Volk des Altertums. Altertum

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1 Volk des Altertums Dieses Wiki-Buch wurde mit BookMe!-2008 automatisch generiert. Das Copyright für den Text liegt beim ausgelesenen Wiki und darf nicht als Eigenleistung ausgegeben werden. Altertum Volk Alter Orient Mesopotamien Sumer Akkad Babylonien Hethiter Altes Ägypten Assyrien Altertum aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Wechseln zu: Navigation, Suche Die Ruinen von Persepolis, Residenzstadt der persischen Achaimeniden Altertum bezeichnet in der Geschichtswissenschaft den historischen Zeitraum der mediterran-vorderasiatischen Zivilisationen zwischen Frühgeschichte (bis Mitte 4.

2 Jahrtausend v. Chr.) und Mittelalter (ab 6./7. Jahrhundert). Der Begriff Antike vor allem als klassische Antike bezeichnet hingegen ausschließlich das griechisch-römische Altertum (je nach zeitlicher Abgrenzung ab 12. oder 8. Jahrhundert v. Chr.). Der umfassendere Begriff Altertum beinhaltet somit auch diese Epoche. Am Anfang des Altertums steht die Ausbildung der Schrift und der altorientalischen Reiche Vorderasiens Mesopotamien (Sumer, Akkad, Babylonien, Mittani, Assyrien), Iranisches Hochland (Elam, Medien, Persien), Levante (Ugarit) und Kleinasien/Anatolien (Hethiterreich, Phrygien, Lydien, Luwien) sowie Ägyptens. In die Endzeit fällt der Zerfall des römischen und sassanidischen Staatengefüges während der Völkerwanderung und der arabischen Expansion (Untergang Westroms 476/480; Tod Justinians 565; Vernichtung des Sassanidenreichs 651). In der neueren Forschung wird die Übergangszeit zwischen Antike und Mittelalter (vom Ende des 3. bis zum Anfang des 7. Jahrhunderts) als eigener Abschnitt des Altertums gezählt, siehe Spätantike. Inhaltsverzeichnis 1 Jungneolithische Anfänge o 1.1 Mesopotamien o 1.2 Ägypten 2 Ausweitung o 2.1 Mesopotamien o 2.2 Ägypten o 2.3 Die Bronzezeit 3 Die Hohe Bronzezeit o 3.1 Mesopotamien o 3.2 Die Levante o 3.3 Ägypten o 3.4 Ägäis 4 Das Ende der Bronzezeit 5 Die Eisenzeit o 5.1 Vorderasien o 5.2 Ägypten o 5.3 Mittelmeerraum 6 Die klassische Antike o 6.1 Vorderer Orient o 6.2 Ägäisraum o 6.3 Das geistige und kulturelle Leben in Griechenland o 6.4 Westlicher Mittelmeerraum 7 Der Hellenismus 8 Das Römische Reich o 8.1 Aufstieg o 8.2 Die Krisenzeit der Republik o 8.3 Frühe und hohe Kaiserzeit o 8.4 Späte Kaiserzeit 9 Iran 10 Zur Problematik 11 Siehe auch 12 Literatur

3 o 12.1 Einführende Literatur o 12.2 Weiterführende Darstellungen o 12.3 Altertumswissenschaft und Universität o 12.4 Altertumswissenschaften im Faschismus und Nationalsozialismus o 12.5 Altertumswissenschaften und Neue Medien 13 Weblinks [Bearbeiten] Jungneolithische Anfänge Keilschrift-Tontafel Die Zivilisationen des Altertums entstanden aus dem voll entwickelten Jungneolithikum (Chalkolithikum) heraus, gekennzeichnet durch: produzierende Landwirtschaft (Ackerbau, Viehhaltung), arbeitsteilige Gesellschaft, grundlegende metallurgische Techniken, überregionaler Handel und Vorratswirtschaft sowie Sesshaftigkeit in ummauerten Siedlungen. Mit den folgenden Kulturen verbindet sich die Ausbildung der Schrift, als deren Vorläufer Piktogramme und Ideogramme bereits seit dem Jungpaläolithikum (z.b. auf Felszeichnungen) in Gebrauch gewesen waren; die Bildzeichen entwickelten sich ab Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. möglicherweise in gegenseitiger Beeinflussung in Mesopotamien zur Keilschrift und in Ägypten zu Hieroglyphen weiter (aus letzteren durch kanaanitische Vermittlung ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. noch weiter zu Alphabetschriften). Diese neuartigen Aufzeichnungsverfahren ermöglichten Staaten mit dauerhaft eingerichteten Herrschafts-, Verwaltungs- und Religionsapparaten, die als erste Hochkulturen den Beginn des Altertums markieren. [Bearbeiten] Mesopotamien Siehe Hauptartikel: Sumerer Die erste hochkulturelle Entwicklungsphase ab Mitte des 4. Jahrtausends v.chr. manifestierte sich im Süden Mesopotamiens in den sumerischen Stadtstaaten, von denen Uruk, Ur, Eridu, Larsa, Lagasch und Kisch die bedeutendsten waren. Insbesondere Uruk zeichnete sich gegenüber anderen Städten durch absolute Größe und Alter seiner Anlage aus. Diese Zentren beruhten auf einem laufend ausgebauten und weitverzweigten Bewässerungssystem, das im Rahmen einer staatlichen Tempelwirtschaft organisiert war. Auch sind schon früh dank Tonscherben, Bronzeartefakten und Rollsiegeln Handelsbeziehungen zu Arabien und Indien

4 nachweisbar. Entscheidende wirtschaftliche Impulse gaben nicht zuletzt das Rad und die Töpferscheibe. Die steigenden Anforderungen an Handel und Landwirtschaft bedingten und begünstigten die Entwicklung einer Schrift, die zunächst nur der Buchhaltung diente. Den Übergang zur Schrift als persönliche und kollektive Ausdrucksform dokumentiert als eines der ältesten literarischen Zeugnisse das Gilgamesch-Epos über einen wohl mythologischen König Uruks aus dem 26. Jahrhundert v. Chr. Die bemerkenswerten Übereinstimmungen mit Passagen der Genesis und griechischen Ursprungsmythen (Deukalion und Pyrrha) sind ein Beleg für das kulturelle Kontinuum des Altertums. Die Führung der Stadtstaaten oblag Priesterfürsten, die die weltliche und geistliche Macht auf sich vereinten. Der architektonische Ausdruck der ausgeprägt polytheistisch-kosmologischen Religiosität Sumers waren die Zikkurate, bis zu fünfzig Metern hohe Stufenpyramiden; die Palastanlagen neben ihnen spielten eine bloß repräsentative Rolle. Die einzelnen Städte lagen mit ihren Nachbarn zwar fast ständig im Konflikt über Wasserrechte, Handelsrouten und Tributzahlungen; die Kriege blieben in ihren Auswirkungen aber beschränkt; eine städteübergreifende Reichsbildung geschah nicht. Ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. wanderten Nomaden aus dem Norden ein. Die sumerische Königsliste dokumentiert dies durch das Auftauchen semitischer Namen (das Sumerische ist eine bisher nicht zugeordnete Sprache). In dieser Epoche, die auch zur Zerstörung der Monumentaltempel führte, zerbrach die Einheit von geistlicher und weltlicher Macht. Die Herrscher dieser Zeit zeigten ihren Machtanspruch mit nunmehr auch funktionalen Palästen sowie mit Gräbern, in denen sie sich mit ihrem Gefolge bestatten ließen. Am Ende dieser sogenannten Frühdynastische Periode, die vom 25. bis zum 24. Jahrhundert v. Chr. dauerte, erweiterte sich der sumerische Einflussbereich erstmals bis ans Mittelmeer. [Bearbeiten] Ägypten Siehe Hauptartikel: Frühdynastische Zeit (Ägypten) In Ägypten fand im Gegensatz zu Sumer die politische Einigung des Landes schon Ende des 4. Jahrtausend statt, wobei der geographische gegebene Schutz gegen äußere Einflüsse (Wüstenlage) die geschlossene Reichsentwicklung begünstigt haben dürfte. Mehrere Kleinkönigtümer, die sich in die zwei losen Einflusssphären Oberägyptens (mit Zentrum in Nekhen) und Unterägyptens (mit Zentrum in Buto) gruppiert hatten, wurden in einem mehrere Generationen dauernden Prozess etwa Mitte des 32. Jh. v. Chr. unter oberägyptischer Herrschaft vereinigt. Am Beginn der geschichtlichen Zeit und an der Wende von der Prä- zur Frühdynastik erschienen in den ältesten schriftlichen Überlieferungen die Herrschernamen Skorpion, Narmer und Aha, die die spätere Überlieferung in der mythologischen Gestalt eines Reichseinigers Menes zusammenfasste. Am Ende der frühdynastischen Zeit (Ende des 28. Jh. V. Chr.) reichte die ägyptische Macht bis in den Sinai, die unmittelbaren Handelsbeziehungen bis nach Byblos im Libanon. Bereits die Herrscher der ersten Dynastien stützten ihre Herrschaft auf einen Staat mit zentralem Verwaltungssystem und auf ein Gottkönigtum, in dem sie als menschliche Manifestation des falkengestaltige Himmelsgottes Horus erschienen. Die Religion war ohnedies geprägt von vergöttlichten Tieren (Löwe, Stier und Kuh), an deren Seite erst am Ende der Epoche Mischwesen mit Tierkopf und Menschenkörper traten. Der Jenseitsgedanke war sehr ausgeprägt. Es wurden gewaltige Sakralbauten und Grabanlagen aus Nilschlammziegeln in Sakkara bei Memphis und in Abydos errichtet. Das vereinigte Ägypten basierte auf einer noch während der Prädynastik hoch entwickelten Kultur und Interesse an zivilisatorischer Verfeinerung (Fayence, Prunkschminktafeln). Die Hieroglyphenschrift fand

5 Verwendung in Kult- und Verwaltungsaufzeichnungen (Steuerregister), aber auch beim Kalender und zunehmend für annalistische Kürzestinschriften, die Bildwerke erläuterten. [Bearbeiten] Ausweitung [Bearbeiten] Mesopotamien Siehe Hauptartikel: Akkader Im sumerischen Kulturkreis kam es in der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends v. Chr. zu tiefgreifenden Veränderungen. Von Akkad, einer Stadt nördlich des sumerischen Kernlandes, ausgehend, errichtete Sargon ein Großreich. Diesem König gelang es nicht nur, seinen Machtbereich auf das Hinterland seiner Heimatstadt auszudehnen, sondern ganz Mesopotamien unter seiner Herrschaft zu vereinen. Dies lässt sich vermutlich sowohl auf Sargons außergewöhnlichen Führungscharakter als auch auf militärische Reformen zurückführen. Das akkadische Heer war beweglicher als das der sumerischen Stadtstaaten und diesem folglich überlegen. Bei Sargons Tod herrschte er über ein Reich, das sich vom persischen Golf bis ans Mittelmeer erstreckte, wobei ihm auch der erste Einsatz einer Seestreitmacht zugeschrieben wird. In dieser Zeit fand auch eine Ausweitung der Schriftkultur statt. Bereits vorher waren im mesopotamischen Grenzgebiet, vor allem in dem auf Susa zentrierten Reich Elam Keilschrifttafeln entstanden. [Bearbeiten] Ägypten Stufenpyramide des Pharao Djoser in Saqqara Siehe Hauptartikel: Altes Reich (Ägypten) In Ägypten ging die Entwicklung ungehindert weiter. Nach der Einverleibung des Nildeltas weitete sich das Reich nach Süden aus. Die Herrschaftsstrukturen wurden verfeinert, die Kultur nahm ihre endgültige Gestalt an. Dies zeigt sich vor allem im Bau monumentaler Grabanlagen, die schließlich in den dritten und vierten Dynastien mit den Pyramiden ihren Höhepunkt erreichen sollten.

6 Mit der dritten Dynastie, deren Beginn auf 2707 v. Chr. datiert wird, beginnt die Geschichte des Alten Reiches, die sich vor allem durch neue architektonische Errungenschaften kennzeichnet. Neben den Pyramiden entstanden gewaltige Paläste und Skulpturen, deren bekanntestes Beispiel die Sphinx von Giseh ist. Die bedeutendsten Bauherren jener Zeit waren Djoser, der die erste Stufenpyramide bauen ließ, Snofru, Cheops und Chephren. Wie im Großen die Monumentalarchitektur perfektioniert wurde, verfeinerten sich auch die kleineren Kunstformen. Malerei und Bildhauerei erreichten erste Höhepunkte. In der Religion bekam der Sonnengott Ra eine größere Bedeutung. Djedefra war der erste König, der sich Sohn des Ra nannte. Seit der fünften Dynastie überschattet Ra in seiner Bedeutung auch Horus. [Bearbeiten] Die Bronzezeit Siehe Hauptartikel: Bronzezeit Die Dominanz, die das Kupfer noch bis ins zweite Jahrtausend v. Chr. besaß, ging allmählich auf die Bronze über. Zu ihrer Herstellung benötigte man neben dem inzwischen nahezu allgegenwärtigen Kupfer, das nun Gegenstand systematischem Bergbaus war, auch Zinn, das in Mesopotamien vermutlich aus dem westlichen Iran oder aus Usbekistan eingeführt wurde. In Ägypten wurden Kupfer und Bronze erst verhältnismäßig spät eingeführt. Das Kupfer erlangte hier nie denselben Stellenwert wie in Mesopotamien, während die Bronze, die in Ägypten vermutlich nie hergestellt, sondern nur importiert wurde, sich bald in der Kunst und beim Militär durchsetzen konnte. Hier offenbarte sich ein großes Problem für die Entwicklung der Ägypter. Ägypten war arm an Rohstoffen, was dazu führte, dass die Handelsbeziehungen nach außen verstärkt werden mussten. Letztendlich ist dies vermutlich auch der Grund dafür, warum sowohl die Bronzezeit als auch die Eisenzeit in Ägypten lange brauchten, um zu voller Blüte zu gelangen. [Bearbeiten] Die Hohe Bronzezeit [Bearbeiten] Mesopotamien Fehler! Unbekanntes Schalterargument. Oberer Teil der Stele mit dem Text von Hammurabis Gesetzescodex Das Reich der Akkader ging nicht lange nach Sargons Tod sowohl aufgrund innerer Unruhen wie auch äußerer Bedrohung zugrunde. Eine Restauration der sumerischen Stadtstaaten setzte ein, die jedoch nicht lange anhielt. Von außen drangen immer mehr Völker ein, die Elamiter und Amurriter bildeten mächtige Reiche, die bald auf Mesopotamien übergriffen. Das Ende der sumerischen Zeit war schleichend. Die einzelnen sumerischen Fürsten gewannen zunehmend an Macht. Das mächtigste Reich war zunächst das von Larsa, doch bald erkämpfte sich das bis dahin unbekannte Babylon unter Führung Hammurabis die Vormachtstellung. Hammurabi gründete das zweite Großreich auf mesopotamischen Boden. Zwar erreichte es nicht ganz den Umfang des Großreichs von Akkad und zerfiel kurz nach Hammurabis Tod wieder, jedoch war die Wirkung auf Mesopotamien nachhaltiger. Die Verwaltungsstrukturen waren verfeinert und es wurde ein umfassender Gesetzkodex erarbeitet. Nebenbei war auch der Stadt Babylon eine längere Lebenszeit als Akkad beschert; bald wurde sie zu der größten und bedeutendsten ganz Mesopotamiens.

7 Obwohl im iranischen Bergland das Volk der Kassiten zu einer für Babylon bedrohlichen Macht aufstieg, und sich durch häufige Angriffe auf Mesopotamien bemerkbar machte, kam der eigentliche Todesstoß für das Reich völlig unerwartet aus Kleinasien. Hier hatten die Hethiter begonnen ein Reich aufzubauen und überfielen 1530 v. Chr. Babylon. Es handelte sich bei dieser Invasion nicht um einen Eroberungszug. Die Hethiter plünderten lediglich die Stadt und zogen sich sofort in ihr Reichsgebiet zurück. Diesen Augenblick der Schwäche des babylonischen Reiches nutzten jedoch die Kassiten und übernahmen in Babylonien die Macht. [Bearbeiten] Die Levante Das erste Jahrhundert der kassitischen Herrschaft in Mesopotamien bleibt aufgrund mangelnder Quellen im Dunkeln. Zu jener Zeit dehnte sich das Hethiterreich nach Süden aus, wo es in Konflikt mit den Mitanni, einem hurritischen Staatsgebilde, das den äußersten Norden Mesopotamiens bis hin zur syrischen Mittelmeerküste einnahm. Hier hatte sich nach dem Ende des Akkadischen Reiches das kulturelle Leben verstärkt. Zu einer nennenswerten Reichsbildung ist es nicht gekommen, aber es entstanden größere Siedlungen, die durch regen Handel zu Reichtum kamen, so zum Beispiel Ugarit, Arados, Byblos und Tyros. [Bearbeiten] Ägypten Siehe Hauptartikel: Neues Reich (Ägypten) Die genannten Städte fielen zum Großteil an Ägypten, das sich nach der Expansion nach Süden nun gegen das rohstoffreiche Vorderasien wandte. Kanaan, Phönizien und die Levante wurden um 1500 v. Chr. von den Ägyptern erobert, unter Thutmosis III. ( v. Chr.) erreichte es seine größte Ausdehnung und den Höhepunkt seiner Macht und grenzte sogar an den Euphrat. Die Könige der 18. Dynastie, nun bereits Vertreter des Neuen Reiches, waren womöglich die mächtigsten der ägyptischen Geschichte. Amenophis IV., besser bekannt als Echnaton, führte jedoch religiöse und gesellschaftliche Neuerungen ein, die besonders in der Priesterkaste auf erheblichen Widerstand stießen. Er wollte eine monotheistische Religion mit der Sonnenscheibe Aton als einzige Gottheit durchsetzen. Die Hauptstadt wurde in das neu gegründete Amarna verlegt. Von hier aus verfolgte der König ausgefeilte diplomatische Beziehungen zu den Nachbarstaaten. Seine Revolution scheiterte jedoch kurz nach seinem Tod, und Ägypten fiel wieder in die alten Strukturen zurück. [Bearbeiten] Ägäis Siehe Hauptartikel: Geschichte Griechenlands

8 Minoischer Palast von Knossos Auf der heute griechischen Insel Kreta entstand um 2000 v. Chr. eine erste Hochkultur, die der Minoer. Die wenigen archäologischen Zeugnisse gestatten einen begrenzten Einblick in die herrschaftliche Palastkultur, aber die religiösen und politischen Strukturen bleiben verborgen. Als sicher gilt, dass die Minoer der Seefahrt große Bedeutung beimaßen und möglicherweise auch schon koloniale Expansion betrieben. Zu jener Zeit waren sie wohl die vorherrschende Macht in der Ägäis. Um 1450 v. Chr. war diese Kultur jedoch plötzlich verschwunden, ohne dass Zeugnisse jeglicher Art von diesem Untergang erhalten geblieben sind. Um 1300 v. Chr. war Kreta zum Teil des mykenischen Kulturkreis geworden. Das mykenische Griechenland war in mehrere kleine Königreiche unterteilt, von denen die bedeutendsten wohl Mykene, Pylos und Athen waren. Die griechische Kultur erreichte in der mykenischen Zeit einen vorläufigen Höhepunkt, allerdings galten die Mykener auch als aggressive Plünderer. Die Sage des trojanischen Krieges wird heute als Romantisierung eines mykenischen Raubzuges gedeutet. [Bearbeiten] Das Ende der Bronzezeit Die Expansion der Hethiter führte zum Zusammenstoß mit Ägypten. Nach hethitischen Eroberungen in der Levante kam es 1274 v. Chr. zur Schlacht von Kadesch, die als Schlüsselereignis der späten Bronzezeit gilt. Bei dieser Schlacht konnte kein klarer Sieger festgestellt werden, und es kam schließlich zum ersten urkundlich belegten Friedensabkommen der Weltgeschichte, das ein Mächtegleichgewicht zwischen Ägyptern und Hethitern festlegte. In Mesopotamien wurde dieser Zeitraum von den Bemühungen der Assyrer, ein Großreich aufzubauen, geprägt. Aus dem Kerngebiet um die Hauptstadt Assur unternahmen die Assyrerkönige zwischen 1300 und 1200 v. Chr. ausgedehnte Kriegszüge, die schließlich ganz Mesopotamien unter ihre Herrschaft brachten. Die Assyrer bemühten sich, mesopotamische Traditionen anzunehmen, um nicht als Fremdherrscher zu gelten und einen universellen Herrschaftsanspruch zu legitimieren. Im Westen erreichte das assyrische Reich den Euphrat, was es in Kontakt mit den Hethitern brachte. Ähnlich Ägypten konnte Assyrien auf diplomatischem Wege eine Beilegung des Konflikts erreichen, so dass schließlich ein Machtdreieck zwischen Hatti, Ägypten und Assyrien entstand. Dies war allerdings nur von kurzer Dauer, da um 1200 v. Chr. plötzlich an den Küsten des östlichen Mittelmeeres die sogenannten Seevölker erschienen. Es handelt sich hierbei um eine Vielzahl kleiner

9 Volksgruppen, denen man früher den Zusammenbruch der mykenischen und hethitischen Reiche zuschrieb. Heute geht man eher von lokalen Konflikten aus. Die hethitischen Besitzungen an der Mittelmeerküste und die mykenische Kultur fiel diesen Seevölkern zum Opfer, denen es gelang, sich in Syrien und Palästina festzusetzen (Philister). Kurz darauf griffen sie auch Ägypten an, konnten von Ramses III. jedoch zurückgeschlagen werden. Die Hethiter litten zur gleichen Zeit unter der Invasion der Phryger, was schließlich unter noch nicht ganz geklärten Umständen zum gewaltsamen Untergang ihres Reiches führte. Das assyrische Großreich ging in inneren Unruhen unter und musste zunächst dem wieder erstarkenden Babylonien seinen Rang als Hegemonialmacht in Mesopotamien abtreten. Gleichzeitig traten an den Grenzen Mesopotamiens zunehmend die Aramäer auf. Einzig Ägypten konnte, wenn auch durch das Aufeinandertreffen mit den Seevölkern stark geschwächt, seine staatlichen Strukturen wahren. [Bearbeiten] Die Eisenzeit Siehe Hauptartikel: Eisenzeit Zu diesem Zeitpunkt gewann die Eisenverarbeitung zunehmend an Bedeutung. Der Übergang in die Eisenzeit verlief fließend, doch um 1000 v. Chr. hatte das Eisen die Bronzeverarbeitung in dem vorderasiatischen Raum verdrängt. [Bearbeiten] Vorderasien Assyrische Skulptur eines geflügelten Stieres aus Khorsabad (im Hintergrund eine Darstellung des Gilgamesch (Louvre) Nach dem Untergang des Hethiterreiches und dem vor allem durch die Aramäer herbeigeführten Untergang des kassitischen Babyloniens entstand im vorderen Orient ein Machtvakuum, das erneut die Assyrer unter Tiglat-pileser I. ( v. Chr.) bereit waren auszufüllen. Tiglatpilesar gelang es, das Reich bis an die Mittelmeerküste auszudehnen. Dieses neue Großreich fiel nach seinem Tod jedoch den Aramäern zum Opfer, und Assyrien wurde auf das Kernland um Assur zurückgedrängt. Die Assyrer mussten sich nun gegen eine Reihe aramäischer Kleinstaaten behaupten. Erst etwa ein Jahrhundert nach Tiglatpilesars Tod gelang es dem assyrischen König Assur-dan II. ( v. Chr.) erneut sein Reich auszuweiten. Die Assyrer konnten im Norden Mesopotamiens wieder die Vormachtstellung erlangen und schließlich Gebiete vom Urmiasee und dem Zagrosgebirge bis an die Mittelmeerküste erobern. Später fielen auch Babylonien, Syrien und Palästina an Assyrien, und das in den nördlichen Gebirge aufsteigende Reich von Urartu konnte besiegt werden. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht, 663 v. Chr., beherrschten die Assyrer sogar Ägypten bis nach Theben.

10 Die Assyrer hatten ihr Reich jedoch überdehnt. Innere Schwierigkeiten machten dem Reich so zu schaffen, dass die Herrschaftsstruktur bröckelte. Besonders in Babylonien entstand ein solcher Hass auf die Assyrer, dass schließlich ein großer Aufstand entfacht wurde, der mit Hilfe der Meder dazu führte, dass die assyrischen Residenzstädte Assur und Ninive nicht nur eingenommen sondern grundlegend zerstört wurden. Nach dem Tod des letzten assyrischen Königs Assur-Uballit II. war von dem assyrischen Reich nichts mehr übrig, und zweihundert Jahre später war seine Existenz in Vergessenheit geraten. Detail des babylonischen Ischtar-Tors In Babylonien hatten inzwischen die Chaldäer die Macht übernommen. Mit den Medern verbündet konnten sie nach dem Ende Assyriens ihre Macht auf wesentliche Teile des ehemaligen Assyrerreiches ausdehnen, so dass es unter Nebukadnezar II. beinahe deckungsgleich mit jenem war. Zu dieser Zeit hatte auch die Stadt Babylon ihre kulturelle Blüte erreicht. Die Prachtbauten Nebukadnezars wurden nach Ansicht heutiger Wissenschaftler später als die Hängenden Gärten zu einem Weltwunder der Antike zusammengefasst. Der seit Hammurabi bestehende Mardukkult erlebte mit dem Bau eines 90 Meter hohen Zikkurates des biblischen Turmes von Babel seinen Höhepunkt. Babylon wurde mit etwa einer Millionen Einwohner zu der größten Stadt ihrer Zeit. Diese prachtvolle Entwicklung ging jedoch auf die Kosten der unterworfenen Völker, insbesondere der Juden, die in die Babylonische Gefangenschaft verschleppt wurden. In Kleinasien bildete sich um Gordion herum auf den Trümmern des Hethiterreiches das Reich der Phryger. Gleichwohl blieb Hatti zunächst frei von deren Einfluss und hier entstanden späthethitische Kleinstaaten. Das Phrygerreich musste bald mit den einfallenden Kimmeriern und Skythen kämpfen, und fiel allmählich dem von Sardes ausgehenden Lyderreich zum Opfer. [Bearbeiten] Ägypten Am Nil machte sich ab dem Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. ein Verfall der herrschaftlichen Strukturen bemerkbar, der in politischen Wirren und Bürgerkriegen seinen Ausdruck fand. Die Priester des Amun gewannen zunehmend an Macht und konnten zeitweise sogar eine Art Gottesstaat in Oberägypten errichten. Im 8. Jahrhundert v. Chr. fiel Ägypten schließlich unter die Kontrolle der Kuschiten, die versuchten, Assyrien in seinem Aufstieg aufzuhalten. Dies führte schließlich aufgrund der Schwäche des ägyptischen Reiches zu der Eroberung des Nilgebietes durch die Assyrer, die die Kuschiten aus dem Land vertrieben und mit der Wiederherstellung der ägyptischen Herrschaft die Spätzeit einleiteten. Da Ägypten aufgrund dieser Ereignisse den Assyrern freundlich gegenüberstand, kam es nach dem Untergang

11 Assyriens zum Konflikt mit den Babyloniern, der schließlich in der Eroberung Ägyptens durch die Perser mündete. [Bearbeiten] Mittelmeerraum Im Mittelmeergebiet fanden zu dieser Zeit grundlegende Veränderungen statt. Im 10. Jahrhundert v. Chr. begann die Kolonisierung durch die Phönizier in Nordafrika und auf der Iberischen Halbinsel. Diese Kolonialisierung ist wohl darauf zurückzuführen, dass die einzelnen, voneinander unabhängigen Städte Phöniziens durch stetigen Handel zu solchem Reichtum und Wachstum gekommen sind, dass sie von Überbevölkerung bedroht waren, auch weil sie sich landeinwärts nicht ausdehnen konnten. Damit einher gehen sicher auch ökonomische Erwägungen, denn die rohstoffreichen Gebiete Nordafrikas und Spaniens wurden gezielt angesteuert. Die Fruchtbarkeit der Länder und der Reichtum an verschiedenen Handelsgütern, unter anderem Silber und Gold, führten dazu, dass die phönizischen Kolonien bald so reich wurden wie ihre Mutterstädte. Zu den bedeutendsten Gründungen jener Zeit zählen Karthago, Gades, Ebusos und Panormos. Im Ägäisraum fanden nach dem Untergang der mykenischen Kultur auch aufgrund neuer Wanderungsbewegungen aus dem Norden starke gesellschaftliche Umbrüche statt, die aufgrund der mangelhaften Quellenlage als das Dunkle Zeitalter bezeichnet werden. Auf dem Peloponnes begann die Expansion Spartas. In anderen Bereichen Griechenlands ging die Königsherrschaft in die Polis-Strukturen über. Am Ende dieser Entwicklungen standen meist demokratische Ordnungen in den einzelnen Stadtstaaten, allerdings gab es auch autoritäre politische Systeme, die entweder erst allmählich demokratische Züge bekamen (z.b. Athen), oder aber an ihrer Spitze weiterhin einen autoritären Herrscher behielten (die Tyrannis, z.b. Pherai). Die dichte Besiedlung Griechenlands führte schließlich zu einer Überbevölkerung, die auch von Seiten Griechenlands in einer Kolonisierung des Mittelmeerraumes endete (sogenannte Große Kolonisation). Dabei kam es auch gelegentlich zu Konflikten mit den Phöniziern, doch allgemein besiedelten die Griechen vor allem die Nordküste des Mittelmeers. Die Kolonialisierung ging hauptsächlich von Korinth, Megara, Chalkis und Milet aus. Hauptgebiete der Kolonialisierung waren die Iberische Halbinsel, Sizilien und Unteritalien (Magna Graecia), der nördliche Ägäisraum sowie die ganze Schwarzmeerküste. Besonders auf Sizilien kamen die griechischen Kolonisten mit den phönizischen Kolonien in Kontakt. Dies führte zu Konflikten und Kriegen, die die Geschichte der Insel bis zu der Eroberung durch die Römer prägten. Auch in Italien veränderten sich in dieser Zeit die Strukturen. Mit dem Einwirken der Griechen erreichten die hier ansässigen Völker die Geschichtlichkeit. Um 900 v. Chr. bildete sich die Kultur der Etrusker aus den eisenzeitlichen Vorläufern der Villanova-Kultur. Die Etrusker dehnten ihr Gebiet bis 500 v. Chr. auf große Teile Italiens einschließlich der Poebene und Kampaniens aus. Es handelt sich hierbei zwar um einen weitgehend einheitlichen, auch griechisch geprägten, Kulturbereich, nicht aber um ein Staatswesen. Die Etrusker waren ähnlich wie die Griechen und Phönizier auf einzelne Stadtstaaten zersplittert, die aber im großen und ganzen nach außen hin einheitlich auftraten, insbesondere gegen die Griechen und verschiedene italische Stammesbereiche wie den Latinern, Umbriern oder Venetern. Da ihre Schrift bis heute nicht entziffert ist, ist die Kultur vor allem über Gräberfunde erforscht. [Bearbeiten] Die klassische Antike [Bearbeiten] Vorderer Orient

12 Siehe Hauptartikel: Perserreich Dareios I. Darstellung auf einer griechischen Vase Das Großreich der Babylonier im Vorderen Orient begann schon kurz nach dessen Entstehung zu bröckeln. Den Nachfolgern Nebukadnezars gelang es nicht, ihre Macht in den einzelnen Bereichen des Königreiches durchzusetzen, und auch im Kernbereich Babylonien sank die Beliebtheit des Herrscherhauses. So kam es nicht überraschend, dass der persische König Kyros II. von der Bevölkerung regelrecht begrüßt wurde. Kyros hatte in den Jahren zuvor aus Persien, einem Vasallenstaat des medischen Reiches, ein Großreich gemacht indem er den medischen König Astyages besiegt und dessen Hauptstadt Ekbatana eingenommen hatte, wo er in Personalunion gleichzeitig König der Meder und Perser wurde. Wenige Jahre später eroberte er auch das Lyderreich unter Kroisos und die an der kleinasiatischen Küste liegenden griechischen Städte. 539 v. Chr. wurde schließlich Babylon eingenommen, und auch hier nahm Kyros die einheimische Krone an, so dass er nominell gleichzeitig König von drei Reichen war. Sein Sohn und Nachfolger Kambyses II. fügte diesem Gebilde die Krone Ägyptens hinzu, welches er in Jahr 525 v. Chr. eroberte. Bei seinem Tod im Jahr 522 v. Chr. drohte das Reich auseinanderzufallen, da noch während seines Feldzuges in Ägypten die Mager in Persien den Thron usurpiert hatten. Einem Mitglied des Stabes des Kambyses, Dareios I., gelang es, die Usurpatoren zu beseitigen und selber den Thron zu besetzen. Im Reich brachen jedoch kurz darauf ernste Aufstände aus, und Dareios benötigte zwei Jahre um seine Herrschaft zu festigen. Schließlich gelang es Dareios dennoch, das Reich unter seiner Herrschaft zu vereinen und in seinen Grenzen bis zum Indus im Osten und in die Kyrenaika im Westen auszudehnen. Auch im Ägäisraum spielte das nach dem Gründer der Dynastie benannte Achämenidenreich eine zunehmend einflussreiche Rolle. Nachdem die persische Expansion 480 v. Chr. bei der Schlacht von Salamis und ein Jahr später bei Schlacht von Plataiai von den Griechen aufgehalten worden war (siehe Perserkriege), kehrte sich das Reich dem Inneren zu. Schon unter Dareios I. wurden umfangreiche politische und gesellschaftliche Neuerungen eingeführt. Ob man angesichts der Einführung persischer Normen in fast allen Bereichen des politischen, und in großen Teilen des kulturellen Lebens von einer persischen Reichskultur sprechen kann ist eher zweifelhaft; stattdessen lässt sich beobachten, dass die Perser die von ihnen beherrschten Völker, ihre Traditionen und Kulturen, und selbst die politischen Systeme mit großem Respekt behandelten. Auch verstand sich der Großkönig nicht als König eines persischen Reiches, sondern nannte sich König der Könige und König der Länder und Völker. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl findet auch in königlichen Inschriften und Reliefs in den Königsstädten Susa, Persepolis, Pasargadai und Ekbatana sowie an den Gräbern in Naqsh-i Rustam Ausdruck.

13 Dennoch wurde die persische Herrschaft von manchen Völkern, insbesondere den Ägyptern, als Unterdrückung empfunden, so dass das Reich im frühen 4. Jahrhundert v. Chr. größere Gebietsverluste hinnehmen musste. Auch die einzelnen Provinzverwalter, die Satrapen, entfachten zunehmend Aufstände gegen die großkönigliche Herrschaft. Artaxerxes III. ( v. Chr.) gelang es jedoch, seine Macht mit aller Härte durchzusetzen und einige Grenzgebiete, vor allem Ägypten, wieder in das Reich einzugliedern. Eine tiefgreifende Restauration des Reiches wurde jedoch durch seine Ermordung verhindert, und wenige Jahre später wurde das Gebiet von Alexander dem Großen erobert. [Bearbeiten] Ägäisraum Siehe Hauptartikel: Antikes Griechenland Akropolis in Athen Die politischen und kulturellen Entwicklungen in Griechenland führten um 500 v. Chr. zu dem Beginn der Klassik, einer Epoche, die sich durch Verfeinerung und Vollendung philosophischer, politischer und kultureller Ideen auszeichnet. Politisch gesehen steht am Anfang der Klassik der Beginn der athenischen Demokratie und die Kämpfe gegen das Perserreich. Diese sogenannten Perserkriege bewirkten in den griechischen Staaten ein Gemeinsamkeitsgefühl in einem Ausmaß, das es hier bislang nicht gegeben hatte. Man verstand sich als Verteidiger der hellenischen Kultur gegen die auswärtigen Barbaren (wobei dieser Begriff noch nicht die heutige Bedeutung hatte, sondern als Sammelbegriff für alle nichtgriechischen Völker gebraucht wurde). Dennoch war die griechische Staatenwelt durch innere Zerrissenheit geprägt, die angesichts der äußeren Bedrohung auch nur teilweise überwunden wurde. Ein bedeutendes Merkmal der Zeit nach der erfolgreichen Abwehr der Perser (und der anschließenden Befreiung der griechischen Poleis an der Westküste Kleinasiens; um 477 v. Chr.) war der Athenisch-Spartanische Dualismus, ein fortwährender Kampf um die Vormachtstellung im Ägäisraum. Dies führte 431 v. Chr. zu dem Ausbruch des schwerwiegende Folgen habenden Peloponnesischen Krieges, den man nicht zu Unrecht als einen antiken Weltkrieg bezeichnet hat, und, kurz nach dessen Ende 404 v. Chr., zum Korinthischen Krieg ( v. Chr.), an dessen Ende der Königsfriede stand. Dieser verdeutlichte auch die Vormachtstellung Persiens und des persischen Großkönigs Artaxerxes II., da die zerstrittene griechische Staatenwelt nicht in der Lage war, aus eigener Kraft einen modus vivendi zu finden. Der Vertrag beinhaltete auch die Erklärung, dass alle griechischen Städte und Inseln eigenständig werden sollten. Für die kleineren griechischen Staaten bedeutete dies nicht viel, aber für Athen, Sparta und Theben war dies ein gewaltiger Umbruch. Sparta galt als Garantiemacht für die persische Oberhoheit in Griechenland, und hatte somit die lang umkämpfte Hegemonialstellung inne. Das Ziel, einen allgemeinen Frieden durchzusetzen, blieb jedoch unerreicht, denn der Vertrag stieß auf Widerstand von Seiten Athens und Thebens, und letztgenannte konnten Sparta schließlich in der Schlacht von

14 Leuktra besiegen und wenige Jahre später Sparta als griechisches Großreich beseitigen. Die thebanische Hegemonie fiel kurz darauf jedoch wieder in sich zusammen, da die Macht Thebens von einer Person, Epameinodas, der führenden Figur der thebanischen Politik, ausging, der 362 v. Chr. bei der Schlacht von Mantineia fiel. Viele Griechen empfanden in jener Zeit, dass der einstige Glanz der Zivilisation in den politischen Wirren unterging. So forderten einige Redner, insbesondere Isokrates, die Vereinigung der griechischen Staaten zu dem Zweck eines großangelegten Rachefeldzuges gegen die Perser, die 480 v. Chr. Athen zerstört hatten. Dies wurde schließlich von dem makedonischen König Philipp II. in Angriff genommen, der zwischen 359 und 338 v. Chr. nahezu ganz Griechenland und große Teile der nördlich und östlich von Makedonien gelegenen Gebiete Illyrien und Thrakien erobern, und 338 v. Chr. bei Chaironeia ein verbündetes athenisch-thebanisches Heer vernichtend schlagen konnte. Als neuer Hegemon Griechenlands plante er einen Kriegszug gegen das persische Reich, der jedoch durch seine Ermordung 336 v. Chr. vereitelt wurde. [Bearbeiten] Das geistige und kulturelle Leben in Griechenland Büste des Sokrates Im allgemeinen wird die griechische Klassik als Ursprung und Ausgangspunkt der abendländischen Kultur angesehen. Wegbereitend für die griechische Literatur waren wohl die Epen des Homer, die schon den Griechen als heilig galten. In dem lyrischen Leben Griechenlands stieg bald das Drama zur beliebtesten Literaturform auf. Die Werke von Dramenschreibern wie Aischylos, Aristophanes oder Euripides wurden richtungsweisend für die gesamte nachfolgende abendländische Literatur. Mit Herodot begann im 5. Jahrhundert v. Chr. die Geschichtsschreibung, die erstmals detailgetreue Rekonstruierungen historischer Ereignisse in großen Umfang zulässt, während Thukydides, der Chronist des Peloponnesischen Krieges, die wissenschaftliche Geschichtsschreibung begründete. Die vermutlich bedeutendste Errungenschaft des geistigen Lebens ist jedoch das Aufkommen der Philosophie. Mit der Schule des Sokrates, der neben ihrem Begründer vor allem Platon angehörte, und der Schule des Aristoteles, erreichte die Philosophie der Antike ihren Höhepunkt, und die zu jener Zeit entstandenen Denkansätze und die aus ihnen erarbeiteten Werken sind auch heute noch die Grundlagen der christlich-abendländischen Ethik. Andere Kunstformen wie Musik, Architektur, Bildhauerei und Malerei erreichten ebenfalls eine

15 Blütezeit. Auch hier bildeten die Errungenschaften der Griechen den Grundstein für spätere Entwicklungen. [Bearbeiten] Westlicher Mittelmeerraum Im westlichen Mittelmeer stieg das um 800 v. Chr. gegründete Karthago dank reger Handelsaktivitäten zu einer bedeutenden Großmacht auf. Selber eine Kolonie von Tyros konnte Karthago bald die phönizischen Siedlungen in diesem Raum unter seine Vorherrschaft bringen. Dies führte auf Sizilien zum Kontakt mit den dortigen griechischen Kolonien, vor allem dem mächtigen Syrakus, der schließlich zu mehreren Kriegen führte. Trotz Bündnisse mit den Persern und den Etruskern in Italien gelang es Karthago nicht, eine Entscheidung zu erzwingen. Karthago wies kein so reges geistiges und kulturelles Leben auf wie Griechenland, was wohl auch daran lag, dass dank der Handelsbeziehungen Einflüsse aus dem ganzen Mittelmeerraum in die Stadt und ihr Reich kamen, die die kulturelle Identität prägen sollten. Die größten Leistungen der Karthager lassen sich daher in einem anderen Gebiet finden, der Seefahrt. Die Stadt war schon immer, vor allem wegen der früheren Abhängigkeit von Tyros, dem Mittelmeer zugewandt gewesen, was eine maritime Orientierung und folglich eine hohe Entwicklung der Schifffahrt bewirkte. So waren die Karthager auch die erste Zivilisation des Mittelmeerraumes die auch über diesen hinaus tätig wurde. Entdeckungsfahrten bis zum heutigen Gabun und nach Skandinavien fanden schon im 6. Jahrhundert v. Chr. statt, Karthago wird von Herodot auch die Umrundung des afrikanischen Kontinents, die bereits die Phönizier im Auftrag des ägyptischen Königs Necho II. vollbracht hatten, zugeschrieben. [Bearbeiten] Der Hellenismus Siehe Hauptartikel: Geschichte des Hellenismus Zeitgenössische Büste Alexanders des Großen Nach dem Tode Philipps II. übernahm dessen Sohn Alexander der Große die Macht. Nachdem er in Griechenland seine Herrschaft gefestigt hatte, begann er 334 v. Chr. einen Feldzug gegen das persische Reich, zunächst um die griechischen Städte in Kleinasien zu befreien und den seit längerem geforderten Rachekrieg durchzuführen. In nur zwei Jahren gelang es ihm, die gesamte östliche Mittelmeerküste einschließlich Ägyptens einzunehmen. Dabei stellte er den persischen Großkönig Dareios III. in der Schlacht bei Issos. Trotz des makedonisch-griechischen Sieges entkam Dareios und hob ein neues Heer aus, das in der Ebene von Gaugamela im nördlichen Mesopotamien seinen Gegner erwartete (331 v.

16 Chr.). Auch in dieser Schlacht siegte Alexander und konnte ungehindert nach Babylon, Susa und schließlich ins persische Kernland vorstoßen, wo er Persepolis und Ekbatana einnahm. Hier endete der Rachefeldzug, und das Fortführen des Krieges gegen Dareios wurde zu einer persönlichen Angelegenheit Alexanders, dem es gelang, das Heer hierfür zu gewinnen. Zu einer letzten Entscheidungsschlacht kam es allerdings nicht, denn Dareios wurde von dem Satrapen Bessos ermordet, der für sich den Titel des Großkönigs in Anspruch nahm. Alexander verstand daher den fortlaufenden Feldzug nun als Vergeltung gegen diesen Verrat und stieß ins zentralasiatische Baktrien vor, wo ihm Bessos ausgeliefert wurde. Doch der Eroberungszug ging weiter, und es folgte eine Art Partisanenkrieg, vor allem gegen die nördlichen Sakenstämme. Als Zentralasien 327 v. Chr. schließlich als befriedet galt, trieb Alexanders Eroberungsdrang ihn ins Industal, wo er gegen eine Reihe von Fürsten kämpfte und ihn sein von Heimweh geplagtes Heer schließlich zur Rückkehr zwang. Die Griechen brachten noch den Rest des Indusgebietes unter ihre Kontrolle und traten durch die Gedrosische Wüste eine verlustreiche Rückreise an. Nach der Rückkehr 325 v. Chr. hielt Alexander in Babylon hof, wo er 323 v. Chr. starb. Ein geplanter Arabienfeldzug kam nicht mehr zustande. Alexanders Ideologie verschob sich von einem rein griechisch-nationalistisch geprägtem Rachegedanken mit der Zeit zu der Idee des Ausgleichs zwischen Griechen und Nichtgriechen, den sogenannten Barbaren. Dies fand in vielerlei Hinsicht Ausdruck, vor allem durch zahlreiche Städtegründungen in den von ihm eroberten Gebieten, einer organisierten Massenhochzeit zwischen griechischen Soldaten und persischen Frauen und nicht zuletzt auch darin, dass Alexander seinem Königtum vermehrt persische und orientalische Züge verlieh. Dies stieß bei den Griechen auf Widerstand, und von diesem orientalischen Herrschaftsgedanken ist nach seinem Tod nichts mehr vorzufinden. Der Gedanke des Ausgleichs zwischen und der Verschmelzung der Völker wurde wieder aufgegeben, und es entstand viel mehr der Versuch, die griechische Kultur in den orientalischen Gebieten einzuführen. Dies wiederum stieß auf Widerstand bei den unterworfenen Völkern, und die griechischen Nachfolger Alexanders wurden nach und nach aus den eroberten Gebieten zurückgedrängt. Spuren der griechischen Zivilisation erhielten sich dennoch, vor allem in Baktrien, aber auch in Mesopotamien, das noch lange unter griechischer Herrschaft stand. Syrien, Kleinasien und Ägypten jedoch wurden von nun an dem griechischen Kulturkreis zugeordnet. In Ägypten gelang bedingt die Verschmelzung einheimischer und griechischer Kulturelemente, insbesondere in der neuen Hauptstadt Alexandria. In Syrien und Kleinasien jedoch verdrängte die griechische die dortigen Kulturen weitestgehend. Die innere Zerstrittenheit der griechischen Staaten, die durch Alexander lediglich eine größere geographische Ausweitung gewonnen hatte, führte schließlich dazu, dass der gesamte griechische Raum mehr und mehr an das römische Reich angegliedert wurde, bis 60 v. Chr. der gesamte Raum mit Ausnahme Ägyptens, das erst dreißig Jahre später erobert wurde, römisch wurde und hier die römische Kultur die griechische zwar nicht grundlegend ersetzte, aber stark beeinflusste. [Bearbeiten] Das Römische Reich Siehe Hauptartikel: Römisches Reich [Bearbeiten] Aufstieg

17 Das Forum Romanum heute Rom war aus seinen Ursprüngen heraus ein Stadtstaat, der mit einer neuen politischen Ordnung, der Republik, die politische, kulturelle und geistige Abgrenzung zu der einstigen Vormacht der Etrusker suchte. Von innen durch dieses System gestärkt gelang es den Römern, zunächst die etruskische Macht abzuschütteln (der Sage nach um 510 v. Chr., in der Realität wurde die Republik wohl um 475 v. Chr. begründet) und seine Unabhängigkeit zu bestätigen und wahren. Von nun an herrschten in Rom keine Könige mehr und der Staat wurde zur res publica, zur öffentlichen Angelegenheit. Nachdem 387 v. Chr. die Kelten Rom besetzt und geplündert hatten, sah Rom in der territorialen Erweiterung die beste Wahrung seiner Existenz und ging in die Offensive. Nach einer langen Reihe von Kriegen gegen die benachbarten Völker der Etrusker, Samniten, Latiner, Sabiner, Umbrer und schließlich der in Süditalien siedelnden Griechen (siehe auch Pyrrhus) hatte Rom 270 v. Chr. ganz Italien bis zur Poebene unter seiner Kontrolle. 264 v. Chr. begann mit rivalisierenden römischen und karthagischen Eingriffen auf Sizilien der Erste Punische Krieg, der 241 v. Chr. mit der Niederlage Karthagos und der römischen Einnahme Siziliens endete. In der Folgezeit weitete Rom sein Gebiet auf die vormals karthagischen Inseln Sardinien und Korsika aus, während die Karthager mit Eroberungen in Spanien ihre verlorene Macht wiederzugewinnen suchten. Dies führte zu erneuten Spannungen zwischen beiden Mächten, die sich 218 v. Chr. mit der Einnahme der mit Rom verbündeten Stadt Saguntum durch den Karthager Hannibal in den Zweiten Punischen Krieg entluden. Hannibal führte einen Feldzug nach Italien, der 216 v. Chr. mit dem karthagischen Sieg über Rom in der Schlacht von Cannae gipfelte. Hannibal vermochte jedoch nicht Rom einzunehmen und blieb im südlichen Italien aktiv, was den Römern erlaubte, die verlorene militärische Stärke wieder aufzubauen und selber in die Offensive zu gehen. Diese wurde jedoch zunächst bewusst nicht direkt gegen die Streitkräfte Hannibals gerichtet sondern an die Besitzungen in Spanien, die im Laufe des Krieges an Rom fielen. Eine karthagische Gegenoffensive schlug bei der Schlacht am Metaurus fehl und zwang Hannibal schließlich zum Rückzug nach Nordafrika, wo er 202 v. Chr. bei Zama von den Römern unter Scipio besiegt wurde. In der Folgezeit erweiterten die Römer ihre Gebiete in Spanien, Norditalien, Gallien und an der illyrischen Küste, bis es 149 v. Chr. zum Dritten Punischen Krieg kam, der in der vollkommenen Vernichtung Karthagos endete. Die Stadt wurde eingeebnet, die Gebiete annektiert. Ab 200 v. Chr. war Rom auch in Griechenland und im östlichen Mittelmeerraum aktiv, wo es zunächst auf Hilferufe reagierte, im Verlaufe der anschließenden Kriege jedoch den Ägäisraum komplett unter seine Kontrolle brachte. 133 v. Chr. erbte Rom von dem damaligen

18 König Attalos III. das Reich Pergamon und erhielt damit seine erste Provinz auf dem asiatischen Festland. [Bearbeiten] Die Krisenzeit der Republik Ab etwa 120 v. Chr. begannen die germanischen Stämme der Kimbern und Teutonen nach Süden zu wandern, wo sie von den Römern als ernsthafte Bedrohung angesehen wurden. Nach mehrmaligen Niederlagen gelang es den Römern unter Marius infolge einer Heeresreform die einfallenden Völker zu besiegen und zurückzuschlagen. Durch Teilnahme an den Mithridatischen Kriegen gewann Rom in Kleinasien einige Vasallenstaaten hinzu. Die Abwesenheit der Streitkräfte führte in Rom jedoch zu einer Verstärkung der politischen Wirren, die seit dem Reformversuch der Gracchen herrschten (siehe dazu: Gracchische Reformen und Römische Bürgerkriege). Die innenpolitischen Schwierigkeiten der Republik waren nicht zuletzt dem politischen Aufbau der Republik geschuldet, der kaum zur Beherrschung eines solchen Reiches, zu dem Rom geworden war, ausreichte. Zudem wurde die Krisenzeit der späten Republik durch ehrgeizige Politiker und Militärs verschlimmert, die ihre eigenen Ziele verfolgten, was im Senat zum Kampf zwischen den so genannten Optimaten und den Popularen führte. Dem erfolgreiche General Sulla gelang es 82 v. Chr. mit dem Einmarsch in Rom, die Streitigkeiten (auch durch den Einsatz von Gewalt) vorläufig beilegen und eine Diktatur errichteten, die bis zu seinem Rücktritt 79 v. Chr. anhielt. Caesars Tod (Historiengemälde aus dem 19. Jahrhundert) Die Wiederherstellung stabiler politischer Verhältnisse gelang jedoch vor allem deshalb nicht, weil der Sklavenaufstand des Spartacus im italienischen Kernland radikale Maßnahmen erforderte und die Befehlsgewalt Crassus und Pompeius übertragen wurde. Nach der Unterdrückung des Aufstandes beseitigten beide im gemeinsamen Konsulat die Gesetze Sullas, schlossen aber insgeheim ein Bündnis mit dem Ziel, möglichst viel Macht an sich zu reißen. 60 v. Chr. schloss sich Julius Caesar diesem Bund an, wodurch das sogenannte Erste Triumvirat (d.h. ein inoffizielles Kollegium aus drei Männern) begründet wurde. Der größte Nutznießer dieser Ordnung war Caesar, der auf eigene Faust ganz Gallien im sogenannten Gallischen Krieg eroberte. Das Bündnis zerbrach 53 v. Chr. als Crassus bei Carrhae in einer Schlacht gegen die Parther fiel. Pompeius betrachtete Caesar nun als persönlichen Rivalen und forderte 49 v. Chr. von Rom aus die Niederlegung seiner Ämter. Caesar reagierte mit dem Marsch auf Rom, was zum Bürgerkrieg zwischen den Anhängern Caesars und denen des Pompeius führte. 48 v. Chr. wurde Pompeius bei Pharsalos besiegt und Caesar wurde zum alleinigen Herrscher Roms bis er 44 v. Chr. ermordet wurde. In den darauf folgenden bürgerkriegsähnlichen Wirren beauftragte der Senat die Caesaranhänger Marcus Antonius, Octavian und Marcus Aemilius Lepidus, ein Kollegium zur Wiederherstellung der politischen Ordnung zu bilden (sogenanntes Zweites Triumvirat). 32 v. Chr. endete dies jedoch mit den Machtkämpfen der

19 beiden Triumvirn Antonius und Octavian, der in einem Bürgerkrieg endete, den Octavian für sich entscheiden und in Rom schließlich die alleinige Macht übernehmen konnte. [Bearbeiten] Frühe und hohe Kaiserzeit Augustusstatue von Primaporta, heute in den Vatikanischen Museen Octavian gelang es, durch geschickte Reformen den Eindruck zu erwecken, dass die Republik wiederhergestellt würde, während er in Wirklichkeit die Alleinherrschaft übernahm und damit die Ordnung des Prinzipates begründete. Als erster römischer Kaiser mit dem Ehrennamen Augustus (dt. der Erhabene ) fügte er Rom neue Gebiete in Spanien, dem Alpenraum, Illyrien und Kleinasien hinzu und nahm auch Ägypten für Rom in Besitz. Allein Feldzüge in Germanien scheiterten bei der Schlacht im Teutoburger Wald. Unter seinen Nachfolgern Tiberius, Caligula, Claudius und Nero wurde die Ordnung des Prinzipats gefestigt und neue Gebiete in Nordafrika, Kleinasien, Thrakien und Britannien wurden dem Imperium hinzugefügt, wenngleich im Inneren die Kaiser nach Tiberius weniger fähig oder gar, wie im Falle Caligulas und Neros, dekadent bzw. wohl geistig nicht vollkommen zurechnungsfähig waren. Nach der Ermordung Neros (68 n. Chr.) kam es zu einem kurzen Bürgerkrieg der mit dem Sieg des Vespasian endete. Unter Nero kam auch das Christentum erstmals zum Vorschein. Mit den Kaisern nach Vespasian erreichte Rom den Höhepunkt seiner Macht. Vespasian selbst reorganisierte die Finanzen und stabilisierte die Verwaltung; auch seine Söhne Titus und Domitian regierten insgesamt betrachtet erfolgreich, auch wenn Domitian 96 v. Chr. einer Verschwörung zum Opfer fiel und ermordet wurde. Den Flaviern folgten die sogenannten Adoptivkaiser nach. Unter Trajan erreichte das Reich mit der Eroberung Dakiens, Mesopotamiens, Assyriens und Armeniens kurzzeitig seine größte Ausdehnung, die meisten von ihm hinzugewonnenen Gebiete wurden von seinem Nachfolger Hadrian jedoch wieder aufgegeben. Während der Regierungszeit Mark Aurels ( ) kam es zu Invasionen der Germanen in das Reich, derer der Kaiser nur mit Mühe durch mehrere großangelegte Feldzüge Herr werden konnte. Nach dem Tod seines unfähigen Sohnes und Nachfolgers Commodus ( ) kam es erneut zum Bürgerkrieg, der zugunsten des Septimius Severus ausging. Severus konnte den inneren Frieden in Roms jedoch nicht dauerhaft wiederherstellen, und nach der Ermordung seines Nachfolgers Caracalla im Jahr 218 begann die Ordnung des Reiches auseinanderzubrechen. Dies gipfelte 235 mit der Meuterei des römischen Heeres in Mogontiacum und der Ermordung des letzten Severers, Severus Alexander durch seine Truppen, was das Zeitalter erneuter Bürgerkriege und der Soldatenkaiser auslöste.

20 [Bearbeiten] Späte Kaiserzeit Siehe Hauptartikel: Spätantike In dieser auch als Reichskrise des 3. Jahrhunderts bezeichneten Zeit drohte das Reich komplett auseinanderzubrechen. Den andauernden Invasionen germanischer Völker aus dem Norden und der Erstarkung Persiens unter den Sasaniden bedeutete für Rom ernsthafte Bedrohungen, weil eine große Zahl von Generälen den Kaiserthron beanspruchten und dies zeitweise dazu führte, dass die Armeen des Reiches untereinander im militärische Kampfhandlungen verwickelt waren. Zeitweilig fielen Gebiete des Reiches (Gallien, Britannien und das Reich von Palmyra) ab. Grenzgebiete in Germanien und Dakien mussten aufgegeben werden. Erst Diokletian gelang es mit umfassenden Reformen das Reich erneut zu stabilisieren. Dies ging einher mit der praktischen Unterteilung des Reiches in zwei große und vier diesen untergeordneten kleineren Verwaltungsbereichen, die von vier Kaisern regiert wurden (Tetrarchie). Unter Diokletian wurden auch die letzten großangelegten Christenverfolgungen durchgeführt. Diese Reformen scheiterten jedoch nicht lange danach, und 324 übernahm Konstantin der Große die Alleinherrschaft über das Reich. Der Regierungssitz wurde von Rom in das nach ihm benannte Konstantinopel verlegt. Konstantin bekannte sich angeblich am Sterbebett zum christlichen Glauben. Damit wurde der Weg für eine grundlegende Christianisierung des Reiches geebnet, die 391 in dem Verbot der Ausübung aller heidnischen Kulte durch Theodosius I. gipfelte. Ab der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts drangen vermehrt germanische Stämme in das römische Herrschaftsgebiet ein, da es, nach der Vernichtung des Gotenreichs in Südrussland durch die Hunnen (375) und der Flucht der Donaugoten ins römische Reich (376), in Ost- und Mitteleuropa zu Wanderungsbewegungen größerer Völkerschaften gekommen war. Die in das Imperium eingebrochenen Germanen wurden zum Teil auf römischen Boden als Foederaten angesiedelt. Dies und die zunehmende Rekrutierung auch höchster Militärs für die römische Armee führte allerdings allmählich zur Bildung von germanischen Reichen auf dem Boden des Imperiums und zum inneren Verlust der eigentlichen Macht. An der Ostgrenze war Rom im Kampf gegen das unter den Sassaniden wieder erstarkte Perserreich kaum erfolgreich. Zwar konnten die römischen Besitzungen weitgehend gesichert werden, doch ein römischer Vormachtanspruch konnte sich in dieser Region nicht mehr durchsetzen. 395 wurde das Reich faktisch (aber nicht formal) in einen Ost- und einen Westteil geteilt. Die Gründe hierfür sind in der Überdehnung des Reiches zu finden, die wegen der steigenden Bevölkerung und der wachsenden Bedrohung von außen das Imperium nicht mehr kontrollierbar machten. Das Westreich, das von dem Ansturm der Germanen am härtesten getroffen worden war, konnte die Grenzen nicht mehr stabilisieren. Nach der Ermordung des Heermeisters Aëtius (454), der den Hunnen und den mit ihnen verbündeten Germanen noch erheblichen Widerstand geleistet hatte, löste sich die weströmische Armee faktisch auf. Dies führte schließlich 476 zum Ende des Westreichs, womit die Geschichte des Imperium Romanum im Abendland beendet wurde, wenn auch viele antike Traditionslinien den Fall Westroms überdauerten. Im Osten konnte sich das Reich weiterhin behaupten, nahm aber durch seine zunehmende christliche Prägung und die Dominanz der griechischen Kultur als Byzantinisches Reich bald einen völlig anderen Charakter an. [Bearbeiten] Iran Siehe Hauptartikel: Parther und Sassanidenreich

21 Der Triumph des Sassaniden Schapur I. über Valerian, Philippus Arabs und Gordian III. Im Iran konnte sich der Hellenismus nur bedingt durchsetzen. Der griechischen Herrschaft setzte im 3. Jahrhundert v. Chr. setzte die Erhebung der Parther ein Ende, die das Arsakidenreich, einem Gebilde aus weitgehend dezentraler königlicher Macht und Vasallenfürsten, begründeten. Dieses Reich wirkte auch als Vermittler zwischen der westlichen griechisch-römischen Welt und den indischen und chinesischen Kulturkreisen. Die Parther mussten sich gegen Bedrohungen der Römer im Westen und der Nomadenstämme im Norden behaupten. Erschwert wurde dies durch die instabile feudale Ordnung im Inneren des Reiches, und des öfteren gab es Thronwirren. Solche Wirren führten beispielsweise auch dazu, dass die Parther ihren Sieg bei Carrhae (53 v. Chr.) nicht ausnutzen und das Römische Reich grundlegend schwächen konnten. Danach wurde Rom zu einem ernsten Gegner der Parther, und vermehrt mussten Gebietsverluste hingenommen werden. Besonders um Armenien kam es wiederholt zu Kampfhandlungen. Das Partherreich erlebte 114 mit dem Einmarsch Trajans in Mesopotamien, dem Zentrum der parthischen Macht, eine katastrophale Niederlage. Nach der Aufgabe dieser Gebiete durch Hadrian im Jahre 117, konnten die Parther ihre Macht jedoch neu aufbauen und schließlich wieder zu einem ernsten Gegner Roms heranwachsen: 161 begannen die Parther einen Angriffskrieg und drangen in Armenien (dem ewigen Zankapfel zwischen Rom und den Parthern bzw. später den Sasaniden), wurden aber 162 von den Truppen des Avidius Cassius zurückgeschlagen; die Römer eroberten 165 gar die Hauptstadt Ktesiphon, 166 zogen sich die römischen Truppen aber wieder zurück und schleppten dabei eine Form von Pest in das Römische Reich ein. Bald wuchs auch im Inneren des Partherreiches der Keim des späteren Untergangs heran; der Vasallenstaat Persien, zunehmend unzufrieden mit der parthischen Herrschaft und getrieben durch einen erwachenden Nationalstolz, konnte in den folgenden Jahrzehnten stark an Macht gewinnen. 218 schlossen Parther und Römer, im Anschluss an den Partherfeldzug Caracallas, der bereits 217 ermordet worden war, Frieden miteinander. Doch entflammte gleichzeitig ein Aufstand in Persien, der 224 zu dem Sieg des persischen Königs Ardaschir I. über den Parther Artabanos IV. führte. Die persische Dynastie der Sasaniden (oder Sassaniden) übernahmen die Macht und begründeten das Sasanidenreich. Ardaschir und sein Sohn Schapur I. errangen die Kontrolle über alle vormals von den Parthern beherrschten Gebiete, und griffen das Römische Reich an. Den Persern gelang es, Armenien endgültig zu erobern und römische Truppen mehrmals zu besiegen. 260 wurde sogar der römische Kaiser Valerian gefangengenommen (siehe auch Römisch-Persische Kriege). Dieser Aufstieg wurde durch Thronwirren zwischen Bahram II. und Hormizd I. beendet, die Römer zwangen Persien zum Friedensschluss. Erst Schapur II. ( ) konnte gegen Rom

22 erneut in die Offensive gehen. Kaiser Julian Apostata, der 363 mit einem großen Heer in Mesopotamien einfiel, wurde in einer Schlacht getötet. Die Römer wurden daraufhin von den Persern zu Gebietsabtretungen gezwungen. Im Nordosten drangen ab 400 die Hephthaliten in den Iran ein und entwickelten sich zum zweiten Hauptgegner der Perser. Peroz I. fiel 484 in einer Schlacht gegen sie, und Persien wurde infolge dieser Niederlage in eine zeitweise tributäre Abhängigkeit gezwungen. Zur gleichen Zeit brachen Hungersnöten im Reich aus, was zu Aufständen führte. All dies führte auch zu einer Schwächung des Adels, was Chosrau I., den bedeutendsten Sasanidenkönig, dazu befähigte, grundlegende Reformen im Reich durchzusetzen und 532 Frieden mit Rom zu schließen. Diesen brach er jedoch schon 540: Ein persisches Heer fiel in Syrien ein und eroberte und plünderte das bedeutende Antiochia am Orontes. Schließlich gelang es Chosrau I., auch das Hephthalitenreich zu vernichten. Die Macht in Arabien konnte ausgeweitet werden und Jemen wurde eine persische Provinz. Sein Enkel Chosrau II. dehnte das Reich noch weiter aus. Er eroberte ab 603 Syrien und Ägypten und ließ 626 erfolglos Konstantinopel belagern, bis Kaiser Herakleios zum Gegenschlag ausholte und die Perser Ende 627 vernichtend schlagen konnte. Chosrau wurde 628 ermordet. Es folgten lang anhaltende Thronwirren, die das Reich in seinen Grundlagen schwächten und somit die ab 634 einsetzenden Eroberungen der Araber erleichterten. [Bearbeiten] Zur Problematik Der Altertumsbegriff umfasst nur die Entwicklungen in Europa, spezifischer die im Mittelmeerraum, und im vorderen Orient einschließlich des Iran. Entwicklungen in anderen Kulturkreisen der Welt können durch die chronologische Einschränkung nicht berücksichtigt werden. In Mittelamerika würde das Altertum alle Entwicklungen von den ersten mesoamerikanischen Hochkulturen (Olmeken, Zapoteken) um 1500 v. Chr. bis zur spanischen Vernichtung der Maya-Kultur im 17. Jahrhundert umfassen, in Indien lässt sich eine solche Eingrenzung noch viel schwieriger bewerkstelligen, in China ist sie so gut wie unmöglich. Daher ist das Altertum als solches ein mediterran-vorderasiatischer Begriff, der sich nicht auf andere Kulturkreise anwenden lässt. Die nur allmählich stattfindenden Kontakte zwischen den hier beschriebenen Zivilisationen und solchen im indischen und chinesisch-ostasiatischen Kreis lassen solche historischen Einteilungen für einen Teil Europas und für Vorderasien daher größtenteils unproblematisch sein. Allerdings muss der Begriff Altertum auch auf die Einbindung der Kelten und Germanen verzichten, obwohl diese eng im Kontakt mit den Zivilisationen des Mittelmeeres standen. Die Tatsache, dass diese beiden Kulturen kaum schriftliche Zeugnisse hinterließen und größtenteils aus Grabfunden bekannt sind, lässt sie dem Fachbereich der Vor- und Frühgeschichte zuordnen. [Bearbeiten] Siehe auch Portal: Altertum Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Altertum Antike Frühgeschichte [Bearbeiten] Literatur [Bearbeiten] Einführende Literatur

23 Klaus Bringmann: Römische Geschichte von den Anfängen bis zur Spätantike. C.H. Beck, München 1997, ISBN (Sehr knappe Übersicht über die Entwicklungen Roms von der Gründung bis zur Zeit Justinians.) Erik Hornung: Grundzüge der ägyptischen Geschichte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1978, ISBN (Frühzeit bis zur Fremdherrschaft.) Bartel Hrouda: Mesopotamien. Die antiken Kulturen zwischen Euphrat und Tigris. C.H. Beck, München 1997, ISBN (Knappe Übersicht über die wechselvolle Geschichte Mesopotamiens.) Detlef Lotze: Griechische Geschichte von den Anfängen bis zum Hellenismus. C.H. Beck, München 1997, ISBN (Ebenfalls knappe Übersicht über Griechenland in der vorrömischen Zeit). Josef Wiesehöfer: Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreichs. C.H. Beck, München 1999, ISBN [Bearbeiten] Weiterführende Darstellungen The Cambridge Ancient History. Div. Hrsg., 14. Bde. (teils in Teilbänden) Cambridge 1970ff. (2.Aufl.) (Umfassende und sehr wichtige Gesamtdarstellung des Altertums. Die zweite Aufl. ist vollständig neubearbeitet worden.) Geschichte der Antike. Ein Studienbuch. Hrsg. von H.-J. Gehrke und H. Schneider. 2. erw. Aufl., Metzler, Stuttgart ISBN (Grundlegende Einführung bzgl. des griechisch-römischen Altertums.) Routledge History of the Ancient World (Routledge, London/New York): o Amélie Kuhrt: The ancient Near East, 2 Bde., o Robin Osborne: Greece in the making B. C., o Simon Hornblower: The Greek world B. C., 3. Aufl., Besprechung o Graham Shipley: The Greek world after Alexander B. C., o Timothy J. Cornell: The beginnings of Rome. Italy and Rome from the Bronze Age to the Punic Wars (c B. C), o Martin Goodman: The Roman world 44 B. C. A. D. 180., o David S. Potter: The Roman empire at Bay, AD , Besprechung o Averil Cameron: The Mediterranean world in Late Antiquity A. D , (Die Routledge History stellt eine anspruchsvolle Gesamtdarstellung des Altertums dar, wobei die meisten Bände längst zu Standardwerken geworden sind.) Josef Wiesehöfer: Das antike Persien von 550 v. Chr. bis 650 n. Chr. Albatros, Düsseldorf 2005, ISBN (Standardwerk) [Bearbeiten] Altertumswissenschaft und Universität William M. Calder III und Alexander Kosenina (Hrsgg.): Berufungspolitik innerhalb der Altertumswissenschaft im wilhelminischen Preußen. Frankfurt am Main 1989 [Bearbeiten] Altertumswissenschaften im Faschismus und Nationalsozialismus

24 Beat Näf (Hrsg.): Antike und Altertumswissenschaft in der Zeit von Faschismus und Nationalsozialismus, Kolloquium Zürich Oktober 1998, unter Mitarbeit von Tim Kammasch, (Texts and Studies in the History of Humanities, 1). Mandelbachtal- Cambridge: Edition Cicero, 2001, ISBN [Bearbeiten] Altertumswissenschaften und Neue Medien Jan Bierweiler und Martin Scholz: Altertumswissenschaftliche Multimedia-Produktion mit den Autorensystemen Authorware und Director von Macromedia (Computer und Antike Band VII). Scripta Mercurae, St. Katharinen [Bearbeiten] Weblinks Wiktionary: Altertum Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen Umfangreiche Artikelsammlung zum Altertum bei Livius.org (englisch) Mesopotamien Das alte Ägypten (englisch) Geschichte des alten Persien bis einschließlich Alexander dem Großen Das antike Griechenland offenes Projekt Geschichte des Römischen Reiches (englisch) Von

25 Volk aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Wechseln zu: Navigation, Suche Dieser Artikel befasst sich mit Volk im ethnischen, nationalen und soziologischen Sinn. weiteres siehe Volk (Begriffsklärung). Der Ausdruck Volk (über mittelhochdeutsch volc aus althochdeutsch folc, dies aus allgemeingermanisch fulka, das [Kriegs-]Volk ), erstmals im 8. Jahrhundert nach Christus [1] belegt, bedeutet "viele". Volk bezeichnet sprachlich als Fügewort eine große Anzahl Individuen, die durch gemeinsame Merkmale verbunden sind. Der deutsche Begriff Volk ist nicht identisch mit dem lateinischen Begriff Nation im antiken Rom. Die älteste Bedeutung viele gleichartige Leute ist noch in Worten wie Fußvolk oder Fahrendes Volk präsent. Ohne weitere Bestimmung stand Volk sodann für ein Siedlungsvolk und wird in neuerer Zeit eher für Kulturvolk, Stammesvolk oder Staatsvolk verwendet. In der Zeit des Ancien régime bezeichnete der Begriff Volk alle Einwohner, die nicht zum Adel oder zum Klerus gehörten (Dritter Stand), was heute noch in ursprünglich nicht-höfischen Einrichtungen und Beschäftigungen wie Volkstanz, Volkslied oder Volkstheater zum Ausdruck kommt. In der Zeit des Nationalismus seit dem Ende des 19. Jahrhunderts versuchte man, einerseits nach Freiheit strebenden Minderheiten in sie dominierenden Staaten Selbstbewusstsein zu erlauben, andererseits Standesgrenzen zu überbrücken, indem man von geschlossenen Staatsvölkern sprach und den Unterschied zwischen Staaten höher gewichtete als den zwischen den Ständen. Heute ist der Begriff recht unscharf und umfasst Bedeutungsfacetten wie Bevölkerung, Basis, Masse, Pöbel und ethnische Gruppe. Inhaltsverzeichnis 1 Siedlungs-, National- und Kulturvolk 2 Verständnis 3 Bedeutungen und Verwendungskontexte 4 Volkskritiker 5 Quellen 6 Literatur 7 Siehe auch [Bearbeiten] Siedlungs-, National- und Kulturvolk Ein Siedlungsvolk ist eine in einem Gebiet zusammenlebende große Gruppe von Menschen, dort oft in echter lokaler Gemeinschaft bzw. Verwandtschaft in Stämme bzw. Sippen gegliedert, die durch das Zusammenleben gemeinsame kulturelle Weisen und verwandtschaftliche Netzwerke ausgebildet haben, sich auch von gemeinsamen Ahnen

26 herleiten. Diese Gemeinsamkeiten werden auf ein konstruiertes Kulturvolk oder Nationalvolk übertragen. Das römische Volk ist so ursprünglich die in Rom lebenden Menschen bezeichnend, zunehmend abstrahierend aber die römischen Staatsbürger und ausgewanderte Sippen mit Traditionen der römischen Kultur. Der Begriff des Nationalvolks wurde Ende des 19. und Anfang 20. Jahrhundert stark überhöht gebraucht. Er fasste gleichzeitig staatliche, kulturelle und gemeinschaftliche (besonders verwandtschaftliche) Eigenabgrenzung nach außen zusammen. Diese Sicht wurde später als unhaltbar dekonstruiert, und postmoderne Denkrichtungen verweisen bei einer solchen Begriffsbildung auf die ihrer Ansicht nach problematischen Folgewirkungen in der Gesellschaft. In der heutigen Fachsprache spricht man häufig genauer von Nation (staatlich), Ethnie (kulturell) und Stamm (gemeinschaftlich), die die anteiligen Charakterisierungen von Staatsvolk (staatlich), Kulturvolk (kulturell) und Stammesvolk (gemeinschaftlich) bezeichnen. Nach aktuellen Studien existieren heute ca verschiedene Völker auf der Erde. Laut dem Selbstbestimmungsrecht der UN, darf jede Volksgruppe, die sich durch eigene Sprache, Kultur oder Traditionen von anderen Volksgruppen unterscheiden, einen eigenen Staat gründen. Dies würde jedoch einer Organisation wie der UN selbst große Probleme bereiten. Im Übrigen kommt der Begriff Volk in Wortzusammensetzungen vor, etwa Bienenvolk, Gottesvolk oder Straßenvolk, wo er die Bedeutung einer unbestimmt hohen Anzahl Individuen ausdrückt, die miteinander in Beziehung stehen. [Bearbeiten] Verständnis Die situative Verwendung als zuschreibendes Merkmal für Siedlungsvolk in bestimmender Form (jenes Menschen siedelnd in/ kommend aus) wird in der weiteren klassifizierenden Verwendung unscharf. So entstehen durch Wanderungsbewegungen in einem Siedlungsgebiet Mischungen von alteingesessenen und zugewanderten Volksgruppen, die sich zum Teil nur schwer mischen. Dagegen kann über verwandtschaftlichen Austausch hinaus in Grenzgebieten auch ein kultureller Austausch stattfinden, der ethnische Merkmale überträgt. Die eigentlich zuschreibende Verwendung ging zunehmend in selbstzuschreibende Bezeichnung über. Hier drückt man die eigene Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen aufgrund einer (oft nur angenommen) gemeinsamen Herkunft und Geschichte (Mythos) aus und verweist auf gemeinsame Traditionen und Bräuche. Häufig verbunden ist dies mit geregelter Heirat untereinander (Endogamie), die eine echte verwandtschaftliche Bedeutung ergibt, bis hin zum Mythos eines gemeinsamen Urahnen (Hellen, Abraham). Eine besondere Form der Zuschreibung und Selbstzuschreibung ergibt sich bei nomadischen ('schweifenden') Völkern, deren Mitglieder sich mit sesshaften Völkern nicht mischen, jedoch untereinander in verwandtschaftlichem und kulturellen Kontakt bleiben. (Vgl. dazu den Mythos von Kain und Abel.) In Europa sind die Volksgruppen der Zigeuner lange von der Sesshaftigkeit abgehalten worden, sie haben dann ein Muster für das sog. Fahrende Volk überhaupt abgegeben. Auch wo sie zwangsweise (Wohnwagenlager) oder freiwillig (oft in Schlichtbausiedlungen) sesshaft gemacht wurden, halten sie bis heute noch merkliche Distanz zu anderen. Die Nichtsesshaften sind dabei nicht selten, jedoch keineswegs in der Regel staatenlos.

27 Durch die Verschiedenheit von gemeinsamer Sesshaftigkeit und kultureller Identität entstehen Vielvölkerstaaten bzw. multikulturelle Gesellschaften. Wo die kulturellen und verwandtschaftlichen Grenzen nicht zu scharf sind, entstehen auch in der Zuweisung zu Volksgruppen fließende Abgrenzungen der Zusammenfügung als Volksstamm. Durch die kontinuierlichen Austauschprozesse genetischer, sprachlicher, religiöser und kultureller Art entwickelt und verändert sich jedes Volk im Laufe der Zeit mitunter stark. [Bearbeiten] Bedeutungen und Verwendungskontexte Das Wort Volk bezeichnete Menschen, die durch ein Merkmal verbunden sind (z. B. Fußvolk, fahrendes Volk ), früh aber auch (11. Jahrhundert) eine durch gemeinsame Herrschaftsform, Sprache, Kultur und Geschichte verbundene große Gruppierung von Menschen. In der Völkerkunde und Volkskunde ("Europäischen Ethnologie") sind volk - bezogene Begriffe gewöhnlich schärfer gefasst ("Volksstamm", "Ethnie"). Die Soziologie behandelte im 19. Jahrhundert den Begriff noch relativ unbefangen; so stellte Ferdinand Tönnies das "Alte Volk" dem Adel, den Kapitalisten und dem Proletariat gegenüber. [2] Nach der faschistischen Begriffsokkupation behandelt sie den Themenkreis vorzugsweise unter Gesellschaft. Die Politikwissenschaft behandelt das Thema meist unter Nation. Im Unterschied zum Volk schließt eine Nation die Menschen auf Grund politischer Aktionen zusammen. Nationalstaaten, die sich primär als Staat eines Volkes verstehen, also homogene Nationalstaaten sind, tragen ihre inneren Streitigkeiten seltener als ethnische Konflikte aus als inhomogene Vielvölkerstaaten, Beispiel Russland. Zur Volksherrschaft insgesamt siehe die Demokratie. Unter anderem wurden auch die Sprüche "Wir sind das Volk" & "Freiheit für das Volk" als zeichen für den Kampf um die Freiheit in Frankreich bekannt. Rechtlich können die Angehörigen eines Volkes im ethnischen Sinne Bürger unterschiedlicher Staaten sein (s. Staatsangehörigkeit), z. B. die Dänen, die die dänische, deutsche oder grönländische Staatsangehörigkeit haben mögen. Der staatsrechtliche Begriff Staatsvolk bezieht sich dagegen nur auf das Volk im (gemeinsamen) Staate. (Beispiel: Türken mit türkischer Staatsangehörigkeit und Türken mit anderen Staatsangehörigkeiten gehören unterschiedlichen Staatsvölkern an, obwohl Letztere sich weiterhin zum türkischen Volk rechnen mögen.) Das Staatsvolk ist jeweils gemeint, wenn - wie in Deutschland - bei jedem Gerichtsurteil als Anfangsformel "Im Namen des Volkes!" gesprochen wird. In der Ideologie des Klassenkampfes steht es für die breite Masse des Volkes zu einer abgegrenzten (nahezu abzählbaren) herrschenden Klasse, bei linken Gruppen oft als Synonym mit Masse der Proletarier als Gegensatz zur Bourgeoisie. Von dieser Bedeutung kann man auch den Begriff Volksdemokratie bzw. Volksrepublik ableiten. In der Ideologie des Faschismus liegt dem Begriff Volk ein mythologisierter Wesenszug, ein Konzept des völkischen Nationalismus und das Ziel einer einigen Volksgemeinschaft zu Grunde. Die rassistische Überhöhung der Nazi-Zeit, in der innerstaatliche Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und vernichtet wurden (Holocaust) hat diese Deutung in Verruf gebracht. In Politik und Medien werden je nach Kontext statt Volk oft ähnliche Begriffe verwendet, wie Bevölkerung, Basis, ethnische Minderheit, Masse, etc. Postmoderne In neuerer (poststrukturalistischer) Literatur (etwa Hardt/Negri: Empire) findet man den Hinweis darauf, dass "Volk" regelmäßig nur eine Begriffswelt bezeichne, die die Gemeinschaft von Menschen dahingehend verändern solle, dass sie

28 durch welche Prozesse auch immer aneinander angeglichen und nach außen abgegrenzt werden. Als eigentlicher, neutraler Begriff für die Ansammlung an Menschen und ihrer Charakteristika wird vorgeschlagen, auf den Grundbegriff der Menge (im engl. Original: Multitude ) zurückzugreifen. [Bearbeiten] Volkskritiker Die wenigen Kritiker des Kollektivs namens Volk teilen sich im Wesentlichen in zwei Gruppen. In jene, die nur einzelne völkische Kollektive ablehnen, wie etwa die sog. Antideutschen, welche die deutsche Nation durch das 3. Reich für immer delegitimiert sehen. Und in jene, vor allem marxistisch orientierten Kritiker, welche das Volk als "falsche Abstraktion" von den Klassengegensätzen innerhalb dieses Kollektivs ablehnen. Sie verweisen darauf, dass eine wirkliche kollektive Identität des Volkes nur in der gemeinsamen Unterwerfung unter einen Staat besteht und dass innerhalb des Volkes lauter Gegensätze bestehen, sei es zwischen Arbeitern und Unternehmern, Mietern und Vermietern oder allgemein zwischen Käufern und Verkäufern. Hervorzuheben ist hier vor allem der marxistische Gegenstandpunkt. [Bearbeiten] Quellen 1. Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage 2. Noch 1935 in Geist der Neuzeit. Zuletzt in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 22, de Gruyter, Berlin/New York 1998 [Bearbeiten] Literatur Alfred Schobert, Siegfried Jäger (Hg.) (2004), Mythos Identität. Fiktion mit Folgen. ISBN (international angelegter Überblick über Nationen- und Identitätenbildung) Kien Nghi Ha: Ethnizität und Migration Reloaded. Kulturelle Identität, Differenz und Hybridität im postkolonialen Diskurs. Überarb. und erw. Neuauflage, [Westfälisches Dampfboot/WVB] 1999/2004, ISBN Michael Hardt und Antonio Negri (2000), Empire. Die neue Weltordnung, Frankfurt am Main / New York 2002, ISBN X (postmoderne Ansichten zum Begriff und Alternativvorschläge) Henning Eichberg (2004), The People of Democracy. Understanding Self- Determination on the Basis of Body and Movement. (= Movement Studies. 5) Århus: Klim (Theorie von Volk und Zivilgesellschaft vor skandinavischem Hintergrund) Emerich K. Francis (1965) Ethnos und Demos. Soziologische Beiträge zur Volkstheorie. Berlin: Duncker & Humblot (Die klassische Soziologie von Volk, Ethnos und Demos) Emerich K. Francis (1976) Interethnic Relations. An Essay in Sociological Theory. New York u.a.: Elsevier. Raphael Samuel (1981) (ed.), People s History and Socialist Theory. London: Routledge & Kegan Paul. GegenStandpunkt Das Volk: eine furchtbare Abstraktion. München GegenStandpunkt-Verlag. ISSN [Bearbeiten] Siehe auch

29 Wiktionary: Volk Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen Menge Ethnogenese völkisch Volksgruppe Einwanderung Individualismus zahlreiche Zusammensetzungen mit "Volk-", etwa Volkssouveränität, Volksgesetzgebung, Volksinitiative, Volksbegehren, Volksentscheid, Volksbühne, Volkslied, Volksmund, Volkswagen, Volksrepublik, Volkseigentum, Volksempfänger, Volksvertretung, Völkerball Leute Zivilisation Völkermord Von

30 Alter Orient aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Wechseln zu: Navigation, Suche Der Begriff Alter Orient bezeichnet die alten Hochkulturen in Vorderasien (Syrien, Palästina, Phönizien, Kleinasien, Anatolien), Mesopotamien und der iranischen Hochebene und schließt manchmal auch umfassender das Alte Ägypten und Arabien mit ein (oder knapp gesagt, im Großen und Ganzen das von Alexander dem Großen eroberte Weltreich ohne die europäischen Reichsteile oder auch das persische Reich unter Dareios I. zuvor). Da mit den altorientalischen Hochkulturen die Schriftlichkeit einsetzte, bilden sie auch einen Teil des Altertums. Inhaltsverzeichnis 1 Vorgeschichte 2 Die Geschichte des Alten Orients zwischen 3000 v. Chr. und 550 v. Chr. o 2.1 Die Sumerer o 2.2 Akkad o 2.3 Babylon unter König Hammurapi und seinen Nachfolgern o 2.4 Die Hethiter und die Phönizier o 2.5 Die Assyrer o 2.6 Meder und Babylonier 3 Das Perserreich der Achämeniden ( v. Chr.) 4 Weitere Entwicklung von Alexander dem Großen bis zur Islamischen Expansion 5 Siehe auch 6 Literatur [Bearbeiten] Vorgeschichte Im Alten Orient, einem klimatisch günstigen Gebiet zwischen dem Mittelmeer, dem Persischen Golf und den arabischen Wüsten, siedelten sich im 8. und 9. Jahrtausend v. Chr. erste autarke Bauern an. Um 7700 v. Chr. bildete sich eine sesshafte Agrargesellschaft heraus. Die ältesten Städte der Welt, wie Uruk und Ur entstanden hier. Im Norden Mesopotamiens bildeten sich die Bauerndörfer der Hassunna-Kultur, der Halaf-Kultur und der Samarra-Kultur im Osten. In der Zeit der Obed-Kultur erfolgte die Besiedlung des südlichen Mesopotamiens durch Ackerbauern. Ab der Uruk-Zeit wird Keramik auf der Töpferscheibe hergestellt und es finden sich die ersten Schriftzeugnisse. [Bearbeiten] Die Geschichte des Alten Orients zwischen 3000 v. Chr. und 550 v. Chr. [Bearbeiten] Die Sumerer

31 Woher die Sumerer stammten ist unklar. Ihre Sprache gilt als isolierte Sprache, deren Herkunft ebenso unklar ist. Die Sumerer kultivierten ihr Land durch ein weitverzweigtes Kanalsystem, das von so genannten Priesterfürsten organisiert wurde, die einzelnen Stadtstaaten regierten und die Tempelwirtschaft einführten. Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. bildeten sich größere Städte, die für eine effektivere Bewässerung des Landes sorgten. Die Städte wurden immer wohlhabender, Handwerk und Handel gewannen immer mehr an Bedeutung. Die Siedlungen behielten ihre Selbständigkeit, ein einheitliches Reich gab es zu dieser Zeit nicht. Die steigenden Anforderungen an die Organisation der Tempelwirtschaft bedingten die Entwicklung einer Schrift. Um 2700 v. Chr. wurde die Keilschrift zur Vollendung geführt. Zunächst diente die Schrift nur der Buchhaltung. Die wichtigste Stadt der Sumerer war Uruk, die Stadt Gilgameschs. Der Epos dieses Helden gilt als erstes literarisches Dokument der Menschen. Ab 3000 v. Chr. wanderten Nomaden aus dem Norden in das südliche Mesopotamien ein. Die sumerische Königsliste, die auch von einer Sintflut berichtet, dokumentiert diese Wanderungen durch das Auftauchen semitischer Namen. Die Historiker bezeichnen diese Epoche als Frühdynastische Periode, die im 23. Jahrhundert v. Chr. endete. In dieser Epoche zerbrach die Einheit von geistlicher und weltlicher Macht. Paläste wurden für die Könige gebaut, die nicht nur der Repräsentation dienten. Die Könige dieser Zeit wurden LU.GAL (großer Mensch) genannt. Ihren Machtanspruch zeigten die Herrscher auch mit ihren Gräbern, in denen sie sich mit ihrem Gefolge begraben ließen. Mehrere dieser Königsgräber fand man in der Nähe von Ur. [Bearbeiten] Akkad Der alte Orient um 2000 v. Chr. Unter Sargon von Akkad endete die Frühdynastische Epoche. Sargon I. schuf das erste vorderasiatische Reich, vereinte die vielen Stadtstaaten. Ganz Mesopotamien, Teile Syriens, Irans und Kleinasiens gehörten zu seinem Machtbereich. Die Stadt Akkad wurde zu seinem Regierungssitz. Die akkadische Sprache verdrängte das Sumerische. Die Eroberungen führten zu wirtschaftlichen und kulturellen Verknüpfungen mit den unterworfenen Völkern bzw. den neuen Nachbarn. Der Zugang zum Persischen Golf ließ einen florierenden Seehandel entstehen. Kulturell beeinflusste Ägypten das Leben im Reich

32 Sargons I. Das zeigte sich in den bildlichen Darstellungen, sowie in der Stellung des Herrschers als Gott bzw. als dessen Stellvertreter. Akkad herrschte nicht lange, zahlreiche Aufstände und einwandernde Bergvölker (Gutäer) beendeten die Epoche. (Reich von Akkad: um 2235 bis 2094 v. Chr.) Diese erste große Zivilisation blieb aber in den Mythen der Menschen weiter lebendig, so erinnerten sich noch die Assyrer an Sargon I. Nach knapp 100 Jahren wurden die Gutäer vertrieben, und die sumerischen Stadtstaaten fanden wieder zu Macht und Größe. Die Stadt Ur wurde erneut zum Zentrum. Die so genannte Ur III-Dynastie dauerte von 2047 bis 1939 v. Chr.. Diese Zeit zeichnete sich durch eine straffe Verwaltung aus und durch die Festlegung von Rechtsverordnungen (Codex Ur- Nammu). Damit endete die sumerische Zeit in Mesopotamien. Die Macht der Städte schwand. Ein weiteres Nomadenvolk, die Amoriter unter König Hammurapi, gewann in den Auseinandersetzungen die Macht. [Bearbeiten] Babylon unter König Hammurapi und seinen Nachfolgern Es ist nicht bekannt, wann die Stadt Babylon gegründet wurde. Erst unter Hammurapi (* 1728 v. Chr.; 1686 v. Chr.) gelangte die Stadt in den Mittelpunkt des Geschehens und wurde so bedeutend, dass die Griechen später ganz Mesopotamien als Babylonien bezeichnen sollten. Hammurapi wurde der Nachwelt bekannt, weil er eine der ersten Gesetzessammlungen verfasste (Codex Hammurapi). In 280 Paragrafen regelte das Werk das bürgerliche Recht, das Straf- und Verwaltungsrecht. Es umfasste Einzelfallentscheidungen, die sich oft durch Härte auszeichneten. Historiker sind sich aber nicht sicher, ob diese Gesetzessammlung auch dauerhaft beachtet wurde. Das Reich Hammurapis zerfiel in den nächsten Jahrhunderten. Die Kassiten wanderten ein und übernahmen schließlich, nach dem Feldzug des Murschili 1595 in Babylon für über 500 Jahre die Herrschaft, was nur kurz durch eine assyrische Eroberung unter Tukulti-Ninurta I. unterbrochen wurde. Um 1156 wurde Babylon von Elam erobert, anschließend ergriff die Zweite Dynastie von Isin die Macht. [Bearbeiten] Die Hethiter und die Phönizier Der alte Orient um 1400 v. Chr.

33 Die Hethiter, indoeuropäische Sprachträger, waren gegen Ende des 3. Jahrtausend v. Chr./Anfang des 2. Jahrtausend v. Chr. nach Kleinasien eingewandert. Unter weiteren nomadischen Einflüssen kristallisierte sich Mitte des 2. Jahrtausend v. Chr. das Großreich der Hethiter heraus, zu dem weite Teile Anatoliens und zeitweise auch die nördliche Hälfte des heutigen Syrien zählten v. Chr. plünderten die Hethiter unter Mursili I. Babylon v. Chr. siegten die Hethiter vermutlich in der Schlacht bei Kadesch über das expandierende Ägyptische Reich. Der Vertrag zwischen Ramses II. und Hattusili III. ist der älteste bekannte Friedensvertrag der Welt. Das hethitische Reich endet Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr.. Die dritte Großmacht in dieser Zeit war das Reich von Mitanni, das Nordsyrien beherrschte. Etwa im 15. Jahrhundert v. Chr. kam es in Phönizien an der Mittelmeerküste zur Bildung von Stadtstaaten, die Seestädte Sidon, Tyros, Byblos und Arwad, die Handelskolonien im gesamten Mittelmeerraum gründeten. Bedeutendste Niederlassung wurde später Karthago im heutigen Tunesien. [Bearbeiten] Die Assyrer Im 14. Jahrhundert v. Chr. erstarkte als neue Macht Assyrien, die sich von der Vorherrschaft Mitannis befreien konnten. Die Stadt Assur lag am oberen Tigris. Historiker vermuten, dass die Stadt am Anfang unter der Herrschaft Akkads stand. Man vermutet, dass die ersten Assyrer Nomaden waren. An der Spitze stand der König, der sich auch als Priester des Gottes Assur sah. Daneben übten die Kaufleute eine bedeutende Macht im Land aus. Assur, an wichtigen Handelswegen gelegen, handelte mit dem Iran, Babylon und Anatolien. Im 18. Jahrhundert v. Chr. gründete Schamschi-Adad I. im Norden Mesopotamiens ein assyrisches Reich. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts v. Chr. war Assyrien zerfallen und das Altassyrische Reich beendet. Das Gebiet war Teil von Mitanni. Unter Assur-uballit I. (1353 bis 1318 v. Chr.) erlangte Assyrien seinen Einfluss zurück. Zahlreiche Eroberungen führten zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Der König Tukulti- Ninurta I. verstand sich als Stellvertreter des Gottes Assur. Er nannte sich Herrscher der vier Erdteile und machte damit seinen Machtanspruch deutlich. Mit seinem Tod endete aber diese Epoche des Mittelassyrischen Reiches. Einen letzten Aufschwung erlebte das Reich mit König Assur-dan III. (935 bis 912 v. Chr.), der zahlreiche aramäische Stadtkönigreiche eroberte. Die Könige Assurnasirpal II. (883 bis 859 v. Chr.) und Salmanassar III. (858 bis 824 v. Chr.) erweiterten den assyrischen Machtbereich bis nach Syrien. Nach einigen Rückschlägen und inneren Zwistigkeiten gelang es Tiglat-pileser III. (745 bis 727 v. Chr.) Babylon, Phönizien, Palästina und Israel zu erobern. Nach Thronwirren übernahm 721 v. Chr. Sargon II. die Herrschaft. Er regierte bis 705 v. Chr.. Unter ihm und seinen Nachfolgern erreichte das assyrische Großreich seine größte Ausdehnung. Mehr und mehr setzte sich die aramäische Sprache und Schrift als Verkehrssprache durch. 50 Jahre später eroberte Asarhaddon (681 bis 669 v. Chr.) Ägypten. Assurbanipal (669 bis 627 v. Chr.) war der letzte bedeutende Herrscher. Seine Bibliothek ist eine bedeutende Quelle für die Geschichte des Zweistromlandes. In den darauffolgenden Jahren wurde der Verfall der assyrischen Macht unverkennbar. Babylonier und Meder verbündeten sich gegen Assur. Nach und nach konnten die Alliierten das assyrische Heer schlagen und 609 v. Chr. Assur einnehmen und zerstören.

34 [Bearbeiten] Meder und Babylonier Die vereinigten Meder und Babylonier besiegten 609 v. Chr. die Heere Assyriens. Assur und Ninive wurden vollkommen zerstört. 586 v. Chr. wurde Juda durch Babylon erobert, Jerusalem und der erste Tempel wurden zerstört, es begann das babylonische Exil der Juden. Dieses endete 539 v. Chr. mit der Eroberung Babylons durch die Perser. [Bearbeiten] Das Perserreich der Achämeniden ( v. Chr.) Zum Folgenden siehe auch den Hauptartikel: Perserreich Der Gründer des persischen Großreiches der Achämeniden war Kyros II.. Kyros wurde kurz nach 560 v. Chr. König von Anschan, einer Region in der Persis, welche unter der Oberhoheit der Meder stand. Kyros gelang es um 550 v. Chr. diese Oberherrschaft abzuschütteln. In den nachfolgenden Jahren eroberte Kyros das Mederreich und schuf damit die Grundlagen des persischen Großreiches. Anschließend wurden die Lyder besiegt, womit Kleinasien weitgehend unter persische Herrschaft kam. 540/539 v. Chr. fiel auch Babylonien an Kyros. Der Nachfolger des Kyros, Dareios I. organisierte die Verwaltung des Reiches durch Satrapen und stärkte die Wirtschaft. Er erobert Teile Nord-Indiens und Thrakiens sowie 526 v. Chr. ganz Ägypten. Nach einem Aufstand der kleinasiatischen Griechen (sogenannter Ionischer Aufstand, etwa 500 bis 494 v. Chr.) kam es zu einer Strafexpedition der Perser, die jedoch 490 v. Chr. bei Marathon von den Athenern vernichtend geschlagen wurden. Dies war der Beginn der so genannten Perserkriege, welche zu einem bestimmendem Element der Beziehungen zwischen den griechischen Poleis (Stadtstaaten) und dem Perserreich werden sollte. Um 449 v. Chr. kam es zum (in der Forschung umstrittenen) so genannten Kalliasfrieden, der den status quo zementierte: Die Perser akzeptierten die Selbstständigkeit der kleinasiatischen Griechen und betrachteten die Ägäis als ein griechisches Meer, wofür im Gegenzug die Griechen keine kriegerischen Aktionen gegen Persien unternahmen. Artaxerxes III. war der letzte bedeutende Großkönig der Achämeniden. Nach seinem Tod 336 v. Chr. eroberte Alexander der Große ab 334 v. Chr. das persische Großreich. Der letzte Achämenide, Dareios III., wurde von einem seiner Untergebenen 330 v. Chr. umgebracht. [Bearbeiten] Weitere Entwicklung von Alexander dem Großen bis zur Islamischen Expansion Siehe auch: Perserreich, Parther, Sassanidenreich und Islamische Expansion Alexander der Große eroberte 336 v. Chr. das heutige Anatolien und brachte bis 323 v. Chr. fast das gesamte Perserreich und Ägypten unter seine Kontrolle. Nach dem Tod Alexanders des Großen übernahm Seleukos I. die Herrschaft in einem Reich, dass große Teile Vorderasiens, Mesopotamien und die Kaukasusregion umfasste, das Seleukidenreich. Im Osten gelang es den Parthern um 240 v. Chr., den Nordosten des Irans in Besitz zu nehmen. 187 v. Chr. eroberten die Römer die Nordprovinzen des Seleukidenreiches. Unter Mithridates I. (171 bis 139/138 v. Chr.) eroberten im Gegenzug die Parther Mesopotamien und das

35 graeco-baktrische Reich. Römer und Parther kämpften dann seit 130 v. Chr. um die Vorherrschaft in Vorderasien. Um 64 v. Chr. brachten die Römer Syrien unter ihre Kontrolle, das nach Ägypten zur reichsten römischen Provinz aufstieg. Die weiter andauernden Kämpfe zwischen Römern und Parthern verliefen sehr wechselhaft. Auch wenn es den Römern mehrmals gelang, in das Parthische Reich einzudringen (so wurde die de facto Hauptstadt Seleukeia/Ktesiphon wiederholt belagert bzw. erobert), konnten sie diesen Raum doch nie dauerhaft in Besitz nehmen. Der letzte Herrscher der Parther, Artabanos IV., wurde durch eine Rebbellion im Innern vom Unterkönig der Persis, Ardaschir I., 224 n. Chr. in der Schlacht von Hurmuzgan getötet. Das Sassanidenreich und die spätantike Mittelmeerwelt etwa zur Zeit Chosraus I.; die Grenzen der Randgebiete des Sassanidenreiches waren allerdings fließend. Nach der Teilung des Römischen Reiches 395 wurde die Provinz Syria Teil des Byzantinischen Reiches. Vorderasien war anschließend lange Zeit zwischen Byzanz und dem wiedererstarkten Sassanidenreich umkämpft (siehe unter anderem Justinian I.; Herakleios). Die Sassaniden knüpften im Gegensatz zu den eher hellenistisch geprägten Parthern explizit an die altorientalische Tradition Persiens an. Unter Chosrau I. 531 bis 579 erreichte das Sassanidenreich seinen Höhepunkt. Es konnte sich gegenüber dem Oströmischen Reich behaupten, die Grenze gegenüber den Steppenvölkern sichern. Auch kulturell war dies die bedeutendste Phase des sassanidischen Persien. Doch konnten seine Nachfolger diesen Zustand nicht erhalten. Sein Enkel Chosrau II. wurde vertrieben und 591 mit oströmischer Unterstützung wieder eingesetzt. Chosrau II. griff nach dem Tod Kaiser Maurikios das oströmische Reich an. Bis 619 hatte er Syrien und Ägypten erobert. Das alte Achämenidenreich schien wieder auferstanden zu sein. Doch Kaiser Herakleios gelang ein erfolgreicher Feldzug gegen die Sassaniden, die in der Schlacht bei Ninive geschlagen wurden. Chosrau II. wurde abgesetzt und bald darauf getötet, während Byzanz die verlorenen Gebiete 629 zurückerhielt. Das Sassanidenreich war von den langen Kriegen und dem anschließenden langen Bürgerkrieg mit ständig wechselnden Herrschern völlig ausgeblutet. Ab 634 eroberten dann die Araber von Medina aus ganz Syrien, Palästina und Mesopotamien und schließlich das gesamte Sassanidenreich (siehe Islamische Expansion). Der letzte Sassanide Yazdegerd III. wurde 651 bei Merw in Nordosten des Irans getötet, womit die letzte altorientalische Staatsbildung unterging. [Bearbeiten] Siehe auch Altorientalistik [Bearbeiten] Literatur Einführungen zum Alten Orient

36 Rainer Albertz et al. (Hgg.): Frühe Hochkulturen. Ägypter, Sumerer, Assyrer, Babylonier, Hethiter, Minoer, Phöniker, Perser (Theiss Illustrierte Weltgeschichte), Verlag Theiss, Aalen 2003, ISBN Wolfram von Soden: Der Alte Orient. Eine Einführung, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006 (einzige umfassende Einführung in die Altorientalistik und den Alten Orient), ISBN Lexika, Nachschlagewerke und Handbücher Rykle Borger: Handbuch der Keilschriftliteratur, 3 Bde., Berlin Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie, begründet von Erich Ebeling und Bruno Meissner, fortgeführt von Ernst Weidner, Wolfram von Soden und Dietz Otto Edzard, herausgegeben von Michael P. Streck, Berlin 1932ff. (Das große Referenzwerk der Disziplin, bisher sind 10 Bände erschienen). Streck, Michael P. (Hrsg.): Sprachen des Alten Orients, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2. Auflage, Darmstadt 2006, ISBN X. Geographie und Landeskunde des Alten Orients Eckart Ehlers: Iran. Grundzüge einer geographischen Landeskunde, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstatd 1980, ISBN Eugen Wirth: Agrargeographie des Irak, Institut f. Geographie u. Wirtschaftsgeographie d. Universität, Hamburg 1962, ASIN B0000BPPS5. Eugen Wirth: Syrien, eine geographsiche Landeskunde, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt Übersetzte Texte zum Alten Orient Walter Beyerlin: Religionsgeschichtliches Textbuch zum Alten Testament (Grundrisse zum Alten Testament, Bd. 1), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1985, ISBN Stephanie Dalley: Myths from Mesopotamia: Creation, the Flood, Gilgamesh and Others, Oxford University Press, Oxford 1989, ISBN Adam Falkenstein; Wolfram von Soden: Sumerische und akkadische Hymnen und Gebete, Artemis-Verlag, Zürich 1953, ASIN B0000BHX9C. Benjamin R. Foster: From Distant Days. Myths, Tales and Poetry of Ancient Mesopotamia, Bethesda 1995, ISBN Benjamin R. Foster: Before the Muses. An Anthology of Akkadian Literature, 2 Bde., 2. Auflage, Bethesda 1996, ISBN Bernd Janowski; Gernot Wilhelm: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Neue Folge, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2004ff. Otto Kaiser (Hrsg.): Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, 3 Bde., Verlag Mohn, Gütersloh Stefan M. Maul: Das Gilgamesch-Epos, Verlag C.H. Beck, München 2005, ISBN (aktuellste und derzeit beste Übersetzung). William L. Moran: The Amarna Letters, Johns Hopkins University Press, Baltimore 1992, ISBN James B. Pritchard: Ancient Near Eastern Texts relating to the Old Testament, Princeton University Press, Princeton 1969, ISBN Horst Steible: Die altsumerischen Bau- und Weihinschriften, 2 Bde., Steiner Franz Verlag, Wiesbaden 1982, ISBN

37 Gesamtdarstellungen der Geschichte des Alten Orients The Cambridge Ancient History, hrsg. von Iorweth E. Edwards et al., 2. grundlegend überarbeitete Auflage, 14 Bde., teils in Teilbänden, Cambridge University Press, Cambridge Elena Cassin; Jean Bottéro; Jean Vercoutter (Hgg.): Die Altorientalischen Reiche, Verlag Fischer, Frankfurt a. M (Fischer Weltgeschichte, Bde. 2-4). Dietz Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. Von den Sumerern bis zu Alexander dem Großen, Verlag C.H. Beck, München 2004, ISBN Marlies Heinz: Altsyrien und Libanon. Geschichte, Wirtschaft und Kultur vom Neolithikum bis Nebukadnezar, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002, ISBN Barthel Hrouda (Hrsg.): Der Alte Orient. Geschichte und Kultur des alten Vorderasien, Verlag Bassermann, München 2003, ISBN Amélie Kuhrt: The Ancient Near East c BC (Routledge History of the Ancient World), 2 Bde., Routledge, London u.a. 1995, ISBN (die derzeit ausführlichste Darstellung des Alten Orients samt Levante, Iran und Ägypten). Hans J. Nissen: Grundzüge einer Geschichte der Frühzeit des Vorderen Orients, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 3. Auflage, Darmstadt 1995, ISBN (erweiterte engl. Übersetzung: The Early History of the Ancient Near East, B.C., Chicago 1988). Hans J. Nissen: Geschichte Altvorderasiens (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 25), Oldenbourg Verlag, München 1999, ISBN Mirjo Salvini: Geschichte und Kultur der Urartäer, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, ISBN Jack M. Sasson et al. (Hgg.): Civilisations of the Ancient Near East, 4 Bde., Scribner, New York Klaas R. Veenhof: Geschichte des Alten Orients bis zur Zeit Alexanders des Großen, übersetzt von Helga Weippert (Grundrisse zum Alten Testament, ATD- Ergänzungsreihe, Bd. 11), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Von 550 v. Chr. bis 650 n. Chr., Verlag Albatros, Düsseldorf 1995, ISBN Die Beziehungen des Alten Orients zu seinen Nachbarn Wolfgang Helck: Die Beziehungen Ägyptens zu Vorderasien im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr., Verlag Harrassowitz, 2., verbesserte Auflage, Wiesbaden 1971, ISBN Wolfgang Helck: Die Beziehungen Ägyptens und Vorderasiens zur Ägäis bis ins 7. Jahrhundert v. Chr., von R. Drenckhahn durchgesehene und bearbeitete Neuauflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, ISBN Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Alten Orients Volkert Haas, Wolfgang Schuller (Hgg.): Außenseiter und Randgruppen. Beiträge zu einer Sozialgeschichte des Alten Orients, Uvk Universutäts-Verlag, Konstanz 1998, ISBN Horst Klengel: Beiträge zur sozialen Struktur des alten Vorderasien, Akademie- Verlag, Berlin 1971, ASIN B0000BQ0FP.

38 Astrid Nunn: Alltag im alten Orient (Antike Welt, Sonderheft; Zaberns Bildbände zur Archäologie), Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2006, ISBN Religionsgeschichte des Alten Orients Brigitte Groneberg: Die Götter des Zweistromlandes, Verlag Artemis und Winkler, Düsseldorf, Zürich 2004, ISBN Peter W. Haider; Manfred Hutter; Siegfried Kreuzer (Hrsg.): Religionsgeschichte Syriens. Von der Frühzeit bis zur Gegenwart, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2001 (zuerst 1996), ISBN Manfred Hutter: Religionen in der Umwelt des Alten Testaments I. Babylonier, Syrer, Perser (Kohlhammer Studienbücher Theologie, Bd. 4,1), Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln 1996, ISBN Bernd Janowski; Klaus Koch; Gernot Wilhelm: Religionsgeschichtliche Beziehungen zwischen Kleinasien, Nordsyrien und dem Alten Testament (= OBO 129), Vandehoeck & Ruprecht, Göttingen 1997 (zuerst 1993), ISBN Herbert Niehr: Religionen in Israels Umwelt. Einführung in die nordwestsemitischen Religionen Syrien-Palästinas (Neue Echter Bibel, Ergänzungsband 5), Echter Verlag, Würzburg 1998, ISBN Helmer Ringgren; Walter Beyerlin: Die Religionen des Alten Orients (ATD- Ergänzungsreihe), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1979, ISBN Christel M. Schröder; Peter Antes; Hubert Cancik; Hartmut Gese; Maria Höfner; Kurt Rudolpf (Hrsg): Die Religionen Altsyriens, Altarabiens und der Mandäer (Die Religionen der Menschheit, Bd. 10/2), Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1970, ISBN Von

39 Mesopotamien aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Wechseln zu: Navigation, Suche Dieser Artikel behandelt das um die Flüsse Euphrat und Tigris gelegene Zweistromland, für andere Bedeutungen siehe Mesopotamia Mesopotamien Mesopotamien Mesopotamien (griech. für zwischen den Flüssen, aramäisch Aram Beth Nahrin = بلاد بلاد Bilad ma bayn Al-Nahrayn oder مابین النھرین Zweiflussland, arabisch الرافدین Bilad Al-Rafidayn), hebr. Aram-Naharaim, auch Zweistromland, bezeichnet geographisch das Gebiet um die Flüsse Euphrat und Tigris im heutigen Südost-Anatolien (Türkei), Syrien und Irak. Inhaltsverzeichnis 1 Topographie o 1.1 Geografie o 1.2 Klima o 1.3 Landwirtschaft 2 Geschichte o 2.1 Chronologie bis bis Samsuditana Ur III erste Dynastie von Babylon o 2.2 Vorgeschichte o 2.3 Sumerer o 2.4 Obermesopotamien o 2.5 Einigung und Blütezeit unter Akkad o 2.6 Neusumerisches Reich der Ur-III-Dynastie o 2.7 Babylonisches Zeitalter o 2.8 Weltreich der Assyrer o 2.9 Neubabylonisches Reich o 2.10 Achämeniden

40 o 2.11 Alexander der Große und die Seleukiden o 2.12 Parther o 2.13 Sassaniden o 2.14 Mittelalter und Neuzeit 3 Kultur und Gesellschaft o 3.1 Wirtschaft und Volkswirtschaft 4 Sprache, Schrift und Zahlen o 4.1 Die Entschlüsselung der Keilschrift 5 Siehe auch 6 Literatur 7 Weblinks [Bearbeiten] Topographie [Bearbeiten] Geografie Im Norden beginnt die Landschaft am Taurusgebirge und reicht nach Süden bis zum Persischen Golf. Im Osten grenzen die Berge des Irans und im Westen die arabische Wüste und die Hochebenen Syriens an. [Bearbeiten] Klima Das Klima im Norden ist rau mit kalten Wintern. Der Süden hingegen ist im Winter milder und hat heiße Sommer. [Bearbeiten] Landwirtschaft Die Bauern bauten vorwiegend Gerste und Weizen an. Der Regenfeldbau im Norden und die umfassende künstliche Bewässerung im Süden lieferten sehr ertragreiche Ernten. Die Felder wurden nur alle zwei Jahre bepflanzt, um den Boden zu schonen. Die Erträge waren bemerkenswert. Schon im 3. Jahrtausend v. Chr. erreichten die Ernten das 30fache der Aussaat. Im Laufe der Jahrtausende sanken die Erträge, weil die Böden durch die Bewässerung versalzten. Trotzdem wurde noch bis zum Zehnfachen der Aussaat geerntet. Die Bauern des antiken Griechenlands und Roms erzielten ein deutlich geringeres Verhältnis. Es wurden auch Dattelpalmen, Feigen und Granatäpfel kultiviert. Obwohl es in Mesopotamien Laub- und Nadelholzwälder gab, wurden in der Eisenzeit für Bauvorhaben Zedern aus dem Libanon importiert. Außerdem wurden Schafe, Ziegen und Rinder gehalten, in sumerischer Zeit auch Schweine. [Bearbeiten] Geschichte Der Großteil der bekannten Geschichte Mesopotamiens ist geprägt von den schubweise vorangehenden Einwanderungen. Meist zerfiel die Region in zahlreiche Stadtstaaten, ähnlich wie im antiken Griechenland, unter Königen, die miteinander zeitweilig im Krieg standen.

41 Weiterhin gab es Phasen, die von Großreichen dominiert wurden, sowie Phasen, in denen Mächte aus den Nachbarregionen Eroberungsfeldzüge führten. Das fruchtbare Mesopotamien lockte im Laufe der Geschichte unzählige Völker an. Im Gegensatz zu Ägypten konnten sich die Einwohner Mesopotamiens wegen der langen offenen Grenzen eigentlich nie gegen Einwanderer wie die Araber, Perser und Türken abschotten. [Bearbeiten] Chronologie Hauptartikel Chronologien der Altorientalischen Geschichtsschreibung [Bearbeiten] bis 1450 Bis ca. 1400/1450 v. Chr. ist die Chronologie des Nahen Ostens einigermaßen gesichert und stützt sich auf die assyrische Königsliste, die Eponymenliste und die Eponymenchroniken. Durch eine Reihe von Synchronismen lassen sich auch die meisten Babylonischen Könige (nach der sumerischen und Babylonischen Königsliste A) in dieses System einfügen. In Babylonien waren Jahresnamen (nach einem wichtigen Ereignis) bis in die Regierungszeit von Kurigalzu I. in Gebrauch, danach wurde meist nur noch das Regierungsjahr des Königs als Referenz benutzt. [Bearbeiten] 1450 bis Samsuditana Für diese Zeit scheinen sowohl die sumerische Königsliste als auch die Babylonischen Königslisten A und B Herrscher nacheinander aufzuführen, die teilweise gleichzeitig waren. Vermutlich wurden auch bereits beschädigte Listen durch spätere Schreiber ergänzt, teilweise falsch. Für die Königsliste A wurden beschädigte Namen jedoch, zumindest teilweise als solche gekennzeichnet. Davor sind mehrere chronologische Systeme gebräuchlich, die von dem Regierungsdatum Hammurabis abhängen: Lange Chronologie: mittlere: kurze 1531 ultra-kurze Außerdem sind Synchronismen bekannt: Schamschi-Adad I. von Assyrien verstarb im 17. Regierungsjahr von Hammurabi, Ammisaduqa, König von Babylon regierte 146 Jahre nach der Thronbesteigung von Hammurabi. Babylon fiel im Jahr 31 von Samsuditana an die Hethiter unter Mursili I., 45 Jahre nach der Inthronisation von Hammurabi. Aus Beobachtungen der Venus aus der Zeit von Ammisaduqa wurde versucht, absolute Daten abzuleiten. Das betreffende Ereignis wiederholt sich alle acht Jahre. Außerdem gibt es Berichte über zwei Mondfinsternisse während der Ur-III Dynastie. Auch archäologische Funde werden spärlich. Viele altbabylonische Siedlungen werden aufgegeben. Nach Gasche et al. (1998, 7) setzt dieser Prozeß jedoch schon vor dem Fall von Babylon ein und scheint mit einer Veränderung des hydrologischen Systems in der Regierungszeit von Samsuiluna verbunden zu sein. Ur, Uruk, und Larsa am Euphrat waren betroffen, aber auch Girsu und Lagasch wurden aufgelassen, im 30. Regierungsjahr von Samsuiluna dann auch Isin und Nippur. Auch die Spannweite der Keramikformen nimmt

42 deutlich ab (Gasche et al. 1996, 43). Das Gebiet östlich des Tigris scheint weniger betroffen gewesen zu sein. Ob in mittelassyrischer Zeit ein Sonnen- oder Mondkalender (354 Tage) benutzt wurde, ist umstritten (Gasche et al. 1996, 50). [Bearbeiten] Ur III erste Dynastie von Babylon Zwischen dem Fall von Babylon und dem ersten Regierungsjahr von Urnammu, Gründer der III. Dynastie von Ur lagen nach diversen Königslisten 518 oder 519 Jahre. Dieser Abstand ist auch durch andere Inschriften und Wirtschaftstexte relativ gut abgesichert. [Bearbeiten] Vorgeschichte Neanderthaler lebten hier als Nomaden, erste menschliche Spuren in Vorderasien fand man aus dem 7. Jahrtausend v. Chr.. Erste feste Siedlungen wie Göbekli Tepe und Nevali Cori entstanden vor Ende des 11. bzw. 9. Jahrtausends in Nordmesopotamien im sogenannten PPN A. Zu dieser Zeit waren domestizierte Tiere und Pflanzen noch unbekannt. Die Besiedlung des südlichen Mesopotamiens beginnt zwischen 5000 und 4000 v. Chr. in der Obed-Zeit. Bauern besiedeln das Land zwischen Babylon und dem Persischen Golf, erste Landwirtschaft wird betrieben. Arbeitsteilung entsteht, die Töpferscheibe wird erfunden. Tempel aus Lehmziegeln entstehen. Seit der Uruk-Zeit (4000 v. Chr v. Chr.) finden sich Städte und die Anfänge der Schrift, die sich aus einem System von Piktogrammen zur sumerischen Keilschrift entwickeln sollte. [Bearbeiten] Sumerer Hauptartikel: Sumer Die ersten Schriftzeugnisse in Südmesopotamien sind in sumerischer Sprache verfasst. Manche Sprachforscher vermuten, dass die sumerische Sprache mit dem Mongolischen, dem Finnischen,dem Ungarischen oder mit der Türkischen verwandt sein könnte, und leiten daraus eine Einwanderung der Sumerer ins Zweistromland von Osten her ab, wo sie die Wurzeln dieser Sprachen vermuten. Archäologisch gibt es für eine solche Zuwanderung keine Belege. Die Theorie, dass das südliche Mesopotamien im Neolithikum noch unter dem Meeresspiegel lag, lässt sich inzwischen nicht mehr halten, auch wenn es durch die Erosion im Folge ackerbaulicher Nutzung und Überweidung in Taurus und Zagros zu einem starken Bodenauftrag kam. Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. wurden Technologien für eine effektivere Bewässerung der Felder entwickelt und etabliert, sodass sich erstmals auch größere Städte bilden konnten. Das weitverzweigte Kanalsystem wurde von so genannten Priesterfürsten organisiert und gemeinsam bebaut ( Tempelwirtschaft ). Handwerk und Handel gewannen immer mehr an Bedeutung und die Städte wurden immer wohlhabender. Jede dieser Siedlungen war politisch eigenständig. Die steigenden Anforderungen an die Organisation und auch die Tempelwirtschaft bedingten und begünstigten die Entwicklung einer Schrift. Zunächst diente die Schrift nur der Buchhaltung. Die wichtigste Stadt der Sumerer war Uruk, ihr Herrscher war Gilgamesch. Der

43 Epos dieses Helden gilt als das älteste erhaltene literarische Dokument der Menschheit v. Chr. wurde die Keilschrift in ihren Möglichkeiten zur Vollendung geführt. Ab 3000 v. Chr. wanderten Nomaden aus dem Norden in das südliche Mesopotamien ein. Die sumerische Königsliste, die auch von einer Sintflut berichtet, dokumentiert diese Wanderungen durch das Auftauchen semitischer Namen. Die Historiker bezeichnen diese Epoche als Frühdynastische Periode, die im 23. Jahrhundert v. Chr. endete. In dieser Epoche zerbrach die Einheit von geistlicher und weltlicher Macht. Paläste wurden für die Könige gebaut, die nicht nur der Repräsentation dienten. Die Könige dieser Zeit wurden lugal genannt (= großer Mensch ). Ihren Machtanspruch zeigten die Herrscher auch durch ihre Gräber, indem sie sich mit ihrem Gefolge begraben ließen. Mehrere dieser Königsgräber fand man in der Nähe von Ur. Weitere Erfindungen, die für die Wirtschaft entscheidende Bedeutung hatten, waren das Rad und die Töpferscheibe (Späte Uruk-Zeit). [Bearbeiten] Obermesopotamien Eine besondere Rolle spielte im 4. u. 3. Jahrtausend v. Chr. auch das nördliche Mesopotamien, auch Obermesopotamien. Es ist das Gebiet, das durch die Quellflüsse und Oberläufe des Euphrat, des Tigres und des Habur bestimmt ist. Zeitweise umfasste es einen größeren Kulturkreis einschließlich den Norden des Irak, den Osten der Türkei, fast ganz Syrien und Armenien. Bedeutende Städte entstanden hier, wie Mali, Mari, Ebla, Hama, Hamoukar, Tell Halaf/Aleppo, Nabada, Nagar, Ninive und auch Assur. Manche Autoren glauben, dass die Zivilisation hier noch älter als Uruk ist und vom Süden Mesopotamiens erst abgelöst wurde. Vor 4500 Jahren war das Gebiet so dicht besiedelt, wie zu keinem anderen Zeitpunkt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. In der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausend v. Chr. ist zudem eine einheitliche Kultur in diesem Gebiet zu verzeichnen, die sich u.a. in einer standardisierten Akropolis-Anlage mit Palast und Tempeln im Zentrum der Siedlungshügel auszeichnet. Aus diesem Gebiet gingen auch die Eroberungen der Großreiche von Akkad und Assyrien hervor, und später die Reiche der Mitanni, der Hurriter und Urartu, sowie das Herrschaftsgebiet des Samsiadad. Gegen Ende des 3. Jahrtausends wurden die meisten Städte aufgegeben und Nomaden eroberten das Gebiet. [Bearbeiten] Einigung und Blütezeit unter Akkad Mit Sargon von Akkad begann eine neue Epoche (um v. Chr.). Er schuf das erste große vorderasiatische Reich, indem er die vielen Stadtstaaten vereinte. Zu seinem Machtbereich gehörte ganz Mesopotamien sowie Teile Syriens, des Irans und Kleinasiens. Die Stadt Akkad, deren Reste noch immer nicht gefunden wurden, wurde zu seinem Regierungssitz. Die akkadische Sprache verdrängte das Sumerische. Die Eroberungen Sargons führten zu wirtschaftlichen und kulturellen Verknüpfungen mit den unterworfenen Völkern und den neuen Nachbarn. Der Zugang zum Persischen Golf ließ einen florierenden Seehandel entstehen. Das Reich von Akkad hatte nicht lange Bestand. Zahlreiche Aufstände und insbesondere das einwandernde Bergvolk der Gutäer beendeten die Epoche. Dieses erste große Reich blieb in den Mythen der Region lebendig. So berichten selbst die viel später aufkommenden Assyrer in ihrer Historie von Sargon.

44 [Bearbeiten] Neusumerisches Reich der Ur-III-Dynastie Nach knapp 100 Jahren wurden die Gutäer vertrieben, und die sumerischen Stadtstaaten fanden wieder zu Macht und Größe. Die Stadt Ur wurde erneut zum Zentrum. Sumerisch wurde Verwaltungssprache, die ersten Zikkurate entstehen. Diese Zeit zeichnete sich durch eine straffe Verwaltung aus und durch die Festlegung von Rechtsverordnungen (Codex Ur-Nammu). Es ist die letzte von den Sumerern geprägte Epoche. Ihr Niedergang ist durch das Schwinden der Macht der Städte gekennzeichnet, wodurch ein weiteres Nomadenvolk seine Chance zum Aufstieg bekommen sollte. Die so genannte Ur III-Dynastie dauerte von v. Chr.. [Bearbeiten] Babylonisches Zeitalter Hauptartikel: Babylonisches Reich Es ist nicht bekannt, wann die Stadt Babylon gegründet wurde. Erst unter König Hammurabi, in der Altbabylonischen Periode (2000 v. Chr v. Chr.), gelangte die Stadt in den Mittelpunkt des Zeitgeschehens und wurde so bedeutend für die Region, dass die Griechen in der Folge ganz Mesopotamien als Babylonien bezeichneten. Hammurabi ist bekannt, weil er eine der ersten überlieferten Gesetzessammlungen verfasste, den sogenannten Kodex Hammurabi. In 280 Paragrafen regelte er Aspekte des bürgerlichen Rechts, das Straf- und Verwaltungsrecht. Es überlieferte zahlreiche Einzelfallentscheidungen, die sich oft durch große Härte auszeichneten. Die Historiker sind sich nicht sicher, wie lange diese Gesetzessammlung beachtet wurde. Das Reich Hammurabis zerfiel in den nächsten Jahrhunderten. Die Hethiter erstarkten im Westen und überfielen Babylon um 1595 v. Chr. Die Kassiten, ein Volk, dessen Herkunft nicht bekannt ist, wanderten ein. Sie vereinheitlichen die akkadische und sumerische Keilschrift. Erst ab dem 15. Jahrhundert v. Chr. erreichte Babylon wieder Weltgeltung. Besonders mit Ägypten gab es engere Beziehungen, es wurden mehrere kassitische Prinzessinnen nach Ägypten verheiratet. [Bearbeiten] Weltreich der Assyrer Hauptartikel: Geschichte des assyrischen Reiches Assyrisches Reich Im 18. Jahrhundert v. Chr. beherrschte Schamschi-Adad I. ein größeres Reich im Norden Mesopotamiens, aber in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts v. Chr. zerfiel Assyrien wieder, womit das Altassyrische Reich endete.

45 Im 14. Jahrhundert v. Chr. erstarkte Assyrien wieder. Die Hauptstadt Assur lag am oberen Tigris. Historiker vermuten, dass die Stadt am Anfang unter der Herrschaft Akkads stand, während die ersten Assyrer Nomaden waren. An der Spitze der Assyrer stand der König, der sich auch als Stellvertreter des Gottes Assur sah. Daneben übten die Kaufleute eine bedeutende Macht im Lande aus. Assur, geographisch günstig an wichtigen Handelswegen gelegen, handelte mit dem Babylon, Anatolien und dem heutigen Iran. Unter Assur-uballit I. ( v. Chr.) erlangte Assyrien seinen Einfluss zurück. Zahlreiche Eroberungen führten zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. König Tukulti- Ninurta I. verstand sich wieder als Stellvertreter des Gottes Assur. Er nannte sich auch Herrscher der vier Erdteile. Mit seinem Tod endete das sogenannte Mittelassyrische Reich. Einen letzten Aufschwung erlebte das Reich mit König Assur-dan III. ( v. Chr.), der zahlreiche aramäische Städte eroberte. Die Assyrer übernahmen von den Aramäern allmählich Schrift und Sprache. Die Könige Assurnasirpal II. ( v. Chr.) und Salmanassar III. ( v. Chr.) erweiterten den assyrischen Machtbereich bis nach Syrien. Nach einigen Rückschlägen und inneren Zwistigkeiten gelang es Tiglat-pileser III. ( v. Chr.) Phönizien, Palästina und Israel zu erobern. Babylon wurde 689 v. Chr. erobert. Der Eroberungsdrang fand seinen Höhepunkt in der Eroberung Ägyptens durch Asarhaddon ( v. Chr.). Assurbanipal ( v. Chr.) war der letzte bedeutende Herrscher. Er war ein erfahrenen Politiker, der sehr belesen war. Seine Bibliothek ist eine bedeutende Quelle für die Geschichte des Zweistromlandes. [Bearbeiten] Neubabylonisches Reich Hauptartikel: Neubabylonisches Reich Nach dem Niedergang Assyriens erstarkte Babylon wieder. Der König Nabopolassar besiegt schließlich Assyrien. 18 Jahre nach dem Tod Assurbanipals besiegten die vereinigten Meder und Babylonier die Heere Assyriens (609 v. Chr.). Babylon wurde in der Folge erneut das kulturelle Zentrum Mesopotamiens. Assur und Ninive wurden vollkommen zerstört und die Assyrer verschwanden schließlich aus dem Gedächtnis der nachfolgenden Generationen, bis dieser Name aus politisch-sozialen Gründen innerhalb des assyrischen Volkes im Osten im 19. Jahrhundert n. Chr. wiederbelebt wurde. [Bearbeiten] Achämeniden (539 v. Chr v. Chr.) Die aus der dem Zentrum Irans stammenden Achämeniden erobern den Nahen Osten und Kleinasien. Mesopotamien wird Bestandteil des Perserreichs, das zum ersten Weltreich expandierte. In Babylon hinterließ Kyros II. der Große seine Proklamation auf den Kyroszylinder. [Bearbeiten] Alexander der Große und die Seleukiden 331 v. Chr. erobert Alexander der Große Persien. Nach seinem Tod übernimmt Seleukos die Macht und begründet die Dynastie der Seleukiden.

46 [Bearbeiten] Parther Mesopotamien ist Schauplatz mehrerer Kriege zwischen Rom und den Parthern. Die Parther erobern Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. Mesopotamien und beschränken damit das Seleukidenreich auf Syrien. Südmesopotamien profitiert vom Fernhandel mit China. 53 v. Chr. dringt der Triumvir Marcus Licinius Crassus mit einem starken römischen Heer in Mesopotamien ein, erleidet jedoch bei Carrhae eine vernichtende Niederlage. Der Partherkrieg Trajans bringt Rom vorübergehend die Provinz Mesopotamia ein, die aber nach Trajans Tod aufgegeben werden muss. Auch Kaiser Septimius Severus führt in Mesopotamien erfolgreich Krieg gegen die Parther, scheitert aber an der Eroberung Hatras. [Bearbeiten] Sassaniden ( n. Chr.) Unter den Sassaniden wird Mesopotamien Bestandteil des Neupersischen Reichs, wobei es weiterhin von großer Bedeutung ist. Zwischen Rom bzw. Ostrom und Persien kommt es wiederholt zu Kämpfen in dieser Region (siehe dazu Ardaschir I., Schapur I., Bahram II., Narseh, Schapur II., Bahram V., Kavadh I., Chosrau I. und Chosrau II.), während das Christentum weiter an Einfluss gewinnt. [Bearbeiten] Mittelalter und Neuzeit Am Ende der Spätantike kam Mesopotamien infolge der islamischen Expansion unter arabische Herrschaft. Im frühen Mittelalter waren die Städte Bagdad und Samarra Sitze des abbasidischen Kalifats. Später wurde die Region dem Osmanischen Reich einverleibt, bis sie nach dem Ersten Weltkrieg im Staat Irak aufging. [Bearbeiten] Kultur und Gesellschaft [Bearbeiten] Wirtschaft und Volkswirtschaft Im 3. Jahrtausend (Sumerer) herrschten die Priesterfürsten, die die politische und religiöse Macht in ihren Händen hielten. Sie organisierten auch die Kanalisierung des Landes und den Ackerbau. Der Haushalt des Staates war gleichbedeutend mit dem des Herrschers, man nennt diese Wirtschaftssystem Oikos-Wirtschaft. Die Organisation benötigte dafür einen großen Verwaltungsapparat. Die Menschen, die für die Priesterfürsten arbeiteten, wurden mit Naturalien bezahlt. Privateigentum wurde erst in der Zeit Babylons etabliert. Die Aufgaben des Staates wurden im Laufe der Zeit teilweise privatisiert, d.h. ein Pächter übernahm die Arbeiten und musste dafür eine Leistung (z.b. Silber) erbringen. Die Bauern im 2. bis 1. Jahrtausend dagegen tauschten ihre Produkte gegen benötigte Lebensmittel und Textilien. Die Tempel und ihre Priester hatten in Assyrien weit weniger Einfluss auf die Wirtschaft. Der assyrische Staat duldete das Privateigentum und finanzierte sich durch Tribute und Steuern. Die Ländereien waren im Besitz von Adelsfamilien, die die kleinen Bauern immer mehr zu Abhängigen machten. Einen großen Vorteil hatte der Landbesitz - er war steuerfrei. Neben Landbesitz besaßen diese Adelfamlienen meist noch große Handelsunternehmungen.

47 Auch in Babylon gab es einflussreiche Handelsherren, die mit ihren Familien regelrechte Dynastien bildeten. Nicht nur durch Handel vermehrten sie ihr Vermögen, sondern auch durch Geldgeschäfte. Erstaunlicherweise schien es zu dieser Zeit keine Märkte (Basare) gegeben zu haben, wie man es von einem orientalischen Land eigentlich erwarten würde. Doch die aufgefundenen Dokumente berichten nicht über diese Handelsform. Mesopotamien handelte mit den angrenzenden Ländern. Die Fernhandelsbeziehungen reichten dabei sogar von der Ostsee bis zum Indusdelta. Die Waren wurden per Schiff oder mit Karawanen ins Land gebracht. Die Karawanen transportierten ihre Handelsware zunächst mit Eseln, ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. trugen Kamele die Ware. Im geringen Umfang wurden auch Pferde und Wagen eingesetzt. Straßen gab es erst seit dem Neuassyrischen Reich. Zunächst herrschte der Tauschhandel vor, später galten bestimmte Mengen an Gerste als Tauscheinheit. Ab dem 3. Jahrtausend wurden Metalle, insbesondere Silber zur Universalwährung. Babylonien hatte den Schekel, Minen und Talente als Währungseinheiten. 30 kg Silber entsprachen einem Talent, eine Mine wog 436 g und ein Schekel 8,4 g. Ab dieser Zeit finden sich auch Hinweise auf Handwerker, Köche, Schuster u.a. Berufe. Sie dienten zunächst im Rahmen der Tempelwirtschaft. Ab dem 2. Jahrtausend arbeiteten sie auch verstärkt unabhängig im privaten Interesse. [Bearbeiten] Sprache, Schrift und Zahlen Vor dem 4. Jahrtausend verwendeten die Bewohner des Zweistromlandes so genannte Zählsteine für die Rechenaufgaben des Alltags. Der sich ausweitende Handel führte im 3. Jahrtausend zur Entwicklung der Keilschrift. Zunächst bestand die Schrift hauptsächlich aus Bildsymbolen. Später wurde sie abstrakter. Da viele Menschen nicht schreiben konnten, nahmen sie für ihre Zwecke die Dienste von Schreibern in Anspruch. Der Schreiber wurde so zu einer angesehenen Person in der Gesellschaft. Die Zeichen wurden dabei mit Griffeln auf Tontafeln geritzt. Zuerst zog man auf der Tontafel senkrechte und waagerechte Linien. Dann trug man die Symbole in die entstandenen Kästchen, indem man sie mit dem dreikantigen Ende eines dünnen Holzes in die weiche Tontafel eindrückte. Geschrieben und gelesen wurde von links nach rechts. Die so genannte Keilschrift erreichte um 2700 v. Chr. ihre Vollendung. Die Keilschrift wurde über 2500 Jahre lang in Mesopotamien angewandt und fand sich auch in Syrien und bei den Hethitern, sowie in den Diplomatischen Archiven Ägyptens. Bei den Sumerern standen die einzelnen Zeichen für ganze Worte, die auch mehrere Bedeutungen haben konnten. Man kombinierte teilweise Zeichen, z.b. um Handlungen darzustellen. So wurde der Begriff Essen durch die Symbole Mund und Brot dargestellt. Diese Bilderschrift erlaubte es den Menschen, die Dinge des Alltags besser zu organisieren. Die Schrift wurde im Lauf der Zeit komplexer, einzelne Symbole konnten jetzt auch Laute bzw. mehrere Symbole konnten ganze Sätze darstellen. Das ermöglichte die Geburt der

48 Literatur, wie sie sich auch im durch die ganze Region bekannten Gilgamesch-Epos niederschlug. Vor dem 2. Jahrtausend herrschte im Zweistromland keine der benutzten Sprachen vor. Es wurde gleichberechtigt das Sumerische und das Akkadische gesprochen. Die Jahrhunderte lange Ansiedlung und Verbreitung der verschiendensten aramäischen Stämme über den gesamten Fruchtbaren Halbmond machten Aramäisch zur führenden Sprache des Nahen Ostens. Die sumerische Sprache blieb bis zur Zeitenwende die Sprache der Gebildeten, ähnlich wie es Griechisch während des Römischen Reiches oder wie es Latein im Mittelalter war. Danach wurde das Aramäische unumgänglich, es war die Sprache nahezu aller Untertanen der Reiche im Vorderen Orient, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden. Im persischen Reich wurde das Aramäische infolgedessen zur Kanzleisprache, d. h. Amtssprache des Reiches. Alexander der Große eroberte schließlich weite Teile Mesopotamiens. Er und seine Nachfolger verbannten in der Folge das Akkadische, während Aramäisch zur Staatssprache erklärt wurde. Durch die Aramäer wurde auch die Silbenschrift, welche von den Phöniziern übernommen wurde, eingeführt. Dabei wurden nur die Konsonanten geschrieben, Vokale gab es in der zugehörigen Schrift nicht (gleiches gilt für die Urschriften der Bibel sowie die Hieroglyphenschrift der Ägypter). In dieser Epoche wurde auf Papyrus und Pergament geschrieben. [Bearbeiten] Die Entschlüsselung der Keilschrift Der Däne Carsten Niebuhr kam 1756 nach Persepolis. Er kopierte in den Ruinen des Palastes zahlreiche Inschriften. Sie waren in drei Sprachen unter Verwendung von zwei unterschiedlichen Keilschriften niedergeschrieben worden. Die erste dieser Schriften wurde als Altpersisch erkannt, das um ca. 600 v. Chr. gängig war. Der deutsche Professor Georg Friedrich Grotefend und andere begannen, die altpersischen Texte zu übersetzen entdeckte der Engländer Henry Creswicke Rawlinson Felsbilder, die ebenfalls dreisprachige Texte enthielten. Er begann, die Keilschrifttexte zu entschlüsseln. Die zweite Sprache stellte sich als babylonisch heraus, ein Dialekt des Akkadischen, der bis etwa zur Zeitenwende in Gebrauch war. Nun waren zwei Sprachen lesbar. Bei der Analyse der akkadischen Texte stießen die Sprachforscher auf Unklarheiten. Man vermutete, dass die verwendete Schrift aus der Sprache eines anderen Volkes übernommen und angepasst worden war identifizierte Julius Oppert die Urheber der bis dahin nicht zugeordneten Schriftzeichen als die Sumerer. Zahlreiche spätere Funde sollten seine Erkenntnis bestätigen. [Bearbeiten] Siehe auch Wiege der Zivilisation Frühe Hochkulturen Aram Nahrin Aram Listen der Könige von Sumer Babylonisches Reich, Babylon Liste der Könige von Babylonien Assyrisches Reich Liste der assyrischen Könige Liste der Städte Mesopotamiens

49 Mesopotamische Kunst [Bearbeiten] Literatur Ulrich Bahnsen, Tobias Hürter: Moloch aus Lehm In: Die Zeit, vom Nr. 02/2007. Neue Funde in Hamoukar verändern die Vorstellung der Archäologen vom Aufbruch in die Neuzeit. Dietz Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. Von den Sumerern bis zu Alexander dem Großen. München 2004, ISBN Barthel Hrouda (Hrsg.): Der Alte Orient. Geschichte und Kultur des alten Vorderasien. Gütersloh 1991, ISBN Barthel Hrouda, Rene Pfeilschifter: Mesopotamien. Die antiken Kulturen zwischen Euphrat und Tigris. München 2005 (4. Aufl.), ISBN Wolfgang Korn: Mesopotamien - Wiege der Zivilisation Jahre Hochkulturen an Euphrat und Tigris. Stuttgart 2004, ISBN X Gebhard J. Selz: Sumerer und Akkader. Geschichte, Gesellschaft, Kultur. München 2005, ISBN X Redaktion der Time-Life-Bücher: Die blühenden Städte der Sumerer. Time-Life- Bücher, Amsterdam 1993, ISBN (Übersetzung von Sumer, Cities of Eden.) Henry William Frederick Saggs: Mesopotamien. Assyrer, Babylonier, Sumerer. Kindler, Zürich 1966, Magnus, Essen Francis Joannès : Dictionnaire de la civilisation mésopotamienne. Robert Laffont, Paris ISBN Pierre Amiet: L'Antiquité Orientale. Presses universitaires de France, Paris ISBN Pierre Amiet: Introduction à l'antiquité Orientale. Desclée De Brouwer, Paris ISBN Roger Matthews: The archaeology of Mesopotamia. Theories and approaches. London 2003, ISBN Roger Matthews: The early prehistory of Mesopotamia - 500,000 to 4,500 BC. Turnhout 2005, ISBN Hans J. Nissen: Geschichte Alt-Vorderasiens. Oldenburg Grundriss der Geschichte. Bd 25. München 1999, ISBN Michael Roaf: Mesopotamien. Bildatlas der Weltkulturen. München 1991, ISBN X Georges Roux, Johannes Renger: Irak in der Antike. Zabern, Mainz 2005 (Antike Welt, Sonderheft; Zaberns Bildbände zur Archäologie) ISBN Karin Stella Schmidt: Zur Musik Mesopotamiens. Musiktheorie, Notenschriften, Rekonstruktionen und Einspielungen überlieferter Musik, Instrumentenkunde, Gesang und Aufführungspraxis in Sumer, Akkad, Babylonien, Assyrien und den benachbarten Kulturräumen Ugarit, Syrien, Elam/Altpersien. Eine Zusammenstellung wissenschaftlicher Literatur. Albert-Ludwigs-Universität Orientalisches Seminar, Freiburg 2006 (Volltext online). Waldemar Frey: Kût-el-'Amâra - Kriegsfahrten und Erinnerungsbilder aus dem Orient, Berlin 1932 (Brunnen-Verlag - Willi Bischoff) [Bearbeiten] Weblinks Figures for Englund, Mesopotamian studies

50 Wiktionary: Mesopotamien Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen Hamoukar-Site der Universität von Chicago - Hier gibt es Neuigkeiten und Zeitungsartikel über Hamoukar Deutsches Archäologisches Institut - Hier weitere Informationen über Göbekli Tepe, Aquaba und Uruk Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf bitte mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung. Von

51 Sumerische Kultur aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie (Weitergeleitet von Sumer) Wechseln zu: Navigation, Suche Die Sumerische Kultur ist die Kultur des altorientalischen Volkes der Sumerer, das im Süden Mesopotamiens - im Land Sumer - im Laufe des 4. Jahrtausends v. Chr. den Übergang zur mesopotamischen Hochkultur entscheidend mit beeinflusst oder sogar hauptsächlich getragen hat. Die Sumerer nannten ihr Land "ken-gir" und ihre Sprache "eme-gi(r)", der Begriff "Šumeru" ist die akkadische Bezeichnung für das Land und Volk der Sumerer, eine Bezeichnung, die seit dem 19. Jhdt. nach der Wiederentdeckung der sumerischen Schrift, Sprache und Kultur wiederum für die Bezeichnung der Kultur und der Sprache verwendet wird. Das Reich Sumer und Akkad und sein Umfeld Inhaltsverzeichnis 1 Sprache 2 Herkunft 3 Geschichte o 3.1 Uruk-Zeit o 3.2 Jemdet-Nasr-Zeit o 3.3 Altsumerisches Reich o 3.4 Kisch o 3.5 Uruk o 3.6 Akkad o 3.7 Neusumerisches Reich o 3.8 Kleinreiche o 3.9 Assyrien und Babylon 4 Kultur und Bedeutung der Sumerer o 4.1 Archäologie o 4.2 Schrift

52 o 4.3 Technik o 4.4 Landwirtschaft und Bewässerung o 4.5 Handwerke und Berufe o 4.6 Schulen o 4.7 Mathematik und Astronomie o 4.8 Mythos und Religion o 4.9 Hochkultur 5 Sumer heute 6 Liste altorientalischer Städte und Orte 7 Tempeltürme Mesopotamiens 8 Siehe auch 9 Literatur 10 Weblinks [Bearbeiten] Sprache Die sumerische Sprache ist nach heutiger Kenntnis wahrscheinlich mit keiner bekannten Sprache verwandt, deswegen bezeichnet man sie als isoliert. Das Sumerische wurde in Südmesopotamien bis etwa v. Chr. gesprochen. Daneben wurde es in ganz Mesopotamien über das Aussterben als Alltagssprache hinaus bis ins 1. Jhdt. v. Chr. als Religions-, Literatur- und Wissenschaftssprache verwendet. Das Sumerische ist eine der ersten Sprachen wenn nicht die erste für die eine Schrift entwickelt wurde (etwa v. Chr.), somit umfasst die Periode der schriftlichen Überlieferung einen Zeitraum von rund 3000 Jahren. Die Thesen über die angebliche Verwandtschaft des Sumerischen mit anderen Sprachen sind zahlreich, aber alle bisher nicht stichhaltig. Eine ausführliche Darstellung der sumerischen Sprache und der Thesen ihrer externen Beziehungen - auch im Rahmen eurasischer Makrofamilien - findet man im Artikel Sumerische Sprache. [Bearbeiten] Herkunft Die Herkunft der Sumerer ist unbekannt, sicherlich sind sie - nach Ausweis ihrer Sprache - keine Semiten und auch nicht mit den südlich angrenzenden Elamitern verwandt. Es wurden Thesen über eine mögliche Zuwanderung der Sumerer aus Zentralasien (siehe BMAC) nach Mesopotamien aufgestellt, die aber nicht belegbar sind und deswegen von der Mehrheit der Fachleute nicht akzeptiert wurden. Ebenfalls nicht nachweisbar ist die These, dass es sich bei den Sumerern um eine autochthone mesopotamische Kultur handelt, allerdings gibt es auch keine archäologisch greifbaren Beweise für eine Zuwanderung nach Südmesopotamien im Verlauf des 4. Jahrtausends. Die früher auf sprachlichen Argumenten beruhende These der Einwanderung - basierend auf einem angeblichen präsumerischen Substrat der sumerischen Sprache - hat zunehmend ihre Unterstützung verloren (Details im Artikel Sumerische Sprache). [Bearbeiten] Geschichte [Bearbeiten] Uruk-Zeit

53 Die Geschichte Sumers beginnt mit der so genannten Uruk-Zeit, ab etwa 4000 bis 3000 v.chr. Die Sumerer siedeln am Euphrat. Aus Dörfern entstehen Städte. Uruk war damals die bedeutendste unter ihnen mit dem weit ausstrahlenden Inanna-Tempel. [Bearbeiten] Jemdet-Nasr-Zeit Um 3100 v. Chr. wächst die Bevölkerung. Der Bewässerungsbau wird intensiviert, die Zentren der Städte werden zu heiligen Bezirken. Die Periode endet um 2900 v. Chr. [Bearbeiten] Altsumerisches Reich Am Anfang der Frühdynastischen Periode standen eine Reihe von Stadtstaaten (Adab, Eridu, Isin, Kisch, Kullab, Lagasch, Larsa, Nippur, Ur und Uruk), welche etwa 2800 v. Chr. das Altsumerische Reich unter wechselnden Stadtherrschern bildeten: [Bearbeiten] Kisch Erster bekannter Herrscher von Sumer ist Etana, der um 2800 v. Chr. lebte und König von Kisch war. [Bearbeiten] Uruk Sein Nachfolger Meskiaggascher, König von Uruk (dem biblischen Erech), gründete weit südlich von Kisch eine rivalisierende Dynastie und erlangte die Herrschaft über die ganze Region zwischen dem Mittelmeer und dem Zagros-Gebirge. Er wurde von seinem Sohn Enmerkar (um 2750 v. Chr.) abgelöst. Diesem folgte sein Feldherr Lugalbanda auf den Thron. Am Ende der Regierungszeit von Lugalbanda wurde Enmebaragesi (um 2700 v. Chr.), ein König der Etana-Dynastie in Kisch, zum führenden Herrscher von Sumer. [Bearbeiten] Akkad Die Akkader aus dem Norden unter Sargon vereinten Sumer unter einer Dynastie (2371 bis 2191 v. Chr.). Akkadisch wird Verwaltungssprache. Befördert durch Uneinigkeit zwischen Akkad und dem restlichen Sumer, endete diese Dynastie mit der Eroberung durch die Gutäer. [Bearbeiten] Neusumerisches Reich Das Neusumerische Reich (2112 bis 2004 v. Chr.) unter der Herrschaft der 3. Dynastie von Ur, - Sumerisch als Verwaltungssprache, erste Zikkurate entstehen - endete unter dem Druck Elams aus dem Osten. [Bearbeiten] Kleinreiche Kleinreiche um Assur, Babylon, Eschnunna, Der und Susa entstanden in der Folge. [Bearbeiten] Assyrien und Babylon Beginnend mit der Altbabylonischen Zeit (2000 v. Chr v. Chr.) wurde Mesopotamien später von Assyrien und Babylonien dominiert.

54 Anmerkung: Absolute Jahreszahlen innerhalb der sumerischen Datierung variieren je nach Lehrmeinung um etwa 100 Jahre. Zur genaueren Datierung sollte Fachliteratur herangezogen werden. [Bearbeiten] Kultur und Bedeutung der Sumerer [Bearbeiten] Archäologie Die Anfänge der sumerischen Kultur in der sogenannten Uruk-Periode reichen bis zum Anfang des 4. Jahrtausends zurück. Sie ist durch die Gründung der ältesten Städte und einer charakteristischen Keramik charakterisiert. Der Uruk-Periode ging die Ubaid-Kultur voraus, die sich durch ihre Tonware in Stil und Färbung auszeichnet, sowie durch frühe Siedlungen an den Wasserläufen; sie reicht bis in das 6. Jahrtausend v. Chr. zurück. [Bearbeiten] Schrift Obwohl die Schrift mehrmals in der Geschichte der Menschheit erfunden wurde (Ägypten, China, Maya), ist für Europa die sumerische Keilschrift von zentraler Bedeutung und vermutlich auch älter als die anderen hochentwickelten Schriften. Die Keilschrift wurde erfolgreich an das Akkadische und Hethitische (auch Hittitisch) angepasst und gilt als Vorläufer vieler Schriften. [Bearbeiten] Technik Die Entwicklung des Rades ebenfalls erstmals im Reich der Sumerer benutzt steht in engem Zusammenhang mit der Erkenntnis, dass domestizierte Tiere nicht nur eine Nahrungsund Rohstoffquelle (z. B. Leder) sind, sondern auch als Zugtiere und Arbeitstiere dienen können (Pflug, Karren). Eine weitere Vorbedingung für die Nutzung des Rades sind ebene, breite Wege, die erst bei einer kritischen Bevölkerungsdichte und geeignetem Landschaftsrelief entstehen. [Bearbeiten] Landwirtschaft und Bewässerung Im Bereich der Landwirtschaft haben die Sumerer wahrscheinlich keine neuen Nutzpflanzen oder Nutztiere domestiziert; der Beitrag liegt hier in der Verfeinerung der Bewässerung sowie der Einführung der Milchwirtschaft. Die fortschrittliche Bewässerungstechnik legte gleichzeitig den Grundstein zum Niedergang Sumers (bzw. seiner Nachfolgestaaten): Aufgrund der Versalzung des Bodens gingen die landwirtschaftlichen Erträge immer weiter zurück. Noch heute sind weite Landstriche nur bedingt nutzbar. Nach den bisherigen Erkenntnissen bestand die Nahrung vor allem aus Graupen, Mehlbrei, Datteln, Honig, Sesamöl. Eiweiß lieferten Eier und Käse, Gänse, Enten, Hühner sowie Heuschrecken. Seltener gab es Schlachtfleisch der verwendeten Nutztierassen Rinder, Esel, Schweine, Schafe, Ziegen. Gejagt wurden Hasen, Wildschweine, Wildziegen, Wildschafe, Antilopen, Gazellen und Wildhirsche. Löwenjagd war Privileg der Könige. Intensiv wurde Fischfang betrieben, wobei teilweise auch abgerichtete Pelikane verwendet wurden. Karpfen wurden exportiert. [Bearbeiten] Handwerke und Berufe

55 Durch Texte und Ausgrabungen wurden folgende Handwerke und Berufe identifiziert: Bäcker, Metzger, Bierbrauer, Köche, Korbmacher, Töpfer, Steinschneider, Bildhauer, Tischler, Wagenmacher, Schiffbauer, Schneider, Friseure, Ärzte, Lehrer, Schreiber, Baumeister, Priester, Verwalter, Aufseher. Darüber hinaus gab es Führungsberufe wie Offiziere, Bürgermeister, Botschafter, Tempelverwalter, Leiter von Bibliotheken und Tafelhäusern. [Bearbeiten] Schulen Schulen wurden als Tafelhäuser bezeichnet. Zwei dieser Tafelhäuser wurden von französischen Archäologen in Mari ausgegraben. Die Schulbänke bestanden aus Lehmziegeln. Wortlisten lassen vermuten, dass es Schulen schon im 4. Jahrtausend vor Christus gegeben hat. Schultexte als direkten Beleg wurden in Schuruppak aus der Zeit Mitte des 3. Jahrtausends gefunden. Auf den Übungstafeln setzten die Schüler, die Söhne genannt wurden, immer ans Ende den eigenen Namen und hinter die eigenen Namen den Namen des eigenen Vaters, die alle aus den obengenannten Führungsberufen stammten. In der Anfangszeit waren 2000 Schriftzeichen zu erlernen. Die Vater genannten Lehrer zeigten zum Teil Humor, wie eine Lehrgeschichte zur Addition von 9 und 1, die Fabel vom klugen und den neun dummen Wölfen zeigt. Als Fächer lassen sich Rechnen, Zeichnen und Sumerisch, d.h. Schreiben, Lesen identifizieren. Geschrieben wurde Aufsätze, Fabeln, Weisheitslehren, Hymnen und Epen. [Bearbeiten] Mathematik und Astronomie Die Sumerer haben die erste bekannte Kultur mit hoch entwickelter Mathematik hervorgebracht. Sie gelten als die Erfinder des Gewölbes und gründeten mit Ur, Uruk und Lagasch die ältesten bekannten Städte mit Monumentalbauten, insbesondere der für Mesopotamien typischen Zikkurat. Auch die Anfänge der Astronomie sind in Sumer zu finden. Die Sumerer kannten bereits den Merkur und andere Planeten. [Bearbeiten] Mythos und Religion Die sumerische Religion ist eine der ältesten der bekannten Religionen und gilt als wesentliches Vorbild für spätere Religionen in Mesopotamien und den angrenzenden Gebieten. Neben den Haupt- und Urgöttern verehrten die Sumerer jeweils ihre Stadtgötter, die mit einander konkurrierten und in ihrer Hegemonie einander ablösten. Zusammen bildeten sie bereits ein gemeinsames Pantheon. Besondere Bedeutung haben die ältesten Tontafelfunde mit Fragmenten des Gilgamesch-Epos, die bereits in sumerische Zeit zurück weisen. [Bearbeiten] Hochkultur Die großartige Leistung der Sumerer besteht in der Schaffung der ersten Hochkultur der Menschheit ab ungefähr 3500 v. Chr. in einem Gebiet, das keineswegs ein landschaftlicher Gunstraum war, sondern mühevoll umgestaltet werden musste. Die gewaltige Leistung bei der Entwicklung zur Hochkultur im Gefolge der neolithischen Revolution bzw. Evolution kann nicht überbewertet werden. Dies zeigt sich auch in der kleinen Anzahl von nur fünf autochthonen Hochkulturen. [Bearbeiten] Sumer heute

56 Im August 2005 wurde von schiitischen Gruppierungen vorgeschlagen, den Südirak zu einer autonomen Region eines föderalen Irak zu machen. Als Name für diese zu bildende autonome Region wurde Sumer vorgeschlagen. Der Vorschlag ist jedoch insbesondere unter den irakischen Sunniten hochumstritten. [Bearbeiten] Liste altorientalischer Städte und Orte Die Lage wichtiger Städte Adab Akkad Aleppo Assur (Stadt) Babylon Byblos Der Ebla (Tell Mardikh) Elam Emesa Eridu Eschschu Eschnunna Girsu Kisch (Stadt) Kullab Lagasch Larsa Larsam Mari (Stadt) Nimrud Ninive Nippur Samarra Susa (Persien) Sippar Ubaid/Tel al-ubaid Umma (Sumer) Urkeš Ur (Stadt) Urartu Uruk (Erech) [Bearbeiten] Tempeltürme Mesopotamiens Ur: Zikkurat des Mondgottes Nanna Uruk: Zikkurat des Gottes An Babylon: Turm zu Babylon Samarra: Zikkurat Tschoga Zanbil [Bearbeiten] Siehe auch

57 Sumerische Sprache Listen der Könige von Sumer dort unter Mesopotamien Liste antiker Stätten unter Irak Vase von Warka [Bearbeiten] Literatur Dietz Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. C. H. Beck, München ISBN Helmut Uhlig: Die Sumerer. Lübbe, Bergisch-Gladbach ISBN Hans Baumann; Im Lande Ur [Bearbeiten] Weblinks Der Untergang der Sumerer (deutsch) Elektronische Sammlung der sumerischen Texte (englisch) Commons: Kategorie:Summer Bilder, Videos und Audiodateien Commons: Sumer Bilder, Videos und Audiodateien Von

58 Akkad aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Wechseln zu: Navigation, Suche Dieser Artikel erläutert die alte Königsstadt, der Kovertit wird unter Bahaa el-din Ahmed Hussein El-Akkad, der syrische Filmproduzent unter Moustapha Akkad erläutert. Akkad oder Akkade ist eine alte Königsstadt in Mesopotamien, im späten 3. Jahrtausend v. Chr. wurde sie von Sargon von Akkad zum Zentrum seines Reiches erhoben. Man spricht daher vom "Reich von Akkad" bzw. "Akkadischen Großreich" und nennt die entsprechende Periode der mesopotamischen Geschichte die "Akkad-Zeit" (ca v. Chr). Außerdem ist die in verschiedenen Sprachstufen und Dialekten bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. belegte semitische Sprache Mesopotamiens nach der Stadt benannt: Akkadisch. Die Lage der Stadt war noch in neubabylonischer und persischer Zeit (6./5. Jh. v. Chr.) bekannt, wurde aber später vergessen und gibt der Wissenschaft bis heute Rätsel auf. Inhaltsverzeichnis 1 Zur Lokalisierung von Akkad 2 Zur Geschichte von Akkad und des "Akkadischen Großreichs" 3 Zur Archäologie der Akkad-Zeit 4 Siehe auch 5 Literatur 6 Weblinks [Bearbeiten] Zur Lokalisierung von Akkad Auf Grund der Tradition, dass Sargon von Akkad vor dem Beginn seiner Herrschaft Mundschenk des Königs von Kisch war, wird Akkad bisweilen in der Nähe von Kisch vermutet (so noch H.J. Nissen, wenn auch ohne konkreten Lokalisierungsvorschlag). Die Identifizierung mit der Ortslage Ischan Mizyad bei Kisch ließ sich allerdings durch archäologische Ausgrabungen nicht bestätigen. Unter Berufung darauf, dass Akkad nach antiken Quellen zeitweise zum elamischen Herrschaftsgebiet gehörte, neigt man heute eher zu einer nördlicheren Lokalisierung, und zwar am Tigris oberhalb der Einmündung des Diyala und südlich von Assur. Nachdem eine Lokalisierung im Gebiet des heutigen Bagdad ebenfalls nicht bestätigt werden konnte, nimmt A. Westenholz als einer der besten Kenner der Akkad- Zeit an, dass die Stadt sich unter einem der großen bisher unerforschten Ruinenhügel in der Nähe der Einmündung des Adheim in den Tigris befindet. In dieselbe Richtung weisen auch die Überlegungen von D.-O. Edzard, wonach Akkad im Bereich des "Flaschenhalses" zu suchen ist, d.h. der Gegend, in der Euphrat und Tigris einander am nächsten kommen.

59 [Bearbeiten] Zur Geschichte von Akkad und des "Akkadischen Großreichs" Die erste Erwähnung der Stadt stammt aus der Zeit von Enschakuschanna von Uruk, einem Herrscher, der etwa eine Generation älter war als Sargon von Akkad. Enschakuschanna benannte eines seiner Regierungsjahre nach der Plünderung von Akkad. Daraus ergibt sich, dass Sargon entgegen älterer Ansichten die Stadt nicht selbst gegründet hat; vielmehr war Akkad vor Sargon sogar schon so bedeutend, dass seine Plünderung in eine Jahresbezeichnung aufgenommen wurde. Sargon von Akkad war nach alten Traditionen "Mundschenk" (hoher Beamtentitel, nicht Diener bei Tisch) des Königs von Kisch, bevor er selbst - wahrscheinlich durch den Sturz seines ehemaligen Herrn - König wurde. Indem er siegreiche Kriege gegen Lugalzagisi von Uruk führte, der eine Art Oberherrschaft über das südliche Mesopotamien, darunter auch über Kisch, innehatte, unterwarf er sich ein größeres Herrschaftsgebiet, das er zu einem zentral verwalteten Staat zusammenfasste. Dass er das außerhalb der alten Kulturzentren liegende Akkad zum Mittelpunkt dieses Reiches machte, also nicht eine der alten sumerischen Königsstädte, hängt damit zusammen, dass sein Zentralstaat gegenüber den älteren sumerischen Stadtstaaten etwas Neues sein sollte. Daher empfahl sich eine Residenz, in denen keine älteren stadtstaatlichen Traditionen lebendig waren. Zugleich ist wohl davon auszugehen, dass Sargon selbst in Akkad bzw. seiner Umgebung familiär verwurzelt war. Von dort aus konnte er sich gestützt auf Verwandte und andere Vertrauensleute, etwa Befreundete seines Stammes, eine Hausmacht aufbauen. Die aus Sargons Königsinschriften bekannte Nachricht, dass er in seinem gesamten Herrschaftsgebiet "Söhne von Akkad" zu Statthaltern einsetzte, ist aus solchen Erwägungen verständlich. Indem er Vertrauensleute über die unterworfenen Gebiete einsetzte, schuf er eine enge Verbindung zwischen dem Herrschaftszentrum und den einzelnen zum Reich gehörigen Gebieten. Dass Sargon Akkad zur zentralen Hauptstadt ausbaute, geht auch aus der Mitteilung hervor, dass er Schiffe, die Waren aus fernen Ländern herbeibrachten, in Akkad vor Anker gehen ließ. Offensichtlich hat er in Akkad, das selbst bei der südlicheren Lokalisierung in der Nähe von Kisch hunderte von Kilometern vom Meer entfernt lag, einen Hafen angelegt, um das "Einfuhrmonopol" (H.J. Nissen) der neuen Hauptstadt gegenüber den älteren sumerischen Städten des Südens zu sichern. Die damit verbundene Bedeutung der Hauptstadt ergibt sich, wenn man bedenkt, wie wichtig der Fernhandel für das rohstoffarme Mesopotamien gewesen ist. Sargons Staatsgründung war erfolgreich: Sein Reich wurde nach ihm noch von vier seiner Nachkommen in drei Generationen regiert: Es folgten ihm seine Söhne Rimusch und Manischtuschu, sein Enkel Naram-Sin, der nach Sargon selbst der bedeutendste König des Reiches von Akkad war, sowie dessen Sohn Scharkalischarri, der bis ca v. Chr. herrschte (siehe auch Liste der Könige von Akkad). Die zentralstaatliche Ordnung hat zweifellos zum Erfolg des Reiches beigetragen, allerdings haben alle akkadischen Könige gegen den Widerstand regionaler Kräfte kämpfen müssen. Bekannt ist etwa die große Revolte gegen Naram-Sin, die von den alten Königsstädten Ur und Kisch angeführt wurde, und die dieser offenbar mit äußerster Kraftanstrengung niederkämpfte. Sein Sieg machte einen solchen Eindruck, dass der König noch zu Lebzeiten göttliche Ehren als Stadtgott von Akkad zugesprochen bekam. Unter Naram-Sins Sohn Scharkalischarri zerfiel die Zentralgewalt aber immer mehr, nach seinem Tode kämpften verschiedene Kandidaten um die Königsherrschaft, und die innere Anarchie ermöglichte es den Gutäern, die aus dem Zagros-Gebirge aus ins mesopotamische Flachland einfielen, das Reich zu vernichten. Sie errichteten daraufhin eine Herrschaft, die sich in der Tradition der Könige von Akkad sah. Jedenfalls bezeichnet der

60 Gutäerkönig Erridu-pizir in einer Inschrift den Familiengott der altakkadischen Dynastie als seinen Gott. Das Reich von Akkad lebte in der geschichtlichen Erinnerung des Alten Orients fort. Als prominentestes Beispiel ist wohl die im 1. Buch Mose (Genesis) 10,10f. enthaltene Notiz über Nimrod zu nennen: Kerngebiet (eigentl. "Ursprung") seines Reiches war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Land Schinar (d.h. Sumer). Von diesem Land zog er nach Assur aus (d. h. Assyrien). Nimrod war der erste "Gewaltige" auf der Erde, also der erste Großkönig. Dass hinter der Nimrod-Figur Erinnerungen an einen mesopotamischen Gott oder König stehen, wird allgemein zugegeben, wobei umstritten ist, an welche konkrete Gestalt zu denken ist. Die plausibelste These sieht darin eine Erinnerung an Naram-Sin von Akkad, dessen Name zu "Nimrod" verballhornt wurde. Einer der wichtigsten Könige des ersten mesopotamischen Großreiches wäre damit in der geschichtlichen Erinnerung zum ersten Großkönig überhaupt geworden, und diese Erinnerung hätte sich noch nach vielen Jahrhunderten bei den Nachbarvölkern der Mesopotamier erhalten. Andere Beispiele für das historische Nachleben des Reiches von Akkad sind spätere Erzählungen über Sargon von Akkad und Naram-Sin, die in Mesopotamien, aber auch bei den Hethitern entstanden bzw. überliefert wurden. Was die Geschichte der Stadt nach dem Ende des Akkadischen Großreichs angeht, so zeigen Inschriften aus der Zeit der dritten Dynastie von Ur, dass Akkad immer noch Sitz eines Provinz-Gouverneurs war. Im Prolog des Codex Hammurabi erscheint es als Kultzentrum der altbabylonischen Zeit. König Nabonid von Babylon ( v. Chr.) ließ Ausgrabungen in der Gegend des alten Akkad vornehmen, bei denen u. a. eine Inschrift des altakkadischen Königs Naram-Sin zu Tage kam. Die letzte antike Erwähnung der Stadt findet sich in einem Dokument aus der Zeit des Perserkönigs Dareios I. ( v. Chr.). [Bearbeiten] Zur Archäologie der Akkad-Zeit Die bisher wichtigsten Fundorte der Akkad-Zeit sind die Provinzresidenz in Tell Brak, der alte Palast in Assur, eine komplexere Siedlungsstruktur in Tell Asmar, die Städte Susa und Ninive. Die gefundenen Tontafeln geben Aufschluss über die Herrscher Akkads und ihre Regierungszeiten. In Ninive wurde die Bronzeplastik des Kopfes eines unbekannten akkadischen Herrschers gefunden, die Aufschluss auf die künstlerischen Fertigkeiten jener Zeit gibt. In Susa wurde unter anderem die Siegesstele des Naram-Sin gefunden, die wie der Bronzekopf und verschiedene Rollsiegel von der Kunstfertigkeit der Akkad-Zeit zeugen. Kunst und Handwerk der Akkad-Zeit unterscheiden sich stark von den vorhergehenden und den nachfolgenden Dynastien. Rollsiegel tragen detailliertere, individuellere und anatomisch korrektere Darstellungen. Das vorher verbreitete Kleidungsstück, der Zottenrock, wurde mehr und mehr zur Bekleidung der Götter, die menschlichen Figuren trugen nun einfache glatte Gewänder. Leider liegen bisher kaum Funde aus der Akkad-Zeit vor, die Aufschlüsse über Architektur oder Lebensweise geben. Versuche, die Geschichte der Epoche auf verschiedenen Ebenen (politisch, sozial...) zu rekonstruieren, muss sich daher weitgehend auf Textquellen stützen. Ein weiteres Problem liegt darin, dass die meisten bisher entdeckten Fundstücke im 2. Jahrtausend v. Chr. als Beutestücke nach Susa verschleppt wurden und daher nicht mehr in ihrem ursprünglichen Kontext stehen.

61 [Bearbeiten] Siehe auch Liste der Könige von Akkad [Bearbeiten] Literatur Dietz-Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. Von den Sumerern bis zu Alexander dem Großen, München 2004, ISBN Hans J. Nissen: Grundzüge einer Geschichte der Frühzeit des Vorderen Orients. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 1995 (3. Aufl.), ISBN Gebhard J. Selz: Sumerer und Akkader. Geschichte, Gesellschaft, Kultur. C.H.Beck Wissen. Beck, München 2005, v. a ISBN X H. Weiss: Akkade. Art. in: The Oxford Encyclopedia of Archaeology in the Ancient Near East. Bd I. Oxford University Press, New York 1997, ISBN A. Westenholz: The Old Akkadian Period: History and Culture. in: W. Sallaberger, A. Westenholz: Mesopotamien. Akkade-Zeit und Ur III-Zeit. Orbis biblicus et orientalis. 160/3. Universitätsverlag, Freiburg Schw 1999, , (zur Stadt Akkad vgl. S ). ISBN X [Bearbeiten] Weblinks Commons: Akkad Bilder, Videos und Audiodateien Von

62 Babylonien aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Wechseln zu: Navigation, Suche Babylonien (auch Babylon) bezeichnet eine Landschaft am Unterlauf der Flüsse Euphrat und Tigris, zwischen der heutigen irakischen Stadt Bagdad und dem Persischen Golf. Das kulturelle Zentrum des Gebietes war die Stadt Babylon, die im Laufe ihrer Existenz von Herrschern aus zahlreichen Volksstämmen erobert und regiert wurde. Inhaltsverzeichnis 1 Frühzeit 2 Altbabylonisches Reich 3 Neubabylonisches Reich 4 Literatur 5 Weblinks 6 Siehe auch [Bearbeiten] Frühzeit Die einzelnen Stadtstaaten in Sumer schlossen sich nie zu einem Flächenstaat zusammen. Eine Vielzahl von Dynastien bekriegten sich, ohne dass sich eine Vorherrschaft etablieren konnte. Im Laufe von zwei Jahrhunderten wurden die Sumerer gänzlich zurückgedrängt und die Amoriter übernahmen die Kontrolle. [Bearbeiten] Altbabylonisches Reich Babylon wurde 1894/1830/1806 v. Chr. - die Chronologie ist umstritten, es werden derzeit drei Systeme vertreten - vom semitischen Stamm der Amoriter unter Sumu-abum gegründet. Er ließ um die Stadt eine Mauer errichten, die allerdings erst durch seinen Nachfolger Sumulael fertiggestellt wurde. Lange Zeit änderte sich an der Bedeutung Babylons nichts, bis Hammurapi (1795/1728/ /1686/1664) als 6. König den Thron bestieg. Er verstand es, die politische Situation der Stadtstaaten auszunutzen, und erkannte den Vorteil der strategischen Lage der Stadt. Einerseits kontrollierte er durch die schmalste Stelle zwischen Euphrat und Tigris die Handelswege, und andererseits lieferte ihm diese Tatsache einen militärischen Vorteil. Schon bald stieg Babylon zur Metropole auf und Hammurapi wurde ihr oberster Herrscher. Durch die Unterwerfung von Elam, Subartu und Eschnuna wurde er auch Herrscher von Assur. Die Eroberung von Larsa dehnte sein Reich auch über die Königreiche Sumer und Akkad aus. Damit wurde Babylonien zum dominierenden Reich in Mesopotamien (Altbabylonisches Reich). Hammurapi erwies sich als geschickter Außenpolitiker, legte Bewässerungsanlagen an und liess großartige Bauten errichten, organisierte das Land durch eine straffe Verwaltung und verfasste eine einheitliche Rechtsordnung, den Codex Hammurapi. Dieses Gesetzeswerk, mit

63 282 Paragraphen, hielt die Rechte aller Klassen fest. Die Gesetze wurden auf Stelen und Tontafel geschrieben und öffentlich in den Städten aufgestellt. Den Stadtgott von Babylon, Marduk, erhob Hammurapi zum Hauptgott des Landes. Keiner der Nachfolger Hammurapis erwies sich in Politik und Strategie annähernd so geschickt wie er. Schon sein Sohn musste gegen die aufständischen Stämme im Süden des Reiches in den Krieg ziehen. Nach und nach verlor das Reich an Einfluss und Herrschaftsbereich. Durch zahlreiche innere Unruhen und durch Angriffe von außen geschwächt, wurde es schließlich von dem Hethiterkönig Muršili I. 1595/1531/1507, eingenommen. Das sogenannte Altbabylonischen Reiches war damit zu Ende. Die nachfolgende Zeit wird als dunkle Periode der babylonischen Geschichte bezeichnet, weil Schriftzeugnisse selten sind. Die Kassiten regierten etwa 400 Jahre lang (siehe Königsliste). Sie erweiterten das Reich vom Euphrat bis zum Zagrosgebirge und machten das Land zur Großmacht. Im 15. Jahrhundert v. Chr. gehörte es zu den vier wichtigsten Mächten in Vorderasien (neben den Ägypter, Mitanni und Hethitern). Kurze Zeit später löste sich Assyrien vom Mitannireich und begann eine teritoriale Expansion, die auch babylonisches Gebiet berührte wurde die Stadt von den Elamitern erobert. Sie plünderten und brandschatzen und brachten unter anderem die Gesetzesstele Hammurapis in ihre Hauptstadt Susa. König Nebukadnezar I. von Isin gelang es 1137, die Kassitendynastie abzusetzten und die zweite Dynastie von Isin in Babylon zu etablieren. Anschließend ging er gegen die Elamiter vor, die nach einem jahrelangen Krieg unterlagen. Ihre Hauptstadt Susa wurde völlig zerstört. Die Gesetzesstele Hammurapis wurde nach Babylon zurück gebracht. Jeder Versuch Nebukadnezars, das Reich auszudehnen, wurde von den Assyrern beobachtet und zum Teil verhindert. Eine direkte Konfrontation gab es jedoch nicht. Kurze Zeit später eroberte Assur aber Babylon. In beiden Ländern die gleichen Götter verehrt, und die Zerstörung eines babylonischen Tempels wurde von den Assyrern als Sakrileg empfunden. König Salmanassar III. ( ) verheiratete seinen Sohn Schamschi-Adad V. mit der babylonischen Prinzessin Šammuramat. Nach dem Tod ihres Mannes regierte sie vier Jahre lang das Königreich. Immer wieder versuchten die Babylonier, mit Hilfe der Elamiter die Macht der Assyrer zu brechen. 689 zerstörte Sanherib die Stadt gänzlich. Sein Sohn Assurhaddon versuchte, die Stadt wieder aufzubauen und im alten Glanz erstrahlen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt änderte Assyrien die Politik gegenüber Babylon und schlug einen harten Kurs ein. Die Folge waren Kriege und Zerstörung. 648 musste sich Babylon nach einer zweijährigen Belagerung dem assyrischen König Assurbanipal geschlagen geben. Nach dem Tod Assurbanipals, des letzten großen Königs Assyriens, brach das Reich auseinander. Ausgeblutet durch die vielen Kriege hatte es den Meder nichts entgegenzusetzen. siehe auch Liste der Könige von Babylonien [Bearbeiten] Neubabylonisches Reich Siehe Hauptartikel Neubabylonisches Reich

64 Neubabylonisches Reich, um 580 v. Chr. In Babylon bestieg der chaldäische General Nabopolassar 626 den Thron. Mit ihm begann das sogenannte Neubabylonische Reich. Er vereinigte die lokalen Volksstämme und verbündete sich mit den Medern, die das Erbe der Elamiter im Osten antraten. Zwischen den beiden Völkern wurde ein Vertrag aufgesetzt, und der Sohn Nabopolassars mit der Enkelin des Mederkönigs verehelicht wurde. Durch dieses Bündnis war der Weg nach Ninive, der assyrischen Hauptstadt, frei. 612 fiel Ninive nach einer dreimonatigen Belagerung. Bis zum Jahre 610 waren die versprengten assyrischen Heeresteile gänzlich aufgerieben. Nach Nabopolassars Tod trat Nebukadnezar II. ( v. Chr.) die Thronfolge an. Er entwickelte außerordentliche Fähigkeiten als Staatsmann, Heerführer, Friedensstifter und Bauherr. Nebukadnezar ließ die Tempel in allen Städten des Landes wieder aufbauen, errichtete Kanäle, die so genannte Medische Mauer und die Prozessionsstraße mit dem Ischtar-Tor. Er förderte den Ackerbau, den Gartenbau und den Handel, sodass sich die Wirtschaft rasch erholte und aufblühte. Mit Syrien und Israel führte Nebukadnezar Krieg. Die unterworfenen Länder wurden tributpflichtig und hatten hohe Abgaben an Babylon abzuliefern. Israel versuchte mehrere Aufstände, die alle blutig niedergeschlagen wurden und schließlich dazu führten, dass Jerusalem zerstört wurde. Die Bevölkerung wurde nach Babylon verschleppt. Die babylonischen Gefangenschaft der Juden nahm erst in der Perserzeit ihr Ende. Im Jahre 562 starb Nebukadnezar und hinterließ seinem Sohn Amell-Marduk ein wohlgeordnetes und konsolidiertes Reich. Nach nur zwei Jahren wurde Amell-Marduk bei einem Aufstand getötet und der babylonische General Neriglissar bestieg den Thron. Starke Streitigkeiten mit der Priesterschaft führten dazu, dass sich 555 Nabonid des Throns bemächtigte. Nabonid war Anhänger des Gottes Sin und wollte die Macht der Marduk- Priesterschaft eindämmen. Das brachte ihm heftige Auseinandersetzungen bei der Neuordnung des Landwirtschafts- und Pachtsystems ein. Außenpolitisch verhielt sich Nabonid neutral, als die Perser gegen die herrschenden Meder einen Aufstand wagten. Als Dank übergab ihm der Perserkönig Kyros II. nach dem Sieg die Heimatstadt seiner Mutter. Nachdem die Perser auch die Lydier bezwungen hatten, war Babylonien vom Persischen Reich eingeschlossen. Nabonid überließ er den Schutz des Reiches seinem Sohn Belsazar und zog sich in die Oase Tayma zurück. Dadurch kontrollierte er die wichtigen Handelswege und konnte wirtschaftlichen Druck auf Ägypten ausüben. In Babylon war der Zwist zwischen dem König und der Priesterschaft weit gediehen. Die Perser hatten den Ruf, tolerant zu sein und nationale Tradition zu respektieren. In Abwesenheit von Nabonid begingen die Priester Verrat. Nach einer kurzen Schlacht, in der Belsazar besiegt wurde, marschierten die Perser gegen Babylon. Am 16. Oktober 539

65 marschierten die Truppen ohne Gegenwehr in Babylon ein. Am 29. Oktober zog Kyros II. unter Triumph und Jubel der Priesterschaft in der Stadt ein und wurde sofort als Machthaber eingesetzt. Kyros leitete eine neue Politik der Duldsamkeit ein und gab den Städten ihre Götter zurück. Den Juden gestattete er, nach Jerusalem zurückzukehren. Die Perser erkannten die Vorteile der Entwicklungen unter Nebukadnezar und wussten sie nutzbringend einzusetzen. Die aramäische Sprache wurde Amtssprache. Die Wissenschaftler nutzten weiterhin die akkadische Sprache und Schrift. Viele Gelehrte aus Ägypten, Persien, Indien und Griechenland kamen, um ihr Wissen zu erweitern. Im 5. Jahrhundert v. Chr. errechneten die Astronomen Babylons das Sonnenjahr und entwickelten im Jahre 410 das erste Horoskop. Während dieser Zeit wurde aus den Astrallehren der Babylonier die chaldäische Astrologie entwickelt, die später den Boden für die hellenistische bildete. Alexander der Große traf 333 auf die persischen Streitkräfte und besiegte sie in den Schlachten von Issos und Gaugamela. Die Griechen tolerierten die babylonische Kultur und erweiterten sie um Theater und zusätzliche Errungenschaften. Nach dem Tode Alexander des Großen verwüsteten Kriege der zerstrittenen Heerführer das gesamte Gebiet. Plünderung und Zerstörung führten zu einer Hungersnot. Im 1. Jahrhundert v. Chr. übernahmen die Parther die Macht in Mesopotamien. [Bearbeiten] Literatur Michael Jursa: Die Babylonier - Geschichte, Gesellschaft, Kultur. C. H. Beck, München ISBN [Bearbeiten] Weblinks [Bearbeiten] Siehe auch Babylon Liste der Könige von Babylonien das Volk der Babylonier Mesopotamien Babylonische Sprache Babylonische Religion, Gott Marduk Von

66 Hethiter aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Wechseln zu: Navigation, Suche Die Hethiter waren ein kleinasiatisches Volk des Altertums mit einer indoeuropäischen Sprache. Die Hethiter bildeten im 2. Jahrtausend v. Chr. ein Großreich. Ihre Hauptstadt war die meiste Zeit Hattusa, das heutige Boğazkale (bis 1960 Boğazköy genannt). Von den Hethitern werden die Hattier unterschieden, die die vorindoeuropäische Bevölkerung Anatoliens darstellen. Allerdings nannten die Hethiter ihr Reich Hatti. Inhaltsverzeichnis 1 Die Entdeckung der Hethiter 2 Geschichtliche Übersicht o 2.1 Datierung o 2.2 Vorgeschichte o 2.3 Das hethitische Großreich 3 Schrift und Sprache 4 Die Struktur des Hethiterreiches 5 Mythologie 6 Die Hethiter in der Bibel 7 Siehe auch 8 Literatur 9 Film 10 Weblinks Die Entdeckung der Hethiter Die Existenz der Hethiter war mit Ausnahme einiger verstreuter Bibelstellen bis zum 19. Jahrhundert unbekannt. Schon die klassische Antike hatte keine Erinnerung mehr an sie; die Überreste ihrer Kultur wurden für ägyptisch gehalten. Herodot, von dem die einzige Überlieferung der griechisch-römischen Antike stammt, hielt das hethitische Felsrelief von Karabel für eine Darstellung des ägyptischen Pharaos Sesostris III. Nach aktuellem Wissensstand stellt es Tarkasnawa von Mira dar. Der erste archäologische Hinweis auf die Hethiter tauchte in den assyrischen Handelskolonien in Kanesch (dem heutigen Kültepe) auf, wo Aufzeichnungen einen Handel zwischen den Assyrern und einem gewissen Land Hatti belegten. Einige Namen in den Aufzeichnungen waren weder hattisch (altanatolisch) noch assyrisch, sondern eindeutig indoeuropäisch. Die Inschrift auf einem 1884 von William Wright bei Boğazköy gefundenem Denkmal schien zu eigenartigen hieroglyphischen Inschriften in Aleppo und Hamath (Nordsyrien) zu passen wurden die Archive von Tell-el-Amarna gefunden, die die diplomatischen Korrespondenzen von Amenophis III. und seinem Sohn Echnaton enthielten. Zwei der Briefe aus einem Königreich Cheta in derselben Gegend wie das Hatti-Land in den

67 mesopotamischen Texten gelegen waren in gängiger akkadischer Keilschrift, aber in einer unbekannten Sprache geschrieben. Sie konnten von den Wissenschaftlern gelesen, aber nicht verstanden werden. Kurz danach schlug Archibald Sayce eine Identifizierung des Hatti- Landes und des Königreiches Cheta mit dem aus der Bibel bekannten Volksstamm der Hethiter vor. Dies konnte sich im frühen 20. Jahrhundert durchsetzen, sodass (zu Recht oder nicht) der biblische Name Hethiter auf die in Boğazköy gefundene Zivilisation überging. Bei 1905 begonnenen sporadischen Ausgrabungen in Boğazköy fand der Archäologe Hugo Winckler ein königliches Archiv mit Tafeln, die in Keilschrift und derselben unbekannten Sprache abgefasst waren wie die ägyptischen Briefe aus Cheta, sodass die Identität dieses Namens mit den Hethitern bestätigt werden konnte. Er bewies, dass die Ruinen bei Boğazköy die Überreste der Hauptstadt eines mächtigen Reiches sind, das zeitweilig auch das nördliche Syrien kontrollierte. Schließlich wurde die Sprache dieser Tafeln vom tschechischen Linguisten Bedřich Hrozný ( ) entziffert, der seine Resultate bei einem Vortrag am 24. November 1915 vorstellte. Sein Buch Die Sprache der Hethiter; Ihre Struktur und ihre Zugehörigkeit zur Indogermanischen Sprachfamilie erschien 1917 in Leipzig. In diesem Buch konnte er zeigen, dass die bislang geheimnisvolle Sprache der Hethiter zu den indogermanischen Sprachen zählt und somit deren älteste schriftlich festgehaltene Vertreterin ist. Das Deutsche Archäologische Institut gräbt Hattuša seit 1932 (mit kriegsbedingten Unterbrechungen) systematisch aus. Geschichtliche Übersicht Hauptartikel: Geschichte der Hethiter Datierung Eine gesicherte Datierung der Regierungslängen hethitischer Könige/Herrscher ist nicht möglich, da hethitische Quellen bislang keine sicheren Nachweise liefern. Briefe mit anderen Königen und Inschriften erlauben deshalb nur punktuelle Datierungsmöglichkeiten, die sich zusätzlich an die "kurze" oder "mittlere" Chronologie anlehnen. Ausserdem erwähnt z.b. Mursili II. in seinem 10. Regierungsjahr eine Sonnenfinsternis; in seiner Regierungszeit traten in kurzen Abständen aber mindestens drei Sonnenfinsternisse auf, die verschiedene Datierungen ermöglichen. Vorgeschichte Im 3. Jahrtausend v. Chr. siedelte das vermutlich autochthone Volk der Hattier in Zentral- Anatolien. Mit ihm vermischten sich die Hethiter als neue anatolische Sprachträger, die in der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausend v. Chr. wahrscheinlich aus dem Kaukasus in dieses Gebiet einwanderten. Eine Präzisierung des Zeitpunkts ist schwierig, da weder eine gewaltsame Invasion noch eine Völkerverschiebung im großen Umfang stattfand. Anscheinend kamen hethitische Gruppen -nach und nach- nach Anatolien und vermischten sich teilweise mit der einheimischen hattischen Bevölkerung. Etwa gleichzeitig kamen auch andere indoeuropäische Einwanderer: Die Luwier ließen sich im Süden und Westen und die Palaier im Norden und Nordwesten Anatoliens nieder. Die Hethiter bildeten die neue Führungsschicht. Unter

68 weiteren nomadischen Einflüssen kristallisierte sich Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. das Großreich der Hethiter heraus. Die Hethiter übernahmen von den Hattiern die Bezeichnung Hatti für das Land. Ihre Sprache nannten sie dagegen Nesisch, nach der Stadt Kanesch/Nescha. Der erste hethitische Großkönig, der in Hattuscha/Boğazköy seine Residenz nahm, stammte wie Anitta ursprünglich aus Kuschar, einer Stadt, die noch nicht wiederentdeckt worden ist. Das hethitische Großreich Das Hethiterreich und seine Nachbarn um 1400 v. Chr. Zu diesem Reich zählten weite Teile Anatoliens und zeitweise auch die nördliche Hälfte des heutigen Syrien. Hauptstadt des Reiches war Hattuša im Norden von Zentralanatolien, etwa 150 km östlich von Ankara. Hattuša wurde berühmt, vor allem durch ca Texttafeln, die hier Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt wurden. Bis dahin hatte man von den Hethitern nur über die altorientalischen Keilschrifttexte und die ägyptischen Hieroglyphen erfahren, die bereits Anfang des 19. Jahrhunderts entziffert worden waren. Dank des tschechischen Orientalisten Bedřich Hrozný konnten ab 1915 auch die hethitischen Texte entziffern werden. Seitdem verfügt man über einzigartige Quellen zu Geschichte, Religion und Kultur dieses ungewöhnlichen Volkes. Die Herrscher Ägyptens und Babyloniens betrachteten den hethitischen Großkönig als gleichrangigen Partner, mit dem sie sowohl diplomatische Kontakte und Handelsbeziehungen unterhielten als auch Vormachtkämpfe führten. Ein besonderes Beispiel für dieses Spiel der Mächte ist die Schlacht bei Kadesch (1274 v. Chr.) und der nachfolgende Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Hattusili III. Hierbei handelt es sich um den ältesten bekannten Friedensvertrag der Welt, von dem unter anderem eine Kopie als ein Symbol für den Frieden im UNO-Gebäude in New York City zu sehen ist.

69 Das Hethitische Großreich umfasste auch eine ganze Reihe von kleinen Vasallen- und Nachbarstaaten, wie z.b. Tarhuntassa oder Karkemisch. Von besonderem Interesse in der Forschung der letzten Jahre ist die mögliche Beziehung, bzw. der Einfluss der Hethischen Macht und Kultur auf die Troas, die heute als wahrscheinlich gilt (siehe Troja), sowie die Kontakte mit den Mykenischen Stadtstaaten insbesondere an der kleinasiatischen Westküste. Vor allem das Land Arzawa und die Stadt Milet/Milawanda rücken hier in den Fokus der Forschung. Zu den seltenen Belegen gehören auch die Funde mykenischer Importgefäße in Ostkappadokien in der Hethitischen Provinzstadt Kusakli-Sarissa. (Lit.: Antike Welt, 1996, 2004) Der Untergang des hethitischen Großreiches ist auf das frühe 12. Jahrhundert v. Chr. datiert. Deutlich wird es durch die Zerstörung der meisten bisher bekannten städtischen Zentren Zentralanatoliens durch Brände oder deren Auflassung. Als Ursache wird die Wanderung der sog. Seevölker diskutiert. Nach dem Ende des Reiches überleben im Osten und sehr wahrscheinlich auch im Süden (Tarhuntassa) noch mehrere Jahrhunderte einige späthethitische (Klein-)Fürstentümer wie Karatepe, Meliddu, Tabal und Zincirli, die z. T. offenbar zunehmend aramäisiert werden und schließlich unter assyrische Herrschaft fallen. Mit dem Ende des hethitischen Reiches endet auch sein Monopol auf die Verhüttung von Eisen, die dort seit dem 17. Jahrhundert v. Chr. belegt ist. Nach dem 12. Jahrhundert breitete sich diese Technik über den Vorderen Orient und den Mittelmeerraum aus. Schrift und Sprache Hauptartikel: Hethitische Sprache Die Sprache der Hethiter zählt zur anatolischen Untergruppe der indoeuropäischen Sprachfamilie. Von den Hattiern, die eine vermutlich vor-indoeuropäische Altanatolische Sprache sprachen, übernahmen sie die Bezeichnung Hatti für das Land. Ihre Sprache nannten die Hethiter dagegen Nesili (Nesisch), nach der Stadt Kanisch/Nescha. Das Hethitische (auch Hittitisch) ist die älteste bekannte indogermanische Sprache. Im Hethiterreich scheinen auch noch verschiedene andere Sprachen wie Luwisch und Palaisch gebräuchlich gewesen zu sein, die allerdings mit dem Hethitischen mehr oder weniger eng verwandt waren. Das Luwische spielte für den Kult eine besondere Rolle. Mit diesen Sprachen bildet das Hethitische den anatolischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie, der sich von den übrigen Zweigen vor allem im Wortschatz teilweise stark unterscheidet. Man schrieb auch mit unterschiedlichen Schriftsystemen. Während die offizielle diplomatische Korrespondenz und die Palastarchive in der assyrischen (akkadischen) Keilschrift verfasst wurden, benutzte man für die zahlreichen Felsreliefs und offiziellen Inschriften die so genannte Hieroglyphenschrift, die, wie man heute weiß, einen luwischen Dialekt darstellt. Auch das Hurritische war eine wichtige Diplomatensprache, die besonders im Kontakt mit dem Mittanireich Verwendung fand. Die Struktur des Hethiterreiches Das Reich der Hethiter war ein relativ kompliziertes Gebilde mit deutlichen Anklängen an ein feudales System. An der Spitze stand der Großkönig (Labarna, später auch Tabarna), der oberster Priester, Richter und Feldherr war und über eine Anzahl nachgeordneter Könige

70 herrschte, die größtenteils aus den angestammten Herrscherhäusern der Gebiete kamen. Diese Vasallenkönige mussten dem Großkönig einen persönlichen Eid ableisten, der bei jedem Wechsel auf dem hethitischen Thron erneuert werden musste, was auch regelmäßig zu Unruhen führte. Neben diesen Vasallenkönigen gab es in der Großreichszeit (also ab etwa 1350 v. Chr.) die Vizekönigreiche von Kadesch und Aleppo in Nordsyrien, die von Mitgliedern der königlichen Sippe verwaltet wurden und vor allem im militärischen Bereich große Selbständigkeit gegenüber der Zentralgewalt genossen. Eine ähnliche Position hatte auch der König von Mira, der ebenfalls in der Spätzeit für die westlichen Gebiete Anatoliens zuständig war. Neben dem Großkönig stand die Großkönigin, die Tawananna, die sehr selbständig war und im eigenen Namen Staatsverträge abschließen konnte. Sie war oberste Priesterin und verlor diese Position auch beim Tod ihres Gemahls nicht. Neben dem König stand der hethitische Senat (Panku), der an Gesetzen und Verträgen mitwirkte und sogar das Recht hatte, über den König zu richten. Dies war in der Verfassung des Telipinu (um 1460 v. Chr.) festgelegt. Verfassung ist hier eine nicht so weit hergeholte Analogie das Dokument sieht einer modernen Verfassung relativ ähnlich. Im Kern ist es eine Nachfolgeregelung für den Thron des Großkönigs, worin genau festgelegt wird, in welcher Reihenfolge die Prinzen thronfolgeberechtigt sind. Zum Wächter dieser Bestimmungen wird der Panku eingesetzt, der somit die oberste Legalitätsinstanz bildet. Der Zweck dieser Verfassung, den ständigen Thronwirren ein Ende zu setzen, wurde allerdings verfehlt: auch in der späteren hethitischen Geschichte sind Thronstreitigkeiten und Usurpationen sehr häufig. Insgesamt zeigt sich hier aber eine Stellung des Königs als Primus inter pares, wie sie im Alten Orient eher selten ist. Mythologie Hauptartikel: Hethitische Mythologie Die Hethiter in der Bibel Im Alten Testament werden sowohl das Volk der Hethiter als auch einzelne Mitglieder dieses Volks des Öfteren erwähnt, unter anderem in vier der fünf Bücher des Mose, im Buch Josua und im Buch der Richter. Urija (Uria), der Ehemann von Bathseba, mit der König David die Ehe brach, und den der König später bei einer Schlacht in den Tod schickte, war ebenfalls Hethiter. Der Bericht darüber findet sich im 2. Buch Samuel 11, Vor den Ausgrabungen Hattuscha waren die Hethiter nur aus der Bibel bekannt, und man nahm an, dass sie ein einheimischer Stamm in Kanaan seien. Die Identifizierung mit den Hethitern Kleinasiens war längere Zeit umstritten, es wurde eine zufällige Namensgleichheit behauptet. Siehe auch Hethitologie Liste der hethitischen Großkönige Liste der Tawanannas

71 Literatur Ekrem Akurgal: Die Kunst der Hethiter. München: Hirmer ISBN Kurt Bittel: Die Hethiter. München: Beck ISBN Birgit Brandau, Hartmut Schickert: Hethiter. Die unbekannte Weltmacht. München: Piper ISBN Trevor Bryce: The Kingdom of the Hittites. Clarendon Press, Oxford ISBN Trevor Bryce: Life and Society in the Hettite World. Oxford University Press. Oxford Volkert Haas: Geschichte der hethitischen Religion (HdO I/XV). Leiden, New York, Köln: Brill ISBN Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Texte, Stilistik, Motive. Berlin: de Gruyter ISBN Horst Klengel: Geschichte des hethitischen Reiches (HdO I/XXXIV). Leiden, Boston, Köln: Brill ISBN Johannes Lehmann: Die Hethiter. Volk der tausend Götter. Herrsching: Pawlak ISBN Peter Neve: Hattusa. Stadt der Götter und Tempel. Mainz: Philipp von Zabern ISBN Die Hethiter und ihr Reich. Stuttgart: Theiss ISBN Film Bedrich Hrozny: Die Sprache der Hethiter, ihr Bau und ihre Zugehörigkeit zum indogermanischen Sprachstamm. Ein Entzifferungsversuch von Friedrich Hrozny. Dresden ISBN (Nachdruck der Ausgabe Leipzig: Hinrichs 1917). Versunkene Metropolen: Brennpunkt Hattusa. Dokumentation, 45 Min., Produktion: ZDF, Erstsendung: 1. Juli 2007, Dossier mit Videos Weblinks Informationen zum Hethiterreich mit 3 großen historischen Karten Berichte zu den aktuellen Ausgrabungen und Forschungen des DAI in Hattuscha Zur Fachgeschichte und Kurzbiographien bekannter Hethitologen Von

72 Altes Ägypten aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Wechseln zu: Navigation, Suche A L T E R T U M ALTES ÄGYPTEN Z E I T L E I S T E bis ca v. Chr. Prädynastische Zeit ca v. Chr. 1. bis 2. Dynastie Frühdynastische Zeit ca v. Chr. 3. bis 6. Dynastie

73 Altes Reich ca v. Chr. 7. bis 11. Dynastie Erste Zwischenzeit ca v. Chr. 11. bis 12. Dynastie Mittleres Reich ca v. Chr. 13. bis 17. Dynastie Zweite Zwischenzeit ca v. Chr. 18. bis 20. Dynastie Neues Reich ca v. Chr. 21. bis 25. Dynastie Dritte Zwischenzeit ca v. Chr. 26. bis 30. Dynastie

74 Spätzeit 332 v. Chr. bis 395 n. Chr. 31. Dynastie Griechisch-römische Zeit Alle Daten nach Jürgen von Beckerath Zusammenfassung Geschichte des Alten Ägypten Weiterführendes Ägyptische Chronologie Ägyptische Sprache Altägyptische Literatur Ägyptischer Kalender Liste der Pharaonen bearbeiten Altes Ägypten ist die allgemeine Bezeichnung für das historische Ägypten ; von der Zeit der ersten Königs- und der späteren Pharaonenherrschaft, die sich über den größten Teil des Altertums erstreckte. Der ursprüngliche Name war Kemet und bedeutete "Schwarzes Land". Dieser Name, der das Nildelta meint, geht auf den schwarzen Schlamm zurück, der nach den jährlichen Überschwemmungen des Nils zurückblieb und eine fruchtbare Ernte garantierte. Inhaltsverzeichnis

75 1 Geschichte 2 Politik und Verwaltung 3 Kultur o 3.1 Gesellschaft Übersicht Prä- und Frühdynastische Periode Altes und Mittleres Reich o 3.2 Religionsausübung o 3.3 Wissenschaft o 3.4 Kunst Baukunst Malerei Plastik 4 Architektur o 4.1 Wohnbauten o 4.2 Gärten o 4.3 Historische Stätten Städte Tempel Begräbnisstätten 5 Militärwesen 6 Siehe auch 7 Literatur 8 Weblinks o 8.1 In deutscher Sprache o 8.2 In englischer Sprache Geschichte Hauptartikel: Geschichte des Alten Ägyptens Die ägyptische Geschichte, soweit sie durch materielle Zeugnisse für die Geschichtsschreibung fassbar ist, umfasst die Perioden von der Frühzeit bis zur Eroberung durch das Römische Reich. Sie wird in zahlreiche Epochen unterteilt (s. Navigationsleiste rechts) Die Entstehung der ägyptischen Kultur liegt in fernen Urzeiten, die als Hochkultur bekannte Kultur begann in der Frühdynastischen Periode, als in Oberägypten ein erstes Reich entstand. Militärische Expansionen Richtung Nildelta vergrößerten dieses Reich. Dort wurde das heutige Unterägypten erobert damit vollzog sich der erste Schritt der Reichseinigung. Zur Datierung der einzelnen Epochen siehe auch: Ägyptische Chronologie Liste der Pharaonen Politik und Verwaltung Hauptartikel: Verwaltung im Alten Ägypten

76 Kultur Gesellschaft Übersicht Die meisten Ägypter waren Bauern und führten ein ziemlich einfaches Leben. Sie besaßen kleine Felder, die sich entlang des Nil befanden. Am Nil bauten die alten Ägypter 8-9 Monate im Jahr Weizen, Früchte und Gemüse an. Da sie sich selbst versorgen mussten, züchteten sie Ziegen, Schafe und Rinder und legten Vorräte für die Zeit der jährlichen Überschwemmungen an. Die Rolle der Frau ist zwiespältig und wurde oft im Vergleich mit dem klassischen Altertum (Antikes Griechenland) als herausragend angesehen. In der Tat scheint die Frau rechtlich dem Manne gleichgestellt gewesen zu sein, doch sind Frauen nur selten mit Positionen in der Verwaltung belegt. Ob ihnen der Zugang erschwert war oder sie aufgrund des erwünschten Kinderreichtums an das Haus gebunden waren, ist den Quellen nicht zu entnehmen. Fest steht, dass Frauen in Verwaltungsämtern eine Minderheit bilden, es jedoch auch einige prominente Beispiele für hohe Positionen gibt. In den Berufen der Müllerin und Bierbrauerin sind Frauen dagegen oft bezeugt. Ägyptische Texte betonen immer wieder die Fürsorge gegenüber Witwen. Dies könnte als Hinweis gesehen werden, dass verwitwete Frauen nur wenig Möglichkeiten zum eigenen Broterwerb hatten. Die Eheleute lebten in der Regel monogam. Die Polygamie ist bisher nur mit Sicherheit im Königshaus und bei einigen wenigen hohen Beamten bezeugt. Es ist von einer hohen Kindersterblichkeit auszugehen. Aus diesem Grund war Kinderreichtum willkommen. Die allgemeine Lebenserwartung war nicht sehr hoch. Die Ägypter waren stets der Meinung, die guten Götter auf ihrer Seite zu haben. Man war auf der Hut vor Betrügern und Spukgeistern. Spukgeister waren unglückliche Seelen, deren Gräber verwüstet oder zerstört worden waren. Es heißt, ein Pharao ließ einmal eine Grabstätte reparieren, nachdem ihm im Traum ein Spukgeist von seinem Leid erzählte, damit der Geist ins Totenreich zurückkehren konnte. Siehe auch: Die Stellung der Frau im Alten Ägypten

77 Karte des Niltals und des Nildeltas mit den ägyptischen Altertümern Karte des Niltals und des Nildeltas mit den ägyptischen Altertümern Prä- und Frühdynastische Periode Um 6000 v. Chr. begannen die Menschen im bis dahin schwach besiedelten Ägypten, Viehzucht zu betreiben. Dadurch und durch den ca v. Chr. anfangenden Ackerbau im Niltal wurde es möglich, mehr Menschen zu ernähren. Die Population wuchs. Doch durch den Ackerbau ergaben sich neue Probleme: Da der Nil einmal im Jahr das Land überflutete und sonst Trockenheit herrschte, musste dafür ein Ausgleich in Form von Kanalsystemen geschaffen werden, das das Wasser ableitete bzw. speicherte. Da die einzelnen Bauern dazu nicht im Stande waren, schlossen sie sich zusammen und bildeten sog. Gaue, die von Gaufürsten verwaltet wurden. Daher bedeutet das altägyptische Wort für Gaufürst "Der, der die Kanäle baut". Es wurden Getreidesilos gebaut, um die Menschen das ganze Jahr über versorgen zu können. Diese wurden ebenfalls von den Fürsten verwaltet. Jedoch fingen die einzelnen Gaufürsten an, sich zu bekriegen. Um 3000 v. Chr. setzte sich Menes durch und vereinigte Ober- und Unterägypten, die sich vorher gebildet hatten. Menes war der erste Herrscher Ägyptens mit dem Titel Pharao, was "großes Haus" bedeutet. Dadurch, dass der Pharao einen Großteil der Ernte bekam, sammelte er Reichtum an und es entstand Kultur, indem er Architektur, Bildhauerei usw. förderte. Auslöser für viele kulturelle Entwicklungen war der Glaube an das Leben nach dem Tod und der daraus sich entwickelnde Totenkult, der

78 bei den Ägyptern so stark ausgebildet war, dass sich die Menschen ihr ganzes Leben mit der Ausgestaltung ihres Grabes beschäftigten. Altes und Mittleres Reich Im Alten und Mittleren Reich war Ägypten eine absolute Monarchie. Der Pharao erließ alle Gesetze und wurde als höheres Geistwesen und später als Mittler zwischen dem Mensch und dem Göttlichen angesehen. Er wurde z. B. auch für die (Un-)Fruchtbarkeit des Landes verantwortlich gemacht. Aus den früheren Gaufürsten wurden die Schreiber und Verwalter, d. h. die damaligen Beamten. Sie verwalteten zwar immer noch die Gaue, waren aber dem Pharao unterstellt. In der damals streng hierarchischen Kultur standen unter ihnen die einfachen Handwerker und Bauern. Durch diese klare Trennung der Stände wurde es nötig, den Menschen auf Reliefs und Bildern auszugestalten und ihn nicht nur durch die Hieroglyphe für "Mensch" anzudeuten. Die Bauern mussten nur ihr Getreide der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, andere Erzeugnisse wie Fleisch oder Gemüse durften sie selbst behalten. Zur Zeit der Überschwemmung und der größten Trockenheit, wenn kein Ackerbau möglich war, mussten die Bauern beim Militär oder dem Pyramidenbau arbeiten. Beim Bau der Pyramiden waren viele tausend Menschen beteiligt: Ein Baumeister, der den Bau überwachte, einige Ingenieure, tausende Vorarbeiter, viele Schreiber (Beamte), die z. B. die Materialbeschaffung regelten. Alle Beschäftigten mussten außerdem vor Ort mit Essen und Getränken versorgt werden. Da der Bau sehr lange dauerte, starb der Baumeister manchmal, bevor die Pyramide fertig gestellt war, und musste ersetzt werden. Wenn der Pharao vor der Fertigstellung starb, wurde der Bau trotzdem weitergeführt. Religionsausübung Im Reich der Ägypter hatte jeder Gott seinen eigenen Tempel. In diesem Tempel standen die Statuen der jeweiligen Götter. Teilweise gibt es in Totentempeln (Tempel der Jahrmillionen Jahre) besondere Bereiche zur Verehrung eines Gottes. Weil der Pharao in früher Zeit als hohes Geistwesen angesehen wurde und später als Mittler zwischen den Menschen und der geistigen Welt, gab es selbst für ihn eine Statue, die bestimmten Riten zum Wohle des Landes unterzogen wurde. Jeden Morgen kurz vor Sonnenaufgang durchquerte ein Priester mit einer Kerze den Tempel. Er ging zu dem Schrein, in dem die Statue lag, und klopfte. Der Gott erwachte und nahm irdische Gestalt an. Dann wusch der Priester die Statue und rieb ihr mit dem rechten kleinen Finger die Stirn mit Zedern- und Myrrheöl ein. Die Statue wurde angezogen und ihr wurden Speisen und Getränke gegeben. Es wurden ihr auch Blumen dargeboten, denn man glaubte, im Duft dieser sei der Gott selbst. Die Opfergaben wurden den Göttern dargebracht, damit die Welt im Einklang blieb. Zu den Opfergaben gehörten außer Speisen, Getränken und Blumen auch Wein, Parfüm und Weihrauch. Der Weihrauch sollte die bösen Geister vertreiben und wurde eigens von den Priestern in geheimen Räumen hergestellt, in denen eine Liste der Zutaten an den Wänden angebracht war. Bei Prozessionen wurde die Statue aus dem Tempel geholt und durch die Straßen getragen. Aber auch dann konnte das Volk sie nicht sehen, denn sie war verhüllt.

79 Der Tempel war das Zentrum der Stadt. Oftmals waren die Priester für die Stadtverwaltung mit verantwortlich, schulten die Kinder, leisteten ärztliche Hilfe und führten eine Bibliothek. Der Pharao war der oberste Vertreter des Tempels. Das Volk konnte seine Opfer nur vor dem Tempel darbringen, weil es ihm nicht erlaubt war, ihn zu betreten. Im Tempel wurden junge Priester ausgebildet. Später wohnten sie zusammen nahe dem Tempel an einem See, der künstlich angelegt war. Zweimal am Tag und zweimal in der Nacht mussten sie darin baden, um rein zu bleiben. Aus diesem Grund mussten sie auch jeden zweiten Tag ihren Körper rasieren. Auf dem Dach des Tempels befand sich häufig ein Observatorium, von dem aus die Sterne beobachtet wurden. Die Sterne unmittelbar um den Polarstern wurden die Unvergänglichen genannt, weil sie das ganze Jahr über zu sehen waren. Die Planeten stellten Bezüge her zu den Göttern, die - so die bildhafte Vorstellung - mit Booten über den Himmel fuhren. Siehe auch: Ägyptische Mythologie Wissenschaft Mathematik Es waren nur echte Brüche mit ganzzahligem Nenner und Zähler bekannt. Da es außer für 2/3 nur Hieroglyphen für Stammbrüche gab, mussten alle Brüche als Summen von Stammbrüchen dargestellt werden. Astronomie Die Ägypter befassten sich mit Astronomie und berechneten anhand des Stand des Sothis (Sirius) die Überschwemmung des Nils. Medizin Medizin, Magie und Religion waren im Alten Ägypten untrennbar miteinander verbunden. Zur Heilung von Krankheiten gehörten zwar Medikamente oder chirurgische Eingriffe, wichtig waren jedoch auch immer Amulette zum Schutz und Beschwörungen der Magier, die böse Geister abhalten sollten. Die medizinischen Kenntnisse der alten Ägypter sind nur bruchstückhaft durch die paläopathologischen Untersuchungen von Mumien bekannt. So erhielt man Aufschluss darüber, dass Brüche gerichtet, Amputationen fachgerecht durchgeführt, künstliche Zähne oder Gebisse eingesetzt wurden. In manchen Fällen konnten sogar Behandlungen am Schädel nachgewiesen werden. Trotz ihrer Fertigkeiten bei der Mumifizierung von Leichnamen besaßen sie jedoch keine spezifischen anatomischen Kenntnisse über die Funktionen der menschlichen Organe. So wurde z.b. das Herz als Sitz des Verstandes angesehen und sie konnten beispielsweise bei Schwellungen, inneren Verletzungen oder schweren traumatischen Kopfverletzungen nichts ausrichten. siehe auch: Papyrus Rhind Kunst Die ägyptische Kunst besteht im Wesentlichen aus den drei Bereichen Baukunst, Malerei und Plastik. Die meisten Kunstwerke wurden für die Toten geschaffen. Die Ägypter konnten gut mit Stein, Metall, Holz und Glas umgehen. Im 19. Jahrhundert wurde die Ägyptische Kunst von Wissenschaftlern unter Napoleon wieder entdeckt und geriet in die Aufmerksamkeit von Forschern, Sammlern und Museen.

80 Bis in unser Jahrhundert kam es zu mehr oder minder systematischen Grabungen, die oft erfolgreich verliefen und verschiedene Schätze oder Skulpturen zutage förderten und neue Erkenntnisse über die Menschen des Alten Ägypten brachten. Baukunst In der Frühzeit bestanden die Bauwerke zuerst aus Ziegeln, später (in der 3. Dynastie) aus Stein. Diese Bauten wurden zu kultisch-religiösen Zwecken errichtet, z.b. die 60 m hohe Stufenpyramide des Königs Djoser. Die Pyramiden stammen aus der Zeit der 4. Dynastie. Das berühmteste Beispiel ist die Cheopspyramide mit fast 147 m Höhe. Sie symbolisierte die Verbindung zwischen dem Ewigen (Spitze) und dem Irdischen (Basis). Die berühmtesten Pyramidenbauer waren Cheops, Mykerinos und Chephren. In der 5. Dynastie entstanden Totentempel, die auch Pyramiden- oder Verehrungstempel genannt werden. Sie gehörten immer zu einem Königsgrab und bildeten einen Komplex. Im Mittleren Reich wurde der Totentempel auch als alleinige Tempelanlage gebaut. Im Neuen Reich wurden diese meistens in der Ebene vor dem Felsengebirge im Tal der Könige errichtet. Dazu zählen der Totentempel Ramses des Großen und Amenophis III., oder der Tempel der Hatschepsut. In einem Totentempel wurden den in der Anlage begrabenen Pharaonen Opfergaben dargebracht. Bedeutend waren die Prozessions- oder Kulttempel mit von Säulenhallen umgebenem Hof und dem Allerheiligstem (Sanktuar). Der Pharao nahm an der Gründungszeremonie teil. Neben der Anlage befindet sich manchmal ein Heiliger See und ein Haus des Lebens, in dem Künstler und Ärzte ausgebildet wurden. Ferner sind Taltempel zu erwähnen, die sich an den Ufern des Nils befanden und durch den Aufweg mit dem Totentempel verbunden waren. Hinter dem Totentempel folgte die Pyramide. Andere Bauwerke: Mastaba: ein Bau, der bis ins Mittlere Reich eine Art Privatgrab war, mit Werkstein verkleidet, prismenförmig, mit Kultraum, an der Westseite eine Scheintür. Grabanlagen, die aus dem Taltempel, dem Aufweg, dem Totentempel und der Pyramide bestanden. Im Umkreis der Anlage waren die Gräber der hohen Beamten. Die Anordnung der Gräber zum Pyramidenzentrum hin hing von der Bedeutung der Person ab. Malerei Ägyptische Malerei, um 1400 v. Chr.

81 Ägyptische Malerei, um 1400 v. Chr. Bereits in der Vorgeschichte Ägyptens entstanden Felsbilder und keramische Malereien. Doch die typischen Merkmale der ägyptischen Malerei sind im Wesentlichen aus Funden in Grabkapellen der Pharaonenfamilien und hoher Beamter bekannt. Die Wandbilder in den Gräbern sollten die Seele des Toten an ihr Leben auf der Erde erinnern und deren Wirklichkeit darstellen, ohne sich auf das Individuelle zu beziehen, und die Toten mit dem umgeben, was sie zu Lebzeiten besessen hatten. Der zweite große Themenbereich der ägyptischen Malerei zeigte Darstellungen der Götterwelt und des Totengerichtes. Manche neuere Werke sind noch auf Papyrus erhalten. Die Bildgestaltung folgte präzisen Vorgaben. Die Figuren wurden über die gesamte gestaltete Fläche verteilt, Schrägansichten vermieden. Kopf und Beine wurden im Profil dargestellt, Oberkörper und Arme hingegen meist frontal. Schatten oder Lichteffekte wurden nicht eingearbeitet, auch ein Hintergrund wurde vermieden. Hauptfiguren wurden größer dargestellt als Nebenfiguren (Bedeutungsperspektive). Perspektivische Darstellungen gab es nicht; so sitzen Vögel beispielsweise nicht in sondern auf den Schilfrohrblättern. Die Anordnung der Menschen war meist starr und aktive Bewegung wurde vermieden. So sind Menschen in der Regel zu sehen, unmittelbar bevor sie sich in Bewegung setzten, jedoch selten mit einem halb erhobenem Fuß. Solche Bildnisse datieren sich üblicherweise in die Endphasen großer Epochen, z.b. Ende des Alten Reiches, wobei es teilweise auch als Stilmittel verwendet und exzessiv gebraucht wurde (Akrobatenszene im Grab). Keine Lockerung sondern eine größere Ausnahme dieser Regeln bilden die Wandbilder aus Echnatons Regierungszeit, dessen "revolutionäre" Herrschaft meist nur im politischen und religiösen, nicht aber im künstlerischen Aspekt gesehen wird. In Tempeln, Palästen, Gräbern und Grabgebäuden wurden Reliefs und Wandmalereien verwendet. Wenn eine Wand mit Reliefs verziert werden sollte, wurde erst ein Netzraster für die Proportionen aufgetragen, dann wurden zuerst die Umriss- und danach die feinen Linien herausgearbeitet. Man unterscheidet zwischen Flachreliefs (Hintergrund wird abgetragen) und versenkten Reliefs (Linien werden hineingemeißelt). Zum Schluss wurden sie mit Pigmentfarben eingefärbt. Für Schwarz verwendete man Ruß oder Kohle, für Grün und Blau Malachit oder Azurit, für Weiß Gips oder Kreide, für Rot, Gelb, Rosa und Braun Eisenhydroxid. Commons: Kategorie: Ägyptische Malerei Bilder, Videos und Audiodateien Plastik Die meisten Skulpturen wurden in Grabanlagen aufgestellt. Sie sollten den Toten vertreten und ihm ewige Fortdauer sichern. Deswegen versuchten die Bildhauer, den Menschen darzustellen, ohne auf Vergänglichkeit hinzuweisen; sie versuchten also mehr den Wesenskern abzubilden als das Aussehen. Deshalb sind die Figuren mit einer idealen Körperhaltung dargestellt, von individuellen Körperformen wird weitgehend abgesehen. Die Haltung der Statuen ist immer aufrecht, entweder sitzend, kniend oder stehend. Zwischenräume wurden vermieden. Bei hölzernen Statuen wurden die Arme und Beine einzeln hergestellt und angesetzt. Für steinerne Statuen wurde meistens Kalkstein oder Granit benutzt. Ein weiteres Merkmal der ägyptischen Skulpturen ist, dass sie immer bemalt wurden, auch wenn sie aus wertvollen Materialien gefertigt waren. Frauen wurden hellgelb bemalt,

82 Männer rotbraun. Manchmal wurden als Augen der Figuren Kristalle oder andere farbige Steine eingesetzt wie beim berühmten Sitzenden Schreiber im Louvre in Paris. Eine Ausnahme der idealisierten Darstellungsform ägyptischer Plastiken stellen die Skulpturen der Amarna-Zeit dar. Die Dauer dieser Periode, benannt nach dem Ort Tell-el- Amarna, an dem sich die Überreste von Pharao Echnatons neu gegründeter Hauptstadt Achet- Aton befinden, lässt sich mit dessen Regierungszeit (ab 1350 v. Chr. Amenophis IV., ab ca v. Chr. Echnaton, 1334 v. Chr.) und darüber hinaus noch etwa 20 Jahre nachwirkend, gleichsetzen. Echnaton führte den Monotheismus in Ägypten ein und strukturierte das komplette Staatswesen neu. Er ersetzte die alten Götter durch den Familiengott der 18. Dynastie, Aton (die Sonnenscheibe), ließ die mächtigen Amun-Priester entmachten, enteignete die Ländereien der Tempel und zog schließlich samt seinem Hofstaat zum Bau seiner neuen Hauptstadt mitten in die Wüste zwischen Memphis und Theben. Das alles geschah zwischen seinem dritten und fünften Regierungsjahr. Als sichtbares Zeichen der neuen Zeit legte er seinen Geburtsnamen Amenophis ab und nannte sich fortan Echnaton. Echnaton förderte die ägyptische Kunst über alle Maßen und es entstand unter Bildhauern wie Thutmosis ein völlig neuer Kunststil, der nicht nur mit den ägyptischen Regeln wie Perspektivlosigkeit und Bewegungslosigkeit brach. Der Stil wirkt selbst heute noch befremdlich auf uns und eine ähnliche Wirkung muss er für die Ägypter zur Zeit des Neuen Reiches gehabt haben. Er war geprägt von überzogenen, verlängerten Proportionen und schon Champollion bezeichnete die Skulpturen als hässlich und grotesk: langhalsig, fettleibig, die pharaonischen Statuen zwitterhaft bis völlig geschlechtslos. Oft wurde vermutet, dass dieser Art der Darstellung eine angeborene Hässlichkeit des Gottkönigs zugrunde lag, weswegen verschiedene Krankheitsbilder angenommen wurden. So identifiziert Bob Brier dieses Erscheinungsbild mit dem Marfan-Syndrom, nicht zuletzt wegen der Neigung zeitgenössischer Betroffener, sich nicht zu verstecken sondern ihren "Mangel" deutlich zu zeigen. Bis heute haben wir jedoch keine Vorstellung davon, wie der König und seine Familie tatsächlich ausgesehen haben. Nach Echnatons Tod im Jahr 1334 v. Chr. lebte der Kunststil noch unter seinen Nachfolgern Semenchkare und Tutanchaton, dem späteren Tutanchamun, fort. Allerdings überdauerte er nicht die Zeit der Wiederherstellung der alten Staatsform unter den Pharaonen Eje und Haremhab und die Zerstörung Achet-Atons sowie fast aller Tempel und bildlichen Darstellungen der Amarna-Epoche. Architektur Wohnbauten Da sich archäologische Ausgrabungen oftmals auf die viel besser erhaltenen Grabanlagen konzentriert haben, war bis vor einigen Jahren vergleichsweise wenig von den Wohnbauten der Lebenden bekannt. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten hat sich etwas an dieser Situation geändert und es gibt zurzeit zahlreiche Siedlungsgrabungen in Elephantine, Buto, Ayn Asil, Tell el-dab'a und Abydos. Die meisten Häuser der vorgeschichtlichen Zeit schienen einfache runde Strohhütten gewesen zu sein. Erst am Ende der Naqada-Zeit schien die Ziegelbauweise für Wohnbauten weite Verbreitung gefunden zu haben. Die Wohnbauten des Alten Reiches auf Elephantine sind klein und dicht an dicht gebaut. Teile einer Pyramidenstadt, die sich in Gizeh fanden, zeigen aber auch geräumigere Bauten, wobei die

83 dort gefundene Siedlung offensichtlich geplant worden ist. Im Mittleren Reich lassen sich zwei Haustypen unterscheiden. Das sogenannte Hofhaus ist um einen offenen Hof gruppiert. Es ist typisch für die eher ärmeren und mittleren Schichten, wobei die Räume meist multifunktional waren, d.h. es gab keinen Raum, der als Schlafzimmer, oder Wohnzimmer bezeichnet werden könnte. In den meisten Räumen wurde gelebt, geschlafen und gearbeitet. Das sogenannte Dreistreifenhaus ist eher typisch für eine gehobene Gesellschaftsschicht, wobei sich dieses Haus in drei Bereiche aufteilt: (1) ein Empfangsbereich, (2) eine Haupthalle, die wohl Beamten sowohl als Audienzhalle diente als auch als eine Art Wohnzimmer fungierte und (3) einen Privatbereich, in dem der Hausherr sogar ein eigenes Schlafzimmer hatte. Die reichsten dieser Häuser sind teilweise auch mit einfachen Wandmalereien ausgestattet worden, wobei ein Garten und Speicheranlagen ebenso vorkommen können. Das Dreistreifenhaus ist im Neuen Reich der Haupttypus eines Hauses und besonders gut aus Amarna bekannt, wo sich um die größten Häuser herum Gartenanlagen und Speicher fanden. Türrahmen sind of aus Stein und beschriftet. Einige reiche Häuser sind sogar mit figürlichen Wandmalereien versehen. In der Haupthalle befand sich oft ein Schrein. Die Entwicklung der Häuser in der Spätzeit ist schwerer zu verfolgen, doch scheint es in Städten zu der Entwicklung von turmartigen mehrgeschossigen Hausanlagen gekommen zu sein, wie sie dann typisch für die römische und byzantinische Zeit sind. Gärten Siehe Hauptartikel: Gartenkunst im Alten Ägypten Historische Stätten Städte Übersicht: Alter Orient Abydos Dendera Edfu Esna Heroonpolis (Pi-Thum, Pa-Thum, Heroopolis)

84 Memphis Naukratis Pi-Ramesses Sais Tanis Tell El-Amarna Theben Tempel Abu Simbel Elephantine Karnak-Tempel o Chons-Tempel o Grosser Amun-Tempel o Tempel des Thutmosis III. o Ptah-Heiligtum o Mont-Tempel o Tempel des Amenophis II. Kom Ombo Luxor-Tempel Philae Ramesseum Tempel Mentuhotep II. in Deir el Bahri Medinet Habu Millionenjahrhäuser o Tempel der Hatschepsut o Tempel des Amenophis III. o Tempel des Sethos I. o Tempel Ramses III. Begräbnisstätten Mastaba Pyramide (Bauwerk), siehe dazu auch: Liste der Pyramiden Ägyptens Serapeum Tal der Könige Tal der Königinnen Militärwesen Hauptartikel: Militärwesen im Alten Ägypten Siehe auch Ägyptologie Ägyptische Mythologie Liste der ägyptischen Götter Literatur

85 Siehe unter: Altes Ägypten/Literaturliste Hermann A. Schlögl: Das Alte Ägypten. Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra. München Verlag C.H. Beck, ISBN Weblinks In deutscher Sprache Ägyptisches Museum und Papyrussammlung in Berlin Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München Ägyptisches Museum in Heidelberg Ägyptisches Museum in Bonn DFG-Sondersammelgebiet Ägyptologie an der Universität Heidelberg Selket.de [1] Die Menschendarstellung in der altägyptischen Kunst. In englischer Sprache Offizielle Seite von Dr. Zahi Hawass (Leiter der ägyptischen Altertümerverwaltung) Ägyptologie Online Sehr gute Seite eines Ägyptologen, der unbekannt bleiben will Das Petrie-Museum für ägyptische Archeologie - mehr als Objekte mit Bildern Das digitale Ägypten - Ein Studienprojekt Das alte Ägypten (Britisches Museum - London) Von

86 Geschichte des assyrischen Reiches aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie (Weitergeleitet von Assyrien) Wechseln zu: Navigation, Suche Der alte Orient um 1400 v. Chr. Das assyrische Reich existierte ca Jahre, vom 17. Jahrhundert vor Christus bis zu seiner vollständigen Vernichtung um 608 v. Chr. Es ist von der Forschung in drei Perioden eingeteilt worden: das alt-, mittel- und neuassyrische Reich. Die Sprache der Assyrer war Assyrisch, ein akkadischer Dialekt. Die Assyrer zeichneten sich einerseits durch ihre Eroberungen aus, vollbrachten aber auch hohe kulturelle Leistungen. Die Kultur Assyriens war wie die der Akkader sumerisch beeinflusst, jedoch lassen sich auch Einflüsse der Hurriter, Hethiter sowie der Iranier feststellen. Ihr Hauptgott war Assur, der Schutzgottheit der gleichnamigen Hauptstadt. Das neuassyrische Reich (ca v. Chr.) gilt als das erste Großreich der Weltgeschichte. Inhaltsverzeichnis 1 Aufstieg zur Regionalmacht das altassyrische Reich 2 Das Mittelassyrische Reich o 2.1 Assur-uballit I. der Wegbereiter o 2.2 Tukulti-Ninurta erster Höhepunkt der Macht o 2.3 Tiglatpileser I. Ausdehnung bis zum Mittelmeer und erster Niedergang 3 Das Neuassyrische Großreich o 3.1 Assur-Nasirpal II. ein erster Höhepunkt neuassyrischer Macht o 3.2 Innere Krisen o 3.3 Tiglat-pileser III. Begründer des neuassyrischen Großreiches

87 3.3.1 Reform der Provinzeinteilung Auf dem Weg zum Großreich Deportationen Pulu, König von Babylon o 3.4 Urartu Gefahr aus dem Norden o 3.5 Sargon II. Das Reich im Zenit seiner Macht Entscheidungsschlacht gegen Urartu Babylon kommt erneut unter assyrische Herrschaft Bau einer neuen Residenzstadt Dur Scharrukin entsteht Die Sprache o 3.6 Assurbanipal Blütezeit und Niedergang Aufstand des Schamasch-schum-ukkin, König von Babylon Letzte Jahre des Assurbanipal und Niedergang o 3.7 Gründe für den Niedergang 4 Siehe auch 5 Literatur o 5.1 Quellen o 5.2 Allgemeine Literatur 6 Weblinks [Bearbeiten] Aufstieg zur Regionalmacht das altassyrische Reich Die Assyrer sind seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. am mittleren Tigris nachgewiesen v. Chr. bis 1375 v. Chr. In der Nachfolge der sumerischen Reiche gewann Assur an Bedeutung, als es die nördlichen Gebiete von Babylon eroberte, und wurde unter Schamschi-Adad I. (König der Gesamtheit, 1745 v. Chr v. Chr) zu einer Regionalmacht im nördlichen Mesopotamien; jedoch wurde das Zweistromland zu großen Teilen weiterhin von Babylon dominiert. Besonders bekannt ist die altassyrische Kultur durch die Auswertung der umfangreichen Keilschriftfunde von Kültepe / Kanesch. Assyrische Händler hatten in Anatolien ein Netz von Handelskolonien angelegt, um mit den indigenen Stämmen v.a. Metalle zu handeln. Es folgte eine Zeit unter den Hurritern. Die Levante war zwischen Hethitern, Mitanni und Assyrern umkämpft. Die durch das aufstrebende Ägypten im Süden und die Hethiter im Norden geschwächten Mitanni unterlagen Assyrien unter Salmanassar I. (etwa 1400 v. Chr.). Durch einen Hethitereinfall wurde Assyrien geschwächt. In der Endphase des altassyrischen Reiches wurde Assyrien wieder (?) ein Vasallenstaat der Mitanni (ab 1450 v. Chr.). [Bearbeiten] Das Mittelassyrische Reich Eriba-Adad (1392 v. Chr v. Chr.) konnte Assyrien von der Herrschaft der Mitanni befreien, gegen den von den Hethitern eingerichteten Nachfolgestaat Hanigalbat mussten die Assyrer aber auch weiterhin schwere Kämpfe austragen, um sich in Obermesopotamien als Macht etablieren zu können. [Bearbeiten] Assur-uballit I. der Wegbereiter

88 Unter König Assur-uballit I. (1363 v. Chr v. Chr.) übernahm Assyrien die Vormachtstellung in Mesopotamien. Um seine Position auch im südlichen Mesopotamien zu festigen, vermählte Assur-uballit seine Tochter mit dem babylonischen König Burna-Buriasch II.; als deren Sohn bei einem Aufstand in Babylon getötet wurde, schritt Assur-uballit ein und installierte einen neuen Herrscher in Babylon. [Bearbeiten] Tukulti-Ninurta erster Höhepunkt der Macht Tukulti-Ninurta I. ( ) nahm nach Siegen über die Hethiter und die Babylonier den Titel König der Gesamtheit an. Unter ihm werden erstmals Deportationen der Bevölkerung aus den unterworfenen Gebieten erwähnt eine Praxis, die im späteren neuassyrischen Großreich riesige Ausmaße annahm. Etwa 3 km nördlich von Assur ließ der König eine neue Residenz Kar-Tukulti-Ninurta errichten; diese wurde aber bereits kurze Zeit später wieder aufgegeben, nachdem Tukulti-ninurta bei einer Palastrevolution von seinen Söhnen getötet worden war. Durch diese inneren Unruhen geschwächt, verlor das mittelassyrische Reich Babylon an Elam. König Assur-resch-ischi I. ( ) begann eine erneute Expansionspolitik und ebnete damit seinem Nachfolger Tiglat-pileser I. den Weg. [Bearbeiten] Tiglatpileser I. Ausdehnung bis zum Mittelmeer und erster Niedergang Unter Tiglat-pileser I. ( ) wurden erstmals Waffen aus Eisen angefertigt. Der neue König konnte den assyrischen Machtbereich enorm erweitern. Im Süden waren die in Babylon ansässigen Kassiten bereits sehr schwach, so dass die erneute Einnahme der altehrwürdigen Stadt möglich wurde. Im Norden war das Reich der Hethiter untergegangen; dadurch konnte Tiglat-pileser in neue Gebiete vordringen und das assyrische Reich bis zum Taurus und der Küste des Mittelmeeres erweitern. In seinen Inschriften stellt der König die Fahrt mit einem Boot, bei der er ein Meerestier (vermutlich einen Delphin) erlegte, als Höhepunkt seiner Herrschaft dar. Seine Nachfahren konnten dieses große Reich aber nicht zusammenhalten. Die einwandernden Aramäer eroberten weite Teile Nordsyriens. Die Assyrer wurden auf ihr Kerngebiet im nördlichen Mesopotamien zurückgedrängt. [Bearbeiten] Das Neuassyrische Großreich Assyrien zwischen dem 9. und 7. Jahrhundert v.chr. [Bearbeiten] Assur-Nasirpal II. ein erster Höhepunkt neuassyrischer Macht Die unmittelbaren Vorgänger von Aššur-nasir-pal ( v. Chr.) machten Assyrien durch zahlreiche Feldzüge zur Vormacht im mesopotamischen Tiefland. In mehreren Schlachten brachte Aššur-nasir-pal die Routen zum Mittelmeer, die bereits unter Tiglat-pileser I. kurzfristig kontrolliert worden waren, unter assyrische Herrschaft. Aššur-nasir-pal II. legte in

89 diesen Gebieten Garnisonen an und ging gegen Aufstände mit Grausamkeit vor. Sein Sohn Salmanassar III. ( ) schob die Grenze des assyrischen Reiches noch weiter in Richtung auf das südliche Syrien und Israel vor. Angesichts der drohenden Gefahr schlossen sich mehrere Fürstentümer zu einer Allianz zusammen, der unter anderm Israel und der König von Damaskus angehörten. In der Schlacht von Karkar 853 v. Chr. konnte diese Koalition ansonsten rivalisierender Herrschern den assyrischen Vormarsch stoppen. Auch im Norden leistete ein Reich namens Urartu Salmanassar erfolgreich Widerstand. [Bearbeiten] Innere Krisen In den nächsten 80 Jahren konnten die neu eroberten Gebiete nicht gehalten werden; durch innere Krisen, die bereits zu Lebzeiten Salmanassars entstanden, mussten sich die folgenden Herrscher wieder mehr auf die Schlichtung innerer Konflikte konzentrieren. Vor allem das Königreich Urartu machte den Königen enorm zu schaffen; in seiner bergigen Landschaft war es kaum zu erobern und stellte eine enorme Bedrohung für das assyrische Kernreich dar. So war das neuassyrische Reich beim Regierungsantritt Tiglat-pilesers III. an einem neuen Tiefpunkt angelangt. [Bearbeiten] Tiglat-pileser III. Begründer des neuassyrischen Großreiches Auf meinem zweiten Feldzuge lenkte ich den Weg nach Ägypten [...] und zog bis nach Theben, der Stadt seiner Stärke. Er sah das Heranrücken meiner gewaltigen Schlacht, verließ Theben und floh [...]. Diese Stadt ganz und gar eroberten im Vertrauen auf Assur und Ischtar meine Hände. Schwere Beute ohne Zahl erbeutete ich aus Theben. Über Ägypten [...] ließ ich meine Waffen funkeln und [...] kehrte wohlbehalten nach Niniveh, meiner Residenz, zurück. So überliefern es die Annalen Assurbanipals, des Großkönigs von Assyrien, (667 v. Chr.). [Bearbeiten] Reform der Provinzeinteilung Als Tiglat-pileser III. den Thron bestieg, war das Land durch Seuchen, innere Unruhen und den Machtanstieg des Königreichs Urartu geschwächt. Bis heute ist nicht genau geklärt, wie Tiglat-pileser an die Macht kam. Da seiner Krönung eine Militärrevolte vorausging, gehörte er wahrscheinlich nicht zur bis dahin herrschenden Dynastie. Emil Forrer vermutet, Tiglatpileser sei Statthalter gewesen. Diese Verwalter hatten im Lauf der Zeit ihre Macht sehr erweitert, schließlich wurde das Amt erblich. Sofort nach seiner Machtübernahme verdoppelte Tiglat-pileser die Zahl der Provinzen. Vielleicht wollte er verhindern, dass noch einmal ein Statthalter mächtig genug werden konnte, um die herrschende Dynastie vom Thron zu stoßen. [Bearbeiten] Auf dem Weg zum Großreich Das Hauptinteresse Tiglat-pileser galt dem Zugang zum Mittelmeer und den dortigen Handelszentren. In mehreren Schlachten gelang es ihm, die Fürstentümer des heutigen Syrien und Libanon zu erobern und im Jahr 733 v. Chr. bis Aram (Damaskus) vorzudringen, das er belagerte. Damaskus war noch nie zuvor von einem assyrischen König erobert worden, und Tiglat-pileser berichtet in seinen Annalen: Jener (der König von Damaskus) floh allein, um sein Leben zu retten, und ging durch das Tor seiner Stadt wie eine Gans. [ ] 45 Tage lang lagerte ich um seine Stadt und hielt ihn gefangen wie einen Vogel im Käfig. Der Fall der Stadt wird nicht berichtet, die Forschung stimmt darin überein, dass dieser im Jahr darauf erfolgt sein muss. Jedenfalls spielt Damaskus ab dieser Zeit als Gegner Assyriens keine Rolle

90 mehr und Tiglat-pileser kann sein Herrschaftsgebiet bis nach Palästina und Gaza an die ägyptische Grenze ausweiten: Hanno von Gaza [ ] floh zum Lande Ägypten. Gaza... eroberte ich. Damit erstreckte sich das assyrische Reich vom heutigen Israel bis zum persischen Golf. Nun ging Tiglat-pileser daran, das eroberte Gebiet fester in sein Reich einzubinden. [Bearbeiten] Deportationen Bereits 100 Jahre zuvor hatten die Könige Assur-nasir-pal und Salmanassar III. das assyrische Gebiet ähnlich ausgeweitet, jedoch nicht verstanden, es längerfristig zu behaupten. Dies wollte Tiglatpileser nicht wiederholen, und er teilte die eroberten Gebiete ebenso wie das Kernland in kleinere Distrikte auf, die er ihm genehmen Statthaltern übertrug. Außerdem griff Tiglatpileser rigoros zum Mittel der Massendeportation. Während Tausende von Landsleuten in den Grenzgebieten angesiedelt wurden, mussten die meisten der dort lebenden Stämme den Weg ins assyrische Kernland antreten: Tausende in die Provinz der Turtanu, in die Provinz des Palastboten, [...] tausend in die Provinz des obersten Mundschenks, Tausende in die Provinz Barhalzi, in die Provinz Mazamua, die ich aufteilte und wo ich siedeln ließ. Ich vereinte sie; ich behandelte sie als Bewohner Assyriens. Alleine für die Regierungszeit Tiglat-pilesers wird mit der Deportation von mehreren Personen gerechnet. Damit wurden rebellische Staaten nicht nur besiegt, sondern vernichtet. Die deportierten Personen befanden sich in einer fremden Umwelt, waren von assyrischen Rationen abhängig, ohne Kontakt mit ihren ehemaligen Landsleuten und hatten keine Wahl, als die assyrische Herrschaft zu akzeptieren und sich in das Reich einzugliedern. Diese Politik führte zu einer Vermischung der Bevölkerung und auch einer sprachlichen Vereinheitlichung. Die immer wieder auftretenden Aufstände schlug Tiglatpileser mit brutaler Gewalt nieder. Das Schicksal der Rebellen wird in allen Einzelheiten geschildert, um Nachahmer einzuschüchtern. [Bearbeiten] Pulu, König von Babylon In Babylon regierte seit 747 v. Chr. König Nabu-nasir von Gnaden Tiglat-pilesers. Nach dem Tod Nabu-nasirs brachen in Babylon Thronwirren aus, die die Südgrenze Assyriens gefährdeten. Die Forschung ist sich über die Machtübernahme Tiglat-pilesers nicht einig, doch liefert die babylonische Chronik einen relativ detaillierten Bericht: Nadinu [ ] setzte sich in Babylon auf den Thron. Im Jahre 2 wurde Nadinu in einem Aufstand getötet. [ ] Schumu-ukin, [ ] am Aufstand beteiligt, setzte sich auf den Thron. Ukin-zir [ ] bemächtigte sich des Thrones. Im dritten Jahre Ukin-zirs zog Tiglat-pileser nach Akkad [ ] und nahm Ukin-Zir gefangen. Tiglat-pileser bestieg in Babylon den Thron. Tiglat-pileser ließ sich unter dem Namen Pulu als babylonischer König krönen, damit kam es erstmals zu einer Vereinigung der Throne Assyriens und Babyloniens. Als Tiglat-pileser 727 v. Chr. starb, hinterließ er seinem Sohn Salmanassar V. ein Reich ungeheuren Ausmaßes, das sich sowohl im Inneren als auch nach außen hin relativ stabil und gefestigt präsentierte. [Bearbeiten] Urartu Gefahr aus dem Norden Im Bergland nördlich der Euphratebene hatte sich bereits unter den Vorgängern Tiglatpilesers wahrscheinlich ironischerweise durch die Bedrohung Assyriens aus mehreren Kleinfürstentümern das Königreich Urartu entwickelt, das dem aufstrebenden neuassyrischen Reich zunehmend Widerstand leisten sollte. So war Tiglat-pileser auf seinem Weg zum Mittelmeer auf eine urartäische Armee getroffen, die er aber nach heftigem Kampf zurückschlagen konnte: Sarduri vom Lande Urartu fiel von mir ab und ( ) im Lande Kista und dem Lande Halpi schlug ich ihn bis zur Vernichtung. Auf Dauer konnte das den

91 urartäischen Widerstand aber nicht brechen und zwei Jahrzehnte später sollte es erneut zu einer diesmal entscheidenden Schlacht kommen. [Bearbeiten] Sargon II. Das Reich im Zenit seiner Macht Geflügelter Stier aus Khorsabad (Louvre) Geflügelter Stier aus Khorsabad (Louvre) Salmanassar V., der Sohn Tiglat-pilesers, konnte sich nicht lange auf dem Thron halten. Nach den Annalen seines Nachfolgers hatte er es gewagt, die Sonderstellung der heiligen Stadt Assur anzutasten. In der darauf folgenden Revolte 722 v. Chr. fiel Salmanassar einem Mordanschlag zum Opfer; es heißt, der Gott Assur habe ihn für seinen Frevel gestürzt. Über die Herkunft seines Nachfolgers Sargon II. ist so gut wie nichts bekannt. Sein Name, der übersetzt rechter Herrscher bedeutet und somit eine Überbetonung der Legitimität darstellt, lässt die Forschung darauf schließen, dass er wohl nicht der herrschenden Dynastie angehörte. Ein weiteres Indiz dafür könnte sein, dass sich Sargon als von Gott eingesetzt bezeichnet, aber nie seine Vorgänger nennt: Sargon, ( ) der Günstling der großen Götter, ( ) welchem Assur und Marduk ein Königtum ohnegleichen verliehen und dessen Namens Ruf sie an die Spitze berufen haben. Nachdem Sargon die Ruhe im Reich wieder hergestellt hatte, wandte er sich zuerst gegen Babylon, wo ein Fürst namens Marduk-apla-iddina (biblisch: Merodochbaladan) die Wirren genutzt hatte, um sich auf den Thron zu setzen. Sargon berichtet in seiner großen Prunkinschrift von einem Sieg gegen die Allianz aus Babyloniern und dem König von Elam: [ ] brachte ich Humbanigas von Elam in der Vorstadt von Duril eine Niederlage bei. Einen gänzlich anderen Bericht über diese Schlacht liefert die babylonische Chronik: Im zweiten Jahre Merodoch-Baladans lieferte Umbanigas, König von Elam, in dem Bezirke Durilu Sargon, dem König von Assyrien, eine Schlacht. Er überzog Assyrien mit Verwüstung und erschlug ihrer viele. Merodach-Baladan und seine Leute, welche zur Hilfe des Königs von Elam gekommen waren, kamen nicht mehr zur rechten Zeit zur Schlacht und zogen hinterher. Sargon hatte also eine Niederlage erlitten, deren Auswirkungen er aber durch ein geschicktes Stillhalteabkommen mit Marduk-apla-iddina beschränken konnte.

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