Grundlegende Gedanken

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Transkript:

Regionale Anpassungen für die Imkerei Grundlegende Gedanken mit dem Warré-Bienenstock Bernhard Heuvel Der Bienenstock nach dem französischen Pfarrer ELOI FRANÇOIS ÉMILE WARRÉ von ihm selbst VOLKSBEUTE genannt ist heute aktuell wie nie zuvor. Sie ist wirtschaftlich und praktisch in jeder Hinsicht und kommt dabei der Natur der Bienen entgegen. Der Warré-Bienenstock ist eine Magazinbeute und besitzt damit die Möglichkeit vielfältiger Anpassungen an die gegebenen örtlichen Verhältnisse. Gerade die Anpassungsfähigkeit der Magazinbeute hat zu ihrer heutigen weltweiten Verbreitung geführt. Zurzeit erfreut sich die rähmchenlose Magazinbeute der Warré-Bienenstock großer Verbreitung. So gibt es sie heute in Nord- und Südamerika, von Alaska bis Brasilien. Auch aus Südeuropa, Südafrika, Indonesien, Asien und Australien melden sich Imker, die begeistert mit dieser Beute imkern. Das Lebenswerk von ÉMILE WARRÉ die Bienenhaltung für Alle findet auf diese Weise ihre Würdigung. Schon ÉMILE WARRÉ verweist auf die Abhängigkeit des Erfolgs von den regionalen Verhältnissen:»Die Wahrheit. Keine Beute und keine Methode verwandeln Steine in Honig. Weder machen sie den Imker klüger, noch vermehren sie die Fruchtbarkeit der Königin oder verbessern sie die [Außen-]Temperatur. Folglich wird die Ausbeute je Bienenstock von Region zu Region, von Bienenstock zu Bienenstock und von einem Jahr zum anderen variieren, entsprechend dem Honigreichtum der Region, der Fruchtbarkeit der Königin, der Temperatur sowie des imkerlichen Geschickes.«1 Außerdem trennt WARRÉ hier zwischen Beute und Methode. Weltweit wird der Warré-Bienenstock methodisch sehr unterschiedlich genutzt. Und das ist auch gut so. Denn von der Anpassung der Beute und der Methode profitiert letzten Endes nicht nur der Imker, sondern auch die Bienen.»All beekeeping is local.«(übersetzt: Jede Imkerei ist regional.) 2 WARRÉ arbeitete unter seinen Verhältnissen mit der Bildung von Ablegern und der heroischen Methode, von der er sagte:»unter den gegenwärtigen Umständen wird die Anwendung dieser Methode ohne Zweifel zu einer Notwendigkeit werden, um sich einen Gewinn zu sichern.«3 1 Abbé Emile Warré: Bienenhaltung für Alle. Einfach und ertragreich imkern. Seite 8. http://www.warrebienenhaltung.de 2 Michael Bush: The Practical Beekeeper Volume II. ISBN: 978-1-61476-062-7, Seite 269-270 3 Abbé Emile Warré: Bienenhaltung für Alle. Einfach und ertragreich imkern. Seite 9. http://www.warrebienenhaltung.de

Zeit für Anpassungen! Die klassische Methode von WARRÉ beruhte auf der rechtzeitigen Erweiterung der Beuten im Frühjahr, wobei die Zargen untergestellt wurden. Die Bienen wurden weitestgehend bis zur Ernte im Herbst in Frieden gelassen. 4 Schwärme wurden dabei in Kauf genommen. Diese Methode ist nicht unter allen Umständen von Erfolg gekrönt. In der Natur gingen schon vor Zeiten der Varroamilbe 85 % der Schwärme wilder Honigbienenvölker ein, wie eine groß angelegte Untersuchung von Seeley&Morse zeigt. Hinzu kommt, daß diese Methode auf die Vitalität der Bienen und auf eine nektarreiche Flora über die ganze Saison hinweg setzt. Wie das eingangs erwähnte Zitat von WARRÉ zur Notwendigkeit der heroischen Methode zeigt, war ihm bewußt, daß die Umweltverhältnisse im Wandel begriffen waren. An Stelle fortwährender kleiner Trachten von wilden Gehölzen, Sträuchern und Kräutern traten die Massentrachten, aufgeräumte Felder und Wälder. Die heroische Methode macht ihren Namen alle Ehre, denn sie ist mutig und mit Risiken behaftet. Sie entspricht der sogenannten Totalbauerneuerung, wie sie heute zur Varroabekämpfung angewandt wird. Die gesamte Brut und das Wabenwerk wird entnommen.»die Brut hält viele Bienen im Bienenstock zurück, die Honig sammeln gehen könnten.«5 Diese Logik ist zwar richtig, doch die regionalen Verhältnisse erlauben die Anwendung der heroischen Methode nicht immer. In unserer Region gibt es fast ausschließlich Frühund Frühsommertracht. Bevor die Völker sich von der Brutlosigkeit erholt haben, ist die Trachtzeit vorbei. Und damit die Chance, erwähnenswerte Mengen an Honig anzulegen weswegen die Völker in der Folge mit Zucker gefüttert werden müssen, um den Winter zu überleben. Wie eine Totalbauerneuerung, mindert auch ein Schwarm den Eintrag von Honig.»Wenn sie Platzmangel hat, schwärmt sie: die Ernte wird geschmälert.«6 Wer seine Völker schwärmen läßt, kann sich schnell von der Richtigkeit der Schmälerung des Honigertrages überzeugen. Nicht nur, daß die Mindesternte von 15 Kilogramm oft nicht aus eigener Kraft erreicht werden kann oft muß auch auf die Ernte verzichtet oder zugefüttert werden. Etwas Bienenbiologie Im Stabilbau habe ich beobachtet, daß es Unterschiede gibt, was die Bautätigkeit von Vorschwärmen mit alter Königin und den Nachschwärmen mit den jungen Königinnen betrifft. Es ist weithin bekannt, daß ein Vorschwarm mit alter Königin eine Stabilbaubeute sehr schnell und auch ohne Zufütterung ausbaut. Der Schwarm sitzt oft mittig unter der Decke und das Wabenwerk sieht gefällig aus. Anders beim Nachschwarm, der oft an der Wandseite mit dem Bau beginnt und verloren dreinschaut. Ein Nachschwarm bedarf oft genug der Fütterung. Daraus leite ich ab Irrtum nicht ausgeschlossen daß der Vorschwarm die Aufgabe besitzt, Hohlräume zu besiedeln und mit Wabenwerk auszugestalten, während Nachschwärme mit jungen Königinnen das gemachte Nest beziehen. Sei es das Wabenwerk im Mutterstock, oder das Wabenwerk verlassener Bienenbehausungen.- 4 Abbé Emile Warré: Bienenhaltung für Alle. Einfach und ertragreich imkern. Seite 176-177. http://www.warrebienenhaltung.de 5 Seite 137 6 Seite 128.

Findet ein Nachschwarm in der Natur kein Nest mit ausgebauten Waben, so ist er dem Untergang geweiht. Was die in der eingangs erwähnten Studie relativ hohe Sterblichkeit wilder Schwärme zumindest theoretisch begründen mag. Für die Entwicklung einer Betriebsweise im Stabilbau, leite ich daraus ab, daß Vorschwärme für das Ausbauen von Brutnestern zu verwenden sind, während Nachschwärme auf vorhandes Wabenwerk anzusiedeln sind. Jedenfalls kann damit nichts falsch gemacht werden. Schwarmimkerei und Vermehrung Wenn ein Volk sich teilt und schwärmt, zieht mit der alten Königin ein großer Teil der Bienen aus, mutmaßlich, um eine leere Behausung zu beziehen und dort ein neues Nest zu errichten. Zurück bleiben etwas Brut, jede Menge Nektar als Vorrat und unbegattete Königinnen, die eine Zeit braucht, bis sie in die Eilage kommt. Die Teilung des Volkes bedeutet eine zahlenmäßige Schwächung, was sich auf alle Aufgaben der Aktivitäten im Bienenstock auswirkt auf das Putz-, aber auch auf das Sammelverhalten. Der Vorschwarm mit der alten Königin muß erst das nötige Wabenwerk zur Anlage von Brut und dem Aufspeichern von Honig errichten. Während die Begattung und die Brutdauer eine Arbeiterin benötigt 30-40 Tage vom Ei zur Sammlerin! - die Entwicklung der Nachschwärme hemmen. Beide erreichen erst lange nach der Haupttracht (Mai und Juni) eine annähernd ähnliche Stärke wie vor dem Schwärmen. Um die Haupttracht im Mai/Juni zu nutzen, versuchen Imker das Schwärmen zu verhindern. Während konventionelle Imker hauptsächlich mit der Erweiterung mit Raum, dem Schröpfen von Bienenbrut und Jungbienen und dem Brechen von Weiselzellen arbeiten, arbeite WARRÉ mit der heroischen Methode und/oder Ablegerbildung mit ganzen Zargen. Alle Methoden haben gemein, daß sie versuchen das Schwärmen und damit die Schwächung des Bienenvolkes zu verhindern. Nun wird aber mit der Ablegerbildung, mit dem Schröpfen und anderen Maßnahmen das Volk ja doch geschwächt. Diese Maßnahmen erscheinen daher etwas widersprüchlich und oft genug schwärmen die Völker ja trotzdem, weil sie nicht genug künstlich geschwächt wurden. Wurden sie aber zu stark geschwächt, bringen sie kaum noch Honig. Es erscheint weiter widersinnig, erst Weiselzellen zu brechen um wenig später mit der Königinnenzucht zu beginnen. Schwärme zu unterbinden um dann anschließend Ableger/Jungvölker zu bilden. Erst Brut zu fördern und dann mit der Totalbauerneuerung der Varroa beizukommen. Es entsteht der Eindruck, daß so ein Bienenvolk durchaus unter diesem Hin und Her leiden und Schaden nehmen kann. Das Ziel der Imkerei ist es doch, zur Trachtzeit eine große Anzahl von Arbeiterinnen im Bienenvolk zu haben, um Honig zu ernten, Jungvölker mit jungen Königinnen für das nächste Jahr zu erhalten und der Dynamik der Varroapopulation zu entschleunigen. Im folgenden wird der Versuch unternommen, eine Methode für die Verwendung mit Warrébeuten zu entwickeln, die oben genanntes Ziel zu erreichen sucht unter Verwendung von Methoden aus der Schwarmimkerei (Demeter, Fischermühle) und der Magazinimkerei nach KARL PFEFFERLE. 7 Die eingangs geforderte Anpassung an die Verhältnisse und Notwendigkeiten verhindert, daß dieser Versuch der Methodenfindung eine Allgemeingültigkeit besitzt vielleicht hilft diese Beschreibung aber bei der Findung einer eigenen Betriebsweise. Zu nichts anderen 7 Karl Pfefferle: Imkern mit dem Magazin und mit der Varroatose. Selbstverlag.

sollen diese Zeilen dienen. Mit einfachen Schritten zum Erfolg 1 Ausgangssituation nach der Überwinterung. Nach der Auswinterung also noch im Vorfrühling, haben die Völker nicht den größten Teil der Honigvorräte aufgezehrt. Erst bei der Durchlenzung verbrauchen die Bienen durch die gesteigerte Bruttätigkeit die Vorräte. Vorgefunden wird bei zweiräumiger Überwinterung in der Regel eine mehr oder weniger gefüllte Honigzarge und eine Zarge mit mehr oder weniger Brut darin. Abbildung 1: Situation bei der Auswinterung 2 Reizung der Bruttätigkeit. Eine Biene benötigt 40 Tage vom Ei bis zur Sammlerin. Sollen also zu den ersten großen Trachten (Zwetschgen, Schlehen, Kirsche, Apfel) genügend Sammlerinnen und Bienen im Volk sein. Und dementsprechend die Brutentwicklung frühzeitig gefördert werden. KARL PFEFFERLE empfiehlt bei einsetzendem Pollenflug mit einer einfachen Maßnahme die Aufwärtsentwicklung des Volkes zu unterstützen. 8 Dazu entnimmt er zwei Honigwaben aus dem oberen Magazin, die er anritzt. Die Bienen tragen so den Honig aus und lagern ihn um das Brutnest herum, wobei PFEFFERLE hier von versteckten Eiweißreserven in den Waben spricht. Die freiwerdenden Zellen in der oberen Zarge werden alsbald als Brutzellen verwendet und die Bienen brüten nach oben durch. Die Zelldeckel müssen nur leicht angeritzt werden. PFEFFERLE:»Überall, wo die Bienen aus dem Brutnest herausgreifen, finden sie offenes Futter und bekommen den Eindruck, im Futter zu schwimmen. Das beflügelt die weitere Entwicklung.«8 Karl Pfefferle: Imkern mit dem Magazin und mit der Varroatose. Seite35 ff. (Selbstverlag.)

WARRÉ schreibt zur Ablegerbildung:»Wenn Sie zu Beginn der großen Honigtracht vorgehen, und wenn Sie im Herbst die notwendigen Vorräte belassen haben, findet sich in der Zarge Nr. 1 [Anmerkung: oberste Zarge] sicher Brut, mit der die Bienen eine Königin nachziehen werden.«9 Auch WARRÉ spricht hier von zwei durchbrüteten Zargen. Das ist aber bei weitem nicht immer der Fall im Gegenteil hinken die Bienen von der Entwicklung oft hinterher. Die von PFEFFERLE gezeigte Reizung der Bruttätigkeit in die obere Zarge hinein, kann hier Abhilfe schaffen, um auf die erforderliche Anzahl von Bienen im Mai zu kommen. Eine Wabe im Warré-Maß besitzt beidseitig etwa 4.000 Zellen, also pro Zarge sind es etwa 32.000 Brutzellen (maximal). Zwei Zargen werden wohl mindestens benötigt, um ein Volk von 40.000 Bienen und mehr aufzubauen. Da die Bienen ja zeitlich in Kaskaden schlüpfen. Indikator: Pollenflug Abbildung 2: Anritzen der zentralen Honigwaben in der oberen Zarge. 3 Schwarmtriebförderung und Bautätigkeit. Spätestens mit der Löwenzahnblüte erwacht die Bautätigkeit. In der Magazinbetriebsweise nach PFEFFERLE wird die Aufwärtsbewegung weiter fortgeführt, indem weitere Magazine aufgesetzt werden. In der beabsichtigten Schwarmimkerei lassen wir die Bienen zunächst an die Decke stoßen und die ersten Nektareinträge werden das Brutnest wieder etwas nach unten drängen. Durch Untersetzen geben wir den Baubienen etwas zu tun. 9 Seite 146.

Indikator: Löwenzahnblüte Abbildung 3: Leerzarge für die Bautätigkeit. Diese Zarge wird später mit begonnenen Wabenwerk ausgeführt sein und kann in der Folge als Bauvorgabe für Schwärme dienen. Dieser Schritt kann entweder ausgelassen werden oder wie bei PFEFFERLE mit Aufsetzen abgewandelt werden.

4 Erste Tracht. Mit der ersten einsetzenden Massentracht (Kirsche) sollte der Honigraum aufgesetzt werden, damit dieser ausgebaut wird und die ersten Vorräte angelegt werden. In dieser Zeit schlüpfen täglich etwa 1.000 Bienen die wollen beschäftigt werden. Bauen und später sammeln sind dazu gute Aufgaben. Indikator: Kirschblüte Abbildung 4: Honigraum aufsetzen. 5 Schwarm und Verwendung von Schwärmen. Mit der ersten Nektartracht und den täglich zunehmenden Bienenzahlen, werden die ersten Weiselzellen angelegt und gepflegt. Schon bald tauchen Drohnen auf, die im und vor dem Stock zu beobachten sind. Hier ist der Schwarm nicht mehr lange hin. Sobald die Temperaturen in der Nacht zweistellig bleiben (> +10 C) ist mit Schwärmen zu rechnen. Fällt der Vorschwarm, so ist er einzufangen. Das kann auf verschiedene Art und Weise geschehen. Entweder mit aufgestellten Schwarmfallen oder an den Bienenstöcken montierten Schwarmfallen. Selbstverständlich ist das Einfangen von Hand ebenfalls möglich genügend Freizeit zur Mittagsstunde vorausgesetzt. Anders als bei WARRÉ empfohlen, sollte der Vorschwarm nicht in einige Entfernung weggebracht werden. Sondern der Vorschwarm, mit seiner Lust zum Bauen, erhält zwei leere Zargen, auf welche die Honigzarge des ursprünglichen Volkes aufgesetzt wird. Der Vorschwarm wird an die Stelle des alten Volkes gestellt. Dadurch fliegen ihm die Flugbienen zu und das Volk ist zahlenmäßig sehr stark und brutfrei. Ähnlich der heroischen Methode nur weniger heroisch. Und durch die Aufnahme fast aller Flugbienen ist der Stock bereit zum Sammeln. Die Trachten im Mai/Juni können so durch die Bienen genutzt werden.

Abbildung 5: Vorschwarm an alter Stelle mit Leerzargen. Brutzargen als Ableger. Die Zarge mit dem angetragenem Honig verleitet zum weiteren Sammeln von Honig. Die Brutzargen des ursprünglichen Volkes werden aufgeteilt und die Weiselzellen auf die zwei Zargen aufgeteilt. Sollte Brut nur in einer Zarge vorhanden sein, wird eben nur die eine Zarge verstellt. Die Flugbienen werden die Ableger größtenteils verlassen, wodurch sie zu klein sind, um noch weiter zu schwärmen. Diejunge Königin wird begattet und die beiden Völker wachsen bis zum Sommerende zu Jungvölkern heran, die im nächsten Jahr produktiv sein können. Eine Variante davon ist die Zwillingsbetriebsweise. Hier wird eine Leerzarge auf die beiden Völker in der Art aufgesetzt, daß die Bienen über diesen Raum miteinander kommunizieren und ihre Arbeitskraft austauschen können. Das befördert beide Ableger. Dazu wird ein Absperrgitter unter die Leerzarge untergesetzt. Abbildung 6: Zwillingsbetrieb der Ableger. Indikator: Blüte von Apfel und Roßkastanie Auf diese Weise schaffen es die Jungvölker, eigenen Honig für die Überwinterung zu sammeln. Die durch das Schwärmen verursachte brutfreie Zeit, kann für die Varroabehandlung genutzt werden vor allem bei den für das nächste Jahr bestimmten Ablegern.

6 Trachtnutzung und Ernte. Die Honigernte erfolgt, sobald die Waben in den Honigzargen verdeckelt sind. Dazu werden Bienenfluchten eingesetzt, welche die Zargen vor der Entnahme größtenteils von Bienen leeren. Der Einsatz eines Absperrgitters zwischen Honigraum und Brutzargen kann in Gebieten mit Frühtracht als Haupttracht sinnvoll sein. Abbildung 7: Erweitern und ernten. Indikator:Himbeeren, Brombeeren, Robinie bis Sommerlinde Wenn die jungen Königinnen in Eiablage gegangen sind und die erste Brut schlüpft, sollte der Raum erweitert und noch eine Zarge gegeben werden. (Mit oder ohne Wabenwerk.) 7 Einwinterung. Werden die unteren Leerzargen der Ableger nicht ausgebaut, werden die zwei Völkchen zu einem vereinigt und eingewintert. Die Honigräume werden abgeerntet und die Völker aufgefüttert. Das Volk mit der alten Königin wird reduziert oder gegebenenfalls aufgelöst und mit den Jungvölkern vereinigt. Abbildung 8: Nach dem Auffüttern.

Schlußworte Ich hoffe, daß die obigen Ausführungen meinen Versuch zur Anpassung an unsere Frühtrachtgegend verdeutlichen. Ich verspreche mir viel davon, die klassische Methode von der Beute zu trennen und eine eigene Methode zu entwickeln, die auf die Verhältnisse hier vor Ort ausgerichtet ist. Mit Vorteilen nicht nur für mich, sondern auch für die Bienen. Einzargige Völker in den Winter schicken, das Zufüttern von Zucker, das Abschwärmen von Völkern, die gerade mal zwei Zargen ausgebaut haben, leere Honigtöpfe das alles muß nicht sein. Manchmal müssen ausgetretene Pfade verlassen und eigene Wege gesucht werden. Der Warré-Bienenstock ist außerordentlich flexibel und bietet die besten Voraussetzungen, um bei jedem von uns einfach und ertragreich zu imkern ganz im Sinne von WARRÉ. Ich darf mit seinem Schlußwort schließen:»mella fluunt tibi.«