... und wie die Bilder laufen lernen "Kultur und Schule 2008/09" an der Schlossbachschule Bonn-Röttgen ZEICHNUNG, MALEREI, SKULPTUR & TRICKFILM-ANIMATION interdisziplinäres Projekt mit den 2 Künstlern Saskia Niehaus und Ulrich Behr aus den Sparten: Bildende Kunst & Neue künstlerische Medien
PROJEKTRAHMEN: Das Kunstprojekt wurde von den beiden Künstler Saskia Niehaus und Ulrich Behr entwickelt und gemeinsam von ihnen an der Schlossbachschule, Grundschule in Bonn-Röttgen, im Rahmen des NRW Landesprojektes KULTUR UND SCHULE (Schuljahr 2008/2009) durchgeführt. 23 Schüler der Schule, im Alter von 6 bis 10 Jahren, aus den Klassen 1 bis 4 nahmen an dem Projekt im Rahmen von KULTUR UND SCHULE teil.
PROJEKTZIELSETZUNG: In einer Umwelt, in welcher der Mensch in stetig zunehmendem Maße einer Flut von bewegten Bildern ausgesetzt ist, wird es immer wichtiger die Funktionsweise schneller Bilderfolgen zu begreifen. Nicht zuletzt, um diese Bilderflut auch seelisch zu verarbeiten. Hier bietet die "Urform" des Films, wie sie schon aus einer Bilderfolge aus wenigen Einzelbildern entsteht, ein hervorragendes Medium. Die Trickfilm-Technik kann so dazu beitragen, sich in einer stetig komplexer werdenden Bilder- und Medien-Welt Orientierung zu verschaffen. Freude, Kreativität, Entdeckungs- und Erfindungsgeist erwachen und die Arbeit veranschaulicht auf lebendige Weise ein nicht mehr wegzudenkendes Kulturgut unserer Gesellschaft: Den FILM. Es ensteht ein Bewusstsein für die eigene kulturelle Identität und eine eigen-ständige "Kinderkultur" jenseits der Massenmedien und des "Main-Stream".
PROJEKTABLAUF: Fühlen, Spüren, Bewegung wurden in den Arbeitsprozess miteinbezogen. Die Kinder konnten spielerisch lernen, ohne die Pflicht und vorgegebene Stuktur eines Lehrplanes. Sie entwickeln individuelle Techniken durch begleitetes Ausprobieren und gegenseitiges Inspirieren. Die Aufnahme des künstlerischen Prozess erfolgte fliessend, mit Übungen zur Körperwahrnehmung, über spielerische Weiterentwicklung in den Raum hinein bis hin zu Zeichnung, Malerei, Objekt und Skulptur. Der Arbeitseinstieg in die Trickfilm-Herstellung gelang, indem mit Einzelbildern der Entstehungsprozess einer Zeichnung, eines Bildes oder auch einer plastischen Arbeit, wie z.b. einer modellierten Figur fotografisch dokumentiert wurde. Nun wurden wie im "Zeitraffer" die entstandenen Einzelbilder in eine Animation, in eine kurzfilmhafte "Genesis" überführt. Dies geschah mit Hilfe einer digitalen Fotokamera. Es wurden von den Schülern selbstständig Serien einzelner Bilder aufgenommen. Diese wurden anschließend in einem Video- Schnittprogramm zusammenmontiert. Jedes Kind erstellte im Laufe des Schuljahres sowohl eigene Trick-Filme, als auch mit anderen Kindern gemeinsam im Team Trick-Animationen, und erforschte auf diese Weise spielerisch die Grundlagen eines aus stehenden Bildern animierten Films. Die Kinder waren vor und hinter der Kamera aktiv und haben teils auch kurze Drehbücher gemeinsam entwickelt.
ERGEBNIS: Es entstanden Zeichnungen, Gemälde, Figuren und Objekte, welche einerseits zur Herstellung von Trickfilmen genutzt werden konnten, andererseits aber vielfach auch als eigenständiges Werk Besand haben. Im Laufe des Projektes wurden so insgesamt 50 kurze Trickfilm-Animationen erstellt, jeweils mit einer Spielzeit von 11 Sekunden bis zu einer Länge von 77 Sekunden. Zusammengenommen entstanden animierte Trickfilme mit einer Gesamtspieldauer von 19 Minuten. Hierfür wurden mehrere Tausend digitale Einzelbilder von den Kindern abgelichtet, die wie beschrieben zu bewegten Bildern aneinander gefügt wurden. Jedes teilnehmende Kind erhielt am Ende des Projektes eine Video-DVD mit den Trickfilmen und konnte auch seine Zeichnungen, Gemälde, Figuren und Objekte mit nach Hause nehmen. In einer Abschlusspräsentation wurde ein Rahmen gefunden, welcher sowohl der Präsentation der entstandenen Bilder und Objekte, sowie der Filmvorführung gerecht wurden.
FAZIT: Mit Freude und Spass am gestalterischen Tun konnte bei allen teilnehmenden Kindern der Mut verstärkt werden, sich in einer spielerischen Herangehensweise der künstlerischen Arbeit zuzuwenden. Die Kinder wurden durch die Arbeit ermutigt, einen eigenen Blick zu entwickeln und diesem zu vertrauen. So konnten sie mit gestärktem Selbstbewusstsein aus sich selbst heraus schöpferisch werden. In der gemeinsamen Arbeit zeigte sich auch, wie der Geist von Teamarbeit die Kinder ergriff und sie zu einer erweiterten sozialen und künstlerischen Ausdrucksfähigkeit anspornte. Lebensinhalte, Motive und Werte der Kindern wurden sichtbar, sowohl für die Kinder selbst, als auch für Freunde und Verwandte durch die von den Kindern selbst gestaltete Präsentation. Die künstlerische Arbeit mit Trickfilm-Animation stellte sich als eine äußerst geeignete und zeitgemäße Form heraus, um die individuelle Persönlichkeit der Kinder herauszulocken, zu unterstützen und zu fördern. Auf einer Ebene des unmittelbar Alltäglichen bildeten die Kinder in der künstlerischen Auseinandersetzung mit den eigenen Themen und Fragen selbstständig eine kulturelle Kompetenz aus.