Preiselbeerblatt Vitis-idaeae folium



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Transkript:

Preiselbeerblatt Vitis-idaeae folium Folium vitis idaeae ÖAB 2009/047 Definition Das getrocknete Laubblatt von Vaccinium vitis-idaea L. Gehalt: mindestens 3,0 Prozent Arbutin (C 12 H 16 O 7 ; M r 272.3), bezogen auf die getrocknete Droge Eigenschaften Preiselbeerblätter sind geruchlos und schmecken zusammenziehend und etwas bitter Prüfung auf Identität A. Die bis 2 cm langen und bis 1 cm breiten Blätter sind kurzgestielt, oval oder verkehrt eiförmig, der Rand ist glatt und etwas umgebogen. Die ziemlich dicke, ledrige Blattspreite ist oberseits dunkelgrün glänzend, unterseits heller grün und deutlich braun punktiert. Die Nerven treten an der Unterseite deutlich hervor, und sind fein netzadrig angeordnet. B. Die Epidermis der Blattoberseite besteht aus schwach welligen, die der Blatt - unterseite aus stärker wellig- buchtigen Zellen. Die Kutikula der Oberseite ist sehr stark entwickelt. Sie ist etwa so dick wie die Zellen der oberen Epidermis. Die Spaltöffnungen kommen nur unterseits vor und sind von zwei dazu parallelen Nebenzellen umgeben. Ebenfalls unterseits sind vielzellige, keulenförmige Drüsenzotten mit zweizellreihigem Stiel und braunem Inhalt zu sehen. Im Mesophyll finden sich 2 3 Reihen ungleich großer Palisadenzellen, ferner ein lockeres Schwammparenchym. Ebenfalls im Mesophyll sind Ca-Oxalatdrusen zu finden, vor allem in Leitbündelnähe, wo auch Einzelkristalle und selten Kristallzellreihen vorkommen. Über den Nerven sieht man einzelne, stark verdickte, gewarzte Borstenhaare. C. Die Droge wird pulverisiert (355) (2.9.12). Das Pulver ist graugrün. Die Prüfung erfolgt unter dem Mikroskop, wobei Chloralhydrat-Lösung R verwendet wird. Das Pulver zeigt folgende Merkmale: Blattbruchstücke mit unterer Epidermis in Aufsicht: wellig-buchtige Epidermiszellen, Spaltöffnungen, Drüsenzotten (meistens nur Bruchstücke) und durchscheinendes Schwammparenchym. Blattbruchstücke mit oberer Epidermis in Aufsicht: geradwandige bis schwach wellige Epidermiszellen mit durchscheinenden Palisadenzellen. 1

Bruchstücke des Blattes im Querschnitt mit dicker Kutikula der oberen Epidermis und darunter 2-3 Reihen Palisadenzellen. Weiters sind zu sehen: reichlich Fasern, Fragmente des Schwammparenchyms, einzelne stark verdickte, gewarzte Borstenhaare sowie Ca-Oxalatdrusen und Einzelkristalle. A B C D 0,1 mm E 2

Abbildung 1 Abbildung 1: A: Aufsicht auf Blattoberseite mit durchscheinenden Palisadenzellen B: Aufsicht auf Blattunterseite mit Stomata C: Fragment eines Querschnitts Palisadengewebe mit anhaftender dicker Kutikula D: Drüsenzotte auf Blattunterseite E: Deckhaare D. Dünnschichtchromatographie (2.2.27) Untersuchungslösung: 0,5 g pulverisierte Droge (710) (2.9.12) werden 10 min lang mit 5 ml einer Mischung gleicher Volumteile Methanol R und Wasser R unter Rückflusskühlung erhitzt. Danach wird die Mischung heiß filtriert und das Filtrat unter Nachwaschen des Kolbens und des Filters mit der Methanol- Wasser-Mischung zu 5,0 ml aufgefüllt. Referenzlösung: 25 mg Arbutin R, 25 mg Gallussäure R und 25 mg Hydrochinon R werden in Methanol R zu 10,0 ml gelöst. Platten: DC-Platte mit Kieselgel F 254 R (5 bis 40 µm) [oder DC-Platte mit Kieselgel F 254 R (2 bis 10 µm)] Fließmittel: wasserfreie Ameisensäure R, Wasser R, Ethylacetat R (6:6:88 V/V/V) Auftragen: jeweils 20 μl bandförmig [jeweils 5 µl bandförmig] Laufstrecke: 15 cm [oder 8 cm] Trocknen: bei 105 bis 110 C, bis das Fließmittel verdampft ist Detektion: Die Platte wird mit einer Lösung von Dichlorchinonchlorimid R (10 g l 1 ) in Methanol R und danach mit Ammoniaklösung, verdünnt R1 (41g 100 ml -1 ) besprüht. Ergebnis: Die Zonenfolge in den Chromatogrammen von Referenzlösung und Untersuchungslösung ist aus den nachstehenden Angaben ersichtlich. Im Chromatogramm der Untersuchungslösung können zusätzlich 2 oder 3 blaue und einige braune oder bräunlich graue Zonen vorhanden sein. 3

Oberer Plattenrand Hydrochinon : blau - braun Gallussäure : bräunlich eine bräunliche Zone Arbutin: hellblau eine hellblaue Zone Referenzlösung Untersuchungslösung Prüfung auf Reinheit Fremde Bestandteile (2.8.2): Höchstens 3%. Trocknungsverlust (2.2.32): Höchstens 7,0% Asche (2.4.16): Höchstens 4,0%. Gehaltsbestimmung Flüssigchromatographie (2.2.29) Untersuchungslösung: In einem 100-ml-Rundkolben mit Schliff werden 0,800 g pulverisierte Droge (710) (2.9.12) mit 20 ml Wasser R versetzt und 30 min lang im Wasserbad unter Rückflusskühlung erhitzt. Nach dem Erkalten wird die Flüssigkeit durch einen Wattebausch aus Baumwolle filtriert. Der Wattebausch wird zum Rückstand in den 100-ml-Rundkolben gegeben und mit 20 ml Wasser R zur Extraktion noch einmal 30 min lang im Wasserbad unter Rückflusskühlung erhitzt. Nach dem Erkalten wird die Mischung durch ein Papierfilter filtriert. Die Filtrate werden vereinigt, mit Wasser R zu 50,0 ml verdünnt und durch ein Papierfilter filtriert. Die ersten 10 ml des Filtrats werden verworfen. Referenzlösung: 10,0 mg Arbutin CRS werden in der mobilen Phase zu 10,0 ml 4

gelöst. Säule: Größe: l = 0,25 m, Ø = 4 mm Stationäre Phase: desaktiviertes, octadecylsilyliertes Kieselgel zur Chromatographie R (5 μm) Mobile Phase: Methanol R, Wasser R (10:90 V/V) Durchflussrate: 1,2 ml min 1 Detektion: Spektrometer bei 280 nm Der Prozentgehalt an Arbutin wird nach folgender Formel berechnet: A 1. m 2. 100. p A 2 m 1 A 1 = Fläche des Arbutin-Peaks im Chromatogramm der Untersuchungslösung A 2 = Fläche des Arbutin-Peaks im Chromatogramm der Referenzlösung m 1 = Einwaage der Droge in Gramm m 2 = Einwaage des Arbutins in der Referenzlösung in Gramm p = Prozentgehalt an Arbutin in Arbutin CRS Lagerung Vor Licht geschützt, in gut schließenden Behältnissen. 5

Experimentell ermittelte Daten: Probenbezeichnung für die Untersuchungen an Vitis ideae folium wurde folgendes Ausgangsmaterial verwendet: Probe Nr. Firma Bezeichnung Chargennr. 1 Richter KL-16050/07 22568 2 Kottas Muster 1884 6120237#1 3 Kottas Muster 1886 8020250#1 4 Kottas Muster 1885 7110296#1 5 Kottas Kontr. Nr. KLA 80253 A 820835-001 6 Kottas Kontr. Nr. KLA 80253 A 822936-001 7 Kottas Kontr. Nr. KLA 80583 A 822936-001 8 Kottas Kontr. Nr. KLA 80583 A 828136-001 9 Kottas Kontr. Nr. KLA 80253 A 817279-002 10 Kottas Kontr. Nr. KLA 80253 A 819065-001 11 Kwizda Abl. 03/2012 909095 Aschebestimmung: Die Asche wurde nach der Methode 2.4.16. lt. Ph. Eur. bestimmt. Zusätzlich wurden Werte der Firma Kwizda, Mayrhofer Galenik als Vergleichswerte herangezogen. Selbst ermittelte Werte Werte Fa. Kwizda Proben Asche in % Probenjahr Asche in % 1a 3,0 2002 2,4 1b 3,0 2003 3,3 2a 3,0 2004 2,6 2b 3,0 2006 3,0 3a 3,0 2007 2,8 3b 3,0 2009 3,2 4a 3,3 4b 3,3 5a 2,8 5b 2,8 6a 2,7 6b 2,7 Resultat: Aschewerte rangieren zwischen 2,4 und 3,3%. Wir schlagen vor, den maximalen Aschegehalt von 4,0% lt. derzeitiger Monographie des ÖAB beizubehalten. 6

Gehaltsbestimmung HPLC: Die Bestimmung des Arbutingehaltes wurde nach der Methode Flüssigchromatographie 2.2.29 der Monographie Uvae ursi folium (lt Ph. Eur.) durchgeführt. Proben Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 % Arbutin 4,5 4,1 3,0 3,5 3,6 3,7 6,0 5,7 3,3 3,6 4,1 Resultat: Der Arbutingehalt bewegt sich zwischen 3,0 und 6,0 %. Wir schlagen daher einen Mindestgehalt von 3,0 % Arbutin vor. HPLC von Arbutin Bedingungen siehe Seite 4 HPLC von Probe 1 Bedingungen siehe Seite 4 7

Dünnschichtchromatographische Identitätsprüfung zu Vitis ideae folium: HPTLC Kieselgel 60 F254 10x10cm Detektion: DCCC/NH 3 vis Fließmittel: EtOAc + HCOOH + H 2 O ( 88 + 6 + 6 ) Auftragen: 5 µl Zone 1: Arbutin, Gallussäure, Hydrochinonjeweils 2,5 mg/ml Zone 2: Probe 1 1 2 DC Kieselgel 60 F254 20x20cm Detektion: DCCC/NH 3 vis Fließmittel: EtOAc + HCOOH + H 2 O ( 88 + 6 + 6 ) Zone 1: Arbutin, Gallussäure, Hydrochinonjeweils 2,5 mg/ml 10 μl, Zone 2: Arbutin, Gallussäure, Hydrochinon - jeweils 2,5mg/ml, 20 μl Zone 3: Probe 1, 20µl 1 2 3 Resultat: Wie in den obigen Abbildungen ersichtlich, ist das DC-system aus der Monographie Uvae ursi folium auch für die Identitätsprüfung von Vitis ideae folium verwendbar. Die hell- bis dunkelblaue Zone des Arbutins ist klar erkennbar. Die Verwendung von Ammoniaklösung, verdünnt R1 statt der in der Monographie für Uvae ursi folium verwendeten Natriumcarbonatlösung ist vorteilhaft. Der höhere ph-wert des Sprühreagens ermöglicht ein weniger intensives Besprühen. Dadurch wird ein Verrinnen der Zonen durch die wässrige Lösung verhindert. 8

Vergleich von 2 Extraktionsmethoden und Überprüfung von ausgewählten Vitis ideae Proben auf die Gleichmäßigkeit des DC-Fingerprints Vergleich von Extraktionsmethoden: Methode 1: Lit.1 Methode 2: Ph. Eur. Kieselgel 60 F254 10x10cm Fließmittel: EtOAc + HCOOH + H 2 O ( 88 + 6 + 6 ) Detektion: DCCC/NH 3 vis Zone 1: Arbutin (2.5 mg/ml) Zone 2: Probe 1, Methode 2, 10 µl Zone 3: Probe 1, Methode 2, 20 µl Zone 4: Probe 1, Methode 1, 10 µl Zone 4: Probe 1, Methode 1, 20 µl 1 2 3 4 5 Vergleich verschiedener Vitis ideae-proben: Extrakte lt. Lit. 1 Kieselgel 60 F254 20x10cm Fließmittel: EtOAc + HCOOH + H 2 O ( 88 + 6 + 6 ) Detektion: DCCC/NH 3 vis Zone 1: Arbutin (2.5 mg/ml) Zone 2-8: Proben 1-7, jeweils 10 µl 1 2 3 4 5 6 7 8 Resultat: Die Extraktion von phenolischen Inhaltstoffen lt. Lit. 1 ist zeitaufwendiger, führt aber nicht zu einem besseren Ergebnis. Deswegen empfehlen wir die Extraktionsmethode 2 (Ph. Eur.: Monographie Uvae ursi folium). Beim Vergleich zufällig ausgewählter Vitis ideae Proben wurde ersichtlich, dass die DC-Fingerprints durchwegs homogen sind. 9

Nachweis von Verfälschungen: Zur Unterscheidung von Vitis-ideae folium von ähnlich aussehenden Drogen (Myrtilli folium und Uvae ursi folium) wurde das DC-System erfolgreich eingesetzt. Nachweis von Verfälschungen: HPTLC Kieselgel 60 F254 Detektion: Anisaldehyd/H 2 SO 4 vis Fließmittel: EtOAc + HCOOH + H 2 O ( 88 + 6 + 6 ) Aufgetragen: jeweils 5 μl Zone 1: Arbutin, Gallussäure, Hydrochinon - jeweils 2,5 mg/ml Zone 2: Vitis ideae folium Probe 1 Zone 3: Myrtilli folium Zone 4: Uvae ursi folium HPTLC Kieselgel 60 F254 Detektion: Anisaldehyd/H 2 SO 4 UV 366 Fließmittel: EtOAc + HCOOH + H 2 O ( 88 + 6 + 6 ) Aufgetragen: jeweils 5 μl Zone 1: Arbutin, Gallussäure, Hydrochinon - jeweils 2,5 mg/ml Zone 2: Preiselbeerblatt Probe 1 Zone 3: Heidelbeerblatt Zone 4: Bärentraubenblatt Resultat: Die beiden Drogen Myrtilli folium und Uvae ursi folium lassen sich mit diesem DC- System eindeutig von Vitis ideae folium unterscheiden. Prinzipiell lässt sich für die Detektion auch Anisaldehyd-Schwefelsäure Reagens (ASR) verwenden: die Platte wird mit ASR besprüht und dann für 5-10 min im Trockenschrank 10

bei 105 C getrocknet. Dadurch kann Gallussäure nur gut unter UV 366 nachgewiesen werden, im sichtbaren Licht ist nur eine schwache Bande erkennbar. Lit. 1: Wagner H, Bladt S., Zgainski EM, 1983. Drogenanalyse. Dünnschichtchromatographische Analyse von Arzneidrogen. Springer-Verlag Berlin, Heidelber, New York, S. 120. Trocknungsverlust: wurde nach der Methode der Ph. Eur. (2.2.32.) bestimmt (Doppelbestimmung, Angabe der Mittelwerte). Proben Nr. 1 2 3 4 5 % 6,2 6,2 6,0 5,9 6,0 Resultat: Wir schlagen einen Trocknungsverlust von maximal 7,0 % vor. Mikroskopische Identifizierung von Vitis ideae folium Für alle mikroskopischen Aufnahmen wurde eine 400fache Vergrößerung verwendet, wenn nicht anders angegeben. Folium Vitis ideae: Oberseite: Unterseite: Spaltöffnung Parallele Nebbenzellen Querschnitt, 200fache Vergrößerung 11

Drüsenzotte: Drüsenzotte Basis: Deckhaare: 12

Mikroskopische Zeichnungen von charakteristischen Pulvermerkmalen: Drüsenzotte Deckhaare 100µm 100µm 13

Blattoberseite 100µm Blattunterseite 100µm 14

Querschnitt mit Leitbündel 0,1 mm Abbildung 2 15