Jugendschach, Lektion 10

Ähnliche Dokumente
Läuferpaar. Diagramm 20. Schwarz sah nur Dd4 und die Verteidigung Dg5. Das Manöver 11. Dg4! g6 und erst

Jugendschach, Lektion 7

Fesselung von Michael Reiter 2011

Stufe 4. 6) 1. Th5+ gxh5 2. Df6# (ablenken+matt) 7) 1... Lg6 (fesseln) 8) 1. Tf3+ exf3 2. Dxg5. (Abzugsangriff)

Eröffnungskurs SK Sontheim 2012 Lektion 3

Jugendschach, Lektion 11

Lernziel: DWZ 1500 Lektion 1

Spanische Partie. SGE Thematurnier 2016/ e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5. Geschichte

DER ZUG 2. LG5 GEGEN DIE HOLLÄNDISCHE VERTEIDIGUNG [A80]

Sonne lacht über dem Tegernsee

Eröffnungskurs SK Sontheim 2012 Lektion 7

Kochrezepte gegen die Abseitsfalle eine kleine Serie von Abhandlungen über Eröffnungen abseits der Bücher

"Der Minoritätsangriff"

Weitere Schachlektionen kostenlos zum Download auf

Weitere Schachlektionen kostenlos zum Download auf

Weitere Schachlektionen kostenlos zum Download auf

Bericht des Pannonia Cups:

The Nightmare. Glarean Magazin / 2004/05. 1 von 6

Glück und Pech im Rahmen hoheitlicher Beobachtung

INHALTSVERZEICHNIS. Teil 6 Kristin gegen Ben: Das große Match Lösungen für die schrecklich schweren Tests Einführung...

XABCDEFGHY 8-+-tr-+k+( 7zp-+-+-+p' 6-zp-+p+p+& 5+P+-sNp+-% 4P+P+nzP-+$ 3+-+-mK-+-# PzP" 1+-tR-+-+-! xabcdefghy

Konstantin Peyrer (SK Ottakring) gewinnt 4. Activity-Jugendschach-Cup!

Grundlagen des Taktiktrainings. (Achim Müller)

Zusammenschluß an der Spitze

DER SCHLÜSSEL IN DER STRATEGIE

DURCH UND DURCH IN MORPHYS SPIELE

Lernziel: DWZ 1100 Lektion 1

Motive gegen Skandinavisch

Taktische Motive 1: Die Gabel

Jugendschach, Lektion 4

Pirc mit 5.e5!? [B09] Jerzy Konikowski

Christoph Goetz gewinnt das A-Turnier des 5. Activity-Jugendschach-Cup! Pelin Zenginer (SC Donaustadt) holt Siegespokal im B-Turnier!

Beispiel 1 Die Idee e4-e5 offenbart den positionellen Vorteil des Weißen.

Lernziel: DWZ 1300 Lektion 1

OIBM 2017: bis Offene Internationale Bayerische Schachmeisterschaft

Ich beginne mit dem Ende, da es Schachpartien und Stellungen gibt, die man sehr schwer vergisst.

Schacht raining mit Bernd Rosen (6) Die Logik des Eröf f nungskampf es

Q +

Schachfestival Basel

Ralf s Schachkurs. Das Schachmatt ist das Ziel der Schachpartie. Wer seinen Gegner schachmatt gesetzt hat, ist der Sieger.

Schachfestival Basel

Euwe-Test 1: Magerramov-Kasparov

Stufe 1. 3 Das Brett / Felder benennen: A. 9) g5 b4 c6 10) f4 e6 b7 11) c3 h5 e2 12) f7 b6 d1. 2) g8 e7 c3 6) d4 f5 c2. 3) g4 d5 c2 7) f6 b1 d5

Lernziel: DWZ 1300 Lektion 1

Eröffnungskurs SK Sontheim 2012 Lektion 1

Kurzer Eröffnungsüberblick

Matt in einem Zug - Max Riedls Festschrift zur 36. Internationalen Problemlösungsmeisterschaft von Deutschland in Furth im Walde 2012

Mattbilder 2: Ersticktes Matt

5) 1... Dh4-e1# 6) 1... Dd4xb2# 7) 1... Th6-a6 8) 1... Se5-c6. 7) a2, a8, d5, d8, g5 Fehler: Db3 Tb6, Dd5 Tc6 8) c1, c5 2) b8, f6, h2

Joachim Stiller. Schach dem König I. Eröffnungstheorie I. Alle Rechte vorbehalten

4) 1. exd5+ Kxd5 2. Le4+ Ke6 3. Lxc6 (Hinlenken und Doppelangriff: Röntgenschach)

XABCDEFGHY 8-+-trr+-mk( 7zp-+-+p+p' 6-+-+q+pvL& 5+-+-vl-+-% 4-+-zplzP-+$ P# 2PzP-wQN+P+" 1+-+R+R+K! xabcdefghy. 2. Weiß spielte hier 23.b3?

Jugendschach, Lektion 1

Schachrätsel. Seite 1 von 8

Bauerndiplom. 2 Der König

The Albin-Blackburne Gambit 1 e4 e5 2 Nf3 d6 3 d4 Bg4 4 dxe5 Nd7

Methodische Schachübungen

21. Deutsche Senioren- Mannschaftsmeisterschaft der Landesverbände

1/ Das Motiv der Linienunterbrechung, erste Schritte

D A M E N D R U C K. Vereinszeitung des SC Weiße Dame Ulm. Schwarz am Zug

Mattbilder 3: Grundreihenmatt

Erarbeitung eines Eröffnungsrepertoires für Anfänger Harald Schneider-Zinner C-Trainer Wien, 2011

Matthias Gleichmann ist der XII. Weltpokalsieger.

schach-lernen.com Seite 2

D A M E N D R U C K. Vereinszeitung des SC Weiße Dame Ulm. Weiß am Zug gewinnt

SCHACH. Chemie Weißensee feiert 7:1 Kantersieg

Die Deutsche Blitzeinzelmeisterschaft der Herren der Höhepunkt des Jubiläumsjahres

Das Dreihirn Entscheidungsteilung im Schach

Seite 1. 1 a b c d e f g h. Matt in einem Zug. Matt in einem Zug. Matt in zwei Zügen. Matt in zwei Zügen Matt in zwei Zügen. Matt in zwei Zügen

4. Worringer Schnellschachopen

Beiträge zur Geschichte des SCHACHCLUBS KEMPTEN 1878 e.v.

BONOBO - Der ANTI-ORANG mit 1.b4 - c6 2.Lb2 - a5

SCHACH. Chemie mit souveränen Auswärtssieg gegen den Tabellenzweiten

Lach- und Schachgeschichten

Schachfreunde Köln-Süd

Lach- und Schachgeschichten

Duhms Gambit C 01 (D30) rhb1kgn4y 0p0wdp0py wdwdpdwdy dwdpdwdwy wdp)pdwdy dwdwdwdwy P)wdw)P)y $NGQIBHRy

20. Offene Internationale Bayerische Schachmeisterschaft Bulletin 4 1,--

Schwerfiguren - Turmverdoppelung SK Germering

Turmendspiele (Türme und Bauern)

100 brillante Schachzüge

Des Schachvereins Diagonale Harburg Ausgabe:

Läufer gegen Springer. 1 XABCDEFGHY l+( ' & 5+k+-+-+-% $ 3+PzP-+-+-# 2-+-mK-+-+" 1+-sN-+-+-!

SCHACH. knapper - aber verdienter Auswärtssieg

Beste Woche des Jahres

Die Analyse der eigenen Partien

Turmendspiele - Kapitel 2

DAS KLEINE EINMALEINS

Partien Lektion 1 Nachspielen, Verstehen & Anwenden Folge 3

Schach für Dachse 2016

Partienzeitvertreib. #4 Es geht in die heiße Phase. Heute im Bulletin:

KAPITEL 4 DIE PARTIEN DES SIEGERTURNIERS

Werner Kaufmann. Initiative. Damenspringer Verlag

Transkript:

Weitere Schachlektionen kostenlos zum Download auf www.scdillingen.de Jugendschach, Lektion 10 4.b. Fesseln und gefesselt werden Die Fesselung ist eines der häufigsten Motive in einer Schachpartie nahezu in jedem Spiel tritt sie zumindest einmal in der Gestalt eines an die Dame oder den König gebundenen Springers auf. Es lohnt sich daher, sich einmal intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen. Grundsätzlich kann man zwischen zwei Arten von Fesselungen unterscheiden: echte Fesselungen : Die gefesselte Figur ist an den eigenen König gebunden. In diesem Fall kann sie nicht wegziehen, ehe diese Bindung aufgehoben wurde unechte Fesselungen : Die gefesselte Figur ist an eine höherwertige Figur (meist die Dame) gebunden und kann, zumindest regelkonform, auch wegziehen. Das ist alles ebenso nette wie freilich wenig nützliche Nomenklatur. Schauen wir uns lieber mal ein Beispiel an: Diagramm 10.1.: Schwarz am Zug Diese Stellung entsteht in der sogenannten McCutcheon Variante der französischen Verteidigung. Schwarz am Zug muss seinen gefesselten Springer retten, doch hat er damit soweit keine Probleme: 1...h6!

Eine andere Möglichkeit gibt es nicht! 2. Lh4 Auch nach 2. exf6 hxg5 4. fxg7 Tg8 hat Schwarz keine Schwierigkeiten, da der Bauer g7 fällt. OK, Schwarz kann nicht mehr kurz rochieren, dafür aber hat Schwarz das Läuferpaar erhalten. 2...g5 3. exf6 gxh4..und da im nächsten oder übernächsten Zug der Bauer f6 fällt (4. Df3 Sd7) hat Schwarz keine Schwierigkeiten. Aus diesem Grund gilt in der Diagrammstellung 2.Ld2! als der stärkste Zug für Weiß. Insbesondere bei unechten Fesselungen kann es durchaus passieren, dass die gefesselte Figur gar nicht daran denkt, auf ihrem Platz zu bleiben. Ein bekanntes Beispiel haben wir schon einmal in einer früheren Lektion beleuchtet, könnt Ihr Euch noch erinnern? Diagramm 10.2.: Schwarz am Zug. Ist die Fesselung schlimm? Ein anderes, sehr häufig anzutreffendes Motiv entsteht, wenn ein Springer von einem ungedeckten Läufer gefesselt wird (s. Diagramm nächste Seite):

Diagramm 10.3.: Schwarz am Zug In dieser Stellung aus der Najdorf Variante der Sizilianischen Verteidigung hat Weiß soeben unvorsichtig 7. Dd2? gespielt (richtig und für Schwarz sehr gefährlich wäre 7. f4 gewesen). Zwar ist dieser Zug noch kein direkter Fehler, doch schon eine merkliche Ungenauigkeit, nach der Weiß alle Hoffnungen auf einen Eröffnungsvorteil begraben kann. Schwarz spielt nämlich 7...h6! und es zeigt sich, dass Weiß seinen schönen schwarzfeldrigen Läufer geben muss, da 8. Lh4? an dem netten Trick 8...Sxe4! scheitert. Danach verliert sowohl 9. Sxe4 Dxh4+ als auch 9. Lxd8 Sxd2 glatt einen Bauern. Auch der Versuch, mit 8. Le3 wenigstens den Läufer zu erhalten, scheitert bereits an 8...Sg4, und 9. Lf4 ist wegen e5 und Figurengewinn nicht möglich. Lassen wir Weiß in der Diagrammstellung einmal den besten Zug, also 7. f4 spielen, und nach 7...Le7 wiederum einen weniger genauen, nämlich 8.a4?. Dann kommt ein ähnliches Motiv zum Tragen, mit dem Schwarz erneut die Fesselung zu seinen Gunsten ausnutzt: Diagramm 10.4.: Schwarz am Zug

Auch hier kann Schwarz bereits den weißen Läufer mit 8...h6! zum für Weiß ungünstigen Abtausch auf f6 zwingen, da 9. Lh4? an dem neckischen 9...Sxe4! scheitert. Weiß verliert einen Bauern sowohl nach 10. Sxe4 Lxh4+ als auch nach 10. Lxe7 Sxc3! 11. Lxd8 (11. bxc3 Dxe7) Sxd1 12. Lc7 Se3 (13. Lxd6? Sc6! 14. Sxc6 Sxc2+). Es ist sehr wichtig, sich mit diesem Motiv vertraut zu machen, da es in der Praxis enorm oft vorkommt. Allerdings ist wie so häufig nicht immer alles Gold, was glänzt. Das Sxe4 Motiv kann sich auch in einen Bumerang verwandeln; nämlich dann, wenn Weiß den Springer, nachdem er auf d1 die Dame geschlagen hat, fangen kann: Diagramm 10.5.: Schwarz am Zug Man könnte meinen, dass in dieser Stellung das angesprochene Motiv ebenfalls greift, jedoch hat Weiß hier einen Kniff, der darauf beruht, dass er mit dem Angriff auf den Turm f8 ein wichtiges Tempo gewinnt: 1...Sxe4? 2. Lxe7! (aber nicht 2. Sxe4 Lxg5 und die schwarze Rechnung geht auf) Sxc3 3. Lxd8 Sxd1 4. Le7! Hier liegt der Hund begraben. Der angegriffene Turm muss ziehen, will Weiß nicht die Qualität verlieren. Dennoch ist das noch das kleinere Übel für Schwarz, denn nach...te8 5. La3! ist der schwarze Springer gefangen und Schwarz verliert eine Figur. Die Aufhebung oder Entschärfung einer Fesselung hat eine hohe Priorität Nicht selten habe ich bei Partien unerfahrener Spieler schon die Beobachtung gemacht, dass mit Fesselungen relativ unbekümmert umgegangen wird. Dabei sind sie tendenziell schon gefährlich, und wenn man dem Angreifer zu lange Zeit gibt, sein Spiel darauf auszurichten, können sie zu weitaus größeren Unannehmlichkeiten führen:

Diagramm 10.6.: Schwarz am Zug In dieser Stellung ist die Fesselung schon sehr unangenehm, da sie nicht bequem mit einem Läufer auf e7 aufgehoben werden kann. Andererseits droht Weiß schon sehr unangenehm mit 1. Sd5!, wonach die schwarze Bauernstellung zersplittert werden würde. Dies hätte schreckliche Folgen, man sehe (angenommen, Weiß wäre am Zug): 1. Sd5 Le6 2. Sxf6+ gxf6 3. Lh6 Te8 4. Sh4 nebst f4 und der schwarze König steht extrem gefährdet. Merke: Eine Stellung, wie sie im obigen Diagramm nach 1. Sd5 entstehen würde, muss unter allen Umständen verhindert werden! Aber was soll Schwarz in der Diagrammstellung tun? Er könnte versuchen, den Läufer mit h6 und g5 abzudrängen, doch das schwächt zum einen die Königsstellung, zum anderen scheitert das hier ebenfalls taktisch an einem anderen, häufig anzutreffenden Motiv: 1...h6 2. Lh4 g5? 3. Sxg5! hxg5 4. Lxg5 Was nun? Weiß droht vernichtend mit 5. Sd5 und Rückgewinn der Figur bei zwei Mehrbauern. Als Verteidigung bleibt einzig 4...Le6 5. f4!...und nach der Öffnung der f Linie gewinnt Weiß seine Figur zurück und verbleibt mit zwei Mehrbauern und entscheidendem Angriff Merke: h6 und g5 (bzw. analog h3 und g4 aus weißer Sicht) sollte man tunlichst vermeiden, wenn man schon auf den Königsflügel rochiert hat. Die Schwächung der eigenen Königsstellung ist dann meist verheerend.

Tja, jetzt haben wir aber immer noch nicht geklärt, was Schwarz in der Diagrammstellung spielen soll. Anhand des Gesagten sollte es aber klar sein da Sd5 die Drohung des Weißen ist, muss Schwarz unter allen Umständen 1...Le6! spielen ein auf d5 auftauchender Springer würde dann umgehend beseitigt werden. Übungen Diagramm 10.7.: Schwarz hat...h6 gespielt. Kann Weiß diesen Bauern nicht einfach nehmen? Diagramm 10.8. Weiß am Zug Diagramm 10.9. Schwarz am Zug Untersuche die Folgen von 1...Sxe4