomenten vor allem die Aktentasche mit den Dokumenten kann Bergman gut umgehen, mit den typischen Zirkeln von Kommunisten und Immigranten auch alles sieht sehr thrillermäßig aus und ist auch spannend, da fast alles über die Bilder und Blicke der Akteure läuft wie im Stummfilm.«(Andrea Dittgen) Freitag, 5. Oktober 2018, Uhr Einführung: Jon Wengström Tystnaden (Das Schweigen) Schweden 1963 R+B: Ingmar Bergman K: Sven Nykvist M: Ivan Renliden D: Ingrid Thulin, Gunnel Lindblom, Jörgen Lindström, Håkan Jahnberg, Birger Malmsten 96 min OmU Zwei Schwestern, die unheilbar lungenkranke Ester und die jüngere, lebenslustige Anna mit ihrem neunjährigen Sohn Johan, befinden sich auf der Heimreise nach Schweden. Durch einen Zusammenbruch Esters werden sie anderthalb Tage in einer südländischen Stadt festgehalten, die sich im Ausnahmezustand befindet. Nachts rasseln Panzer durch die Straßen, die Menschen sprechen eine unverständliche Sprache, so dass kaum eine Verständigung möglich ist. Sie finden Unterschlupf in einem alten Grand Hotel, in dem außer ihnen kaum andere Gäste wohnen.»der Film ist ein Alptraum, eine Reise ans Ende der Nacht, ein unerbittlicher Abstieg in die Hölle. Die Fatalität, die Resignation der Abgewiesenen fällt über die Menschen her. Nicht nur Gott, jede menschliche Gnade fehlt dieser Geschichte.«(Jean de Baroncelli) Samstag, 6. Oktober 2018, Uhr Dienstag, 9. Oktober 2018, Uhr Skammen (Schande) Schweden 1968 R+B: Ingmar Bergman K: Sven Nykvist D: Liv Ullmann, Max von Sydow, Sigge Fürst, Gunnar Björnstrand, Birgitta Valberg 103 min OmeU Wieder ein anonymes Land in einem Ausnahmezustand. Es herrscht Krieg. Ein Ehepaar flieht auf eine Insel, doch die Realitäten holen sie ein.»das Paar auf der Insel, Musiker diesmal (in einem Film ohne Musik!), wird plötzlich mit Kriegshandlungen konfrontiert. Nach dem Zusammenbruch des wohlgeordneten Daseins wird aus dem sensiblen und wehleidigen Künstler Jan Rosenberg ein feiger Opportunist. Bergman gibt seinem fiktiven Krieg den Anschein von Allgemeingültigkeit, indem er ihm historisch-dokumentarische Züge verleiht. So sind die Stimmen von Hitler, Lyndon B. Johnson, Ulbricht zu hören; und manche Szenen wirken wie die Bilder realer Kriegsberichterstattung, Bilder wie sie der Zuschauer im Fernsehen betrachten kann, und zwar täglich im Jahr der Uraufführung des Films: 1968.«(Eckhard Weise) Sonntag, 7. Oktober 2018, Uhr

33 Underdox The School of Reis Das Erbe der legendären portugiesischen Filmemacher António Reis und Margarida Cordeiro steht im Fokus der 13. Ausgabe von UNDERDOX. In zwei Programmen, die in Zusammenarbeit mit Miguel Valverde (Festival Indielisboa) entstanden, werden die Traditionen des portugiesischen Kinos nach der Diktatur und ihre Einflüsse auf die junge Generation heute vorgestellt. Brückenfigur zwischen den Generationen ist Pedro Costa. Der Regisseur von O SANGUE (DAS BLUT, 1989) und der FONTAÍNHAS-Trilogie ( ) schuf in semifiktionalen Nahaufnahmen der kapverdischen Einwanderer ein höchst kinematografisches Chiaroscuro und gilt seitdem als Wegbereiter für ein gleichermaßen poetisches wie politisches Kino. Miguel Gomes meisterliche Krisen-Trilogie AS MIL E UMA NOITES (1001 NACHT, 2015) oder João Pedro Rodrigues phantasmagorischer O ORNITÓLOGO (DER ORNITHOLOGE, 2016) folgten nach. Costa, Gomes und Rodrigues sind Schüler des einflussreichen, jedoch hierzulande kaum bekannten portugiesischen Filmemachers António Reis, der mit seiner Frau, der Psychiaterin Margarida Cordeiro, die wichtigsten Werke unmittelbar nach der Salazar-Diktatur schuf. Reis lehrte von 1977 bis zu seinem Tod 1991 an der Escola Superior de Teatro e Cinema. Nach ihm wurde die»school of Reis«(Haden Guest) und der unverwechselbare Stil eines ethnografischen Kinos benannt, das narrativ befreit hypnotisch-suggestive Ikonografien hervorbrachte, die gleichermaßen sinnlich wie radikal wirken. Reis und Cordeiro hatten ihrerseits bei Manoel de Oliveira und den Begründern des Cinema Novo, Fernando Lopes und Paolo Rocha, gelernt. In der Tradition der Reis-Schule, vermittelt durch die Filme von Pedro Costa, sieht sich auch eine neue Generation von Filmemachern, allesamt in den 1980ern geboren. Die Künstlerin Salomé Lamas und der Filmemacher Jorge Jácome, dessen FLORES (FLOWERS) der erfolgreichste portugiesische Kurzfilm von 2017 ist, arbeiten an den Rändern dokumentarischer Inszenierungen. Ico Costa kehrt mit NYO VWETA NAFTA (2017) nach Mosambik zurück, wo er ein Jahr seines Lebens verbrachte. Sein auf 16mm gefilmtes Porträt der Jugend in Inhambane reflektiert unterschwellig auch den portugiesischen Kolonialismus. Marta Mateus FAR- PÕES, BALDIOS (BARBES, WASTELANDS, 2017) ist einer der berückendsten Filme dieser neuen Generation. Sie porträtiert das Leben in ihrer Heimatregion Alentejo, die von Trockenheit und karger Armut geprägt ist. Nach der Nelkenrevolution hatten die Bauern die Ländereien, auf denen sie einst von ihren Herren unterdrückt wurden, besetzt. Die Protagonisten des Films sind die hochbetagten revolutionären Kämpferinnen und Kämpfer, die ihren Widerstandsgeist an die ganz junge Generation weitergeben. Pedro Peralta schließlich inszeniert mit ASCENSÃO (ASCENSION, 2017) eine archetypische, biblisch-mythologische Begräbnisfantasie. Dunja Bialas, Donnerstag, 11. Oktober bis Sonntag, 14. Oktober 2018 NYO VWETA NAFTA The School of Reis 31

34 Herbert Achternbusch Herbert Achternbusch zum 80. Geburtstag 32 Obrigkeit ist ihm zuwider, vor allem die institutionelle: Kirche und Staat sind seine Hauptangriffsziele. Weshalb er speziell von CSU-Seite, den Gralshütern abendländisch-bayrischer Kultur, immer wieder angefeindet wurde. Das ging soweit, dass der christsoziale Bundesinnenminister Zimmermann Fördergelder verweigerte, die Herbert Achternbusch wegen eines Bundesfilmpreises für DAS LETZTE LOCH (1981) eigentlich zustanden: Der nachfolgende Film DAS GESPENST (1982) wurde als höchst blasphemisch angesehen, und Achternbusch musste über zehn Jahre für die Auszahlung der Gelder gegen die Bundesrepublik prozessieren letztendlich erfolgreich. Dazu kommt ein quälendes Bewusstsein von den Sünden der deutschen Vergangenheit und einer gleichgültigen Gesellschaft, auf die man nur mit Abscheu reagieren kann. In DAS LETZTE LOCH fragt Hauptfigur Nil, der sich ab und an als Detektiv ausgibt und dem Mord an 6 Millionen Juden nachgeht, einen Arzt in der Sprechstunde: Wie viel Schnaps muss man eigentlich trinken, um die Schuld an 6 Millionen Toten zu vergessen? Und der Arzt rechnet, kommt auf eine ziemlich hohe Zahl, die noch dazu (wegen eines Dritteljuden, der nicht so recht in die Rechnung passen will) krumm ist, für die er dem Nil aber ein Rezept auf immense tägliche Alkoholrationen ausstellt. Und wenn man jetzt nachrechnet, wo bei dieser Arithmetik der Fehler liegt 2 cl Schnaps pro totem Juden ergeben halt beim besten Willen keinen Drittel Restjuden: dann ist man schon in die Falle gelaufen, die hier gestellt wird, dass man als Zuschauer tatsächlich die Toten aufrechnet und damit relativiert. Neben der Schwere einer ins Absurden getriebenen Ernsthaftigkeit ist Achternbusch zugleich witzig; wirklich witzig. Seine Filme sind absonderliche Mischungen aus klarer, brutaler, kritischer Gesellschaftsanalyse und absurd-komisch-anarchischen Episoden, die vor billigsten Kalauern und schlechtesten Scherzen nicht zurückschrecken. Das Komische ist dabei nicht einfach der Zucker, mit dem die Säuerlichkeit des allseitigen Grantelns halbwegs genießbar gemacht werden soll, oder ein kokettes Spiel mit dieser seiner Außenseiterhaltung, die er sich teils selbst gewählt hat, in die er teils hineingepresst wurde. Witz und Ernsthaftigkeit arrangieren sich vielmehr zu einem Zusammenspiel zwischen gegenseitiger Verstärkung und Widerspruch, zielen mal gemeinsam auf dasselbe, um dann wieder ganz auseinanderzustreben. Eine schillernde Ambivalenz, die zur beabsichtigten Verunsicherung des Zuschauers führt, was denn nun eigentlich wirklich und tatsächlich gemeint sei mit diesem Film. Mit am deutlichsten wird dieser Zusammen- und Auseinanderhang in DIE FÖHNFORSCHER (1984). Da hat Achternbusch (der ja auch bildender Künstler ist) Gemälde auf dem Zeitungspapier der Süddeutschen

35 fabriziert auf dünnem, schlechtem, schnell verfallendem Papier also, so dass die Aquarelle inzwischen nur noch abgefilmt existieren, als Segmente im Film, wenn Achternbusch seine eigenen Bilder kommentiert und interpretiert. Er entwickelt dabei eine etwas obskure Philosophie der Föhnforschung (die eine Wissenschaft ist, die nicht betrieben wird) und des ewigen Kampfes der Föhnforscher gegen die Arschlöcher; sowie der vielen Urnen von toten Juden, die im»jammersee«(= Ammersee) liegen. Dazu kommt eine satirische Ebene über die Atomrakete Herrsching II, die die bayrische Regierung erhalten hat und jetzt in, wo sonst, Herrsching am Jammersee stationiert natürlich in einem Kirchturm, zur besseren Tarnung. Und dann sind da die Szenen mit der gesammelten Laienschar, die bei Achternbusch mitspielt, die hier aber ganz dezidiert dilettantisch vor der Kamera herumsteht, sich auf den Füßen rumtrampelt, kunstvoll choreographiertes Unvermögen: wenn einer spricht, muss er erstmal die anderen leicht wegrempeln, damit man ihn auch schön sehen kann im Film Dabei geht es vornehmlich um eine ausgeleierte Badehose. Aus der nämlich hängt dem Hartmut immer was raus, wenn er unterm Auto liegt (und Autoreparieren ist seine Leidenschaft), was seine Frau wieder reinschieben muss. Später kommen noch Polizisten dazu, deppert natürlich, die kleine Enten retten (ein Fall für den früher mal jährlichen Entenpolizei-Report der Titanic!) und dabei ihre Uniformhosen vergessen. Und schließlich auch zu Föhnforschern mutieren. Ganz assoziativ entwickelt sich das Geschehen (wenn man es so nennen will) hin zu einem großen Panorama zwischen Philosophie/Aphorismus und Albernheit/Pubertärklamauk. Wobei die (mögliche) Ernsthaftigkeit der Föhnforscher-Philosophie durch den dazwischen hervorquellenden Quatsch wieder aufgehoben wird: was eventuell eine Botschaft des Films sein könnte, der Kampf des rechtschaffenen Außenseiters gegen die Mehrheits-Arschlöcher, hängt durch Blödsinn ganz in der Schwebe. Und letzterer funktioniert natürlich nur, wenn man sich nicht kümmert um»wirkliches«filmemachen, wenn man macht, was man will, was einem grad in den Kopf kommt seine Drehbücher schrieb Achternbusch immer innerhalb von ein paar Tagen, und seine Schauspieler nahm er von seinem Stammtisch. Überhaupt, der Stammtisch: ohne den wäre Achternbusch nicht denkbar. Immerhin ist er einer der größten Bier-Filmer überhaupt, und vielleicht sind seine Gedanken nur als Kopfspuk eines berauschten Intellektuellen erklärbar. In DER KOMANTSCHE (1979) gibt es eine lange Stammtisch-Sequenz im Wienerwald, in dem Herbert und sein Kumpel und Chefarzt Heinz Braun mit lebenden(!) Hühnern als Kopfschmuck die Stammtischbrüder mit dummem Geschwätz in den Tod treiben; später wird außen ein Polizist zum Blues eines Volksmusikanten tanzen und tanzen und tanzen. Das alles freilich ist der Traum eines Komatösen (eben des Komantschen), der von dessen Frau und seiner Krankenschwester aufgezeichnet und ans Fernsehen verkauft wurde, wo er jetzt als Serie läuft. Die Indianermetaphorik: Komantsche, Hühnerfedern auf dem Kopf, der Stammtisch-Indianer als der einzig wahre und ultimative Ausgestoßene der Gesellschaft, ein Motiv, das sich in Achternbuschs gesamtem Œuvre häufig wiederholt geht dabei einher mit blödem Schmarrn (das Recht auf Schmarrn wird Herbert im WANDERKREBS (1984) beim eher an Ludwig II denn an Franz Josef Strauß gemahnendem Ministerpräsidenten einfordern). Und verbindet sich auch immer wieder mit den verlorenen Träumen, die dem Menschen das Menschliche nehmen. An einem Bootssteg stehen einmal Herbert, der Chefarzt, die Krankenschwester und der Polizist und sehen Booten hinterher, auf denen ihre Träume davon segeln: dem Chefarzt entschwindet die Sprechstundenhilfe, der Krankenschwester der Komantsche, den sie liebt, dem Polizisten ein Kasperle:»Auch ich habe schon einmal gelebt. Ich war ein Kasperle im Kasperleland. [ ] Kasperle, nimm mich wieder mit ins Kasperleland! Da war ich wenigstens einmal verliebt!«in SERVUS BAYERN (1977) spielt Herbert einen Schriftsteller, der an der Kälte in Bayern leidet und schließlich nach Grönland auswandert, in die sehnsuchtsvoll erhoffte Bayernferne (wo er den Tod findet, gefoppt von einem Rivalen im Eisbärenkostüm). Schimpfen über das, was einst als Heimat galt, verbindet sich hier mit der Kritik an der Rezeption der eigenen Werke, an der Öffentlichkeit also und an den Medien, verbunden mit einer Handlung, die ebenso gut aus einem bayrischen Bauerntheaterstück stammen könnte, mit Herbert und seiner Frau und seiner Geliebten in den Bergen und seinem Schwager, dem Jäger/Wilderer Bellbell, der zugleich sein Nebenbuhler ist.»in Bayern möcht ich nicht einmal begraben sein«ist eines der bekannten Zitate aus diesem Film, und»diese Gegend hat mich kaputt gemacht und ich bleibe so lange, bis man ihr das ansieht.«ein Satz, der übrigens im aufdringlichen Fernsehinterview mit einem desinteressierten Reporter fällt weil, so Achternbuschs in den Film eingelegte Klage, der Prophet im eigenen Land nichts gilt. Harald Mühlbeyer Herbert Achternbusch 33

36 Herbert Achternbusch 34 Das Andechser Gefühl BRD 1975 R+B: Herbert Achternbusch K: Jörg Schmidt-Reitwein D: Herbert Achternbusch, Margarethe von Trotta, Barbara Gass, Alois Hitzenbichler, Heinz Braun. Walter Sedlmayr, Reinhard Hauff, Ingrid Gailhofer 65 min Die Welt. Oberbayern. Andechs. Die Klosterwirtschaft. Der Biergarten. Beflügelt von Dumpfheit: die Saufrunde. Denn:»Das Andechser Gefühl ist das Gefühl nicht allein zu sein.«der Dorfschullehrer ist trotzdem allein. Oder nicht ganz allein; mit dabei sind seine sich leerende Maß, die im Bier ertrinkenden Fliegen, das Leiden am Beruf, die Angst vor der Lehramtsprüfung. Die Sehnsucht nach irgendwas, das offen oder unbekannt oder nicht da ist, etwa nach einer Schönen, die auch noch Schauspielerin und blond ist.»das ANDECHSER GEFÜHL, Achternbuschs Erstling, gehört zu den radikalsten, schönsten, verzweifelt-lustigsten kinematographischen Bier-Fieber-Anfällen, die unsere westdeutsch-bayerische Filmgeschichte vorzuweisen hat. Hemmungslos wurschtig in der vermeintlich amateurhaften Form und aber andererseits exakt dadurch in jedem Augenblick zart-punktgenau.«(dominik Graf) Freitag, 19. Oktober 2018, Uhr Servus Bayern BRD 1978 R+B: Herbert Achternbusch K: Jörg Schmidt-Reitwein D: Herbert Achternbusch, Annamirl Bierbichler, Josef Bierbichler, Heinz Braun, Barbara Gass, Karolina Herbig, Gunter Freyse 87 min Ein Schriftsteller, der sich in der Heimat nicht mehr zu Hause fühlt, geht nach Grönland, weil es dort nicht so kalt ist wie in Bayern.»Diese groteske Selbstdarstellung ist durchsetzt mit winklig-witzigen Einfällen, hemmungslosen Kalauern und unvermittelter, zärtlicher Poesie. Einmal umkreist die Kamera in Grönland einen bizarr zerklüfteten Eisberg, dazu ertönt ein bayrisches Gstanzl von einem Burschen, der beim Fensterln erwischt wird. An so was hätte der Märchenkönig Ludwig seine bayrischromantische Freude gehabt. Nichts ist ihm heilig, dem bierseligen Groucho Marx vom Starnberger See, außer seiner eigenen Dichterexistenz und seiner Sprache, von der er einmal schrieb, er habe sie zum Bösewicht erzogen. Mit ihr und seinen Filmbildern fuchtelt er in unseren Köpfen herum, dass die Logik Reißaus nimmt.«(wolfgang Limmer) Samstag, 20. Oktober 2018, Uhr Dienstag, 23. Oktober 2018, Uhr Der Komantsche BRD 1979 R+B: Herbert Achternbusch K: Jörg Jeshel D: Herbert Achternbusch, Annamirl Bierbichler, Heinz Braun, Barbara Gass, Brigitte Kramer, Franz Baumgartner, Alois Hitzenbichler, Josef Bierbichler 84 min Nach mehreren Jahren des Komas erwacht der Komantsche, ein Indianer, in einem bayrischen Krankenhaus. Doch die Realität deckt sich Dreharbeiten zu DER KOMANTSCHE Barbara Gass

37 nicht mit den Träumen, die er sich während des Komas von ihr machte.»als Indianer gehört der Titelheld einem ausgerotteten Stamm an; einige Überlebende vegetieren noch in einem Reservat hier: ein Sanatorium dahin. Klinisch gesehen ist der Indianer schon fast tot; der Komantsche verdankt seinen Namen auch dem Koma, in dem er liegt. Aber in seinem Kopf sind noch Träume am Leben, Träume eines Ohnmächtigen. Und wo geträumt wird, finden sich auch Leute, die das Ergebnis vermarkten. Der Chefarzt hat dem Patienten eine Sonde eingepflanzt; per Antenne macht er die Träume auf Video sichtbar und verkauft sie ans Fernsehen. Die Antenne als Kopfschmuck und Feder: Auch optisch löst Achternbusch das Indianer-Bild ein. Dann verlässt der Komantsche das Sanatorium. Wohin pflegen sich Indianer zurückzuziehen? In die Wälder. Aber es gibt keine Wälder mehr. Wo soll er hin? Er geht in den Wienerwald.«(Hans-Günter Pflaum) Sonntag, 21. Oktober 2018, Uhr Das letzte Loch BRD 1981 R+B: Herbert Achternbusch K: Jörg Schmidt-Reitwein D: Herbert Achternbusch, Annamirl Bierbichler, Franz Baumgartner, Gabi Geist, Wolfgang Ebert, Helga Loder, Alois Hitzenbichler 92 min»der Nil, von Achternbusch selbst gespielt, kann die sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden nicht vergessen. Sein Arzt rät ihm, für jeden ermordeten Juden einen Schnaps zu trinken. Doch das Vergessen will nicht gelingen. Auf der Reise nach Sizilien, Schnaps für Schnaps trinkend, stürzt sich der Nil in den Stromboli, in das letzte Loch, das ihm bleibt. Was sich auf dem Papier wie ein geschmackloser Witz anhören mag, ist ein Meisterwerk des deutschen Autorenfilms. Immer wieder thematisieren Achternbuschs Filme den Holocaust und die Kontinuität der Nazi-Mentalität im Nachkriegsdeutschland. Vergleichbar mit der bitteren Beharrlichkeit eines Thomas Bernhard hadert Achternbusch mit den Alt- und Jungnazis und den Auswirkungen des Katholizismus. Und ebenfalls vergleichbar mit Thomas Bernhard ist Achternbusch immer in seiner so genannten Heimat geblieben, hat Bayern nie verlassen. Vielleicht, weil er diese Reibung braucht, den Hass als kreativen Antrieb.«(Martin Büsser) Mittwoch, 24. Oktober 2018, Uhr Freitag, 26. Oktober 2018, Uhr Das Gespenst BRD 1982 R+B: Herbert Achternbusch K: Jörg Schmidt-Reitwein D: Herbert Achternbusch, Annamirl Bierbichler, Werner Schroeter, Kurt Raab, Dietmar Schneider, Judit Achternbusch, Rita Achternbusch, Ann Poppel 88 min»jetzt ist er Das Gespenst, aber in Wahrheit unser Herrgott, vom Kreuz herabgestiegen aus Neigung zu einer schönen Oberin, für die er nun als Ober in der Klosterschänke hinter dem Tresen steht und mal zwei Münchner Polizisten bedient, mal die drei römischen Legionäre, die ihn gekreuzigt haben. Der zehnte Spielfilm, den der bayrische Poet und Selbstdarsteller Herbert Achternbusch mit seiner treuen Freundesschar gedreht hat, strahlt die schöne, kräftige Einfalt eines Legendenspiels aus; er ist nicht blasphemisch, selbst wenn er die Golgatha-Szene mit drei Fröschen nachstellt. Der Filmemacher Achternbusch, lange als skurriler Valentin-Nachfahr etikettiert, ist auf dem Weg, ein bayrischer Buñuel zu werden.«(der Spiegel 13/1983)»Valentinisches mischt sich hier mit Kafkaeskem, wüste Bilder mit geradezu innigen Szenen, Derbes mit Philosophischem, Märchenhaftes mit aktueller Gesellschafts- und Kulturkritik.«(Hartmut Weber) Samstag, 27. Oktober 2018, Uhr Dienstag, 30. Oktober 2018, Uhr Die Olympiasiegerin BRD 1983 R+B: Herbert Achternbusch K: Jörg Schmidt-Reitwein D: Annamirl Bierbichler, Herbert Achternbusch, Gabi Geist, Tobias Frank, Maïté Nhyr, Franz Baumgartner, Klaus Schöner, Dietmar Schneider, Josef Bierbichler, Kurt Raab Herbert Achternbusch 35

38 Herbert Achternbusch min»sie war stolz und schön, die schönste Frau von München, mindestens, und sie trainierte täglich mit Leidenschaft beim TSV 1860, denn der Traum ihres Lebens war, Olympiasiegerin zu werden, 1940 in Tokio. Doch dann kam ein fescher Adi daher, Zahnarzt zwar, aber sonst wenig seriös, lieber auf der Pferderennbahn als in der Praxis, ein Vorstadt-Casanova, den Wirtshäusern und ihren Bedienungen zugetan Von den Zwängen der Biografie und Privatmythologie hat Achternbuschs Werk immer geredet, von den Vater-Mutter-Obsessionen, denen nicht zu entrinnen ist auch wenn er sich, wie jedes Kind, gelegentlich ganz andere Eltern herbeifantasiert hat, Marieluise Fleißer und Harpo Marx zum Beispiel, weil die beide, wie er selbst, an einem geboren sind, und mit der OLYMPIA- SIEGERIN, seinem persönlichsten, kompliziertesten, selbstbesessensten Film, hat er die Privatmythologie ins Monumentale erhöht. Die Schöpfungsgeschichte wird umgekehrt: Herbert erscheint als sein eigener Urheber, die Eltern indem er sie auf der Leinwand noch einmal hervorbringt werden zu seinen Geschöpfen.«(Urs Jenny) Freitag, 16. November 2018, Uhr Die Föhnforscher BRD 1985 R+B: Herbert Achternbusch K: Adam Olech, Stefano Guidi M: Skip James D: Herbert Achternbusch, Annamirl Bierbichler, Franz Baumgartner, Gabi Geist, Sigrid Geerken, Helga Frank, Judit Achternbusch, Alois Hitzenbichler, Hartmut Geerken, Gunter Freyse, Ann Poppel 138 min»am Ammersee, der sich in einen Jammersee verwandelt hat, ist eine bisher unbekannte Atomrakete stationiert, ein Geschenk der Amerikaner an die Bayern. Diese Rakete heißt nicht Pershing, sondern nach einem Ammersee-Städtchen Herrsching II. Seither sehen in Bayern die Kirchtürme wie Raketenrümpfe aus. Und dann ist es auch schon passiert. Ganz Bayern ist radioaktiv. Die übriggebliebenen Herrschinger zeigen in der Katastrophe ihr wahres Gesicht. Geheimnisvolle Dampfer fahren über den Jammersee, zum Beispiel die Krematorium mit automatischer Urnenabfüllung. Die Szenen über die schreckliche Zeit am Jammersee hat Achternbusch mit einer Super-8-Kamera gedreht. Es sieht aus wie schlechte, verschneite, hektisch geschnittene Videobilder, die zu gespenstischen Effekten führen: undeutliche, blauschimmernde Welt, durch die schwarze Dampferschatten ziehen. Der Schrecken hat das Filmmaterial selber befallen. DIE FÖHNFORSCHER: eines der großen Kunstwerke dieses Jahrhunderts.«(Helmut Schödel) Samstag, 17. November 2018, Uhr Wohin? BRD 1988 R+B: Herbert Achternbusch K: Adam Olech M: Tom Waits D: Herbert Achternbusch, Gabi Geist, Franz Baumgartner, Gunter Freyse, Annamirl Bierbichler, Josef Bierbichler, Kurt Raab 98 min»ein schwarzes Lebensbild in bunten Farben, die Aggressivität mit melancholischer Trauer aufgemischt: Herbert Achternbusch erzählt mit ungewohnt besonnener Gradlinigkeit und in kraftvoll-ruhigen schönen Bildern seine poetische Geschichte von Leben und Tod. Frau Rothammer (klirrend infam: Gabi Geist) wird TV-Nachrichtensprecherin durch Beziehungen zur hohen Politik. Sie hat zwar versucht, den haltlosen Ministerpräsidenten in die Kehle zu beißen, aber das AIDS-Virus hat nicht sie ihm angehängt. Mit todbringenden Kräften stattet Herbert, darstellerisch als stummer chaplinesker Verunsicherer, die Biergarten-Kellnerin Annamirl Bierbichler aus. Die Leichen stapeln sich. Und da ist der erschütternde Auftritt des AIDS-kranken Kurt Raab, die Tragödie der Wirklichkeit. Seine Rede über die Bedarfs -Fälle bis zur letzten KZ-Konsequenz sprengt fast das Kino. Doch Achternbusch enttäuscht uns nicht er lässt seine grotesken Surrealismen schön böse enden.«(frauke Hanck) Sonntag, 18. November 2018, Uhr Achternbusch Deutschland 2008 R+B: Andi Niessner K: Markus Krämer Mit Herbert Achternbusch, Josef Bierbichler, Margarethe von Trotta, Dieter Dorn, Andreas Achternbusch, Barbara Gass, Gabi Geist, Ann Poppel 90 min»niessner gelingt es nicht nur, den heute völlig vereinsamten anarchistischen Filmemacher, Schriftsteller und Maler oft in Begleitung seiner späten Tochter Naomi zum Sprechen, Erzählen und zur uneitlen Selbstdarstellung zu bringen, sondern auch seine Kinder aus seiner frühen Ehe und Weggenossen & -genossinnen zu einem komplexen filmischen Porträt des radikalsten filmischen Solipsisten des deutschen Films zu bewegen. Es ist, um mit Robert Musil zu sprechen, gewissermaßen Ein Nachruf zu Lebzeiten des traurigen Clowns, für den unsere, vor allem die bajuwarische Gesellschaft des neuen Schickimicki, keinen Platz und kein Interesse mehr hat; und er nicht an & in ihr.«(wolfram Schütte) Sonntag, 25. November 2018, Uhr Zu Gast: Andi Niessner

39 Film und Psychoanalyse: Die Nacht Vor allem Anfang war die Nacht. Ob die Nyx der griechischen Mythologie mit ihren beiden Kindern Hypnos (Schlaf) und Thanatos (Tod) oder die Genesis mit»es werde Licht«, die Entstehungsmythen der Menschheit drücken stets die Sehnsucht aus, das Dunkel der Nacht zu überwinden. Nachts erwacht eine eigene Welt der Träume, Ängste, Erscheinungen, Verwandlungen, Grenzüberschreitungen. Nachts erscheinen Probleme unlösbar, Ängste überwältigend, Krankheiten vernichtend. Aber die Nacht umfängt auch die Liebenden, schützt den Schlaf und die Träume, erquickt nach der Helligkeit und Hitze des Tages und zeigt das zauberhafte Firmament. Der Film noir, ein Paradox innerhalb des Lichtmediums Film, ist ein nächtliches Genre par excellence. Nicht nur, weil Handlung, Atmosphäre und Protagonisten nachtschwarz gezeichnet sind, sondern weil der Film noir harte visuelle Kontraste, auffallende Licht-Schatten-Effekte und Schattierungen von Schwarz als stilistische Charakteristika einsetzt. Hier ist die Nacht die Zeit der Entwurzelten und Getriebenen, der Schlafwandler und Schattenwesen, der Träumer, Liebenden, Rächer und Mörder. Die Nacht war und ist Thema der Künste. Romane des Schauerlichen in der Romantik, Poesie, Musik und Film versuchen ihren Zauber zu erfassen. Auch Freuds»Die Traumdeutung«und sein Aufsatz»Das Unheimliche«zeigen die Bedeutung, die er dem menschlichen Erleben der Nacht zumaß. Die Filme, die wir für diese Staffel von»film und Psychoanalyse«ausgewählt haben, setzen Nacht und Dunkel nicht nur als Stilmittel ein, sondern beides hat als»quasi-protagonist«eine eigene dramaturgische Rolle als Metapher für das Schicksalhafte, Traumhafte oder Depressive, für Einsamkeit und Verstrickungen aus der Vergangenheit, für die Vergeblichkeit von Illusionen. Oder einfach für eine rein durch die Nacht erzeugte elegische Stimmung, die Folgen hat. Das Streulicht der Städte zwingt uns heute, in entlegene Weltgegenden zu reisen, um vollkommenes nächtliches Dunkel zu erleben und einen Nachthimmel, der das gewaltige Universum erahnen lässt Oder wir gehen ins Kino, wo das Dunkel des Saals mit dem finsteren Geschehen auf der Leinwand verschmilzt. Katharina Leube-Sonnleitner The Night of the Hunter (Die Nacht des Jägers) USA 1955 R: Charles Laughton B: James Agee, nach dem Roman von Davis Grubb K: Stanley Cortez M: Walter Schumann D: Robert Mitchum, Shelley Winters, Lillian Gish, Billy Chapin, James Gleason 92 min OF Am Ohio River, während der großen Depression der 1930er Jahre, jagt der psychopathische Wanderprediger und Frauenmörder Harry Powell Dollar hinterher, die bei einer Witwe versteckt sind. Die verstörenden und dann wieder poetischen Nachtszenen, die in ihrer kontrastreichen Beleuchtung an expressio- Film und Psychoanalyse THE NIGHT OF THE HUNTER 37

40 Film und Psychoanalyse 38 nistische Filme und Scherenschnittfilme von Lotte Reiniger erinnern, untermalen den Widerspruch zwischen unbeschwerter Kindlichkeit und brutalem Verbrechen, Erlösungssehnsucht aus sozialer und seelischer Not und verlogen hochstaplerischem Menschenfischen im erzählerischen Gewande der Psychopathie. Nacht und Tag fungieren nicht als ins Bild gesetzte Metaphern von Gut und Böse; die grausame, beängstigende, aber auch märchenhafte und surreale Optik und Semantik rücken den Film in die Nähe des Film noir. Sonntag, 28. Oktober 2018, Uhr Einführung: Irmgard Nagel, Corinna Wernz Le cercle rouge (Vier im roten Kreis) Frankreich 1970 R+B: Jean-Pierre Melville K: Henri Decaë M: Éric Demarsan D: Alain Delon, Gian Maria Volontè, Yves Montand, André Bourvil, Paul Crauchet 150 min OmU Ein frisch aus der Haft entlassener Krimineller, ein Untersuchungshäftling auf der Flucht, der ihn jagende Kommissar und ein Ex-Polizist befinden sich in einem schicksalhaften Kreisfeld. In diesem wirken die Topoi Loyalität und Verrat. Melvilles erfolgreichsten Film durchzieht eine nächtliche Melancholie, die sich in einer fast schwarz-weiß wirkenden verwaschenen Farbgebung ausdrückt. Und wenn es nicht gerade Nacht ist, so ist der Tag, als habe man nicht geschlafen. Der vielleicht am lakonischsten erzählte Juwelenraub der Filmgeschichte, nachts an der Place Vendôme, stylish still und mit minimaler signifikanter Tonspur, steht für Melvilles typische Darstellung effektiver männlicher Kooperation nach Planung und wortlosen Verständnisses. Sonntag, 25. November 2018, Uhr Einführung: Salek Kutschinski, Mathias Lohmer Night on Earth USA 1991 R+B: Jim Jarmusch K: Frederick Elmes M: Tom Waits D: Winona Ryder, Gena Rowlands, Armin Mueller-Stahl, Giancarlo Esposito, Isaach De Bankolé, Béatrice Dalle, Roberto Benigni, Paolo Bonacelli, Matti Pellonpää, Kari Väänänen 128 min OmU In Jim Jarmuschs Episodenfilm spielt die Nacht die Hauptrolle und gibt ihren großartigen menschlichen Nebendarstellern wie Winona Ryder, Armin Mueller-Stahl und Roberto Benigni Raum zur Entfaltung. Im Laufe einer Nacht, verteilt über fünf Zeitzonen, zeigt der Film in kurzen Szenen nächtliche Begegnungen in Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki, geprägt von Überleben, Mut zur Veränderung, Magie, Humor und Melancholie. Die Filmpsychoanalyse zeigt, wie das Kartenspiel aus Menschen und Kulturen die Zuschauer erreicht und einen großen Film über den Traum von der Menschlichkeit hervorbringt, der in der Zeit einer überdrehten Globalisierung immer dringlicher wird. Sonntag, 16. Dezember 2018, Uhr Einführung: Andreas Hamburger, Eva Friedrich Blood Simple (Eine mörderische Nacht) USA 1984 R+B: Joel & Ethan Coen K: Barry Sonnenfeld M: Carter Burwell D: Frances McDormand, John Getz, Emmet Walsh, Dan Hedaya, Deborah Neumann 96 min OmU Das von der Kritik gefeierte Spielfilmdebüt der Coen-Brüder erfüllt alle Kriterien eines düsteren Neo noir. Allerdings spielt sich der Überlebenskampf seiner Protagonisten nicht im Dschungel der nächtlichen Stadt ab; Weite und Trostlosigkeit einer gottverlassenen Gegend in Texas illustrieren, wie ausgesetzt und fremd sie sich in ihrer eigenen Existenz fühlen. Ohne Psychologisierung oder Erklärungsansätze der Autoren erleben wir atemlos, wie ausgehend von der klassischen Konstellation»Ehemann rächt sich an untreuer Gattin nebst ihrem Liebhaber«eine katastrophale Entwicklung ihren Lauf nimmt. Im Gegensatz zu vielen Thrillern sind wir Zuschauer hier den Figuren immer um ein winziges, aber entscheidendes Quäntchen Verständnis voraus. Diese nämlich können einander einfach nicht verstehen. Sonntag, 27. Januar 2019, Uhr Einführung: Katharina Leube-Sonnleitner Talk Radio USA 1988 R: Oliver Stone B: Eric Bogosian, Oliver Stone, nach dem Stück von Eric Bogosian K: Robert Richardson M: Stewart Copeland D: Eric Bogosian, Ellen Greene, Leslie Hope, John C. McGinley, Alec Baldwin 109 min OmU Tief in der Nacht geht Barry Champlain mit seinem»talk Radio«auf Sendung. Die Regeln sind einfach: Jeder kann anrufen und über seinen Zustand und den der USA sagen, was er will. Mit dieser offenen Gesprächssituation und seinen schlagfertigen, sarkastischen Antworten lockt Champlain die unter der dünnen Oberfläche des amerikanischen Mainstreams verborgenen Affekte und Haltungen hervor: Hass, Rassismus, dumme Vereinfachungen bis hin zu faschistischen Ideologien. Barry sieht sich als abgebrühten Moralisten, wir Zuschauer sehen aber auch seine Einsamkeit, Beziehungsunfähigkeit und natürlich die Einbindung seiner Skandal-Show in Geschäftsmodelle und -interessen. Das alles ist beeindruckend fotografiert, ein Kammerspiel mit kreisenden Kamerabewegungen und virtuosen Licht- und Spiegeleffekten in engen, nächtlich beleuchteten Räumen. Sonntag, 17. Februar 2019, Uhr Einführung: Matthias Baumgart

41 Werner-Herzog-Filmpreis Verleihung des Werner-Herzog-Filmpreises 2018»Wir wollen jedes Jahr einen Werner-Herzog-Preis verleihen. Dafür sucht eine Jury weltweit Kandidaten aus Kriterium ist, dass ein Filmemacher etwas Innovatives gemacht hat«(werner Herzog) Die bisherigen Preisträger waren Hubert Sauper (2016) und Chloé Zhao (2017). Werner Herzog wird den Preis überreichen, anschließend wird ein Film des Preisträgers gezeigt. Freitag, 2. November 2018, Uhr Zu Gast: Werner Herzog Meeting Gorbachev GB 2018 R+B: Werner Herzog, André Singer M: Nicholas Singer 90 min OmU Der Film eröffnet am 29. Oktober das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm. Im Mittelpunkt steht ein langes Gespräch zwischen Werner Herzog und Michail Gorbatschow. Gorbatschow:»How many years have you been in filmmaking?«herzog:»since I was 19. So, over 50 years.«gorbatschow:»i went into politics when I was in 10th grade!«samstag, 3. November 2018, Uhr Zu Gast: Werner Herzog Jeder für sich und Gott gegen alle BRD 1974 R+B: Werner Herzog K: Jörg Schmidt-Reitwein D: Bruno S., Walter Ladengast, Brigitte Mira, Willy Semmelrogge, Henry van Lyck, Herbert Achternbusch, Enno Patalas, Alfred Edel 110 min»kaspar Hauser war im reinsten Sinn ein Begriffsloser, ein Sprachloser, ein Unzivilisierter, ein noch unbearbeitetes Stück Mensch. Als Kaspar mit einem Schlag ausgesetzt und in eine biedermeierliche Bürgerwelt hineingestoßen wird, entwickelt sich die Geschichte einer Passion, einer langsamen Abtötung dessen, was an ihm spontan menschlich war.«(werner Herzog) Herbert Achternbusch spielt einen von vier Bauernburschen, die ein Huhn hypnotisieren. Sonntag, 4. November 2018, Uhr Herz aus Glas BRD 1976 R: Werner Herzog B: Werner Herzog, Herbert Achternbusch K: Jörg Schmidt- Reitwein M: Popol Vuh D: Josef Bierbichler, Stefan Güttler, Clemens Scheitz, Volker Prechtel, Sonja Skiba 94 min»herz AUS GLAS ist mir ganz wichtig geworden, weil's eben so ein geprügeltes Kind ist; ich glaube, dass da ganz viel drinsteckt. Das ist ein Schlüsselfilm für mich.«(werner Herzog)»Das Schönste an diesem Film ist eine Ente mit blutrotem Kopf, die Herzog dem Profeten spontan auf den Wirtshaustisch getan hat. In einer Einstellung ist sie ganz allein und wendet sich in die Dunkelheit und man weiß, dass dieses Tier allein die Zukunft kennt.«(herbert Achternbusch) Dienstag, 6. November 2018, Uhr Werner-Herzog-Filmpreis Dreharbeiten zu MEETING GORBACHEV Lena Herzog 39

42 Rumänisches Filmfestival Rumänisches Filmfestival 40 Rumänien war nie größer als in den Jahren zwischen 1919 und Aus dem Ersten Weltkrieg ging das Land mit großen territorialen Zugewinnen hervor: Siebenbürgen, Bessarabien und die Bukowina entschieden sich für die Zugehörigkeit zu România Mare (Großrumänien). Ausgerechnet im Jahr 1989 erinnerte eine große historische Filmproduktion an die Ereignisse von 1918, als in den»karlsburger Beschlüssen«eine wichtige Grundlage für das Verhältnis Rumäniens zu seinen europäischen Nachbarn und zu den Minderheiten im eigenen Land geschaffen wurde: GERECHTIGKEIT von Andrei Blaier war eigentlich als ein Versuch gedacht, eine wichtige Phase der nationalen Geschichte für das Ceauşescu-Regime zu reklamieren und das Volk, das zu diesem Zeitpunkt vor allem mit massiven Versorgungsschwierigkeiten zu kämpfen hatte, auf eine gemeinsame Sache einzuschwören. Der Versuch, einen älteren nationalen Geist auf den spätstalinistischen kommunistischen Sonderweg Rumäniens kritisch abzubilden, wurde nach einer Woche im Kino verboten. Das Verbot wurde in dem Moment obsolet, in dem die Revolution von 1989/90 nicht nur die Herrschaft der Ceauşescus beendete, sondern auch den Blick auf 1918/19 entscheidend veränderte. Nun wurden die Ereignisse, von denen GERECHTIGKEIT erzählt, zu einem Ausgangspunkt für verschiedene denkbare Rückgriffe auf eine bessere Vergangenheit vor dem Kommunismus zum Beispiel für eine Wiedereinführung der Monarchie. Allerdings stand Großrumänien unweigerlich unter einem gravierenden historischen Akzent: 1940 verlor Rumänien nicht nur einen wesentlichen Teil der gewonnenen Gebiete, sondern wurde durch den»nationallegionären«regimewechsel unter Marschall Antonescu auch in das faschistische Europa eingemeindet. Eine Folge war, dass Rumänien die antisemitische Vernichtungspolitik NS-Deutschlands mitmachte: Im Oktober 1941 wurden zum Beispiel in Odessa innerhalb weniger Tage mehrere zehntausend Juden ermordet. Darauf bezieht sich Radu Jude in seinem neuen Film»MIR IST ES GLEICHGÜLTIG, OB WIR ALS BARBA- REN IN DIE GESCHICHTE EINGEHEN«. Eine junge Regisseurin beabsichtigt, ein re-enactment der Verbrechen in Odessa zu inszenieren. Jude zeigt die komplizierten Vorbereitungen, und er lässt dabei viel von der heutigen geschichtspolitischen Situation in Rumänien deutlich werden: Marschall Antonescu wird im Vergleich zur kommunistischen Diktatur immer noch von vielen tendenziell positiv gesehen, und ein Unrechtsbewusstsein wegen der Verbrechen an den Juden ist nicht allzu stark ausgeprägt. Für ein rumänisches Filmprogramm im Jahr 2018 bildet das Jahr 1918 einen plausiblen Ausgangspunkt: Der Tag der Einheit, der als Nationalfeiertag an den 1. Dezember 1918 erinnert, wird in diesem Jahr auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken. Diese ist natürlich nur ein Ausschnitt aus einer längeren Geschichte, und es gibt auch vor 1918 wichtige Bezugspunkte für einen rumänischen Republikanismus. De facto setzt das Kino ebenfalls mit jedem Film spezifische Bezugs-»MIR IST ES GLEICHGÜLTIG, OB WIR ALS BARBAREN «

43 punkte, mit denen die offizielle Geschichte akzentuiert wird: die verfallende Villa, in die in Serge Ioan Celibidachis OCTAV ein alter Mann zurückkehrt, steht für ein welt- und kulturoffenes Großbürgertum, das sich in den Jahren Großrumäniens entfalten konnte. Umgekehrt sieht man in Jesús del Cerros HAWAII die triste Realität der letzten Jahre vor der Revolution, also auch der Zeit, in der GERECHTIGKEIT gedreht wurde. Die Menschen handelten damals mit illegal geschlachteten Schweinen, für ein bisschen Fleisch tauschten sie zum Beispiel eine Stange Kent-Zigaretten ein. Das Tauschverhältnis mit Schweinefleisch und den Zigaretten ist ein Indiz dafür, wie groß im Kommunismus die Misswirtschaft war. Nach 1989 ging es in vielen Fällen um die Frage, ob man (wie in OCTAV) Eigentumsverhältnisse wieder einrichten soll, die nicht nur der Kommunismus für überwindenswert hielt. Besonders nuanciert vermittelt werden die geschichtlichen, regionalen und sozialen Aspekte von Lebensgeschichten in Cristi Iftimes MARIŢA, in dem ein Auto (ein Dacia) ein Dingsymbol für die historischen Ablagerungen wird. Iftime siedelt seine Geschichte in den Zentralkarpaten an. Die Gegend um Braşov (Kronstadt) gilt als rumänisches Herzland, sie bietet sich für mythologische Konstruktionen an, hier aber wird auf subtile Weise das menschliche Maß an alle Idealisierungen angelegt. Die Automarke Dacia, deren Name nicht zuletzt auf den grundlegenden rumänischen Nationalmythos der Provinz Dakien im Imperium Romanum anspielt, wird in MARIŢA zu einem ironischen Markenzeichen. Iftime zwängt gleichsam ganz Rumänien in das enge Gefährt, dem im Winter noch dazu die Scheiben zufrieren. Wenn man von Braşov nach Westen fährt, dann kommt man in die Gegend, in der MEDA ODER DIE NICHT SO HELLE SEITE DER DINGE von Emanuel Parvu spielt, der vielleicht düsterste und härteste Film der diesjährigen Produktion. Er enthält eine weitere Glanzrolle für Şerban Pavlu, von dem man beinahe meinen könnte, er spiele derzeit in allen (wichtigen) rumänischen Filmen mit (in diesem Programm ist er in vier Lang- und fünf Kurzfilmen zu sehen). In MEDA spielt er einen Waldarbeiter in einer Gegend außerhalb von Cluj- Napoca, der sich auf informell regulierten Tagelohnmärkten durchschlagen muss. In den vielfachen Assoziationen, die sich bei einer so konzentrierten Auswahl wie dieser einstellen, könnte man die Figur des Doru vielleicht am ehesten an die Seite von Eva stellen, einer jungen Frau, die auf Zypern als Prostituierte arbeitet eine von vielen Ausgewanderten aus Rumänien. Im Kino wird diese Migration selten direkt vor Ort, also in der Fremde, erzählt. Eva (Ela Ionescu) hält in Ciprian Megas DER LETZTE MORGEN einen bewegenden Monolog über ein von Anfang an verpfuschtes Leben. In Constantin Popescus erschütterndem Familiendrama POROROCA ist Ela Ionescu nur ein paar Sekunden lang zu sehen, ihr Name wird in den Credits nicht genannt, aber auch das ist ein Effekt eines regelmäßigen Überblicks über die aktuelle Filmproduktion: Man wird über die Jahre mit einem Starsystem vertraut. Adrian Titieni in MARIŢA, Dragoş Bucur in HAWAII, Bogdan Dumitrache in POROROCA, Şerban Pavlu nicht zuletzt in CHARLESTON von Andrei Creţulescu, dem diesjährigen Eröffnungsfilm. Das Starsystem, wie die Kinolandschaft in Rumänien allgemein, ist immer noch stark männerlastig. Dies zu ändern, wird noch eine Weile brauchen. Eine außergewöhnliche Begabung wie Ivana Mladenović weist aber schon einmal eine Richtung. Sie arbeitet zudem mit der renommierten Produzentin Ada Solomon zusammen. Mladenović stammt aus Serbien, ihr Thema sind die Minderheiten in Rumänien. In SOL- DATEN EINE GESCHICHTE AUS FERENTARI erzählt sie von einem Ethnologen, der in dem gleichnamigen Rumänisches Filmfestival 41 CHARLESTON

44 Rumänisches Filmfestival 42 Stadtteil von Bukarest für eine Arbeit über Manele-Musik recherchieren will. Er gerät an einem Mann, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, und der nicht nur sein Führer in diese besondere Welt wird, sondern auch sein Geliebter. SOLDATEN beruht auf einem Buch von Adrian Schiop, der sich selbst spielt, in einem Film, der Rumänien von einer Seite zeigt, die selbst das reichhaltige und vielfältige nationale Kino kaum einmal bemerkt: als ein Land, dessen identity politics sich schon in Bukarest von Viertel zu Viertel ändert. Bei allen Schwierigkeiten, die das Land derzeit im Kampf gegen die»diebe«(die Korruption) hat, lässt das Rumänische Filmfestival 2018 erkennen, dass das Kino mehr denn je ein Faktor der Modernisierung ist. Bert Rebhandl Ein Programm im Rahmen der»rumänischen Kulturtage«(6. November bis 3. Dezember 2018), in Kooperation mit der Gesellschaft zur Förderung der Rumänischen Kultur und Tradition e.v., München und dem Centrul Naţional al Cinematografiei, Bukarest. Charleston Rumänien 2017 R+B: Andrei Creţulescu K: Barbu Bălăşoiu M: Massimiliano Nardulli D: Şerban Pavlu, Radu Iacoban, Dorian Boguţă, Victor Rebengiuc, Ana Ciontea, Gabriela Popescu, Adrian Titieni, Ana Ularu 118 min OmeU Ioana tritt aus einem Cafe auf die Straße. Sie biegt um eine Ecke, man hört einen Unfall, bei dem sie ums Leben kommt. Sie hinterlässt ihren Mann Alexandru, der vom seinem Leben nicht mehr viel wissen will: Mit Zigaretten und Rotwein schließt er sich zu Hause ein. Bis eines Tages jemand klingelt: Der nerdige Sebastian war in den letzten Monaten ihres Lebens der Geliebte von Ioana. Widerwillig beginnt Alexandru, sich für seinen früheren Nebenbuhler zu interessieren. Ein Besuch bei den Eltern von Ioana wird zu einem schrägen Höhepunkt in diesem Prozess von einander vielschichtig anziehenden Gegensätzen. Andrei Creţulescus erster Langfilm ist ein tragikomisches Buddy Movie mit zahlreichen Echos der popkulturellen Obsessionen und der Kurzfilme des Regisseurs. Donnerstag, 8. November 2018, Uhr Zu Gast: Andrei & Codruta Creţulescu Einführung: Bert Rebhandl Meda Rumänien 2016 R+B: Emanuel Pârvu K: Cătălin Simioana D: Radu Zetu, Meda Guță, Florin Zamfirescu 14 min OmeU Eine erste Skizze als Vorbereitung für den im Jahr darauf gedrehten Langfilm. Meda sau Partea nu prea fericită a lucrurilor (Meda oder Die nicht so helle Seite der Dinge) Rumänien 2017 R+B: Emanuel Pârvu K: Silviu Stavilă D: Şerban Pavlu, Ana Radu, Adrian Titieni, Florin Zamfirescu, Radu Zetu, Vlad Corbeanu 82 min OmeU Doru lebt als Waldarbeiter in einer armen Gegend im nordwestlichen Rumänien. Nach dem Tod seiner Frau will er weiter für das Mädchen sorgen, das sie einst in Pflege genommen hatten. Aber seine wirtschaftliche Situation ist katastrophal. Emanuel Parvu zeichnet ein komplexes Bild von Verhältnissen auf dem Land: Tagelöhnerei, Abhängigkeitsverhältnisse, Übervorteilung. Eigentlich müsste es für einen Mann doch möglich sein, vom Ertrag seiner Arbeit zu leben. Aber eine Generation nach der Kollektivwirtschaft haben die Bevormundungen von damals nur neue Protagonisten, die Strukturen haben sich kaum verändert. Ein unmoralisches Angebot stellt Doru schließlich vor eine riskante Entscheidung. Freitag, 9. November 2018, Uhr Zu Gast: Emanuel Pârvu Einführung: Bert Rebhandl Bad Penny Rumänien 2013 R+B: Andrei Creţulescu K: Andrei Butică D: Şerban Pavlu, Dorian Boguţă, Andi Vasluianu 12 min OmeU Kowalski Rumänien 2014 R+B: Andrei Creţulescu K: Andrei Butică D: Şerban Pavlu, Dorian Boguţă, Andi Vasluianu, Rodica Lazăr 18 min OmeU Ramona Rumänien 2015 R+B: Andrei Creţulescu K: Andrei Butică D: Rodica Lazăr, Şerban Pavlu, Dorian Boguţă, Andi Vasluianu 20 min ohne Dialoge Zwei Kleinkriminelle machen sich nachts in einem Park an einen merkwürdigen Mann, einen Zauberer, heran. So beginnt BAD PENNY, mit dem Andrei Creţulescu eine Trilogie von Kurzfilmen eröffnet, die durch teils rätselhafte Verknüpfungen verbunden sind. Anklänge an Tarantino werden durch zahlreiche andere filmhistorische und musikalische Bezüge ausbalanciert. Am Schluss bleibt die Frage offen: Wer ist eigentlich Ramona? Şapte luni mai târziu (Sieben Monate später) Rumänien 2016 R+B: Andrei Creţulescu K: Andrei Butică D: Şerban Pavlu, Rodica Lazăr, Dorian Boguţă 24 min OmeU Eine perfekte Ehe. Ein perfekter Sonntagmorgen. Ein Dritter kommt dazu. Parabellum Rumänien 2018 R+B: Andrei Creţulescu K: Andrei Butică D: Şerban Pavlu, Rodica Lazăr, Dorian Boguţă 26 min OmeU Sieben Monate nach der Scheidung besucht Şerban seine Ex-Frau. Zum allerletzten Mal. Freitag, 9. November 2018, Uhr Zu Gast: Andrei & Codruta Creţulescu Einführung: Bert Rebhandl Soldaţii Poveste din Ferentari (Soldaten Eine Geschichte aus Ferentari) Rumänien 2018 R: Ivana Mladenović B: Adrian Schiop, Ivana Mladenović K: Luchian Ciobanu D: Adrian Schiop, Vasile Pavel-Digudai, Ştefan Iancu, Nicolae Marin-Spaniolul, Kana Hashi-

45 moto, Dan Bursuc 118 min OmeU Eine moderne»romeo & Julia«-Variante. Ferentari ist ein Viertel im Südwesten von Bukarest. Hier leben viele Roma, hier ist auch eine Heimat der Manele-Musik, über die der Ethnologe Adi eine wissenschaftliche Arbeit schreiben will. Dazu muss er aber erst einmal Zugang in diese für ihn fremde Welt finden. Der leutselige Alberto ist ein idealer Führer. Allerdings ist er gerade erst aus dem Gefängnis gekommen und ständig in Geldnöten. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine sehr spezielle Liebesgeschichte zwischen Homosozialität, Prostitution und Feldforschung. Die Tragik des Films ergibt sich aus dem Konflikt zwischen der intellektuellen Bourgeoisie im Zentrum Bukarests und den»ausgestoßenen«am Rande. Samstag, 10. November 2018, Uhr Einführung: Bert Rebhandl Pororoca Rumänien 2018 R+B: Constantin Popescu K: Liviu Mărghidan D: Bogdan Dumitrache, Iulia Lumânare, Constantin Dogioiu, Adela Mărghidan, Ştefan Răuş, Elvira Deatcu, Emanuel Pârvu 152 min OmeU»Pororoca«ist ein Wort aus der Sprache der Tupi-Indianer am Amazonas. Es bedeutet»großes, zerstörerisches Grollen«und bezeichnet das Naturphänomen einer regelmäßig wiederkehrenden, massiven Flusswelle. Constantin Popescu nimmt dieses Wort als Filmtitel eine Metapher für das Leben als zerstörerische Naturkraft. Eine ideale, glückliche Familie: Vater, Mutter, Tochter, Sohn leben in einem Neubauviertel in einer guten Gegend von Bukarest. Eines Tages verschwindet die Tochter auf einem belebten Spielplatz. Die Polizei ermittelt routiniert, aber nicht sonderlich engagiert. Die Familie droht über dem Verlust zu zerbrechen. Der Vater fasst einen Verdacht, den er immer obsessiver verfolgt. Constantin Popescu radikalisiert die für viele rumänische Filme charakteristische, zurückhaltende Beobachterposition durch vielschichtige Bild-Ton-Kompositionen. Samstag, 10. November 2018, Uhr Einführung: Mihai Fulger Miss Sueño Rumänien 2018 R+B: Radu Potcoavă K: Andrei Butică D: Bogdan Dumitrache, Olimpia Melinte, Aurora Păunescu 20 min OmeU Roxana will nach Madrid ziehen. Sie weiß es noch nicht, aber der charmante Dan wird sie dort in einen Prostituierten-Ring einschleusen. Vara s-a sfârșit (Der Sommer ist vorbei) Rumänien 2017 R: Radu Potcoavă B: Cristina Bîlea K: Oleg Mutu M: Cristian Călin D: Nicholas Bohor, Dan Hurduc, Ofelia Popii, Şerban Pavlu, Dorian Boguţă 104 min OmeU 1999 war das Jahr einer Sonnenfinsternis, der ganz Europa entgegenfieberte. In einer Kleinstadt in der östlichen Donaugegend lebt Mircea, ein Junge, der bald 14 Jahre alt wird. Er ist ein gut behütetes Einzelkind, dessen Leben abenteuerlich wird, als der etwas ältere, langhaarige Alex auftaucht. Mit seinen Sneakers, seinem Walkman, seiner Coolness wirkt Alex so, als hätte er in Bukarest schon das große Leben gesehen. Aber seine Familiengeschichte ist voller Probleme. Ein Sommerfilm über die letzten Tage einer Kindheit, die nie idyllisch war. Sonntag, 11. November 2018, Uhr Einführung: Mihai Fulger Rumänisches Filmfestival SOLDATEN EINE GESCHICHTE AUS FERENTARI 43

46 Rumänisches Filmfestival 44 Mariţa Rumänien 2017 R: Cristi Iftime B: Anca Buja, Cristi Iftime K: Luchian Ciobanu D: Alexandru Potocean, Adrian Titieni, Lucian Iftime, Lorena Zăbrăuţanu, Bogdan Dumitrache 98 min OmeU Ein junges Paar kurz vor Weihnachten: Schlecht abgesprochene Pläne führen zu einer Trennung, und so findet sich Costi unvermutet bei seinem Vater Sandu ein, der in den Zentralkarpaten lebt. Adrian Titieni spielt diesen Sandu, der ein abenteuerliches Leben geführt hat, aber nichts bereut. Seine zwei Hobbies, das Sammmeln von Briefmarken und von Frauen, waren zuviel für seine ehemalige Frau und die drei Söhne. Im Mittelpunkt des Films steht aber das Auto»Mariţa«: ein alter Dacia. Cristi Iftime beherrscht perfekt die indirekte Erzählmethode, die für das rumänische Kino so typisch ist: Aus beiläufigen Dialogen und vielen fast unmerklichen Details entsteht auf der Fahrt von Transsylvanien nach Moldawien eine facettenreiche Familiengeschichte mit Bezügen zu den gemeinsamen Erfahrungen des Landes. Sonntag, 11. November 2018, Uhr Einführung: Bert Rebhandl Cadoul de crăciun (Das Weihnachtsgeschenk) Rumänien 2018 R+B: Bogdan Mureşanu K: Tudor Platon D: Adrian Văncică, Ioana Flora, Luca Toma 24 min OmeU Die Revolution als Weihnachtsgeschenk und die Panik davor. Michelangelo Rumänien 2018 R+B: Anghel Damian K: George Dăscălescu D: Emanuel Pârvu, Medeea Marinescu, Luca Dăscălescu-Marinescu 20 min OmeU Ein Gespräch zwischen Vater und Sohn über Leben und Tod. Duminică (Sonntag) Rumänien 2018 R: Dorian Boguţă B: Dorian Boguţă, Loredana Novak K: Barbu Bălăşoiu D: Marian Râlea, Liana Ceterchi, Ilona Brezoianu, Ioana Flora 18 min OmeU Ein Sonntag im Pflegeheim. Das Alter, das Begehren, die Liebe, der Tod. Linişte (Das Schweigen) Rumänien 2018 R: Alex Iureş B: Raluca Mănescu K: George Dăscălescu D: Brigitta Kanyaro, Conrad Mericoffer 14 min OmeU Zwei Geschwister versuchen, den Tod der Mutter zu verarbeiten. Totul e foarte departe (Alles ist weit weg) Rumänien 2018 R+B: Emanuel Pârvu K: Liviu Mărghidan D: Mirela Gorea, Vlad Corbeanu, Radu Gabriel 16 min OmeU Die lange Reise einer alten Frau aus dem Donaudelta nach Bukarest, um ihren Sohn dort an seinem Geburtstag zu überraschen. Dienstag, 13. November 2018, Uhr Dimineața care nu se va sfârși (Der letzte Morgen) Rumänien 2017 R+B: Ciprian Mega K: Liviu Mărghidan D: Ela Ionescu, Valeriu Andriuță, Ovidiu Crişan, Valer Dellakeza, Ana Maria Moldovan, Mihai Stănescu 94 min OmeU Eva lebt auf Zypern. Sie verdient Geld für ihre Tochter, die in Rumänien bei der Großmutter geblieben ist, indem sie sich mit Männern trifft. Eines Tages erhält Eva eine schlimme Nachricht. Sie vertraut sich einem Priester an. Der zentrale Monolog in Ciprian Megas Film ist eine leise, aber niederschmetternde Klage: Von Beginn an war Evas Leben von Unglück gezeichnet. Und nun muss sie sich in Zypern (die politische Teilung der Insel, die nur halb zu Europa gehört, ist ein starkes Bild) mit einem Kräftefeld herumschlagen, in dem sich die Verhältnisse zu Hause widerspiegeln: ein machtbewusster Politiker, ein egoistischer Diplomat, ein idealistischer Geistlicher, dazwischen eine zerbrechliche Frau. Eine große Rolle für Ela Ionescu. Dienstag, 13. November 2018, Uhr Momentul adevarului Dreptatea (Der Augenblick der Wahrheit Gerechtigkeit) Rumänien 1989 R: Andrei Blaier B: Titus Popovici K: Doru Mitran M: Anatol Vieru D: Adrian Păduraru, Ilinca Goia, Alexandru Repan, Mircea Albulescu, Dorina Lazăr, Irina Petrescu 182 min OmeU Ein figuren- und ereignisreicher Kostümfilm, ein historisches Epos um die Vorgeschichte der»karlsburger Beschlüsse«von 1918, die dazu führten, dass Siebenbürgen und weitere Regionen wie Bessarabien dem rumänischen Staatsgebiet hinzugefügt wurden. Im Mittelpunkt steht der Politiker Iuliu Maniu, der im Österreich-Ungarischen Reich für

47 die»nationale Partei der Rumänen«im ungarischen Parlament saß. Im Dezember 1918 wurde Maniu zum rumänischen Statthalter in Siebenbürgen. Drehbuchautor Titus Popovici hatte seit 1955 zahlreiche Stoffe mit historischem Hintergrund bearbeitet, von ihm stammt auch das Szenario zu Liviu Ciuleis DER WALD DER GEHENKTEN (1965). Iuliu Maniu spielte in der rumänischen Politik nach 1944 noch einmal eine wichtige Rolle und galt als eine Schlüsselfigur des rumänischen Antikommunismus. Donnerstag, 15. November 2018, Uhr»Îmi este indiferent dacă în istorie vom intra ca barbari«(»mir ist es gleichgültig, ob wir als Barbaren in die Geschichte eingehen«) Rumänien 2018 R+B: Radu Jude K: Marius Panduru D: Ioana Iacob, Alexandru Dabija, Alex Bogdan, Ilinca Manolache, Şerban Pavlu, Gabriel Spahiu 138 min OmeU Eine junge Frau namens Mariana probt in Bukarest im Nationalen Militärmuseum für das re-enactment eines Massakers an Juden in Odessa im Jahr Rumänien war damals ein autokratischer Staat unter dem faschistischen Marschall Antonescu. Mit den Erinnerungen an diese Ereignisse beschäftigt sich Radu Jude in seinem Film, der deutliche Anleihen bei den Methoden von Jean-Luc Godard nimmt: immer wieder laufen die Dialoge wild durcheinander, Privates und Politisches vermischt sich, Archivaufnahmen und Tonexperimente sind genauso wichtig wie die Positionen von Mariana, die zwischendurch auch einfach Texte vorliest, von denen sie sich inspirieren lässt. Şerban Pavlu hat eine markante Nebenrolle als Flugzeugkapitän und Mann in (anderer, nicht-militärischer) Uniform. In einem langen Dialog mit einem der potentiellen Geldgeber für die Aufführung wird die gesamte rumänische Geschichts- und Medienpolitik durchgesprochen. Ein radikales Filmkunstwerk über die Gegenwart der Vergangenheit. Freitag, 16. November 2018, Uhr Hawaii Rumänien 2017 R: Jesús del Cerro B: Jesús del Cerro, Manuel Feijóo Aragon, Beatriz González Cruz, Ruxandra Ghitescu K: Tudor Panduru M: Juan Carlos Cuello D: Dragoş Bucur, Cristina Flutur, Andi Vasluianu, Constantin Cojocaru, Rodica Lazăr, Gheorghe Ifrim 116 min OmeU Rumänien in der Spätphase der kommunistischen Diktatur. Auf engem Raum lebt eine Familie zusammen, in der es viele Geheimnisse gibt. Der Taxifahrer Andrei betätigt sich nebenbei in einer riskanten Tauschwirtschaft mit Schweinehälften, Zigaretten und anderen Luxusgütern. Eine unerwartete Nachricht von einem Onkel, der einst das Land verließ und offenbar in Hawaii reich wurde, verändert alles aber die Veränderung lässt sich in Ceauşescus Geheimdienstregime nicht realisieren. Jesús del Cerros Geschichte könnte man mit dem deutschen Erfolgsfilm DAS LEBEN DER ANDEREN vergleichen: In populärer Zuspitzung wird hier ein System durchschaubar, das bis in die intimsten Bereiche der Menschen wirkte. Samstag, 17. November 2018, Uhr Octav Rumänien 2017 R: Serge Ioan Celebidachi B: Serge Ioan Celebidachi, James Olivier K: Blasco Giurato M: Vladimir Cosma D: Marcel Iureş, Victor Rebengiuc, Eric Aradits, Alessia Tofan, Andi Vasluianu, Adrian Păduraru 102 min OmeU Nach langen juristischen Auseinandersetzungen bekommt ein alter Mann namens Octav die Familienvilla wieder zugesprochen, die nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet worden war. Eigentlich will Octav das wunderbar gelegene, aber auch schon verfallende Gebäude nur verkaufen. Doch dann wird er immer stärker auf die reiche Vergangenheit seiner Familie verwiesen: Der Hausbesorger Spiridon (gespielt von dem großen Victor Rebengiuc) erinnert Octav an seine Verantwortung. In Rückblenden wird die Geschichte einer großbürgerlichen, künstlerischen Familie erkennbar. Serge Ioan Celebidachi kann dabei auf eigene Erinnerungen zurückgreifen: Er ist der Sohn des Dirigenten Sergiu Celibidache. Sonntag, 18. November 2018, Uhr Zu Gast: Serge Ioan Celebidachi Rumänisches Filmfestival 45

48 Retrospektive Will Tremper Dreharbeiten zu DIE ENDLOSE NACHT Will Tremper 46 Ein Mädchen kommt nach Berlin, auf der Avus, in einem Opel, ein Mann hat sie mitgenommen, da ist der Funkturm, erklärt er ihr, sie lacht fröhlich. So fängt Will Trempers PLAYGIRL an. Sie ist Model, Alexandra Borowski, sucht Arbeit in Berlin und einen reichen Industriellen. Sie hat eine angenehm unkomplizierte Art, mit Männern umzugehen, sie zu Gefälligkeiten zu animieren ihr das Gepäck aus dem Kofferraum holen, ein Zimmer besorgen. Mit dem einen Mann, Harald Leipnitz, geht sie ins Schwimmbad, beim anderen, Paul Hubschmid, steigt sie in den Swimmingpool. Eva Renzi spielt Alexandra, mit einer bezaubernden Natürlichkeit, weit lässiger als die Kollegin Uschi Glas als Münchner Schätzchen. PLAYGIRL ist ein Glanzstück der beschwingten Sechziger, ein Film, der jede Sekunde in der Schwebe bleibt, er kommt nie zur Sache. In dem das deutsche Kino dem der Pariser Nouvelle Vague ganz nahe ist. Das Playgirl zeigt dem männlichen Pendant, dem Playboy, wo es lang geht, wenn eine Frau Ernst macht damit, ihren Impulsen zu folgen, ihrem Lustbedürfnis. Berlin ist eine Sünde wert. Will Tremper hat einige der reinsten Filme gedreht, aber er ist kein Cineast, keiner, der wie die jungen Franzosen das Kino im Kino gelernt hätte als ein Metier, und die Zeit, die er überhaupt dem Kino widmete, war nur sehr kurz, Mitte der Fünfziger bis Mitte der Sechziger.»Ein Routinier ohne Routine, ein Handwerker ohne Ausbildung, ein Cinemane ohne Filmkultur«, schrieb Enno Patalas 1966 in der Zeit. Tremper ist ein Schreiber, ein Reporter und Journalist, später dann ein Autobiograph. Er hat für den Stern geschrieben und für die Zeit. Stargeschichten, Mädchengeschichten, Deutschland, deine Sternchen... Das Kino war ihm Fortsetzung des Journalismus, Schlagzeilenkino, wie Sam Fuller es in Hollywood praktizierte, Kolportage, die von der Wirklichkeit erzählt und sie auf den Punkt bringt. Es hat ihn nicht weiter überrascht, wie leicht im Kino sich Effekte setzen lassen. Er erzählt Fluchtgeschichten, geht über Grenzen, erforscht Transiträume. Wie das journalistische Business funktioniert, hat Tremper sehr plastisch erzählt am Beispiel seiner Reportage von Gary Coopers Tod. Er war nach Los Ange-

49 les geschickt worden vom Stern, weil das Ableben des todkranken Hollywoodstars absehbar war. Aber Cooper starb einfach nicht, und am Ende verpasste Tremper den Tod. Er schrieb die Reportage dennoch. Auch der Tod ist in diesem Metier ein Fake. Über das Ethos des Journalismus hat er dann das Drehbuch zu NASSER ASPHALT geschrieben. Sein drittes Drehbuch, das erste war DIE HALBSTARKEN, über Berliner Kids der Fünfziger Horst Buchholz, Karin Baal, Christian Doermer, die aus Verachtung gegenüber ihren Familien und der Bürgerlichkeit überhaupt ins Kriminelle abrutschen. Als Regisseur hatte er seinen Freund Georg Tressler empfohlen. Mit Tressler machte er dann ENDSTATION LIEBE, und auch NASSER ASPHALT sollte Tressler drehen, aber die Produzenten nahmen lieber Frank Wisbar, und Tremper beschloss, erst mal seine Drehbücher selber zu verfilmen.»bei aller Bescheidenheit«, erzählt der alte Tressler in einem Interview,»steht aber eines fest: Will und ich waren schon vor der französischen Nouvelle Vague, die mir übrigens ausgezeichnet gefiel, da. Die Leute vom Oberhausener Manifest sind hingegen nicht an mich herangetreten. Ich gehörte nicht zu dieser Art von Intellektuellen.«Drei Filme hat Tremper in rascher Folge geschrieben und gedreht, FLUCHT NACH BERLIN, DIE ENDLOSE NACHT, PLAYGIRL. Der erste ist ein finsterer Ost-West- Western, ein junger Bauer will, um der drohenden Kollektivierung in seinem Dorf zu entgehen, in den Westen fliehen, auch ein junger Parteifunktionär ist nach Ostberlin unterwegs, direkt zu Ulbricht man wirft ihm vor, die Geschichte mit der Kollektivierung vermasselt zu haben, das will er nicht auf sich sitzen lassen. Der Blick in ostdeutsche Realitäten war sensationell damals, der Film ist ein düsteres Stück Kolportage. Danach dann DIE ENDLOSE NACHT, ein Dutzend Menschen gefangen auf dem Berliner Flugplatz Tempelhof. Der Nebel macht jeden Start in dieser Nacht unmöglich, eine Art bundesdeutscher WÜRGEENGEL, und es kommt zu Konfrontationen in der Abflughalle, zu Versuchen, seiner Vergangenheit zu entfliehen, sie in Ordnung zu bringen. Ein kühles Meisterstück, ein bundesdeutscher Film noir, jene jazzige Variante der Fünfziger, Norbert Grob hat die Vorbilder benannt, Fuller natürlich und Aldrich und John Sturges, Man könnte auch sagen: Man ist bei Tremper Zeuge, wie der Einfluss von Antonioni ins deutsche Kino eindringt und wie daraus später irgendwie das Genre der ominösen Edgar-Wallace-Filme sich entwickelt. Tremper hat PLAYGIRL dann nicht nur geschrieben, gedreht und produziert, sondern auch selbst in die Kinos gebracht. Die Kinobesitzer waren begeistert: Das ist der Boulevard-Film, den wir am Kudamm brauchen. Tremper hat es damals nicht geschafft zum Autorenfilmer, der Filmkritik war die Kolportage noch suspekt. Heute ist Tremper Kult, seine Filme bedeuten eine Neubelebung des deutschen Kinos. DIE ENDLOSE NACHT und AUSSER ATEM, hat Klaus Lemke erzählt, das seien die Filme, die ihn einst zum Filmemachen bewegt hätten.»ich finde PLAYGIRL einen unfassbar tollen Film«, sagt Christian Petzold in einem Interview, er hat während des Studiums an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin auch einen Besuch bei Tremper gemacht, in dessen Büro im Europa-Center,»hinter einem Tisch wie ein Kiosk«. Tremper war großartig.»er wurde dann zwar später bei der Welt ein eher konservativer Kritiker, aber auch in seinen konservativen Kritiken hat er immer was gesehen.«petzold womöglich steckt etwas von der FLUCHT NACH BERLIN in seiner BARBA- RA ist beeindruckt von seiner»offensiven Eitelkeit«.»Und die Geschichten waren toll: Eva Renzi, die sich umbringen wollte im Landwehrkanal Er war ein amerikanisierter Hedonist Eine ganze Zeit lang ging das ja auch zusammen: Hedonismus und links sein. Eine Zeit lang waren nackte Busen auf der Konkret Dann wurde die Linke religiös.«tremper gehört zu den jungen Einzelgängern, die nach dem Oberhausener Manifest nicht bei der neu etablierten Filmförderung unterschlüpfen wollten und bei den alten Erfolgsproduzenten schon gar nicht, sondern die wie Rudolf Thome, Klaus Lemke oder (auf eine ganz eigene Weise) Jean-Marie Straub & Danièle Huillet absolut unabhängig blieben, die first independents schrieb Tremper in der Zeit von seinen Erfahrungen mit dem deutschen Nachkriegsfilm, Berichte aus»einer verrotteten Industrie«. Diesen Begriff Dreharbeiten: Will Tremper und Hannelore Elsner Will Tremper 47

50 Will Tremper 48 zu verwenden wurde ihm in einstweiligen Verfügungen gerichtlich untersagt, geklagt hatten die großen deutschen Produzenten, Artur Brauner, Horst Wendlandt, Franz Seitz, Luggi Waldleitner und Hanns Eckelkamp. Eckelkamp hatte einst DIE ENDLOSE NACHT in seinen Atlas-Verleih genommen, es wurde ein Misserfolg an den Kinokassen aber es gab Bundesfilmpreise. Vielleicht macht das die Magie der Tremperfilme aus, sie sind von Profis gemacht, aber amateurhaft produziert.»sie ahnen nicht, wieviel Leute gute Filme finanzieren wollen!«, erzählt Tremper. Einen Rest aber muss der Filmemacher dann doch selber aufbringen.»sie verpfänden also Ihr Haus, den Schmuck Ihrer Frau, den Wagen, die Lebensversicherung es gibt, wenn Sie ernsthaft daran denken, einen guten Film zu machen, eine ganze Menge, was Sie verpfänden können.«das nennt er den sicheren Weg. Der unsichere ist, einen Mäzen zu finden.»männer, die in der ungleich komplizierteren Stahlbranche viel Geld gemacht haben, können überhaupt nicht verstehen, dass es Branchen gibt, in denen sie ihr Geld auch verlieren können. Diese Freunde des guten Films verlangen jedoch Schmerzliches: einen Anteil am Film... Der Mäzen, also, fängt an, den Film zu verschleudern. Er verkauft ihn auch gleich ans Fernsehen.«Das nennt er den unsicheren Weg. Die Bedingungen ihrer Produktion sind in den Tremperfilmen sehr genau immer reflektiert. So ist Will Tremper, nochmal Enno Patalas,»ein präziser Ausdruck unseres Filmdilemmas«. Fritz Göttler Die endlose Nacht BRD 1963 R+B: Will Tremper K: Hans Jura M: Peter Thomas D: Karin Hübner, Harald Leipnitz, Louise Martini, Paul Esser, Wolfgang Spier, Werner Peters, Hannelore Elsner 86 min»die Stadt Berlin ist mein Trauma«, hat Tremper gesagt ihre Möglichkeiten, ihre Lüste, ihre Zukunft. Mit diesem Film ist er angekommen. Ein Dutzend Fluggäste muss die Nacht im Berliner Flughafen verbringen, Nebel über Tempelhof macht jeden Abflug unmöglich. Gedreht wurde on location, nachts, teilweise ohne fertiges Drehbuch. Tremper rief, und spontan waren die jungen Stars bereit, bei ihm mitzuspielen, Hannelore Elsner, Mario Adorf. Der große Warteraum ist, anders als die heutigen Abfluglabyrinthe, ein Ort, an dem man zusammenkommt. Die Passagiere finden sich eingeschlossen in ihrer eigenen Vergangenheit, ihrer großbürgerlichen Misere. Männer, die ihre Liebe, ihr Begehren vor allem zeigen durch den Mantel, den sie der Frau schenken.»sein zweiter Film«schrieb Uwe Nettelbeck,»brachte die Kritik auf seine Seite: Es war dies eigentlich der erste deutsche Film nach dem Kriege, in dem etwas passierte, was sich anzusehen lohnte; eine Art des Filmens deutete sich in ihm an, auf die man setzen konnte.«dienstag, 27. November 2018, Uhr Zu Gast: Hannelore Elsner, Celia Tremper Dienstag, 18. Dezember 2018, Uhr Die Halbstarken BRD 1956 R: Georg Tressler B: Will Tremper, Georg Tressler K: Heinz Pehlke M: Martin Böttcher D: Horst Buchholz, Karin Baal, Christian Doermer, Jo Herbst, Viktoria von Ballasko 97 min Was Tremper an dem Halbstarken-Phänomen der Fünfziger faszinierte zuzuschauen, wie eine Bewegung, eine Jugendbewegung sich formiert, ihre Ansichten gestaltet, ihre Kleider und Gesten und Rituale. Die Vorbilder sind offenkundig, aus dem amerikanischen Kino: Marlon Brando als THE WILD ONE, die Filme mit James Dean. Im Berliner Lokalkolorit verschieben sich die Akzente, das Kleinbürgertum, dem die Kids entfliehen wollen, ist mit dem amerikanischen nicht zu vergleichen. Das Casting für den Film war lang, auch echte halbstarke Jugendliche waren dran. Was damals als Kolportage DIE ENDLOSE NACHT

51 beäugt wurde, ist heute Kult. Gunter Groll war hin- und hergerissen. Ein wenig skeptisch:»der Film von den Halbstarken könnte außer zur Geschwätz-Vermehrung sehr wohl auch einiges zur Klärung beitragen wenn er wirklich ein Film von den Halbstarken wäre. Doch er ist ein Film von jugendlichen Kriminellen, von Halbund Ganzgangstern, nicht von jenen Halbwüchsigen.«Und ein wenig emphatisch:»der Film schießt scharf, aber vorbei... Karin Baal war 15, als der jugendverbotene Film gedreht wurde spielen durfte sie darin, aber ebendies im Kino sehen, hätte sie nicht gedurft. Da stimmt doch etwas nicht. Es ist schon schwierig mit den Halbstarken. Wie dem auch sei: die Hingabe, mit der hier unsere Halbstarken mitmachten, ist ein gutes Zeichen... Ich glaube, dass man diese Jugend, wenn man es richtig anpackt, für fast jedes Ideal begeistern kann vorausgesetzt, dass es nicht zur allgemeinen Dienstpflicht erklärt wird.«freitag, 30. November 2018, Uhr Dienstag, 4. Dezember 2018, Uhr Endstation Liebe BRD 1958 R: Georg Tressler B: Will Tremper K: Helmuth Ashley M: Martin Böttcher D: Horst Buchholz, Barbara Frey, Karin Hardt, Edith Elmay, Franz Nicklisch 84 min Der zweite Tremper- Tressler-Buchholz-Film, gleich im Anschluss an DIE HALBSTARKEN gedreht. Der junge Arbeiter Mecky (Horst Buchholz) macht mit seinen Kumpels eine Wette, er könne jedes beliebige Mädchen übers Wochenende verführen. Man einigt sich auf Barbara Frey. Ein kleiner Film zwischen Fabrik und Fußballfeld, sonntäglichem Kaffeetisch und nächtlichem Spaziergang. Rudolf Worschech:»Schon der Umstand, dass Tressler sich überhaupt mit einem proletarischen Personal beschäftigt, hebt den Film aus dem Allerlei dieser Jahre heraus. Dass er seine Figuren aber immer mit emphatischer Teilnahme beobachtet, lässt den Film zu einem der großen Werke jener Zeit werden. Ein Hauch von Nouvelle Vague im deutschen Kino.«Samstag, 1. Dezember 2018, Uhr Nasser Asphalt BRD 1958 R: Frank Wisbar B: Will Tremper K: Helmuth Ashley M: Hans-Martin Majewski D: Horst Buchholz, Martin Held, Maria Perschy, Gert Fröbe, Heinz Reincke, Inge Meysel, Richard Münch 88 min Mit Will Tremper, dem Starjournalisten, einen Blick werfen auf die Mechanismen seines Metiers. Schaurig, was da ans Tageslicht kommt es geht um die Sensationsmeldung von den»höhlenmenschen«von Gdingen, deutsche Soldaten, die in einen gesprengten Verpflegungsbunker eingeschlossen waren, erst nach sechs Jahren wurden sie befreit. Schauriger, was dann die Presse daraus macht, alles fake. Der große Cesar Boyd, der gerne fremde Texte unter seinem Namen druckt, schlachtet auch diesen Stoff aus, international, bis er sich in seinen Wendungen und Windungen verfängt. Ein lustvolles Spiel mit der Glaubwürdigkeit, Tremper hat für Boyd durchaus was übrig, Martin Held gibt ihn mit bundesdeutschem Großbürgerstil, inklusive Interesse für sein Mündel Bettina, gespielt von Maria Perschy. Der junge Held ist der»halbstarke«horst Buchholz, der dem Alten fleißig zuarbeitet. Sonntag, 2. Dezember 2018, Uhr Mittwoch, 5. Dezember 2018, Uhr Flucht nach Berlin BRD 1961 R+B: Will Tremper, nach seinem Roman K: Günter Haase, Gerd von Bonin M: Peter Thomas D: Christian Doermer, Susanne Korda, Narziss Sokatscheff, Gerda Blisse, Ralf Gregan 104 min Ein Roadmovie von der Autobahn durch die DDR. Klassischer Verfolgungs-Suspense: immer der Blick zurück, die ständige Angst, aufzufallen, sich verdächtig zu machen, mit den falschen Leuten sich zu assoziieren. Christian Doermer ist ein Funktionär, der die Bauern von der Kollektivierung der Landwirtschaft überzeugen soll. Narziss Sokatscheff ist einer der Bauern, er will»rübermachen«in den Westen mit Frau und Sohn. Susanne Korda ist eine Schweizer Journalistin, Will Tremper 49

52 die ihn ganz schön leichtfertig in ihr Auto steigen lässt. Kein echtes Low Budget Movie, seine Anarchie stößt immer wieder auf einen bürgerlichen Untergrund. Es endet am Wannsee und beim Versuch, schwimmend den Grenzfluss zu überqueren. Es lebe die Freiheit, ruft auf einem Boot, als sie das beobachtet, eine beduselte West-Blondine. Freitag, 7. Dezember 2018, Uhr Dienstag, 11. Dezember 2018, Uhr Tremper fabrizierte das Drehbuch unter seinem Reporternamen Quentin Philips, er hat schon Spaß am Spiel mit den Genrepartikeln, aber verzichtet auf das spukige Wallace-Drumherum mit Schlössern, Nebel und Machinationen, konzentriert sich auf brutale Energie und Gangstermethoden. Er verlässt das vertraute Londoner Wallace-Biotop hat als Gangster-Coup den legendären Postzugraub der Sechziger eingebaut. Sonntag, 9. Dezember 2018, Uhr Will Tremper 50 Verspätung in Marienborn BRD 1963 R: Rolf Hädrich B: Will Tremper K: Roger Fellous M: Peter Thomas D: José Ferrer, Sean Flynn, Nicole Courcel, Hans-Joachim Schmiedel, Jess Hahn, Yossi Yadin, Joy Aston, Arthur Brauss 94 min Nochmal eine DDR-Story, die Tremper in Spannung versetzt er macht gleich einen Fortsetzungsroman daraus für die Illustrierte Revue und bringt ihn gleich noch als Taschenbuch heraus. Ein DDR-Flüchtling springt heimlich auf einen amerikanischen Militärzug Berlin Frankfurt, der versiegelt durch die DDR rollt, die Russen und die Ostdeutschen werden misstrauisch, der Zug wird am Grenzübergang Marienborn gestoppt. Es gibt Vermutungen, Verhandlungen, Fluchtversuche. Der für den Zug verantwortliche US-Offizier steht vor dem Gewissenskonflikt muss er den Flüchtling ausliefern oder nicht? Tremper wollte den Film selbst vor Ort drehen, mit einem gemieteten Zug als Filmatelier. Aber die Produktionsfirma Ufa Film Hansa ging pleite, und Tremper überließ das Projekt Rolf Hädrich vom Hessischen Rundfunk. Amerikanische Stars sind mit von der Partie, Sean Flynn, Errols Sohn, als Zugoffizier, José Ferrer als amerikanischer Journalist.»Ein Ost-West-Drama gegen alle Regeln der Propaganda«, schrieb Joe Hembus.»Der Film ist fair. Er ist mehr als das. Er ist von einer grausamen, brutalen, schmerzenden Sachlichkeit.«Samstag, 8. Dezember 2018, Uhr Zimmer 13 BRD 1964 R: Harald Reinl B: Quentin Philips (= Will Tremper), nach dem Roman von Edgar Wallace K: Ernst W. Kalinke M: Peter Thomas D: Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Richard Häussler, Walter Rilla, Eddi Arent, Hans Clarin 89 min Der Vollblutreporter Will Tremper versucht sich auf ungewohntem Terrain, im Reich der Edgar-Wallace-Fantasien. Zwei Männer, vom Schicksal merkwürdig miteinander verkoppelt, Walter Rilla und Richard Häussler, tun sich nolens volens zusammen für einen großen Coup. Der Ort, an dem die Handlungsfäden sich verstricken, ist ein Nachtclub, in dem der sinistre Hans Clarin schaltet und waltet. Parallel dazu: ein paar Rasiermessermorde. Playgirl BRD 1966 R+B: Will Tremper K: Wolfgang Lührse, Wolfgang Bellenbaum M: Peter Thomas, Klaus Doldinger D: Eva Renzi, Harald Leipnitz, Paul Hubschmid, Umberto Orsini, Elga Stass, Rudolf Schündler 88 min Nach dem Misserfolg der ENDLOSEN NACHT probiert es Tremper gleich noch einmal, von heute auf morgen. Eva Renzi macht gerne mit, die Männer Harald Leipnitz, Paul Hubschmid stellen ihre Gagen zurück, auch Narziss Sokatscheff ist wieder mit von der Partie. Eva Renzis Alexandra macht sich daran, Berlin zu erobern. Bei Hans Hellmut Kirst war zu lesen:»die Renzi ist ein Mädchen mit Musik in den Gelenken... Die Moral muss der Zuschauer mitbringen.«wichtig ist, schrieb Uwe Nettelbeck:»Ein Mann, der von allerlei fasziniert und nicht wählerisch ist, ohne Zwang Illustriertengeschichten geschrieben hat und über manches manches weiß, bringt es fertig, einen Film nur über sich selber zu machen und in diesen Film alles hineinzustecken, was ihm so auffällt, wovon er fasziniert ist, was er sich so vorstellt, was er sich denkt.«freitag, 14. Dezember 2018, Uhr Mittwoch, 19. Dezember 2018, Uhr Sperrbezirk BRD 1966 R+B: Will Tremper, nach dem Roman von Ernst Neubach K: Hans Jura M: Heinz Schreiter D: Harald Leipnitz, Suzanne Roquette, Ruth Maria Kubitschek, Ingeborg Schöner, Guido Baumann 94 min Eine Auftragsproduktion, für die Tremper nur Geringschätzung übrig hat:»eine schauderhafte Geschichte von einer Unschuld vom Lande, die aus Liebe zur Nutte wird.«es gibt knallharte Mafia-Methoden und Organisationen modernen Verbrechens in diesem Film, aber immer noch mit einer Aura des schrägen Berliner Ganoventums. Es ist die letzte Produktion von Ernst Neubach, der seit den Zwanzigern im Filmbusiness steckt, der Hunderte von Schlagern schrieb (»Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren«) und Filme produzierte. Er spielte für Tremper selbst eine kleine Rolle, neben einer Menge anderer Prominenter: Guido Baumann, Dagmar Lassander, Mary Roos, Dieter Hallervorden... Samstag, 15. Dezember 2018, Uhr

53 Hommage à Jeanne Moreau ( )»Ich weiß, ich bin schrecklich«, sagte sie in Paris beim Abendessen nach einem Interview, nachdem sie beim Kellner mit ihrer vom Rauchen verwüsteten Waldhexenstimme eine»etwas beeindruckendere Käseauswahl«gefordert hatte. Man fühlte sich wie im Kino, war begeistert von der Eleganz und Klugheit und Leidenschaft, mit der Jeanne Moreau weitersprach, über das Spielen, das Darstellen, den Auftritt auf der Leinwand und im Leben.»Aber oft bringt es etwas, schrecklich zu sein«, sagte sie mit einem Lächeln. Jenem Lächeln, mit dem sie sieben Jahrzehnte durch die Kinogeschichte gewandelt ist und das sie auf der Leinwand in eine mal amüsierte, mal verächtliche, mal gelangweilte, stets neben sich stehende Welthaltung verwandelte. Es ist dieses rätselhafte, nach innen weisende Lächeln, das Jules und Jim in François Truffauts gleichnamigem Film erst auf dem Antlitz einer Büste entdecken und dann auf dem Gesicht der von beiden leidenschaftlich geliebten Catherine. Später wird sie bei Truffaut in LA MARIÉE ÉTAIT EN NOIR (DIE BRAUT TRUG SCHWARZ, 1968) zum Racheengel, der mit einem auffordernden Lächeln die Mörder ihres Bräutigams verführt und dabei ihrer Schuld überführt. In Tony Richardsons Film MADEMOISELLE (1966) zerquetscht Moreau in ihrer wohl eigenwilligsten Rolle ein Vogelnest samt Eiern, zerstört dann ein Dorf und ihren Geliebten mit dem kaum merklichen Lächeln einer Frau, die weiß, dass das Leben an ihr vorübergezogen ist, und die dennoch ihre Spuren hinterlassen will. Über all diesen Facetten ihres Lächelns schwebte stets ihr ureigenes Lächeln einer verzogenen Göre, das sie sich bis ins hohe Alter bewahrte. Und gerne kokettierte sie mit ihrer eigenen Verzogenheit, obwohl sie eigentlich ein zutiefst liebenswürdiger Mensch war. Eine mit ihrer Stadt verwurzelte Pariserin. Tochter einer englischen Folies-Bergère-Tänzerin und eines Bistrobesitzers am Montmartre, die ihre Schauspielkarriere gegen den Willen ihres Vaters begann. Den Kampf gegen diesen Widerstand hat sie einmal als Grundimpuls ihrer Kunst beschrieben. Es war ihr instinktives Interesse an der wirklichen, der ontologischen Verzogenheit des Menschen, das sie schon als gefeierte Nachwuchsschauspielerin dazu brachte, ihre Attraktivität in etwas anderes, Verstörendes zu überführen. Da ist die bereits in jungen Jahren leicht erschöpft wirkende Physis, da sind die wie vom Lebensüberdruss nach unten weisenden Mundwinkel. Da ist dieses unbeteiligte Verhältnis zu ihrem lasziven Körper, der in Louis Malles Film ASCENSEUR POUR L'ÉCHAFAUD (FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT, 1958) zu Miles Davis existenzialistischen Klängen durch die Pariser Nacht läuft, achtlos zwischen heranschnellenden Autos die Boulevards überquerend. Mit diesem Film noir wurde Jeanne Moreau, längst eine gefeierte Theaterschauspielerin, zum Kinostar. Vor allem aber brachte er ihre unberechenbare Weiblichkeit in die Nouvelle Vague. In der Rolle der Ehebrecherin Florence Carala durchläuft sie in dieser einen Nacht die Höhen und Tiefen eines mörderischen Liebeskomplotts, doch nie weiß man, was hinter ihrer hohen, blassen Stirn vorgeht. Alle ihre Kinofiguren besitzen diese Offenheit und Unberechenbarkeit, nie lässt sich ihr nächster Schritt oder Gedanke erahnen. Das macht sie so herausfordernd anziehend wie gefährlich, hinreißend und auf fatale Weise mitreißend. Tatsächlich hat wohl kaum eine Schauspielerin auf der Leinwand mehr Männer in den Tod gerissen als Jeanne Moreau. Es war Luis Buñuel, der die gefährliche Göre 1964 in seinen Kosmos überführte und ihr Spiel auf eine weitere, faszinierende, geradezu abstrakte Ebene brachte. In LE JOURNAL D'UNE FEMME DE CHAMBRE (TAGEBUCH EINER KAMMERZOFE, 1964) kommt das Hausmäd- Dreharbeiten zu LUMIÈRE Jeanne Moreau 51

54 Jeanne Moreau 52 chen Célestine aus Paris in die französische Provinz und findet sich in einer Gesellschaft brutaler, perverser Männer wieder. Moreaus Zofe wirkt wie eine Forscherin, die mal interessiert, mal gähnend die Verbrechen, Niedrigkeiten und fetischistischen Leidenschaften um sich herum betrachtet. Ihrer eigenen Erotik gegenüber scheint sie völlig gleichgültig, ist zugleich Frau, Phantasma und pures Kinowesen. Jeanne Moreau, übrigens auch eine leidenschaftliche Bücherverschlingerin, verfasste 2008 anlässlich der Retrospektive der Berlinale einen feinsinnigen Essay über Luis Buñuel, und das, was sie über Célestine schreibt, scheint im Rückblick prototypisch für viele ihrer Figuren zu sein:»für mich liegt das Anstößige, im besten Sinne Schockierende von Buñuels Filmen in der Selbstverständlichkeit, mit der er von Lüsten, sexuellen Impulsen und Abgründen erzählt, indem er sie in einen völlig unpsychologischen Rahmen überführt. (...) So frei und neugierig, wie dieses Dienstmädchen eine Entdeckungsreise in die Perversion eines anderen Menschen unternimmt, blickt Buñuel auf die Perversionen aller seiner Figuren. Daraus spricht nicht nur sein antibürgerlicher Impuls, sondern eine tiefe Einsicht in die Wahrheit und Notwendigkeit menschlicher Phantasmen und Obsessionen.«Jeanne Moreau war die kluge Verkörperung der Phantasmen, die komplizenhafte Verbündete der Obsessionen ihrer Regisseure. Gerade weil sich keine ihrer Figuren auf einen realistischen Rest reduzieren lässt, scheinen sie alle aus ihrer Geschichte herauszutreten, aus dem Film in die Filmgeschichte zu wandeln. Man muss sich nur anschauen, wie sie in Rainer Werner Fassbinders QUERELLE (1982) als eine Mischung aus Sphinx und Bordellchefin erscheint. Mit einem desillusionierten Gesangsauftritt, der auch zum Kommentar ihrer Leinwandheldinnen wird:»each man kills the thing he loves.«oder wie eindrücklich und zugleich zurückhaltend sie Wim Wenders Film UNTIL THE END OF THE WORLD (BIS ANS ENDE DER WELT, 1991) in Besitz nimmt: als blinde Frau, der ein Bildergedächtnis eingepflanzt werden soll man sieht ihr einfach die Sehnsucht nach dem Sehen an. Bei dem erwähnten Abendessen in Paris (die Käseauswahl wurde tatsächlich noch beeindruckend) sprach Jeanne Moreau an die Reporterin eine Einladung aus, zu ihrem späten Lebens- und Herzensprojekt: einem alljährlich im Sommer stattfindenden, von ihr initiierten und geleiteten Seminar mit jungen Regieanwärtern. Noch als weit über Achtzigjährige liebte sie es, im südwestlich von Paris gelegenen Angers junge Filmemacher mit erfahrenen Regisseuren, Kameraleuten, Drehbuchautoren, Schauspielern zusammenzubringen, den Austausch der Jüngeren untereinander zu fördern und natürlich sich selbst dabei zu amüsieren, mit wechselnden Riesensonnenbrillen und in eleganten Ensembles.»Wir können euch nichts beibringen«, sagte sie ihren Zöglingen bei einem dieser Seminare vor etwa neun Jahren,»aber wir können euch helfen, klarer zu sagen, was ihr wollt.«auf einem Kinoset, sagte Moreau, sei es wichtig, dass alle am selben Film arbeiten. Daher LA MARIÉE ÉTAIT EN NOIR

55 müsse man als Regisseur zunächst mal in der Lage sein, sich verständlich zu machen, eine Vision zu transportieren. Man könnte von einer Kinoschule des klaren Ausdrucks für die kommende Generation sprechen. Natürlich waren in jenen Tagen in Angers noch andere Regisseure anwesend. Oder vielmehr ihre Gespenster. Sie waren da, weil eine große Schauspielerin von ihnen erzählte und mit ihren Erinnerungen und Begegnungen lebte. Orson Welles, von dessen osmotischem, wortlosem Umgang mit Schauspielern sie endlos schwärmen konnte. Buñuel natürlich. Oder auch Michelangelo Antonioni, für dessen Film LA NOTTE (DIE NACHT, 1961) sie nie bezahlt worden sei.»ich ging und ging und ging in diesem Film. Heute kommt mir die ganze Geherei ein bisschen albern vor.«nie waren Moreaus Erinnerungen nostalgisch. Im Gegenteil, man hatte das Gefühl, dass ihr heiterer Sarkasmus sie vor jeglicher Sentimentalität bewahrte (»Monica Vitti sah mich während der Dreharbeiten zu LA NOTTE mit dem Arsch nicht an!«). Von jenen Tagen mit Jeanne Moreau in Angers nahmen neun junge Regisseure und Regisseurinnen und die Reporterin viel mit nach Hause. Etwa die Erkenntnis, dass die große Göre des französischen Kinos sich nichts und niemandem unterwarf, außer der Tatsache, dass um 18 Uhr der Aperitif getrunken wird gerne Rotwein mit Eiswürfeln. Dass Kino mit Besessenheit, Leidenschaft und Begeisterung zu tun hat. Aber auch mit Präzision, Autorität und Pünktlichkeit. Dass man die Dinge nicht nur auf einem Filmset beim Namen nennen sollte. Und dass die Welt um einiges leichter zu ertragen ist, wenn man sich ein bisschen Stilgefühl bewahrt. Katja Nicodemus, Die Zeit 32/2017 Touchez pas au grisbi (Wenn es Nacht wird in Paris) Frankreich 1954 R: Jacques Becker B: Albert Simonin, Jacques Becker K: Pierre Montazel M: Jean Wiener D: Jean Gabin, René Dary, Michel Jourdan, Jeanne Moreau, Lino Ventura 96 min OmU Ein Film noir über die Freundschaft zwischen den alternden Gangstern Max (Jean Gabin) und Riton (René Dary), die von ihrem Konkurrenten Angelo hereingelegt werden, woran die Nachtclubtänzerin Josy (Jeanne Moreau) Schuld hat.»jeanne Moreau hätte keinen besseren Lehrmeister finden können, Jean Gabin keine gelehrigere Schülerin. Bereits in TOUCHEZ PAS AU GRISBI kann man den Einfluss des älteren Profis auf die jüngere Anfängerin erkennen: Ihre Bewegungen haben an Präzision gewonnen. Das trotzige, schuldbewusste und ängstliche Zurückweichen vor Max, der wissen will, was Angelo mit Riton angestellt hat, die Hingabe an Angelo beim Tanz haben nichts mehr mit der Unbeholfenheit des Ausdrucks gemein, die Jeanne Moreau noch in MEURTRES zeigte. Jean Gabin lehrte Jeanne Moreau, die die großen Gesten des Theaters beherrschte, die kleinen Gesten des Films, die die Größe ausmachen.«(gabriele Lauermann) Freitag, 30. November 2018, Uhr Ascenseur pour l'échafaud (Fahrstuhl zum Schafott) Frankreich 1958 R: Louis Malle B: Roger Nimier, Louis Malle, nach dem Roman von Noël Calef K: Henri Decaë M: Miles Davis D: Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Georges Poujouly, Yori Bertin, Jean Wall, Lino Ventura, Ivan Petrovich 91 min OmU»Vier Bewegungen, vier Linien, die zwangsläufig aufeinander zuführen. Julien im Fahrstuhl, die Geliebte auf den nächtlichen Straßen, das Paar auf der Flucht, die Polizei auf der Suche. Dazu der unterkühlte Schmerz von Miles Davis' Trompete. Und die Kamera sucht verzweifelt nach Momenten, in denen sie verharren kann, nach Augenblicken, die sich dem zwingenden Fluss der Geschichte widersetzen. Unter den Filmen Louis Malles ist dies der beklemmendste, weil er ein Netz aus Blicken spinnt, die alle ins Leere gehen. Das Gesicht von Jeanne Moreau erzählt die ganze Geschichte als Dialog mit einem abwesenden Geliebten. Ihr Gang auf den regennassen Straßen, ihre Haltung in den neongrellen Cafés, ihre tragisch geschwungenen Züge im Licht der fernen Schaufensterauslagen, das wirkt wie die Idee einer Frau, zusammengesetzt aus Linien, Formen und Bewegungen, die traumverloren ihren Platz in dieser Tragödie suchen.«(michael Althen) Samstag, 1. Dezember 2018, Uhr Les amants (Die Liebenden) Frankreich 1958 R: Louis Malle B: Louis Malle, Louise Lévêque de Vilmorin, nach dem Roman»Point de lendemain«von Vivant Denon K: Henri Decaë D: Jeanne Moreau, Alain Cuny, Jeanne Moreau 53

56 Jeanne Moreau LES AMANTS 54 José-Louis de Villalonga, Judith Magre, Jean-Marc Bory, 92 min OmU Eine eingefahrene Ehe auf dem Land oder das verheißungsvolle Leben in der Stadt? Jeanne Moreau ist die gelangweilte Ehefrau eines Verlegers, die versucht, mit regelmäßigen Besuchen bei ihrer Freundin Maggy in Paris ihrer inneren Leere zu entkommen. Erst ein Außenseiter, der Student Bernard, sieht hinter die Masken der High Society und wird für Jeanne zum Funken der Veränderung. Durch seine Darstellung des Ehebruchs und die Betonung der»wahren«liebe, die alle Konventionen sprengt, galt der Film bei seinem Erscheinen als Skandal.»Es gibt vor allem das Spiel der großartigen Jeanne Moreau. Sie hat, auch wenn ihr Heikelstes aufgetragen wird, eine heimliche, keusche Intensität des Herzens, die noch das Schwierigste vertretbar, das Heimlichste zeigbar macht. Sie leistet ein Stück erfüllter Schauspielerei, dessen man gedenken wird.«(friedrich Luft) Sonntag, 2. Dezember 2018, Uhr Dienstag, 4. Dezember 2018, Uhr Moderato Cantabile (Stunden voller Zärtlichkeit) Frankreich 1960 R: Peter Brook B: Marguerite Duras, Gérard Jarlot, Peter Brook, nach dem Roman von Marguerite Duras K: Armand Thirard M: Antonio Diabelli D: Jeanne Moreau, Jean-Paul Belmondo, Pascale de Boysson, Jean Deschamps, Didier Haudepin 91 min OmU Ähnlich wie in LES AMANTS spielt Jeanne Moreau in Peter Brooks Drama eine reiche, aber einsame Ehefrau und Mutter in einer Kleinstadt, Anne. Ihre einzige Abwechslung besteht darin, ihren Sohn zum Klavierunterricht zu begleiten. Das Ehepaar lebt in emotionaler Distanz. Dann wird in einem Bistro neben der Musikschule ein Mord an einer jungen Frau verübt. Anne gesellt sich fasziniert zu den Schaulustigen und lernt dort den jungen Fabrikarbeiter Chauvin kennen, mit dem sich bald eine Liebesbeziehung entwickelt. Auch beginnt sie immer mehr, sich mit der unbekannten Ermordeten zu identifizieren. Ein Film fast ohne äußeres Geschehen, aber reich an bildhafter Poesie, in dem für die Autorin Duras und den»literarischen Film«bezeichnenden Kunststil. Während der Dreharbeiten entstand eine lebenslange Freundschaft zwischen Moreau und Duras. Freitag, 7. Dezember 2018, Uhr Dienstag, 11. Dezember 2018, Uhr La notte (Die Nacht) Italien 1961 R: Michelangelo Antonioni B: Michelangelo Antonioni, Ennio Flaiano, Tonino Guerra K: Gianni Di Venanzo M: Giorgio Gaslini D: Jeanne Moreau, Marcello Mastroianni, Monica Vitti, Bernhard Wicki, Rosy Mazzacurati, Maria Pia Luzi 122 min OmeU 24 Stunden im Leben eines Paares, das gefangen ist in existenzieller Einsamkeit und Sprachlosigkeit: Jeanne Moreau und Marcello Mastroianni umkreisen sich und das Nichts, das ihre Beziehung ausgehöhlt hat. Schauplatz ist Mailand, das Antonioni als kalte Stadt aus Glas, Stahl und Beton inszeniert. Die äußere Handlung ist bloßes Gerüst: Es geht um Gesten, Blicke, Atmosphären, um abwesende Gefühle, eingefroren in Bildern von tödlicher Perfektion.»Das Ganze könnte von entsetzlicher Langeweile sein, wenn es nicht durch die großartige, die leichten Zuckungen der Verzweiflung analytisch herausarbeitende Regie und durch die herrliche Jeanne Moreau zu einer Offenbarung menschlicher Verlorenheit würde. Der Film fließt nahtlos dahin und ist doch gleichzeitig ein Akt der Vivisektion eines Ehepaares, wie man ihn in solchem Detail kaum je erlebt hat.«(manfred George) Samstag, 8. Dezember 2018, Uhr Dienstag, 18. Dezember 2018, Uhr

57 Jules et Jim (Jules und Jim) Frankreich 1962 R: François Truffaut B: François Truffaut, Jean Gruault, nach dem Roman von Henri-Pierre Roché K: Raoul Coutard M: Georges Delerue K: Raoul Coutard M: Georges Delerue D: Jeanne Moreau, Oskar Werner, Henri Serre, Vanna Urbino, Serge Rezvani 105 min OmU Jules liebt Catherine, Jim liebt Catherine, und Catherine liebt sie beide. Catherine ist das Bindeglied zwischen den Freunden, die durch den Ersten Weltkrieg aufgrund ihrer Nationalitäten eigentlich zu Feinden werden sollten.»jules ET JIM sah ich damals als die Chance meines Lebens. Als Chance, der Star -Rolle zu entkommen, dem stereotypisierten Kinostil vollendet geschminkt und wohlfrisiert. Auf einmal drehten wir in den Straßen, mit wenig Maske und in Kostümen, die wir uns selber ausgesucht haben. Plötzlich war natürliches Aussehen gefragt. Ich spürte, wenn ich mich vor der Kamera entfalten und Freude an meiner Arbeit haben konnte, dann auf diese Weise. Truffaut faszinierten die Rituale des Alltags und das Mysterium des Weiblichen. Durch mich lernte François eine Menge über Frauen, und ich lernte durch ihn eine Menge über Film.«(Jeanne Moreau) Sonntag, 9. Dezember 2018, Uhr Dienstag, 15. Januar 2019, Uhr Eva Frankreich 1962 R: Joseph Losey B: Hugo Butler, Evan Jones, nach dem Roman von James Hadley Chase K: Gianni di Venanzo M: Michel Legrand D: Jeanne Moreau, Stanley Baker, Giorgio Albertazzi, Virna Lisi, Checco Rissone 118 min engl. OF Jeanne Moreau als Edelprostituierte, die in Rom und Venedig dem falschen Bestsellerautor Tyvian Jones zum Schicksal wird und ihn sich hörig macht.»sie spiele weniger als dass sie sich verhalte, hat Losey von ihr gesagt, aber sie verhält sich in paradoxen, dem Leben entliehenen Situationen genau richtig, und man muss sie dann filmen, als geschehe alles in Wirklichkeit. Das Wunder ihres Spiels ist vor allem das einer Frau, die sich einer Unzahl von Hindernissen gegenüber sieht und sie überwindet, indem sie alle ihre Fähigkeiten einsetzt. Es gehört zu den Geheimnissen von EVA, dass diese Eva, die wie eine Geisha trippeln, wie eine billige Hure keifen und wie eine Grande Dame schreiten kann, nicht als Monster erscheint, sondern als eine Frau in ihrem Stolz und Selbstbewusstsein; und die im schlimmsten Fall so ist, wie sie ist, weil die Männer sie so haben wollen.«(peter W. Jansen) Freitag, 14. Dezember 2018, Uhr The Trial (Der Prozess) Frankreich 1962 R+B: Orson Welles, nach dem Roman von Franz Kafka K: Edmond Richard D: Anthony Perkins, Jeanne Moreau, Orson Welles, Elsa Martinelli, Romy Schneider, Madeleine Robinson, Max Haufler 118 min engl. OmU Der Angestellte Josef K. wird eines Tages verhaftet. Sein Prozess schleppt sich dahin, ohne dass der Angeklagte über Sitz, Funktion und Absicht des Gerichts Genaueres erfährt. Jeanne Moreau spielt Fräulein Bürstner, die Zimmernachbarin von K., die im Morgengrauen von ihrer Arbeit als Stripteasetänzerin nach Hause kommt.»bei dieser nur einige Minuten dauernden Sequenz ging es darum, äußerst kapriziöse und schnell wechselnde Stimmungen zu zeigen: Eben noch betrunken, abgespannt und lasziv, wird sie plötzlich ihrem Partner gegenüber aggressiv, und sobald er ihr von seiner Verhaftung erzählt, schickt sie ihn, von heftiger und ungerecht erscheinender Wut gepackt, zum Teufel. Auf einzigartige Weise erinnert diese Rolle an die der EVA, und man behält ein stark geschminktes Gesicht, eine kreischende Stimme und einen Körper im Gedächtnis, mit dem sie jede Minute spielt.«(jean-claude Moireau) Samstag, 15. Dezember 2018, Uhr La baie des anges (Die blonde Sünderin) Frankreich 1963 R+B: Jacques Demy K: Jean Rabier M: Michel Legrand D: Jeanne Moreau, Claude Mann, Paul Guers, Henri Nassiet, André Certes 90 min OmeU Gleich bei seinem ersten Roulettespiel gewinnt der gewissenhafte Bankangestellte Jean Fournier ein kleines Vermögen. Er beschließt, seinen Jahresurlaub an der Côte d Azur zu verbringen. Im Casino in Nizza lernt er die schöne Jackie kennen, die für ihre Spielleidenschaft Ehe und Kind aufgegeben hat. Gemeinsam ziehen sie von Spieltisch zu Spieltisch, Jean verfällt Jackie und dem Spiel gleichermaßen.»jackie, die blonde Sünderin, ist eine Frau mit platiniertem Haar, auffallenden Kleidern und Pelzen, einem ausgemergelten Gesicht, von Leidenschaft wahrscheinlich, und kein Spielcasino von Enghien bis Monte Carlo ist ihr unbekannt. Um spielen zu können, tut sie alles: Sie hat Mann und Kind verlassen, sie konvertiert in Geld, was immer sich ihr bietet, sie lügt und betrügt. Jackie ist nicht nur ein schlechtes Abziehbild einer Jahrhundertwendeabenteuerin. Gemessen an ihrer Umwelt ist Jackie eine Freie, auch wenn sie sich veralteten Leidenschaften hingibt.«(frieda Grafe) Sonntag, 16. Dezember 2018, Uhr Mittwoch, 16. Januar 2019, Uhr Le journal d'une femme de chambre (Tagebuch einer Kammerzofe) Frankreich 1964 R: Luis Buñuel B: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière, nach dem Roman von Octave Mirabeau K: Roger Fellous M: Jeanne Moreau 55

58 Jeanne Moreau 56 Antoine Petitjean D: Jeanne Moreau, Georges Géret, Daniel Ivernel, Françoise Lugagne, Muni 97 min OmU Die Kammerzofe Célestine kommt zur Gutsbesitzerfamilie Monteil in die Normandie.»Célestine hat etwas nicht Greifbares. Von Anfang an scheint sie über den Klassen und Milieus zu schweben, kleidet sich für ein Dienstmädchen zu elegant und trägt Parfum. Célestine ist eine subversive Kraft, ein Katalysator, auf den alle anderen reagieren, mit Begehren, Neid oder Ablehnung. Sie selbst bleibt davon aber völlig ungerührt. Sie bedient die anderen, weiß jedoch um ihre Macht über die Sexualität der Männer.«(Jeanne Moreau)»Wenn Moreau geht, zittert ihr Fuß leicht auf dem Absatz des Schuhs, ein Mangel an Stabilität, der beunruhigt. Sie ist eine wunderbare Schauspielerin; ich brauchte ihr nur zu folgen, fast ohne sie zu korrigieren. Über die Figur der Kammerzofe habe ich von ihr Dinge erfahren, die ich nie geahnt hätte.«(luis Buñuel) Freitag, 21. Dezember 2018, Uhr Dienstag, 22. Januar 2019, Uhr The Train (Der Zug) USA 1964 R: John Frankenheimer B: Franklin Coen, Frank Davis K: Jean Tournier M: Maurice Jarre D: Burt Lancaster, Paul Scofield, Jeanne Moreau, Suzanne Flon, Michel Simon 133 min OmU Während der Besetzung Frankreichs sollen wertvolle Gemälde in einem Zug nach Deutschland gebracht werden, den Mitglieder der Résistance mit allen Mitteln aufhalten wollen.»die Besetzung des Films ist überaus gelungen und die starken Performances machen einen wesentlichen Teil seiner Wirkung aus. Da wäre, in einer Nebenrolle, Jeanne Moreau als verwitwete Hotelbetreiberin Christine mit ihrer zornigen Fürsorge für Labiche, der mit seiner Flucht in ihren Weinkeller ihr Leben ultimativ bedroht und dessen raffinierte Aktion bereits zu diesem Zeitpunkt mehrere Menschenleben französischer Widerstandskämpfer gekostet hat. Moreau braucht nichts zu sagen, und doch spricht dabei so vieles aus ihrem Gesicht mit den großen Augen. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Sympathie für Labiche und die Résistance auf der einen und der Bewahrung ihrer wirtschaftlichen, auch physischen Existenz auf der anderen Seite.«(Robert Lorenz) Samstag, 22. Dezember 2018, Uhr Mittwoch, 23. Januar 2019, Uhr Viva Maria! Frankreich 1965 R: Louis Malle B: Louis Malle, Jean-Claude Carrière K: Henri Decaë M: Georges Delerue D: Jeanne Moreau, Brigitte Bardot, George Hamilton, Paulette Dubost, Gregor von Rezzori 120 min OmU Eine irische Anarchistin und eine Tingeltangelsängerin reisen durch ein mittelamerikanisches Land, zunächst im Dienst der Bühnenkunst, später auch im Dienst der Revolution.»Das erste Drittel lebt der Film durch den so sehr gegensätzlichen Reiz der beiden besten Exportartikel Frankreichs: Moreau Bardot. Der Charme der Moreau ist verhaltener, bewusster, klüger, und doch fällt die Bardot mit Schmollmund und Glanzaugen nicht ab. Einander bekämpfend ergänzen sie sich wie Kunst und Natur.«(Brigitte Jeremias)»Brigitte Bardot verkörpert den Anarchismus, dessen einzelne geographische Etappen im Film genau markiert sind. Jeanne Moreau vertritt die frustrierte marxistische Intelligenz. Die Anarchistin Bardot drängt mit ihrer antiautoritären Haltung zur Rebellion, während die Marxistin Moreau den richtigen Zeitpunkt des Aufstandes abwägt, den ungestümen Anarchismus mit den wirklichen Verhältnissen konfrontiert.«(bernd Rabehl) Freitag, 11. Januar 2019, Uhr Dienstag, 29. Januar 2019, Uhr VIVA MARIA!

59 Mademoiselle Großbritannien 1966 R: Tony Richardson B: Marguerite Duras, nach einer Vorlage von Jean Genet K: David Watkin M: Antoine Duhamel D: Jeanne Moreau, Ettore Manni, Keith Skinner, Umberto Orsini, Georges Aubert 105 min OF Mademoiselle, die zugereiste Lehrerin einer kleinen Ortschaft in der tiefsten Provinz Frankreichs, ist eine Respektsperson. Niemand ahnt etwas von ihrer sexuellen Frustration, die sie zu krankhafter Zerstörungswut treibt: Sie legt Feuer, öffnet das Wehr und vergiftet das Brunnenwasser. Die Dörfler verdächtigen den italienischen Holzfäller, dessen offensive Virilität den Männern Unbehagen bereitet und die Frauen fasziniert. Peter W. Jansen schreibt über Jeanne Moreau:»Der Gang, die Augen, der Mund: Wie unter einem Brennglas finden sich die Insignien ihrer Kunst in MADEMOISELLE versammelt. Wenn Louis Malle ihr eigentlicher Entdecker genannt werden darf, weil er der erste war, der die Sprache ihres Körpers verstand und zum Dolmetscher ihres Ganges wurde, dem dann Antonioni, Buñuel und all die anderen gefolgt sind, kommt Tony Richardson wohl das Verdienst zu, sie in ihrer Totalität erfasst zu haben.«samstag, 12. Januar 2019, Uhr Mittwoch, 30. Januar 2019, Uhr La mariée était en noir (Die Braut trug Schwarz) Frankreich 1968 R: François Truffaut B: François Truffaut, Jean-Louis Richard, nach dem Roman von William Irish K: Raoul Coutard M: Bernard Herrmann D: Jeanne Moreau, Jean-Claude Brialy, Michel Bouquet, Charles Denner, Claude Rich, Michel Lonsdale 107 min OmeU Nachdem ihr Bräutigam ums Leben kam, macht sich Julie auf die Suche nach den Tätern.»Julie Kohler (la colère: der Zorn) ist keine Liebes-, sondern eine Rachegöttin. Bruchstückweise, vor und zwischen ihren tödlichen Anschlägen, erfährt der Zuschauer: dass sie Witwe ist; dass sie ihren Mann am Hochzeitsmorgen, vor der Kirche, durch einen Schuss aus dem Fenster eines gegenüberliegenden Hauses verloren hat; dass die Täter fünf Junggesellen waren, die mit der Waffe spielten, aus der der tödliche Schuss sich löste. Julie hat ihren Mann abgöttisch geliebt: Alle jungen Mädchen warten auf den Märchenprinzen, aber ich erwartete niemanden, denn solange ich lebte, kannte ich David. Sie hat nie gelernt, zwischen Märchen und Leben, Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. Sie interessiert sich nicht für Gründe, deshalb ist auch ihre Rache maßlos. Jeanne Moreau, so gut wie lange nicht mehr.«(enno Patalas) Dienstag, 8. Januar 2019, Uhr Sonntag, 13. Januar 2019, Uhr Une histoire immortelle (Die Stunde der Wahrheit) Frankreich 1968 R+B: Orson Welles, nach der Erzählung von Isak Dinesen K: Willy Kurant M: Erik Satie D: Jeanne Moreau, Orson Welles, Roger Coggio, Noman Eshley, Fernando Rey 58 min engl. OF Ein alter reicher Kaufmann versucht mithilfe seines Buchhalters, eine Geschichte, die unter Seeleuten erzählt wird, wahr werden zu lassen. Im Mittelpunkt des ersten Farbfilms von Orson Welles steht Jeanne Moreau als Kurtisane in exquisiten Kostümen und Dekors, die eine arrangierte Liebesnacht mit einem jungen Seemann verbringt. Scenes from The Deep 1969 R+B: Orson Welles, nach dem Roman»Dead Calm«von Charles Williams K: Willy Kurant, Ivica Rajković M: François Rabath D: Michael Bryant, Oja Kodar, Laurence Harvey, Jeanne Moreau, Orson Welles 20 min engl. OF An der dalmatinischen Küste drehte Welles einen Thriller, den er selbst produzierte und der ausschließlich auf zwei Segelbooten spielt. Der Film wurde zwar weitgehend abgedreht, aber nie fertiggestellt. Gezeigt werden Szenen aus der im Filmmuseum aufbewahrten Arbeitskopie. Sonntag, 20. Januar 2019, Uhr Einführung: Stefan Drößler Monte Walsh USA 1970 R: William A. Fraker B: David Zelag Goodman, Lukas Heller, nach dem Roman von Jack Schaefer K: David M. Walsh M: John Barry D: Lee Marvin, Jeanne Moreau, Jack Palance, Mitch Ryan, Jim Davis 99 min OF Zwei alternde Cowboys finden nur noch mühsam Jobs.»Als Lee Marvin der Moreau einmal seinen Monatslohn anbietet, lehnt sie ab. Noch nie habe ich von dir Geld genommen, sagt sie. Das hier kannst Du schon nehmen, beruhigt er sie daraufhin, das ist kein Geld, das ist Kapital. MONTE WALSH spielt in einer Zeit, in der immer mehr Cowboys entlassen und Bankraube aus Arbeitslosigkeit verübt werden, zu einer Zeit, in der Geld eben nicht mehr Geld heißt und auch Pferde schon beginnen zum Kapital gezählt zu werden, das gezielter investiert werden muss als zur Austragung einer nutzlosen persönlichen Rachegeschichte. Und dennoch ist MONTE WALSH einer der wenigen sogenannten Spätwestern, die auch in dieser Zeit immer noch zu ihren Helden stehen und ihnen nicht jovial auf die Schultern klopfen, so wie der Showmanager, der Lee Marvin für eine Wildwesttournee an die Ostküste engagieren will.«(klaus Bädekerl) Freitag, 25. Januar 2019, Uhr Dienstag, 5. Februar 2019, Uhr Nathalie Granger Frankreich 1972 R+B: Marguerite Duras K: Ghislain Cloquet D: Lucia Bosè, Jeanne Jeanne Moreau 57

60 Jeanne Moreau NATHALIE GRANGER 58 Moreau, Gérard Depardieu, Luce Garcia-Ville, Valerie Mascolo 83 min OmeU Isabelle Granger lebt mit ihren beiden Töchtern in einer Villa am Stadtrand von Paris, ihre Freundin kümmert sich um den Haushalt. Eine»Chronik der Ereignislosigkeit, der scheinbar bedeutungslosen Mikrovorgänge«(Ulrich Gregor).»Bei aller Banalität des Alltagslebens hat Jeannes Stimme selten so musikalisch geklungen, selten wirkten ihre Gesten (den Tisch abräumen, abspülen, Feuer anzünden, nähen) und ihre Blicke, ihre Art zu schweigen, zuzuhören und zu lächeln, so edel und auf geheimnisvolle Weise so rein, als seien alle Attribute des großen Stars von ihr abgefallen, als habe ihr Wunsch, unbedingt in diesem bescheidenen Film (einfaches Schwarzweiß, geringer Aufwand und kleines Team) mitzuwirken, ihr die Möglichkeit gegeben, sich zu entmystifizieren. Ein Film als Provokation, ohne dass er jemals des Humors entbehrte, aber vor allem ist da etwas Geheimnisvolles, das von der Alchemie der am selben Ort zusammengeführten Frauen ausgeht.«(jean-claude Moireau) Sonntag, 27. Januar 2019, Uhr Les valseuses (Die Ausgebufften) Frankreich 1974 R+B: Bertrand Blier, nach seinem Roman K: Bruno Nuytten M: Stéphane Grappelli D: Gérard Depardieu, Patrick Dewaere, Miou-Miou, Jeanne Moreau, Brigitte Fossey, Isabelle Huppert 113 min OmU»Der Rezensent von Time wollte dem französischen Regisseur Bertrand Blier am liebsten den Mund mit Seife auswaschen und beten, dass dieser Film eine isolierte Verirrung ist. Die anarchische Komödie erzählt im Slapstick-Stil die sexuellen und kriminellen Abenteuer zweier junger Männer, die durch Frankreich stromern. Aus der Fassung brachte viele Kritiker die pubertäre, mutterfixierte Erotik des unzertrennlichen Bürgerschreck-Paares mit einer Mischung aus Vulgarität, Ironie und Gaudium. Höhepunkt ist eine lange Episode mit Jeanne Moreau. Sie spielt eine abgewrackte Frau, welche die beiden Jungen von der Straße aufgabeln und dazu verführen, mit ihnen in einem Hotelzimmer zu schlafen. Am Morgen löst sie sich aus den Armen der beiden, nimmt einen Revolver und begeht den abstrusesten Selbstmord, den es wahrscheinlich je im Kino gegeben hat. Sie schießt sich die Kugel in die Vagina.«(Der Spiegel) Freitag, 1. Februar 2019, Uhr Mittwoch, 6. Februar 2019, Uhr Lumière (Im Scheinwerferlicht) Frankreich 1976 R+B: Jeanne Moreau K: Ricardo Aronovich M: Astor Piazzolla D: Lucia Bosè, Francine Racette, Keith Carradine, Jeanne Moreau, François Simon 95 min OmeU»Das Leben und die enge Beziehung untereinander von vier Schauspielerinnen zeigt der Film. Er beginnt mit einem gemeinsamen Wochenende in einem Landhaus: zwangloses Plaudern, so leicht und behutsam inszeniert, wie das vielleicht nur eine Frau konnte.«diese angenehme Selbstverständlichkeit und die konsequent

61 durchgehaltene Distanz sind jedoch das Ergebnis langer Arbeit: Das Projekt ist zehn Jahre alt, vom Buch gibt es fünf Fassungen, die intensive Arbeit an dem Stoff dauerte drei Jahre. Eine sympathische Leichtigkeit hat der Film, ein großes Ensemble überzeugender Schauspieler und, immer wieder, das alte, ganz junge, schöne Gesicht von Jeanne Moreau. Einen Augenblick kommen der Darstellerin, betroffen vom Tod eines alten Freundes, im Scheinwerferlicht, mitten in der Szene, plötzlich die Tränen. Ein Ausbruch aus der Rolle, ein Augenblick der Wahrheit als eine Szene von intensiver Präsenz, besonders gut gemacht. That's Entertainment.«(Wolf Donner) Samstag, 2. Februar 2019, Uhr Dienstag, 12. Februar 2019, Uhr L'adolescente (Mädchenjahre) Frankreich 1979 R+B: Jeanne Moreau K: Pierre Gautard M: Philippe Sarde D: Simone Signoret, Laetitia Chauveau, Francis Huster, Jacques Weber, Edith Clever, 90 min OmeU Im Sommer 1939 fährt die 12-jährige Marie mit ihren Eltern aufs Land. Es gibt viele unbeschwerte Tage, aber auch den ersten Liebeskummer und Familienstreit, die ersten Vorzeichen des Krieges kündigen sich an.»moreau macht nie den Fehler, L ADOLESCENTE als Moreaus Film statt als Maries Geschichte erscheinen zu lassen. Dies ist ein Film, in dem die Aufmerksamkeit dem Leben der Figuren gilt und nicht den inszenatorischen Schnörkeln der Regisseurin. Und es ist ein sehr subtiler Film, denn wir sehen ganz allmählich, mit Maries Augen und unseren eigenen, die Untertöne in der Erwachsenenwelt, die das Mädchen umgibt. Moreau suggeriert, dass dem Mädchen große emotionale Verletzungen drohen, doch am Ende gestattet sie Simone Signoret, einen wunderbar abstrusen Zauber zu wirken, der die romantische Unschuld des Kindes noch einen Sommer lang bewahren wird.«(roger Ebert) Sonntag, 3. Februar 2019, Uhr Mittwoch, 13. Februar 2019, Uhr Querelle Ein Pakt mit dem Teufel BRD 1982 R: Rainer Werner Fassbinder B: Rainer Werner Fassbinder, Burkhard Driest, nach dem Roman von Jean Genet K: Xaver Schwarzenberger M: Peer Raben D: Brad Davis, Franco Nero, Jeanne Moreau, Laurent Malet, Hanno Pöschl 108 min frz. OmeU»Allein in einem rein männlichen Milieu ist Jeanne eine mythische Figur. Während sie durch Pappmaché-Bauten gleitet, durch warmes orangefarbenes Licht, windet und schlängelt sich glitzernd ihr Körper. Sie stellt alle Frauentypen dar: je nachdem, ob sie geheimnisvoll Tarotkarten zieht, ihren Schmuck zur Schau stellt, einen Tango mit unendlicher Sinnlichkeit tanzt, mütterlich den verletzten Kind-Mann in einer Pietà-Haltung versorgt oder als entrückte Diva mit geschlossenen Augen Texte von Oscar Wilde singt.«(jean-claude Moireau)»Fassbinder war ein Getriebener, der den Dingen auf den Grund zu gehen trachtete, auf der Suche nach Schönheit in allen menschlichen Wesen. Das Buch von Genet ist gefährlich und rein, unmoralisch und poetisch, grausam und zärtlich. Ich glaube, dass Fassbinder in der Studioatmosphäre das Absolute von Leidenschaft und Angst filmisch am besten ausdrücken konnte.«(jeanne Moreau) Freitag, 8. Februar 2019, Uhr La vieille qui marchait dans la mer (Die Dame, die im Meer spazierte) Frankreich 1991 R: Laurent Heynemann B: Dominique Roulet, nach einem Roman von San Antonio K: Robert Alazraki M: Philippe Sarde D: Jeanne Moreau, Michel Serrault, Luc Thuillier, Géraldine Danon, Jean Bouchaud 90 min OmU Die betagte Lady M. klammert sich an die Liebe zu einem jungen Playboy. In diesem letzten Aufbäumen radikaler Lebenslust schwingt der Verlust ihrer eigenen Jugend und ihrer sexuellen Anziehungskraft umso schmerzlicher mit. Der Tragikomödie lebt vom Spiel Jeanne Moreaus, die genüsslich Sarkasmen verspritzt und sich scheinbar ungerührt dem Alter stellt.»die Zahl ihrer Liebhaber: Das ist mehr als Don Giovanni mal zwei. Jetzt leidet sie unter Arthrose, stakst gichtig am Strand entlang, erpresst Industrielle und entwendet das Diadem des Maharadschas: Jeanne Moreau als Lady M., Königin der Gauner, Diva mit welker Haut. Ich stinke nach Alter, sagt sie, legt das Hühnerbein beiseite, an dem sie gerade kaut, faltet die runzligen Hände und betet zu Gott: um junges Fleisch. Allein ihr Mund: Müde ist er und immer noch gierig. Genug, sagt sie, ist ein Begriff für Rentner. «(Christiane Peitz). Samstag, 9. Februar 2019, Uhr Until the End of the World (Bis ans Ende der Welt) Frankreich 1991 R: Wim Wenders B: Michael Almereyda, Peter Carey K: Robby Müller M: Graeme Revell D: Jeanne Moreau, Max von Sydow, Solveig Dommartin, William Hurt, Sam Neill, Rüdiger Vogler 279 min mehrsprachige OmU Das»ultimative Roadmovie«beschreibt eine Reise um den Globus, eine Odyssee der Gegenwart. Um seiner blinden Frau (Jeanne Moreau) das Sehen zu ermöglichen, erfindet Dr. Farber (Max von Sydow) ein Verfahren, das es möglich macht, die vom Gehirn eines Sehenden aufgezeichneten Bilder direkt in Jeanne Moreau 59

62 Jeanne Moreau 60 das Sehzentrum eines Blinden zu senden. Farbers Sohn Sam (William Hurt) macht sich auf eine Reise um die Welt, um für seine Mutter die Stationen ihres Lebens zu»sehen«und aufzuzeichnen.»der Schock des Sehens bringt Jeanne Moreau drehbuchgerecht um. Vorher jedoch hat sie wunderbarerweise, rigoros und ergreifend, den Film an sich gerissen, die Kamera auf ihr Gesicht gebannt.«(brigitte Desalm) Der verstümmelt in die Kinos gekommene Film ist nur selten in seiner ursprünglichen langen Version zu sehen und ist eines der besten, schönsten und (bisher) verkanntesten Werke von Wim Wenders. Sonntag, 10. Februar 2019, Uhr To meteoro vima tou pelargou (Der schwebende Schritt des Storches) Griechenland 1991 R: Theo Angelopoulos B: Tonino Guerra, Theo Angelopoulos, Petros Markaris, Thanassis Valtinos K: Giorgos Arvanitis M: Eleni Karaindrou D: Jeanne Moreau, Marcello Mastroianni, Gregory Patrick Karr, Ilias Logothetis, Dora Hrisikou, Vasilis Bouyiouklakis 143 min OmU Ein Reporter des griechischen Fernsehens filmt in einer Grenzstadt im Norden das Elend der Flüchtlinge, die in ausrangierten Güterwaggons hausen. Auf einer der Aufnahmen glaubt er einen Politiker zu erkennen, der vor Jahren auf spektakuläre Weise eine glänzende Karriere hingeworfen und seine Familie im Stich gelassen hat.»ein filmisches Meisterwerk voller (kino-)magischer Momente und mit ungeheurem Reichtum, ein philosophischer und politischer Diskurs über Grenzen zwischen Ländern und Kulturen, über die Grenzlinien in jedem Einzelnen. Dabei lotet der Film das Überschreiten dieser Linien aus und registriert voller Trauer den Verlust von Utopien.«(Lexikon des Internationalen Films) In Anspielung auf Antonioni hat Angelopoulos die Rollen des verschwundenen Politikers und seiner Frau mit Marcello Mastroianni und Jeanne Moreau besetzt: Das Paar, das in LA NOTTE an einem Endpunkt angelangt war, findet sich wieder und doch nicht, als Moreau so lapidar wie doppeldeutig sagt: Das ist er nicht. «(Andreas Furler) Freitag, 15. Februar 2019, Uhr L'absence (Die Abwesenheit) Frankreich 1992 R+B: Peter Handke K: Agnès Godard M: Leo Mariño, Jean-Paul Mugel D: Bruno Ganz, Jeanne Moreau, Alex Descas, Eustaquio Barjau, Sophie Semin 112 min OmeU Ein Soldat, ein Spieler, ein Schriftsteller und eine junge Frau brechen aus ihrem Alltag aus und wandern durch die Welt.»Eine wunderbar fragile Stimmung strahlt dieser Film aus, eine poetische Mischung aus konkreter Präsenz und somnambulem Zauber. Mal möchte man einfach den Landschaften nachsinnen, die Handkes Protagonisten durchwandern, der Aura all dieser Bäume, Wiesen und Felder zwischen Südfrankreich und Nordspanien. Mal möchte man am liebsten die Augen schließen und den Worten lauschen, die anders als sonst im Kino nie eine Handlung stiften, eher eine spontane Laune formulieren oder einen alten Traum oder eine zu lange unterdrückte Erinnerung. Der Höhepunkt des Films: wie die Frau des Schriftstellers am Ende ihrem Mann nachredet in einem Café an der spanischen Küste voller Trauer zu Beginn, die dann in Rage, Hass und Wut umschlägt. Ein künstlerischer Parforceritt auch von Jeanne Moreau, en face und ohne Schnitt gedreht.«(norbert Grob) Samstag, 16. Februar 2019, Uhr Cet amour-là (Diese Liebe) Frankreich 2001 R: Josée Dayan B: Josée Dayan, Yann Andréa, nach CET AMOUR-LÀ

63 seinem Roman K: Caroline Champetier M: Angelo Badalamenti D: Jeanne Moreau, Aymeric Demarigny, Christiane Rorato, Sophie Milleron, Justine Lévy 100 min OmU Die zurückgezogen lebende Schriftstellerin Marguerite Duras und der junge Philosophiestudent Yann gehen eine außergewöhnliche Liebesbeziehung ein, die Josée Dayan mit genau der Beiläufigkeit, die im Titel anklingt, in Szene setzt.»moreau entfaltet das ganze Repertoire: die Strenge, die unbedingte Autarkie, den Charme und vor allem die Verletzlichkeit und Ambivalenz einer Frau, in der dieser Jüngling neben rigoroser Vereinnahmung auch Panik, Misstrauen, Verlustangst weckt.«(simone Mahrenholz)»Ein Wechselspiel zwischen inhaltlicher und darstellerischer Ebene: Moreau und Duras erlebten beide ihre künstlerische Anfangszeit in den 1950er / 1960er Jahren. Das Medium Wort, personalisiert in Duras, wechselt in das Medium Bild, ikonographisch repräsentiert in Moreau, die über die Metaebene Film indirekt immer auch auf Duras, jetzt Filmautorin der Nouvelle Vague, verweist.«(dunja Bialas) Sonntag, 17. Februar 2019, Uhr Dienstag, 19. Februar 2019, Uhr Le temps qui reste (Die Zeit die bleibt) Frankreich 2005 R: François Ozon K: Jeanne Lapoirie D: Melvil Poupaud, Ugo Soussan Trabelsi, Jeanne Moreau, Christian Sengewald, Daniel Duval 81 min OmU Jeanne Moreau spielt die Großmutter des jungen schwulen Modefotografen Romain, der sich nach einer Krebsdiagnose in eine selbstgewählte Einsamkeit zurückzieht. Ein letztes Mal besucht er die Orte einer glücklich verbrachten Kindheit und verhilft unverhoffter Weise noch einer Kellnerin zu einem Kind. Formal streng, subjektiv und doch distanziert erzählt Ozon diese Suche nach der eigenen Wahrheit und von der Hilflosigkeit angesichts des eigenen Todes.»Selbst durch weniger gelungene Filme spaziert sie wie eine Königin, wenn sie bei François Ozon in DIE ZEIT DIE BLEIBT dem schlaflosen Neffen auf die Frage, ob er sich unter ihre Decke legen dürfe, warnt, sie sei aber nackt. Welcher anderen Schauspielerin über siebzig hätte das Kino je zugetraut, dass sie nackt schläft? Das ist auch wieder nur so ein winziger Moment, aber er ist eben von einer Körperlichkeit, die bei Jeanne Moreau nie von Attributen wie Jugend oder Ebenmaß abhängig war.«(michael Althen) Mittwoch, 20. Februar 2019, Uhr Freitag, 22. Februar 2019, Uhr Une Estonienne à Paris (Eine Dame in Paris) Frankreich 2012 R: Ilmar Raag B: Agnès Feuvre, Lise Macheboeuf, Ilmar Raag K: Laurent Brunet M: Dez Mona D: Jeanne Moreau, Laine Mägi, Patrick Pineau, François Beukelaers, Fred Epaud 94 min OmU Jeanne Moreau als Frida, eine herrische alte Dame, die an Depressionen leidet und eine Haushaltshilfe aus Estland einstellt. Trotz anfänglicher Feindseligkeit entwickelt sich allmählich ein Mutter-Tochter-Verhältnis zwischen ihnen. Im Prinzip erwartet Frida nichts anderes mehr vom Leben als die Aufmerksamkeit von Stéphane, ihrem ehemaligen jüngeren Geliebten, der sich zwar um ihr Wohlergehen kümmert, aber möglichst wenig mit ihr abgeben möchte.»jeanne Moreau ist hinreißend in ihrer Knarzigkeit, ihrem Charme, den sie mit dem Zucken eines Augenwinkels anbringen kann, umwerfend in ihrer Boshaftigkeit, hinter der eine Hilflosigkeit Fridas dem Alter gegenüber aufscheint, aber eben nur dies: aufscheint, wie ein Prospekt, vor dem das alles spielt. Denn darum geht es natürlich vor allem: ums Altwerden. Jeanne Moreau zeigt uns, wie das gehen kann.«(verena Lueken) Samstag, 23. Februar 2019, Uhr Dienstag, 26. Februar 2019, Uhr O Gebo e a sombra (Gebo und der Schatten) Portugal 2012 R: Manoel de Oliveira B: Raul Brandão, Manoel de Oliveira, nach dem Bühnenstück von Raul Brandão K: Renato Berta D: Michael Lonsdale, Claudia Cardinale, Leonor Silveira, Ricardo Trêpa, Jeanne Moreau 95 min frz. OmeU Der Film reflektiert die neureiche Gesellschaft Portugals der Ersten Republik ( ). Der betagte Buchhalter Gebo kommt mit seiner Familie gerade über die Runden. Der jahrelang verlorene Sohn, der unverhofft nach Hause zurückkehrt, versucht auf seine Art, der Armut seiner Eltern zu entkommen. Manoel de Oliveira drehte seinen letzten Spielfilm im biblischen Alter von 103 Jahren als ein Kammerspiel über das Warten, die Zeit und den Raum, das durchaus Bezüge zur gegenwärtigen ökonomischen Krise Portugals beabsichtigt. Renato Bertas Lichtsetzung in dem von Öllampen und Kerzen erleuchteten Innenraum erinnert an die Gemälde alter Meister. Jeanne Moreau spielt eindrucksvoll die verbitterte Nachbarin, die regelmäßig auf einen Kaffee vorbeikommt.»gebo UND DER SCHATTEN vermittelt das konkrete, einfache, unmittelbare Vergnügen, großartige Schauspieler am Abend und auf dem Höhepunkt ihrer Kunst zu erleben.«(serge Kaganski) Sonntag, 24. Februar 2019, Uhr Jeanne Moreau 61

64 Zuschauerkino Zuschauerkino: Kurzfilmabend des MFZ 62 Beim Kurzfilmabend des Münchner Filmzentrums e.v. (MFZ) können Amateure, Enthusiasten und Profis zweimal im Jahr ihre Filme auf der Leinwand des Filmmuseums einem interessierten Publikum präsentieren und sich mit anderen Filmschaffenden vernetzen. Vor jedem Film erzählen Beteiligte von Hintergründen, Entstehungsgeschichte oder Besonderheiten ihres Films. Im Anschluss an die Vorführung bietet das MFZ eine Begegnungsmöglichkeit, damit alle Anwesenden miteinander ins Gespräch kommen und sich austauschen können (für Erfrischungen ist gesorgt). Filme einreichen können alle, die einen Kurzfilm gedreht haben, unabhängig von Inhalt oder Format des Films, ob Spielfilm oder Dokumentation, Real-, Kunst oder Animationsfilm. Das MFZ wählt unter den Filmen aus und stellt ein etwa anderthalbstündiges Programm zusammen. Zugelassen sind Filme bis zu 12 Minuten Länge. Für Pressetexte und den Aushang im Filmmuseum können Screenshots als jpg-dateien mit eingereicht werden. Die Einreichungen müssen bis Donnerstag, den 22. November 2018, im Filmmuseum vorliegen (keine Sichtungsdateien, Vorabversionen oder Streaming-Links). Möglich sind die Vorführ-Formate 35mm, 16mm, DigiBeta, BetaSP, Videofiles, DVD-Video, Blu-ray und DCP. Alle, deren Filme im Programm gezeigt werden, können an der Kasse bis zu fünf Freikarten für den Zuschauerkino-Filmabend erhalten. Darüber hinaus bestehen keine weiteren Verpflichtungen des Filmmuseums. Es wird vorausgesetzt, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen über die Rechte an ihren Filmen verfügen und diese am Abend vor der Projektion kurz vorstellen. Kontakt: Filmmuseum München, St.-Jakobs-Platz 1, München, Telefon: 089/ Donnerstag, 6. Dezember 2018, Uhr Die Filmemacher und Filmemacherinnen sind anwesend.

65 100 Jahre Emelka M. L. K. Vor 100 Jahren, am 1. Januar 1919, wurde die Münchner Lichtspielkunst AG gegründet, die Emelka. Heute wissen nur noch Eingeweihte, was es mit dem Namen auf sich hat: Er ist das aus den Anfangsbuchstaben des Namens gebildete Akronym MLK Emelka. Die Emelka war nach der in Berlin ansässigen Ufa der zweitgrößte Filmkonzern in Deutschland. Doch anders als die Ufa, die im»dritten Reich«als Staatskonzern dem Propagandaministerium unterstellt war und trotzdem bis in die Gegenwart munter weiterproduziert, verschwand die Emelka nahezu zeitgleich im Moment der nationalsozialistischen Machtergreifung. Ihre Geschichte ist bis heute kaum aufgearbeitet worden. Treibende Kraft hinter der Emelka war Peter Ostermayr ( ), der als gelernter Fotograf ab 1907 mit dem Kino in Berührung kam und zusammen mit seinem Bruder Franz ( ), der sich später Osten nannte, 1909 die Münchner Kunstfilm Peter Ostermayr eröffnete. Ostermayr hatte 1910 den ersten Spielfilm Münchens DIE WAHRHEIT gedreht und seine Filmproduktion kontinuierlich ausgebaut. Seine am 24. April 1918 ins Leben gerufene Münchner Lichtspiel GmbH wurde mit Kapital der bayerischen Handelsbank in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Stammkapital: 2 Millionen Mark) und sollte als bayerisches Gegengewicht zur im Krieg von den Militärs und der Deutschen Bank in Berlin gegründeten Universum Film AG (Ufa) dienen. Ziel war die Errichtung eines zweiten vertikalen Filmkonzerns, der die Produktion, den Verleih, das Abspiel und den Vertrieb von Filmen bündelte. Der Emelka schlossen sich bald andere Filmproduktionsfirmen an, Louis Seels Moeve Film, die Richard Eichberg GmbH, Robert Reinerts Monumental Filmwerke GmbH, Erich Wagowskis Filmhaus Bavaria GmbH und zeitweise die Harry Piel Film GmbH. Als Verleih der Emelka fungierte die Bayerische Filmgesellschaft Fett & Wiesel, für technische Arbeiten gab es die Süddeutsches Filmkopierwerk Geyer GmbH wurde die Emelka-Kulturfilm GmbH (Eku) ins Leben gerufen, 1925 die Emelka-Wochenschau, die ihren Sitz in Berlin hatte. Ausgehend von den beiden Münchner Kinos Kammerlichtspiele und Lichtschauspielhaus, die Wilhelm Kraus einbrachte, baute man einen Theaterpark auf, der 1926 insgesamt 39 Theater mit rund Sitzplätzen in verschiedenen deutschen Städten umfasste, darunter Erstaufführungstheater in Berlin, München, Leipzig und Stuttgart. Die Zentrale der Emelka hatte ab 1921 ihren Sitz im ehemaligen Hotel Reichshof in der Sonnenstraße 15, das zum Emelka-Haus umgebaut wurde, in dem sich auch der Wirtschaftsverband Bayerischer Filmfabrikanten, der Verein Deutsche Filmschule e.v. und die Münchner Filmprüfstelle ansiedelten, allesamt Organisationen, in denen Peter Ostermayr aktiv war oder deren Gründung er gar initiiert hatte. Als Produktionschef der Emelka war Ostermayr für zwei wegweisende Coups verantwortlich: 1919 gelang es ihm, bei einer Begegnung mit Ludwig Ganghofer die Filmrechte an dessen populären Heimatromanen zu sichern, die im süddeutschen Raum und angrenzenden Ländern sichere Erfolge garantierten. Ebenfalls 1919 wählte Ostermayr in Geiselgasteig ein weitläufiges Freigelände aus für die Errichtung aufwändiger Filmbauten und eines eigenen Glasstudios. Hier fanden 1920 die Aufnahmen für die ersten Ganghofer-Filme DER OCHSENKRIEG und DER KLOSTERJÄGER statt. Neben solcher auf den Massengeschmack augerichtete Durchschnittsware entstanden auch aufwändige Historienfilme, die aufgrund der Inflation kostengünstig produziert und ins Ausland verkauft werden konnten wie DER FAVORIT DER KÖNI- GIN von Franz Seitz oder MONNA VANNA von Richard Eichberg. Sichere Geschäfte versprachen Serien wie die Sensationsfilme mit Harry Piel, die Detektivfilme mit Ernst Reicher als Stuart Webbs und die Filme mit dem von Joe Stöckel gespielten Kraftmenschen Marcco. In der Berliner Börsen-Zeitung jubelte Oscar Gellner:»Es hat eine Zeit gegeben, da man in Berlin mitleidig lächelte und vielsagend die Achseln zuckte, so man auf die Münchner Filmerei zu sprechen kam. Heute sieht die Sache anders aus, heute kann sich München rühmen, eine erste, tonangebende Stelle in der deutschen Filmerei einzunehmen.«100 Jahre Emelka 63

66 100 Jahre Emelka 64»Die kreativste und produktivste Firma im Emelka-Konzern war Erich Wagowskis Bavaria-Filmhaus. Dieses Unternehmen betrieb eine Produktions- und Unternehmenspolitik, wie sie bei keiner anderen Münchner Filmfirma zu finden war. Der jüdische Produzent förderte nicht nur mit gutem Gespür junge Talente wie die Regisseure Manfred Noa und Géza von Bolváry, sondern riskierte auch bei der Realisierung seiner ehrgeizigen Projekte nicht selten den Fortbestand seiner Firma.«So Petra Pütz in ihrem 1996 erschienenen Buch»Waterloo in Geiselgasteig«, der bis heute einzigen filmwissenschaftlichen Publikation über die Emelka. Erich Wagowski ( ), Sohn eines Zigarettenfabrikanten in Ulm, kam 1918 nach München und gründete 1919 die Filmhaus Bavaria GmbH. Zu seinen wichtigsten Produktionen zählen DER HEILIGE HASS (1921), NATHAN DER WEISE (1922) und HELENA. DER UNTERGANG TROJAS (1924), die alle unter der Regie von Manfred Noa ( ) entstanden, den Wagowski aus Berlin nach München holte.»wagowski war der Mann, der über den Bereich der Münchener Frauentürme hinausblickte und namentlich nie die technische und künstlerische Fühlung mit Berlin verlor. Die kleinlichen Münchener Verhältnisse bekam er oft genug zu fühlen.«(süddeutsche Filmzeitung) Wagowski und Noa waren vor allem mit unverhohlenem Antisemitismus konfrontiert, der ihnen bei der Produktion von NATHAN DER WEISE offen entgegenschlug. In einer Denkschrift für das Handelsministerium der bayerischen Staatsregierung wird bedauert, dass die Emelka»unter Benützung des heimatlichen Hintergrundes«nicht genügend»wertvolle gediegene bodenständige Filme«herstelle, und der»jüdische polnische Staatsangehörige Erich Wagowski«wird explizit genannt, der»die grausigen Titel«und die»geschmacklose Reklame«zu verantworten habe und im Wirtschaftsverband Bayerischer Filmfabrikanten als»hemmendes Element«bei der»durchsetzung von Tariffragen«aufgefallen sei. Noa schaffte 1924 den Absprung nach Berlin, Wagowski blieb in München. Seine Firma musste am 26. Februar 1925 Konkurs anmelden, weil der in der Inflationszeit entstandene Großfilm HELENA nach der Währungsreform nur noch schwer ins Ausland exportiert werden konnte. Peter Ostermayr verließ den Emelka-Konzern gegen Ende 1922, offenbar wegen heftiger Differenzen mit Justizrat Dr. Wilhelm Rosenthal und Direktor Wilhelm Kraus, die die Emelka von der bayerischen Landespolitik unabhängig machen wollten. Ostermayr nannte sie später»filmjuden«und schreibt in seinen unveröffentlichten Lebenserinnerungen:»Die zurückgebliebenen Herren sonnten sich noch etliche Jahre in diesem Unternehmen. Es war ihnen alles wichtiger als die Produktion. Sie schoben und verschoben Aktien und schließlich die ganze Firma.«In Wahrheit verdoppelte sich die Jahresproduktion der Emelka von sieben Filmen im Jahr 1923 auf 16 Filme im Jahre 1925 und 14 im Jahr Ab Mitte der 1920er Jahre suchte die Emelka internationale Kooperationen: Ein Produktionsabkommen mit der englischen Firma W. & F. Film Service Ltd. in London führte dazu, dass im Emelka-Studio in Geiselgasteig drei Filme mit internationaler Besetzung hergestellt wurden, darunter die beiden von Alfred Hitchcock inszenierten Filme THE PLEASURE GARDEN und THE MOUNTAIN EAGLE schickte sie Ostermayrs Bruder Franz Osten zusammen mit dem filmbegeisterten, in London als Rechtsanwalt tätigen Himansu Rai und großem Technik-Equipment nach Indien, um dort in Kooperation mit der Great Eastern Film Corporation DIE LEUCHTE ASIENS über den Religionsstifter Siddhartha Gautama Buddha zu drehen. Die weiteren Spielfilme, die Franz Osten in Indien drehte, wurden dann nicht mehr von der Emelka, sondern der finanzstärkeren Ufa koproduziert finanzierte die Emelka eine Expedition von August Brückner in den Senegal, bei der der»erste Neger-Spielfilm«SAMBA, DER HELD DES Das Studiogelände in Geiselgasteig

67 URWALDS entstand. In die Dreharbeiten begleitenden Artikeln in deutschen Filmmagazinen treten die Haltungen der Filmemacher unverblümt zu Tage: Franz Osten berichtet, wie in der brütenden Hitze von Jaipur (»Der Reihe nach bekamen wir Hitzeschläge.«) die lokale Stadtpolizei mit Knüppeln»die mehrtausendköpfige renitente Menge aus ihren Schattenverstecken«für die Massenszenen vor die Kamera in die Sonne treiben ließ. August Brückner rühmte sich, wie er»den Widerstand der Neger«gegen Filmaufnahmen brach, was»vieler kostbarer Geschenke und Versprechungen«bedurfte sonnte sich die Emelka in ihrem Erfolg und bereitete ihr zehnjähriges Jubiläum mit der Produktion eines teuren historischen Großfilms vor. Man wählte die Ereignisse um die Schlacht von Waterloo als Thema und versuchte mit einer britischen Firma einen Koproduktionsvertag abzuschließen, der jedoch nicht zustande kam. Das Drehbuch wurde mehrfach überarbeitet, um»den mit Millionen-Aufwand herzustellenden Prestige-Film weltmarktfähig zu machen.«insbesondere mussten die Figuren Wellington, Blücher und Napoleon von den Autoren»zur Geltung und darüber hinaus wohl auch zu einer gewissen Versöhnung gebracht werden«, wozu ein»meisterstück von Diplomatie und Völkerpsychologie«nötig sei, damit der Film auch nach Frankreich und England verkäuflich würde, vermeldete die aus der Süddeutschen Filmzeitung hervorgegangene Deutsche Filmzeitung. Für tragende Rollen sicherte man sich die Mitwirkung französischer und englischer Schauspieler, und als Regisseur gewann man Karl Grune, der sich bei der Emelka schon mit dem Historienfilm MARQUIS D'EON, DER SPION DER POMPADOUR eingeführt hatte und im Münchner Hotel»Vier Jahreszeiten«während der Vorbereitungen und der Dreharbeiten Wohnung nahm. Er galt als»künstlerischer Regisseur«und prophezeite in der Fachpresse einen»starken Aufschwung des Münchener Films«. Doch WATERLOO, der pünktlich zum Emelka-Jubiläum am 9. Januar 1929 uraufgeführt wurde, erwies sich trotz allen Aufwands und künstlerischer Anleihen an Abel Gances NAPOLE- ON mit Aufnahmen im Splitscreen-Verfahren als Flop. Die Emelka hatte im Gegensatz zur konkurrierenden Ufa die Entwicklung des Tonfilms völlig unterschätzt. Statt in die neue Technik zu investieren und erste Erfahrungen zu sammeln, produzierte man in bisheriger Form weiter in der Annahme, dass»der Tonfilm den stummen Film keineswegs völlig verdrängen wird«, wie es im Geschäftsbericht von 1929 hieß. Dieser wies für das erste Halbjahr erstmals einen deutlichen Verlust in Höhe von einer Million Reichsmark auf. Dazu trug auch ein starker Hagelschauer bei, der im Juni 1928 das Glashaus-Atelier beschädigte. Immerhin wurden bei der Behebung des Schadens die Wände hochgemauert und es entstand endlich ein modernes Dunkelatelier mit Kunstlicht. Für die weitere Entwicklung verhängnisvoll erwies sich auch die 1928 für vier Millionen Reichsmark erfolgte Übernahme der in Konkurs gegangenen Firma Phoebus-Film, die zahlreiche Kinos in verschiedenen deutschen Städten besaß, mit denen die Emelka die Abspielbasis ihrer Filme zu vergrößern suchte. Die anstehende Umrüstung der Kinos auf Tonfilm verlangte Investitionen, die die Emelka nicht stemmen konnte. Zudem handelte sie sich mit der Übernahme der Phoebus eine direkte Einflussnahme der Berliner Reichsregierung ein, die im Zuge der Übernahme eine Aktienoption erhielt. Die mit der Zentrumspartei eine Koalition bildenden Sozialdemokraten zeigten sich insbesondere an der politisch relativ ausgewogen berichtenden Wochenschau der Emelka interessiert, die sie als ein wichtiges Instrument der öffentlichen Gegeninformation zur deutschnationalen und republikfeindlichen Propaganda von Hugenbergs Medienkonglomerat sahen, zu dem ab 1927 auch die Ufa gehörte. Doch die finanzielle Beteiligung der Reichsregierung an der Emelka wurde von allen Seiten kritisch gesehen. Die den Kommunisten nahestehende Zeitschrift Film und Volk wetterte:»das Deutsche Reich hat kein Geld für Arbeitslose, aber in die Emelka werden Millionen hineingesteckt. Die Koalitionsregierung will mit dem Geld der Werktätigen ein Propaganda-Institut für Young-Plan und Antisowjethetze unterhalten.«die dem Hugenberg-Konzern zugehörige Zeitschrift Der Kinematograph warnte:»wir wissen aus Kreisen, die dem Reich nahestehen, dass Alfred Hitchcock und Alma Reville bei der Emelka 100 Jahre Emelka 65

68 100 Jahre Emelka 66 zuguterletzt noch ein nicht gerade günstiger Vertrag mit der Tobis abgeschlossen worden ist, der erhebliche direkte und indirekte Belastungen zur Folge hat. Gering gerechnet, wird das Reich im Laufe des nächsten Jahres einschließlich des Kaufpreises zehn bis fünfzehn Millionen bereitstellen müssen, wenn es nur einigermaßen die Münchener Betriebe in Gang bringen will.«als die Koalitionsregierung aus SPD und Zentrum 1930 zerbrach, veräußerte das Reich seine Aktienoptionen an Kommerzienrat Wilhelm Kraus, der mit Geld aus Frankreich den Einstieg einer amerikanischen Firma in die Emelka verhinderte. Tatsächlich war die Emelka in einer Abhängigkeit mit dem immer mächtiger werdenden Tonbildsyndikat Tobis geraten, von dem man Tonfilmapparaturen mietete. Die Tobis, die eigene Studiokapazitäten in Berlin unterhielt, hatte großes Interesse daran, die Produktion in München kleinzuhalten. Die Schulden wuchsen, im März 1931 wurden die Ateliers in Geiselgasteig zeitweise stillgelegt und alle 77 Angestellten und Arbeiter entlassen. Gewinn erwirtschaftete nur der Verleih der Emelka, die Bayerische Filmgesellschaft. Der Nachfrage nach Tonfilmen konnte sie nur durch die Auslagerung von Produktionen nach Berlin begegnen. Zu den dort entstandenen und von ihr verliehenen Filmen gehörten zwei der erfolgreichsten Produktionen der Saison: der Richard-Tauber-Film DAS LOCKENDE ZIEL sowie die musikalische Komödie DIE PRIVATSE- KRETÄRIN mit Renate Müller, die in den 1950er Jahren erfolgreich wiederverfilmt wurde. Die Wochenschau der Emelka war schon im September 1930 erfolgreich zur EMELKA-TONWOCHE geworden. Ende 1931 wurde mit Max Schach als Generaldirektor und Karl Grune als Produktionschef ein Neuanfang unternommen. Der Ankauf von zwei modernen Klangfilmapparaturen und einer neuen Kopieranstalt wurde von der Stadt München unterstützt. Die im November 1931 gegründete Reichsliga-Film GmbH versuchte, in Geiselgasteig neuartige Tonfilme herzustellen, u.a. mit dem vom Varieté in München bekannten Karl Valentin. Mit neu gedrehten Szenen wurde einer der erfolgreichsten Stummfilme der Emelka, UNSERE EMDEN, zum Tonfilm KREUZER EMDEN umgearbeitet. Doch die Wirtschaftskrise, die die Kinoeinnahmen deutlich sinken ließ, führte zu einer immer höheren Verschuldung der Emelka. Vergeblich bemühte sich der Oberbürgermeister der Stadt München, Karl Scharnagl, im Sommer 1932 um die Rettung des Konzerns, da dessen Produktionstätigkeit»zweifellos den Arbeitskräften und besonders den künstlerischen Kräften in München sehr zugute kommen«würde. Im Herbst 1932 musste die Emelka endgültig Konkurs anmelden. Petra Pütz fasst die Entwicklung der Emelka zusammen:»obwohl sie ab Mitte der zwanziger Jahre alle Anstrengungen unternahm, sich von der restriktiven bayerischen Filmpolitik zu emanzipieren und neue Wege einzuschlagen, endete der filmunternehmerische Höhenflug schließlich in Millionenverlusten und einer bayerischen Auffanggesellschaft, die genau jene Kontinuitäten repräsentierte, von denen man sich hatte lösen wollen.«die Bavaria Film A.G., die vom früheren Emelka-Direktor Wilhelm Kraus geführte Auffanggesellschaft, führte sich 1933 ohne politischen Druck bei den neuen politischen Machtinhabern mit dem ersten nationalsozialistischen Propagandafilm SA-MANN BRAND ein, den der zurückgekehrte Emelka-Veteran Franz Seitz inszenierte. Die Deutsche Filmzeitung, die vier Monate später das»offizielle Organ der Hauptabteilung Film der Reichspropagandaleitung der NSdAP«werden sollte, jubelte in ihrer Ausgaben vom :»Dass die Münchener Filmindustrie zuerst und mit jener Ehrfurcht dieses Thema aufgegriffen hat, wie das den Symbolen der großen Bewegung zukommt, ist ein Beweis dafür, dass das Schwergewicht der Münchener Filmindustrie, die Nachfolge der Emelka, bei Kommerzienrat Kraus und seine Männer in rechten Händen ist.«die schlichte Machart des Films führte allerdings dazu, dass Joseph Jugend 38/1932

69 Goebbels ihn als»nationalen Kitsch«abkanzelte geriet dann auch die Bavaria Film A.G. in finanzielle Schwierigkeiten und wurde bald danach in den staatseigenen Monopolkonzern Ufa-Film eingegliedert. Die meisten Emelka-Produktionen gelten heute als verloren, nur ganz wenige Titel wurden bisher restauriert. Nicht einmal eine vollständige Filmografie liegt vor, geschweige denn eine angemessene filmhistorische Würdigung. Die Retrospektive versucht erstmals in größerem Umfang, die künstlerisch relevanten erhaltenen Filme der Emelka vorzustellen in der Hoffnung, dass in Zukunft noch weitere Werke wiederentdeckt und restauriert werden. Stefan Drößler Nerven Deutschland 1919 R+B: Robert Reinert K: Helmar Lerski D: Eduard von Winterstein, Lya Borée, Erna Morena, Paul Bender, Lili Dominici, Rio Ellbon 110 min viragiert In seinem 1919 in München gedrehten»monumental-film«nerven versucht Robert Reinert»den Zündstoff, den Krieg und Not im Menschen erzeugt«haben, als»nervöse Epidemie«zu beschreiben,»die die Menschen befallen hat und zu allerhand Taten und Schuld treibt«. Geschildert werden die Schicksale verschiedener Personen aus unterschiedlichen sozialen Schichten: Im Mittelpunkt stehen der Fabrikbesitzer Roloff, dessen Glauben an den technischen Fortschritt zerbricht, der Lehrer Johannes, der in Volksversammlungen soziale Reformen fordert, und die sich zur Revolutionärin wandelnde Marja, die zum bewaffneten Kampf gegen die Herrschenden aufruft. Robert Reinerts von der Zensur verstümmelter Filmklassiker, der Elemente des expressionistischen Stummfilms der 1920er Jahre vorwegnimmt, wurde während der Auseinandersetzungen um die Münchner Räterepublik an Originalschauplätzen in München gedreht. Donnerstag, 13. Dezember 2018, Uhr Live-Musik: Joachim Bärenz Einführung: Martin Geyer Dienstag, 15. Januar 2019, Uhr Soundtrack Opium Deutschland 1919 R+B: Robert Reinert K: Helmar Lerski D: Eduard von Winterstein, Sybill Morell, Hanna Ralph, Werner Krauß, Conrad Veidt, Friedrich Kühne 93 min viragiert»reinerts Monumentalfilm OPIUM ist eine der überraschendsten Neuentdeckungen, weil einer der stilprägendsten Abenteuerfilme der Moderne. Zwar ist die Erzählung über einen englischen Arzt, welcher die Wirkung von Opiaten in den Sündenstätten Chinas untersucht, sich in eine Einheimische verliebt und damit den Hass der Chinesen auf sich zieht, relativ einförmig. Aber die opulente Ausstattung des Films, die Gestaltung traumhafter Bildwelten und die Tendenz zur klischeehaften Überhöhung des asiatischen Kontinents ermöglichen eine Vielzahl postkolonialistischer Interpretationen. Besonders die Besetzung der chinesischen Rollen mit deutschen Schauspielern und der Fokus auf stereotypische Merkmale östlicher Lebensweisen verdeutlichen das deutsche Sendungsbewusstsein.«(Kevin Haschke) Dienstag, 8. Januar 2019, Uhr Live-Musik: Richard Siedhoff Einführung über die Rekonstruktion des Films: Stefan Drößler Das Schloß am Abhang Deutschland 1919 R: Max Obal D: Ernst Reicher, Siegfried von Redwitz, Alice Rohde 37 min Stuart Webbs war ein Gentleman-Detektiv nach dem Vorbild von Sherlock Holmes, der smart und elegant auch schwierigste Fälle löste. Während des gesamten Ersten Weltkrieges war diese Kunstfigur beim deutschen Kinopublikum beliebt. In DAS SCHLOSS AM ABHANG, der im Isartal bei Grünwald gedreht wurde, bringt er eine berüchtigte Erpresserbande, die Brüder von Parasitus, zur Strecke. Der Schattenspieler Deutschland 1919 R: Ludwig Beck B: Karl Graf Scapinelli, nach dem Stück von Karl Hans Strobl D: Fritz Greiner, Hilde Wall, Carmen Maráh, Konrad Geijar, Camillo Triembacher 61 min Ein mysteriöser Fremder verspricht einem schwerkranken Lebemann, den die Ärzte bereits aufgegeben haben, rasche Genesung, wenn er von einem reinen, unberührten Wesen gepflegt wird. Nachdem er tatsächlich gesundet, heiratet der Lebemann seine Pflegerin und bricht damit sein Versprechen, sie unberührt zu lassen. In der Maske eines Schattenspielers taucht der Fremde eines Tages wieder auf. Mittwoch, 9. Januar 2019, Uhr Live-Musik: Richard Siedhoff Der Klosterjäger Deutschland 1920 R: Peter Ostermayr B: Hermanna Barkhausen, nach dem Roman von Ludwig Ganghofer K: Franz Planer D: Viktor Gehring, Fritz Greiner, Thea Steinbrecher, Toni Wittels, Carl Dalmonico, Ferdinand Martini 63 min viragiert»die Geschichte eines totgeglaubten Grafenkindes, welches von seinem Vater, den der Schmerz um seine Familie ins Kloster getrieben, nach Jahren als die Ziehtochter eines zum Totschläger gewordenen Mannes aus dem Volke auffindet. Peter Ostermayr hat es verstanden, durch geschicktes Auswählen von herrlichen Naturszenarien die Handlung tatkräftigst zu unterstützen.«(neue Kino-Rundschau) Die Gefahren der Großstadt-Straße Deutschland 1924 R: Toni Attenberger 75 min»dieser unter Mitwirkung von Münchner Po- 100 Jahre Emelka 67

70 100 Jahre Emelka 68 lizeibeamten hergestellte Film, dessen Aufnahmen im Stadtinnern, besonders am Marienplatz, die Sensation des Publikums bildete, will zunächst nur belehren und warnen, aber er unterhält zugleich, ja er fesselt auch, namentlich im zweiten, von den Verbrechen der Straße handelnden Teil.«(Süddeutsche Filmzeitung) Freitag, 11. Januar 2019, Uhr Live-Musik: Richard Siedhoff Münchner Filmbilderbogen Deutschland 1920 R+B: Louis Seel K: Karl Fischer D: Olivette Thomas 6 min viragiert Der erste Film einer Serie, die mit erotischen Anspielungen und frivolen Anzüglichkeiten verschiedene Tricktechniken miteinander kombiniert. Der Favorit der Königin Deutschland 1922 R: Franz Seitz B: Alfred Schirokauer, Franz Seitz, nach dem Stück»Das zweite Leben«von Georg Hirschfeld K: Karl Attenberger, Franz Planer D: Hanna Ralph, Alf Blütecher, Wilhelm Kaiser-Heyl, Erich Kaiser-Titz, Ferdinand Martini, Curt Goetz, Max Schreck 109 min viragiert Im London um 1590 kämpft ein Arzt gegen eine tödliche Seuche.»Das Leben am Hofe der Königin Elisabeth von England mit all seinen Leidenschaften, Liebeleien und Intrigen bildet den geschichtlichen Hintergrund zu einem filmdramatisch geschickt abgehandelten Problem dem Kampf der ärztlichen Wissenschaft gegen Geistlichkeit und Krone. Das Erfreulichste: Die Handlung ist so stark, dass man sich auf ein Mindestmaß von Massenszenen beschränken kann, die nur hin und wieder zur Illustrierung von Volksstimmungen eingesetzt sind.«(b.z. am Mittag) Samstag, 12. Januar 2019, Uhr Live-Musik: Richard Siedhoff Nathan der Weise Deutschland 1922 R: Manfred Noa B: Hans Kyser, nach dem Stück von Gotthold Ephraim Lessing K: Hans Karl Gottschalk, Gustave Preiß, Georg Schubert D: Werner Krauß, Carl de Vogt, Fritz Greiner, Lia Eibenschütz, Ferdinand Martini, Max Schreck, Margarete Kupfer 125 min viragiert Ephraim Lessings pazifistisches Drama spielt im Jerusalem des 12. Jahrhunderts zur Zeit der Kreuzzüge, als Christentum, Judentum und Islam unmittelbar aufeinandertrafen. Der bildgewaltige Ausstattungsfilm mit Werner Krauß in der Titelrolle wurde auf dem Gelände des Filmhauses Bavaria in der Ungererstraße und am Isar-Ufer gedreht, musste sich aber schon während seiner Produktion im Jahre 1922 heftiger antisemitischer Attacken vonseiten der Nationalsozialisten erwehren. Sie versuchten, das Negativ zu zerstören, und verhinderten bis 1930 jede Aufführung des Films in München. NATHAN wurde in alle Welt exportiert und von der Kritik hochgelobt:»die Emelka hat mit diesem Film ein Meisterwerk allerersten Ranges herausgebracht, das die investierten Millionen mehrfach wieder einbringt.«(berliner Börsen-Zeitung) Sonntag, 13. Januar 2019, Uhr Live-Musik: Sabrina Zimmermann, Mark Pogolski Dienstag, 22. Januar 2019, Uhr Soundtrack Münchner Filmbilderbogen Nr. 9 Deutschland 1922 R+B: Louis Seel K: Karl Fischer D: Olivette Thomas 5 min Wüstenrausch Deutschland 1923 R: Géza von Bolváry B: Bruno Dube K: Hans Karl Gottschalk, Franz Bertl Seyr D: Hermann Vallentin, Helene von Mattyasovszky, Alfred Graening, Gustav von Vandory, Fritz Greiner, Ellen Kürty 92 min Die Geschichte des Films dreht sich um eine Ingenieurstochter, deren Vater mit dem Bau einer Eisenbahntrasse durch die Sahara beauftragt wurde und die dank ihrer Anmut den Sohn eines Scheichs und Rädelsführer der Aufständischen von seinen finsteren Plänen abzubringen kann.»die landschaftlichen Szenen, das ganze Wüstenmilieu und die Volks-Massenbilder des Films sind überwältigend. Die dahinstürmende Handlung und ihre erschütternde Wiedergabe durch vollendete Darstellungskunst reißen mit.«(prager Tagblatt) Die Wüstenszenen wurden am Strand der Nordseeinsel Norderney aufgenommen. Freitag, 25. Januar 2019, Uhr Live-Musik: Günter A. Buchwald Helena. Der Untergang Trojas Deutschland 1924 R: Manfred Noa B: Hans Kyser, nach der Ilias von Homer K: Gustave Preiß, Ewald Daub D: Edy Darclea, Wladimir Gaidarow, Hanna Ralph, Carlo Aldini, Albert Bassermann, Carl de Vogt, Albert Steinrück, Adele Sandrock 219 min viragiert In München und am Wörthsee mit größtem Aufwand und internationaler Besetzung verfilmte Geschichte um die geraubte Helena,

71 die zu einem jahrelangen Kampf zwischen Griechen und Trojanern ausartet. Der in zwei Teilen gedrehte Film war die bis dahin mit Abstand teuerste Produktion der Emelka. Er lief in unterschiedlichsten Versionen und Bearbeitungen in vielen europäischen Ländern und erntete sogar in Amerika höchstes Lob:»It is a brilliant production in every way. As a spectacle carrying the imprint of truth and realism it would make D.W. Griffith sit up and consider his laurels, while the acting has never been bettered from the anonymous leads to the tiniest small part.«(variety) Das Filmmuseum München hat den vergessenen Klassiker über viele Jahre hinweg aus verschiedenen ausländischen Kopien rekonstruiert. Samstag, 26. Januar 2019, Uhr Live-Musik: Günter A. Buchwald Zwischen Mars und Erde Deutschland 1925 R+B: F. Möhl K: Gustav Weiss 9 min Aufwändig produzierter Werbefilm für die Deutsche Verkehrsausstellung 1925 in München. Die Leuchte Asiens Indien/ Deutschland 1925 R: Franz Osten B: Niranjan Pal K: Wilhelm Kiermeier, Josef Wirsching D: Sarade Ukil, Himansu Rai, Profulla Chandra, Seeta Devi, Rani Bala 98 min engl. OF DIE LEUCHTE ASIENS beginnt mit dokumentarischen Aufnahmen von Indiens Straßen, um sich dann in eine epische Filmerzählung über den Buddha Gautama zu verwandeln, der seine Familie und alle irdischen Besitztümer zurücklässt, um auf der Wanderschaft spirituelle Erleuchtung zu finden. Der Film entstand an Originalschauplätzen und mit einheimischen Akteuren, wobei allerdings in der Architektur, bei den Kostümen und in den Ritualen Stilepochen vermengt wurden. Das vermittelte Indienbild entsprach insofern nicht der Wirklichkeit, wurde von den europäischen Zuschauern aber für authentisch gehalten und machte den Film zu einem großen Erfolg. Dienstag, 29. Januar 2019, Uhr Soundtrack ohne Vorfilm Freitag, 1. Februar 2019, Uhr Live-Musik: Masako Ohta Die Bestie von San Silos Deutschland 1925 R: Joe Stöckel B: José Dalmar K: Karl Attenberger D: Joe Stöckel, Lili Dominici, Helene von Mattyasovszky, Jack Mylong-Münz, Manfred Kömpel, Claire Kronburger 13 min (Fragment) Joe Stöckel als Kraftmensch Marcco, der in der Wildnis die»bestie von San Silos«entlarvt, einen Mädchenhändler, der mit Hilfe eines abgerichteten Gorillas Mädchen für ein Bordell in Florida raubt. The Pleasure Garden (Irrgarten der Leidenschaft) Großbritannien/Deutschland 1925 R: Alfred Hitchcock B: Eliot Stannard, nach dem Roman von Oliver Sandys K: Gaetano di Ventimiglia D: Virginia Valli, Carmelita Geraghty, Miles Mander, John Stuart, Ferdinand Martini, Georg Heinrich Schnell, Karl Falkenberg 74 min engl. OF viragiert Alle Innenaufnahmen von Hitchcocks erster Regiearbeit, auch die berühmten Szenen im Theater, mit denen die Geschichte um zwei Revuetänzerinnen beginnt, entstanden in München im Studio der Emelka. In vielen Details dieses Melodrams sind inszenatorische Einfälle zu entdecken, die von Hitchcocks Gespür für das Visuelle zeugen. Samstag, 2. Februar 2019, Uhr Live-Musik: Günter A. Buchwald Dienstag, 5. Februar 2019, Uhr ohne Vorfilm Der Jäger von Fall Deutschland 1926 R+B: Franz Seitz, nach dem Roman von Ludwig Ganghofer K: Franz Koch D: Wilhelm Dieterle, Grete Reinwald, Fritz Kampers, Ferdinand Martini, Julius Stettner, Theodor Auzinger 70 min»franz Seitz hat soviel Glanz und Poesie über diesen Film gegossen, wie einstens Ludwig Ganghofer über das Lebenslied dieses keusch empfindenden Jägers von Fall gebreitet hat. Technisch steht dieser Heimatfilm ganz in der neuen Zeit, im Gefühl vollkommen in der trauten Vergangenheit. Er packt von der ersten bis zur letzten Szene.«(Münchner Zeitung) Samba, der Held des Urwalds Deutschland 1928 R+K: August Brückner B: Ludwig Hamburger D: Samba, Fatu, Sakulu 58 min»samba ist nicht nur der erste Spielfilm, der in einem Urwalddorf mit Negerdarstellern gedreht wurde, er ist auch die erste glückliche Lösung des alten Problems, die Vorzüge des Kulturfilms mit denen des Spielfilms zu vereinen. Die Darsteller spielen ihre Rollen mit der Natürlichkeit, mit der man nur spielt, wenn man sich selbst, sein eigenes wirkliches Dasein vor der Kamera zu erleben hat.«(arbeiter-zeitung) Sonntag, 3. Februar 2019, Uhr Live-Musik: Günter A. Buchwald 100 Jahre Emelka 69

72 100 Jahre Emelka 70 Emelka-Woche 30/1927 Deutschland min Berichte über den Leuchtturm in der Wesermündung, das Treffen der deutschen Schützenverbände in München, den 10. Deutschen Studententag in Würzburg, Flottenbesuch in Kiel und Unruhen in Wien. Sturmflut Deutschland 1927 R: Willy Reiber B: Hermanna Barkhausen K: Franz Koch D: Harry Hardt, Oskar Marion, Dorothea Wieck, Helen von Münchhofen, Philipp Manning, Karl Platen 81 min»der Film stellt zwei Liebespaare auf die Beine und garniert darum Seemannslos, Männerfeindschaft, Frauenhass, Vatertod, Dienertreue, Pfarrertrost. Und dann gibt es natürlich eine Seesensation, die Sturmflut. Windstärke 12. Orkan. Zerfetztes Schiff. Zwei Männer, die auf Tod und Leben ringen. Reiber peitscht eine Wellenrevolte auf, wie man sie packender im deutschen Film noch nicht sah. Gegenüber anderen ähnlichen Filmen merkt man den guten Willen, sich mehr als sonst beim Detail aufzuhalten, von der Schablone loszukommen, aber es bleibt bei den Ansätzen, die schleunigst ins niedliche Spiel mit Kätzchen, mit der Ziehharmonika und im Lockern der Tränen sich verflüchtigen.«(ernst Jäger) Freitag, 8. Februar 2019, Uhr Live-Musik: Joachim Bärenz Emelka-Woche 6/1928 Deutschland min Berichte über eine Indienexpedition, drahtlose Bildübertragung, das Faschingsfest in München und die Schwebebahn in Elberfeld. Waterloo Deutschland 1929 R: Karl Grune B: Max Ferner, Bobby E. Lüthge K: Fritz Arno Wagner, Josef Wirsching, Hugo von Kaweczynski D: Charles Willy Kayser, Charles Vanel, Otto Gebühr, Auguste Prasch, Fritz Ulmer, Humberston Wright, Carl de Vogt 122 min Ein»Jubiläums-Millionenfilm«zum zehnten Geburtstag der Emelka, der an Abel Gances NAPOLEON anknüpfen sollte. Der Film beschreibt Blüchers Triumph über Napoleon.»Eine Menge von Requisitenkammern müssen geplündert worden sein, um die vielen Soldaten zu bekleiden, die durch die Wälder und Auen um München in Schlachtordnung aufmarschieren. Das Talent Grunes ist sogar bei der Durcharbeitung dieses nichtigen Stoffes unverkennbar. Er hat immer neue Einfälle, um die Massen zu arrangieren, arbeitet oft ausgezeichnet mit Beleuchtungseffekten und versteht sich aufs Zeremonial.«(Siegfried Kracauer) Samstag, 9. Februar 2019, Uhr Live-Musik: Joachim Bärenz Emelka-Woche 37/1929 Deutschland min Berichte über die erste Haager Konferenz der Reparationsfrage, den Katholikentag in Freiburg, die amerikanische Herrenmode und die Landung des Luftschiffes»Graf Zeppelin«in Friedrichshafen. Ludwig der Zweite, König von Bayern Deutschland 1930 R: Wilhelm Dieterle B: Charlotte Hagenbuch, Wilhelm Dieterle K: Charles J. Stumar D: Wilhelm Dieterle, Rina Marsa, Theodor Loos, Gerhard Bienert, Trude von Molo 111 min»dieterle lieferte einen nüchternen, neu-sachlichen Report. Mythisches kam nur beiläufig vor, wenn der Starnberger See aus der Vogelperspektive als düsteres unheimliches Loch gezeigt oder wenn die Gestalt des Königs von Fackellichtern aus der Nachtschwärze herausmodelliert wurde. Ludwig II. wurde in Dieterles Film zu einem Verwandten der von ihrer Umwelt verkannten Jugendlichen, etwa aus der Revolte im Erziehungshaus. Die homoerotische Veranlagung des Königs deutete Dieterle an, wenn er ihn mit plastischen Nachbildungen nackter männlicher Körper hantieren ließ.«(ulrich Kurowski) Freitag, 15. Februar 2019, Uhr Live-Musik: Sabrina Zimmermann, Mark Pogolski Emelka-Tonwoche 92/1932 Deutschland min Berichte über die Ausbildung amerikanischer Piloten der Luftwaffe, amerikanische Flottenmanöver und eine Gasschutzübung auf dem Gelände der Technischen Hochschule Berlin. Das lockende Ziel Deutschland 1930 R: Max Reichmann B: Paul Hörbiger, Walter Forster K: Reimar Kuntze M: Paul Dessau D: Richard Tauber, Maria Elsner, Sophie Pagay, Lucie Englisch, Oskar Sima, Edith Karin, Julius Falkensten 74 min Der Bauernbursche Toni verlässt seine Heimat, ein Dorf in Kärnten, und macht in Berlin Karriere als Opernsänger.»Die Taube gurrt und Tauber singt, immerfort muss er in dem Film singen, ein himmelblaues Gegurre, eine ununterbrochene Schwelgerei in Martha-Arien, Volksmelodien und Liedern.«(Siegfried Kracauer) Samstag, 16. Februar 2019, Uhr

73 Das Wunder des gezeichneten Tons Deutschland 1932 R+B+D: Rudolf Pfenninger 14 min Rudolf Pfenninger erläutert seine Technik, die optische Tonspur des Films zu malen und damit synthetische Klänge herzustellen. Boykott Deutschland 1930 R: Robert Land B: Alfred Schirokauer, Robert Land, Eugen Kürschner, nach einer Novelle von Arnold Ulitz K: Franz Koch M: Alexander Laszlo, Franz Grothe D: Ernst Stahl-Nachbaur, Lil Dagover, Theodor Loos, Rolf von Goth, Erich Nürnberger, Wolfgang Zilzer, Karin Evans 73 min Mobbing unter Schülern. Erich Haller, Sohn eines inhaftierten Generaldirektors, wird von seinen Mitschülern boykottiert, denn konservative Werte und moralisches Empfinden werden an dem Berliner Elitegymnasium, das er besucht, großgeschrieben. Er bleibt aber nicht der einzige, dessen Vater in kriminelle Machenschaften verstrickt ist. Die Kritik lobte den»wirkungsvollen und dabei anständigen Film voll Tempo und voll Einfällen«und schrieb:»es tut ordentlich wohl, wenn der Film einmal ein Problem aufrollt und nicht an dem gestellten Kitsch der Nobelwelt picken bleibt.«dienstag, 12. Februar 2019, Uhr Freitag, 22. Februar 2019, Uhr Pitsch und Patsch Deutschland 1932 R+B+K: Rudolf Pfenninger M: Friedrich Jung 11 min Zeichentrickfilm über zwei kleine Fische, die in einer surrealen Unterwasserwelt alle Gefahren meistern. Rudolf Pfenninger, demonstriert zudem, wie er die Begleitmusik als Zackenschrift auf die Tonspur des Filmstreifens malt. Die Privatsekretärin Deutschland 1931 R: Wilhelm Thiele B: Franz Schulz, nach der Novelle von István Békeffy K: Otto Heller, Reimar Kuntze, Adolf Schlasy M: Ludwig Lajtai, Paul Abraham D: Renate Müller, Hermann Thimig, Felix Bressart, Ludwig Stössel, Gertrud Wolle 100 min»auf dem Bahnhof kommt das junge Mädel an; hat Courage in den Augen, will Berlin erobern als Tippse auf den leichten Bahnen der so gefällig stilisierenden Film-Operette. Dieser Operetten-Stil hat Lebenskraft, gibt dem Film durch seine tänzerische Beschwingtheit, durch die Lust am musikalischem Vivace und die Neigung zum Parodieren, zum Grotesk-Unernsten, zum schauspielernden Wirbel.«(Ernst Jäger) Die ungemein populäre Komödie war der größte Erfolg im Verleih der zur Emelka gehörenden Bayerischen Filmgesellschaft. Das Filmmuseum München hat den bisher nur fragmentarisch überlieferten Film um Teile einer 16mm-Kopie aus der Library of Congress ergänzt und zeigt erstmals die rekonstruierte vollständige Fassung. Dienstag, 19. Februar 2019, Uhr Samstag, 23. Februar 2019, Uhr Serenade Deutschland 1932 R+K: Ferdinand Diehl B: Hermann Diehl M: Friedrich Jung 7 min Puppentrickfilm. Kreuzer Emden Deutschland 1932 (1926) R: Louis Ralph B: Alfred Halm, Louis Ralph K: Franz Koch, Josef Wirschig, Ewald Daub, Werner Bohne, Arthur von Schwertführer M: Friedrich Jung D: Louis Ralph, Werner Fuetterer, Renée Stobrawa, Fritz Greiner, Hans Schlenk, Helmut Käutner, O.E. Hasse 97 min»kreuzer EMDEN ist vor mehreren Jahren als stummer Film gedreht worden (1926), der in Form einer rekonstruktiven Reportage die welthistorischen Fahrten des Kreuzers Emden bis zu seiner Versenkung vor Keeling Island wiedergab. Die fortgeschrittene Tonfilmtechnik ermöglicht es heute, zu Wasser und zu Lande, über der Erde und unter dem Meeresspiegel Tonaufnahmen zu machen. Deshalb sah man sich veranlasst, die stumme Fahrt der Emden tonfilmtechnisch etwas aufzufrischen, wobei man bewusst auf jede Ausschmückung, auf jede künstlerische Steigerung und Konstruktion dramatischer Ereignisse verzichtet hat. Man wollte den Helden unserer Emden ein filmisches Denkmal setzen.«(oskar Kalbus) Sonntag, 24. Februar 2019, Uhr Im Photoatelier Deutschland 1932 R: Karl Ritter B: Karl Valentin, nach seinem Bühnenstück K: Gustav Weiss M: Karl Bergner D: Karl Valentin, Liesl Karlstadt 28 min Im Dachatelier eines Fotografen, der verreist ist, versuchen der Geselle und sein Lehrling, die Kundschaft ins rechte Licht zu setzen. Ein Brautpaar entpuppt sich als fototechnische Herausforderung: Der Bräutigam ist ungefähr doppelt so groß wie die Braut. Die verkaufte Braut Deutschland 1932 R: Max Ophüls B: Curt Alexander, Max Ophüls, nach der Oper von Friedrich Smetana K: Reimar Kuntze, Franz Koch M: Theo Mackeben D: Jarmila Novotna, Paul Kemp, Otto Wernicke, Max Nadler, Karl Valentin, Liesl Karlstadt, Kurt Horwitz 77 min Ein Prestige-Projekt der Reichsliga-Film, für die in Geiselgasteig ein böhmisches Dorf aufgebaut wurde. Max Ophüls bearbeitete die Vorlage und veränderte Handlung, Text, Personal und Musik. Sein Ziel war»die Auflösung der Musik in rhythmische Filmbewegung. Photographie, Schnitt, Bewegungsregie, Dekorationsregie und Dialoge, alle ordnen sie sich einem rhythmischen Ablauf des Filmes unter.«dienstag, 26. Februar 2019, Uhr Mittwoch, 27. Februar 2019, Uhr 100 Jahre Emelka 71

74 Carte blanche à Klaus Volkmer Klaus Volkmer GENS DU LAC Jahre lang hat Klaus Volkmer im Filmmuseum gearbeitet und seine Geschicke begleitet, meist im Hintergrund, bei der Organisation des Programms, der Erstellung von Filmrekonstruktionen, der Herausgabe von Publikationen, der Pflege der Sammlungen und bei administrativen Aufgaben. Für viele Archivkollegen, Filmemacher, Filmhistoriker und Partner war er der erste und wichtigste Kontakt im Filmmuseum. Von seinem Schreibtisch aus, hinter Stapeln von Büchern, Zeitschriften, Akten und DVDs, hielt er Kontakt zur Außenwelt, während er sich bei den Veranstaltungen, die er minutiös vorbereitete, lieber im Hintergrund außerhalb des Scheinwerferlichts aufhielt. Klaus Volkmer geht zum Jahresende in den»ruhestand«. Wir hoffen, dass er dem Filmmuseum erhalten bleibt, sich auch weiterhin engagiert bei den»architekturfilmtagen«und dem»rumänischen Filmfestival«, die er initiiert und geprägt hat, sowie bei der Weiterführung der bisher von ihm betreuten Sammlungen zu den Werken von Vlado Kristl, Jean-Marie Straub & Danièle Huillet und Sohrab Shahid Saless, die ihm immer besonders am Herzen lagen. Danke für alles, Klaus! Stefan Drößler Gens du lac (Leute vom See) Schweiz 2018 R+B: Jean-Marie Straub, nach dem Roman von Janine Massard K: Renato Berta Mit Christophe Clavert, Giorgio Passerone 17 min OmU»Er war vom See, und, sicher seinetwegen, hatte nie den Eindruck gehabt, einen leeren Kopf zu haben. [ ] Er fühlte sich im Herzen eines Mysteriums, von dem er sich fragte, ob ein Leben ausreichte, es zu entziffern.«ein Mann erinnert sich an seine Jugend am Genfer See, am Nordufer, in Rolle, wo Jean-Marie Straub seit einigen Jahren lebt. Der Vater ist Fischer, er lehrt ihn auf die Geräusche und Strömungen des Sees zu achten. Es geht um Schmuggel und den antifaschistischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs, und wie danach ein neues politisches Leben, eine neue Linke sich bildet. Die Fischerei, Profession freier Männer...»Jean-Marie Straub zeichnet den Weg von Paulus nach so, wie er und Danièle Huillet jenem des Jean Bricard gefolgt waren, vor über zehn Jahren, im letzten Film, den sie zusammen machten. GENS DU LAC weicht nicht von der Regel ab, dass jeder Straubfilm von einer historischen Situation ausgeht, in der Menschen Widerstand leisteten. Die Leute vom See

75 auch wenn sie keine Grenze bewachen, so stehen sie doch an einer Front.«(Antoine Thirion)»Ein Film von großer Dringlichkeit. Wir haben ihn sehr nötig. Es steht uns nicht an, ihn zu beurteilen. Mit außergewöhnlicher ästhetischer und poetischer Strenge und Stringenz behandelt er das drängende humanitäre Thema der Einwanderung. Ein Film über einen historischen Zeitpunkt, an dem Menschen handelten an dem sie Verantwortung übernahmen, anstatt neutral zu bleiben oder sich vom politischen Diskurs lähmen zu lassen. Für seine Dringlichkeit und seine kinematografische Brillanz zollen wir diesem Film unsere äußerste Hochachtung.«(Jury des Festivals Cinéma du réel) The Band Wagon (Vorhang auf!) USA 1953 R: Vincente Minnelli B: Betty Comden, Adolph Green K: Harry Jackson M: Arthur Schwartz, Howard Dietz D: Fred Astaire, Cyd Charisse, Oscar Levant, Nanette Fabray, Jack Buchanan, James Mitchell, Robert Gist 112 min OF»Anything that happens in life, can happen in a show. You can make 'em laugh, you can make 'em cry, anything, anything can go. [ ] The world is a stage, the stage is a world of entertainment!der Bandwagon rollt, eine Broadway-Produktion wird zusammengebaut. Faust ist angesagt, ein Höllenspektakel. Man sieht: Showbusiness kann mühsam sein und nervig. Aber dann gibt es, jenseits der Geschichten und der Genres, Momente, für die das Kino und das Musical erfunden wurden. Das Girl Hunt Ballett mit seinen ekstatischen Zuckungen, das Fred Astaire mikehammerhart absolviert, mit gelben und roten Girlanden verführt von der Femme fatale Cyd Charisse. Das aufregendste Paar der Welt. Und nach der nervösen Nightclub- Ekstase dann eine unglaubliche Verwandlung denn das Kino stellt immer alles auf den Kopf: Dancing in the Dark. Die zwei verliebt im nächtlichen Central Park, die kugeligen Lampen leuchten sanft vor der Skyline von New York. Sie wirken abwesend und somnambul, und sind doch ganz bei sich. Sie fangen an sich beim Gehen zu wiegen, die Schritte greifen ineinander, ein Pas de deux beginnt, ein Hinundher zwischen Lust und Attraktion. Der Film fängt zu schweben an und bringt seine Zuschauer zum Schweben, es ist mehr als Tanz: eine Transparenz, die Transzendenz wird, es ist natürlich und artifiziell zugleich. Eine Szene, ein Film, ein Kino, das Verlangen sichtbar macht, und man wird nie wieder der selbe sein danach, der man einmal war.«(fritz Göttler) Donnerstag, 20. Dezember 2018, Uhr Klaus Volkmer 73 THE BAND WAGON

76 Stadtentwicklung im Film Stadtentwicklung 74 UNSERE STÄDTE NACH '45 Radio Bremen In Deutschland leben aktuell über 73 Prozent der Gesamtbevölkerung in Städten und Ballungszentren. Bis 2050 wird dieser Anteil noch anwachsen, insbesondere Großstädte wie München, Frankfurt/Main oder Leipzig verzeichnen anhaltend hohe Zuwächse. In Städten konzentrieren sich die gesellschaftlichen Entwicklungen sozial, wirtschaftlich, kulturell, politisch, räumlich wie in einem Brennglas. Und es zeigen sich in Städten die Anzeichen für zukünftige Entwicklungen früher als andernorts. Nirgends manifestiert sich die Handlungsund Wandlungsfähigkeit einer Gesellschaft so wie in der Stadt. Das Münchner Forum, ein bürgerschaftlicher Verein, der sich mit Fragen der Münchner Stadtentwicklung beschäftigt, kann 2018 auf sein 50-jähriges Bestehen zurückblicken. Es möchte dies zum Anlass nehmen, auch filmisch zurückzuschauen. Wie haben sich die Städte in Deutschland und Europa nach 1945 entwickelt gab es Gemeinsamkeiten, gab es Unterschiede? Der Zweite Weltkrieg hat die deutschen Städte verwüstet, doch Experten und Expertinnen meinen, dass der Wiederaufbau mehr Bausubstanz vernichtet hat als der verheerende Bombenkrieg. Wie konnte das passieren? Wir möchten einen Dialog anregen zwischen Publikum und Fachleuten über die Frage, was eine menschenund umweltfreundliche Stadtentwicklung und -planung ausmacht. Münchner Forum Diskussionsforum für Entwicklungsfragen e.v. Unsere Städte nach '45 Deutschland 2017 R+B: Susanne Brahms, Rainer Krause K: Susanne Brahms, Jan-Ole Sieg 89 min Der zweiteilige Dokumentarfilm zeigt anhand von Interviews und Archivmaterial, wie deutsche Städte nach der Verwüstung durch den Zweiten Weltkrieg durch den Wiederaufbau in den 1950er und 1960er Jahren erneut zerstört wurden. Der Vision der autogerechten Stadt mit breiten Straßen wurden oft die Reste der historischen Innenstädte geopfert. Erst in den 1960er Jahren wurden die großen Pläne an der tristen Wirklichkeit gemessen. Die Jungen rebellierten gegen die modernen Trabantenstädte und besetzten die historischen Stadtquartiere in der Innenstadt. Freitag, 21. Dezember 2018, Uhr Diskussion The Human Scale Dänemark 2012 R+B: Andreas Dalsgaard K: Manuel Alberto Claro, Heikki Färm, Casper Høyberg, Adam Philp, René Strandbygaard M: Kristian Eidnes Andersen 83 min OmU Am Beispiel von Kopenhagen bewies Architekt und Städteplaner Jan Gehl, dass öffentliche Räume soziales Miteinander fördern und die Einrichtung von Fußgängerzonen, Fahrradstraßen sowie die Wiederbelebung von Parks und Plätzen möglich ist ohne dem Fortschritt im Wege zu stehen. In fünf Kapiteln blickt Andreas Dalsgaard auf die stadtplanerische Arbeit von Gehls Architekten u.a. in Melbourne, Dhaka, New York, Chongqing und in der vom Erdbeben völlig zerstörten Stadt Christchurch. Samstag, 22. Dezember 2018, Uhr Diskussion

77 Traumzeit im Künstlerkino Es war einmal eine Zeit, da gab es noch kein Fernsehen, erinnert sich François Truffaut in einem seiner Texte nicht ohne Wehmut. Der einzige Ort, an dem man bewegte Bilder erleben konnte, war das Kino. Ob Hollywood oder Cinecittà, Western oder Neorealismo, ob ein Filmemacher an realen Schauplätzen filmte oder die Wirklichkeit im Studio nachbauen ließ Kino war und blieb ein Ort der Magie, an dem Realität grundsätzlich überhöht, verwandelt, stilisiert auftrat. So naturalistisch sich ein Film auch geben mochte, er war ein Konzentrat des Wirklichen, seine Bilder blieben dramatischer und verführerischer als jedes wahre Leben draußen vor der Kinokasse. Heute hat das Fernsehen seinerseits übermächtige und angeblich noch wirklichkeitsnähere Konkurrenz bekommen, mit dem allseits verfügbaren Streaming bewegter Bilder, bei Youtube oder Netflix, und in der medialen Überhöhung der Virtual Reality. Doch das Kino hatte sein Monopol auf die bewegten Bilder bereits lange vorher verloren. Obwohl es ihm immer noch gelingt, unseren Blick für das Reale zu schärfen vorausgesetzt, es ahmt die Wirklichkeit nicht nach. Und gerade deshalb liebt die Gegenwartskunst das Kino. Auch sie kann es sich nämlich nicht erlauben, Wirklichkeit nur wiedergeben zu wollen; sie muss die reale Welt überhöhen, verwandeln, dramatisieren, vielleicht sogar schönen, um unserem Blick auf die analytischen Sprünge zu helfen. Damit wir lernen, genauer hinzusehen. Für eine solche Schule des Sehens scheint der Film immer noch das ideale Medium. Und just deshalb erleben wir zur Zeit in der turbulenten, von Leidenschaft und Krisen gebeutelten Liebesgeschichte zwischem dem starren und dem laufenden Bild, eine hoffnungsfromme Idylle, über die wir, das Publikum, uns nur freuen können. Denn wir dürfen in einer Dimension schwelgen, die es weder im Fernsehen noch im Internet gibt. Und erst recht nicht im sogenannten»wahren«leben. Denn die Zeit des Kinos, sagt Bernardo Bertolucci, ist ja keine objektive Zeit, keine Echtzeit, sondern sie ist Traumzeit. Und vielleicht ist die Traumzeit des Kinos ja gerade dabei, das Museum zu erobern. Die immer wieder aufflammende Leidenschaft zwischen Kino und Kunst ist natürlich nichts Neues. Sie pflegen seit über hundert Jahren eine lange, intensive Liebesgeschichte, in der mal der eine, mal der andere Partner den Ton angibt. Wie jede komplizierte Beziehung kann man auch diese erzählen, vielleicht analysieren, auf keinen Fall aber therapieren sonst wäre die Spannung raus. Denn beide Partner leben von der Reibung aneinander, sind abwechselnd stark und schwach, Verführer und Verführter. Beide leiden wie die Verliebten von Verona unter dem Über-Ich der Zugehörigkeit zu zwei Familien, die lange als unvereinbar galten: Hoch- und Trivialkultur. Doch selbst obwohl beider Identität vom Zeitgeist geformt wird, pflegen sie neue und individuelle Formsprachen: Beispiele künstlerischen Weitblicks im Kino waren vor einem halben Jahrhundert schon eigenwillige Autorenfilme von Godard, Antonioni, Tarkovskij und vielen anderen, die alle der bildenden Kunst viel schulden, während die Malerei eines Alex Katz oder die Collagen eines Robert Rauschenberg ohne Kino nicht denkbar wären. Die Fotografien Cindy Shermans oder Gregory Crewdsons, die Kulturkonflikte von Shirin Neshat, die Bildgruften von Doug Aitken sie alle erzählen Geschichten in Bildern, pflegen den Dialog zum Kino, springen zwischen eingefrorenem und bewegtem Bild. Was also haben die Filme der von Kino der Kunst konzipierten Sonderreihe»Künstlerkino«im Filmmuseum, bestritten u.a. vom bekanntesten aller unerkannten Street Artists, dem Briten Banksy, vom surrealistischen Exzentriker Salvador Dalí oder filmenden Medienkünstlern wie Matthias Müller, Christoph Girardet und Rä di Martino, aber auch von der Bildhauerin Rebecca Horn, VISAGES VILLAGES Künstlerkino 75

78 Künstlerkino 76 der Fotografin Agnès Varda oder den Performern Gilbert & George gemein? Ihre einzigartige, betont eigenwillige Form. Das Weiterdenken des erzählenden Bildes in neue Dimensionen. Die Zerstörung jeder linearen Narration. Fielen nicht schon in der Geburtsstunde der Moderne die Erfindungen von malerischer Collage und filmischer Montage zusammen? Kunst und Kino eroberten im gleichen Moment dem gegenständlichen Bild neue Dimensionen. Seitdem haben beide Medien nicht aufgehört, sich gegenseitig zu bewundern, zu bekämpfen, zu plündern. Marcel Duchamp, Man Ray und Fernand Léger experimentierten mit Film, der frühe Luis Buñuel gehörte zur Gruppe der Surrealisten, Alfred Hitchcock ließ sich von Salvador Dalí Bühnenbilder zeichnen, um sie dann nur teilweise zu verwenden. Max Ernst und Andy Warhol träumten beide vergeblich von Hollywood, während heutige Künstler wie Steve McQueen oder Julian Schnabel den Oscar und Festivalpreise mit nach Hause nehmen. Gleichzeitig holen Isaac Julien, Douglas Gordon oder Julian Rosefeldt Hollywood in den Ausstellungsraum. Liegt die Zukunft der Kunst etwa im Kino, oder gehört die Zukunft des Kinos ins Museum? Gegenwartskunst sucht heute nach einer langen Phase der Selbstbezogenheit wieder Kontakt zur Wirklichkeit, zu gesellschaftlich relevanten, im weitesten Sinne politischen Themen. Gleichzeitig träumt sie von einem neuen, größeren Publikum, das es zu verführen gilt, will dem musealen Betrieb und der verpönten Reputation kopflastiger Avantgarde entkommen.»art for All«heißt das Credo der wunderbaren britischen Exzentriker Gilbert & George, die mit ihrem bahnbrechenden, jetzt frisch restaurierten Klassiker THE WORLD OF GILBERT & GEORGE bekannt wurden. Gleichzeitig geht die wirtschaftliche Globalisierung der Gegenwart Hand in Hand mit einer kulturellen Vereinheitlichung, selbst Marrakesch ähnelt zusehends dem kalifornischen Palm Springs, beweist uns die junge Rä di Martino aus Rom mit ihrem Remake eines Hollywood-Klassikers, in dem einst der ehemalige Trapez-Athlet Burt Lancaster brillierte. Rebecca Horn versammelte für LA FERDINAN- DA Shakespeare-Experten und Kinolegenden in einer toskanischen Villa, der Chilene Alejandro Jodorowsky zeigte seinen Kollegen von Kino und Kunst ebenfalls bereits ab den 1970er Jahren, wie man Geschichten künstlerisch aufbereiten kann. In seinem jüngsten Film POESÍA SIN FIN erzählt er rückblickend die eigene Geschichte, ohne jede Nostalgie, mit Hongkong-Legende Christopher Doyle an der Kamera. Matthias Müller und Christoph Girardet schließlich denken die Geschichten des Kinos weiter, indem sie die Themen und Tricks des Kinos experimentell und spielerisch zugleich abstrahieren erzählerisches und emotionales Neuland wird betreten. Kino wird Kunst. Heute haben sowohl Kunst als auch Kino ihren beiden Familien, diesem identitätsstiftenden, aber böse einengenden Über-Ich eingetrichtert, dass sie zusammengehören, weil nur eine Sprache rund um den Globus von allen verstanden wird die des Kinos. Hatte nicht der französische Philosoph Jacques Derrida schon in humorvoller Resignation festgehalten: Das Bild hat immer das letzte Wort. Heinz Peter Schwerfel In Zusammenarbeit mit KINO DER KUNST, das vom 30. April bis 5. Mai 2019 in München stattfindet. The Singing Sculpture Großbritannien 1991 R+B: Philip Haas D: George Passmore, Gilbert Prousch 20 min OF The World of Gilbert & George Großbritannien 1981 R+B+D: George Passmore, Gilbert Prousch K: Martin Schaefer 69 min OF»Wir sind ungesund, im mittleren Alter, mit schmutziger Fantasie, depressiv, zynisch, leer, ausgebrannt, schäbig, verrottet, verträumt, schlecht erzogen, verroht, arrogant, intellektuell, selbstmitleidig, ehrlich, erfolgreich, hart arbeitend, tiefsinnig, erfolgsgeil, religiös, faschistisch, blutrünstig, provozierend, destruktiv, farbenfroh, verdammt, stur, pervertiert und gut. Wir sind Künstler.«So beschrieben sich die lebenden Skulpturen Gilbert & George anlässlich ihres filmischen Selbstporträts, in dem die Vorstädte Londons und ihre desillusionierte Jugend die Kulisse bilden für Bildkombinationen, die humorvoll, provozierend, absurd, manchmal aber auch einfach nur schön sind. Die 1969 erstmals aufgeführte Performance»The Singing Sculpture«wurde 1991 während einer Performance in der Sonnabend Gallery in New York mitgefilmt. Mittwoch, 9. Januar 2019, Uhr Zu Gast: Philip Haas, Gilbert & George Poesía sin fin (Endless Poetry) Chile 2016 R+B: Alejandro Jodorowsky K: Christopher Doyle M: Adan Jodorowsky D: Adan Jodorowsky, Brontis Jodorowsky, Pamela Flores, Alejandro Jodorowsky, Jeremias Herskovits 128 min OmU Der 1929 geborene Chilene Alejandro Jodorowsky ist ein Multitalent: Regisseur, Dramatiker, Dichter und Zeichner. Der zweite Teil seiner auf fünf Teile angelegten filmischen Autobiografie spielt in Chiles Hauptstadt Santiago der 1940er und 1950er Jahre und erzählt, wie aus»alejandrito«, den sein Sohn Adan spielt, ein ernstzunehmender, sich von Familie, Konventionen und Tabus befreiender Dichter wird.»zum Erlebnis wird dieses Spätwerk, dessen Fer-

79 tigstellung nur mit Crowdfunding möglich wurde, durch seinen intensiven Flirt mit dem Scheitern. Jodorowsky steht dem camp nahe, jener Ästhetik, bei der das Erhabene und das Banale sich auf eine unerwartete Weise berühren. Selten hat man das Gefühl, dass das Kino so sehr zu sich selbst kommt.«(manfred Riepe) Mittwoch, 16. Januar 2019, Uhr Einführung: Dunja Bialas Exit Through the Gift Shop Großbritannien 2010 R+B: Banksy K: Thierry Guetta M: Geoff Barrow Mit Banksy, Mr Brainwash, Debora Guetta, Space Invader, Monsieur Andrè 87 min OmU In seinem gleich für den Oscar nominierten Debütfilm erzählt der berühmteste, aber immer noch unidentifizierte Street Artist Banksy mit viel Witz die Geschichte des Franzosen Thierry Guetta, der in Los Angeles nächtliche Malaktionen filmt und unerwartet selbst als Künstler Karriere macht. Banksy spielt auch mit, natürlich mit verstecktem Gesicht und verzerrter Stimme.»Ich wollte einen Film drehen, der für die Graffitikunst das bewirkt, was KARATE KID für die Kampfkunst war einen Film, der jeden Schüler veranlasst, die Spraydose zu nehmen und loszulegen. Was herauskam, war ein Film, der für die Straßenkunst das tut, was JAWS (DER WEISSE HAI) fürs Wasserskifahren getan hat.«(banksy) Mittwoch, 23. Januar 2019, Uhr Einführung: Sebastian Pohl Kristall Contre-jour Meteor personne Screen Deutschland R+B: Christoph Girardet & Matthias Müller 73 min Seit 1999 realisieren der Experimentalfilmer Matthias Müller und der Medienkünstler Christoph Girardet gemeinsam vielfach preisgekrönte Kurzfilme, die in einem strengen formalen Verfahren entstehen, und zu faszinierenden Bildgedichten führen. Zumeist aus eigenen 35mm-Aufnahmen und sorgfältig ausgewählten Filmausschnitten (Found Footage) bestehend, überhöhen sie Kino in Kunst, behandeln Themen wie Kindheit (METEOR), Spiegelszenen (KRISTALL) oder Lichteffekte (CONTRE-JOUR). Alle ihre Filme sind eine neue dramatische Verdichtung des Rohmaterials Kino, wie etwa die ruhige Schnittfolge scheinbar undramatischer Szenen in PERSONNE, die Verneigung ist vor dem großartigen, hinter seinen Rollen ganz verschwindenden französischen»niemand«jean-louis Trintignant. Mittwoch, 30. Januar 2019, Uhr Zu Gast: Christoph Girardet, Matthias Müller Visages Villages (Augenblicke: Gesichter einer Reise) Frankreich 2017 R+B: Agnès Varda, JR K: Claire Duguet, Nicolas Guicheteau, Valentin Vignet, Romain Le Bonniec, Raphael Minnesota, Roberto De Angelis, Julia Fabry M: Matthieu Chedid Mit Agnès Varda, JR 89 min OmU Die 90-jährige Agnès Varda erzählt von ihrer gemeinsamen Reise mit dem Street Artist JR in einem alten Lieferwagen durch Frankreich. JR wurde mit seinen Porträts von Alltagshelden und -heldinnen berühmt, die monumental aufgeblasen große Hausfassaden schmücken. Die Reise führt die beiden bis ans Ufer des Genfer Sees zum Haus von Jean-Luc Godard der allerdings seiner Freundin Agnès die Tür nicht öffnet.»visages VILLAGES ist nicht nur ein Film über den Charme der unscheinbaren Orte und der kleinen Leute. Er ist die Geschichte einer anrührenden Beziehung von zwei Künstlern, die ein Altersunterschied von einem halben Jahrhundert trennt und die doch eine gemeinsame Sprache finden.«(hilka Sinnig) Mittwoch, 6. Februar 2019, Uhr Einführung: Herlinde Koelbl La controfigura (The Stand-in) Italien 2017 R: Rä di Martino B: Rä di Martino, Marco Alessi K: Gianclaudio Giacomini, Giulio Squillacciotti, Hasnae el Ouarga D: Valeria Golino, Filippo Timi, Corrado Sassi, Younes Bouab, Nadia Kounda 75 min OmeU Der erste abendfüllende Spielfilm der mit ihren kürzeren Arbeiten immer wieder bei Kino der Kunst vertretenen Künstlerin ist ein freies Remake des amerikanischen Klassikers THE SWIMMER (1968) mit Burt Lancaster und eine Künstlerkino 77

80 Künstlerkino surreale Reflexion über das Filmemachen und die Identitätskrise eines Schauspielers. Gedreht in Marokko, wird die Geschichte des an seiner Rolle verzweifelnden Statisten Corrado erzählt, der als Double des Hauptdarstellers seinen Weg durch die Pools der feudalen Villen Marrakeschs schwimmen muss.»die von Rä di Martino geschaffene Fiktion in der Fiktion spricht damit einen sensiblen soziokulturellen Kontext an. Hier durchquert ein westlicher Mann halbnackt eine arabische Stadt und offenbart die Sinnsuche und den Sinnverlust, mit denen sich Gegenwartsgesellschaften auseinanderzusetzen haben.«(matthias Knapp) Mittwoch, 13. Februar 2019, Uhr Zu Gast: Rä di Martino Un chien andalou (Ein andalusischer Hund) Frankreich 1929 R: Luis Buñuel B: Luis Buñuel, Salvador Dalí K: Albert Duverger D: Simone Mareuil, Pierre Batcheff, Luis Buñuel, Salvador Dalí 16 min OmeU Klassiker des surrealistischen Films, der mit dem berühmten Schockbild einer Rasierklinge, die durch ein Auge fährt, beginnt. Impressions de la haute Mongolie Hommage à Raymond Roussel (Impressionen aus der Hohen Mongolei) BRD 1976 R: José Montes-Baquer B: Salvador Dalí K: Bodo Kessler, Manfred Kage M: Ingfried Hoffmann 57 min frz. OmU Eine fiktive Expedition in eine Berglandschaft der Mongolei auf der Suche nach halluzinogenen Pilzen inspiriert vom exzentrischen, französischen Schriftsteller und Millionär Raymond Roussel ( ), der 1910 das Buch»Impressions d'afrique«veröffentlichte, ohne auch nur einmal Afrika betreten zu haben. José Montes-Baquer hatte Dalí besucht, um ihn für die Mitarbeit an einem Film über moderne Kunst zu gewinnen. Dalí zeigte ihm einen Kugelschreiber mit einem oxidierten Messingring, auf den er regelmäßig uriniert hatte, weil ihn die Strukturen und rostigen Farben der von Harnsäure zerfressene Oberfläche so faszinierten. Er schlug dem Team vor, diese in Großaufnahmen mit einer elektronischen Makrokamera zu filmen und dann eine fantastische Geschichte dazu zu erfinden. Der Film ist ein bizarrer visueller Trip mit zahlreichen Videotricks und Bildüberlagerungen. Mittwoch, 20. Februar 2019, Uhr Einführung: M+M La Ferdinanda: Sonate für eine Medici-Villa Deutschland 1982 R+B: Rebecca Horn K: Jiri Kadanka M: Ingfried Hoffmann D: Valentina Cortese, Javier Escriba, Gisela Hahn, Hans-Peter Hallwachs, Michael Maisky, David Warrilow 85 min Melancholisch und in schönen Bildern schwelgend, voll hintergründigem Humor und mit vielen Verweisen auf das plastische Werk der berühmten Künstlerin: Rebecca Horns zweiter Kinofilm spielt in einer abgelegenen toskanischen Villa. Da ist die Besitzerin des Hauses, eine alternde Operndiva, dann die junge Ballett-Tänzerin Simona, die eine Blessur auskuriert, ein berühmter Arzt, der sich nach einer Reihe öffentlicher Skandale verstecken muss, ein Musiker, der den ganzen Tag lang nur Cello übt.»rebecca Horn hat Traum und Poesie und Schönheit und Vitalität und Spiel miteinander versehen, miteinander versetzt auf eine bewegende, verwundernde, irritierende und tröstliche Weise.«(Peter Wapnewski) Mittwoch, 27. Februar 2019, Uhr Einführung: Franziska Stöhr 78 LA CONTROFIGURA

81 FilmWeltWirtschaft Experimente DAS WUNDER VON MALS In unserer disruptiven Zeit scheint nichts mehr wie zuvor, alte Werte verfallen, extremes Gedankengut gilt inzwischen als normal, Kurznachrichten diktieren das Weltgeschehen. Wie einzelne Menschen, Gemeinden oder auch ganze Länder mit dem schnellen Wandel umgehen, wirkt häufig zufällig und eher emotional gesteuert als rational durchdacht. Auch zwingen Veränderungen ob des Neuen manchmal zu (unfreiwilligen) Experimenten. Nicht nur Dokumentarfilme, sondern auch Spielfilme greifen diese Themen auf, wie das spanische Debüt LA MANO INVISIBLE (DIE UNSICHT- BARE HAND) von David Macián aus dem Jahr 2016, der als fast schon zynischer Kommentar zu unserer Wirtschaftswelt gelesen werden kann. Es zeigt ein Projekt der besonderen Art, das sich erst nach und nach entlarvt. Für ein Experiment auf der Bühne zum Thema Arbeit werden Menschen gecastet, die ihren Beruf vor Publikum ausüben sollen, darunter ein Metzger, ein Maurer, eine Näherin und eine Callcenter-Telefonistin. Langsam und stetig erhöht sich der Leistungsdruck auf die DarstellerInnen; ihre Reaktionen und Interaktionen sowie die Testergebnisse werden vom Auftraggeber genau aufgezeichnet. Damit stellt es eine Steilvorlage für populistisches Handeln, denn das Publikum, das immer fordernder wird, will immer das Spektakuläre. Auch die kleine Gemeinde Mals in Südtirol hat Neues gewagt, auch wenn es ihr im Prinzip nur darum ging, das Alte zu bewahren. Sie hat beschlossen, dass zumindest ihr Dorf von der sie immer stärker umzingelnden Apfelplantagen-Monokultur, über die der Wind die meterhoch gespritzten Pestizide durch das ganze Tal weht, verschont bleiben soll. Sie verweigern sich dem Gift und stimmen in einem Volksentscheid mehrheitlich für eine menschen- und naturgerechte biologische Landwirtschaft in ihrer Gemeinde. Doch mit dem scharfen Gegenwind von Politik, Verbänden und Industrielobbyisten haben sie nicht gerechnet. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zu drastischeren Maßnahmen zu greifen, um ihr demokratisch legitimiertes Ziel auch durchsetzen zu können. Alexander Schiebels Dokumentarfilm DAS WUNDER VON MALS erzählt dies trotz des ernsten Themas sehr humorvoll. Gehen oder bleiben? Stadt gegen Land, Alt gegen Jung, Nationalisten gegen Migranten.»Das Volk«gegen»die Elite«. Hinter all diesen Definitionen stehen aber Individuen, deren Wahlentscheidung von den großen Themen unserer Zeit bestimmt war: Migration, untergehende Imperien, Arbeit und ihre abnehmende Relevanz in einer immer weiter automatisierten Welt. BREXITANNIA (2017) von Timothy George Kelly ist das schwarz-weiße Porträt einer Demokratie in all ihrem hässlichen Glanz und zeigt, wie Menschen auf ihren Verlust an Gestaltungsmacht in einer sich verändernden Welt reagieren. Das Programm findet zum ersten Mal in Kooperation mit dem DOK.fest München statt und wird durch Kurzfilme ergänzt; zu jedem Film gibt es eine Diskussion mit Gästen. Claudia Engelhardt Donnerstag, 17. Januar bis Sonntag, 20. Januar 2018 FimWeltWirtschaft 79

82 Kalenderübersicht 80 Donnerstag, 6. September Internationale Stummfilmtage Freitag, 7. September Internationale Stummfilmtage Internationale Stummfilmtage Samstag, 8. September Internationale Stummfilmtage Internationale Stummfilmtage Sonntag, 9. September Internationale Stummfilmtage Internationale Stummfilmtage Dienstag, 11. September Internationale Stummfilmtage Internationale Stummfilmtage Mittwoch, 12. September Internationale Stummfilmtage Internationale Stummfilmtage Donnerstag, 13. September Open Scene Vårt kronprinspar i Hollywood Seite 4 (Unser Kronprinzenpaar in Hollywood) SE min OmU Flesh and the Devil (Es war) USA 1926 Clarence Brown 112 min OF \ Richard Siedhoff 2 Stefan Drößler Rosita (Rosita, die Straßensängerin) Seite 4 USA 1923 Ernst Lubitsch 97 min OF \ Joachim Bärenz Ben-Hur: A Tale of the Christ (Ben Hur) Seite 4 USA 1925 Fred Niblo 141 min OF \ Richard Siedhoff Cupid and the Comet (Die Liebe siegt) Seite 4 USA 1911 Alice Guy 10 min dtf viragiert The Count (Der Graf) USA 1916 Charles Chaplin 25 min OF One Week (Buster Keatons Flitterwochen) USA 1920 Buster Keaton 21 min OF The Battle of the Century (Alles in Schlagsahne) USA 1927 Clyde Bruckman 20 min OF \ Richard Siedhoff 2 Stefan Drößler Izu no odoriko (Das Mädchen von Izu) Seite 5 JP 1933 Heinosuke Gosho 124 min OmeU \ Joachim Bärenz Die Stadt ohne Juden Seite 5 AT 1924 Hans Karl Breslauer 87 min \ Günter A. Buchwald 2 Nikolaus Wostry Oblomok imperii (Der Mann, der das Gedächtnis verlor) Seite 5 SU 1929 Fridrich Ermler 109 min OmeU \ Joachim Bärenz Lebende Bilder Seite min engl. OF \ Masako Ohta 2 Valentine Robert L'hirondelle et la mésange (Die Schwalbe und die Meise) Seite 6 BE 1924 André Antoine 78 min OmU \ Günter A. Buchwald It's the Old Army Game (Ein moderner Glücksjäger) Seite 6 USA 1925 Edward Sutherland 77 min OF \ Günter A. Buchwald Mežplanetnaja revoljucija Seite 6 (Interplanetarische Revolution) SU 1924 Nikolaj Chodataev, Senon Komissarenko, Jurij Merkulov 10 min OmU Abwege DE 1928 G.W. Pabst 96 min 2 Masha Khotimski Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

83 Freitag, 14. September Frank Wisbar Haie und kleine Fische Seite 10 BRD 1957 Frank Wisbar 120 min 2 Klaus Kanzog Carl Laemmle Junior All Quiet on the Western Front (Im Westen nichts Neues) Seite 13 USA 1930 Lewis Milestone 136 min OmU Samstag, 15. September Frank Wisbar Hunde wollt ihr ewig leben Seite 10 BRD 1959 Frank Wisbar 98 min 2 Klaus Kanzog Carl Laemmle Junior Outside the Law (Sirenen um Mitternacht) Seite 13 USA 1930 Tod Browning 79 min OF Sonntag, 16. September Frank Wisbar Nacht fiel über Gotenhafen Seite 10 BRD 1960 Frank Wisbar 99 min 2 Klaus Kanzog Carl Laemmle Junior King of Jazz (Der Jazzkönig) Seite 13 USA 1930 John Murray Anderson 98 min OF Dienstag, 18. September Carl Laemmle Junior All Quiet on the Western Front (Im Westen nichts Neues) Seite 13 USA 1930 Lewis Milestone 136 min OmU Frank Wisbar Fabrik der Offiziere Seite 10 BRD 1960 Frank Wisbar 96 min 2 Klaus Kanzog Mittwoch, 19. September Zauberkunst und Film Hypnose Seite 23 AT 1919 Otto Poll 13 min viragiert Hanussen BRD 1988 István Szabó 116 min 2 Markus Laymann Donnerstag, 20. September Open Scene Freitag, 21. September Ingmar Bergman En lektion i kärlek (Lektion in Liebe) Seite 28 SE 1954 Ingmar Bergman 96 min OmeU Carl Laemmle Junior A House Divided (Der Mannsteufel) Seite 14 USA 1931 William Wyler 70 min OF Samstag, 22. September Ingmar Bergman Sommarnattens leende (Das Lächeln einer Sommernacht) Seite 29 SE 1955 Ingmar Bergman 108 min OmU Carl Laemmle Junior Seed ( und der Tag kam) Seite 14 USA 1931 John M. Stahl 96 min OF Sonntag, 23. September Ingmar Bergman Djävulens öga (Das Teufelsauge) Seite 29 SE 1960 Ingmar Bergman 87 min OmeU Carl Laemmle Junior Law and Order (Gesetz und Ordnung) Seite 14 USA 1932 Edward L. Cahn 75 min OF Kalenderübersicht 81 Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

84 Kalenderübersicht 82 Dienstag, 25. September Carl Laemmle Junior A House Divided (Der Mannsteufel) Seite 14 USA 1931 William Wyler 70 min OF Ingmar Bergman Auf der Suche nach Ingmar Bergman Seite 29 DE 2018 Margarethe von Trotta 99 min Mittwoch, 26. September Zauberkunst und Film Judex Seite 23 FR 1963 Georges Franju 98 min OmeU Ingmar Bergman Sommarnattens leende Seite 29 (Das Lächeln einer Sommernacht) SE 1955 Ingmar Bergman 108 min OmU Donnerstag, 27. September Open Scene I'm not the girl who misses much Pickelporno Pepperminta CH Pipilotti Rist 94 min OmU 2 Cornelia Gockel, Susanne Touw Freitag, 28. September Ingmar Bergman Gycklarnas afton (Abend der Gaukler) Seite 29 SE 1953 Ingmar Bergman 93 min OmU Carl Laemmle Junior Back Street (Seitenwege des Lebens) Seite 15 USA 1932 John M. Stahl 93 min OF Samstag, 29. September Ingmar Bergman Det sjunde inseglet (Das siebente Siegel) Seite 29 SE 1957 Ingmar Bergman 96 min OmU Carl Laemmle Junior Once in a Lifetime (Einmal im Leben) Seite 15 USA 1932 Russell Mack 91 min OF Sonntag, 30. September Ingmar Bergman Jungfrukällan (Die Jungfrauenquelle) Seite 30 SE 1960 Ingmar Bergman 89 min OmU Carl Laemmle Junior The Old Dark House (Das Haus des Grauens) Seite 15 USA 1932 James Whale 72 min OF Dienstag, 2. Oktober Carl Laemmle Junior The Old Dark House (Das Haus des Grauens) Seite 15 USA 1932 James Whale 72 min OF Ingmar Bergman Det sjunde inseglet (Das siebente Siegel) Seite 29 SE 1957 Ingmar Bergman 96 min OmU Mittwoch, 3. Oktober Zauberkunst und Film Kurzfilme Seite 23 FR Georges Méliès 25 min Hugo (Hugo Cabret) USA 2011 Martin Scorsese 126 min OF 3D 2 Thomas Fraps Donnerstag, 4. Oktober Open Scene Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

85 Freitag, 5. Oktober Ingmar Bergman Sånt händer inte här (Menschenjagd) Seite 30 SE 1950 Ingmar Bergman 84 min OmeU 2 Jon Wengström Carl Laemmle Junior Air Mail (Luftpost) Seite 15 USA 1932 John Ford 84 min OF Samstag, 6. Oktober Ingmar Bergman Tystnaden (Das Schweigen) Seite 30 SE 1963 Ingmar Bergman 96 min OmU Carl Laemmle Junior Afraid to Talk (Angst zu reden) Seite 16 USA 1932 Edward L. Cahn 69 min OF Sonntag, 7. Oktober Ingmar Bergman Skammen (Schande) Seite 30 SE 1968 Ingmar Bergman 103 min OmeU Carl Laemmle Junior Laughter in Hell (Gelächter in der Hölle) Seite 16 USA 1933 Edward L. Cahn 70 min OF Dienstag, 9. Oktober Carl Laemmle Junior Afraid to Talk (Angst zu reden) Seite 16 USA 1932 Edward L. Cahn 69 min OF Ingmar Bergman Tystnaden (Das Schweigen) Seite 30 SE 1963 Ingmar Bergman 96 min OmU Mittwoch, 10. Oktober Zauberkunst und Film The Prestige (Die Meister der Magie) Seite 24 USA 2006 Christopher Nolan 130 min OmU Carl Laemmle Junior Destination Unknown (Ziel unbekannt) Seite 16 USA 1933 Tay Garnett 66 min OF Donnerstag, 11. Oktober 2018 bis Sonntag, 14. Oktober 2018 Underdox Festival für Dokument und Experiment Seite 31 Dienstag, 16. Oktober Carl Laemmle Junior Only Yesterday (Eine Frau vergißt nicht) Seite 17 USA 1933 John M. Stahl 105 min OF Carl Laemmle Junior The Kiss Before the Mirror Seite 17 (Der Kuss vor dem Spiegel) USA 1933 James Whale 69 min OF Mittwoch, 17. Oktober Zauberkunst und Film Houdini Seite 24 USA 1996 Gene M. Gamache 61 min OF The Grim Game (Das unerbittliche Spiel) USA 1919 Irvin Willat 70 min OF 2 Markus Laymann Donnerstag, 18. Oktober Open Scene Kalenderübersicht 83 Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

86 Kalenderübersicht 84 Freitag, 19. Oktober Herbert Achternbusch Das Andechser Gefühl Seite 34 BRD 1975 Herbert Achternbusch 65 min Carl Laemmle Junior Ladies Must Love Seite 17 USA 1933 Ewald André Dupont 70 min OF Samstag, 20. Oktober Herbert Achternbusch Servus Bayern Seite 34 BRD 1978 Herbert Achternbusch 85 min Carl Laemmle Junior Only Yesterday (Eine Frau vergißt nicht) Seite 17 USA 1933 John M. Stahl 105 min OF Sonntag, 21. Oktober Herbert Achternbusch Der Komantsche Seite 34 BRD 1979 Herbert Achternbusch 84 min Carl Laemmle Junior By Candlelight (Bei Kerzenlicht) Seite 18 USA 1933 James Whale 70 min OF Dienstag, 23. Oktober Carl Laemmle Junior The Kiss Before the Mirror (Der Kuss vor dem Spiegel) Seite 17 USA 1933 James Whale 69 min OF Herbert Achternbusch Servus Bayern Seite 34 BRD 1978 Herbert Achternbusch 85 min Mittwoch, 24. Oktober Zauberkunst und Film Ansiktet (Das Gesicht) Seite 24 Schweden 1958 Ingmar Bergman 101 min OmeU Herbert Achternbusch Das letzte Loch Seite 35 BRD 1981 Herbert Achternbusch 92 min Donnerstag, 25. Oktober Open Scene Zu Gast: Geräuschemacher Max Bauer Freitag, 26. Oktober Herbert Achternbusch Das letzte Loch Seite 35 BRD 1981 Herbert Achternbusch 92 min Carl Laemmle Junior The Black Cat (Die schwarze Katze) Seite 18 USA 1934 Edgar G. Ulmer 65 min OF Samstag, 27. Oktober Herbert Achternbusch Das Gespenst Seite 35 BRD 1982 Herbert Achternbusch 88 min Carl Laemmle Junior Little Man, What Now? (Kleiner Mann was nun?) Seite 18 USA 1934 Frank Borzage 98 min OF Sonntag, 28. Oktober Film und Psychoanalyse The Night of the Hunter (Die Nacht des Jägers) Seite 37 USA 1955 Charles Laughton 92 min OF 2 Irmgard Nagel, Corinna Wernz Carl Laemmle Junior The Good Fairy (Die Fee) Seite 18 USA 1935 William Wyler 98 min OF Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

87 Dienstag, 30. Oktober Carl Laemmle Junior The Good Fairy Seite 18 (Die Fee) USA 1935 William Wyler 98 min OF Herbert Achternbusch Das Gespenst Seite 35 BRD 1982 Herbert Achternbusch 88 min Mittwoch, 31. Oktober Zauberkunst und Film La fée printemps (Die Frühlingsfee) Seite 24 FR 1906 Alice Guy 4 min dtf koloriert La fée aux pigeons (Die Taubenfee) FR 1906 Segundo de Chomón 2 min dtf koloriert Women in Boxes (Frauen in Kisten) USA 2008 Phil Noyes, Harry Pallenberg 80 min OF 2 Michelle Spillner Donnerstag, 1. November Open Scene Freitag, 2. November Werner-Herzog- Filmpreis Samstag, 3. November Werner-Herzog- Filmpreis Sonntag, 4. November Werner-Herzog- Filmpreis Verleihung des Werner-Herzog-Filmpreises 2018 Seite 39 Werner Herzog Meeting Gorbachev Seite 39 GB 2018 Werner Herzog, André Singer 90 min OmU Werner Herzog Jeder für sich und Gott gegen alle Seite 39 BRD 1974 Werner Herzog 109 min Carl Laemmle Junior Remember Last Night? Seite 19 (Was geschah gestern?) USA 1935 James Whale 81 min OF Dienstag, 6. November Werner-Herzog- Filmpreis Herz aus Glas Seite 39 BRD 1976 Werner Herzog 94 min Carl Laemmle Junior Show Boat Seite 19 (Showboat) USA 1936 James Whale 113 min OF Mittwoch, 7. November Zauberkunst und Film Scoop (Der Knüller) Seite 25 GB 2006 Woody Allen 96 min OmU Carl Laemmle Junior The Road Back Seite 19 (Der Weg zurück) USA 1937 James Whale 100 min OF Donnerstag, 8. November Rumänisches Filmfestival Charleston Seite 42 RO 2017 Andrei Creţulescu 118 min OmeU Andrei & Codruta Creţulescu 2 Bert Rebhandl Kalenderübersicht 85 Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

88 Kalenderübersicht 86 Freitag, 9. November Rumänisches Filmfestival Rumänisches Filmfestival Samstag, 10. November Rumänisches Filmfestival Rumänisches Filmfestival Sonntag, 11. November Rumänisches Filmfestival Rumänisches Filmfestival Dienstag, 13. November Rumänisches Filmfestival Rumänisches Filmfestival Mittwoch, 14. November 2018 Meda Meda sau Partea nu prea fericită a lucrurilor Seite 42 (Meda oder Die nicht so helle Seite der Dinge) RO Emanuel Pârvu 96 min OmeU Emanuel Pârvu 2 Bert Rebhandl Bad Penny Seite 42 RO 2013 Andrei Creţulescu 12 min OmeU Kowalski RO 2014 Andrei Creţulescu 18 min OmeU Ramona RO 2015 Andrei Creţulescu 20 min ohne Dialog Şapte luni mai târziu (Sieben Monate später) RO 2016 Andrei Creţulescu 24 min OmeU Parabellum RO 2018 Andrei Creţulescu 26 min OmeU Andrei & Codruta Creţulescu 2 Bert Rebhandl Soldaţii Poveste din Ferentari Seite 42 (Soldaten Eine Geschichte aus Ferentari) RO 2018 Ivana Mladenović 118 min OmeU 2 Bert Rebhandl Pororoca Seite 43 RO 2018 Constantin Popescu 152 min OmeU 2 Mihai Fulger Miss Sueño Seite 43 RO 2018 Radu Potcoavă 20 min OmeU Vara s-a sfârșit (Der Sommer ist vorbei) RO 2017 Radu Potcoavă 104 min OmeU 2 Mihai Fulger Mariţa Seite 44 RO 2017 Cristi Iftime 98 min OmeU 2 Bert Rebhandl Cadoul de crăciun (Das Weihnachtsgeschenk) Seite 44 RO 2018 Bogdan Mureşanu 24 min OmeU Michelangelo RO 2018 Anghel Damian 20 min OmeU Duminică (Sonntag) RO 2018 Dorian Boguţă 18 min OmeU Linişte (Das Schweigen) RO 2018 Alex Iureş 14 min OmeU Totul e foarte departe (Alles ist weit weg) RO 2018 Emanuel Pârvu 16 min OmeU Dimineața care nu se va sfârși (Der letzte Morgen) Seite 44 RO 2017 Ciprian Mega 94 min OmeU Zauberkunst und Film Orson Welles' Magic Show Seite 25 USA Orson Welles 27 min engl. OF F for Fake (F wie Fälschung) FR 1973 Orson Welles 89 min engl. OF 2 Stefan Drößler, Thomas Fraps Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

89 Donnerstag, 15. November Rumänisches Filmfestival Freitag, 16. November 2018 Momentul adevarului Dreptatea Seite 44 (Der Augenblick der Wahrheit Gerechtigkeit) RO 1989 Andrei Blaier 182 min OmeU Herbert Achternbusch Die Olympiasiegerin Seite 35 BRD 1983 Herbert Achternbusch 107 min Rumänisches Filmfestival Samstag, 17. November 2018»Îmi este indiferent dacă în istorie vom intra ca barbari«seite 45 (»Mir ist es gleichgültig, ob wir als Barbaren in die Geschichte eingehen«) RO 2018 Radu Jude 138 min OmeU Herbert Achternbusch Die Föhnforscher Seite 36 BRD 1985 Herbert Achternbusch 138 min Rumänisches Filmfestival Sonntag, 18. November 2018 Hawaii Seite 45 RO 2017 Jesús del Cerro 116 min OmeU Herbert Achternbusch Wohin? Seite 36 BRD 1988 Herbert Achternbusch 98 min Rumänisches Filmfestival Octav Seite 45 RO 2017 Serge Ioan Celebidachi 102 min OmeU Serge Ioan Celebidachi Montag, 19. November 2018 bis Samstag, 24. November 2018 FilmSchoolFest Sonntag, 25. November Film und Psychoanalyse Le cercle rouge Seite 38 (Vier im roten Kreis) FR 1970 Jean-Pierre Melville 150 min OmU 2 Salek Kutschinski, Mathias Lohmer Herbert Achternbusch Achternbusch Seite 36 DE 2008 Andi Niessner 90 min Andi Niessner Dienstag, 27. November Will Tremper Die endlose Nacht Seite 48 BRD 1963 Will Tremper 86 min Hannelore Elsner, Celia Tremper Mittwoch, 28. November Zauberkunst und Film Simsalabim. Porträt des großen Zauberkünstlers Kalanag Seite 25 BRD 1958 Artur Müller 30 min (Ausschnitte) Truxa DE 1937 Hans H. Zerlett 92 min 2 Rolf Aurich, Markus Laymann Donnerstag, 29. November Open Scene Kalenderübersicht 87 Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

90 Kalenderübersicht 88 Freitag, 30. November Will Tremper Die Halbstarken Seite 48 BRD 1956 Georg Tressler 97 min Jeanne Moreau Touchez pas au grisbi (Wenn es Nacht wird in Paris) Seite 53 FR 1954 Jacques Becker 96 min OmU Samstag, 1. Dezember Will Tremper Endstation Liebe Seite 49 BRD 1958 Georg Tressler 84 min Jeanne Moreau Ascenseur pour l'échafaud Seite 53 (Fahrstuhl zum Schafott) FR 1958 Louis Malle 91 min OmU Sonntag, 2. Dezember Will Tremper Nasser Asphalt Seite 49 BRD 1958 Frank Wisbar 88 min Jeanne Moreau Les amants (Die Liebenden) Seite 53 FR 1958 Louis Malle 92 min OmU Dienstag, 4. Dezember Jeanne Moreau Les amants (Die Liebenden) Seite 53 FR 1958 Louis Malle 92 min OmU Will Tremper Die Halbstarken Seite 48 BRD 1956 Georg Tressler 97 min Mittwoch, 5. Dezember Zauberkunst und Film The Geisha Boy Seite 26 (Jerry außer Rand und Band) USA 1958 Frank Tashlin 98 min OF Will Tremper Nasser Asphalt Seite 49 BRD 1958 Frank Wisbar 88 min Donnerstag, 6. Dezember Zuschauerkino Kurzfilmabend des Münchner Filmzentrums (MFZ) Seite 62 Filmemacher und Filmemacherinnen 2 Christoph Michel, Matthias Mondon Freitag, 7. Dezember Will Tremper Flucht nach Berlin Seite 49 BRD 1961 Will Tremper 104 min Jeanne Moreau Moderato Cantabile Seite 54 (Stunden voller Zärtlichkeit) FR 1960 Peter Brook 91 min OmU Samstag, 8. Dezember Will Tremper Verspätung in Marienborn Seite 50 BRD 1963 Rolf Hädrich 94 min Jeanne Moreau La notte Seite 54 (Die Nacht) IT 1961 Michelangelo Antonioni 122 min OmeU Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

91 Sonntag, 9. Dezember Will Tremper Zimmer 13 Seite 50 BRD 1964 Harald Reinl 89 min Jeanne Moreau Jules et Jim Seite 55 (Jules und Jim) FR 1962 François Truffaut 105 min OmU Dienstag, 11. Dezember Jeanne Moreau Moderato Cantabile Seite 54 (Stunden voller Zärtlichkeit) FR 1960 Peter Brook 91 min OmU Will Tremper Flucht nach Berlin Seite 49 BRD 1961 Will Tremper 104 min Mittwoch, 12. Dezember Zauberkunst und Film John Mulholland Zauberer im Kalten Krieg Seite 26 DE 2015 Alexander Landsberger 43 min The Men Who Stare at Goats (Männer, die auf Ziegen starren) USA 2009 Grant Heslov 94 min OmU 2 Thomas Fraps Donnerstag, 13. Dezember Jahre Emelka Nerven Seite 67 DE 1919 Robert Reinert 110 min viragiert \ Joachim Bärenz 2 Martin Geyer Freitag, 14. Dezember Will Tremper Playgirl Seite 50 BRD 1966 Will Tremper 88 min Jeanne Moreau Eva Seite 55 FR 1962 Joseph Losey 118 min engl. OF Samstag, 15. Dezember Will Tremper Sperrbezirk Seite 50 BRD 1966 Will Tremper 94 min Jeanne Moreau The Trial (Der Prozess) Seite 55 FR 1962 Orson Welles 118 min engl. OmU Sonntag, 16. Dezember Film und Psychoanalyse Night on Earth Seite 38 USA 1991 Jim Jarmusch 128 min OmU 2 Andreas Hamburger, Eva Friedrich Jeanne Moreau La baie des anges Seite 55 (Die blonde Sünderin) FR 1963 Jacques Demy 90 min OmeU Dienstag, 18. Dezember Jeanne Moreau La notte (Die Nacht) Seite 54 IT 1961 Michelangelo Antonioni 122 min OmeU Will Tremper Die endlose Nacht Seite 48 BRD 1963 Will Tremper 86 min Kalenderübersicht 89 Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

92 Mittwoch, 19. Dezember Zauberkunst und Film House of Games (Haus der Spiele) Seite 26 USA 1988 David Mamet 102 min OF Will Tremper Playgirl Seite 50 BRD 1966 Will Tremper 88 min Donnerstag, 20. Dezember Klaus Volkmer Gens du lac (Leute vom See) Seite 72 CH 2018 Jean-Marie Straub 17 min OmU The Band Wagon (Vorhang auf!) USA 1953 Vincente Minnelli 112 min OF Freitag, 21. Dezember Stadtentwicklung Unsere Städte nach '45 Seite 74 DE 2017 Susanne Brahms, Rainer Krause 89 min mit Diskussion Jeanne Moreau Le journal d'une femme de chambre Seite 55 (Tagebuch einer Kammerzofe) FR 1964 Luis Buñuel 97 min OmU Samstag, 22. Dezember Stadtentwicklung The Human Scale Seite 74 DK 2012 Andreas M. Dalsgaard 83 min OmU mit Diskussion Jeanne Moreau The Train Seite 56 (Der Zug) USA 1964 John Frankenheimer 133 min OmU Sonntag, 23. Dezember 2018 bis Montag, 7. Januar 2019 Weihnachtspause Kalenderübersicht 90 Dienstag, 8. Januar Jahre Emelka Opium Seite 67 DE 1919 Robert Reinert 93 min viragiert \ Richard Siedhoff 2 Stefan Drößler Jeanne Moreau La mariée était en noir Seite 57 (Die Braut trug Schwarz) FR 1968 François Truffaut 107 min OmeU Mittwoch, 9. Januar Jahre Emelka Das Schloß am Abhang Seite 67 DE 1919 Max Obal 37 min Der Schattenspieler DE 1919 Ludwig Beck 61 min \ Richard Siedhoff Künstlerkino The Singing Sculpture Seite 76 GB 1991 Philip Haas 20 min OF The World of Gilbert & George GB 1981 Philip Haas 69 min OF Philip Haas, Gilbert & George Donnerstag, 10. Januar Open Scene Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

93 Freitag, 11. Januar Jahre Emelka Der Klosterjäger Seite 67 DE 1920 Peter Ostermayr 63 min viragiert Die Gefahren der Großstadt-Straße DE 1924 Toni Attenberger 75 min \ Richard Siedhoff Jeanne Moreau Viva Maria! Seite 56 FR 1965 Louis Malle 120 min OmU Samstag, 12. Januar Jahre Emelka Münchner Filmbilderbogen Seite 68 DE 1920 Louis Seel 6 min viragiert Der Favorit der Königin DE 1922 Franz Seitz 109 min viragiert \ Richard Siedhoff Jeanne Moreau Mademoiselle Seite 57 GB 1966 Tony Richardson 105 min OF Sonntag, 13. Januar Jahre Emelka Nathan der Weise Seite 68 DE 1922 Manfred Noa 125 min viragiert \ Sabrina Zimmermann, Mark Pogolski Jeanne Moreau La mariée était en noir Seite 57 (Die Braut trug Schwarz) FR 1968 François Truffaut 107 min OmeU Dienstag, 15. Januar Jeanne Moreau Jules et Jim Seite 55 (Jules und Jim) FR 1962 François Truffaut 105 min OmU Jahre Emelka Nerven Seite 67 DE 1919 Robert Reinert 110 min viragiert Soundtrack Mittwoch, 16. Januar Jeanne Moreau La baie des anges Seite 55 (Die blonde Sünderin) FR 1963 Jacques Demy 90 min OmeU Künstlerkino Poésia sin fin Seite 76 (Endless Poetry) Chile 2016 Alejandro Jodorowsky 128 min OmU 2 Dunja Bialas Donnerstag, 17. Januar 2019 bis Sonntag, 20. Januar 2019 Sonntag, 20. Januar 2019 FilmWeltWirtschaft Seite Jeanne Moreau Une histoire immortelle Seite 57 (Die Stunde der Wahrheit) FR 1968 Orson Welles 58 min engl. OF Scenes from The Deep 1969 Orson Welles 20 min engl. OF 2 Stefan Drößler Kalenderübersicht 91 Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

94 Kalenderübersicht 92 Dienstag, 22. Januar Jeanne Moreau Le journal d'une femme de chambre Seite 55 (Tagebuch einer Kammerzofe) FR 1964 Luis Buñuel 97 min OmU Jahre Emelka Nathan der Weise Seite 68 DE 1922 Manfred Noa 125 min viragiert Soundtrack Mittwoch, 23. Januar Jeanne Moreau The Train (Der Zug) Seite 56 USA 1964 John Frankenheimer 133 min OmU Künstlerkino Exit Through the Gift Shop Seite 77 GB 2010 Banksy 87 min OmU 2 Sebastian Pohl Donnerstag, 24. Januar Open Scene Freitag, 25. Januar Jahre Emelka Münchner Filmbilderbogen Nr. 9 Seite 68 DE 1922 Louis Seel 5 min Wüstenrausch DE 1923 Géza von Bolváry 92 min \ Günter A. Buchwald Jeanne Moreau Monte Walsh Seite 57 USA 1970 William A. Fraker 99 min OF Samstag, 26. Januar Jahre Emelka Helena. Der Untergang Trojas Seite 68 DE 1924 Manfred Noa 219 min viragiert \ Günter A. Buchwald Sonntag, 27. Januar Film und Psychoanalyse Blood Simple (Eine mörderische Nacht) Seite 38 USA 1984 Joel und Ethan Coen 96 min OmU 2 Katharina Leube-Sonnleitner Jeanne Moreau Nathalie Granger Seite 57 FR 1972 Marguerite Duras 83 min OmeU Dienstag, 29. Januar Jeanne Moreau Viva Maria! Seite 56 FR 1965 Louis Malle 120 min OmU Jahre Emelka Die Leuchte Asiens Seite 69 IN/DE 1925 Franz Osten 98 min engl. OF Soundtrack Mittwoch, 30. Januar Jeanne Moreau Mademoiselle Seite 57 GB 1966 Tony Richardson 105 min OF Künstlerkino Kristall Contre-jour Meteor personne Screen Seite 77 DE Matthias Müller & Christoph Girardet 73 min Matthias Müller & Christoph Girardet Donnerstag, 31. Januar Open Scene Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

95 Freitag, 1. Februar Jahre Emelka Zwischen Mars und Erde Seite 69 DE 1925 F. Möhl 9 min Die Leuchte Asiens IN/DE 1925 Franz Osten 98 min engl. OF \ Masako Ohta Jeanne Moreau Les valseuses (Die Ausgebufften) Seite 58 FR 1974 Bertrand Blier 113 min OmU Samstag, 2. Februar Jahre Emelka Die Bestie von San Silos Seite 69 DE 1925 Joe Stöckel 13 min (Fragment) The Pleasure Garden (Irrgarten der Leidenschaft) GB/DE 1925 Alfred Hitchcock 74 min engl. OF viragiert \ Günter A. Buchwald Jeanne Moreau Lumière (Im Scheinwerferlicht) Seite 58 FR 1976 Jeanne Moreau 95 min OmeU Sonntag, 3. Februar Jahre Emelka Der Jäger von Fall Seite 69 DE 1926 Franz Seitz 70 min Samba, der Held des Urwalds DE 1928 August Brückner \ Günter A. Buchwald Jeanne Moreau L'adolescente (Mädchenjahre) Seite 59 FR 1979 Jeanne Moreau 90 min OmeU Dienstag, 5. Februar Jeanne Moreau Monte Walsh Seite 57 USA 1970 William A. Fraker 99 min OF Jahre Emelka The Pleasure Garden (Irrgarten der Leidenschaft) Seite 69 GB/DE 1925 Alfred Hitchcock 74 min engl. OF viragiert Mittwoch, 6. Februar Jeanne Moreau Les valseuses Seite 58 (Die Ausgebufften) FR 1974 Bertrand Blier 113 min OmU Künstlerkino Visages Villages Seite 77 (Augenblicke: Gesichter einer Reise) FR 2017 Agnès Varda, JR 89 min OmU 2 Herlinde Koelbl Donnerstag, 7. Februar Open Scene Freitag, 8. Februar Jahre Emelka Emelka-Woche 30/1927 Seite 70 DE min Sturmflut DE 1927 Willy Reiber 81 min \ Joachim Bärenz Jeanne Moreau Querelle Ein Pakt mit dem Teufel Seite 59 BRD 1982 Rainer Werner Fassbinder 108 min frz. OmeU Kalenderübersicht 93 Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

96 Kalenderübersicht 94 Samstag, 9. Februar Jahre Emelka Emelka-Woche 6/1928 Seite 70 DE min Waterloo DE 1929 Karl Grune 122 min \ Joachim Bärenz Jeanne Moreau La vieille qui marchait dans la mer Seite 59 (Die Dame, die im Meer spazierte) FR 1991 Laurent Heynemann 90 min OmU Sonntag, 10. Februar Jeanne Moreau Until the End of the World Seite 59 (Bis ans Ende der Welt) FR 1991 Wim Wenders 279 min mehrsprachige OmU Dienstag, 12. Februar Jeanne Moreau Lumière Seite 58 (Im Scheinwerferlicht) FR 1976 Jeanne Moreau 95 min OmeU Jahre Emelka Das Wunder des gezeichneten Tons Seite 71 DE 1932 Rudolf Pfenninger 14 min Boykott DE 1930 Robert Land 73 min Mittwoch, 13. Februar Jeanne Moreau L'adolescente Seite 59 (Mädchenjahre) FR 1979 Jeanne Moreau 90 min OmeU Künstlerkino La controfigura (The Stand-in) Seite 77 IT 2017 Rä di Martino 75 min OmeU Rä di Martino Donnerstag, 14. Februar Open Scene Freitag, 15. Februar Jahre Emelka Emelka-Woche 37/1929 Seite 70 DE min Ludwig der Zweite, König von Bayern DE 1930 Wilhelm Dieterle 111 min \ Sabrina Zimmermann, Mark Pogolski Jeanne Moreau To meteoro vima tou pelargou Seite 60 (Der schwebende Schritt des Storches) GR 1991 Theo Angelopoulos 143 min OmU Samstag, 16. Februar Jahre Emelka Emelka-Tonwoche 92/1932 Seite 70 DE min Das lockende Ziel DE 1930 Max Reichmann 74 min Jeanne Moreau L'absence (Die Abwesenheit) Seite 60 FR 1992 Peter Handke 112 min OmeU Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

97 Sonntag, 17. Februar Film und Psychoanalyse Talk Radio Seite 38 USA 1988 Oliver Stone 109 min OmU 2 Matthias Baumgart Jeanne Moreau Cet amour-là (Diese Liebe) Seite 60 FR 2001 Josée Dayan 100 min OmU Dienstag, 19. Februar Jeanne Moreau Cet amour-là (Diese Liebe) Seite 60 FR 2001 Josée Dayan 100 min OmU Jahre Emelka Pitsch und Patsch Seite 71 DE 1932 Rudolf Pfenninger 11 min Die Privatsekretärin DE 1931 Wilhelm Thiele 100 min Mittwoch, 20. Februar Jeanne Moreau Le temps qui reste (Die Zeit die bleibt) Seite 61 FR 2005 François Ozon 81 min OmU Künstlerkino Un chien andalou (Ein andalusischer Hund) Seite 78 FR 1929 Luis Buñuel 16 min OmeU Impressions de la haute Mongolie Hommage à Raymond Roussel (Impressionen aus der Hohen Mongolei) BRD 1976 José Montes-Baquer 57 min frz. OmU 2 M+M Donnerstag, 21. Februar Open Scene Freitag, 22. Februar Jahre Emelka Das Wunder des gezeichneten Tons Seite 71 DE 1932 Rudolf Pfenninger 14 min Boykott DE 1930 Robert Land 73 min Jeanne Moreau Le temps qui reste (Die Zeit die bleibt) Seite 61 FR 2005 François Ozon 81 min OmU Samstag, 23. Februar Jahre Emelka Pitsch und Patsch Seite 71 DE 1932 Rudolf Pfenninger 11 min Die Privatsekretärin DE 1931 Wilhelm Thiele 100 min Jeanne Moreau Une Estonienne à Paris (Eine Dame in Paris) Seite 61 FR 2012 Ilmar Raag 94 min OmU Sonntag, 24. Februar Jahre Emelka Serenade Seite 71 DE 1932 Ferdinand Diehl 7 min Kreuzer Emden DE 1932 (1926) Louis Ralph 97 min Jeanne Moreau O Gebo e a sombra (Gebo und der Schatten) Seite 61 PT 2012 Manoel de Oliveira 95 min frz. OmeU Kalenderübersicht 95 Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

98 Dienstag, 26. Februar Jeanne Moreau Une Estonienne à Paris (Eine Dame in Paris) Seite 61 FR 2012 Ilmar Raag 94 min OmU Jahre Emelka Im Photoatelier Seite 71 DE 1932 Karl Ritter 28 min Die verkaufte Braut DE 1932 Max Ophüls 77 min Mittwoch, 27. Februar Jahre Emelka Im Photoatelier Seite 71 DE 1932 Karl Ritter 28 min Die verkaufte Braut DE 1932 Max Ophüls 77 min Künstlerkino La Ferdinanda Sonate für eine Medici-Villa Seite 78 BRD 1982 Rebecca Horn 85 min 2 Franziska Stöhr Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München Tel 089/

99 Für Unterstützung und Kooperation bei der Realisierung unseres Programms danken wir: Internationale Stummfilmtage Cinémathèque française, Paris (Céline Ruivo) Cineteca del friuli, Gemona (Elena Beltrami) Filmarchiv Austria, Wien (Nikolaus Wostry) Förderverein Filmkultur Bonn (Franziska Kremser-Klinkertz, Sigrid Limprecht) Library of Congress, Culpeper (Lynanne Schweighofer) Museum of Modern Art, New York (Katie Trainor) National Film Archive of Japan, Tokyo (Mika Tomita, Hiroshi Eguchi) Svenska Filminstitutet, Stockholm (Jon Wengström) Université de Lausanne (Valentine Robert) Frank Wisbar Bonner Kinemathek (Bernhard Gugsch) Bundesarchiv, Berlin (Stephanie Müller) Deutsches Filminstitut, Wiesbaden (Markus Wessolowski) Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden (Michaela Seim, Anne Siegmayer) Klaus Kanzog, München Carl Laemmle Junior Museum of Modern Art, New York (Dave Kehr, Katie Trainor, James Layton) Library of Congress, Culpeper (Lynanne Schweighofer, Mike Mashon) NBC Universal, Universal City (Janice Simpson) UCLA Film & Television Archive, Santa Clarita (Todd Wiener, Steven Hill) Farran Smith Nehme, New York Zauberkunst und Film CCC-Filmkunst, Berlin (Sarah Polligkeit) Deutsche Kinemathek, Berlin (Anke Hahn, Diana Kluge) Lobster Films, Paris (Serge Bromberg) Svenska Filminstitutet, Stockholm (Jon Wengström, Kajsa Hedström) Thomas Fraps, München Markus Laymann, München Ingmar Bergman Svenska Filminstitutet, Stockholm (Jon Wengström, Kajsa Hedström) Nils Warnecke, Berlin Film und Psychoanalyse Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie, München (Matthias Baumgart, Eva Friedrich, Andreas Hamburger, Vivian Pramataroff-Hamburger, Salek Kutschinski, Mathias Lohmer, Katharina Leube-Sonnleitner, Corinna Wernz) Deutsches Filminstitut, Wiesbaden (Markus Wessolowski) Institut français, Berlin (Anne Vassevière) Rumänisches Filmfestival Arhiva Naţională de Filme - Cinemateca Română, Bukarest (Mihai Fulger) Centrul Naţional al Cinematografiei România, Bukarest (Anca Mitran, Alina Sălcudeanu) Eirina Film, Oradea (Laura Mega) FAMart, Bukarest (Miruna Berescu) Generalkonsulat von Rumänien, München (Iulia Ramona Chiriac) Gesellschaft zur Förderung der Rumänischen Kultur und Tradition, München ICON Film, Bukarest (Marta Marinescu) Kinosseur Film, Bukarest (Andrei & Codruta Creţulescu) Kulturreferat der LH München (Christoph Schwarz) Rumänisches Kulturinstitut»Titu Maiorescu«, Berlin (Claudiu Florian) Triarte International, München/Bukarest (Brigitte Drodtloff) We Are Basca, Bukarest (Claudiu Mitcu) Patrick Holzapfel, Wien Ion Indolean, Cluj Emanuel Pârvu, Bukarest Radu Potcoavă, Bukarest Bert Rebhandl, Berlin Will Tremper Kinemathek Le Bon Film, Basel (Beat Schneider, Axel Töpfer) Deutsches Filminstitut, Wiesbaden (Mathias Bollinger, Michael Schurig) Moviemax, München (Walter Potganski) Friedrich-Wilhelm- Murnau-Stiftung, Wiesbaden (Michaela Seim, Anne Siegmayer) Fritz Göttler, München Jeanne Moreau Cinémathèque suisse, Lausanne (André Schäublin) Deutsches Filminstitut, Wiesbaden (Mathias Bollinger, Michael Schurig) Kinemathek Hamburg Metropolis Archiv (Thomas Pfeiffer) UCLA Film & Television Archive, Santa Clarita (Todd Wiener, Steven Hill) 100 Jahre Emelka Bundesarchiv, Berlin (Stephanie Müller) Cinémathèque suisse, Lausanne (Caroline Fournier) Cinémathèque de la Ville de Luxembourg (Claude Bertemes, Georges Bildgen) Deutsches Filminstitut, Wiesbaden (Markus Wessolowski, Anke Mebold, Hannes Weiss) Eye Film Institute, Amsterdam (Marleen Labijt) Library of Congress, Culpeper (Mike Mashon) Klaus Volkmer BELVA Film, Rolle (Jean-Marie Straub, Barbara Ulrich) Künstlerfilme Kino der Kunst, München (Heinz Peter Schwerfel, Isabel Kienemann) FilmWeltWirtschaft DOK.fest, München (Daniel Sponsel, Adele Kohout) Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie (Ulrich Pohlmann, Katharina Zimmermann) Das Kino ist mit einer Induktionsschleife für Hörgerätebesitzer ausgestattet Fotos Barbara Gass, München Deutsches Filminstitut, Frankfurt (André Mieles) Dynweb Net Services, München (Heiner Gassen) Filmmuseum München (Claudia Engelhardt, Christoph Michel, Gerhard Ullmann) Radio Bremen (Mark Lührs)

100 Das Kino der Stadt Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz München 089/ [email protected]

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