Ausbildungsumfrage 2015

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Transkript:

Ausbildungsumfrage 2015 NIHK: Bei jedem dritten Unternehmen bleiben Ausbildungsplätze frei Die Erwartungen der Jugendlichen an eine Ausbildung decken sich offensichtlich häufig nicht mit denen der Betriebe, zahlreiche Bewerber haben unklare Berufsvorstellungen das ist ein zentrales Ergebnis der aktuellen Ausbildungsumfrage des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertags (NIHK), an der sich rund 930 Unternehmen beteiligt haben. Immer häufiger sind es schulische Bildungsangebote, Maßnahmen im Übergangssystem und freiwillige soziale Jahre, die von den Schulabgängern einer Dualen Ausbildung vorgezogen werden. Mittlerweile kann jeder dritte Betrieb nicht alle angebotenen Ausbildungsstellen besetzen. Bei den rund 20.000 niedersächsischen Ausbildungsbetrieben in IHK-Berufen sind das mindestens 7.000 frei gebliebene Ausbildungsstellen, im Schnitt blieben 1,1 Plätze pro Betrieb frei. Den Jugendlichen muss also im Hinblick auf die Fachkräftesicherung zunehmend bewusst gemacht werden, wie attraktiv eine Duale Ausbildung sein kann und welche Chancen sie bietet. Der NIHK mahnt daher seitens der Bildungspolitik mehr und inhaltlich definierte Berufsorientierung an: Jugendliche, auch in den Gymnasien, müssen fundierter auf das Berufsleben vorbereitet werden und ihre Perspektiven kennen. Aber auch die Unternehmen dürfen in ihrem Ausbildungsengagement nicht nachlassen. Hier sind noch bessere Ausbildungskonzepte, qualifiziertere Ausbilder und mehr Ausbildungsmarketing gefragt. Lesen Sie mehr zum Thema und zu den Handlungsempfehlungen des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertages (NIHK) auf den folgenden Seiten im aktuellen Fokus Niedersachsen. Seite 1 FOKUS NIEDERSACHSEN Ausbildungsumfrage

Fachkräftesicherung bleibt Hauptmotiv für die Ausbildung Ihre Motivation für Ausbildung ist die Fachkräftesicherung, sagen fast 90 Prozent der befragten Unternehmen. Für 53 Prozent der Antwortenden ist die Ausbildung junger Menschen ein Beitrag für die Gesellschaft. Für jeden Zweiten hat Ausbildung im Unternehmen Tradition. 52 Prozent der Unternehmen wollen sich als attraktives Unternehmen am Markt positionieren und 37 Prozent der Betriebe halten Ausbildung im eigenen Unternehmen für effektiver als externe Mitarbeiter einzustellen. Warum bildet Ihr Unternehmen grundsätzlich aus? (Mehrfachnennungen möglich, Angaben in Prozent) Ich will gut ausgebildete Fachkräfte für mein Unternehmen sichern. 90% Ausbildung hat bei uns Tradition. 53% Ich möchte einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. 53% Ich will mich als attraktives Unternehmen positionieren. 52% Duale Ausbildung im eigenen Betrieb ist effektiver, als externe Mitarbeiter einzustellen. 37% Aus wirtschaftlichen Gründen 19% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Besetzungsprobleme Immer weniger Unternehmen gelingt es, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Bereits 33 Prozent der Ausbildungsunternehmen klagt in der aktuellen Umfrage über nicht besetzte Lehrstellen. Das ist eine Steigerung um 10 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und der schlechteste Wert seit Umfragebeginn im Jahr 2008. Dabei gibt es branchenbezogene Unterschiede: So sind die Unternehmen der Medien- und der Logistikbranche (jeweils 81 Prozent konnten alle Ausbildungsplätze besetzen), der Gesundheitswirtschaft (78 Prozent) und des Handels (71 Prozent) relativ erfolgreich bei der Bewerbersuche. In der Gastronomie hat hingegen nur ein Drittel der Ausbildungsunternehmen keine Besetzungsprobleme, während zwei Drittel über frei gebliebene Stellen klagen. Häufig passen die Anforderungsprofile der Unternehmen nicht zu den Vorstellungen der Jugendlichen: 65 Prozent der Unternehmen mit Besetzungsproblemen fehlen geeignete Bewerber (8 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr). Überdurchschnittlich oft blieben aus diesem Grund Plätze in der Industrie frei: 74 Prozent der Unternehmen bekamen keine geeigneten Bewerbungen auf die angebotenen Ausbildungsstellen. Bei jedem vierten betroffenen Unternehmen gingen erst gar keine Bewerbungen auf angebotene Ausbildungsplätze ein. Das ist der höchste Wert seit Umfragebeginn, im Vorjahr ging das nur jedem zehnten Unternehmen so. 24 Prozent der Unternehmen mit Besetzungsproblemen gaben an, dass bereits vergebene Plätze nicht angetreten wurden (+ 7,6 Prozentpunkte). Besonders häufig warteten die Banken und Versicherungen (40 Prozent) und der Handel (29 Prozent) vergeblich auf die ausgewählten Auszubildenden. Bei gut jedem fünften Unternehmen, das nicht alle Plätze besetzen konnte, wurden die Verträge nach Ausbildungsbeginn durch den Auszubildenden wieder gelöst. Eine überdurchschnittlich hohe Lösungsquote durch Auszubildende verzeichnet wie im Vorjahr die Gastronomie mit 37 Prozent. Eine vorzeitige Vertragsauflösung muss nicht zwangsläufig in einem endgültigen Ausbildungsabbruch enden, ist aber frustrierend für beide Seiten und mit zusätzlichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Eine bessere Berufsorientierung auf Seiten der Jugendlichen sowie eine gut organisierte Eingliederung und Betreuung seitens des Ausbildungsbetriebs könnte Abhilfe schaffen. Seite 2 FOKUS NIEDERSACHSEN Ausbildungsumfrage

33 Prozent der Betriebe konnten nicht alle Plätze besetzen. Diese haben wir gefragt: Warum nicht? (Mehrfachnennungen möglich, Angaben in Prozent) Es lagen keine geeigneten Bewerbungen vor. 65% 73% Die Ausbildungplätze wurden von den Auszubildenden nicht angetreten. 24% 17% 2015 Es lagen keine Bewerbungen vor. 10% 24% 2014 Die Ausbildungsverträge wurden von den Auszubildenden nach Beginn der Ausbildung aufgelöst. 21% 20% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% Rekrutierung Die Unternehmen reagieren auf die rückläufigen Bewerberzahlen mit einem Praktikumsangebot auf unverändert hohem Niveau (54 Prozent) und verbessertem Ausbildungsmarketing (43 Prozent). Sie versuchen aber auch, sich neue Zielgruppen zu erschließen (31 Prozent). So rücken Studienabbrecher und Gymnasiasten in den Fokus. Ein Beleg dafür sind die Steigerung des Angebots von Zusatzqualifikationen für stärkere Bewerber (z. B. Fremdsprachenunterricht, + 5,6 Prozentpunkte auf 15 Prozent) und die verstärkte Kooperation mit Hochschulen, beispielsweise in Form von Dualen Studiengängen (+5,4 Prozentpunkte auf 19 Prozent). Zur Steigerung der eigenen Attraktivität gewähren die Ausbildungsunternehmen Fahrtkostenzuschüsse, mehr Urlaub oder zahlen übertarifliche Vergütungen. Das ist auch eine Chance für Betriebe in den bei jungen Leuten weniger beliebten Branchen. Sie müssen aktiv werden, um den Abstand zwischen sich und den attraktiveren Ausbildungsbetrieben nicht noch größer werden zu lassen. Für die Gewinnung der Auszubildenden wird von den bekannten Kanälen Gebrauch gemacht: Rund 65 Prozent der Unternehmen veröffentlichen ihre Ausbildungsangebote bei der Agentur für Arbeit. Darüber hinaus werden Praktika (63 Prozent), Anzeigen im Internet (61 Prozent) und in der regionalen Presse (51 Prozent) sowie persönliche Kontakte (49 Prozent) genutzt, um die Jugendlichen auf freie Ausbildungsstellen aufmerksam zu machen. Von den Unternehmen, die das Internet zur Bewerbersuche einsetzen, veröffentlichen 89 Prozent ihre Stellenanzeige auf der Unternehmenshomepage. Jedes dritte dieser Unternehmen begibt sich mithilfe von Facebook und Co. auf die Suche (+ 6,6 Prozentpunkte). Ausbildungshemmnisse Über 40 Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen stellen Ausbildungshemmnisse fest (+ 5 Prozentpunkte): Mehr als drei Viertel dieser Betriebe monieren die unklaren Berufsvorstellungen der Bewerber. Im Vorjahr sah dies nur gut die Hälfte als Hemmnis an. Besonders die Logistikbetriebe (92 Prozent) stellen fest, dass die jungen Leute wenig über die Berufswelt in der Branche wissen und auch das Baugewerbe (86 Prozent) und der Handel (82 Prozent) sehen sich mit schlecht informierten Bewerbern konfrontiert. Darüber hinaus sind sich die Jugendlichen der Vielzahl der Möglichkeiten bewusst, die ihnen der veränderte Markt bietet, und entscheiden sich häufiger für andere Unternehmen oder Bildungswege (+7 Prozentpunkte auf 26,2 Prozent). Die (zu große) Entfernung zur Berufsschule wird insbesondere bei Berufen mit wenigen, zentralen Berufsschulstandorten und damit verbundener langer Anfahrt wie z. B. in der Medien-, IT- oder Immobilienbranche zum Ausbildungshemmnis. Darüber hinaus bleibt die Herausforderung, auch die schwächeren Bewerber in den Ausbildungsmarkt zu integrieren. Seite 3 FOKUS NIEDERSACHSEN Ausbildungsumfrage

Die Mängel in der Ausbildungsreife bestehen weiterhin, wie über 92 Prozent der Unternehmen in der Umfrage bestätigen. Insbesondere bei der Leistungsbereitschaft der jungen Leute, dem mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen und der Disziplin sehen die Betriebe Nachholbedarf. Zur Unterstützung der Auszubildenden bieten knapp 40 Prozent der Befragten eigene Nachhilfe (+ 3,7 Prozentpunkte) an, 27 Prozent der Ausbildenden nutzen die ausbildungsbegleitenden Hilfen der Agentur für Arbeit (+ 3,3 Prozentpunkte). Rund 25 Prozent der Betriebe würden auch lernschwächeren Jugendlichen eine Chance geben. Im Gastgewerbe sind es sogar 49 Prozent, gefolgt vom Baugewerbe (36 Prozent). Insgesamt sind es die kleinen Betriebe mit bis zu 20 Beschäftigten, die sich überdurchschnittlich häufig um lernschwächere Bewerber kümmern (35 Prozent). Eine Strategie, die zusätzliche Bewerberpotenziale erschließt, aber auch eine besondere Verantwortung mit sich bringt. Ausbildungsplanungen Die veränderte Marktsituation und der damit verbundene Aufwand, Auszubildende zu gewinnen und zu beschäftigen machen sich in den Ausbildungsplanungen der Unternehmen bemerkbar. Besonders die kleinen und mittleren Unternehmen spüren die Belastungen. Hier ist der Saldo zwischen den Unternehmen, die mehr und den Unternehmen, die weniger Ausbildungsplätze anbieten wollen, deutlich negativ (Saldo von -5,2). Im Gegensatz dazu planen Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten das Ausbildungsangebot in der Summe auszuweiten (Saldo von + 12,4). Nach den Gründen für die Verknappung des Ausbildungsangebots befragt, gaben fast dreimal so viele Unternehmen wie noch vor einem Jahr an, es fehle ihnen an geeigneten Bewerbern (16,3 Prozent, Vorjahr 6,2 Prozent). Bieten Sie im Jahr 2015 mehr oder weniger Ausbildungsplätze an als im Jahr 2014? (Angaben in Prozent) 14% 13% 12% 10% 9% 8% 7% 7% bilden mehr aus 6% bilden weniger aus 4% 2% 0% Unternehmen mit bis zu 1000 Beschäftigten Unternehmen mit über 1000 Beschäftigten Attraktivitätssteigerung Klar ist, die duale Berufsausbildung muss eine massive Attraktivitätssteigerung erfahren. 60 Prozent der Unternehmen sehen ihren eigenen Beitrag im Auf zeigen der Karrieremöglichkeiten im Ausbildungsunternehmen. Die attraktive und interessante Vermittlung der Ausbildungsinhalte (56 Prozent) sowie der Kontakt zu Schulen (43 Prozent) sind weitere unternehmerische Maßnahmen zur Steigerung des Stellenwerts der Beruflichen Bildung. Dagegen ist die Erhöhung der Vergütung für über 90 Prozent der Unternehmen kein Erfolg versprechendes Mittel. Seite 4 FOKUS NIEDERSACHSEN Ausbildungsumfrage

Was ist zu tun? Um den künftigen Fachkräftebedarf decken zu können, wird es immer wichtiger, die duale Berufsausbildung als attraktive Alternative neben Studium und anderen Bildungsangeboten herauszustellen. Hier sind alle Beteiligten gefordert: Stärkung der Berufsorientierung Schüler sollten in der Lage sein, am Ende ihrer Schulzeit eine begründete, ihren Interessen, Neigungen und Fähigkeiten entsprechende Berufs- oder Studienwahl zu treffen. Hierfür ist eine strukturierte, im Lehrplan verankerte Berufsorientierung in allen Schulformen notwendig. Die duale Berufsausbildung sollte gerade auch an den Gymnasien als attraktive Perspektive wahrgenommen werden von Schülern, Lehrkräften und Eltern. Aufeinander abgestimmte Bildungsketten entlang des gesamten Bildungswegs schaffen Orientierung. Berufsorientierung muss ein fester Bestandteil der Lehrerausund -fortbildung sein. Sie sollte als verbindliche Aufgabe der Schulen verankert und als solche, beispielsweise im Rahmen der Schulinspektion, regelmäßig evaluiert werden. Die Unternehmen sind aufgefordert, weiterhin engagiert Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen und sich noch mehr als bisher Kooperationen mit Schulen zu öffnen. Gute Konzepte (startup@school, Schülerfirmen, Ausbildungsbotschafter etc.) gibt es bereits, die IHKs vor Ort beraten dazu. Übergangssystem verringern Jugendliche sollten besser und schneller in Ausbildung gelangen. Der Übergang von der Schule in den Beruf muss zielorientierter, transparenter und ohne Verluste gestaltet werden. Dabei muss die duale Ausbildung Vorrang vor schulischen oder außerbetrieblichen Angeboten haben. Hilfreich wäre es, wenn die Beratungs- und Informationsangebote für Jugendliche am Übergang zwischen Schule und Beruf einheitlich strukturiert und damit übersichtlicher wären. Die Einführung einer koordinierten Anlaufstelle (Jugendberufsagentur) würde einen schnellen Berufseinstieg vereinfachen. Durch geeignete Instrumente, wie z. B. ausbildungsvorbereitende Maßnahmen und assistierte Ausbildung, könnten Jugendliche, deren Bildungsweg bisher nach der allgemeinbildenden Schule endet, besser in einer dualen Berufsausbildung Fuß fassen. Wohnortnahe Beschulung und Qualität sichern Ein wichtiges Argument für eine Duale Ausbildung ist die wohnortnahe Berufsschule. Darum müssen Modelle entwickelt werden, die es ermöglichen, auch kleine Klassen, z. B. durch Zusammenlegung, zu erhalten. Die Schulqualität muss durch eine bessere Schulausstattung, bessere Unterrichtsversorgung und eine bessere regionale Koordination der Angebote gesichert sein und sollte regelmäßig evaluiert werden. Die Lehreraus- und weiterbildung, insbesondere in technisch orientierten Studiengängen, ist gezielt auszubauen. Fort- und Weiterbildung stärken Für die Weiterentwicklung der Fachkräfte im Unternehmen müssen sich die Hochschulen noch stärker den beruflich Qualifizierten öffnen. Dazu sind verstärkt bedarfsgerechte, z. B. berufsbegleitende, Angebote einzurichten und vereinfachte Anrechnungsverfahren für im Beruf erworbene Kompetenzen umzusetzen. Kombiangebote von beruflicher Aus- und Weiterbildung können ähnlich erfolgreich platziert werden wie kombinierte duale Ausbildungs- und Studienmodelle und sollten ausgeweitet werden. Ausbildung besser vermarkten und attraktiver gestalten Bei ihrem Ausbildungsengagement dürfen sich die Betriebe nicht durch die erschwerte Bewerbersuche demotivieren lassen. Vor allem für kleine Unternehmen ist eine erfolgreiche Nachwuchssicherung oft existenziell. Insbesondere ihnen und den knapp 35 Prozent der Betriebe, die die Agentur für Arbeit nur gelegentlich oder gar nicht einschalten wird empfohlen, ihre Stellen der Agentur für Arbeit zu melden. Die Unternehmen müssen sich ihrer Auszubildenden noch besser annehmen. Im Wettbewerb um Bewerber ist es wichtig, das eigene Ausbildungsangebot ständig weiterzuentwickeln, zu differenzieren und besser zu vermarkten sowie die Ausbilder noch besser zu qualifizieren und neue Zielgruppen anzusprechen. Darüber hinaus hilft es, Karriereoptionen im Unternehmen und berufliche Perspektiven aufzuzeigen, um die jungen Fachkräfte auch nach der Ausbildung an sich zu binden. Bei der Einbindung schwächerer Bewerber in die betriebliche Ausbildung können auch geförderte externe Begleiter beim Einstieg in und während der Ausbildung helfen. Seite 5 FOKUS NIEDERSACHSEN Ausbildungsumfrage

Ansprechpartner für den Fokus Niedersachsen NIHK-Sprecher für Berufsbildung Volker Linde, Tel. 04131 742-151, E-Mail: linde@lueneburg.ihk.de NIHK Hinüberstr. 16-18, 30175 Hannover Tel. 0511 33708-75 E-Mail: n-ihk@n-ihk.de Der NIHK vertritt rund 270.000 Unternehmen in Niedersachsen. Mitglieder sind die die IHK Lüneburg-Wolfsburg, die Oldenburgische IHK, die IHK Osnabrück Emsland Grafschaft Bentheim, die IHK für Ostfriesland und Papenburg sowie die IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum. Der Fokus Niedersachsen erscheint in regelmäßigen Abständen zu aktuellen Themen aus Wirtschaft und Politik und steht unter www.n-ihk.de/publikationen auch zum Download zur Verfügung. Seite 6 FOKUS NIEDERSACHSEN Ausbildungsumfrage