Armin Eisele Hans-Gerhard Hahn Kinderhandball oder Handball mit Kindern? Das Kinderhandballkonzept des HVW
Warum ein neues Kinderhandballkonzept? Beeinflussende Faktoren sind: Veränderung der kindlichen Lebenswelt Voraussetzungen der Kinder Entwicklungstendenzen des Handballspiels Mitgliederentwicklung im HVW Ressourcen der Vereine
Veränderung der kindlichen Lebenswelt 1960/1970 Spiel- und Lernort Straße Selbstorganisation Turnverein mit vielseitigem Angebot 2000/2010 Spiel- und Lernort Verein Fremdorganisation Frühspezialisierung mit vorgegebenem Wettkampfsystem
Voraussetzungen der Kinder (Untersuchungsergebnisse von Professor Bös, Uni Karlsruhe 2005): 30-40% aller Kinder sind übergewichtig oder adipös 50-65% der 8- bis 18-Jährigen haben Haltungsschwächen und -schäden 40% aller Kinder klagen über Rückenschmerzen
Entwicklung des Handballspiels Schnellere Spielweise, Tempospiel Spieler (-innen) werden immer athletischer und müssen koordinativ besser ausgebildet sein Kürzere Spielphasen Langfristiger Trainingsaufbau ist unabdingbar!
Mitglieder-Entwicklung HVW Handball als Einsteigersportart: Kinder 7 bis 14 Jahre: 1986: 17 600 2008: 25 000 Handball als Aussteigersportart: Jugendliche 14 bis 18 Jahre: 1986: 16 000 2008: 12 000
Ressourcen der Vereine Qualifikation der Trainer im Kinderhandball A-Lizenz: 1 B-Lizenz: 2 C-Lizenz: 15 D-Lizenz: 49 Ohne: 79 Andere: 13 (Ergebnisse der E-Jugend-Studie 2006, HVW)
Was sagt die Trainingslehre? Motorische Grundausbildung hat in dieser Altersstufe (6 bis 10 Jahre) Vorrang Keine frühzeitige Spezialisierung (kein oder wenig sportartspezifisches Training) Bestes Lernalter für Koordination Die Kinder sollen - spielen lernen - ein breites Bewegungsmuster kennen lernen - einseitige Belastungen vermeiden
Erkenntnis der Sportspielforschung: Unsere Kinder sollen wieder Spielen lernen, sowie übergreifende Ballfähigkeiten und Ballfertigkeiten entwickeln, bevor sie beginnen, sich zu spezialisieren. (Kröger/Roth, 1999)
Grundsätze des HVW- Kinderhandballkonzepts Die Kinder sollen Handball spielen lernen Erst wenn sie spielen können, werden sie trainiert Der Trainer soll Kinder nach Könnensstufen getrennt einsetzen können Die angebotenen (Wettkampf-)Spiele sollen dem Könnensstand entsprechen Zusätzlich muss die motorisch-koordinative Grundausbildung durchgeführt werden
Das HVW- Kinderhandballkonzept Baustein 1: Motorische Grundlagenschulung Baustein 2: Entwicklung der Spielfähigkeit Baustein 3: Wettkampfformen
Motorische Grundlagenschulung Motorische Fähigkeiten laufen, springen, rollen, wälzen, hangeln, balancieren Koordinative Fähigkeiten mit und ohne Ball Kraftschulung mit und ohne Geräte
Entwicklung der Spielfähigkeit Allgemeine Spielfähigkeit miteinander und gegeneinander in vielen Spielformen mit Fuß, Hand und Schläger( Minis) Spezielle Spielfähigkeit Elementarisierte Handballspiele ( E-Jugend) - Aufsetzerball 2:2 bis 6:6-4+1 Grundspiele ( D-Jugend) - Sektorenspiele 2:1/2:2 bis 4:4
Vereinfachung des Handballspiels Ist 4+1 das einfachste Handballspiel?
Konstitutive Strukturmerkmale des Handballspiels Rechteckiges Spielfeld mit zwei sich gegenüberstehenden Toren Von Tor zu Tor gelingt nur selten ein Torerfolg Vor beiden Toren befindet sich ein Torraum, in dem nur der Torwart agieren darf Verteidiger / Angreifer agieren um und zwischen den Torraumlinien Der Wurf auf das Tor muss vor dem Torraum erfolgen Mit dem Ball dürfen nur wenige Schritte gelaufen werden Wettspiel mit zwei Mannschaften
Variablen des Handballspiels Die Größe des Spielfeldes, die Anzahl der Spieler stehen in einem bestimmten Verhältnis Technisches Können und Wurfkraft der Spieler bestimmen die Größe des Tores, des Torraumes und die Größe des Balles Die Form der Wurflinie Wer ist Torwart und wer Spieler? Permanenter Wechsel? Mit welchen Bällen wird gespielt?
Taktische Elemente eines kompetenten Handballspielers Ins Tor treffen Ball zum Tor bringen Vorteil herausspielen / Wurfsituation herstellen Zusammenspiel Lücken erkennen / herstellen Gegnerbehinderung umgehen Anbieten und Orientieren Kreative und intelligente Spiellösungen
Techniken eines kompetenten Bälle fangen können Handballspielers Bälle über unterschiedliche Distanzen genau passen können Schlagwürfe Sprungwürfe Lauftäuschungen mit und ohne Ball Pass- und Wurftäuschungen
Handballspielformen Feldhandball Hallenhandball Beachhandball
Lernprozesse eines Spielanfängers ngers Einzelne basistaktische Elemente erlernen und mehrere gleichzeitig berücksichtigen Einzelne Fertigkeiten erwerben In einem Handballspiel, das altersgerecht und seinem Könnensstand entspricht, mitspielen können Es gibt keine Übungsreihen für Fertigkeiten, nur Lernreihen, wenn sie zur Lösung von Spielsituationen beitragen
Ball zum Ziel bringen Ins Ziel treffen
Lücken erkennen/schließen en
Ein Handballspiel für f Spielanfänger nger Aufsetzerball!!
Vermittlungsmodell für die Entwicklung einer Handballspielfähigkeit Heidelberger Ballschule Aufsetzerball 2 gegen 2 Aufsetzerball 3 gegen 3 Aufsetzerball 4 gegen 4 Treffballspiele Kombinationsspiele Parteiballspiele Durch die Mitte Aufsetzerball 5 gegen 5 Grundspiele Basisspiele
Methodische Hinweise Implizites Lernen ( Straßenspielhypothese) Explizites Lernen - Spieler bei der Problemlösung einbinden - Homogene Spielmannschaften - Differenzierte Aufsetzerballspiele - Neue Techniken erlernen, wenn sie im Spiel eine Lösung darstellen. Sie werden im Spiel geübt.
Konsequenz des HVW ab 2009 (Zielspiele): Minis: Vielseitiger Wettkampf mit vielen Spielformen, aber ohne 4+1 und 6+1 E-Jugend: Dreigliedriger Wettkampf mit Aufsetzerball oder 4+1, am Saisonende 1 oder 2 Wettkampftage 6+1 D-Jugend: 6+1 mit Modifikationen (analog DHB) Ab der C-Jugend 6+1 ohne Regeleinschränkungen (außer Spielerwechsel nur im Angriff analog DHB)
Das HVW-Wettkampfsystem Wettkampfsystem Minispielfeste mit vielfältigen Spielformen Spielfeste E-Jugend als dreigliedriger Wettkampf Einzelspiele D-Jugend Handball 6+1 mit modifizierten Regeln
Inhalte Minispielfest Vielseitige Spielformen (z.b. Völkerball, Turmball, Fliesenball) Elementarisierte Handballspiele (z.b. einfache Aufsetzerballspiele 2:2 oder 3:3) Koordinative Aufgabenstellungen Spielstationen
E-Jugend-Spieltag Elementarisiertes Handballspiel: Aufsetzerball 5:5 oder Handball 4+1 Parteiball, Turmball oder anderes Spiel Koordinativ-motorischer Wettkampf
D-Jugend-Einzelspiel Abwurf nach Torerfolg Offene Abwehrformation Manndeckung, 1:5-Abwehr, 3:3-Abwehr Persönliche Strafen
Ausblick Übungsleiter im Kinderhandball haben die Aufgabe, ihre Kinder bezüglich deren Spielfähigkeit richtig einzustufen und ihnen einen dem Alter und Können entsprechenden Wettkampf zu ermöglichen. Der HVW bietet in einigen Bezirken seit 2002 solche differenzierten Wettkampfformen an. Diese werden ab 2009 im gesamten Gebiet des HVW verbindlich eingeführt.