Die preußische Rangerhöhung

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Transkript:

Geschichte Julia Neubert Die preußische Rangerhöhung Preußens Aufstieg zum Königreich um 1700 Studienarbeit

Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung... 2 2 Der Tod des großen Kurfürsten und sein Erbe... 4 2.1 Die innere Lage Brandenburg-Preußens 1688... 4 2.2 Das politische Testament Die Problematik der Sekundogenituren... 4 2.3 Kurfürst Friedrich III. Die Klammer um Brandenburg-Preußen... 6 3 Die Verhandlungen um die Rangerhöhung... 8 3.1 Die Bedeutung des Spanischen Erbfolgekriegs für Friedrichs Pläne... 8 3.2 Die Verhandlungen um die Anerkennung der preußischen Königswürde mit dem Wiener Hof... 10 3.3 Die Bedeutung der Königskrönung für Brandenburg Preußen... 12 4 Fazit... 14 5 Literaturverzeichnis... 15 5.1 Nachlagewerke... 15 5.2 Primärliteratur... 15 5.3 Sekundärliteratur... 15

1 Einleitung Die Königskrönung in Königsberg am 18.01.1701 war das Ergebnis jahrelanger strategischer Überlegungen des Kurfürsten Friedrich III. und seiner politischen Vertreter. Nach Entledigung Eberhard von Danckelmanns, der lange Zeit preußischer Oberpräsident und engster Berater Friedrichs war, aber die Pläne von der Rangerhöhung nicht unterstützte 1, verwirklichte letztlich sein Nachfolger, Kolbe von Wartenberg, Friedrichs Wunsch nach königlicher Dignität" 2. Der Weg zur Königskrone war allerdings ein mehr als beschwerlicher. Er strengte zum einen jahrelange diplomatische Verhandlungen an und war zum anderen immer wieder vom drohenden Scheitern der Pläne Friedrichs gekennzeichnet. Einen herben Rückschlag erlitten die kurfürstlichen Bemühungen um die Rangerhöhung z.b. mit den Friedensverhandlungen von Rijswijk 1697, die nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg das Gebiet unter den Siegermächten aufteilten und in denen Brandenburg-Preußen trotz seiner aktiven Unterstützung der kaiserlichen Truppen als einer der wenigen Beteiligten leer ausging. Für Friedrich zeigte sich wieder einmal, welch niedriges Ansehen Brandenburg- Preußen beim Kaiser 3 und seinen verbündeten Mächten genoss. 4 Seine Position durch eine Rangerhöhung zu festigen war für Friedrich fortan die einzige Möglichkeit vor allem nachhaltig Souveränität für Brandenburg- Preußen zu schaffen. Dabei sicherten in letzter Instanz finanzielle Abkommen mit Leopold I. sowie den wichtigsten europäischen Höfen, wie England, den Niederlanden und Polen, die Krönung. Die Motivation Friedrichs III. zur Rangerhöhung lag vor allem darin, das geerbte Reich unter einem Herrscher zu vereinen. Preußen und die Mark Brandenburg nach dem Ableben des Vaters, Kurfürst Friedrich Wilhelm, 1688 als ein Reich beizubehalten, widersprach zwar dem letzten Erberlass des Vaters von 1686, griff allerdings die Hohenzollern schen Erbgepflogenheiten wieder auf und sollte dazu dienen, die Macht des Kurfürstentums Brandenburg und des Herzogtums Preußen beizubehalten, die bei einer Aufteilung des Reiches unter den fünf Söhnen Friedrich Wilhelms 1 Vgl. Heyck, Prof. Dr. Eduard: Friedrich I. und die Begründung des preußischen Königtums, Bielefeld; Leipzig 1901 (=Monographien zur Weltgeschichte, Bd. 14), S. 30. 2 Droysen, Johann Gustav: Friedrich I. König von Preußen, 3. Aufl., Berlin (ua.) 2001, S. 148. 3 Kaiser wird in dieser Arbeit stellvertretend für Leopold I. gebraucht, der von 1658-1705 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen war. 4 Vgl. Heyck: Friedrich I., S. 24-25. 2

enorm geschmälert worden wäre. Um diesen mit den Sekundogenituren der Brüder einhergehenden und für Friedrich III. absehbaren Verfall der politischen als auch reputablen Macht zu vermeiden, ließ er mit Hilfe Danckelmanns und seines Geheimen Rats in andauernden Verhandlungen die testamentarisch festgelegte Teilung des Reiches auf die fünf Brüder für rechtswidrig erklären. Diese Strategie war zwar nur eine Lösung auf Zeit, allerdings erwies sich diese Klammer um Brandenburg-Preußen als wirkungsvoll. Spätestens mit dem drohenden Spanischen Erbfolgekrieg 1698 sollten dann die Einheitsbestrebungen Friedrichs III. von Erfolg gekrönt sein. Im Winter 1701 brachen Friedrich und seine Gefolgschaft in einem imposanten Zug auf gen Königsberg. 5 Höhepunkt des prunkvollen Zeremoniells war die Selbstkrönung Friedrichs, der durch den Akt der Ursurpation seine Souveränität und vor allem seine Unabhängigkeit vom Kaiser über die Landesgrenzen hinweg demonstrierte. 6 Ziel dieser Arbeit wird sein, die Umstände der Königskrönung näher zu beleuchten, in ihr nicht schlicht ein Ereignis zu sehen, sondern sie als Produkt eines Prozesses zu betrachten, an dessen Ende größerer Wohlstand des Volkes, [ ] Hebung der nationalen Gesinnung und [ ] Wachstum des Staates 7 stehen sollten. Die Königskrönung war somit keinesfalls nur Ausdruck königlicher Selbstverherrlichung Friedrichs 8, sondern hatte enorme machtpolitische Auswirkungen, die für Friedrichs Nachfolger wegweisend werden sollten. Ich möchte in dieser Arbeit aufzeigen, dass, durch Friedrichs strategisches Kalkül um den väterlichen Erberlass einerseits und diplomatische Verhandlungen um die Königswürde andererseits, die Grundsteine für die spätere Großmacht des ehemaligen Kurfürstentums gelegt wurden. Brandenburg-Preußen sollte sich erst mit der Rangerhöhung Friedrichs als Wegbereiter für das zukünftige Großreich erweisen, da es aus dem Krönungsvorhaben sowohl innen- als auch außenpolitisch als nachhaltig gefestigte Macht hervorgeht. 9 5 Vgl. Paulig, Friedrich R.: Friedrich I. König von Preußen. Ein Beitrag zur Geschichte seines Lebens, seines Hofes und seiner Zeit, Frankfurt an der Oder 1886, S. 135. 6 Vgl. Heyck, Friedrich I., S. 40. 77 Paulig: Friedrich I., S. 134. 8 Vgl. Paulig: Friedrich I., S. 134. 9 Ebenda. 3