Seit wann gibt es eigentlich Handys?



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Unterrichten Anfänge Klasse 2 4 Seit wann gibt es eigentlich Handys? Nachrichtenübermittlung damals und heute Abb. 1: Ohne Handy geht es heute nicht mehr. Sogar manche Grundschul- oder Vorschulkinder haben ein eigenes. Foto: Shutterstock. com, New York/ Anette Linnea Rasmussen Kerstin Michalik Bei Kindern, die heutzutage mit Computer, Tablets und Smartphones groß werden, dürfte der lange Weg von Nachrichtentrommel und Rauchzeichen über das Morsen zum Internet Erstaunen hervorrufen. Wie die Nachrichten dabei prinzipiell übermittelt werden, kann mithilfe alltäglicher Gegenstände verdeutlicht werden. Dabei kommt es in dieser Altersgruppe nicht so sehr auf technische Details an, als auf grundsätzliche Überlegungen zu den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Kommunikationsmittel. Wichtige Grundlagen der technischen Nachrichtenübermittlung lassen sich über den Bau eines Schnurtelefons anschaulich machen. Das Schnurtelefon, auch unter dem Namen Dosentelefon bekannt, ist ein Klassiker, da es einerseits leicht herstellbar ist und andererseits gleichzeitig Prinzipien moderner Techniken der Nachrichtenübermittlung konkret erfahrbar macht. Erste Fadentelefone gab es schon 1000 n. Chr., und 1664 dokumentierte der Engländer Robert Hook seinen Versuch, mithilfe eines langgezogenen Drahtes Schall zu übertragen. Seit ca. Mitte des 19. Jahrhunderts fand das Schnurtelefon Verwendung und wurde unter dem Namen Lover s phone bekannt (Abb. 2). Diese Schnurtelefone können als Vorläufer oder sogar Urform moderner Nachrichtentechnik gelten, Abb. 2: Mit dem Lover s phone konnte man sich auch auf Entfernung etwas zuflüstern. Quelle: Wikimedia.org 10

weil sie auf der Übertragung und Weiterleitung von Schallwellen durch eine Leitung beruhen (siehe Infokasten unten). Moderne Nachrichtentechnik in Form des Telefons funktioniert ganz ähnlich, nur dass hier die Schallwellen nicht direkt, sondern als elektronische Impulse weitergeleitet werden und dadurch eine ungleich größere Reichweite erlangen. Der Bau eines Dosentelefons bietet vielfältige Möglichkeiten, sich im Unterricht forschend dem Phänomen der Schallwellenübertragung zu nähern und damit das historische mit dem technischen und dem naturwissenschaftlichen Lernen zu verbinden. Je nach Alter und Interesse der Kinder kann der Vorgang der Schallwellenübertragung im Dosentelefon (siehe Infokasten unten) thematisiert und in einer Zeichnung veranschaulicht werden. Bau eines Kinder-Mobiltelefons Der Bau eines Dosentelefons ist einfach (M1). Es sind nur wenige Materialien erforderlich, die in jedem Haushalt vorhanden sind. Mit den fertig gebauten Dosentelefonen können verschiedene Versuche durchgeführt werden (M2): > > Bei lauter oder flüsternder Stimme und bei verschiedenen Schnurlängen lässt sich die maximale Reichweite des Telefons erkunden. Fazit: Mit den einfachen selbst gebastelten Schnurtelefonen kann man die Stimme über 20 40 m übertragen. Früher wurden mit den Schnurtelefonen sogar Distanzen bis zu 400 m überbrückt. > > Das Prinzip der Übertragung von Schall kann zunächst durch einen sehr einfachen Versuch konkret erfahrbar werden: Was passiert, wenn man die Schnur zwischen den Fingern festhält? Fazit: Das Mobiltelefon funktioniert nicht mehr, weil Schall nicht übertragen werden kann, da die Schwingung durch die Finger gestoppt wird. Es ist so ähnlich wie bei der Schwingung einer Gitarrenseite, die unterbrochen wird, wenn man den Finger fest auf die Saite legt. > > Eine weitere Möglichkeit zur experimentellen Erprobung sind Versuchsauf bauten, anhand derer die Möglichkeit und die Qualität von Verbindungen über mehrere Ecken hinweg getestet werden kann. Hierzu empfiehlt es sich, einen dünnen Draht zu Zeit Kompetenzen Inhalte Voraussetzungen Material Arbeitsblätter ( nur auf CD) Auf einen Blick 2 3 Unterrichtsstunden Ich kann > > ein Dosentelefon bauen. > > Versuche mit verschiedenen Materialien machen, um die optimale Reichweite des Telefons zu testen. > > Versuche durchführen, um das Prinzip des Dosentelefons zu erkunden. > > Bildern Informationen entnehmen und diese in eine chronologische Reihenfolge bringen. > > Vor- und Nachteile verschiedener Formen der Nachrichtenübermittlung vergleichen. > > über den Sinn und Nutzen verschiedener Kommunikationsmittel nachdenken. Grundsätze der technischen Nachrichtenübermittlung, Geschichte des Mobiltelefons Lesefähigkeit 2 leere Konservendosen, Drachenschnur, Schere, Krepp- oder Isolierband, Milchdosenöffner M1 Ein Mobiltelefon bauen und testen M2 Versuche mit dem Dosentelefon M3 Nachrichtenübermittlung früher und heute (1) M4 Nachrichtenübermittlung früher und heute (2) M5 M6 Nachrichtenübermittlung früher und heute (1 und 2) (vereinfacht) M7 Was gab es zuerst, was kam danach? M8 Lösung: Was gab es zuerst, was kam danach? benutzen, der an Nägeln befestigt wird. Dabei ist es wichtig, dass der Draht außer dem Nagel nichts berührt (z. B. die Hauswand). Fazit: Der Ton wird auch über Ecken hinweg übertragen. > > Eine einfache, aber interessante Möglichkeit zum Forschen bietet die Erprobung unterschiedlicher Materialien. Anstelle von Dosen können auch Plastikbecher benutzt werden. Auch die Übertragungsqualität verschiedener Schnurmaterialien (Angelschnur, Paketband usw.) kann zum Testfall werden. Fazit: Am besten geeignet ist Nylonschnur, es kann aber auch Paketband, Geschenkband oder Draht verwendet werden. > > Die Kinder können ausprobieren, was passiert, wenn Sender und Empfänger beide gleichzeitig sprechen. Physikalische Grundlagen des Dosentelefons Töne verbreiten sich in der Luft als Schallwellen. Ist die Entfernung zwischen Sender und Empfänger allerdings zu groß, kann unser Ohr den Schall nicht mehr wahrnehmen. Das Dosentelefon wirkt hier als eine Art Verstärker. Die Vorgänge sind dabei komplex. Das Sprechen versetzt die Luft in der Dose in Schwingungen, die sich auf den Dosenboden übertragen. Der schwingende Dosenboden überträgt die Schwingungen auf die straff gespannte Schnur und diese überträgt sie auf den Dosenboden des Empfängers. Vom Dosen boden gehen die Schwingungen in die Luft über und gelangen an das Trommelfell im Ohr des Empfängers, wo sie vom Hörnerv aufgenommen und im Gehirn wieder in Wörter umgewandelt werden. Moderne Nachrichtentechnik wie die des Telefons basiert auf der Nutzung elektronischer Impulse: Die Schallwellen werden in elektronische Signale umgesetzt und durch ein langes Kabel weitergeleitet. Beim Nachrichtenempfänger werden diese Impulse wieder in Schallwellen umgewandelt und zur Grundlage von hörbaren Tönen. 11

Unterrichten Anfänge Klasse 2 4 > > Für Fortgeschrittene bietet sich der Bau des Zwei- Komponenten-Telefons an. Sender und Empfänger verbinden jeweils zwei Dosen/Becher mit einer Hauptschnur, sodass der eine Becher als Hörmuschel, der andere Becher als Sprechmuschel verwendet werden kann. Die Schnüre müssen alle straff gespannt sein. Auch hier kann erprobt werden, wie sich die Konstruktion auf die akustische Qualität auswirkt. Von der Trommel zum Internet Die Geschichte der Nachrichtenübermittlung verfolgen die Kinder über die Bekanntschaft mit Urformen der Versendung von Nachrichten und der Entwicklung moderner Formen der Datenübermittlung. Dazu schneiden die Kinder die Bildkartenbögen (M3 M4 bzw. M5 M6) auseinander und versuchen, die Ab bildungen in die richtige Reihenfolge zu bringen (M7). Dabei geht es nicht um die korrekte zeitliche Abfolge, sondern darum, sich über die Diskussion der Reihenfolge mit den Kommunikationsformen zu beschäf tigen. Zur Differenzierung kann jeweils auch nur einer der beiden Bildkartenbögen benutzt werden. Das Lösungsblatt (M8) zeigt jedoch die gesamte Abfolge. Der Vergleich der verschiedenen Kommunikationsformen kann auch die zunehmende Nutzung technischer Hilfsmittel und elektronischer Formen der Im- pulsübermittlung deutlich machen. Die Kinder können über Vor- und Nachteile dieser Entwicklung nachdenken und zum Beispiel erkennen, dass die größere Reichweite moderner Kommunika tionsmittel auch mit einer größeren technischen Abhängigkeit einhergeht. Eine weitere Überlegung könnte darauf gerichtet sein, warum es erforderlich war, über immer größere Entfernungen zu kommunizieren. Solche Überlegungen könnten verbunden werden mit der Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung von Fortbewegungsmitteln, der zunehmenden Mobilität der Menschen und der zunehmenden Vernetzung der Welt und ihrer Bevölkerung. Für die zeitliche Einordnung neuerer Formen der Datenübermittlung kann es hilfreich sein, wenn die Kinder Eltern oder andere Familienmitglieder dazu befragen, seit wann sie Fernsehen, Computer, Internet und Handy nutzen bzw. in welchem Alter sie mit diesen Geräten zum ersten Mal in Kontakt gekommen sind. Die Autorin Dr. Kerstin Michalik ist Professorin an der Universität Hamburg und gehört zum Herausgeberteam von Weltwissen Sachunterricht. Anzeige 12

Seit wann gibt es eigentlich Handys? M1 Ein Mobiltelefon bauen und testen Du brauchst: > > 2 leere Konservendosen (an einer Seite offen und mit abgeklebten Rändern) > > Angel- oder Drachenschnur (5 bis 10 Meter lang) > > 1 Milchdosenöffner > > 1 Partnerin oder 1 Partner, 1 Erwachsener So geht es: 1. Bittet eure Lehrerin oder euren Lehrer, mit dem Milchdosenöffner in die Mitte des Dosenbodens ein kleines Loch zu bohren. Das Loch soll so groß sein, dass die Schnur gerade so hindurchpasst. 2. Steckt das Schnurende von außen durch das Loch im Dosenboden und verknotet es in der Dose so, dass die Schnur nicht mehr aus der Dose rutschen kann. Das andere Schnurende steckt ihr durch das Loch in der anderen Dose und befestigt es ebenfalls sorgfältig. Fertig ist das Dosentelefon. 3. Beklebt die fertigen Dosentelefone mit Aufklebern, Klebebildern oder Ähnlichem. Versuch: > > Stellt euch so auf, dass die Schnur zwischen euren Dosen nirgendwo durchhängt. Sie muss stramm gespannt sein. > > Halte dir deine offene Dose vor den Mund. Dein Partner oder deine Partnerin hält sich die Öffnung der anderen Dose ans Ohr. > > Sprich leise in deine Dose hinein. Illustrationen: Rebecca Meyer > > Wenn deine Partnerin oder dein Partner dich richtig verstanden hat, könnt ihr tauschen. 13

M2 Seit wann gibt es eigentlich Handys? Versuche mit dem Dosentelefon 1. Ändert die Länge der Schnur. Wie lang kann sie höchstens sein? 2. Bittet eine Mitschülerin oder einen Mitschüler, die Schnur zwischen zwei Fingern festzuhalten, während einer von euch in die Dose spricht. Was passiert? 3. Führt die gespannte Schnur um 1 2 Ecken herum. Was fällt euch auf? 4. Probiert unterschiedliche Schnurmaterialien: Paketband, Drachenschnur, Geschenkband, Draht. Womit funktioniert das Telefon am besten? Und womit am schlechtesten? 5. Tauscht die Dose gegen einen Plastikbecher aus. Was geht besser? 6. Sprecht gleichzeitig in eure Dosen. Was passiert? 7. Knotet an die Enden der langen Schnur mit zwei kurzen Schnüren zwei Dosen oder Becher. Einen Becher haltet ihr an euer Ohr und gleichzeitig den anderen an den Mund. Sprecht nun miteinander. Was stellt ihr fest? Illustrationen: Rebecca Meyer 14

Seit wann gibt es eigentlich Handys? M4 Nachrichtenübermittlung früher und heute (2) G H I J Illustrationen: Rebecca Meyer K L 15