Gold? Öl? Wein? "Kaufen"

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1 Gold? Öl? Wein? "Kaufen" Pimco-Gründer Bill Gross verwaltet den größten Publikumsfonds der Welt. Im Interview spricht er über Inflation, Währungskrieg und darüber, was ihn an München reizt. Von Karsten Seibel In der Finanzbranche wird er ehrfurchtsvoll Bondkönig genannt. Das Wort von William H. Gross, kurz Bill Gross, hat Gewicht an den internationalen Kapitalmärkten. Kein Wunder, die von ihm vor mehr als 40 Jahren gegründete Fondsgesellschaft Pimco verwaltet mittlerweile ein Vermögen von umgerechnet 1,5 Billionen Euro. Damit lassen sich die weltweiten Anleihenkurse beeinflussen. Für großes Aufsehen sorgte Gross vor zwei Jahren, als er den Vereinigten Staaten ein ähnliches Schicksal wie manch einem der hoch verschuldeten Euro- Staaten prophezeite und deshalb keine US-Staatsanleihen mehr kaufen wollte. Doch als sein Vorzeigefonds, der "Pimco Total Return Fund", in den Ranglisten immer weiter abfiel, korrigierte er sich und stieg wieder ein. Das hat sich für ihn und seine Anleger ausgezahlt. Welt am Sonntag: Herr Gross, Sie haben im Vorjahr mit Ihrem Anleihenfonds eine Rendite von elf Prozent erwirtschaftet. Haben Sie sich schon bei den Notenbankchefs Ben Bernanke und Mario Draghi bedankt? Bill Gross: (lacht) Das machen wir ständig. Ich kann es gerne an dieser Stelle noch einmal tun: ein dickes Dankeschön an beide. Fragt sich nur, wo das Ganze endet. Das kann ich Ihnen sagen: in Inflation. Der allzu freizügige Umgang der Notenbanken mit ihrem Scheckbuch wird unweigerlich zu Preissteigerungen und einer Abwertung der Währungen führen. Bislang gelang es gerade der US-Notenbank aber ganz gut, die heimische Wirtschaft mit dem billigen Geld am Laufen zu halten. Am Ende wird dies nicht funktionieren. Bernankes Traum einer Wiederauferstehung der US- Wirtschaft, worauf auch viele Anleger setzen, wird sich nicht erfüllen. Denn dafür müsste das viele billige Geld tatsächlich in neue Fabriken und Arbeitsplätze fließen. Die Amerikaner fühlen sich dank der steigenden Kurse an den Börsen vielleicht reicher und geben mehr Geld aus. Doch nachhaltig ist das nicht. Lassen Sie es mich so sagen: Wir dürfen den Weizen nicht nur ernten, für dauerhaften Wohlstand muss auch immer wieder neuer gesät werden. Die

2 Vereinigten Staaten, aber auch andere Industrieländer, sollten sich endlich der Wirklichkeit stellen. Und die wäre? Wachstumsraten von mehr als zwei Prozent gehören in vielen Ländern der Vergangenheit an. Auch wenn es noch so bitter ist, am Sparen führt angesichts der hohen Schuldenberge kein Weg vorbei weder in den Vereinigten Staaten noch in Europa. Und ich spreche hier nicht von ein, zwei Jahren, sondern von einem Prozess, der eine ganze Dekade andauern kann. Hinzu kommt gerade in den entwickelten Ländern die Alterung der Gesellschaft. Menschen zwischen 20 Jahren und 55 Jahren sind die Motoren der Wirtschaft. Sie bauen Häuser, gründen Familien und steigen beruflich auf. Wer älter wird, trägt nach und nach immer weniger zur Produktivität bei. Ältere Menschen geben weniger Geld aus, sie kaufen nun einmal seltener ein neues Haus, seltener ein neues Auto. Es gibt aber auch gegenläufige Entwicklungen, so wird beispielsweise erwartet, dass die Energiepreise in den Vereinigten Staaten dank der Förderung des eigenen Erdgases deutlich sinken werden. Das bestreite ich nicht. Die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten vom Öl wird sinken. Und auch in anderen Bereichen kann es zu technologischen Sprüngen kommen. Wer hätte vor 20 Jahren die heutige Bedeutung des Internets vorhergesagt? Wobei wir zunehmend auch die negativen Seiten des technischen Fortschritts spüren werden: Wir sind an einem Punkt, an dem es nicht mehr genügend gute Jobs für all die Menschen gibt, die von Maschinen verdrängt wurden und etwas Neues brauchen. Mit steigender Arbeitslosigkeit wird sich das Wirtschaftswachstum trotz neuer Erfindungen eher verlangsamen als erhöhen. Sie erwarten also nicht nur eine weltweite Zunahme des Wettbewerbs der Industrieländer um Ressourcen, sondern auch um Arbeitsplätze? Und dieser Wettbewerb wird nicht zuletzt mithilfe der eigenen Währung ausgetragen. Wenn sich die großen Unternehmen eines Landes international nicht mehr durchsetzen können, müssen sie versuchen, über den Preis Anteile auf dem Weltmarkt zurückzugewinnen. Und dies geht am einfachsten, wenn die eigene Währung abgewertet wird. Die Japaner machen dies mithilfe ihrer Notenbank gerade eifrig. Der Yen hat deutlich an Wert gegenüber Dollar und Euro verloren. Das machen nicht nur die Japaner. Auch die Amerikaner, die Briten und die übrigen Europäer kämpfen mit. Wir befinden uns in einem Währungskrieg. Wer wird am Ende gewinnen? Das lässt sich noch nicht sagen. Die Situation erinnert an die 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Auch damals gab es einen Abwertungswettlauf. Am Ende kamen damals jene Länder als erste aus der Rezession, die zuvor als erste und am stärksten ihre Währung abgewertet hatten. Wie sollte sich Europa Ihrer Meinung nach verhalten? Für Europa ist der Versuch einer Ab- oder Aufwertung der eigenen Währung schwierig, zu unterschiedlich sind die Interessen. Für Länder wie Spanien (Link: und Italien (Link:

3 wäre ein schwächerer Euro besser. Dem stehen allerdings wirtschaftlich robuste Länder wie Deutschland (Link: gegenüber, deren Unternehmen bislang auch ohne eine Währungsabwertung auf den Weltmärkten mithalten. Man muss einen Mittelweg finden. Macht Ihnen die Euro-Krise (Link: noch große Sorgen? Die Euro-Krise ist noch nicht vorbei. Die Europäische Zentralbank hält mit ihren Eingriffen der Politik den Rücken frei, um die notwendigen wirtschaftlichen Reformen umzusetzen. Aber diese Zeit muss jetzt auch genutzt werden. Das klingt eher skeptisch. Grundsätzlich haben sich Politiker zuletzt nicht unbedingt durch Weitblick ausgezeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist die einzige von den Regierungschefs in Europa, die in der Krise bislang Rückgrat bewies. Für mich ist sie eine moderne Margaret Thatcher. Das klingt nach einem Lob. So ist es gemeint. Die britische Premierministerin war extremer. Aber auch Merkel setzt sich mit Nachdruck ein, wenn es um das Geld Deutschlands geht. Bei der Frage, ob Griechenland (Link: in der Euro-Zone bleiben soll, war Merkels Haltung nicht immer klar. Ich halte diese Frage auch heute noch nicht für geklärt. Es gibt Reformen in Griechenland, doch viel hat sich in den vergangenen zwölf Monaten in dem Land nicht verändert. Es ist meiner Meinung nach noch immer nicht sicher, ob Griechenland dauerhaft im Euro bleiben wird. Und was heißt all das für Anleger? Die Zeiten, in denen an den Anleihemärkten zweistellige Renditen erwirtschaftet werden konnten, sind vorbei. Statt elf Prozent wie im Vorjahr gehe ich für dieses Jahr eher von drei bis vier Prozent Rendite aus. Auch bei Aktien erwarte ich eher einstellige Renditen. Was empfehlen Sie konkret? Wenn Anleihen, dann Papiere mit einer Laufzeit bis zu fünf Jahren, diese werden weiterhin von den Unterstützungsaktionen der Zentralbanken profitieren. Länger sollte sich kein Anleger binden, denn dann bekommt er die drohende Inflation voll zu spüren. Papiere mit Laufzeiten von zehn, 20 oder sogar 30 Jahren drohen langfristig massiv an Wert zu verlieren. Inflationsgeschützte Anleihen sind noch eine gute Alternative. Inflation verbinden Menschen in Deutschland schnell mit Preissteigerungsraten von zehn und mehr Prozent. Von was sprechen Sie? Wir gehen für die Jahre 2014, 2015 und 2016 von jeweils drei Prozent Inflation in den Vereinigten Staaten aus. Auch damit fällt es sehr schwer, überhaupt noch reale Vermögenszuwächse zu erzielen. Anleihen aus Ländern wie Mexiko und Brasilien (Link: sind deshalb interessant.

4 Und Aktien? In einer Welt mit drei Prozent Inflation sind Qualitätsaktien mit einem stabilen Cashflow spannend. Gerade in Europa gibt es noch einige billige Aktien. Lassen Sie uns zum Schluss noch ein paar andere Anlagen durchgehen. Sagen Sie einfach "Kaufen", "Halten", "Verkaufen". Also: Dollar? Verkaufen. Euro? Halten. Gold? Öl? Kunst? Wein? Amerikanischen, französischen oder deutschen? Ich persönlich trinke keinen Wein. Ein gutes Bier reicht mir gerne auch eines aus dem Hofbräuhaus. Quelle:

5 ÜBER WILLIAM GROSS In Kooperation mit

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