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Transkript:

- Eine Handschriftendatenbank zum weltlichen Recht im Frankenreich Informationen zur Handschrift aus: Ein Projekt der Universität zu Köln unter der Leitung von Prof. Karl Ubl Mit freundlicher Genehmigung der MGH www.leges.uni-koeln.de

Paris Lat. 2718 423 1) mit Kapitularien (siehe jeweils dort): Paris nouv. acq. Lat. 204 und Vatikan Reg. Lat. 991 (Nachtrag), Paris Lat. 4627, St. Gallen 729, Vatikan Reg. Lat. 846 und Warschau 1, dazu wohl Montpellier H 136 und der verschollene Leges-Codex von Beauvais (siehe unten Anhang II), 2) ohne Kapitularien: Berlin Lat. qu. 150 (zur Zeit Krakau, Biblioteka Jagiellonska), Paris Lat. 10756, Paris Lat. 4408, Vatikan Reg. Lat. 852 und 1431, Paris Lat. 4416 und Vatikan Reg. Lat. 857. D aß die Anregung für solch umfangreiche höfische Rechtskom pendien von ähnlichen Werken aus der Zeit Karls des Großen ausgegangen sein könnte, ist unten bei Cod. Paris Lat. 4629 angedeutet. Mit Recht spricht B i s c h o f f, Mittelalterliche Studien 3, S. 180 von den L e g e s, die wahrscheinlich serienmäßig in einem Skriptorium, in dem französischer Stil herrschte, geschrieben wurden, und vermutet an anderer Stelle deren planmäßige Vervielfältigung durch ein dem H ofe nahestehendes Zentrum (S. 76; vgl. auch d e n s., Paläographie, S. 267 f. mit Anm. 30). Denn die Hss. bieten in der Tat vor allem Leges, in einigen Fällen kombiniert mit römischem Recht, Formeln und Kapitularien, von letzteren freilich nur einen minimalen Ausschnitt. Ein umfassender Liber capitularium offiziösen Charakters ist bislang nicht nachzuweisen. Auch der gigantische Cod. Paris Lat. 4418, den B i s c h o f f, Mittelalterliche Studien 3, S. 180 direkt am Aachener H of unter Ludwig dem Frommen entstanden sieht und der vom Äußeren her am ehesten als repräsentatives kaiserliches Gesetzbuch gelten kann, enthält zwar Leges in Verbindung mit römischem Recht, aber keine Kapitularien. D em hier vorgestellten Parisinus Lat. 2718 stehen im Kapitularienbereich zwei Hss. nahe: der jüngere, wohl gleichfalls auf eine hofabhängige Vorlage zurückgehende Cod. Kopenhagen, Kongelige Bibliotek, Gl. Kgl. Saml. 1943.4 (Kapitularien a. 818/819; gemeinsames Unikat: Ludwigs des Frommen Prooemium generale mit der dort bekundeten Absicht, die Texte in publico archiuo zu verwahren) sowie der etwa gleichaltrige, auch der Gegend von Tours und dem Leges-Skriptorium zugeschriebene Cod. Paris, Bibliothèque Nationale, nouv. acq. Lat. 204 (nach zwei der Kapitularien a. 819 einige wenig jüngere Ludwigs des Frommen; gemeinsame Unikate: Capitula de iustitiis faciendis und Responsa imperatoris de rebus

830 Handschriftenanalysen L. B e t h m \ n n, in: Archiv 12 (1858 1874) S. 286 f.; MGH Capit. 2, S. XXVIII; K. A. E c k h \ r d t, Pactus legis Salicae 1 1, S. 36; W. A. E c k h \ r d t, Decretio Childeberti, S. 11 f., 54 ff.; M c K t i t e r i c k, The Carolingians and the written word, S. 53 Tab. A d e C l e r c q, La législation religieuse franque 1, S. 219; K. F. W e r n e r, Das Geburtsdatum Karls des Großen, in: Francia 1 (1973) S. 146 Anm. 113 von S. 145; B u o n o c o r e, Bibliografia 1, S. 611; C e r e s \, Bibliografia, S. 250. Zu foll. 94-100: M GH LL 3, S. 590 f.; M o m m s e n - M e y e r, Theodosiani libri XVI, Bd. 1,1, S. LXXXVI f.; Bd. 2, S. LX; M. C o n r \ t ( C o h n ), Aus H andschriften, in: ZRG Rom. Abt. 9 (1888) S. 387-389; d e r s., Geschichte, S. 89 Anm. 1, S. 90 Anm. 1, S. 92 Anm. 1; MGH LL nat. Germ. 2, 1, S. 21. Zu foll. 111-120: M GH LL 3, S. 3; M GH LL nat. Germ. 5, 1, S. 12 f.; K r u s c h, Lex Bajuvariorum, S. 315,323 u. ö.; M o s t e r t, Fleury, S. 267. Nachzeichnung: M GH LL 3, Taf. 1,5 nach S. 2 (fol. 112rb, Ausschnitt). Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Reg. Lat. 846 Vi3 9. Jh., 1. Viertel; Frankreich; vom Hofe abhängig, in Tours-ähnlichem Stil (B. Bischoff). Festes Pergament, 114 foll., 245 x 192-195 mm (200 x 135-140 mm), karolingische Minuskel und Tironische Kurzschrift, verschiedene Nachträge ab 9. Jh., 25 Zeilen, foll. 9-6 7 Kolumnentitel. Lagen: 8 IV64 + 367 + IV75 + (IV -1 )82 + 2 IV98 + II102 + V112 + I114. Die Hs. setzt sich aus drei etwa gleich alten Teilen zusammen: foll. 1-67,68-98, 99-114. Rubriken meist rot, einfache Initialen in hell- und dunkelbrauner Texttinte. Provenienz: Saint-Sulpice, Paris (?) (siehe unten zu foll. 78 und 79). Im 16. Jh. gehörte die Hs. Jean Du Tillet, Bischof von Meaux ( t 1570), im 17. Jh. Alexandre Petau (fol. l r Besitzvermerk a. 1647) und - seit 1650 - Königin Christine von Schweden (Montfaucon Nr. 1170). Alte Signaturen: 328; 99. An großen Rechtssammlungen bietet dieser alte Codex iuris nur die Epitome Aegidii der Lex Romana Visigothorum und die Lex Salica, verbindet also über die Brücke des beliebten Exzerpts aus Isidors Etymologien römisches Kaiserrecht mit königlich-fränkischem Recht, dem noch zwei frühe fränkische Kapitularien (a. 596 und 779) beigefügt sind. Inhalt und Schrift (mit Tironischen Noten) des Cod. Vatikan Reg. Lat. 846 weisen auf das höfische Leges-Skriptorium unter Ludwig dem Frommen, d. h. auf die kaiserliche Kanzlei, vgl. oben zu Cod. Paris Lat. 2718.

Vatikan Reg. Lat. 846 831 V r - 6 7 v Inhaltsverzeichnis Petaus (a. 1647); Alphabet, Übungssilben für Tironische N oten und Teil des Vaterunsers (9-/10. Jh.). Epitome Aegidii der Lex Romana Visigothorum, Titelverzeichnis bis Pauli Sent. V, 26 und Text von secundum quod lex ista (Theod. II, 16) bis RES EMPTA (Gregor. 7) (ed. H ä n e l, S. 5-1 4, 5 4-449; zur H s. S. LXXXVII f.); in der Capitulatio foll. 1V- 8 V zahlreiche Tironische Noten (übertragen von P. L e g e n d r e, Notes tironiennes du Vatic. Lat. Reg. 846 (folios 1 v à 8 v ), in: Mélanges offerts à M. Émile Chatelain [Paris 1910] S. 3 12-331), danach nur noch vereinzelt mit Kurzschrift durchsetzte oder rein Tironische Marginalglossen. 50r (marginaler Nachtrag 11. Jh.) Neum ierte Bruchstücke aus der Ostersequenz Fulgens praeclara (vgl. E. M. B \ n n i s t e r, Monumenti vaticani di paleografia musicale latina [Codices e Vaticanis selecti phototypice expressi 12, Leipzig 1913] S. 87 Nr. 251). Mit neuer Lage beginnt: 68r- 7 9 r Isidor von Sevilla, Etymologiae, V, 1-2 7 (ed. L i n d s \ y ; zur Hs. B e e s o n, Isidor-Studien, S. 93). 78v und 79r (marginaler Nachtrag 11. Jh.) Neumiertes Gebet auf den Hl. Sulpicius (vgl. B \ n n i s t e r [wie oben] S. 34 f. Nr. 120; dort auch allgemein zur Hs.). 79v- 9 6 r Lex Salica (Klasse E), Königsliste, Titelverzeichnis ab Titel 24, Langer Prolog und Text (MGH LL nat. Germ. 4, 2, S. 193, 195, 13-2 7, 3-9, 29-171; Sigle E 11; zur Hs. M GH LL nat. Germ. 4, 1, S. XVI f.; Edition der Königsliste in M GH SS rer. Merov. 7, S. 481, zur Hs. 5. 473). 79v (Nachtrag 9. Jh.) Griechisches Alphabet und - in griechische Majuskel übertragen - Zauber- oder Schulspruch Fixa manent (ed. B. B i s c h o f f, E lem entarunterricht und Probationes pennae in der ersten Hälfte des Mittelalters, in: d e r s., M ittelalterliche Studien 1, S. 83).

832 Handschriftenanalysen 91v (spätmittelalterlicher Nachtrag) Zweimal A B C - Vers Equore cum gelido (ed. B i s c h o f f, S. 81). 96r- 9 7 v Childeberti II decretio (a. 596): INCIPIT DECRETUM CHILDEBERTI REGIS. Childebertus rex francorum uir inluster - colonia feliciter (M GH Capit. 1, Nr. 7, S. 15 Z. 14 - S. 17 Z. 27; W. A. E c k h \ r d t, Decretio Childeberti, S. 2 9-4 7, Version E ; M GH LL nat. Germ. 4, 2, S. 175-189). 97v Lex Salica (Klasse E), Epilog (M GH LL nat. Germ. 4,2, S. 189,191; W. A. E c k h \ r d t, Decretio Childeberti, S. 49,51). 97v- 9 8 v I-X X IIII - Capitulare Haristallense (a. 779) in der Forma communis: A N N O FELICITER (T nachgetragen) UNDECIMO REGNI DOM NI NOSTRI CA- ROLO GLORIOSISSIME REGIS IN MENSE MARTIO Facto capitulare (Kürzungsstrich über -r) - consenserunt decretum. De metropolitanis ut suffragani episcopi eis secundum canones - emendauerit moriatur (letztes Wort kaum noch lesbar) (MGH Capit. 1, Nr. 20, S. 47 Z. 16 - S. 51 Z. 26). A uf neuer Lage folgen: 99r- 1 1 4 v Verschiedene Texte meist in Tironischen N oten (übertragen von W. S c h m i t z, Miscellanea Tironiana aus dem Codex Vaticanus Latinus Reginae Christinae 846 (fol. 9 9-1 1 4 ), Leipzig 1896; Ergänzungen und Korrekturen: P. Legendre, Lectures tironiennes. Étude des Miscellanea Tironiana de W. Schmitz, in: Revue des bibliothèques 21 [1911] S. 4 1-5 7 ): Defensor Locogiacensis, Liber scintillarum; Epistola consolatoria ad pergentes in bellum (Wiedergabe auch in N A 15 [1890] S. 605-607; vgl. K ünstle, Zwei Dokum ente, S. 116 ff.); Sententiae defloratae de diversis causis; G e sprächbüchlein über die Erschaffung Adams u. a. (ed. M. F örster, Das älteste mittellateinische Gesprächbüchlein, in: Romanische Forschungen 27 [1910] S. 343-347); aus den Instruktionen des Eucherius von Lyon; Isidor von Sevilla, Etymologiae, I, 27 (vgl.

Vatikan Reg. Lat. 974 833 B e e s o n, Isidor-Studien, S. 88); ab fol. 109v zweispaltig geschrieben: medizinische Traktate (vgl. A. B e c c \ r i \, I codici di medicina dei periodo presalernitano [Rom 1956] S. 318 f. Nr. 105; P. K i b r e, Hippocrates Latinus: Repertorium of Hippocratic Writings in the Latin Middle Ages [IV], in: Traditio 34 [1978] S. 210). Literatur. A M e n t z, Die Tironischen Noten. Eine Geschichte der römischen Kurzschrift, in: AUF 17 (1942) S. 256 f.; d e M e y i e r, Paul en Alexandre Petau, S. 196 Anm. 88; Les manuscrits de la Reine de Suède. Réédition du catalogue de Montfaucon et cotes actuelles (Studi e Testi 238, Vatikan 1964) S. 64 Nr. 1170; B i s c h o f f, Paläographie, S. 267 f. mit Anm. 30; M o s t e r t, Fleury, S. 276 f.; D. Mu- 7FRFI.I.R, Analyse, transcription et description des Notes Tironiennes (aperçu de quelques problèmes méthodologiques), in: Tironische Noten, hg. von P. G \ n z (W olfenbütteler M ittelalter Studien 1, Wiesbaden 1990) S. 23. P \ r d e s s u s, L o i S a liq u e, S. XLIXf.; L B e t h m \ n n, in : A r c h iv 12 (1858-1874) S. 308 f.; MGH C a p it. 2, S. XXVIII f.; M o m m s e n, T h e o d o s ia n i lib r i XVI, B d. 1,1, S. CI; S t e i n, Lex S a lic a, I, S. 121 f.; K. A E c k h \ r d t, Lex S a lic a. 100 T ite l- T e x t, S. 11; W. A. E c k h \ r d t, D e c r e t i o C h ild e b e r ti, S. 16; M c K t i t e r i c k, T h e C a r o lin - g ia n s a n d t h e w r i t te n w o r d, S. 48 T a b. A, S. 57 f.; d i e s., Z u r Herstellung v o n K a p i tu l a r ie n, S. 10 f. K. K ü n s t l e, Zwei Dokumente zur altchristlichen Militärseelsorge, in: D er Katholik. Zs. für katholische Wissenschaft und kirchliches Leben, 3. Folge, Bd. 22 (1900) S. 116-122; B u o n o c o r e, Bibliografia 1, S. 620. Abbildungen: S c h m i t z, Miscellanea Tironiana, Tafel 1-3 2 (foll. 99r -114v)î L&- g e n d r e, Notes tironiennes, nach S. 326 (fol. 6^; B a n n i s t e r, Monumenti vaticani, Tafelbd., Abb. 14a (fol. 78^. Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Reg. Lat. 974 Vis 10. Jh.; Frankreich. Pergament, 187 foll., ca. 335 x 255 mm (262-280 x 160-180 mm), karolingische Minuskel, mehrere Hände, 3 5-3 7 Zeilen. Lagen: 2 IV16 + (IV -3 )21 + (IV -1 )28 + 18 IV172 + (IV -1 )179 + IV187. Kustoden: I (8*), U (91), M W 1)* V (29r) bis XXIII (1731). Rubriken und Initialen in Rot oder in brauner Texttinte, 2r D mit Bandmuster, 4VR auch mit Tierköpfen. Foll. l v und 117v Neumen der St. Galler Schule (Lagorio) zu nachgetragenen Marginaltexten des 12. Jh. Provenienz: Alexandre Petau (Signatur: 244) (2r: Besitzvermerk a. 1647); Königin Christine von Schweden (Montfaucon Nr. 368).