Reis - Hintergrundinformationen Für uns in Asien bedeutet Reis Leben. Seit Jahrtausenden ist er der Eckpfeiler unseres Nahrungssystems, unserer Sprachen, unserer Kulturen und unseres Lebensunterhalts. 1 Für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist Reis das wichtigste Nahrungsmittel, weshalb sein Name im Sanskrit auch Leben bedeutet. In einzelnen Ländern Asiens stellt Reis etwa 80 % der gesamten Nahrung dar. Deshalb bedeutet in Asien essen meist Reis essen. In Thailand begrüßt man sich mit der Frage: Hast du heute schon Reis gegessen? Gleichzeitig verschärft der globale Reishandel weltweit Ungleichheiten und steht in Zusammenhang mit Abhängigkeit, Ausbeutung und Armut. FAKTEN UND ZAHLEN Reisanbaugebiete Reis wird auf allen Kontinenten angebaut und gegessen. Er wächst vom 50. nördlichen zum 40. südlichen Breitengrad von unter dem Meeresspiegel bis in 2500 Meter Höhe. Reis wird in 113 Ländern produziert. 90% der weltweiten Reisproduktion wird von Kleinbauern/-bäuerinnen (< 2 ha) erzeugt. Für 2 Milliarden Menschen stellen der Anbau und die Weiterverarbeitung von Reis die Erwerbsgrundlage dar. 50 % der 840 Millionen hungernden Menschen leben in Gebieten, die von der Reisproduktion abhängig sind. Asien insbesondere China, Indien und Südostasien ist das Hauptanbaugebiet für Reis. Mehr als 90 % des Ertrages wird dort erbracht. Laut Zahlenangaben der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations, März 2006) wurden 2005 weltweit 628 Millionen Tonnen Reis geerntet: damit ist 2005 ein Rekordjahr. Dieses Wachstum ist vor allem bedingt durch die außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen in Asien, Westafrika und Südamerika. Allein China und Indien liefern 55 % der asiatischen Ernte. Hinter diesen zwei Reisriesen kommt Südamerika, dessen Ernte 2006 auf 24,5 Millionen Tonnen geschätzt wird, dann folgt Afrika mit 21,3 Millionen geschätzten Tonnen für 2006. Die Hauptanbauländer sind auch die Hauptverbraucher und sie exportieren nur einen kleinen Anteil ihrer Ernte. Reis wird vor allem örtlich angebaut und verbraucht. Bedeutende Anbaugebiete liegen auch in den USA: 14 % des Reises auf dem Weltmarkt stammen aus den USA. In den USA wird die Reisproduktion mit 1,3 Mrd. US$ subventioniert, 72 % der Produktionskosten werden über Subventionen abgedeckt. Preisdumping findet im großen Umfang statt. 1 Zit. aus No patents on rice! No patents of life! Statements of peoples movements and NGO s across Asia
Auch in Europa wird Reis angebaut: Der noch vor 50 Jahren bedeutende Reisanbau in der Poebene ist stark zurückgegangen. Seit kurzem wird Reis auch in der Schweiz angebaut. Weitere europäische Reiserzeuger sind Portugal, Spanien und Frankreich. Reishandel Nur etwa 5 % der Weltreisernte wird international gehandelt. In den meisten asiatischen Ländern dient der Hauptteil der Ernte der Selbstversorgung der Reisbauern/-bäuerinnen und ihren Familien. Auf den Weltmarkt gelangen nur 5-6% der Weltproduktion. Die wichtigsten Ausnahmen sind Thailand und Vietnam, die mit gezielter Produktion von Überschüssen Exportdevisen erzielen wollen. Die Reisproduktion der Vereinigten Staaten ist hingegen überwiegend, diejenigen der reisproduzierenden Mitgliedstaaten der EU zu einem großen Teil für den Export bestimmt. Bis vor kurzem gehörten die Hauptproduktionsländer nicht zu den wichtigsten Exportländern. Mit rund einem Viertel der weltweiten Exportgeschäfte behauptet Thailand, das nur vier bis fünf Prozent der Weltproduktion erzeugt, seit 20 Jahren den ersten Rang. Rund 39% der auf dem Weltmarkt gehandelten Menge Reis (entspricht in etwa 10 Millionen Tonnen) wird in Thailand produziert. Danach kommt Vietnam mit einer Ausfuhrmenge von ca. 4,2 Millionen Tonnen; dicht gefolgt von den USA mit etwa 3 Millionen Tonnen. HauptabnehmerInnen sind arabische und asiatische Länder; sie importieren etwa die Hälfte der auf dem Weltmarkt gehandelten Mengen. Doch in jüngster Zeit entwickelt sich Afrika zu einem der wichtigsten Käufer von Reis, wobei es sich meist um den Import von subventioniertem Reis aus den Vereinigten Staaten, Japan oder Thailand handelt. Die EU und die Schweiz importieren mehrheitlich braunen Reis, der in einheimischen Betrieben zu weißem Reis weiterverarbeitet wird. Die EU hat bisher zum Schutz ihrer Reisproduktion und Reisindustrie Zölle auf Importreis erhoben. Als WTO-Mitglied sind die EU-Länder nun verpflichtet, ihre Märkte zu öffnen und die Zollschranken stufenweise bis 2009 aufzuheben. REISSORTEN VIELFALT STATT EINFALT Reis zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Sortenvielfalt aus. Insgesamt gibt es weltweit mehr als 100.000 Reissorten. Allerdings nimmt diese Vielfalt seit der Einführung moderner Landwirtschaftstechnologien und so genannter Hochertragssorten in den 1960er Jahren ständig ab. So weisen beispielsweise in Thailand 40 % der Reisfelder nur noch fünf Sorten auf und in Kambodscha stammen knapp 84% der Ernte aus einer einzigen Sorte.
Gehandelt werden nur noch folgende Sorten: langkörniger indica, rundkörniger japonica sowie verschiedene aromatische Reissorten, allen voran Basmati aus Pakistan und Indien und Hom Mali (Jasminreis) aus Thailand. Der monokulturelle Anbau (vor allem von Hybridsorten) bringt einige Probleme mit sich: Die Reispflanzen sind anfälliger für Schädlinge und Krankheiten, so dass das Feld chemisch mit Pestiziden und Insektiziden behandelt werden muss. Außerdem ist die Gefahr hoch, dass die Ernte bei Befall eines Schädlings oder einer Krankheit geschmälert bzw. gänzlich zerstört wird. Der Anbau in Monokultur verlangt ebenfalls einen hohen Einsatz von Düngemitteln, was sowohl die Umwelt als auch die ProduzentInnen, die selten über eine angemessene Schutzkleidung verfügen, schädigt. Die Monokultur gefährdet durch den Rückgang der Vielfalt auf den Feldern zusätzlich die Ernährungssicherheit der Menschen. Gemüsesorten, die früher als Nebenprodukte angebaut worden sind, gehen verloren und müssen extra gekauft werden. REISPRODUKTIONSKETTE Der Reisanbau basiert überwiegend auf Handarbeit von Kleinbauern/-bäuerinnen in den so genannten Entwicklungsländern. Als ursprüngliche Sumpfpflanze benötigt Reis viel Wasser. Die Erzeugung von 1 kg Reis erfordert bei künstlicher Bewässerung bis zu 5.000 Liter Wasser! Heute wird mehr als die Hälfte der Weltanbaufläche (davon über 60 % in Asien) künstlich bewässert. In manchen Ländern Asiens besteht 80 % der gesamten Nahrung aus Reis. Reis bedeutet in mehreren asiatischen Sprachen gleichzeitig auch Essen oder Mahlzeit. Reis wird zumeist von Kleinbauern/-bäuerinnen und ihren Familien angebaut. Der größte Teil der asiatischen Produktion dient der Eigenversorgung. Nur etwa vier Prozent dieses Reises gelangen in den internationalen Handel. In Gebirgsregionen wird Reis auf Terrassen angebaut. Im Norden der Philippinen mussten die Menschen in mühseliger Handarbeit diese bauen, um fruchtbaren Ackerboden zu gewinnen. Im Süden der Philippinen wird Reis auf riesigen flachen Feldern angebaut. Die Saatbeete müssen gut überflutet sein, damit der vorgequollene Reis ausgesät werden kann. Dazu wird über Kanalsysteme Wasser auf die Terrassen geleitet. Für die Produktion von 1 kg Reis sind durchschnittlich 2.000 Liter Wasser nötig.
Während die Setzlinge wachsen, werden die Reisfelder meist von Männern vorbereitet. Für die Arbeit in überschwemmten Reisfeldern eignen sich Wasserbüffel, die keine Angst vor Wasser haben und auch nicht im schlammigen Boden einsinken. Zwei bis drei Setzlinge werden von Frauen auf kleinen Erdhügeln gepflanzt. Das Pflanzen ist eine schweißtreibende und anstrengende Arbeit. Die Sonne brennt vom Himmel und auf den überfluteten Feldern herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Reifen die Körner, wird das Wasser auf den Feldern abgelassen. Die Rispen sehen unseren Getreidearten ähnlich. Bei optimalen Verhältnissen liefert ein Saatkorn rund 3.000 Reiskörner. Je nach Region kann auf den Philippinen ein- bis zweimal pro Jahr Reis geerntet werden. Bei der Erntezeit arbeitet meist die ganze Familie auf dem Feld. Mit scharfen Messern werden die Rispen geschnitten und gebündelt. Die Bündel werden zum Trocknen aufgehängt oder auf die Straße gelegt. Auf den Philippinen werden die Reiskörner mit einem Mörser aus den Rispen geschlagen, also vom Stroh getrennt. Die Körner werden noch einmal zum Trocknen ausgelegt. Die Reiskörner werden immer wieder gewendet in kleinbäuerlicher Produktion mit den Füßen und auf großen Plantagen mit dem Rechen. Der gut getrocknete Reis wird in großen Säcken abgefüllt. Diese werden teilweise in eine Mühle gebracht und zu Mehl gemahlen. Ein Teil des Reises wird nach Europa exportiert.
REIS-HANDELSKETTE Während einige Basmati-Reisbauern/-bäuerinnen durchaus erfolgreich am Export-Geschäft teilnehmen, leben viele Kleinbauern/-bäuerinnen am Existenzminimum. 66 Prozent der ReisproduzentInnen weltweit haben in den Jahren 2000 bis 2002 Verluste gemacht. Viele Reis anbauende Kleinbauern/-bäurinnen leben in Armut. Üblicherweise verkaufen sie an lokale ZwischenhändlerInnen, die ihnen die Preise diktieren und sie zeitweilig sogar unterhalb der Produktionskosten bezahlen. Das heißt, dass die Bauern und Bäuerinnen durch den Reisanbau ihre Existenz nicht sichern können. Viele verschulden sich hoch und geraten dadurch in eine Schuldenspirale, da sie auch in der nächsten Saison durch den Preisdruck des Zwischenhandels die Kredite nicht zurückzahlen können. Auf der anderen Seite des Exporthandels haben viele ausländischen EinkäuferInnen keine direkten Beziehungen zu den Bauern und Bäuerinnen, sondern kaufen anonym über den Zwischenhandel oder auf Auktionen ein. Massive staatliche Förderungen für Reisbauern/-bäuerinnen in den USA oder Südeuropa haben dafür gesorgt, dass in den letzten Jahren Reis aus diesen Ländern zu Niedrigstpreisen den Weltmarkt erobert und die Preise gedrückt hat. Für viele Reisbauern/ bäuerinnen in Asien und Nordafrika bedeutet das den Ruin. Beispiel Basmati-Reis: 1 kg Everest Indischer Basmati-Reis kostet bei Billa 3,99 Für 1 kg Reis bekommt ein indische/r Reisbauer/-bäuerin laut FAO (2006) im Durchschnitt 6,6 Rupien (ca. 12 Cent). FAIRER HANDEL EINE ALTERNATIVE? Einige der betroffenen ProduzentInnen fanden eine Alternative. Sie sind heute HandelspartnerInnen von Fair-Trade-Initiativen. Für den fairen Reishandel gelten Mindestpreise, die von der Fairtrade Labelling Organization (FLO) und ihren nationalen Mitgliedsorganisationen in Abstimmung mit den ProduzentInnen festgesetzt werden. Diese Mindestpreise sind unabhängig von den Preisschwankungen auf den Märkten zu bezahlen und ermöglichen ein würdiges Leben. Für indischen Basmati-Reis gilt ein Mindestpreis von 243 Euro pro Tonne Reis plus 20 Euro Aufschlag für Bio-Anbau. Der Mindestpreis deckt alle Produktionskosten ab, die unter menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen entstehen. Liegt der aktuelle Marktpreis höher als der Mindestpreis, muss der Marktpreis bezahlt werden. Zusätzlich erhalten die Genossenschaften der Kleinbauern/- bäuerinnen in jedem Fall eine Fair-Trade-Prämie von 30 Euro pro Tonne Reis für Investitionen in die lokale Infrastruktur, in Bildung, Gesundheit und ökologische Verbesserungen. Die HändlerInnen sind zudem verpflichtet, langfristige Verträge mit den Bauern und Bäuerinnen abzuschließen, so dass die Gemeinschaften für die Zukunft planen können und eine nachhaltige Entwicklung möglich wird. Quellen: FLO/IFAT/NEWS!/EFAT (2007): Handels anders als andere. Erfolge und Herausforderungen für den Fairen Handel. Brüssel: Fair Trade Advocacy Office.