Die Geschichte vom Fliegen

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1 Die Geschichte vom Fliegen Eine der bekanntesten griechischen Sagen ist die von Ikarus. Ikarus entfloh der Gefangenschaft des Königs Minos mit Hilfe von Flügeln, die er zusammen mit seinem Vater Daedalus aus Vogelfedern und Wachs gebaut hatte. Bei ihrer Flucht kam Ikarus trotz der Warnungen seines Vaters der Sonne zu nahe - das Wachs schmolz und Ikarus stürzte ins Meer. Zu sehr hatte er sich vom Hochgefühl des Fliegens mitreißen lassen. Andere taten es ihm nach und bezahlten ebenfalls mit ihrem Leben. Glück im Unglück hatte Albrecht Ludwig Berblinger, der Schneider von Ulm. In den Jahren 1810 und 1811 konstruierte er einen Flugapparat, mit dem er wie ein Vogel durch die Luft gleiten wollte startete er von einer Donaubrücke - auch der bayerische König weilte unter den Zuschauern. Berblinger hatte leider nicht bedacht, dass über dem kalten Fluss keine Aufwinde herrschen, die ihn bei seinen bisherigen Versuchen lange genug in der Luft hielten. Die geplante Flußüberquerung gelang deshalb nicht, er stürzte ab und musste aus den Fluten gerettet werden. Der Schneider von Ulm in einer historischen Darstellung

2 Erste wissenschaftliche Untersuchungen In der Renaissance erlebte die Wissenschaft einen gewaltigen Aufschwung. Sowohl die Naturstudien wie auch die Technik wurden perfektioniert. Leonardo da Vinci ( ) entwarf verschiedene Flugapparate, die sich meist eng an seinen Beobachtungen der Flügel von Vögeln und Fledermäusen orientierten. Ob diese Flugapparate je gebaut worden sind, ist jedoch nicht bekannt. Für alle Flugapparate, die mit Muskelkraft angetrieben werden, wies G. A. Borelli 1680 nach, dass der Mensch nie in der Lage sein würde, sich aus eigener Kraft in die Lüfte zu erheben. Sein Körper ist zu schwer und seine Muskeln sind zu schwach, um es den fliegenden Tieren nachzutun. Wenn schon nach Borelli der Start mit Muskelkraft nicht möglich war, so hatten doch wenigstens Gleitflüge eine Aussicht auf Erfolg. Sich aus eigenem Antrieb in die Lüfte zu erheben - das war nur mit Heißluftballons möglich. Heißluftballons funktionieren damals wie heute 1783 hob in Paris das erste Luftfahrzeug der Welt ab. Die Brüder Montgolfier hatten einen Heißluftballon gebaut, mit dem zwei Menschen fahren konnten. Das Prinzip dabei ist ganz einfach. Heiße Luft ist leichter als kühle Luft. Eingeschlossen in eine Hülle erzeugt sie Auftrieb. Genauso funktioniert auch der heutige Heißluftballon. Nach dem Prinzip, Auftrieb durch ein leichteres Gas zu erzeugen, arbeitete auch der Gasballon von J.A.C. Charles, der wenige Tage später erstmals zum Einsatz kam. Er füllte seinen Ballon mit dem leichtesten Gas überhaupt, dem Wasserstoffgas. Dieses brennbare Gas und seine Gefährlichkeit war auch der Grund für das Unglück des Luftschiffs Hindenburg nahe New York. Es bedeutete das Ende für die Passagierluftschifffahrt. Im 19. Jhd. versuchten sich zahllose Ingenieure und Hobby-Bastler an verschiedenen Flugzeug-Modellen, doch zunächst blieben alle ohne Erfolg. Erst Otto Lilienthal gelang es 1891, Gleitflieger zu bauen, die sich über Distanzen von bis zu 130 Metern kontrolliert in der Luft halten ließen.

3 Lilienthal hatte sich intensiv mit dem Vogelflug beschäftigt und damit an Leonardo da Vinci angeknüpft. Sein Buch "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst" (1889) gilt bis heute als Klassiker. In allen seinen Konstruktionen ist das Vorbild Vogel erkennbar. Spätere Doppeldeckerkonstruktionen sollten den Auftrieb weiter erhöhen. Trotz immer größerer Routine beim Entwurf der Konstruktionen war die praktische Erprobung sehr risikoreich. Bei einem Erprobungsflug 1896 war eine Aufwindböe zu stark, er stürzte ab und starb. Vorbild Natur Lilienthal ließ vom Vogelflug insipieren, andere frühe Flugzeugbauer wie Karl Jatho und Karl Illner begeisterten sich für die Gleitflugeigenschaften des tropischen Samens der Pflanze Zanonia. Illner konstruierte 1909, angeregt durch eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 1897 über den Zanonia-Samen, die "Taube" - eine Art Motorsegler mit hervorragenden Flugeigenschaften. Das Prinzip des Gleitfliegens wird heute noch genutzt: beim Fallschirmspringen bzw. Paragliding und beim Segelflug.

4 Luftschiffe Ferdinand Graf von Zeppelin entwickelte das lenkbare Luftschiff, den Zeppelin. Seinen Jungfernflug absolvierte das Fluggerät am 1. Juli 1900 über dem Bodensee. Er bestand aus einem starren Gerüst aus Aluminium, um das eine Ballonhaut gespannt und mit Wasserstoff gefüllt war. Am Bauch des zigarrenförmigen, 128 Meter langen Ballons hing eine Kabine, die zwei Motoren, Steuerung und Passagieren Raum bot. Der Zeppelin konnte bis zu 32 Kilometer pro Stunde schnell werden. Der Zeppelin "Hindenburg" war der Stolz der deutschen Luftschifffahrt. Er war mit 245 m Länge das größte Luftschiff, das je gebaut wurde. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 125 km/h beförderte es Passagiere im Linienflug in ca. 4 Tagen von Frankfurt nach New York (Lakehurst). Zeppeline waren zur damaligen Zeit die schnellste Möglichkeit, zwischen den USA und Europa zu reisen. Am 6. Mai 1937 entzündete sich der Wasserstoff im Inneren der Hindenburg aus bis heute nicht vollständig geklärten Gründen bei der Landung in Lakehurst. Das Luftschiff ging in einem Feuerball auf, 62 Menschen überlebten die Katastrophe, 36 Menschen starben. Dieser Unfall bedeutete das Ende für die kommerzielle Luftschifffahrt. Die Brüder Wilbur und Orville Wright aus den USA starteten am 17. Dezember 1903 zum ersten Motorflug der Welt. Er dauerte nur zwölf Sekunden und trug das Flugzeug 37 Meter weit durch die Luft. Doch schnell steigerten die beiden die Flugdauer und Entfernung und bauten bis 1905 zwei weitere Flugzeuge, die bis zu 39 Minuten in der Luft blieben.

5 Weiterentwicklung 1909 überflog der Franzose Louis Blériot als erster den Ärmelkanal. Flugschauen in verschiedenen Ländern demonstrierten der Bevölkerung, aber auch der Wirtschaft und des Militärs, die Einsatztauglichkeit von Flugzeugen. In der Folge entstanden Forschungsinstitute, die insbesondere die Verwendung der neuen Flugzeuge im Krieg erkunden und ermöglichen sollten. Flugzeuge im Ersten Weltkrieg Die zunehmenden internationalen Spannungen veranlassten viele Länder, die Entwicklung der Flugzeuge voranzutreiben. Im Ersten Weltkrieg wurde das Flugzeug zur Aufklärung, aber auch als Angriffs-, Jagd- und Bombenflugzeug eingesetzt. Allerdings gehen Militärhistoriker davon aus, dass es keinen kriegsentscheidenden Einfluss hatte. Dennoch waren gegen Ende des Kriegs in Deutschland Menschen in der Luftfahrt beschäftigt - etwa Flugzeuge hatte Deutschland bis zum Ende des Kriegs hergestellt. Frankreich hatte , Großbritannien Flugzeuge produziert. Nach dem Krieg standen viele Flugzeuge zur Verfügung, die das Militär nicht mehr brauchte. Mit ihnen wurde in vielen Ländern der zivile Luftverkehr etabliert. Postflugzeuge brachten Nachrichten in bis dahin ungekannter Schnelligkeit von Ort zu Ort. Die erste Strecke war 1919 die zwischen Berlin und Weimar, dem damaligen Sitz des deutschen Parlaments. Wenige Wochen später nahm mit der Strecke Paris- Brüssel die erste internationale Linie den Verkehr auf.

6 Piloten versuchten immer längere Strecken zu fliegen, die bisher noch niemand bewältigt hatte. Die Jagt nach Rekorden war risikoreich. So kostete allein der Versuch den Atlantik zu überqueren 19 Menschen das Leben schaffen Alcock und Brown die erste Überquerung, Charles Lindbergh flog 1927 als erster im Alleinflug von New York nach Paris. Die "Junkers F13" von Hugo Junkers war 1919 das erste reine Verkehrsflugzeug. In der Folge kamen in Amerika und Europa immer weiter verbesserte Modelle auf den Markt. Seit Anfang der 30er Jahre waren sie mit Instrumenten zum "Blindflug" ausgestattet, mit denen Piloten auch bei schlechtem Wetter und bei Nacht starten und landen konnten. Auch die verwendeten Materialien, die Motoren und die aerodynamischen Eigenschaften wurden kontinuierlich verbessert. Die Junkers Ju-52 ("Tante Ju") wurde seit 1933 in Deutschland am häufigsten eingesetzt. Sie war zuverlässig und robust und wurde daher gleichermaßen für zivile und militärische Zwecke verwendet. Fliegen im Zweiten Weltkrieg Nach der Machtübernahme 1933 investierten die Nationalsozialisten in Deutschland hohe Summen in die Luftfahrt, um eine militärische Vormachtstellung zu erlangen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 besaß Deutschland so viele Flugzeuge wie alle Alliierten zusammen. Doch innerhalb weniger Jahre holten vor allem Briten und Amerikaner diesen Vorsprung ein. Im Juli 1944 produzierten die Amerikaner täglich 16 (!) Bomber vom Typ B 17. Diese Investitionen in die Luftfahrt brachte die Technik auf der einen Seite gewaltig voran, auf der anderen Seite trugen sie mit dazu bei, den Schrecken des Krieges noch zu vergrößern. Mit den Bombern war es nun möglich, die Kämpfe weit hinter die Front zu tragen und auch die Zivilbevölkerung des Gegners anzugreifen. Die Bombenangriffe töteten Hunderttausende von Zivilisten, haben eine ganze Generation geprägt und hinterließen viele Menschen traumatisiert.

7 Einführung der Jet Bis in die späten 50er Jahre wurden Propellerantriebe für die zivile Luftfahrt benutzt. Turbopropmotor der Super Constellation L1049 D-ALAP (1956) Bildarchiv Lufthansa Schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurde das Strahltriebwerk entwickelt. Mit Strahltriebwerken ausgestatteten Flugzeuge, die Jets, erreichten jedoch erst Ende der 50er Jahre eine weite Verbreitung. Sie flogen wesentlich schneller und konnten größere Lasten tragen als die bis dahin eingesetzten Propellermaschinen. Das Strahltriebwerk war eine der entscheidenden Erfindungen, die dem Flugverkehr zu seiner Erfolgsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg verhalfen. Seitdem werden die Flugzeuge immer größer und schneller. Vor allem aber steigt die Anzahl der Passagiermaschinen weltweit. Die Zahl der Flugreisen wächst kontinuierlich. Zur Jahrtausendwende wurden allein in der Europäischen Union jährlich über 330 Millionen Fluggäste gezählt. Nicht nur Umweltschützer sehen das mit großer Sorge, da die Luftverschmutzung durch Flugverkehr in einer sehr empfindlichen Zone unserer Atmosphäre stattfindet. Zwar sinkt der Schadstoffausstoß pro Fluggast mit fast jeder neuen Flugzeuggeneration, doch legen die Menschen immer mehr und immer längere Strecken zurück - sei es geschäftlich oder auf dem Weg in den Urlaub.

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