A7. Digitale Rundfunktechnik



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Transkript:

A7. Digitale Rundfunktechnik A7.1 Grundlegende Fragen zur Rundfunk-Digitalisierung A7.2 Aktuelle Standards A7.3 Trends und offene Fragen Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-1 Die naive Grundidee Radio: Verbrauchergewohnheiten bei Musik geprägt von CD» Relativ hohe Klangqualität, sehr geringe Störgeräusche» Wahlfreier Zugriff Psychoakustische Kompression ermöglicht niedrige Bandbreiten digitaler Audiosignale Fernsehen: Verbrauchergewohnheiten zunehmend geprägt von DVD Bandbreiten bei Digital-TV trotz starker Kompression hoch Digitale Codierung erlaubt Fehlerkorrektur Praxis: Fernsehen wird in Bayern (terrestrisch) nur digital ausgestrahlt, Digitalrundfunk ist fast unbekannt... Wieso? Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-2

COFDM-Übertragung COFDM = Coded Orthogonal Frequency Division Multiplex Signal wird auf viele, dicht nebeneinander liegende Trägerfrequenzen verteilt (1536 bei DAB-Standard) Träger haben minimalen Abstand, beeinflussen sich aber gegenseitig nicht (Orthogonalität) Fehlerkorrektur ermöglicht verlustfreie Übertragung auch bei Störung von Einzelfrequenzen (frequency interleaving) Mehrwegesignale: Reflexion z.b. durch Gebäude Führen zu Störungen (Geisterbilder) bei analogem TV und Radio Führen bei COFDM zu Signalverstärkung COFDM ist Basis aller aktuellen digitalen Rundfunkstandards Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-3 Mehrwegeausbreitung Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-4

Gleichwellennetz Analoger Rundfunk: Benachbarte Sender grundsätzlich auf verschiedener Frequenz um Interferenzen auszuschließen Gleichwellennetz (single frequency network): Zeitlich genau synchronisierte Ausstrahlung auf der gleichen Frequenz bei allen Sendern (auch bei überlappendem Empfangsbereich) Wesentlich effektivere Frequenzbandnutzung Im Lang- und Mittelwellenbereich verbreitet, aber Interferenzstörungen möglich (z.b. Bayerischer Rundfunk 801 khz) Digitale Übertragungsverfahren nach COFDM unempfindlich gegen Laufzeitdifferenzen, deshalb Gleichwellennetz möglkich Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-5 A7. Digitale Rundfunktechnik A7.1 Grundlegende Fragen zur Rundfunk-Digitalisierung A7.2 Aktuelle Standards A7.3 Trends und offene Fragen Literatur: http://www.digitalradio.de http://www.bmt-online.de/ Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-6

Digital Audio Broadcast DAB: Technik Kompression nach dem MUSICAM-Verfahren MPEG-Audio-Vorläufer, entspricht MPEG-Audio Layer II Transport-Multiplex Quadraturamplitudenmodulation (4-DPSK) der Träger Schutzintervall reduziert Effekt von Echos Kanal-Bandbreite 1,75 MHz, Trägerabstand 1 khz Bandbreite netto ca. 1,5 Mbit/s für ca. 9 Audiosignale und zusätzliche Datendienste Prinzipiell auch Video (ca. 5 Signale bei moderner Kompression) denkbar Datendienste: Programmbeleitend (programme associated data PAD)» Text oder Bilder Nicht programmbeleitend (non programme associated data NPAD)» Meist reine Textinformationen (Wetter, Verkehr etc.) Bitratenmanagement erlaubt Nutzung von Schwankungen der benötigten Bandbreite (z.b. Sprache vs. Musik) Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-7 DAB: Verbreitung In Deutschland seit 1999 im Regelbetrieb Minimale Akzeptanz: ca. 80.000 Empfangsgeräte Verfügbarkeit von Frequenzen: Eine Bedeckung im Fernsehband III (174-230 MHz) verfügbar, Ausbau um zwei weitere geplant Zwei Bedeckungen im L-Band (1,5 GHz) verfügbar Internationale Verbreitung Siehe http://www.worlddab.org/ Europa-zentriert» Große Verbreitung und Akzeptanz in Großbritannien» Deutschland als Schlüsselland bezeichnet USA und Japan favorisieren Alternativsysteme Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-8

DAB: Programmbelegung (Band III) Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-9 DAB: Programmbelegung (L-Band) Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-10

Digital Multimedia Broadcast DMB Weiterentwicklung von DAB für Video und Multimedia Abwärtskompatibel zu DAB Besonders verbreitet in Süd-Korea Hersteller: LG, Samsung Kompression: MPEG-4 AAC für Audio H.264 AVC für Video Ca. 16 Audiosignale pro Kanal möglich Pilotversuch in Regensburg ab 2006 (BLM) Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-11 Digital Video Broadcast DVB DVB: Industrie-Konsortium, 270 Rundfunksender, Hersteller, Regulierungsbehörden etc. aus 35 Ländern http://www.dvb.org Standard-Familie: DVB-T: Terrestrisch DVB-C: Kabel DVB-S (und -S2): Satellit DVB-H: Handheld MHP: Multimedia Home Platform Kanalbandbreite DVB-T, DVB-H: 8 MHz wesentlich breiter als DAB/DMB Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-12

DVB-H vs. DMB DVB-H ermöglicht höhere Übertragungsraten als DMB Eingeschränkte Mobilität bei DVB-H Hohe Geschwindigkeiten bei DAB/DMB kein Problem Geringere Leistungsaufnahme bei DMB DAB 150 mw, DVB-H: 400 mw (Quelle: NTL, Chipsets 2005/06) Landesweite Gleichwellennetze mit DMB möglich Größere Flexibilität bei Netzplanung mit DMB durch geringere Bandbreite Starke internationale Unterstützung für DVB-H durch Mobilfunkindustrie Praktischer Einsatz: T-Mobile testet zur Fußball-WM sowohl DVB-H als auch DMB DVB-H im experimentellen Einsatz in Singapur Juni 2005 Quelle (teilweise): bmt Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-13 Alternativen: ATSC und ISDB-T ATSC US-amerikanisches System für terrestrisches Digitalfernsehen Ungeeignet für mobile Endgeräte? ISDB-T Japanisches System für terrestrisches Digitalfernsehen Technisch ähnlich zu europäischen Standards Modus für mobile Daten-Ausstrahlung Energieverbrauch (u, a.) problematisch Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-14

Digital Radio Mondiale DRM Digitalradio-Standard für längere Wellenlängen Kurzwelle, Mittelwelle, Langwelle (< 30 MHz, erweitert auf < 120 MHz) Weiträumige, teilweise weltweite Empfangbarkeit Daten-Zusatzdienste Reife der Technologie für ca. 2007-2009 geplant Verwendet bestehende Frequenzbänder (Amplitudenmodulation AM) Skalierbare Signalbandbreiten (4,5 khz bis 20 khz) Kompression: MPEG-4 AAC Alternativ MPEG4 CELP (für Sprache) oder HVCX (für Sprache mit einfacher Qualität) http://www.drm.org Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-15 Terrestrische digitale Systeme im Vergleich System Broad cast? Versorgungsgebiet Übertragungs- Kapazität Mobilität GPRS nein 100 kbit/s Sehr gut landesweit UMTS nein 2 Mbit/s Geringer bei höherer Geschwindigkeit Ballungsräume, Autobahnen WLAN nein 54 Mbit/s portabel In-House DAB/DMB ja 1,2 Mbit/s Sehr gut landesweit DRM ja 40 kbit/s eingeschränkt länderübergreifend DVB-T ja 13 Mbit/s Niedrige Geschwindigkeiten Ballungsräume DVB-H ja 6-12 Mbit/s Niedrige Geschw., Günstigere Leistungsaufnahme als DVB-T Ballungsräume Quelle: bmt Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-16

A7. Digitale Rundfunktechnik A7.1 Grundlegende Fragen zur Rundfunk-Digitalisierung A7.2 Aktuelle Standards A7.3 Trends und offene Fragen Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-17 Broadcast vs. individuelle Kommunikation Broadcast: z.b. DMB, DVB Individuelle Kommunikation: z.b. Festnetz-Telefon, GSM, UMTS Broadcast könnte individuelle Kommunikation ergänzen Hat bei klassischer Web-Nutzung als Geschäftsmodell nicht wirklich funktioniert (z.b. Internet-Satelliten-Dienste) Bei Audio/Video mit Live-Inhalten möglicherweise andere Situation Beispiel UMTS/DVB-H: Möglicherweise sinnvolle Synergien Industrie sucht nach realistischen und profitablen Lösungen für neue Dienste Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-18

DVB-H Handy Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-19 Probleme und offene Fragen Politische Rahmenbedingungen Empfehlung der EU-Kommission (Mai 2005): Abschaltung des analogen Rundfunks bis 2012 Telekommunikation (z.b. Reg-TP für UMTS) vs. Rundfunk (Landesmedienanstalten) Föderalitätsprinzip macht Innovation nicht einfacher Technische Grenzen Leistungsaufnahme, Akkulaufzeit Akzeptanzfragen Was ist der Mehrwert von digitalem Radio?» Bestenfalls als add-on sinnvoll Erfüllen Audio-/Video-Angebote für mobile Geräte eine sinnvolle (oder lustvolle) Funktion? Trends bewegen sich in kleinen Schritten Beispiel Podcasting (Tagesaktuelle Downloads für mobile Multimedia-Player) Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Hußmann Medientechnik A7-20