Was Strom wirklich kostet



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Transkript:

Studie Was Strom wirklich kostet Vergleich der staatlichen Förderungen und gesamtgesellschaftlichen Kosten von konventionellen und erneuerbaren Energien Überarbeitete und aktualisierte Auflage, August 2012 www.wind-energie.de

Studie im Auftrag von Greenpeace Energy eg und dem Bundesverband WindEnergie e.v. (BWE) Kurzfassung Erstellt von Swantje Küchler und Bettina Meyer unter Mitarbeit von Sarah Blanck (Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.v. (FÖS))

Vorwort Was Strom wirklich kostet, ist eine entscheidende Frage in der Debatte um die Zukunft der Energieversorgung. Die Antwort steht nur zum Teil auf der Stromrechnung. Zwar findet sich hier die Förderung der erneuerbaren Energien in Form der EEG-Umlage wieder. Wesentliche Kosten für die konventionellen Energien werden jedoch nicht auf der Stromrechnung abgebildet. Kosten, die bislang meist unbeachtet blieben für die die Gesellschaft aber gleichwohl aufkommen muss. Würde man die Kosten auch auf den Strompreis umlegen, würde diese Konventionelle- Energien-Umlage die EEG-Umlage bei weitem übersteigen. Dies belegt unsere Studie eindrucksvoll und auf wissenschaftlich abgesicherter Faktenbasis. Damit fällt das letzte Argument, das die Befürworter konventioneller Energien so gerne ins Feld führen. Unterm Strich sind Atom und Kohle eben nicht nur gefährlich und schmutzig sondern darüber hinaus auch teurer als Wasser und Wind. Preisvorteil Erneuerbare: Dies ist von nun an die Basis für die Debatte um die Energie der Zukunft. Marcel Keiffenheim Leiter Energiepolitik Greenpeace Energy eg Hermann Albers Präsident Bundesverband WindEnergie e.v. Inhaltsverzeichnis 1. Zusammenfassung der Ergebnisse 4 2. Was Strom wirklich kostet 6 2.1 Gesamte staatliche Förderungen im Zeitraum 1970 2012 6 2.2 Förderungen im Strombereich 7 2.3 Vergleich der spezifischen Förderungen in Ct/kWh der fünf Energieträger 8 2.4 Gesamtgesellschaftliche Kosten der Stromerzeugung im Jahr 2012 10 2.4.1 Verkaufspreis des Stroms 10 2.4.2 Staatliche Förderungen mit Budgetwirkung 10 2.4.3 Externe Kosten 11 2.5 Konventionelle-Energien-Umlage 12 3. Anhang 14 Impressum 18 Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v. 3

1. Zusammenfassung der Ergebnisse Die Kosten für Strom setzen sich aus ganz unterschiedlichen Komponenten zusammen. So enthält der Strompreis für Endverbraucher nicht nur die eigentlichen Kosten der Energieerzeugung, die bei einem durchschnittlichen Haushalt rund ein Drittel des Preises ausmachen. Darüber hinaus werden verschiedene Preisaufschläge fällig, wie z.b. Netzentgelte, Stromsteuer, Mehrwertsteuer und Konzessionsabgabe. Ebenso enthalten ist die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG-Umlage), mit der die Kosten der Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf die Verbraucher umgelegt werden. Die Stromverbraucher sind dadurch direkt und transparent an den Kosten der Energiewende beteiligt. Im Jahr 2012 beträgt die Umlage für Privathaushalte und andere Verbraucher ohne Vergünstigungen ( nicht privilegierte Verbraucher ) 3,59 Cent je Kilowattstunde. Dadurch entsteht der Eindruck, dass erneuerbare Energien die einzigen Stromerzeugungstechnologien sind, die ohne Förderungen im freien Wettbewerb mit den kostengünstigeren konventionellen Energieträgern nicht überlebensfähig wären. Doch auch die konventionellen Energieträger Atomenergie, Steinkohle und Braunkohle profitieren seit Jahrzehnten in erheblichem Umfang von staatlichen Förderungen in Form von Finanzhilfen, Steuervergünstigungen und weiteren begünstigenden Rahmenbedingungen. Der Unterschied zu den Erneuerbaren besteht vor allem darin, dass ein Großteil der Kosten nicht transparent über den Strompreis ausgewiesen und bezahlt wird, sondern zulasten des Staatshaushalts geht. Mit dieser Studie erfolgt auf Basis von Literatur- und Datenauswertungen, Interviews und eigenen methodischen Überlegungen ein systematischer Vergleich der staatlichen direkten und indirekten Förderungen von erneuerbaren und konventionellen Energien für den Zeitraum 1970 bis 2012. Über die Umrechnung der absoluten Förderbeträge eines Jahres auf den jeweiligen Versorgungsbeitrag zur Stromerzeugung werden spezifische Förderwerte (in Ct/kWh) angegeben und für die Energieträger verglichen. Hinzu kommt, dass die fossilen und atomaren Energieträger hohe Folgekosten durch Umwelt- und Klimaschäden sowie die mit Atomenergie verbundenen Risiken verursachen, die ihnen ebenfalls nur zu geringen Anteilen in Rechnung gestellt werden (so genannte externe Kosten). Diese beiden Kostenblöcke staatlicher Förderungen und externer Kosten werden oftmals nicht direkt mit dem Preis konventioneller Energieträger in Verbindung gebracht, müssen aber in letzter Konsequenz doch bezahlt werden: in Form von Steuerzahlungen oder als gesellschaftliche Folgekosten des Klimawandels und der Belastungen von Menschen und Umwelt. Im Ergebnis trägt die Gesellschaft im Jahr 2012 bei einer Kilowattstunde Windstrom umgerechnet Kosten von 8,1 Cent und bei Wasserstrom 7,6 Cent. Die Gesamtkosten für Strom aus Braun- und Steinkohlekraftwerken summieren sich hingegen auf 15,6 bzw. 14,8 Cent und für Atomenergie sogar auf mindestens 16,4 Cent je Kilowattstunde. Die Kosten für Erdgasstrom liegen bei 9,0 Cent. 4 Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v.

Die Zusatzkosten der konventionellen Energieträger sind sogar deutlich teurer als die Förderung der erneuerbaren Energien durch das EEG. Sie betragen im Jahr 2012 mehr als 40 Mrd. Euro, während beim EEG erwartete 13 Mrd. Euro Differenzkosten auf die Verbraucher umgelegt werden. Würde man die Belastungen des Staatshaushalts und die externen Kosten durch die konventionellen Energieträger nach EEG Methode auf den Verbrauch der nicht privilegierten Stromabnehmer umlegen, läge diese Konventionelle Energien Umlage im Jahr 2012 bei umgerechnet 10,2 Cent pro Kilowattstunde Die Zusatzkosten der konventionellen Energieträger sind sogar deutlich teurer (vgl. Abbildung 1). als die Förderung der erneuerbaren Energien durch das EEG. Sie betragen im Dies Jahr zeigt, 2012 dass mehr die als EEG-Umlage 40 Mrd. Euro, aus der während Förderung beim erneuerbarer EEG erwartete Energien 13 (3,59 Mrd. Ct/kWh Euro in 2012) selbst Differenzkosten unter der Annahme auf die eines Verbraucher erheblichen umgelegt Anstiegs werden. für die Gestaltung Würde man einer die klima- Belastungen des Staatshaushalts zukunftsfähigen Energieversorgung und die externen eine Kosten deutlich durch geringere die konventionellen Kostenbelastung ist. und umweltfreundlicheren, Anders als häufig angenommen sind die erneuerbaren Energien nicht die Preistreiber der Energieträger nach EEG-Methode auf den Verbrauch der nicht privilegierten Stromversorgung, sondern sie ersetzen Energieträger mit viel höheren Folgekosten für Steuerzahler und Gesellschaft. Müssten die Energieversorger diese Zusatzkosten der Stromerzeugung Stromabnehmer umlegen, läge diese Konventionelle- Energien-Umlage im Jahr in 2012 ihrer Kostenkalkulation bei umgerechnet berücksichtigen, 10,2 Cent pro Kilowattstunde wären erneuerbare (vgl. Energien Abbildung größtenteils 1). heute schon wettbewerbsfähig. Dies zeigt, dass die EEG-Umlage aus der Förderung erneuerbarer Energien (3,59 Ct/kWh in 2012) selbst unter der Annahme eines erheblichen Anstiegs für die Gestaltung einer klima- und umweltfreundlicheren, zukunftsfähigen Energieversorgung eine deutlich geringere Kostenbelastung ist. Anders als häufig angenommen sind die erneuerbaren Energien nicht die Preistreiber der Stromversorgung, sondern sie ersetzen Energieträger mit viel höheren Folgekosten für Steuerzahler und Gesellschaft. Müssten die Energieversorger diese Zusatzkosten der Stromerzeugung in ihrer Kostenkalkulation berücksichtigen, wären erneuerbare Energien größtenteils heute schon wettbewerbsfähig. 1. Strompreis, EEG Umlage und Zusatzkosten konventioneller Energieträger 2012 Abbildung 1: Strompreis, EEG-Umlage und Zusatzkosten konventioneller Energieträger 2012 40 35 30 25 20 Ct/KWh 10,2 3,59* 3,59* 22,8 22,8 Konventionelle- Energien-Umlage EEG-Umlage Kosten für Erzeugung, Transport, Vertrieb und Steuern 15 10 5 0 haushaltsstrompreis 26,4 cent/kwh haushaltsstrompreis plus Zusatzkosten konventioneller Energieträger * EEG-Umlage ohne Liquiditätsreserve und Nachholungen 2011: 3,31 Ct/kWh Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v. 5

2. Was Strom wirklich kostet 5 Leitfrage der Studie ist ein systematischer Vergleich der staatlichen Förderungen von Atomenergie, Stein- und Braunkohle sowie erneuerbaren Energien. Wie II. Was Strom wirklich kostet hoch sind die spezifischen Förderungen bezogen auf die erzeugte Strommenge? In welchem Verhältnis steht die Förderung der konventionellen Energieträger zu Leitfrage der Studie ist ein systematischer Vergleich der staatlichen Förderung den erneuerbaren Energien? Sind Atom- und Kohlestrom aus Verbraucher- und gie, Stein- und Braunkohle sowie erneuerbaren Energien. Wie hoch sind die s Steuerzahlersicht wirklich billiger als Strom aus erneuerbaren Energien? Diese Fragen stellen rungen den zentralen bezogen Ausgangspunkt auf die erzeugte der Analyse Strommenge? dar. Die vorliegende In welchem Verhältnis steht d Textfassung fasst konventionellen die Ergebnisse Energieträger mehrerer Teilstudien zu den zu erneuerbaren den staatlichen Energien? Förderungen von Atomenergie, Verbraucher- Steinkohle und Steuerzahlersicht und Braunkohle, wirklich Erdgas sowie billiger erneuerbaren als Strom aus erneuerbare Sind Atom- und et Energien und Fragen zu den externen stellen den Kosten zentralen der Atomenergie Ausgangspunkt zusammen, der die Analyse im Rahmen dar. Die vorliegende des Projekts die Was Ergebnisse Strom wirklich mehrerer kostet Teilstudien erarbeitet wurden. zu den 1 Die staatlichen Datenquellen, Förderungen von Atom er Vergleich der staatlichen Förderungen von Atomenererbaren Energien. Wie hoch sind die spezifischen dokumentiert. Förde- energie Es handelt zusammen, sich um eine die vollständig im Rahmen überarbeitete des Projekts und Was erweiterte Strom wirklich kostet methodischen und Annahmen Braunkohle, und Schätzungen Erdgas sowie sind erneuerbaren dort ausführlich Energien erläutert und zu den externen K menge? In welchem Verhältnis steht die Förderung Fassung der der Die gleichnamigen Datenquellen, Studie, methodischen die im April 2011 Annahmen veröffentlicht und wurde. Schätzungen Die sind dort ausfü Ergebnisse sind aufgrund aktualisierter Datenquellen und methodischer Weiterentwicklungen nicht direkt miteinander vergleichbar. neuerbaren Energien? Sind Atom- und Kohlestrom aus dokumentiert. Es handelt sich um eine vollständig überarbeitete und erweitert lich billiger als Strom aus erneuerbaren Energien? Diese gleichnamigen Studie, die im April 2011 veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse s unkt der Analyse dar. Die vorliegende Textfassung fasst lisierter Datenquellen und methodischer Weiterentwicklungen nicht direkt mitein en staatlichen Förderungen von Atomenergie, Steinkohle aren Energien 2.1 und Gesamte zu den externen staatliche Kosten der Für Atomden systematischen Vergleich von staatlichen Förderungen unterschiedlicher wurden. Energieträger wird ein weit gefasster Subventionsbegriff zugrunde gelegt, Projekts Was Strom wirklich kostet erarbeitet Förderungen im 1 Gesamte staatliche Förderungen im Zeitraum 1970 men und Schätzungen sind dort ausführlich erläutert der neben und direkten Finanzhilfen und Steuervergünstigungen auch weitere vom ollständig überarbeitete Zeitraum 1970 und erweiterte 2012Fassung Staatshaushalt der Für unabhängige den systematischen Regelungen Vergleich wie den Förderwert von staatlichen des Emissionshandels, der aktua- Atomrückstellungen wird ein weit gefasster und des Erneuerbare-Energien- Subventionsbegriff zugrunde Gesetzes erfasst. gelegt, der neben direkte Förderungen unterschiedlic veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse sind aufgrund Weiterentwicklungen nicht direkt miteinander vergleichbar. Anhand dieser und umfassenden Steuervergünstigungen Perspektive kann auch ein annähernd weitere vom vollständiges Staatshaushalt Bild unabhängige R der staatlich den veranlassten Förderwert Begünstigungen des Emissionshandels, und der damit verbundenen der Atomrückstellungen gesamtgesellschaftlichen Gesetzes Kosten der erfasst. Energieträger Anhand erreicht dieser werden. umfassenden Die erfassten Perspektive staatli- kann ein annähern und des Erne chen Förderungen Bild der für staatlich die einzelnen veranlassten Energieträger Begünstigungen sind den Übersichtstabellen und der damit im ungen im Zeitraum 1970 2012 verbundenen g Anhang zu entnehmen. taatlichen Förderungen unterschiedlicher Energieträger Im Ergebnis hat Steinkohle mit insgesamt 311 Mrd. Euro (real) von der größten riff zugrunde gelegt, der neben direkten Finanzhilfen Gesamtsumme 2. Staatliche an staatlichen Förderungen profitiert, 1970 2012 gefolgt in von Mrd. Atomenergie Euro (real) mit re vom Staatshaushalt unabhängige Regelungen wie der Atomrückstellungen und des Erneuerbare-Energien- 350 Mrd. Euro Vort senden Perspektive Abbildung kann 2: ein annähernd vollständiges Emm gungen und Staatliche der damit Förderungen verbundenen 1970 gesamtgesellschaft- 2012 300 311 Förd in Mrd. Euro (real) Förd 250 Rüc in Mrd. Euro (real) 200 213 Steu Vorteile Emmissionshandel 150 Fina Förderwert EEG Förderwert Rückstellungen 100 50 87 67 213 Steuervergünstigungen 0 Finanzhilfen steinkohle Braunkohle Atomenergie Erneuerbare 1 Was Strom wirklich kostet (Langfassung) Staatliche Förderungen der Atomenergie im Zeitraum 1950-2012 Staatliche F 1 Was Strom wirklich kostet (Langfassung) Staatliche Förderungen der Atomenergie im Zeitraum 1950-2012 Staatliche Förderungen Braunkohle im Zeitraum 1950-2012 Staatliche Förderungen der erneuerbaren Energien im Zeitraum 1950-2012 Staatli der Stein- und Braunkohle im Zeitraum 1950-2012 Staatliche im Zeitraum Förderungen 2005-2012 der erneuerbaren Externe Kosten der Energien Atomenergie im Zeitraum 1950-2012 Staatliche 67 Förderungen von Erdgas im Zeitraum 2005-2012 Externe Kosten der Atomenergie nergie 6 Erneuerbare Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v.

rund 213 Mrd. Euro und Braunkohle mit 87 Mrd. Euro. Erneuerbare Energien profitieren erst seit Mitte/Ende der 1990er Jahre von nennenswerten Förderungen, so dass die gesamte Fördersumme der erneuerbaren Energien mit rund 67 Mrd. Euro die hohen Werte von Atomenergie und Steinkohle bei Weitem unterschreitet. 2.2 Förderungen im Strombereich Abbildung 3: Kumulierte staatliche Förderungen 1970 2012 in Mrd. Euro (real), Anteil Stromerzeugung WAs strom WirKlich KostEt Während die EEG-Förderung erneuerbarer Energien transparent und explizit im Studie im AuftrAg von greenpeace energy eg und BWe e.v. Strompreis ausgewiesen wird, erfolgen die staatlichen Förderungen von Atom und 6 20 Kohle teils aus dem öffentlichen Haushalt, teils über Regelungen, die letztlich ebenfalls den Strompreis erhöhen (wie z.b. beim Emissionshandel). In beiden Fällen sind die Förderungen für die Verbraucher auf ihren Stromrechnungen nicht sichtbar. Dadurch entsteht der Eindruck, dass erneuerbare Energien aufgrund der EEG-Vergütungen die Preistreiber der Stromversorgung sind und konventionelle lichen Kosten der Energieträger erreicht werden. Die erfassten staatlichen Förderungen für die Energieträger demgegenüber eine bezahlbare Energieversorgung sicherstellen. einzelnen Energieträger sind den Übersichtstabellen im Anhang zu entnehmen. Diese Perspektive greift nach den Ergebnissen der FÖS-Untersuchungen zu kurz, weil Im Ergebnis die Energieträger hat Steinkohle Atom mit und insgesamt Kohle 311 von Mrd. umfangreichen Euro (real) von staatlichen der größten Förderungen staatlichen außerhalb Förderungen Strompreis-Bilanzierung profitiert, gefolgt von Atomenergie profitieren. mit rund 213 Mrd. Euro und Braun- Gesamtsumme an kohle mit 87 Mrd. Euro. Erneuerbare Energien profitieren erst seit Mitte/Ende der 1990er Jahre von nennenswerten Förderungen, so dass die gesamte Fördersumme der erneuerbaren Energien mit rund 67 Mrd. Euro die hohen Werte von Atomenergie und Steinkohle bei Weitem unterschreitet. Die Während ermittelten die EEG-Förderung staatlichen Fördersummen erneuerbarer Energien für die transparent verschiedenen und explizit Energieträger im Strompreis ausgewiesen Fragen wird, erfolgen zu den tatsächlichen die staatlichen Kosten Förderungen von Atom-, von Atom Braunkohle-, und Kohle teils Steinkoh- aus dem öffent- werfen lichen Haushalt, teils über Regelungen, die letztlich ebenfalls den Strompreis erhöhen (wie z.b. le- und erneuerbarem Strom auf: Wie hoch sind die spezifischen Förderungen beim Emissionshandel). In beiden Fällen sind die Förderungen für die Verbraucher auf ihren bezogen auf die erzeugte Strommenge, die letztlich die Gesellschaft trägt? Zur Stromrechnungen nicht sichtbar. Dadurch entsteht der Eindruck, dass erneuerbare Energien Beantwortung aufgrund der EEG-Vergütungen dieser Frage wurde die Preistreiber ermittelt, welcher der Stromversorgung Teil der Förderungen sind und konventionelle der Stromerzeugung Energieträger demgegenüber zurechenbar eine ist, bezahlbare denn einige Energieversorgung Energieträger werden sicherstellen. nicht Diese nur zur Perspektive greift nach den sondern Ergebnissen auch der als FÖS-Untersuchungen Heiz- oder Kraftstoff zu verwendet. kurz, weil die Beispielsweise Energieträger Atom Stromerzeugung, ist und von Kohle den von Absatzbeihilfen umfangreichen für staatlichen den Steinkohlebergbau Förderungen außerhalb in Höhe der von Strompreis-Bilanzierung 159 Mrd. Euro profitieren. (real) ein Anteil von 90 Mrd. der Stromerzeugung zuzurechnen. Zudem werden diejenigen Finanzhilfen nicht einbezogen, die eine Folge der deutschen Wiedervereinigung Förderungen sind (z.b. im Ausgaben Strombereich für Stilllegung und Rückbau der ostdeutschen Kernkraftwerke). Die Angaben zum Anteil des finanziellen Volumens einzelner Fördertatbestände Die ermittelten staatlichen für die Fördersummen Stromerzeugung für die sind verschiedenen Übersichtstabellen Energieträger im werfen Anhang Fragen zu den entnehmen, tatsächlichen eine Kosten genauere von Dokumentation Atom-, Braunkohle-, erfolgt Steinkohle- den Einzelstudien. und erneuerbarem Soweit Strom auf: Wie hoch sind die spezifischen Förderungen bezogen auf die erzeugte Strommenge, die letztlich Angaben und Daten für eine Zurechnung der Fördersummen zu den Verwendungszwecken nicht möglich ist, erfolgt sie als Näherungswert über den Anteil die Gesellschaft trägt? Zur Beantwortung dieser Frage wurde ermittelt, welcher Teil der Förderungen der Stromerzeugung zurechenbar ist, denn einige Energieträger werden nicht nur zur Stromerzeugung, Stromerzeugung sondern auch am als gesamten Heiz- oder Primärenergieverbrauch. Kraftstoff verwendet. Beispielsweise Ab dem Jahr ist 2007 von den Absatz- der sind auch Daten für die vollständige Quantifizierung für den Energieträger Erdgas verfügbar, so dass er hier mit einbezogen werden kann. 3. Kumulierte staatliche Förderungen 1970 2012 in Mrd. Euro (real), Anteil Stromerzeugung 200 150 100 50 Mrd. Euro kumuliert Steinkohle Braunkohle Atomenergie Erdgas Erneuerbare 187 177 65 54 0 (1)* - 50 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2012 * Daten für Erdgas erst ab 2007 vollständig verfügbar. Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v. 7

Abbildung 3 veranschaulicht das Anwachsen der staatlichen Förderungen im Laufe der Zeit. Auch für die staatlichen Förderungen 1970-2012 im Strombereich gilt, dass die gesamte (kumulierte) Förderung von erneuerbaren Energien mit rund 54 Mrd. Euro trotz eines Anstiegs seit 2008 insgesamt immer noch deutlich unter den Beträgen bei Braunkohle (65 Mrd. Euro), Steinkohle (177 Mrd. Euro) und Atomenergie (187 Mrd. Euro) liegt. Auch wenn Erdgas im Vergleich zu den anderen konventionellen Energien als nahezu subventionsfreier Energieträger bewertet werden könnte, lässt die kurze Zeitspanne der verfügbaren Daten keine abschließende Bewertung zu. 2.3 Vergleich der spezifischen Förderungen in Ct/kWh der fünf Energieträger Weiterhin kann die Vergleichbarkeit der Energieträger nur gewährleistet werden, wenn eine spezifische Bezugsgröße herangezogen wird. Um den Förderwert von Atom-, Erdgas-, Stein- und Braunkohlestrom untereinander und mit Strom aus erneuerbaren Energien vergleichen zu können, wird die Fördersumme ins Verhältnis zur jeweils erzeugten Strommenge gesetzt und ein Förderwert in Cent je Kilowattstunde ermittelt. Diese Werte sind nicht als durch die Stromerzeugung verursachte Kosten zu verstehen, da sich viele staatliche Ausgaben auch auf die zukünftige Stromerzeugung (z.b. Forschungsausgaben) oder die Folgekosten der vergangenen Stromerzeugung (z.b. Endlagersuche) beziehen. Dennoch bieten die Bezugsgrößen von Fördersumme und Stromerzeugung die Möglichkeit eines genaueren Vergleichs. Im gesamten Zeitraum 1970-2012 wurde erneuerbar erzeugter Strom mit durchschnittlich 3,4 Ct/kWh gefördert. Braunkohlestrom profitierte im selben Zeitraum von staatlichen Förderungen von umgerechnet 1,3 Ct/kWh und Steinkohle von 3,3 Ct/kWh. Atomenergie weist mit 4,0 Ct/kWh den höchsten Förderwert auf. Erdgas hat im Zeitraum 2007-2012 von staatlichen Förderungen in Höhe von 0,3 Ct/kWh profitiert. Erneuerbare Energien erreichten erst im Jahr 2007 einen höheren Wert als Steinkohlestrom und mit dem weiteren Anstieg auf 7,6 Ct/kWh im Jahr 2010 überholten sie schließlich auch Atomstrom. 2 So sind sie im Jahr 2010 erstmals diejenigen Energieträger gewesen, die bezogen auf die durch sie erzeugte Strommenge den höchsten Förderwert aufweisen. Dieser Umstand kann und sollte jedoch nicht als Beleg für die zu hohen Kosten der erneuerbaren Energien oder gar für die geringen Kosten von konventionell erzeugtem Strom gewertet werden. Während die konventionellen Energieträger über einen langen Zeitraum durch staatliche Förderungen bezahlbar gemacht wurden, wird bei den erneuerbaren Energien ein möglichst zügiger Ausbau bis auf ein Niveau von 100% der Energieversorgung angestrebt. Die heute diskutierten Kosten der Förderung von erneuerbaren Energien hier ist insbesondere die Debatte um das EEG zu nennen sind für die konventionellen Energieträger in anderer Form und im Laufe der letzten Jahrzehnte ebenfalls und in teilweise noch größerem Ausmaß gewährt worden. Atomenergie erreichte Anfang der 1970er Jahren durch die vergleichsweise hohen Forschungsausgaben und den noch geringen Beitrag zur Stromerzeugung sogar Werte von über 60 Ct/kWh als Technologieanschub. 2 Dieser Förderwert ist nicht mit der EEG-Umlage zu verwechseln, da die Förderungen ins Verhältnis zur jeweils erzeugten Strommenge gesetzt werden (in diesem Fall: Strom aus erneuerbaren Energien). Bei der EEG-Umlage hingegen bezieht sich der Förderwert auf einen bestimmten Stromverbrauch, unabhängig davon wie der Strom erzeugt wurde. 8 Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v.

gehalten, wären zum Beispiel nicht die Stromnetze auf zentrale Kraftwerke ausgerichtet oder die Forschung nicht einseitig in Richtung Atomenergie gelenkt worden. 4. Spezifische Förderwerte 1970 2012 in Ct/kWh Abbildung 4: Spezifische Förderwerte 1970 2012 in Ct/kWh 70,2 (1970) 14 12 10 8 6 4 Ct/kWh Steinkohle Braunkohle Atomenergie Erdgas Erneuerbare 7,3 6,5 2 0-2 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2,3 1,4 0,01 2012 Aus heutiger Sicht sind die meisten früheren Förderungen insbesondere der Atomenergie sunk cost, die keinen direkten Einfluss auf die heutige Wettbewerbsposition zu haben scheinen. Hätten die KKW-Betreiber allerdings in der Aufbauphase einen signifikanten Teil der Kosten selbst tragen müssen, wäre diese Technologie nie eingeführt worden. Die hohen vergangenen Förderungen haben die heutige Marktposition der Atomenergie überhaupt erst ermöglicht. Fast alle Förderungen sind zumindest indirekt relevant für die Markteinführung und Wettbewerbsvorteile zugunsten der Atomenergie. Die Evolutorische Ökonomik zeigt, dass ein in der Vergangenheit eingeschlagener Entwicklungspfad Innovationen erschwert oder sogar verhindern kann. So verfügen etablierte Technologien über eine Reihe von Vorteilen, die den Marktdurchbruch für Innovationen erschweren (so genannte Pfadabhängigkeit). Die Entwicklung der vergangenen 50 Jahre hätte mehr und frühere Chancen für umweltfreundliche Energien bereitgehalten, wären zum Beispiel nicht die Stromnetze auf zentrale Kraftwerke ausgerichtet oder die Forschung nicht einseitig in Richtung Atomenergie gelenkt worden. Es gilt weiterhin zu berücksichtigen, dass die staatlichen Förderungen im Falle der erneuerbaren Energien nachhaltigen und umweltfreundlichen Technologien zugute kommen, die umwelt- und klimaschädliche sowie risikobehaftete Technologien wie Atomenergie und Kohle ablösen sollen. Die anfänglichen Investitionen zahlen sich aus, wenn die Kostendegressionen zu niedrigeren Strompreisen führen. Das EEG selbst ist als befristetes Instrument zur Markteinführung der erneuerbaren Energien mit sinkenden Einspeisevergütungen konzipiert. Im Gegensatz dazu verursachen Kohle und insbesondere Atomenergie hohe und bisher kaum bezifferbare Folgekosten, die auch nach Abschaltung jeglicher Kraftwerke fällig werden. So wird beispielsweise ein Endlager für radioaktive Abfälle für eine Million Jahre betrieben und überwacht werden müssen, und die Grubenwasserhaltung in ehemaligen Steinkohlebergbaugebieten verursacht so genannte Ewigkeitskosten. Die konventionellen Energieträger werden daher mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft auch ohne einen Beitrag zur Stromerzeugung weiter finanziert werden müssen. Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v. 9

2.4 Gesamtgesellschaftliche Kosten der Stromerzeugung im Jahr 2012 Ein Großteil der Förderungen bei erneuerbaren Energien ist mit der EEG-Umlage direkt in der Stromrechnung ausgewiesen und damit für den Verbraucher transparent. Die staatlichen Förderungen von Atomenergie und Kohle sind hingegen versteckte Kosten und werden nicht direkt mit deren Strompreis in Verbindung gebracht. Sie belasten stattdessen zu großen Teilen den Staatshaushalt und werden indirekt über die Beiträge der Steuerzahler finanziert. Darüber hinaus verursachen die konventionellen Energieträger infolge ihrer Umwelt- und Klimaschädlichkeit so genannte externe Kosten durch Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen sowie dem Risiko nuklearer Unfälle, die letztlich ebenfalls von der Gesellschaft getragen werden müssen. Auf Grundlage der Ergebnisse zu den staatlichen Förderungen erfolgt in einem weiteren Schritt beispielhaft für das Jahr 2012 eine Kostenrechnung zu den gesamtgesellschaftlichen Kosten der einzelnen Energieträger. Zum Strompreis werden die Kosten der budgetrelevanten staatlichen Förderungen und die externen Kosten von Strom aus Atomenergie, Kohle und erneuerbaren Energien aufaddiert. 2.4.1 Verkaufspreis des Stroms Der erste Kostenfaktor bei den gesamtgesellschaftlichen Stromkosten ist der Kaufpreis des Stroms selbst. Dabei ist zwischen erneuerbaren Energien und konventionellen Energieträgern zu unterscheiden. Erneuerbare Energien erhalten nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zum Großteil eine feste Vergütung je Kilowattstunde Strom. Die Vergütungssätze unterscheiden sich je nach Art der eingesetzten Technologie. Im Jahr 2012 betrugen die durchschnittlich gezahlten Vergütungssätze für Strom aus Windenergie (onshore) 8,8 Ct/kWh, aus Wasserkraft 8,5 Ct/kWh und aus Sonnenenergie (PV) 36,5 Ct/kWh (dies schließt auch Altanlagen ein, deren Vergütungssätze vergleichsweise hoch sind. Zu den aktuellen, niedrigeren Vergütungssätzen siehe Seite 12). Der Strom aus konventionellen Energieträgern wird über direkte Verträge zwischen Erzeugern und Kunden gehandelt (OTC-Handel) oder über die Strombörse EEX. Da die Preise des OTC-Handels nicht öffentlich zugänglich sind und sich ohnehin im Wesentlichen am Börsenpreis orientieren, wird für den Verkaufspreis der konventionellen Energieträger auf den durchschnittlichen Börsenstrompreis zurückgegriffen. Eine Kilowattstunde Strom, die im Jahr 2012 geliefert (und verbraucht) wird, hat an der Börse bisher durchschnittlich 5,4 Cent gekostet. 2.4.2 Staatliche Förderungen mit Budgetwirkung Bei den staatlichen Förderungen sind die Förderbereiche herauszufiltern, die direkte Auswirkungen auf den Staatshaushalt haben und so den Steuerzahler an der Finanzierungslast beteiligen. Um die Zusatzkosten der staatlichen Förderungen zu ermitteln, werden demnach ausschließlich die Förderungen in den Bereichen A. Finanzhilfen und B. Steuervergünstigungen berücksichtigt. Atomenergie weist mit 2,0 Ct/kWh den höchsten Förderwert auf, gefolgt von Steinkohle mit 1,9 Ct/kWh und Braunkohle mit 1,0 Ct/kWh. Erneuerbare Energien haben sogar einen negativen Förderwert von -0,5 Ct/kWh, der bei den gesamtgesellschaftlichen Kosten gegengerechnet werden muss. Er ergibt sich daraus, dass für erneuerbare Energien im Rahmen der Stromsteuer ein höherer Betrag gezahlt wurde, als dies das Leitbild der Energiebesteuerung (am Energiegehalt und externen Kosten orientiert) verlangt. Die Förderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist hier nicht enthalten, da es keine Belastung für den Staatshaushalt verursacht. Derselbe Effekt der steuerlichen Bewertung ergibt sich bei Erdgas (-0,2 Ct/kWh). 10 Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v.

2.4.3 Externe Kosten Für die externen Kosten von Kohle, Erdgas und erneuerbaren Energien wird auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Fraunhofer ISI Instituts im Auftrag des Bundesumweltministeriums zurückgegriffen. Diese Werte wird auch das Umweltbundesamt in der in Vorbereitung befindlichen Neuauflage 2012 der Methodenkonvention zu externen Kosten aufgreifen. Danach betragen die externen Kosten der Stromproduktion aus Steinkohle 8,9 Ct/kWh, aus Braunkohle 10,7 Ct/kWh, aus Erdgas 4,9 Ct/kWh, aus Wind 0,3 Ct/kWh, aus Wasser 0,2 Ct/kWh und aus Photovoltaik 1,2 Ct/kWh. Für Atomenergie wird weder beim Fraunhofer ISI noch in der Methodenkonvention des UBA ein eigener Wert der externen Kosten angegeben. Die ansonsten verfügbaren Schätzungen liegen sehr weit auseinander. Das hängt vor allem damit zusammen, dass hier Annahmen zur Wahrscheinlichkeit und zu den Folgekosten eines nuklearen Unfalls mit Freisetzung von radioaktivem Material getroffen werden müssen. Zu den externen Kosten der Atomenergie liegen Schätzungen in der Bandbreite von 0,1 Ct/kWh bis hin zu 320 Ct/kWh vor die verschiedenen Schätzungen weichen also um den Faktor 3.200 voneinander ab. Aus dieser Bandbreite methodisch fundiert einen Best Guess herauszufiltern, ist nach Einschätzung der Autorinnen nicht möglich. Für die externen Kosten der Atomenergie kann lediglich eine verkleinerte Bandbreite, aber kein Punktwert angegeben werden. Für den unteren Wert der Bandbreite wird auf die Hilfslösung des Umweltbundesamtes in der Methodenkonvention zu externen Kosten zurückgegriffen, Atomenergie den Satz des schlechtesten fossilen Brennstoffs Braunkohle zuzuordnen, also 10,7 Ct/kWh. Als oberer Wert der Bandbreite wird auf Basis einer breiten Literaturauswertung und einer Expertenbefragung eine Neuberechnung des Schadenserwartungswertes für den Fall katastrophaler nuklearer Unfälle vorgelegt. Für den reinen Schadenserwartungswert wird eine Bandbreite von aus heutiger Sicht realistischen Annahmen und Methoden zugrunde gelegt, woraus unter Berücksichtigung eines Risikoaversionsfaktors externe Kosten der Atomenergie von 34 Ct/kWh resultieren. Methodik und Annahmen zur Wahrscheinlichkeit schwerer Unfälle, zu den dann zu erwartenden Folgekosten und den entsprechenden Wertansätzen finden sich in der im Rahmen des vorliegenden Projekts erstellten Teilstudie Externe Kosten der Atomenergie des FÖS. Ein Teil der externen Kosten wird bereits durch Emissionshandel und Energiebesteuerung eingepreist und somit internalisiert. Zur Berechnung der gesamtgesellschaftlichen Kosten wird der Wert der Internalisierung durch die beiden Instrumente abgezogen. Die Summe der drei zuvor berechneten Komponenten spiegelt die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Stromerzeugung wider. Im Ergebnis trägt die Gesellschaft im Jahr 2012 bei einer Kilowattstunde Windstrom umgerechnet Kosten von 8,1 Cent und bei Wasserstrom 7,6 Cent. Die Gesamtkosten für Strom aus Braun- und Steinkohlekraftwerken summieren sich hingegen auf 15,6 bzw. 14,8 Cent und für Atomenergie sogar auf mindestens 16,4 Ct/kWh. Wird der obere Wert der Bandbreite der externen Kosten von 34,3 Ct/kWh verwendet, liegen die gesellschaftlichen Kosten der Atomenergie sogar bei 42,2 Ct/kWh. Die Kosten für Erdgasstrom liegen bei 9,0 Cent. Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v. 11

net Kosten von 8,1 Cent und bei Wasserstrom 7,6 Cent. Die Gesamtkosten für Strom aus Braunund Steinkohlekraftwerken summieren sich hingegen auf 15,6 bzw. 14,8 Cent und für Atomenergie sogar auf mindestens 16,4 Cent je Kilowattstunde. Wird der obere Wert der Bandbreite der externen Kosten von 34,3 Ct/kWh verwendet, liegen die gesellschaftlichen Kosten der Atomenergie sogar bei 42,2 Ct/kWh. Die Kosten für Erdgasstrom liegen bei 9,0 Cent. Im Ergebnis trägt die Gesellschaft im Jahr 2012 bei einer Kilowattstunde Windstrom umgerechnet Kosten von 8,1 Cent und bei Wasserstrom 7,6 Cent. Die Gesamtkosten für Strom aus Braun- und Steinkohlekraftwerken summieren sich hingegen auf 15,6 bzw. 14,8 Cent und für Atomenergie sogar auf mindestens 16,4 Cent je Kilowattstunde. Wird der obere Wert der Bandbreite der externen Kosten von 34,3 Ct/kWh verwendet, liegen die gesellschaftlichen Kosten der 5. Gesamtgesellschaftliche Kosten Atomenergie der Stromerzeugung sogar bei 42,2 Ct/kWh. im Jahr Die 2012 Kosten für Erdgasstrom liegen bei im Vergleich 9,0 Cent. 45 40 35 Ct/kWh 42,2 36,7 Externe Kosten Atomenergie, oberer Wert der Bandbreite Nicht internalisierte externe Kosten 30 25 Staatl. Förderungen mit Budgetwirkung (Summe A+B) 20 15 10 5 14,8 15,6 16,4 9,0 8,1 7,6 Stromverkaufswert (Börse bzw. EEG-Vergütung) 0-5 steinkohle Braunkohle Atomenergie Erdgas Wind (onshore) Wasser Photovoltaik Abbildung 5: Gesamtgesellschaftliche Kosten der Stromerzeugung im Jahr 2012 im Vergleich Dies zeigt, dass einige erneuerbare Energien heute schon günstiger sind als konventionelle Energieträger, wenn außer dem Strompreis auch die Kosten von staatlichen Förderungen sowie die Kosten für Umwelt- und Klimabelastung sowie nukleare Risiken einbezogen werden. Dies sollte bei der Diskussion um bezahlbaren Strom und der Debatte um die zukünftige Energieversorgung berücksichtigt werden. Der vergleichsweise hohe Wert bei Photovoltaik ist dabei auch im Vergleich zur Markteinführungsphase der Atomenergie zu sehen. In den frühen Jahren der Atomenergienutzung sind noch höhere staatliche Förderungen von mehr als 60 Ct/kWh gewährt worden. Darüber hinaus ist das große Potential der PV für Kostensenkungen zu berücksichtigen. Gegenüber der hier verwendeten EEG- Durchschnittsvergütung von 36,5 Ct/kWh wurde bei Neuanlagen bereits ein deutlicher Rückgang realisiert. So liegen die Vergütungssätze für neu installierte Anlagen ab Oktober 2012 bereits zwischen 12,6 und 18,2 Ct/kWh. 2.5 Konventionelle- Energien-Umlage Es wurde gezeigt, dass insbesondere bei den konventionellen Energieträgern Kosten durch staatliche Förderungen und durch Umweltbelastungen entstehen, die bisher im Strompreis nicht abgebildet sind. Der Förderwert der erneuerbaren Stromerzeugung ist mit der EEG-Umlage hingegen transparent im Strompreis abzulesen. Würden die Kosten der Förderung und der Umwelt- und Klimabelastung von Atomenergie, Kohle und Erdgas wie beim EEG umgelegt, würde diese Konventionelle-Energien-Umlage einen deutlichen Zuschlag auf den Endverbraucher-Strompreis bewirken. 12 Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v.

g und BWe e.v. Abbildung 6 veranschaulicht den resultierenden Preisaufschlag der einzelnen Ko ten auf den durchschnittlichen Haushaltsstrompreis im Jahr 2012. Bei der Einpre Subventions und Umweltbelastungskosten der konventionellen Energien n Wie hoch Methode der Zuschlag würden ausfällt, private hängt Haushalte entscheidend im davon Jahr 2012 ab, welche statt Endverbraucher für an den eine Kosten Kilowattstunde beteiligt werden Strom würden. bezahlen. Denkbar wäre zum einen, die Kosten 26 Cent durchschnittl gleichmäßig auf den gesamten Nettostromverbrauch umzulegen (ca. 540 TWh pro Jahr, Dieser Variante Vergleich 1). Würde hingegen zeigt, dass die Strommenge die EEG Umlage zugrunde aus gelegt, der auf Förderung die sich erneuerbar nden Preisaufschlag der einzelnen Kostenkomponenrompreis im Jahr 2012. Bei der Einpreisung der die Kosten Energieversorgung verteilen (ca. 387 TWh eine pro deutlich Jahr, Variante günstigere 2), wäre Kostenbelastung die Konventionelle- ist, selbst unt im geltenden (3,59 Ct/kWh) Wälzungsmechanismus für die Gestaltung des EEG einer als anzulegenden klima und Letztverbrauch umweltfreundlicheren, zuk ten der konventionellen Energien nach EEG Energien-Umlage nahme eines noch erheblichen einmal deutlich Anstiegs. höher. Die Anders Tabelle auf als der häufig nächsten angenommen Seite sind die gibt eine Energien Übersicht nicht über die Preistreiber Zusammensetzung der und Stromversorgung, Höhe der Umlage in den ahr 2012 statt 26 Cent durchschnittlich 37 Cent sondern sie ersetzen beiden mit Varianten viel höheren der Kostenwälzung. Folgekosten für Steuerzahler und Gesellschaft. Die staatlichen Förderungen mit Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte lage aus der Förderung erneuerbarer Energien und die nicht internalisierten externen Kosten der konventionellen Energieträger haben im Jahr 2012 ein Volumen von 40 Mrd. Euro. Dieser Wert ist mehr als ima und umweltfreundlicheren, zukunftsfähigen ere Kostenbelastung ist, selbst unter der Anrs als häufig angenommen sind die erneuerbaren doppelt so hoch wie die Differenzkosten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, die über die EEG-Umlage gedeckt werden. 3 mversorgung, sondern sie ersetzen Energieträger ahler und Gesellschaft. Würden diese Zusatzkosten der konventionellen Energieträger auf den Nettostromverbrauch umgelegt, würde die Konventionelle-Energien-Umlage den Strompreis um 7,5 Ct/kWh erhöhen. Der Preisaufschlag des EEG wäre in dieser ersten Umlagevariante mit 2,4 Ct/kWh deutlich günstiger als unter der heutigen Regelung, in der u.a. selbst erzeugter und verbrauchter Strom komplett von der EEG-Umlage befreit ist. Der Preisaufschlag der konventionellen Energien wäre demnach noch höher, wenn wie beim EEG bestimmte Stromverbräuche von der Umlage befreit oder entlastet würden. In der zweiten Umlagevariante wird wie beim EEG ein anzulegender Letztverbrauch von 387 TWh angenommen: Hier würde die Konventionelle-Energien-Umlage sogar 10,2 Ct/kWh betragen und somit auch 6. eine Preisaufschlag potentiell steigende durch EEG-Umlage und noch Konventionelle Energien Umlage weit überschreiten. nach EEG Wälzungsmechanismus (Variante 2) ntionelle Energien Umlage riante 2) 8,9 ABBILDUNG 6: Preisaufschlag durch EEG und Konventionelle-Energien-Umlage nach EEG- Wälzungsmechanismus (Variante 2) Externe Kosten durch Umweltund Klimaschäden 40 35 30 25 20 15 Ct/KWh 8,9 1,3 3,59* 3,59* 22,8 22,8 Externe durch U und Klim Staatl. F Finanzh Steuerv EEG-Um Kosten Transpo und Ste 1,3 Staatl. Förderungen: Finanzhilfen und Steuervergünstigungen 10 5 3,59* 22,8 EEG-Umlage Kosten für Erzeugung, Transport, Vertrieb und Steuern 0 haushaltsstrompreis 26,4 cent/kwh haushaltsstrompreis plus Zusatzkosten konventioneller Energieträger * EEG-Umlage ohne Liquiditätsreserve und Nachholungen 2011: 3,31 Ct/kWh 3 Wie bereits gezeigt wurde, sind die Werte bei den erneuerbaren Energien für staatliche Förderungen mit Budgetwirkung und externe Kosten altsstrompreis hier zu vernachlässigen, da keine staatlichen Förderungen eingepreist werden müssen und die geringen externen Kosten über die Stromsteuer und den Strompreisanstieg infolge des Emissionshandels bereits internalisiert sind, vgl. Seite 10. usatzkosten ntioneller Energieträger lungen 2011: 3,31 Ct/kWh Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v. 13

Abbildung 6 veranschaulicht den resultierenden Preisaufschlag der einzelnen Kostenkomponenten auf den durchschnittlichen Haushaltsstrompreis im Jahr 2012. Bei der Einpreisung der Subventions- und Umweltbelastungskosten der konventionellen Energien nach EEGMethode würden private Haushalte im Jahr 2012 statt 26 Cent durchschnittlich 37 Cent für eine Kilowattstunde Strom bezahlen. Dieser Vergleich zeigt, dass die EEG-Umlage aus der Förderung erneuerbarer Energien (3,59 Ct/kWh) für die Gestaltung einer klima- und umweltfreundlicheren, zukunftsfähigen Energieversorgung eine deutlich günstigere Kostenbelastung ist, selbst unter der Annahme eines erheblichen Anstiegs. Anders als häufig angenommen sind die erneuerbaren Energien nicht die Preistreiber der Stromversorgung, sondern sie ersetzen Energieträger mit viel höheren Folgekosten für Steuerzahler und Gesellschaft. 13 3. Anhang TABELLE 1: Zusammensetzung und Höhe der Kostenwälzung von staatlichen Förderungen und externen Kosten konventioneller Energien im Vergleich zum Erneuerbare-Energien-Gesetz 2012 Zusammensetzung und Höhe der Kostenwälzung von staatlichen Förderungen und externen Kosten konventioneller Energien im Vergleich zum Erneuerbare Energien Gesetz 2012 Summe der umzulegenden Kosten Variante 1: Umlage auf Nettostromverbrauch* Variante 2: EEG-Methode (Umlage auf nicht privilegierten Letztverbrauch)** zur Kostenverteilung angelegte Strommenge 541 TWh 387 TWh Staatliche Förderungen: Finanzhilfen und Steuervergünstigungen Atomenergie 2,0 Mrd. 0,4 Ct/kWh 0,5 Ct/kWh Steinkohle 2,1 Mrd. 0,4 Ct/kWh 0,5 Ct/kWh Braunkohle 1,3 Mrd. 0,2 Ct/kWh 0,3 Ct/kWh Erdgas -0,2 Mrd. -0,04 Ct/kWh -0,05 Ct/kWh Nicht internalisierte externe Kosten Atomenergie (min) 9,0 Mrd. 1,7 Ct/kWh 2,3 Ct/kWh Steinkohle 10,3 Mrd. 1,9 Ct/kWh 2,6 Ct/kWh Braunkohle 12,6 Mrd. 2,3 Ct/kWh 3,2 Ct/kWh Erdgas 3,2 Mrd. 0,6 Ct/kWh 0,8 Ct/kWh Konventionelle-Energien-Umlage, theoretischer Zuschlag auf den Strompreis 40,3 Mrd. 7,5 Ct/kWh 10,2 Ct/kWh Förderwert des EEG, im Strompreis enthalten 13,0 Mrd. 2,4 Ct/kWh 3,3 Ct/kWh*** * Annahme: wie in 2011 (nach Angaben des BDEW) ** Es wird auch bei den konventionellen Energien davon ausgegangen, dass wie beim EEG-Wälzungsmechanismus eine besondere Ausgleichsregelung gilt, bei der die privilegierten Letztverbraucher nur 0,3 % der Gesamtkosten tragen. *** Der Wert weicht geringfügig von der tatsächlich gezahlten EEG-Umlage von 3,59 Ct/kWh ab, da hier nur die prognostizierten Differenzkosten in 2012 angelegt wurden, ohne Kosten für Liquiditätsreserve und Nachzahlung für 2011. Würden diese Zusatzkosten der konventionellen Energieträger auf den Nettostromverbrauch umgelegt, würde die Konventionelle-Energien-Umlage den Strompreis um 7,5 Ct/kWh erhöhen. Der 14 Was Strom wirklich Preisaufschlag kostet Studie des EEG im Auftrag wäre in von dieser Greenpeace ersten Energy Umlagevariante EG und BWE mit e.v. 2,4 Ct/kWh deutlich günstiger als unter der heutigen Regelung, in der u.a. selbst erzeugter und verbrauchter Strom komplett

III. Anhang TABELLE Staatliche 2: Förderungen Staatliche der Förderungen Atomenergie der 1970 Atomenergie 2012 1970 2012 Alle Angaben in Mrd. gesamte Förderungen 1970 2012 Förderungen Anteil Stromerzeugung* nominal real (Preise 2012) real 1970 2012 im Jahr 2012 A. Finanzhilfen 52,0 80,8 54,8 1,0 A.1. Forschung Deutschland 27,7 51,1 45,9 0,5 davon: Endlager Standort-Suche 0,4 0,5 0,5 0,1 A.2. Ausgaben Bundesländer 5,0 5,5 5,5 0 A.3. Bürgschaften 0,1 > 0,1** 0,1 0 A.4. Euratom + Phare (Anteil D) 2,7 3,4 0 0 A.5. Stilllegung ostdeutsche AKW 3,0 3,3 0 0 A.6. Wismut Sanierung 5,7 7,1 0 0 A.7. Morsleben 1,4 1,5 0,9 0,3 A.8. Asse 0,6 0,7 0,7 0,1 A.9 Tschnernobyl 0,5 0,6 0 0 A.10 Beiträge internat. Organisationen 5,2 7,4 1,0 0,03 B. Steuervergünstigungen 40,0 48,4 48,4 1,0 B.1 Steuervergünst. Energiesteuer netto 40,0 48,4 48,4 1,0 C. Budgetunabhängige staatliche Regelungen 71,2 84,0 84,0 4,5 C.1. Emissionshandel 10,8 11,6 11,6 0,5 C.2. Förderwert Rückstellungen 60,4 72,3 72,3 4,0 A. + B. Summe 1: Budgetwirksame Förderungen 92,0 129,2 103,2 2,0 Durchschnittlich in Ct pro kwh 2,2 2,0 A. + B. + C Summe 2: Budgetwirksame Förderungen + Vorteile Emissionshandel + Rückstellungen 163,1 213,2 187,1 6,5 Durchschnittlich in Ct pro kwh 4,0 6,5 * Bei der Kalkulation der spezifischen Förderwerte in Ct pro kwh sind nur diejenigen Ausgaben einbezogen, die der Stromerzeugung in Deutschland zurechenbar sind (nicht berücksichtigt sind u.a. die DDR-Altlasten). ** Inflationsbereinigung nicht möglich, weil verwendete Quelle nur kumulierte Zahl, keine Einzeljahre ausweist. Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v. 15

Staatliche Förderungen der Steinkohle 1970 2012 TABELLE 3: Staatliche Förderungen der Steinkohle 1970 2012 Alle Angaben in Mrd. gesamte Förderungen 1970 2012 Förderungen Anteil Stromerzeugung* nominal real (Preise 2012) real 1970 2012 im Jahr 2012 A. Finanzhilfen 135,8 197,4 112,1 1,1 A.1. Forschung Bergbautechnik und Kraftwerke 3,5 6,3 3,6 0 A.2. Forschung und Pilotvorhaben CCS national** 0,2 0,2 0,1 0,01 A.3. Forschung und Pilotvorhaben CCS EU, 0,1 0,2 0,1 0,02 Anteil D.** A.4. Absatzbeihilfen 113,9 159,0 90,3 0,93 A.5. Modernisierungsbeihilfen 5,8 12,2 6,9 0 A.6. Soziale Beihilfen 8,9 13,0 7,4 0,09 A.7. Stilllegungsbeihilfen 3,5 6,6 3,8 0 B. Steuervergünstigungen 72,4 100,3 57,0 1,0 B.1. Steuervergünst. Energiesteuer netto 58,0 75,6 42,9 0,96 B.2. Befreiung Förderabgabe 10,6 16,9 9,6 0,06 B.3. Befreiung Wasserabgaben (seit 1995) 0,07 0,08 0,0 0,00 B.4. Absatzbeihilfen 0,4 1,2 0,7 0 B.5. Modernisierungsbeihilfen 0,7 1,8 1,0 0 B.6. Soziale Beihilfen 2,7 4,8 2,7 0 C. Budgetunabhängige staatliche Regelungen 12,4 13,4 8,2 0,4 C.1. Förderwert des Emissionshandels 12,4 13,4 8,2 0,4 A. + B. Summe 1: Budgetwirksame Förderungen 208,2 297,8 169,1 2,1 Durchschnittlich in Ct pro kwh 3,1 1,9 A. + B. + C.1. Summe 2: Budgetwirksame Förderungen + Vorteile Emissionshandel 220,7 311,2 177,3 2,5 Durchschnittlich in Ct pro kwh 3,3 2,3 * gemäß Anteil der Stromerzeugung am Primärenergieverbrauch von Steinkohle ** nur Anteil Steinkohle (geschätzt) 16 Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v.

Staatliche Förderungen der Braunkohle 1970 2012 TABELLE 4: Staatliche Förderungen der Braunkohle 1970 2012 Alle Angaben in Mrd. gesamte Förderungen 1970 2012 Förderungen Anteil Stromerzeugung* nominal real (Preise 2012) real 1970 2012 im Jahr 2012 A. Finanzhilfen 9,5 11,7 0,08 0,01 A.1. Forschung und Entwicklung 0,01 0,02 0,02 0,00 A.2. Forschung und Pilotvorhaben CCS national** 0,04 0,04 0,03 0,00 A.3. Forschung und Pilotvorhaben CCS EU, 0,04 0,04 0,03 0,01 Anteil D.** A.4. Altlasten / Sanierung Braunkohlebergbau gebiete 9,43 11,64 0 0 B. WAs Steuervergünstigungen strom WirKlich KostEt 48,3 61,3 51,4 1,3 Studie im AuftrAg von greenpeace energy eg und BWe e.v. B.1. Steuervergünst. Energiesteuer netto 42,8 54,3 45,5 1,0 18 20 B.2. Befreiung Förderabgabe 4,8 6,2 5,2 0,3 B.3. Befreiung Wasserabgaben (seit 1995) 0,7 0,8 0,7 0,0 C. Budgetunabhängige staatliche Regelungen 13,4 14,5 13,2 0,6 C.1. Förderwert des Emissionshandels 13,4 14,5 13,2 0,6 A. + B. Summe 1: Budgetwirksame Förderungen 57,8 73,0 51,5 1,3 Durchschnittlich in Ct pro kwh 1,0 1,0 A. + B. + C.1. Summe 2: Budgetwirksame Förderungen + Vorteile Emissionshandel 71,2 87,5 64,7 1,9 Durchschnittlich in Ct pro kwh 1,3 1,4 * gemäß Anteil der Stromerzeugung am Primärenergieverbrauch von Braunkohle, ohne Altlasten der ehemaligen DDR-Bergbaugebiete (A.4) ** nur Anteil Braunkohle (geschätzt) Staatliche Förderungen von Erdgas 1970 2012 TABELLE 5: Staatliche Förderungen von von Erdgas 1970 2012 Alle Angaben in Mrd. gesamte Förderungen 2007 2012 Förderungen Anteil Stromerzeugung nominal real (Preise 2012) real 2007 2012 im Jahr 2012 A. Finanzhilfen 0,032 0,034 0,006 0,001 A.1. Forschung und Entwicklung 0,032 0,034 0,006 0,001 B. Steuervergünstigungen 3,61 3,82-0,84-0,20 B.1. Steuervergünst. Energiesteuer netto 6,15 6,49-0,33-0,13 B.2. Befreiung Förderabgabe * - 2,54-2,67-0,50-0,07 C. Budgetunabhängige staatliche Regelungen 4,1 4,3 2,2 0,01 C.1. Förderwert des Emissionshandels 4,1 4,3 2,2 0,01 A. + B. Summe 1: Budgetwirksame Förderungen 3,6 3,9-0,8-0,2 Durchschnittlich in Ct pro kwh - 0,2-0,2 A. + B. + C.1. Summe 2: Budgetwirksame Förderungen + Vorteile Emissionshandel 7,8 8,2 1,3-0,2 Durchschnittlich in Ct pro kwh 0,3 0,01 * negativ, weil die tatsächlich gezahlte Förderabgabe höher ist als 10% des Marktwertes (Methodik Kohle) Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v. 17

Staatliche Förderungen der erneuerbaren Energien 1970 2012 TABELLE 6: Staatliche Förderungen der erneuerbaren Energien 1970 2012 Alle Angaben in Mrd. Förderungen in den Bereichen Strom und Wärme Förderungen Anteil Stromerzeugung nominal real (Preise 2012) real 1970 2012 im Jahr 2012 A. Finanzhilfen 13,6 15,9 9,5 0,6 A.1. Forschung und Entwicklung 3,6 4,7 4,6 0,2 A.2. Förderprogramme Bund und Länder 8,3 9,3 4,4 0,3 A.3. EU-Programme 1,7 1,9 0,5 0,013 A.4. Beiträge internat. Organisationen 0,02 0,02 0,009 0,002 B. Steuervergünstigungen - 1,0-2,8-9,2-1,2 B.1. Steuervergünst. Energiesteuer netto (seit 1970) - 1,0-2,8-9,2-1,2 C. Budgetunabhängige staatliche Regelungen 50,3 53,3 53,3 11,1 C.1. Förderwert des Emissionshandels 7,4 7,8 7,8 0,8 C.2. EEG / Stromeinspeisegesetz 64,3 68,5 68,5 13,0 C.3. Entschädigungen für abgeregelte EEG-Anlagen 0,04 0,04 0,04 0,01 C.4. Regel- und Ausgleichsenergie 1,6 1,7 1,7 0 C.5. Merit Order Effekt -22,9-24,7-24,7-2,7 A. + B. Summe 1: Budgetwirksame Förderungen 12,6 13,2 0,3-0,7 Durchschnittlich in Ct pro kwh 0,02-0,5 A. + B. + C. Summe 2: Budgetwirksame Förderungen + EEG + Vorteile Emissionshandel 62,9 66,5 53,6 10,4 Durchschnittlich in Ct pro kwh 3,4 7,3 Impressum Herausgeber: Bearbeitung: Bundesverband WindEnergie e.v. Neustädtische Kirchstraße 6 10117 Berlin E-Mail: info@wind-energie.de Internet: www.wind-energie.de Swantje Küchler, Bettina Meyer unter Mitarbeit von Sarah Blanck Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.v. (FÖS), beauftragt durch: Greenpeace Energy eg und dem Bundesverband WindEnergie e.v. (BWE) Stand: August 2012 Gestaltung: bigbenreklamebureau gmbh Druck: Müller Ditzen AG 18 Was Strom wirklich kostet Studie im Auftrag von Greenpeace Energy EG und BWE e.v.

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