Aus dem Leben eines Wanderfisches

Ähnliche Dokumente
Aus dem Leben eines Wanderfisches

Und was ist mit den Fischen?

Der kleine Fisch und die Reise ins Meer

Wir machen Schifffahrt möglich. Anna und Mark an der Wasserstraße

1. Lisa und die Badeente

Wibke Watschel. ist eigentlich eine ganz normale Ente. Aber als sie wieder mal ein Ei legt, passiert etwas Ungewöhnliches.

Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung

Muster Original 50 ct

Arthur s Pass. Arthur`s Pass ->>>

Wo es quakt und klappert

Das Leben als Fluss Predigt zu Offenbarung 22, 1+2 am 27. Oktober 2013 in Wädenswil

Tiere im Teich - Frühling

Bach, Graben, Fluss in Leichter Sprache

Ein Angler jagt der kleinen Meerjungfrau Angst ein. Da staunt die kleine Meerjungfrau. Eine Krake hat sich auf ihren Kopf gesetzt.

Liebe macht blind. Krötenwanderung

Name Datum Klasse. Leseprobe Nr. 4

Justin Carmack: Eine Reise mit 100 Tauchzielen

6. Tag 16. September 2016 Andacht am Monte del Gozo BERG DER FREUDE

Posten 7: Fragen und Antworten Lehrerinformation

- wie alles begann -

Der Wal. Kanada Grönland

Spiel und Spass für Familien. Familien-Trophy «Steine»

Wasserfantasien. Stell dir vor, es ist Sommer. Die Sonne lacht, es ist heiß. Du möchtest etwas unternehmen, etwas entdecken.

EIN ABENTEUER IN DER STEINZEIT

Bewegungsspiel mit Glucks, dem Mineralwassertropfen

Wie zwei Bären wieder Freunde werden

Es war einmal vor langer Zeit, da lebte im dichten Dschungel eine wilde Frau. Ihr Name war Leonora-Amanda und sie sah wirklich recht wüst aus mit

Meine Augen? Mein Körper? Was ich denke oder fühle? Der kleine Punkt auf meinem Flügel, den ich noch nie bei einem anderen Vielfalter gesehen habe?

schrif Der Findefuchs 1. Kapitel: Der kleine Fuchs ist allein Der kleine Fuchs lag ganz im Gebüsch und fürchtete sich. Er wartete auf seine.

Bilder - geschichte für Kinder. Läusejagd. Ein Service von Pohl-Boskamp

Mein Museumsheft. Dieses Heft gehört: EE-1/2P. Naturhistorisches Museum Chemin du Musée Freiburg Tél.: +41 (0)

Der allerbeste Papa. Sueli Menezes Annika Siems (Illustrationen) Mein Papa liest vor! Zum Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren!

Es war einmal, vor langer Zeit, da lebte am Nordpol mitten zwischen Schnee und Eis ein riesiger zwei Meter großer Schneemann. Er hieß Fritzi Snowmen

Die wichtigsten Fischarten im Chiemsee sind: Renke, Brachse, Aal, Seesaibling, Seeforelle, Barsch, Hecht und Zander.

Kennenlernen des Engels (1. Einheit)

Gott entgrenzt sich Wenn Gesundheit ansteckend wird

Das vorwitzige Wassertröpfchen

STATION 3 AUWALD 1/5

Meeresschildkröten. Ein Vortragsdossier des WWF Schweiz. WWF Schweiz. Hohlstrasse 110 Tel.: +41 (0) Zürich

Julia Kreuteler Julia Patschorke. Moin-Moin, kleiner Bär! Der kleine Krebs. Verlag GmbH

- Infokarten (auf Halbkarton kopiert) - Arbeitsblätter

Wasserkraftschnecke Uppenborn der Stadtwerke München in der Gemeinde Wang

Wie entsteht ein Gewitter?

Ohne Wasser können wir nicht leben Katholischer Erntedankgottesdienst: Erzählt wird die Geschichte des kleinen Wassertropfen

Das Sommerland. Vom Sterben und der Hoffnung. Eine Erzählung von Eyvind Skeie. Aus dem Norwegischen vonandreas Ebert

2.Raupe schlüpft langsam aus dem Ei Heute ist Sonntag noch früh am Morgen. Die Sonne scheint warm und ohne Sorgen.

Die Bachforelle. Die Koppe. Turbinchens Schulstunde. Aussehen. Nahrung. Fortpflanzung. Lebensraum. Wissenswertes. Turbinchens Schulstunde.

FLUSSAUFWÄRTS ZIEL DES SPIELES

Brob Brennsuppson. Brob auf der Suche nach dem Krokodilkönig

Hüpfdiktat 1 - Waldtiere

Glucks. Ein Wassertropfen auf seiner Reise durch Greven

Die Wilden Finken bauen ein Haus

DURCHGÄNGIGKEIT IM SYSTEM REHBACH/SPEYERBACH. Neumühle Dudenhofen Baustellentermin Fischaufstiegsanlage am

Rallyebogen. zu Kraftwerks-App und Ausstellung Energieerlebnis Jochenstein ( Klasse)

Schulmaterial Haie und Rochen

Wanderung durch die Fischregionen / Gewässerregionen

Eine Schneeflocke erzählt

Superwoman!, rufe ich. Was? Es ist Andrea. Oh, sorry. Ich dachte, es wäre Kerstin. Ah. Sie klingt komisch. Was ist los?, frage ich vorsichtig.

BACCALAURÉAT GÉNÉRAL

Naturnahe Laicherbrütung des Fischereiverein Bad Säckingen

Prinzessin Ardita Ein albanisches Märchen. Recherchiert von Ardita Rexhepi

auf stehen aus aus sehen backen bald beginnen bei beide bekannt bekommen benutzen besonders besser best bestellen besuchen

In Wirklichkeit war es anders

Centre SNJ Hollenfels

#$ % % & '! " (!"! #!! )$ *+,*!! $ -!!. $ / / 0% 1 (!02! 3!4 " ( 4!5 ' ( : 80 D %80

Arctos der Eisprinz. for a living planet. Eine Geschichte zum Thema Klima und Arktis. Alter 6 bis 8 Jahre. Autor Eveline Monticelli

Prüfung-Kinderbuch-Der gefräßige Hamster :47 Uhr Seite 1

Auftragskarte 1b Mein kleines Wetter-Retter-Buch der erneuerbaren Energien

Bildergeschichte für Kinder. Läusejagd. Ein Service von Pohl-Boskamp. Läuse? Nissen? Panik? Mit NYDA einfach weg.

Tiere in Feld und Wald

Erlebe die ganze Welt von Resi:

Der Chemo-Kasper. und seine Jagd auf die bösen Krebszellen. Idee und Geschichte von Helle Motzfeldt

doch Madeleine ergriff plötzlich ein merkwürdiges Gefühl, ohne dass sie hätte sagen können, warum. Etwas entfernt konnte sie jetzt eine Sänfte sehen,

Ströme lebendigen Wassers

Ich in Inuyasha Liebesgeschichte

Unglaublich, dass jetzt schon 4 Monate rum sind seitdem ich die Einführung in Österreich hatte.

Ken sieht die Fledermaus auf die Burg zufliegen. Doch er bleibt am Rande des rätselhaften Blumenmeeres stehen, in dessen Mitte sich die Burg erhebt.

eine gefährliche Situation; Jemand braucht schnell Hilfe, z.b. von einem Arzt. 33 der Notfall, -.. e

Faszination DONAUDELTA. Unterrichtsmappe.

Pepper und das verlorene Küken

Bewegungsspiel mit Glucks, dem Mineralwassertropfen

Sidi freut sich: Endlich Ferien! Er ist auf dem Weg zu seinem Großvater Baba, der im Nationalpark als Parkwächter arbeitet. Heute ist ein besonderer

Músicas em Alemão - Maternal II

Der geheime Gipfel: der Gaulkopf im Zillertal

Heinz Stefan Herzka / Heiri Steiner. Trotzball

Unterrichtsmaterialien zum Thema Erhaltung der Biodiversität (TMBC)

Ich bin ein Boot VON ALEXANDER & MELANIE. Grafiken (Zeichnungen) von Melanie 10 Jahre. Erschienen Copywrite by Alexander Spanny

Nachdem ich bereits vor ein paar Jahren im Defereggental mein Glück mit der Fliege versucht hatte und dabei jedes Mal einen unglücklichen Zeitpunkt

Blutegel Therapie mit Hindernissen! Blutegel Therapie in Berlin mit (winterlichen) Hindernissen

Transkript:

Für weitere Information zum Thema steht Ihnen das Arbeitsteam Fischerei des Regierungspräsidiums Gießen gern telefonisch oder per e-mail zur Verfügung: Guntram Ohm-Winter, Tel.: 0641/303-5550 Guntram.ohm-winter@rpgi.hessen.de Walter Fricke, Tel.: 0641/303-5562 Walter.fricke@rpgi.hessen.de Marlene Höfner, Tel.: 0641/303-5554 Marlene.hoefner@rpgi.hessen.de Aus dem Leben eines Wanderfisches Regine Schuster, Tel.: 0641/303-5566 Regine.schuster@rpgi.hessen.de Jeder Fluss hat einmal klein angefangen. Jeder Fluss hat einmal klein angefangen. Herausgeber: Regierungspräsidium Gießen Text und Zeichnungen: Marlene Höfner Zeichnung Titelbild/S. 8/9: Pavel Vrána Fotonachweis: Walter Fricke, Marlene Höfner Regierungspräsidium Gießen Obere Fischereibehörde Dezernat 53.2

Jeder Fluss hat einmal klein angefangen. Dieser hier hat es eilig. Kalt und quirlig plätschert er über steinigen Grund. Er wächst rasch, denn viele kleine Bäche aus der Umgebung münden in den jungen Fluss ein. haben extra eine Vertiefung im Kies gebaut und die Eier dort zwischen den Steinen versteckt. Jedes Ei ist ungefähr so groß wie eine Erbse. Der schwarze Punkt ist sein Auge. Bald wird der kleine Lachs schlüpfen! Hier zwischen den Steinen beginnt die Geschichte von Max, dem Wanderfisch. Seine Geschichte wollen wir Dir erzählen. Max ist ein Lachs. Noch schlummert er in einem dieser Eier Fischlaich oder Rogen werden die Fischeier auch genannt. Seine Eltern

Es ist so weit. Naja, wie ein Fisch wirkt Max eigentlich noch nicht! Ein halbes Jahr ist vergangen. Sieh nur, wie Max sich verändert hat! Ja, jetzt sieht er schon wie ein Fisch aus und Was aussieht wie ein Spiegelei am Bauch, ist Max s Dottersack, der ihn noch eine Weile ernährt. Deshalb braucht der kleine Lachs noch nicht auf die Jagd zu gehen. Lieber versteckt er sich zwischen den Steinen. Das ist auch gut so das Leben eines kleinen Fisches ist gefährlich! ist etwa so groß wie dein kleiner Finger Er jagt im Wasser kleine Tierchen. Und er muss immer noch aufpassen, dass er nicht selbst gefressen wird! Gut, dass er sich immer noch zwischen den Steinen auf dem Gewässergrund verstecken kann!

Ungefähr zwei Jahre lang lebt er hier, wächst und verändert sein Aussehen: Ganz silbrig schimmert er jetzt. Doch irgendwann wird er unruhig. Wie jeder junge Lachs spürt er, dass er auf eine große Reise gehen muss. Denn Lachse sind Wanderfische. Sie legen tausende von Kilometern zurück, vom kleinen in den großen Fluss, immer weiter Richtung Meer. Wo der Fluss ins Meer mündet, machen die jungen Lachse eine Pause. Das Wasser ist ja salzig! Daran müssen sich die Fische erst einmal gewöhnen. Und dann geht s ins Meer. Hier ist alles anders. Groß und weit. Bis nach Grönland ziehen die Lachse und treffen dort auf Lachse aus anderen Ländern Europas und aus Nordamerika! Er prägt sich sein Heimatgewässer gut ein. Vor allem den Geruch wird er sich merken. Dann sammelt er sich mit vielen anderen Junglachsen und gemeinsam machen sie sich auf den Weg.

Die Zeit vergeht. Max und seine Gefährten verbringen eine schöne Zeit. Hier im Meer gibt es reichlich Nahrung. Du wirst ihn kaum wiedererkennen, so hat er sich verändert. Und er ist gewachsen: Ich glaube, er ist jetzt fast so groß wie du! So wie ihm geht es auch den anderen Lachsen. Wieder sammeln sie sich zum Schwarm. Dann beginnt die gefährliche Rückreise. Der Rückweg ist viel anstrengender, als der Weg ins Meer. Doch eines Tages packt ihn wieder die Unruhe. Max spürt es ganz deutlich: Er will zurück. Deutlich erinnert er sich an den kleinen Fluss, in dem er geschlüpft ist. Genau dort sollen auch seine Jungen zur Welt kommen. Diesmal müssen die Fische in den Flüssen gegen die Strömung schwimmen. Aber die Lachse wissen ganz genau, wohin sie wollen. Und nichts hält sie auf. Oder doch?

Max kann es nicht fassen: Mitten im Fluss steht eine Mauer. Sie ragt meterhoch aus dem Wasser heraus. Zwar können Lachse springen, aber SOO hoch? Die Gruppe ist auch schon ganz schön erschöpft. Wenn man Wasser staut, kann man seine Kraft sozusagen sammeln. Dann hat man Wasserkraft. Mit Wasserkraft lassen sich Dinge bewegen. Früher wurden vor allem Mühlräder damit angetrieben. Heutzutage wird mit Hilfe von Turbinen Strom erzeugt. Für die Menschen ist das prima. Für die Fische dagegen ist es nicht nur ärgerlich, sondern sogar gefährlich, denn sie können in die Turbinen geraten, wenn sie flussabwärts schwimmen. Bei der Wanderung den Fluss hinauf versperren die Staumauern den Weg. Und wie kommen Max und die anderen Lachse jetzt weiter? Sie schwimmen vor der Mauer hin und her, vor und zurück. Plötzlich spürt Max etwas. Die Fische können das nicht verstehen, aber dir kann ich erklären, weshalb solche Hindernisse im Wasser stehen. Fische können an den Seiten ihres Körpers die Strömung des Wassers fühlen. Die Stärke einer Strömung und auch die Richtung, aus der sie kommt. Wir können sowas nicht. Wozu auch?

Was Max jetzt fühlt, ist eine starke Strömung aus einer anderen Richtung, die ihn anlockt. Er weiß: wo Strömung ist, geht es flussaufwärts! Vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit für die Lachse, ihr Ziel zu erreichen. Neugierig schwimmt Max in die Richtung, aus der die Strömung kommt. Tatsächlich! Fische. Die Wasserrinne ist nicht besonders tief, wie ein Bach. Immer wieder müssen die Lachse richtig Anlauf nehmen, um zwischen großen Steinen hindurch zu schwimmen. Puh! Hier geht es ganz schön steil bergauf! Dann ist der Aufstieg geschafft. Das Wasser hier oben ist sehr ruhig. Die Lachse sind jetzt oberhalb der Staumauer angekommen. Hier ist es fast wie in einem See. Erst mal ausruhen! Aber woher kommt dieser Bach? Du musst wissen, dass die Menschen irgendwann bemerkt haben, dass es in den Flüssen viele Fischarten gar nicht mehr gibt. Und dann haben sie nachgedacht und geforscht und festgestellt, dass für Fische, die auf Wanderschaft gehen, der Rückweg durch die vielen Mauern in den Flüssen versperrt ist. Deshalb begannen sie, für die Fische Umleitungen zu bauen. Am Ufer des Flusses scheint ein Bach zu münden. Die Richtung stimmt auf jeden Fall immer noch, das spüren die

Weil die Umleitungen oft recht steil sind, nennt man sie auch Fischtreppen. Die Strömung dort ist stark. Deshalb baut man Steine ein, die das Wasser bremsen. Dahinter können die Fische sich ausruhen. Über die Fischtreppe ist Max mit dem Schwarm jetzt oberhalb der Mauer angekommen. Wenn er Glück hat, gibt es so ein Bauwerk auch bei der nächsten Staumauer. Dann werden die Lachse schon bald in ihrem Heimatgewässer angekommen sein. Sie bauen dort Laichgruben, und ihre Nachkommen werden aus kleinen kugelförmigen Eiern schlüpfen und erst einmal gar nicht wie ein Fisch aussehen. Ja, und in zwei Jahren werden sich Max s Nachkommen silbrig verfärben und auf den weiten Weg ins Meer machen! Nein, so ein Schild können sie natürlich nicht lesen. Aber sie können ja die Strömung aus dem Umleitungsgewässer spüren.