Kapitel 1 Microsoft Deployment Toolkit Einführung In diesem Kapitel: Automatisierte Installation die Anfänge 14 Was ist Microsoft Deployment? 14 Die Feature Teams im Überblick 16 Zusammenfassung 19 13
14 Kapitel 1: Microsoft Deployment Toolkit Einführung Automatisierte Installation die Anfänge Mit der Einführung von Microsoft Windows NT 4.0 manche können sich noch genau daran erinnern wurde ein neues Installationskonzept vorgestellt, das unbeaufsichtigte Installation hieß. Windows NT war für Firmen gedacht, und so sollte es möglich sein, Hunderte von Computern automatisch und ohne das Zutun von Benutzern zu installieren. Es wurden verschiedene Konfigurationsdateien verwendet, die Parameter, welche zur Installation abgefragt werden, automatisch füllten. Beispielsweise die Dateien Unattend.txt oder Sysprep.inf. Mit immer größer werdender Komplexität und flexibler Gestaltung des Installationsprozesses wurde auf die vielfachen Möglichkeiten des Skripting zurückgegriffen und es entstanden Lösungen von Administratoren und Beratungsunternehmen, um Computersysteme automatisiert zu installieren. Auch seitens Microsoft wurde eine skriptbasierende Lösung vorgestellt, bekannt unter dem Namen Business Desktop Deployment (BDD), die es ermöglichte, Betriebssysteme und Applikationen mittels Skriptingtechnologie automatisiert zu installieren. Dies begann in der Zeit von Microsoft Windows XP. Die Versionen 2.0 und 2.5 von BDD unterstützen Windows XP und auch verschiedene Imageformate von Drittherstellern wie etwa Symantec Ghost. Außerdem wurde berücksichtigt, dass bereits vorhandene Werkzeuge wie Microsoft Systems Management Server mit integriert werden sollten. Mit Microsoft Windows Vista wurde das Installationsverfahren grundlegend überarbeitet. Der Setup-Prozess, der von Microsoft Windows XP und den Vorgängerversionen her bekannt war, existierte in dieser Form nicht mehr. Es gibt noch eine Konfigurationsdatei und das Setup, doch Microsoft Windows Vista wird nun immer aus einem Image heraus installiert. Durch diese Änderung werden Ghost-Images von dieser Lösung nicht mehr unterstützt, sondern nur noch das hauseigene Imageformat. Außerdem erfuhren die Konfigurationsdateien eine Konsolidierung. Alle bekannten Dateien fügen sich nun in der Datei Unattend.xml zusammen, was am Anfang zwar verwirrend sein kann, doch nach späterer Betrachtung einen deutlichen Vorteil in der Übersichtlichkeit mit sich bringt. Um genau dies zu adressieren und die volle Unterstützung und die gleiche Flexibilität zu gewährleisten, wurde die Lösung BDD nochmals überarbeitet und unterstützt seit der Version 2007 Microsoft Windows Vista. Allen Fans von Windows XP sei gesagt, dass auch diese Funktionalität in BDD 2007 genauso enthalten ist, jedoch mit der Einschränkung, dass keine Symantec Ghost Abbilder verteilt werden können. Nicht nur Betriebssysteme, sondern auch die Verwaltungswerkzeuge wurden weiterentwickelt. Um auch diese Produkte zu unterstützen, erfuhr BDD eine Aktualisierung, die nun unter dem Namen Microsoft Deployment bekannt ist. Was ist Microsoft Deployment? Microsoft Deployment ist ein so genannter Solution Accelerator. Was verbirgt sich dahinter? Denken wir an die Installation von Windows Vista, so ist es in den meisten Projekten so, dass das Betriebssystem und die Applikationen installiert werden und das Aussehen des Betriebssystems vorkonfiguriert wird. Wenn wir uns nun weiter in diese Materie hineindenken, ist es notwendig, Applikationen, die bereits lizenziert sind, auf die Lauffähigkeit unter Windows Vista hin zu
Was ist Microsoft Deployment? 15 untersuchen. Ferner gilt es, die bestehende Infrastruktur zu untersuchen und festzustellen, ob beispielsweise die Netzwerkbandbreite ausreicht oder genügend Speicherplatz für die Abbilder zur Verfügung steht. Es gilt also, alles, was mit dem eigentlichen Thema Bereitstellung im Zusammenhang steht, zu untersuchen und genau das leistet Microsoft Deployment. WICHTIG Ein Solution Accelerator ist eine gesamtheitliche Lösung. Microsoft Deployment enthält alles, was beim Thema Installation wichtig ist. Es werden Standardtools verwendet, Skripts geliefert, eine Oberfläche zur Konfiguration, aber auch Anweisungen und Anleitungen, wie Anwendungen auf Kompatibilität untersucht werden, und Tipps zur Microsoft Office-Installation. Organisiert ist Microsoft Deployment in so genannte Feature Teams. Ein solcher Bereich kann als organisatorische Grundlage zur Projektorganisation verwendet werden oder nur als Merkpunkt für anstehende Untersuchungen, um ein Deployment-Projekt erfolgreich umzusetzen. Kurzum, alle markanten und wichtigen Aspekte sind in einem Feature Team abgebildet. Alle Feature Teams, die in diesem Buch betrachtet werden, finden sich mit einer kurzen Übersicht in diesem Kapitel. Abbildung 1.1 Microsoft Deployment Wheel HINWEIS Ein Feature Team ist ein organisatorischer Baustein im Deployment von Betriebssystemen und Applikationen. Wichtige Themen wie Applikationskompatibilität oder Infrastrukturanforderungen finden sich in einem Feature Team. Zu jedem Feature Team ist eine eigene Dokumentation verfügbar. Diese findet sich im Installationsverzeichnis von Microsoft Deployment im Unterordner Documentation.
16 Kapitel 1: Microsoft Deployment Toolkit Einführung Eine Übersicht über alle verwendeten Feature Teams im Solution Accelerator Microsoft Deployment befindet sich im so genannten Microsoft Deployment Wheel. Alle wichtigen Bausteine für den Themenbereich Deployment sind hier aufgelistet. Im Abschnitt»Die Feature Teams im Überblick«weiter hinten in diesem Kapitel werden die einzelnen und für das Buch wichtigen Bausteine erklärt. HINWEIS In der Microsoft Deployment Workbench wird unter Information Center Documentation das Microsoft Deployment Wheel angezeigt. Beim Klicken auf das jeweilige Symbol eines Feature Teams werden automatisch Links für weiterführende Informationen eingeblendet. Die Feature Teams im Überblick In diesen Abschnitten finden Sie eine kurze Beschreibung zu den jeweiligen Feature Teams und deren Aufgabe bei der Bereitstellung. Diese Feature Teams werden später im Buch in eigenen Kapiteln detailliert erklärt. Testprozess (Testing Process) Das Testen ist elementar für eine erfolgreiche Installation und das rechtzeitige Erkennen von Problemen und das Erarbeiten einer Lösung. Was in den Vorgängerversionen nur angedeutet wurde, ist nun in einem eigenen Feature Team berücksichtigt worden. Hier werden Empfehlungen ausgegeben, welche Komponenten in einer Testumgebung verwendet werden sollten. Vorbereiten der Infrastruktur (Infrastructure Remediation) Wird eine Migration geplant, so fließen verschiedene Aspekte mit in diese Planung ein. Es spielt eine erhebliche Rolle, ob Benutzerdaten während der Migration gespeichert werden und ob diese noch über das Netzwerk transportiert werden müssen, oder wie viele Images für verschiedene Betriebssystemkonfigurationen zur Verfügung gestellt werden müssen. Dies erfordert eine Planung und Analyse der Netzwerkbandbreiten und des Speicherplatzes auf Servern oder lokalen Festplatten. Dieser Themenbereich beschäftigt sich mit der Planung und der Analyse von Infrastrukturvoraussetzungen für Benutzerdaten und Deployment-Technologien wie Lite Touch Installation (LTI) und Zero Touch Installation (ZTI) in Verwendung mit Microsoft Systems Management Server 2003 (SMS) oder Microsoft System Center Configuration Manager 2007 (SCCM) und den zugrunde liegenden Netzwerken.
Die Feature Teams im Überblick 17 Entwicklung des Referenzabbilds (Image Engineering) Bevor ein Betriebssystem mit Applikationen installiert werden kann, ist es notwendig, sich Gedanken zu machen, wie das System konfiguriert werden soll und welche Applikationen Teil des Abbilds (Images) sein sollen, um etwaige Installationszeiten zu verkürzen. Je nach Abbildtyp kann nach Slim, Medium oder Fat unterschieden werden. Nach der Planung und dem Festlegen aller Elemente stellt sich die Frage, mit welchem Deployment-Werkzeug gearbeitet wird und welches ggf. zum Erstellen des Abbilds eingesetzt wird, z.b. Lite Touch-Umgebung aus Microsoft Deployment oder Microsoft Systems Management Server 2003 bzw. Microsoft SCCM 2007 oder andere Utilities. Alle diese Themen sind Bestandteil dieses Feature Teams. Verwalten der Applikationen (Application Management) Mit Microsoft Windows Vista hat sich einiges im System geändert. Lokale Administratoren werden zunächst im Benutzerkontext angemeldet, Applikationen erwarten spezielle Pfadvorgaben oder wollen auf die Registry zugreifen. Insbesondere Zugriffe von Programmen werden von Microsoft Windows Vista restriktiver gehandhabt als in Vergangenheit. Und genau dies hat zur Folge, dass sich einige Programme nur mit einem Mehraufwand installieren lassen oder es gar Probleme bei der Anwendung gibt. Genau dies soll aber bei einer Umstellung des Betriebssystems nicht passieren. Dazu ist die Aufgabe dieses Themenumfelds die Analyse bestehender Applikationen und das frühzeitige Untersuchen, ob ein Programm unter Microsoft Windows Vista läuft oder nicht. Aber nicht nur das Ausführen eines Programms ist ein wichtiger Punkt, sondern auch die Methode, wie eine Software installiert wird. Empfohlen wird das Erstellen von Microsoft Installer-Paketen, um eine reibungslose Installation durchzuführen. Migration Auch für eine Systemumstellung gibt es verschiedene Ansätze. Es können neue Computer installiert werden, bestehende Systeme können aktualisiert oder ausgetauscht werden. Bei den letzten beiden aufgeführten Beispielen wird immer davon ausgegangen, dass bereits Benutzer mit diesen Systemen arbeiten. Werden von diesen Anwendern Daten lokal auf der Festplatte gespeichert oder sollen deren Systemkonfigurationen mit auf das neue System übernommen werden, so stellt sich die Frage nach dem Wie. Microsoft liefert ein Werkzeug, das User State Migration Tool (USMT), welches in den Installationsprozess mit eingebunden werden kann. Bei der Planung der Migration ist es eine wichtige Aufgabe, sich zu überlegen, welche Daten und Einstellungen sinnvollerweise mit übertragen werden und welche nicht.
18 Kapitel 1: Microsoft Deployment Toolkit Einführung Office-Bereitstellung (Office Deployment) Dieses Buch behandelt die Installation von Microsoft Windows Vista und die Installation von zusätzlichen Applikationen. Im Solution Accelerator Microsoft Deployment wird auch die Bereitstellung von Microsoft Office 2007 behandelt. Meist wird in einer umfassenden Umstellung der Computersysteme auch die Office-Migration mit behandelt, um den Installationsaufwand für komplexe Applikationen zu senken. Ferner wurde die Installationslogik von Microsoft Office 2007 geändert. Es empfiehlt sich, diese Thematik auch vor dem eigentlichen Start des Deployments zu betrachten. Genau das ist die Aufgabe dieses Feature Teams. Sicherheit (Security) Sicherheit ist eines der wichtigsten Themen im späteren Betrieb. Aber auch zum Installationszeitpunkt ist es unerlässlich, sie zu berücksichtigen. So könnten für eine neue Version eines Betriebssystems neue Gruppenrichtlinien eine Rolle spielen, generelle Einstellungen, was Benutzer später sehen oder ausführen können. Alle diese Einstellungen können zum Installationszeitpunkt schon vorgegeben werden, aber auch der Systemstand, wie die Integration von Patches oder Service Packs. Dieses Team beschäftigt sich mit der Definition des internen Sicherheitsstandards und stimmt sich folglich mit den anderen ab, um den Sicherheitsstandard zum Installationszeitpunkt zu gewährleisten. Betrieb (Operational Readiness) Ein wichtiger Bestandteil eines jeden Projekts ist es, den Betrieb frühzeitig einzubinden und neue Aspekte des zu installierenden Systems und neuen Applikationen zu planen. Der Bereich Betrieb beschäftigt sich genau mit diesen Aspekten, sowie der Überwachung der Installation auf den Arbeitsplätzen. Business Case und Projektmanagement Ein Business Case ist die Grundlage eines Projekts. Hier werden der Nutzen und die Vorteile eines Vorhabens eines zukünftigen Projekts bewertet. Diese beiden Themen werden nicht näher im Rahmen dieses Buchs betrachtet, denn hier soll der Fokus auf die Technologie gelegt werden. TIPP Zur Erleichterung der Planung von Microsoft Windows Vista Deployment- und Microsoft Office- Projekten befinden sich unterhalb des Installationsordners von Microsoft Deployment die Verzeichnisse Documentation\Job Aids und unterhalb dieses Verzeichnisses ein weiterer Ordner Office. In diesen Verzeichnissen sind Beispielvorlagen und Dokumente zum Planen von Microsoft Windows Vista Deployment-Projekten und Microsoft Office-Projekten zu finden.
Zusammenfassung 19 Zusammenfassung In diesem Kapitel wurde Ihnen vorgestellt, was sich hinter dem Solution Accelerator Microsoft Deployment verbirgt und aus welchen Bausteinen dieser aufgebaut ist. In den weiteren Kapiteln werden diese Bausteine näher erläutert und deren Zusammenhänge dargestellt. HINWEIS Alle verwendeten Programme finden sich auf der Begleit-DVD zum Buch oder können direkt von den entsprechenden Microsoft-Downloadseiten geladen werden.