ERASMUS Erfahrungsbericht PERSÖNLICHE DATEN Name des/der Studierenden (freiwillige Angabe) E-Mail (freiwillige Angabe) Gasthochschule Charles University Prague Aufenthaltsdauer von 01.10.2012 bis 15.02.2013 vorbreitender Sprachkurs EILC von bis Ich habe das 9. Semester im Ausland absolviert. ALLGEMEINES Wo haben Sie Informationen über die Gastuniversität gefunden? auf der offiziellen (u.a. englischsprachigen) Homepage der Uni http://www.cuni.cz/ukeng-1.html Welche Unterstützung bei der Organisation wird im Gastland vom International Office geboten und wer ist der Ansprechpartner? Jana Parkanova ist die Ansprechpartnerin in allen universitären Erasmusangelegenheiten. Sie verschickt alle paar Wochen eine Infomail mit allen wichtigen Informationen über startende Kurse, ist unglaublich geduldig und beantwortet jede noch so blöde Frage per Email oder persönlich in ihrem Büro! Wo findet man Informationen zum Studium (Kursplan, etc.)? http://www.lf1.cuni.cz/en/erasmus Welche Kurse wurden besucht? Psychotherapy, Surgery, Cardiology, Nephrology, Neurology, Gynaecology Welche Kurse sind empfehlenswert? Neurology, Radiology Ist die Organisation von Famulaturen einfach? Da ich keine Famulaturen absolviert habe, kann ich dazu leider keine Angaben machen KOSTEN Wie hoch waren die monatlichen Kosten? Unterbringung 150 Verpflegung 200 An-/Abreise (Flug, Zug, Auto) 120 Kosten für Unterlagen, Bücher, etc. 10
Sonstiges Ausflüge, Freizeit 200 SPRACHKURS (FALLS ZUTREFFEND) Haben Sie im Jahr vor dem Aufenthalt einen vorbereitenden Sprachkurs absolviert? Wenn ja, wo/bei welcher Einrichtung (z.b. MUI-Sprachkurs, etc.): Wie zufrieden waren Sie? Ja Nein Kosten des Sprachkurses: UNTERKUNFT Wie haben Sie Ihre Unterkunft im Gastland gefunden? Wie zufrieden waren Sie? Tipps für andere Studierende (z.b. Homepages, Zeitungen, Preis, ) selbst gesucht Gasthochschule hat Wohnungs-/Zimmersuche übernommen/war behilflich Freunde andere: zum größten Teil zufrieden (unschlagbar billig und viele Erasmusstudenten, jedoch nur Doppelzimmer und recht dezentrale Lage) - für 1 Semester absolut ausreichend, bei 2 Semestern kann man über eine zentralere und schönere Alternative nachdenken NARRATIVER ERFAHRUNGSBERICHT (MINDESTENS 1-2 SEITEN): Reisevorbereitungen, Versicherung, Vorbereitung auf die Gastuniversität Abreise und Ankunft am Studienort Betreuung an der Gasthochschule (International Office, Lehrende, Veranstaltungen für Erasmus- StudentInnen) Unileben am Studienort Studium (fachlicher Nutzen, welche Kurse haben Sie belegt, Niveau der Kurse, ) Tipps für zukünftige Erasmus-Outgoings "Ach, du machst auch Erasmus? Für welche Stadt wurdest du denn genommen?" fragt mich ein Kommilitone in der Vorlesung an einem Tag im Frühling 2012 mit strahlendem Gesicht. "Ich geh nach Prag!" antworte ich nicht weniger begeistert. Schlagartig verschwindet das Grinsen und er guckt mich ungläubig an "Nach Prag? Ok Deine erste Wahl haben sie wohl nicht bewilligt " Genau so und noch etliche Male in ähnlicher Form trug sich das Gespräch zu. Während andere ein halbes Jahr nach Teneriffa, Gran Canaria oder Rom flogen, hatte ich mich für das kalte Osteuropa, genauer gesagt für Prag, entschieden - und zwar als erste Wahl. 2/5
Die Bewerbung und die Vorbereitung gestalteten sich denkbar unspektakulär: Da man mir in der Studienabteilung signalisiert hatte, dass sich das Interesse an osteuropäischen Ländern bei den Erasmusbewerbern stark in Grenzen halte, machte ich mir keine größeren Sorgen um meinen Wunschort Prag. Nachdem ich die erwartete Zusage erhalten hatte, füllte ich das Anmeldeformular der Charles University Prague aus, machte ein Häkchen beim Unterpunkt "Ja, ich möchte eine Zimmer im Studentenwohnheim der Universität" und machte mich dann daran mir einen erasmustauglichen Stundenplan zusammenzustellen. Den ursprünglich geplanten Sprachkurs musste ich dann aus famulaturtechnischen Gründen leider wieder absagen. Wenige Wochen vor Beginn des Aufenthaltes bekam ich einen Umschlag mit meinen Studienunterlagen, allerlei Infomaterial über Unterkunft und Stadt, sowie einen Stadtplan zugeschickt. Der Sommer verging und plötzlich war es dann so weit: Von Mainz aus startete ich Ende September mit einem kleinen Zwischenstopp auf den Münchner Wiesn meine Zugreise nach Prag. Nach diverse Verspätungen der Deutschen Bahn und einer wirklich kräftezehrenden Fahrt, kam ich dann auch nach 13 1/2 Stunden in Prag an und wollte eigentlich nur noch in mein Wohnheim. Leider war gerade an diesem Sonntag irgendein Nationalfeiertag, sodass die Metros nicht so wie üblich fuhren. Ich konnte also nochmal ne halbe Stunde durch den Bahnhof irren, bis ich die geeignete Tramlinie fand, die mich Richtung Wohnheim brachte. Da hätte ich mich vorab wohl mal besser mit dem Fahrplan beschäftigt. An einem Endbahnhof für Bus und Bahn irgendwo in der östlichen Peripherie von Prag zwischen heruntergekommenen Plattenbauten und mit unzähligen Graffities verzierten Wänden stieg ich aus und fand - nach kurzer Suche - endlich mein Wohnheim: Das legendäre "Kolej Hostivar". Etwas heruntergekommen, aber das war mir ja schon im Vorhinein klar gewesen, ich wollte jetzt nur noch in mein Bett, in welchem Zustand es sich auch immer befinden mochte. Das Einchecken bei der betont unfreundlich Rezeptionistin verlief dann zum Glück problemlos und ich sah zum ersten Mal mein Zimmer: Geschätzte 15 m², zwei Betten, zwei Schreibtische, zu meiner Begeisterung ein eigenes Bad und ein Schrank. Das alles so geschickt im Tetrissystem angeordnet, dass es niemals möglich sein würde hier einen Gast auf einer Luftmatratze unterbringen zu können. Doch das war mir in diesem Moment wirklich reichlich egal. Die erste freie Woche nutzte ich, um zusammen mit meinem chaotischen spanischen Mitbewohner Ignacio (Nacho), den ich einige Tage nach meiner Ankunft kennlernen sollte, die Stadt zu erkunden und unumgängliche oragnisatorische Dinge zu erledigen. So besorgte ich mir in einem atemberaubenden Geduldsmarathon über drei Tage, den ich die meiste Zeit mit einer Wartenummer in der Hand absolvierte, meinen Studentenausweis, kaufte mir eine tschechische SIM-Karte und legte mir zusammen mit Nacho eine Grundausstattung an Küchenutensilien bei Ikea zu. In diesen ersten Tagen und Wochen kann man sich gar nicht dagegen wehren unendliche viele Leute kennenzulernen, die einen ebenso gerne kennelernen möchten. So konnte ich mich in der Folgezeit Nachos Versuchen, aus mir einen waschechten Spanier zu machen, etwas entziehen und die Bekanntschaft von Leuten aus Belgien, Italien, Lettland, Polen, der Slowakei, Slowenien, Portugal, Schweden, Kanada und sogar Malaysia machen. Irgendwann fing dann aber auch der Ernst des Lebens an und ich musste auch mal ein paar Kurse besuchen. Die Praktika wurden alle in englischer Sprache gehalten, dabei variierte das Sprachniveau der Dozenten deutlich, jeder gab sich aber innerhalb seiner Möglichkeiten die größte Mühe. Die kleinen Praktikumsgruppen bestanden entweder nur aus Erasmusstudenten oder waren Teil des englischen Parallelkurses, der aus ausländischen Studenten besteht, die ihr gesamtes Studium in Prag auf Englisch absolvieren. Mit tschechischen Studenten hatte man in dieser Konstellation leider absolut gar keinen Kontakt. Der Ablauf war meistens wie bei uns in Innsbruck eine Mischung aus Vorlesung und einem praktischem Teil auf Station und zumeist sehr anschaulich und interessant gestaltet. Einzig das Gynäkologiepraktikum fiel da negativ aus der Reihe, denn auf der Station fühlte sich absolut niemand für uns zuständig und es fühlte sich auch kaum jemand bemüßigt Englisch zu sprechen, sodass der Lerneffekt nahe null tendierte. Neben dem Unileben gab es in Prag natürlich einiges zu entdecken und erleben, denn die kulturellen und gastronomischen Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Dabei sind die Preise der ansässigen Lokale so günstig, dass man ohne Probleme auch mit einem begrenzten Studentenbudget jeden Tag Essen gehen und sich danach noch einen Kaffee in irgendeinem der wunderbaren Cafes gönnen kann. Zudem kann man für einen Spottpreis Opern - oder 3/5
Ballettvorstellungen in der schönen Staatsoper sehen, am Wochenende einen der zahlreich angebotenen Ausflüge in die umliegenden Städte (z.b. Karlstein, Karlsbad, Kutna Hora, Brno, Pilsen oder Theresienstadt) mitmachen oder den Abend in einer der Kneipen oder Clubs verbringen - das tschechische Bier schmeckt wunderbar. Und dann gibt es auch mal das ein oder andere Fußball-Europapokalspiel des AC Sparta Prags zu sehen. Da die Stadt im zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt blieb, kann man sich an den alte Fassaden der Häuser kaum sattsehen und der geschichtsträchtige Wenzelsplatz, auf dem 1969 die Panzer den Prager Frühling niederwalzten oder auch die Deutsche Botschaft, über die 1989 mehreren hundert Bürgern der damaligen DDR die Flucht in die Bundesrepublik Deutschland gelang, lassen einen die Bedeutung dieser Stadt nur erahnen. Abschließend kann ich jedem nur ans Herz legen sich ein halbes Jahr auf die Erfahrung Erasmus einzulassen. Der Anfang ist schwer und es läuft nicht immer alles glatt, aber es ist die einmalige Chance eine europäische Stadt so intensiv kennenzulernen, Sprachkenntnisse zu vertiefen, Studenten aus der ganzen Welt kennenzulernen und einfach eine gute Zeit zu haben. Ich habe die Erlebnisse meines Aufenthalts in einem Blog regelmäßig beschrieben: www.zugastindergoldenenstadt.blogspot.cz 4/5
FOTOS VON IHREM AUFENTHALT 5/5