Bildfahndung bei der Kripo Alter, Herkunft, Kopfform Foto: nau Virtuelle Bilder helfen bei der Bestimmung des Alters eines gesuchten Straftäters. Zu Besuch im Polizeipräsidium Stuttgart (II): Von der Suche nach Straftätern im Bildarchiv und wie Phantombilder entstehen Stuttgart - "Groß und schlank war der Mann, er hatte kurze dunkle Haare und einen Schnauzbart" - so etwa könnte ein Augenzeuge einen geflüchteten Straftäter beschreiben. Die Beamten der Kriminalpolizei Stuttgart würden dann gemeinsam mit dem Zeugen in ihrem Bildarchiv nach dem Mann suchen. Phantombildzeichner kommen bei schwerwiegenden Delikten zum Einsatz, wenn ein Zeuge einen Flüchtigen nicht in der Datenbank finden kann. Wer als Augenzeuge einer Straftat ins Stuttgarter Polizeipräsidium eingeladen wird, schaut sich seit 1996 digitale Fotos an. Ein Kriminalbeamter fragt nach Geschlecht, Größe, Alter und Herkunft des Täters. Anhand dieser Merkmale wird die Suche im Bildarchiv eingeschränkt. Etwa 25.000 in der Landeshauptstadt straffällig gewordene Bürger sind bei der Kripo mit ihrem Foto in der Datenbank registriert. Für die Speicherung der Daten gelten strenge Richtlinien. Wann ein Foto aus dem Bildarchiv entfernt werden muss, hängt von der Art des Verbrechens oder Vergehens ab. "Das Löschen von Bildern geht seit der Digitalisierung viel schneller", sagt Dezernatsleiter Thomas Diemer. Früher hätte man noch Papierbilder in Schubladen suchen müssen, wo sie nach Delikten sortiert eingeordnet waren. Wenn der Zeuge den Übeltäter nicht in der Datenbank findet, kann er möglicherweise ein hilfreiches Phantombild beschreiben. Seit 1996 arbeiten auch die Phantombildzeichner am Computer - wie Kriminaloberkommissar Rainer Wortmann. Er kann aber auch von Hand zeichnen, wie Portraits seiner Kollegen im Flur des Stuttgarter Dezernats 4.3 beweisen. In den letzten Jahren haben eine spezielle Phantombild-Software und ein Bildbearbeitungsprogramm Stifte und Papier ersetzt. Mann oder Frau? Welches Alter? Welche Herkunft? Welche Kopfform? Diese Angaben sind ausschlaggebend für ein Basisbild, das Polizeibeamte wie Wortmann aus einem Katalog virtueller Bilder auswählen. Danach werden die Bestandteile des Gesichts verändert. Der Zeuge wählt passende Haare, Augen, Nase, Mund und Ohren aus anderen virtuellen Gesichtern aus. Der Phantombildzeichner schneidet die Teile aus und arbeitet sie in der passenden Größe auf dem Basiskopf ein. Ein brauchbares Phantombild zu erstellen ist schwer. Vielleicht war es zur Tatzeit dunkel, vielleicht hatte der Zeuge Angst oder ist die Tat zu lange her - "es spielen viele Faktoren eine Rolle", sagt Kriminalhauptkommissar Rainer Eppler. "Es kommt oft vor, dass ein Zeuge sich überschätzt". Wenn es dann an die Feinheiten gehe, sei er sich nicht mehr sicher. Man müsse die Sache manchmal auch abbrechen.
Die Kripo macht nicht bei jedem kleinen Diebstahl ein Phantombild des Täters. Die Bilder kommen zum Einsatz bei schweren Delikten wie Mord, Raubüberfall oder Vergewaltigung. "Und wenn man keine anderen Ermittlungsansätze mehr hat", sagt Eppler. Laut dem Kommissar kommen im Stuttgarter Polizeipräsidium durchschnittlich drei bis vier Phantombilder pro Monat zusammen. Aber die gehen nur dann an die Öffentlichkeit, wenn ein Staatsanwalt oder ein Richter es genehmigt. Von Tamina Nau Stuttgarter Zeitung Online 03.09.2007 - aktualisiert: 02.11.2007 13:53 Uhr Fotostrecke Klein, schlank und grünhaarig Foto: Kriminalpolizei Stuttgart Stuttgart - Im Bildfahndungssystem der Kripo Stuttgart sind etwa 25.000 Straftäter registriert. Wenn Sie einmal einen Raubüberfall beobachten, werden Sie zuerst gemeinsam mit einem Kripo-Beamten in dieser Datenbank nach dem Flüchtigen suchen. Finden Sie den Gesuchten nicht, erstellt der Beamte möglicherweise anhand ihrer Erinnerungen ein Phantombild des Täters. Kriminaloberkommissar Rainer Wortmann hat vorgeführt, wie er am Computer ein Phantombild zusammenbastelt. Das Los einer angehenden Redakteurin kann schwer sein - der Kommissar nutzte ihr Gesicht als Basisbild. Sehen Sie selbst! Von Tamina Nau Stuttgarter Zeitung Online 20.09.2007 - aktualisiert: 02.11.2007 13:53 Uhr
Bild 1 von 12 So sieht es in den Zeugenzimmern des Dezernats 4.3 Erkennungsdienst/Bildfahndungsystem der Kripo Stuttgart aus. Hier durchforsten Sie die Bilddatenbank, wenn Sie Augenzeuge einer Straftat sind. Bild 2 von 12 Sie können nicht sagen, wie groß der Täter war? Diese höhenverstellbare Pfostenpuppe hilft ihrem Gedächtnis vielleicht auf die Sprünge.
Bild 3 von 12 Diese Tafeln an der Wand helfen bei der Bestimmung von Herkunft und Alter des Gesuchten. Bild 4 von 12 Das sind virtuelle Bilder - so alt sehen Menschen zwischen 25 und 30 Jahren in etwa aus.
Bild 5 von 12 Und hier können Sie sich einen Eindruck davon machen, wie typische Südamerikaner, Nordafrikaner oder Eskimos aussehen. Bild 6 von 12 Zur Phantombilderstellung wählt der Kriminaloberkommissar (KOK) Rainer Wortmann ein Basisbild aus, das von Geschlecht, Alter, Herkunft und Kopfform zur gesuchten Person passt. Normalerweise nimmt er dazu ein virtuelles Bild. Ein solches Bild entsteht dadurch, dass in einem realen Foto mindestens drei Merkmale verändert werden. Die ursprüngliche Person darf man nämlich nicht mehr erkennen.
Bild 7 von 12 In diesem Fall muss mein Antlitz als Basisbild herhalten. Der KOK verpasst mir erstmal eine neue Frisur, die er aus einem virtuellen Kopf ausgeschnitten hat. Außerdem färbt er die neue Haarpracht spontan grün. Bild 8 von 12 Hier hat er aus einem anderen virtuellen Kopf einen neuen Mund ausgesucht. Danach kommen noch eine schöne Nase, eine modische Brille und dezenter Halsschmuck dazu.
Bild 9 von 12 Wortmann und seine Kollegen arbeiten mit einer Phantombildsoftware und dem professionellen Bildbearbeitungsprogramm Photoshop. Dafür werden die Polizeibeamten speziell geschult. Bild 10 von 12 Die Phantombildzeichner können auch direkt auf dem speziellen Bildschirm malen. So fügen sie Narben oder auffällige Leberflecken in das Gesicht ein.
Bild 11 von 12 Im Original sehe ich (mit einem verkniffenen Grinsen!) so aus. Bild 12 von 12 Und das hat der Kommissar innerhalb von zehn Minuten aus mir gemacht. Wirklich sehr charmant!