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Transkript:

Die Faksimile des Buches Abraham Joseph Smith hat von den Papyri drei Faksimile übertragen und interpretiert. Die Abbildungen finden sich heute im Buch Abraham der Köstlichen Perle wieder. Smith brachte zwei der Abbildungen in direkten Zusammenhang mit dem Patriarchen Abraham und in einer dritten nahm er Bezug auf "Kolob" und das "Celestiale Reich". Ägyptologen haben die Faksimile untersucht und sind zu völlig anderen Ergebnissen gekommen. Um was es sich im einzelnen bei den Faksimile handelt, soll hier erörtert werden. Faksimile 1 Diese Vignette befindet sich auf Papyrus I. Es handelt sich dabei um eine so genannte Löwencouchszene (bzw. ithyphallische Zeichnung), wie sie häufig in ägyptischen Totentexten zu finden ist. Da der Papyrus beschädigt war, vervollständigte Smith die Zeichnung, indem er der Figur links einen Menschenkopf hinzufügte und ein Messer in die Hand gab. Diese Restauration ist jedoch, wie Ägyptologen festgestellt haben, völlig falsch. Auch Smiths Interpretation hat nichts mit der Zeichnung zu tun. Dr. Robert Ritner: Wenn man ein Bild von Madonna und dem Kind nehmen würde und beiden den Kopf abreißen würde, um diese dann mit einem Hund und einer Katze zu ersetzen, wäre es genauso offensichtlich für uns, dass dies falsch wäre, wie das Ersetzen des Schakalkopfes mit einem Menschenkopf auf diesem ägyptischen Stück, denn wir wissen, wie diese Bilder wirklich aussehen. Desgleichen wissen wir, dass diese Figuren niemals, unter keinen Umständen, ein Messer halten würden. Und das ist kritisch für den Text denn dies ist nicht nur einfach Dekoration, sondern es geht auf den Kern des Textes zurück. Und wenn man das Messer wegnimmt, nimmt man die Geschichte weg. Und damit ist klar, dass das Messer dort nichts verloren hat. (Das verlorene Buch Abraham) Hier ein Vergleich: Joseph Smith Ägyptologen 1

1: Der Engel des Herrn 2: Abraham auf einem Altar festgebunden 3: Der Götzendiener von Elkena versucht Abr. zu opfern 4: Der Altar des Opferns; steht vor den Götzen von Elkena, Libna, Mamakra Korasch und Pharao 5: Der Götze von Elkena 6: Der Götze von Libna 7: Der Götze von Mamakra 8: Der Götze von Korasch 9: Der Götze von Pharao 10: Abraham in Ägypten 11: Dies stellt die Säule des Himmels dar, wie die Ägypter sie sich vorstellen 12: raqia, das bedeutet Weite oder das feste Gewölbe über uns... Das Bild zeigt die mystische Einbalsamierung und Auferstehung von Osiris, dem ägyptischen Gott der Unterwelt. Osiris wurde von seinem eifersüchtigen Bruder Set erschlagen, der seinen Körper in 16 Stücke zerschnitt und zerstreute. Aber Isis, die geliebte Frau von Osiris, sammelte die Stücke geduldig auf und fügte sie zusammen. Der schakalköpfige Gott Anubis wird gezeigt, wie er den Körper von Osiris einbalsamiert auf der traditionellen löwenköpfigen Liege, damit er zum Leben zurückkehren kann. Osiris hält eine seiner Hände über den Kopf, die Handfläche nach unten, als Zeichen von Gram, während seine Seele oder ba, als ein menschenköpfiger Vogel gezeigt, dabei ist in seinen Körper zu fahren. Isis hat in der Zwischenzeit die Form eines Falkens angenommen und schwebt über der Lende von Osiris, der seinen Phallus (ithyphallische Zeichnung) in Erwartung des fortpflanzenden Aktes hält, der Isiris mit deren Sohn Horus schwängern soll. Die vier Söhne des Horus werden als die Köpfe der vier kanoptischen Krüge unter der Liege gezeigt deren Namen sind Amset, Hapi, Duamutef und Qebehsenuef. Vor der Löwenliege steht eine Trankopferplattform mit Wein, Ölen und einer modischen Papyruspflanze. Im Vordergrund ist ein Becken mit Wasser, welches vorne mit Steinen begrenzt ist und in dem der Krokodilgott Sobek schwimmt. In der ägyptischen Beerdigungsliteratur wird der Verstorbene tatsächlich Osiris und man verweist auf ihn als der Osiris Hor. Hor ist die tatsächlich beerdigte Person. (Eine erweiterte Erklärung zu Dr. Klaus Baer in Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Sommer 1968, S.118 ) Wie bereits erwähnt, sind diese Zeichnungen keine Seltenheit. Das folgende Bild zeigt eine ganz ähnliche Szenerie: Eine Löwencouchszene. Ähnlich, wie sie auf den Joseph-Smith-Papyri gefunden wird. Osiris Hemka, der mit Isis, die in Form eines Falken über ihm schwebt, einen Sohn zeugt. Anubis, Horus, Nephtys und Shentit sind anwesend. (Mariette, Dendara, IV, 90) Fazit: Sowohl die Restauration Smiths, als auch seine Interpretation sind unägyptologisch. Faksimile 2 Das Original, von welchem Smith Faksimile 2 kopiert hat, ist bis heute nicht aufgetaucht. Smith bezeichnete diese Zeichnung jedoch als "Faksimile aus dem Buch Abraham". Wie bei Faksimile 1, fügte er seine "inspirierte" Interpretation dazu an. Gelehrte seit der Zeit von Deveria (1856) haben diese Interpretation jedoch immer angezweifelt. Bei der Vignette handelt es sich um ein gewöhnliches Beerdigungsamulett, bekannt unter dem Namen Hypocephalus. Dieser Name leitet sich von der Tatsache ab, dass das Amulett unter (hypo) den Kopf der Mumie (cephalus) gelegt wurde. Sein magischer Zweck bestand darin, den Verstorbenen warm zu halten und seinen Körper vor Grabräubern zu schützen. 2

Obwohl Ägyptologen die Zeichnung als einen Hypocephalus identifiziert haben, gibt es jedoch Probleme mit der Restaurierung von Smith, die wiederum unägyptologisch ist. Demnach war auch diese Zeichnung beschädigt und wurde von Smith nachträglich ergänzt, wie bei Faksimile 1. Es handelt sich dabei um die obere rechte Ecke. Dies wird dadurch bewiesen, dass beim Auftauchen von Alphabet & Grammatik (1966), eine relativ gute Zeichnung des Hypocephalus aufgefunden wurde, welche die Beschädigung rechts oben zeigt. Wie Ägyptologen herausgefunden haben, ergänzte Smith demnach nicht nur etliche Zeichnungen falsch, sondern ersetzte den fehlenden Text mit nicht korrespondierenden Zeichen von Papyrus XI, dem "Kleinen Sensen Papyri". Dabei erscheinen unterschiedliche Handschriften: Hieryoglyphen und Hieratisch. Manche Zeichen werden sogar auf dem Kopf! dargestellt, was zeigt, dass Smith die Zeichen weder verstand noch richtig zuordnen konnte. Im Vergleich nun die Interpretationen. Die Zahlen entsprechen der Nummerierung auf Faksimile 2. 3

Joseph Smith Ägyptologen 8. Geschriebenes, dessen Bedeutung der Welt nicht offenbart werden kann, das aber im heiligen Tempel Gottes zu haben ist. 9. darf zur gegenwärtigen Zeit nicht offenbart werden. 10. ebenso. 11. ebenso. Falls die Welt diese Zahlen herausfinden kann, so sei es. Amen. 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19 und 20. werden zu der vom Herrn bestimmten Zeit gegeben werden. Die obige Übersetzung ist so weit gegeben, wie wir zur gegenwärtigen Zeit dazu berechtigt sind. 8. "gestatte, dass die Seele von Osiris Sheshonk leben darf." 9. "die Unterwelt (unter der Erde) und seine großen Wasser." 10. "Oh, großer Gott, Herr von Himmel und Erde." 11. "Oh Gott der Schlafenden aus der Zeit der Schöpfung." (Auf dem Kopf) 12. "nahe" und "hüllen" 13. "welches gemacht wurde durch" 14. "Atmung" 15. "dieses Buch" 16. "und möge diese Seele und sein Besitzer niemals in der Unterwelt geschändet werden" 17. Möge dieses Grab nie geschändet werden" 18. Ich bin Djabty im Hause Benben in Heliopolis, so erhöht und herrlich. [Ich bin] ein kopulierender Bulle ohne Gleichen. [Ich bin] der mächtige Gott im Hause Benben in Heliopolis...der mächtige Gott..." 19,20,21. "Du sollst wie der Gott sein, der Busirian" 22. Der Name des mächtigen Gottes Interpretation 1-7 Interpretation und Restauration Smiths zeigen, dass er Ägyptisch nicht beherrschte. Quelle: Charles M. Larson:...by his own hand upon papyrus Faksimile 3 Die Szene, welche auf Faksimile 3 abgebildet ist, stellt eine der am häufigsten auftretenden ägyptischen Beerdigungsszenen dar. Das Fragment, auf welchem sich die Zeichnung befand, wurde 4

nicht gefunden. Ägyptologen stimmen aber darin überein, dass dieses sich am Ende der Rolle befunden haben muss, die Smith als die "Buch-Abraham-Rolle" identifizierte (also links von Papyrus X). Der Verstorbene wird in die Gegenwart des Gerichtes von Osiris geführt, dem Gott der Unterwelt. Die Hauptelemente wurden schließlich standardmäßig in das Kapitel 125 des Buches der Toten übernommen. Die Zeichnung wurde fast korrekt übertragen, was darauf hinweist, dass das Original kaum beschädigt war. Im Vergleich nun die Interpretationen: Joseph Smith Ägyptologen 1. Abraham sitzt - infolge der Höflichkeit des Königs - auf dem Thron des Pharao, auf dem Kopf eine Krone, die das Priestertum darstellt, ein Sinnbild der erhabenen Präsidentschaft im Himmel; er hat das Zepter der Gerechtigkeit und Rechtsprechung in der Hand. 2. König Pharao, dessen Name in den Schriftzeichen über seinem Kopf angegeben ist. 3. Dies bedeutet Abraham in Ägypten - nämlich wie es in der 9. Folge der Zeitschrift "Times and Seasons" angegeben ist. (Auch im ersten Faksimile dieses Buches ist es so angegeben.) 4. Der Prinz des Pharao, des Königs von Ägypten; so steht es über seiner Hand geschrieben. 5. Schulem, einer der obersten Bedienten des Königs; dies ergibt sich aus den Schriftzeichen über seiner Hand. 6. Olimla, ein Sklave, der dem Prinzen gehört. Abraham spricht am Königlichen Hof über die Der Verstorbene trägt den traditionellen parfümierten Zapfen und Lotusblüten auf seinem Kopf. Er wird von Maat, der Göttin der Gerechtigkeit, in die Gegenwart von Osiris geführt. Er wird dabei von Anubis, Führer der Toten, von Hinten unterstützt, der ihm geholfen hat, seine Reise zu beenden. Osiris trägt ihre doppelt gefederte Krone, hält den königlichen Flegel und Krummstab quer über seine Brust und sitzt vor der immer gegenwärtigen Trankopferplattform, die gewöhnlich in allen Zeichnungen vorkommt, die die Hauptgötter zeigen. Hinter ihm steht seine Frau Isis. 5

Grundsätze der Astronomie. Auch dieser Vergleich spricht für sich selbst. Quelle: Charles M. Larson:...by his own hand upon papyrus Schlussfolgerung Keine der Faksimile zeigen auch nur den geringsten Hinweis auf den Patriachen Abraham, sein Leben, seine Lehren oder Reisen. Im Gegenteil. Bei jeder Abbildung handelt es sich um gängige ägyptische Szenerien aus Totentexten, deren Inhalt wohl bekannt ist. Dies zeigt eindeutig, dass Joseph Smith nichts von Ägyptisch verstand. Auch die Versuche von Apologet John Gee, Abraham mit den Papyri in Verbindung zu bringen, wurden von Ägyptologen dementiert. Der Ägyptologe Dr. Ritner drückt es wie folgt aus: Ich möchte dies absolut klarstellen. Es gibt einfach keinerlei Rechtfertigung für die Interpretationen, die in Faksimile 1 oder Faksimile 3 erscheinen. Diese sind in Anbetracht der Hieroglyphen falsch. Sie sind in Anbetracht der Person falsch. Sie sind in Anbetracht des Verständnisses falsch, was die Szene in Wirklichkeit repräsentiert. Und wo sie im Text benutzt werden, sind sie auch falsch. Um es kurz zu sagen, es gibt keine historische Gültigkeit für die Interpretation des Buches. Gar keine. (Das verlorene Buch Abraham) 6