Notfall im Atemschutz-Einsatz

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Transkript:

Notfall im Atemschutz-Einsatz Trainingskonzept der Feuerwehr Stadt Furth im Wald 1. Atemschutz-Notfalltraining: Warum? 122 - Das ist die Zahl der Atemschutzgeräteträger, die allein im Jahr 2011 bei Einsätzen deutschlandweit verletzt wurden. 122 Frauen und Männer die überwiegend in ihrer Freizeit und unentgeltlich ihre Gesundheit für Mitmenschen aufs Spiel setzen. 122 Fälle, bei denen nahezu ausschließlich die Technik nicht versagt hat, sondern die Situation, die körperlichen Fähigkeiten, die Gefahren, die Vorgehensweisen falsch eingeschätzt wurden. Hinzu kam der Zufall, ein ebenfalls nicht ganz unwesentlicher Faktor. 122 brenzliche Situationen für das eigene Leben, die vielleicht verhindert hätten werden können. Auf jeden Fall 122 Situationen, in denen es gilt, richtig zu reagieren, um Schlimmeres zu verhindern. Dafür sind wir hier, dafür dieses Notfalltraining. Denn diese 122 Atemschutzunfälle innerhalb eines Jahres sind keine Ausnahme. Bereits heuer waren es laut Internet-Recherche knapp 50 - gemeldete - Zwischenfälle mit Personenschaden. In den Jahren 2009 und 2010 gab es jedesmal sogar einen Toten in Deutschland. Zum Vergleich: 2011 wurden in den USA neun tote Atemschutz- Geräteträger gezählt. Folge: Die Gefahr für Atemschutzgeräteträger ist trotz moderner Ausrüstung nicht zu unterschätzen und im Einsatz permanent vorhanden! Die Ursachen: So vielfältig die Brandeinsätze sind, die Gefahren sind nahezu immer die gleichen: Absturz bzw. Deckendurchbruch, Hitzeeinwirkung, herunterfallende brennende oder glühende Teile, Kreislaufkollaps, verrutschte Maske. Dies hat in einem Notfall fast immer zur Folge, dass die mitgeführte Atemluft zu knapp wird. Das Rennen gegen die Zeit beginnt... 2. Grundsätzliches: Bei der Atemschutz-Ausbildung wurde die Basis für den Einsatz vermittelt. Die Basis. Mehr nicht. Euere Ausbilder hatten Euch damals sicherlich mit auf den Weg gegeben, dass ständige Weiterbildung in der Heimatfeuerwehr essentiell ist. Denn nur so kann das erworbene Wissen vertieft werden und folglich im Ernstfall, wenn Angst, Nervosität oder auch Erschöpfung hinzu kommen, richtig gehandelt werden. Das gilt auch für dieses Notffalltraining. Wir können Euch nur die Anleitung zum richtigen Handeln im Notfall geben. Vertiefen müsst Ihr diese Tipps selbst. Dabei ist es wichtig, nicht nur zu üben, um geübt zu haben, sondern selbstkritisch die Fähigkeiten zu testen. In der Praxis sieht dies so aus: Atemschutzgeräteträger können als einzelne Gruppe, nicht unbedingt mit der gesamten Feuerwehr trainieren. Folge: Einzelne Bewegungsabläufe können - mit oder ohne simulierten Rauch - immer wieder durchgeprobt werden. Nach jeder Simulation soll sich das Team besprechen, ehrlich Erfahrungen austauschen, die einzelnen Maßnahmen diskutieren. Dabei sollte man sich für jeden Übungstermin einen

separaten Themenschwerpunkt vornehmen. Dies könnten sein: Öffnen von "heißen" Türen und Bewegung in Brandräumen; systematische Suche nach Vermissten in Wohnungen oder auch Betriebsgebäuden unter Nullsicht; Rettung von verunfallten Atemschutz- Geräteträgern. Wie sich unter "Nullsicht" trainieren lässt, wenn kein Nebelgerät zur Verfügung steht oder man nicht unbedingt ein Gebäude "verrauchen" möchte? Man kann auf der Maske ein Pergamentpapier aufbringen oder einfach die Flammschutzhaube falschherum aufsetzen, sodass sie das Sichtfeld verdeckt. Wichtig ist, dass ein auf diese Art trainierender AT-Trupp immer unter Beobachtung einer Person steht, die diese Übung leitet. Grundsätzlich gilt für Atemschutzgeräteträger: - Tragen entsprechender Schutzbekleidung mit ausreichendem Schutz (inklusive Flammschutzhaube) - praxisnahe Ausbildung (im besten Fall in Brandsimulations-Container oder im Brandhaus der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg) - ständiges Training (unter einsatzähnlichen Bedingungen) - regelmäßige ärztliche Kontrolle (nach der G26.III) und in der Zwischenzeit Aufrechterhaltung eines gewissen Fitnessstandes - Durchführung einer Atemschutzüberwachung (auch bei Übungen) 3. Richtiges Verhalten im Einsatz: Vor dem Einsatz: Gesundheit: Neben einer gültigen G 26.3-Bescheinigung und einer mit Erfolg abgeschlossen Atemschutz-Ausbildung ist vor allem der aktuelle gesundheitliche Zustand für die Entscheidung, ob man "Atemschutz geht", essentiell. Bei vorheriger Einnahme von übermäßigem Alkohol stellt sich die Frage sowieso nicht. Jedoch kann aber auch ein grippaler Infekt, eine allergische Reaktion (Pollen) oder allgemeines Unwohlsein vorliegen. Auch psychische Belastung oder emotionale Betroffenheit sind im Atemschutzeinsatz die falschen Begleiter. Ob ein AT-Träger psychisch oder physisch nicht einsatzfähig ist, kann ein Einsatzleiter oder Gruppenführer nur schwer beurteilen. Deshalb ist der einzelne Atemschutz-Träger verpflichtet, seinen Vorgesetzten auf körperliche Einschränkungen hinzuweisen! Ausrüstung und Vorbereitung auf den Einsatz: Grundsätzlich wird die Schutzkleidung wie bei der Ausbildung gelehrt vollständig angezogen, das AT-Gerät einer Kurzprüfung unterzogen. Erst dann meldet der Trupp seinem Gruppenführer die Einsatzbereitschaft. Normalerweise vergehen bis zum Einsatzauftrag einige Sekunden, oft gar Minuten. Diese Zeit sollten der Atemschutzgeräteträger und dessen Partner nutzen, um nochmals die Ausrüstung gegenseitig zu überprüfen und sich vor allem die Situation einzuprägen: Wie sieht das Gebäude aus? Wo liegen die Fenster? Wo ist der Hauptbrandbereich, die massivste Rauchentwicklung? Wie könnte ein Fluchtweg aussehen? Wo lauern generell Gefahren?

Einsatzauftrag: Nahezu immer ist es der jeweilige Gruppenführer, der dem Trupp den Einsatzbefehl erteilt. Er beschreibt in knappen Worten den Auftrag, die verwendeten Mittel und den Weg zum Einsatz. Wichtig ist, diesen Befehl nicht nur zu wiederholen, sondern ihn auch zu verstehen. Sollte es Zweifel geben: nachfragen! Soviel Zeit muss sein. Denn wird ein Einsatzbefehl missverstanden, kann dies fatale Folgen haben. Ebenso wichtig ist es, sich bei der Atemschutz-Überwachung zu melden. Diese muss mindestens wissen, wer als welchem Trupp wann mit welchem Druck zu welchem Auftrag geschickt wurde, also: Wer, wann, wohin bei welchem Druck. Im Einsatz: Dringt der Trupp in ein Objekt vor, ist er oftmals auf sich alleine gestellt. Dies heißt, der Truppführer hat zum einen das Einsatzziel vor Augen, zum anderen auch die Verantwortung für die Gesundheit - die eigene und die seines Partners. Grundsätzlich gilt: Der Trupp splittet sich nie auf. Gemeinsam geht man ins Objekt und gemeinsam verlässt man es. Gegenseitige Sicherung erfolgt entweder über den Schlauch, den Sicherheitsgurt oder beispielsweise Verbindungsleinen. Bewegen im Brandraum: Türen werden aus der sicheren Deckung heraus geöffnet, wenn die Gefahr besteht, dass dahinter ein Feuer wütet. In größeren Räumen bewegt sich der Trupp im Uhrzeigersinn. Dies gilt auf für Stockwerke. Damit soll einer Desorientierung entgegen gewirkt werden. Bei der Personensuche ist es wichtig, auch in Schränke, unter Betten zu suchen. Dabei kann die Feuerwehraxt als verlängerter Arm genutzt werden. Eine Wärmebildkamera dient in solchen Einsatzlagen als unerlässliches Hilfsmittel. In starken, verrauchten Räumen sollte sich der Trupp nahe am Boden bewegen. Der Truppmann am Strahlrohr, der Truppführer (eventuell mit Wärmebildkamera) direkt hinter ihm. Der TF kann seinem TM mit einer Hand auf der Schulter signalisieren, dass er bei ihm ist. Auch lässt sich damit der Löschvorgang steuern: Tippt der TF, der mit der Wärmebildkamera die Situation besser beurteilen kann, auf die Linke Schulter, schwenkt der TM sein Strahlrohr mehr nach links; tippt der TF auf die rechte Schulter, schwenkt der TM nach rechts; tippt der TF auf den Helm, dann passt die Strahlrohrposition. Handelt es sich um kleinere Räume, bietet die Position unter dem Türrahmen mehr Schutz vor Einsturz oder herunterfallenden Trümmern. Bei enormer Hitzestrahlung können gekippte Tische oder kleine Schränke als Hitzeschutz dienen. Wichtig ist das bodennahe Bewegen des Trupps, denn dann ist die Hitze etwas erträglicher und die Sicht auch besser. Zudem tastet man sich am Boden vorsichtiger vorwärts und merkt eher, wenn der Boden nachgibt als bei stehender Vorwärtsbewegung. Wichtig ist, dass der Truppführer beim Eintreffen am Auftragsort seinem Gruppenführer dies mitteilt und eine Lagemeldung gibt. Anschließend muss er in regelmäßigen Abständen Veränderungen der Situation sowie den verbleibenden Flaschendruck von sich und seinem Partner melden. Er ist auch dafür verantwortlich, dass der Rückzug angetreten wird, wenn die Restluft die doppelte Menge dessen erreicht hat, die der Trupp bis zum Erreichen seinen Auftragsortes verbraucht hat. Und wie gesagt: Auch der Rückzug erfolgt truppweise - egal, welche Restluftunterschiede vorliegen!

4. Der Notfall: Verhalten bei Gerätedefekt: Lungenautomat fällt ab. Eigentlich die Notfallsituation, die am öftesten auftritt. Grund: Steckanschluss sitzt nicht richtig. Bei Möglichkeit Luft anhalten. Partner auf Situation hinweisen. Dieser soll versuchen, Lungenautomaten wieder anzuschließen. Befindet sich bereits Rauch in der Maske, "Luftdusche" am Lungenautomaten drücken und damit Rauch aus Maske blasen. Träger merkt, Maske wird undicht, sitzt nicht richtig. Mit Hand auf Maske drücken, Rauch in Maske mit Luftdusche aus Maske blasen, Partner auf Notsituation aufmerksam machen und gemeinsamer Rückzug. Verhalten bei Flashover: Zu den größten Gefahren für Atemschutzgeräteträger gehört die plötzliche Rauchgasdurchzündung, auch "Flashover" genannt. Ihr kann durch kurze Sprühstrahlstöße an die Decke vorgebeugt werden. Sollte es dennoch zu einem Flashover kommen, sollte sich der Trupp blitzschnell auf den Rücken fallen lassen und mit dem Strahlrohr nach oben halten. Das Wasser wirkt ähnlich wie ein Schutzschild und kann die Gefahr durch die Feuerwalze reduzieren. Die Durchzündung hält nur kurze Zeit an. Anschließend ist sofort der Rückzug anzutreten, verbunden mit einer Lagemeldung. Zu bedenken ist, dass durch einen Flashover oftmals auch der Rest des Brandraumes innerhalb von Augenblicken in Flammen gesetzt wird, was den Rückzug erschwert. Backdraft: Mehr Probleme bereitet dagegen ein Backdraft. Tritt dieser auf, besteht generell kaum eine Möglichkeit, sich dagegen zu schützen. Deshalb ist es essentiell, hier bei der Türöffnung aus der Deckung heraus zu arbeiten. Das heißt: Truppführer öffnet geduckt aus der Deckung die Tür, Truppmann gibt Sprühlstrahlstoß an die Decke. Tür wird geschlossen und zehn Sekunden gewartet. Anschließend dringt Trupp in den Raum vor. Auf diese Weise beugt man einen Flashover vor, einen Backdraft könnte man so bedingt vorbeugen, dennoch ist er nicht ganz vermeidbar, deshalb: Unbedingt Deckung! Unterschied Backdraft/Flashover: Bei Flashover entzündet sich der Rauch. Es entsteht kurzfristig große Hitze. Bei Backdraft kommt eine explosionsartige Ausdehnung hinzu. Ursächlich ist eine unvollständige Verbrennung in einem Raum, in dem sich zwar Brandgase und enorme Hitze befinden, jedoch kaum noch Sauerstoff. Wird eine Tür geöffnet, kommt sekundenschnell Sauerstoff hinzu. Folge: Explosionsartige Ausdehnung. Verhalten bei Durchbruch: Gerade bei älteren Gebäuden besteht die Gefahr, dass der Boden nachgibt und Atemschutzgeräteträger einbrechen. Dem kann auf zweierlei Art vorgebeugt werden: Bodennahe Fortbewegung mit ausgestrecktem linken Bein, das sich vortastet. Anschließend leicht das Gewicht nach vorne verlagern. Sollte der Boden nachgeben, sich einfach zurückfallen lassen und das Gewicht somit vom vorderen Fuß nehmen. Zum anderen kann ein Blick durch die Wärmebildkamera verraten, ob der Boden bereits durch einen darunter liegenden Brandherd an Tragfähigkeit verloren hat. Ein entsprechend hellerer Fleck am Boden kann ein deutlicher Hinweis sein. Bricht der Partner ein, kann versucht werden, durch ausbreiten der Arme ein Durchfallen zu verhindern. Der zweite Atemschutzgeräteträger sollte schnellstmöglich Hilfestellung geben. Auch hier kann eine Feuerwehraxt dienlich sein. Sie kann als verlängerter Arm genutzt werden - sowohl für den Eingebrochenen oder den zweiten Mann im Trupp. Gelingt es, den Verunfallten aus der Bruchstelle zu ziehen, ist sofort mit der Überprüfung der Funktionstüchtigkeit seiner Ausrüstung zu beginnen. Anschließend Notruf absetzen!

Verhalten bei Sauerstoffmangel oder Gerätefehlfunktion: Dass die Luft zur Neige geht, sollte eigentlich nicht passieren, wenn die Warneinrichtungen funktionieren und nicht ignoriert werden. Dennoch kann es passieren, gerade wenn sich der Trupp verirrt hat. Wird der Luftvorrat knapp, umgehend zunächst an den Gruppenführer Meldung absetzen, dass man sich als Trupp zurückzieht. Erst dann wird der Rückzug angetreten. Somit weiß der Gruppenführer über die Lage des Trupps Bescheid und kann ihm notfalls einen Rettungstrupp entgegen schicken. Sollte dennoch der Rückzugsweg wesentlich länger sein als der Luftvorrat, besteht die Möglichkeit, den Partner über den Zweitanschluss an die eigene Luftversorgung anzuschließen. Dies sollte jedoch nur erfolgen, wenn der eigene Luftvorrat noch deutlich ausreichend ist, denn: Ab sofort atmen zwei Personen an einer Flasche. Falls eine Maske defekt ist und der Weg aus dem Gefahrenbereich zu weit erscheint, kann im Extremfall auch eine Fluchthaube mit Nebenanschluss-Versorgung verwendet werden. Diese Lösung ist zwar riskant, da die Maske abgelegt werden muss, kann aber im Notfall Leben retten. Anschließend sollte umgehend der Rückzug angetreten werden. Wie gesagt: Der Wechsel zur Fluchthaube ist nur in absoluter Notsituation zu empfehlen. Verhalten nach Kollaps des Trupppartners: Dies ist vermutlich die wahrscheinlichste Notfallsituation, da Erschöpfung oder Dehydrierung schnell zu einem Kreislaufkollaps führen können. Denn: Bei Innenangriffen muss der Atemschutzgeräteträger nicht nur die im Alltag untypische Atmung kompensieren, sondern auch oft körperlich anstrengende Arbeiten verrichten. Zudem kann es zu einem massiven Anstieg der Körperkern- Temperatur kommen. Und das eingekleidet in Schutzkleidung, bepackt mit Ausrüstungsutensilien. Bricht der Trupppartner plötzlich zusammen, ist sofort ein Notruf abzusetzen. Dieser beginnt mit "Mayday, Mayday, Mayday..." (früher "Blitz"). Anschließend Truppname, Ort und Schilderung der Lage. Ein bereitstehender Rettungstrupp wird sich anschließend sofort auf den Weg machen. Bis zu dessen Eintreffen sollte der Trupppartner den Kollabierten durch Ziehen am Gurtzeug aus dem Gefahrenbereich (eventuell vom brennenden Zimmer in den weniger verrauchten Flur, von der Wohnung ins Treppenhaus...) bringen. Anschließend ist seine Atemtätigkeit zu überprüfen. Achtung: Keinesfalls die Maske abnehmen! Die Maske wird nur abgenommen, wenn sich der kollabierte Partner in die Maske übergibt! Der Partner bleibt immer beim Kollabierten, geht auch nicht dem Rettungstrupp entgegen oder übernimmt auch nicht die weitere Brandbekämpfung, außer bei absoluter Gefährdung durch Feuereinwirkung. Bis zum Eintreffen des Rettungstrupps kann der Partner bereits dem Kollabierten die Flasche abnehmen und diese lose auf dem Bauch legen, wobei die Maske beziehungsweise der Lungenautomat unverändert bleibt. Bei ausreichend Restluft ist die Betätigung des Druckknopfes am Lungenautomaten ("Luftdusche") zu empfehlen, was vitalisierend wirken kann. Verhalten bei Verschüttung oder Gehunfähigkeit des Partners: Zu den schlimmsten Notfällen, aber auch zu den wohl seltensten im Atemschutz-Einsatz zählt die Verschüttung eines Trupps bzw. Trupp-Partners. In einem solchen Fall muss umgehend wie beim vorher geschilderten Notfall "Kollaps eines Trupppartners" ein Notruf abgesetzt werden. Anschließend kann beispielsweise mit Hilfe der Feuerwehraxt versucht werden, durch Hebelwirkung den Eingeklemmten zu befreien. Auch der Einsatz der mitgeführten Feuerwehrleine ist zu empfehlen. Jedenfalls sollte der Trupppartner keinesfalls alleine gelassen werden, außer es besteht unmittelbar Gefahr fürs eigene Leben.

Eigenrettung: Es können sich Lagen ergeben, in denen ein oder mehrere Feuerwehrmänner in ein Zimmer zurückgedrängt werden. Aufgrund massiver Brandausbreitung auf dem Flur oder im Treppenhaus ist ein Rückzug auf dem normalen Weg nicht mehr möglich. Sollte sich der Brand beziehungsweise die intensive Rauchentwicklung auch auf den Raum, in den man sich geflüchtet hat, ausdehnen und die dort befindlichen Feuerwehrkräfte in enorme Bedrängnis geraten, gibt es bis zur Anleiterung von außen und somit der Bereitstellung eines Fluchtweges durch Dritte zwei Möglichkeiten, Feuer und Rauch zu entkommen: - Abseilen: Jeder Atemschutzgeräteträger muss mit einem Feuerwehr-Sicherheitsgurt ausgestattet sein. Zudem muss eine Rettungsleine mitgeführt werden. Der Haken am Gurt, ausgestattet mit einer Öse, kann innerhalb Sekunden zu einem so genannten Abseilachter umfunktioniert werden. Das eine Ende des Seils ist an einem Fixpunkt (zum Beispiel Heizkörper) zu befestigen, wobei die Feuerwehraxt als zusätzliche Stabilisierung eingesetzt werden kann. Das andere Ende wird mit Beutel aus dem Fenster geworfen. Anschließend kann sich der Feuerwehrmann - mit den Beinen an der Wand abgestützt - abseilen. Wichtig: Keinesfalls ins Seil stürzen, denn dann besteht Reißgefahr ab einer Belastung von 80 Kilo Gesamtgewicht! - Aus dem Fenster hängen: Ist keine Rettungsleine verfügbar und hat der Brand bereits den Rückzugsbereich erreicht, kann im äußersten Notfall der Atemschutzgeräteträger zu einer sehr unkonventionellen Schutzmethode greifen: Er hängt sich 90 Grad zum Fenster, Waagrecht zum Boden aus dem Fenster. Das Gewicht wird von einer Hand und einem Fuß, die sich im Fensterrahmen einspreizen, getragen. Damit entgeht der Feuerwehrmann in Not enormer Hitzebeschlagung beziehungsweise bei verbrauchtem Luftvorrat dem giftigen Rauchgas. 5. Der Rettungstrupp: Grundsätzliches: Für jeden eingesetzten Atemschutztrupp sollte ein Rettungstrupp zur Verfügung stehen. Dies erweist sich in der Alltagspraxis fast nie realisierbar, gerade bei Einsätzen am Tag und/oder in ländlichen Regionen. Dennoch darf keinesfalls auf einen Rettungstrupp verzichtet werden. Die Bereitstellung ist zeitnah zu veranlassen, da nach eingetretenem Notfall es schwierig ist, schnell einen Trupp zu organisieren. Gerade bei größeren Schadensfällen erweist es sich als günstig, einen mindestens vierköpfigen Rettungstrupp aus verschiedenen Teileinheiten (Feuerwehren) zusammenzustellen. Er wird einem Gruppenführer unterstellt. Dieses Rettungs-Team wartet außerhalb des Gefahrenbereichs, aber dennoch in relativer Nähe zum Einsatzobjekt ausgerüstet (Lungenautomat natürlich nicht angeschlossen) auf den Befehl, bei einem Notfall unterstützend tätig zu werden. Dieses Rettungs-Team ist nicht als Atemschutzreserve zu verstehen, einzelne Team-Mitglieder sollten also nicht willkürlich für andere Aufgaben abgezogen werden. Ausrüstung: Jedes Team-Mitglied ist wie ein normaler Atemschutzgeräteträger ausgerüstet. Hinzu kommen verschiedene Rettungsutensilien, die am Mann verraten werden beziehungsweise bereit liegen. Das Minimum sieht ein Bergetuch, die mindestens ein Truppmitglied mit sich führt, oder eine Trage vor. Besser jedoch: In einer Schleifkorbtrage liegen verschiedene Ausrüstungsgegenstände zum Transport bereit: Notfalltasche mit Reserveluftflasche inklusive Maske, Lungenautomaten und

Mitteldruckleitung, zwei Fluchthauben, Feuerwehraxt als Hebelwerkzeug, Feuerwehrleine und Messer. Je nach Lage wäre die Bereitstellung einer Motorsäge sowie eines motorbetrieben Trennschleifers (auch Rettungssäge) empfehlenswert, um eingeklemmte Atemschutzgeräteträger schnell befreien zu können. Training: Die Aufgabe eines Rettungstrupps wird gerade in Einsatzübungen eher vernachlässigt. Es werden zwar zwei Atemschutzgeräteträger als Rettungstrupp bereit gestellt, jedoch bleiben sie bei Übungen oft ohne Einsatzauftrag. Dabei erfordert gerade die Rettung eines verunfallten AT-Trägers ein gutes Zusammenspiel unter den eingesetzten Kräften sowie einiges an Erfahrung wie auch Kondition. Deshalb sollte gerade bei Übungseinsätzen oder bei einem separaten Atemschutz-Training der Einsatz des Rettungstrupps intensiv geübt werden, bei wechselnder Zusammensetzung. Insbesondere das Verbringen eines verunfallten AT-Trägers in ein Rettungstuch oder - trage erfordert Übungserfahrung, ebenso der sichere und zugleich schnell Abtransport über Treppenhäuser und durch verwinkelte Gebäude. Besteht keine Evakuierungsmöglichkeit auf herkömmlichem Weg, kann der zum Beispiel Bewusstlose auch kopfüber bäuchlings auf einer sehr schräg platzierten Steckleiter über das Fenster zu Boden befördert werden. Dabei wird er von unten durch ein Mitglied des Rettungstrupps gestützt, während das andere ihn mittels einer Leine an den Beinen fixiert und kontrolliert ablässt. Dies und vieles andere funktioniert im Ernstfall aber nur, wenn's in Ruhe immer wieder geübt wurde. Aus diesem Grund hat die Feuerwehr der Stadt Furth im Wald auf Grund ihrer Ausbildungstätigkeit auch dieses kleine Trainingskonzept für Atemschutz- Notfallsituationen zusammengestellt. Gerne stehen Christian Scheuer, Kreisbrandmeister für den Fachbereich "Atemschutz", wie auch das Ausbilder-Team für Fragen und beratend bei Einsatzübungen zur Verfügung. Thomas Linsmeier Atemschutz-Ausbilder FF Stadt Furth im Wald