Allgemeine Pathologie

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Transkript:

Allgemeine Pathologie Störungen Eiweißstoffwechsel Hyaline Massen

Hyaline Massen Definition Ablagerung von Eiweißmassen, die histologisch gekennzeichnet sind durch: - eine homogene Struktur (glasähnlich = hyalin) - große Affinität zum Farbstoff Eosin - obwohl Amyloid diesen Kriterien entspricht, wird es nicht zu dieser Gruppe gerechnet - "hyalin" ist ein Adjektiv und kein Substantiv!

Hyalintropfige Rückresorption Niere

Hyalintropfige Rückresorption Niere Pathogenese (1): - Proteine, die im proximalen Tubulus aus dem Primärharn rückresorbiert werden, müssen von den Tubulusepithelzellen vollständig lysosomal abgebaut werden, die einzelnen Aminosäuren werden dann mittels Transportsystemen in das Blut abgegeben - die Rückresorption von Proteinen ist also ein zeit- und energieaufwändiger Vorgang!

Hyalintropfige Rückresorption Niere Pathogenese (2): - Vorbedingung für das Auftreten einer hyalintropfigen Rückresorption ist eine vermehrte glomeruläre Filtration, von Eiweißen, diese kann beruhen auf: - Proteine mit einem Molekulargewicht von weniger als rd. 50.000 Da können bei einem erhöhten Blutspiegel vermehrt das intakte glomeruläre Filter passieren - bei defektem glom. Filter (Glomerulonephritis, Amyloidose) können auch größere Proteine passieren - in beiden Fällen liegt eine Proteinurie vor

Hyalintropfige Rückresorption Niere Pathogenese (3): - möglicherweise begünstigen Einschränkungen der Funktion der Tubuluszellen die Akkumulation (z.b. durch eine reduzierte Blutversorgung) - Folgen für den Patienten resultieren weniger aus der Speicherung als aus der zugrunde liegen Krankheit - in diesem Sinne ist das Phänomen nur ein Indiz für eine Störung außerhalb der Tubuluszellen

Hyalintropfige Rückresorption Niere Histologie: - Ablagerung von stark eosinophilen Kügelchen in den proximalen Tubulusepithelzellen -evtl. hyaline Zylinder im Tubuluslumen

Hyalinschollige Degeneration Zenkersche Degeneration der Muskulatur

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Pathogenese (1): - wichtig zu wissen ist: es handelt sich um eine für quergestreifte Muskulatur (Herz- / Skelettmuskulatur) typische Koagulationsnekrose - ein hervorragendes Beispiel dafür, dass viele Gewebe, auch bei einer großen Zahl verschiedener Einwirkungen, nur ein vergleichsweise kleines Reaktionsspektrum haben

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Ursachen: - Weißmuskelkrankheit (white muscle disease) ein Vitamin E und / oder Selen-Mangel - Belastungs-induzierte Myopathie sog. Feiertagskrankheit / Kreuzverschlag beim Pferd - Porcine Stress Syndrom = plötzlicher Herztod des Schw., maligne Hyperthermie - Capture myopathy bei Wild- und Zootieren - Toxische Myopathien Ionophore (Monensin u.a.)

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Makroskopie: - die betroffenen Muskelpartien sind häufig deutlich heller - sie können ödematisiert und von weicher Konsistenz sein (pale - soft - exudative - PSE)

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Normale Histologie (1): Skelettmuskel (40-50 % des KGW, Mensch) - Muskelbündel - besteht aus einzelnen Muskelzellen (Muskelfaser), Synzytien bis 20 cm lang, ø bis 100 µm, mit vielen hundert Zellkernen - die Muskelfaser ist aus Myofibrillen aufgebaut, ø bis 2 µm (Längsstreifung) - die Myofibrille ihrerseits besteht aus Myofilamenten (Aktin und Myosin), deren spezifische Anordnung die Querstreifung erzeugt, daneben das Zytoplasma = Sarkoplasma, darin liegt u.a. das Myoglobin

Normale Histologie (2): Hyalinschollige Degeneration Muskulatur

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Normale Histologie (3): - die Muskelfaser ist umgeben vom Sarkolemm - es schließt sich eine Basalmembran an - jede Muskelfaser wird ferner vom Endomysium umgeben (retikuläre Fasern, Gefäße, Nerven) - Muskelbündel werden vom Perimysium, der Gesamtmuskel vom Epimysium umgeben - neben den randständigen Zellkernen der Muskelfaser gibt es sog. Satellitenzellen, die zwischen dem Sarkolemm der Muskelzelle und Basalmembran liegen (rd. 5% der Zellkerne; Stammzellen des Skelettmuskels)

Normale Histologie (4): Hyalinschollige Degeneration Muskulatur

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Pathogenese (2): - am Anfang steht häufig eine hochgradige Kontraktion einzelner Muskelfaserabschnitte, durch - übermäßige nervale Reizung - einen überschießenden Ca ++ -Einstrom in die Zelle - es kommt zur Ausbildung sog. Kontraktionsbänder, einem übermäßigen Zusammenrücken der Querstreifung

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Pathogenese (3): - die Myofibrillen gehen häufig direkt anschließend in eine Koagulationsnekrose über - die Nekrose ist fast immer nur abschnittweise (segmental) in der Muskelfaser ausgebildet - die Fasern haben in diesem Bereich einen deutlich vermehrten Durchmesser

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Pathogenese (4): - von dem Untergang können betroffen sein: - nur die Myofibrillen und das Sarkoplasma - zusätzlich das Sarkolemm - und zusätzlich die Basalmembran - und zusätzlich das Endomysium - vom Grad des Unterganges hängt auch das Regenerationsvermögen ab (s.u.)

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Pathogenese (5): - meistens kommt es nach kurzer Zeit zum Einwandern von Makrophagen in die untergegangene Muskelfaser - damit beginnt das Abräumen der nekrotischen Massen

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Pathogenese (6): - in einem Teil der Fälle von Zenkerscher Degeneration kommt es in den vitalen Muskelzellen zur Akkumulation von Ca ++ in den Mitochondrien (siehe Ca-Stoffwechsel) - histologisch ist diese Verkalkung in Form feiner blauer Punkte in der HE-Färbung zu erkennen - daneben können nekrotische Muskelpartien auch sekundär verkalken (dystrophische Verkalkung, s.u.) - die Verkalkungen sind makroskopisch an der hellen Farbe zu erkennen (Weißmuskel-Krankheit!)

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Pathogenese (7): - solange das Sarkolemm erhalten ist, kann es zur vollständigen Regeneration kommen: - es kommt zur Proliferation der Satelliten-Zellen, sie werden zu Myoblasten, wandern in die Mitte der "leeren" Muskelfasern und beginnen neue Myofilamente zu bilden

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Pathogenese (8): - ist das Sarkolemm geschädigt kommt es zum Austritt des Muskelfarbstoffs, zur Myolyse - ein umfangreicher Muskelschaden führt zur Myoglobinämie und zur Myoglobinurie - wenn die Basalmembran oder zusätzlich auch noch das Endomysium nekrotisch geworden sind, stellt sich ein Kontinuitätsverlust der Faser ein - wenn dieser nicht allzu breit ist, kann er durch Ausbildung von Muskelknospen, die dann miteinander verschmelzen, überbrückt werden, es kommt ebenfalls zur Regeneration

Hyalinschollige Degeneration Muskulatur Pathogenese (9): - ist der Spaltraum zu breit, so wird er durch Binde- oder Fettgewebe aufgefüllt, es kommt zu einer Narbe - im Randbereich findet man häufig Muskelknospen, die nicht mit Fremdkörper-Riesenzellen verwechselt werden dürfen

Hyaline Membranen Lunge

Hyaline Membranen in der Lunge Pathogenese (1): - es handelt sich um eine Störung im Bereich der Alveolarsepten der Lunge - als Folge einer Sauerstoffunterversorgung kommt es - zum Austritt von Blutbestandteilen aus den alveolären Kapillaren in das Alveolarlumen (Ödem und Fibrin) - zum Untergang von Alveolardeckzellen - alle drei Komponenten verdichten sich zu hyalinen Membranen, die wie eine Tapete die Alveolen auskleiden und so den Gasaustausch behindern

Pathogenese (2): Hyaline Membranen in der Lunge

Hyaline Membranen in der Lunge Vorkommen (1): - hyaline Membranen sind die Folge eines diffusen alveolären Schadens (diffuse alveolar damage) - die Schädigung kann hämatogen, d.h. über das Kapillarendothel oder aerogen, über die Alveolardeckzellen zu den Alveolarsepten gelangen - weitere Bezeichnungen sind acute respiratory distress syndrome (ARDS) - bei Überleben des Individuums kommt es zu einer interstitiellen Pneumonie (siehe Spez. Pathologie)

Hyaline Membranen in der Lunge Vorkommen (2): - Neonatales respiratory distress syndrome - Folge der Lungenunreife, Mangel an funktionsfähigem Surfactant, mangelhafte Entfaltung der Lunge, Sauerstoffunterversorgung - respiratory distress syndrome der "Erwachsenen" - Virusinfektionen (+++) - Reizgase (Stallbrand)

Hyaline Emboli / Hyaline Thromben in Gefäßen

Hyaline Thromben / Emboli Pathogenese: - intravasale homogene eosinophile (z.t. pinkfarbene) Massen - die entweder frei im Lumen größerer Gefäße liegen oder kleine Gefäße (Kapillaren) vollständig ausfüllen - die Massen können entweder verschleppt werden (hyaline Emboli) oder sie entstehen in den Kapillaren selbst (hyaline Thromben) - sie sind Ausdruck einer disseminierten intravasalen Gerinnung (DIG) - siehe Kreislaufstörung (Thrombose)

Hyaline Thromben / Emboli Definition (2): - frei im Lumen liegende hyaline Gerinnsel entstehen vermutlich durch eine umfangreichere Freisetzung von Thromboplastin (z.b. aus untergehendem Gewebe) - der Durchmesser der hyalinen Gerinnsel beträgt 10-60 µm, ist also deutlich größer als der von Erythrozyten! - es kann angenommen werden, daß diese Gerinnsel mit dem Blutstrom verschleppt werden und schließlich in kleinkalibrigen Gefäßen stecken bleiben (hyaline Emboli)

Hyaline Massen Definition (3): - bei den lumenfüllenden Gerinnseln in kleinen Gefäßen kann es sich entweder um hyaline Emboli (s.o.) oder um vor Ort entstandene hyaline Thromben handeln - im Falle der Thromben geht man von einer Schädigung des örtlichen Gefäßendothels aus, die Anlaß zur Gerinnung ist - da es sich um Thromben in kleinen Gefäßen handelt spricht man auch von Mikrothromben, weil häufig zahlreiche Gefäße betroffen sind von Mikrothrombose, eine weitere, ältere Bezeichnung ist "shockbodies" - besonders betroffen sind die Endstrombahn von Niere (Glomerula), Lunge, Myokard