Julia Baier Apropos 16



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Transkript:

Julia Baier Apropos 16 Das Fotografieren bringt mich dazu, auf Unbekannte zuzugehen und mich mit ihnen auseinander zu setzen.»u.m.f.«steht für»unbegleitete minderjährige Flüchtlinge«, die ohne»personensorgeberechtigten Erwachsenen«nach Deutschland geflüchtet sind. Wenn sie sich nicht ausweisen können, bestimmt die Ausländerbehörde durch»inaugenscheinnahme«das Alter. Nur wer unter 16 Jahre ist, fällt unter den Schutz des Jugendhilfegesetzes und wird bis zum 18. Lebensjahr geduldet. Zum Beispiel in der Peenemünderstraße in Bremen Nord, wo in zwei Jugendwohngemeinschaften 16»U.m.F.«aus neun Nationen leben. Trotz aller Ungewissheit gibt es für die Jugendlichen in der Wohngemeinschaft einen Alltag, ein Leben, das nicht unbedingt spektakulär ist, sich aber doch vom Alltag anderer Jugendlicher unterscheidet. Anfangs bedeutete es eine Überwindung, mich in dieses Haus zu begeben, in die Privatsphäre von fremden Menschen einzudringen und herauszufinden, ob ich erwünscht bin oder nicht. Es hat sich ein Wechselspiel aus Nähe und Distanz ergeben. Ich will nicht linear erzählen, sondern Schlaglichter auf die Lebenswirklichkeiten von Einzelpersonen setzen. Gäbe es die Fotografie nicht, wäre ich wohl nie mit den Jungs in Kontakt gekommen. Julia Baier (Jg. 1971) absolvierte im Sommer 2002 erfolgreich ihr Grafik-Design-Studium an der Hochschule für Künste in Bremen, seit 1997 ist sie Mitglied der Fotogruppe»Kooperative für Fotografie«, seit 1998 als freiberufliche Fotografin tätig. 2001 gewann Frau Baier gleich drei Preise: den 1. Preis beim Symposium für Dokumentarfotografie in Bad Herrenalb, den 2. Preis des Nachwuchsförderpreises filmart und den Anerkennungspreis»wissenschaft visuell«der Zeitschrift»bild der wissenschaft«. Sie lebt und arbeitet in Bremen. S/W-Print auf Barytpapier, 26x17 cm, 2002/03 12 13

S/W-Print auf Barytpapier, 26x17 cm, 2002/03 S/W-Print auf Barytpapier, 26x17 cm, 2002/03 Fernando 14 15

Stefanie Becker Safari Meine Bildideen sind als Denkanstösse gedacht. Ich möchte nicht vorschreiben, was der Betrachter in den Fotografien zu entdecken hat. Wichtig war für mich die Idee, dass die Fragen, die man sich zu einem Bild stellt, auf das andere überspringen und sich vielleicht ein»wundern«einstellt. Es ist nicht meine Absicht, zum Begriff»Integration«Wertungen, Anklagen oder gar Antworten zu verfassen. Ich möchte vielmehr einen»anderen Blick«auf das Alltägliche und das Fremde werfen. Vor einem Jahr rettete ich einige Fotos aus dem Müll. Fotos von einer Afrikareise: wilde Tiere, aufgenommen von Safari-Touristen. Jetzt fielen mir diese Bilder wieder ein. Sie eigneten sich gut als Gegenstücke zu meinen fotografischen Alltagsbeobachtungen. Ich kombinierte Fotos mit formalen und inhaltlichen Ähnlichkeiten. So führte ich die vermeintlich unterschiedlichen Sichtweisen auf das Alltägliche und das Fremde zusammen. Unbekanntes und Vertrautes liegen eng beieinander und fordern zum vergleichenden Sehen auf. Auf diese Weise kann durch eine andere Art der Wahrnehmung eine Form von»integration«entstehen. Stefanie Becker (Jg. 1973) Preisträgerin des Körber-Foto-Awards 2003 studiert zur Zeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg im Fachbereich Gestaltung u.a. bei Hans Hansen. Sie wurde mit dem Reinhart-Wolf-Preis ausgezeichnet und präsentierte ihre Arbeiten mit der Fotogruppe»18«u.a. im Kunstverein Glückstadt und in einer Einzelausstellung im»88«, Verein für Kunst und Kultur e.v. in Hamburg. Ihre bisherigen Schwerpunkte liegen in der Landschafts- und Architekturfotografie. Afrika Nilpferd Fotograf unbek. Color-Print vom Originalnegativ, 14x21 cm Afrika Zebras Fotograf unbek. Color-Print vom Repro-Negativ, 14x21 cm Elbe bei Cuxhaven Color-Print, 14x21 cm, 2002 Hamburg Color-Print, 14x21 cm, 2002 16 17

Afrika Schweine Fotograf unbek. Color-Print vom Originalnegativ, 14x21 cm Berlin Color-Print, 14x21 cm, 2000 18 19

Anika Büssemeier Du, du liegst mir am Herzen Ich habe mich für die Menschen interessiert, die in Russland als Deutsche geboren und aufgewachsen und dann nach Deutschland ausgewandert sind als Russen. Ich wollte diese Menschen treffen und in meinen Fotografien ihre Stimmungen und ihr Leben einfangen. Den ersten Kontakt mit Berliner Russen hatte ich in der Russendisko im»kaffee Burger«in Berlin-Mitte. Der Titel meiner Arbeit ist mir beim Seniorentanz begegnet und blieb mir im Kopf.»Du, du liegst mir am Herzen«steht für mich für die Verbundenheit mit Russland und für die Melancholie, die mir in den Gesprächen aufgefallen ist. Vor allem für die ältere Generation ist die Ankunft in Deutschland mit der Sehnsucht verbunden, hier Heimat zu finden. Diese Erwartungen werden häufig dadurch getrübt, dass sie hier als Russen und nicht als Deutsche angesehen werden. Es bleibt das Gefühl der Zerrissenheit und Heimatlosigkeit. Anika Büssemeier (Jg. 1972) Color-Print, 22x22 cm, 2002/03 studierte nach einer dreijährigen Fotografenausbildung von 1996 2002 an der Fachhochschule Bielefeld Fotografie mit dem Schwerpunkt Reportage und Portrait. 2000 verbrachte sie einen Studienaufenthalt an der Tyler School of Art in Philadelphia (USA). Ihre Diplomarbeit mit dem Titel»Polskie Swiaty«ist ein Portrait Polens vor dem EU-Beitritt und wurde in dem Buch»neuland europa sechs wege nach brüssel«publiziert. Anika Büssemeier lebt und arbeitet in Berlin. Wladimir Kaminer (35) im»kaffee Burger«vor der Russendisko 20 21

Color-Print, 22x22 cm, 2002/03 Color-Print, 22x22 cm, 2002/03 Ella Hartmann (82) wurde als Wolgadeutsche nach Kasachstan vertrieben; 15 Jahre war sie in der Trudarmee (Zwangsarbeitslager). Ihr russischer Ehemann hat sie verlassen, weil sie Deutsche ist. Zwei Kinder hat sie alleine groß gezogen, 1996 ist sie auf Wunsch ihrer Tochter nach Deutschland ausgewandert.»ich bin froh, hier zu sein, aber Deutschland ist ein fremdes Land für mich.«stadtansicht. Havemannstraße 22 23