BAEDEKER WISSEN ALPHORN Tönendes Nationalsymbol SCHOKOLADE Weltberühmte Qualität WIRTSCHAFT Geld, Banken, große Unternehmen MODERNE ARCHITEKTUR Von Le Corbusier zu Zumthor CHWEIZ
Kapitel-/ Fakten Regioneneinstieg
Natur und Umwelt HINTERGRUND 17 Natur und Umwelt Das Hauptkapital des Ferienlandes Schweiz ist seine atemberaubende Hochgebirgslandschaft. Doch auch die sanften Höhe des Juras und das weite Mittelland sind überaus reizvoll, nicht zuletzt durch ihre idyllischen Seen. Die Schweiz gliedert sich in drei Hauptgebiete: rund 60 % entfallen auf den Alpenraum im Südosten, 30 % auf das vorgelagerte Mittelland und ca. 10 % auf den Jura im Nordwesten. Rund 77 % der Fläche sind dicht besiedeltes Kulturland, 23 % wenig produktives Land im Gebirge, in dem nur ein Fünftel der Eidgenossen lebt, das jedoch als international begehrtes Urlaubsziel einen überragenden Imageund Wirtschaftfaktor darstellt. Kernraum ist das Mittelland, in dem auch die größten Städte Genf, Lausanne, Bern und Zürich liegen. Der einzige Kanton südlich des Alpenhauptkamms ist das Tessin. Großräume ALPEN Wo heute die Schweiz liegt, breitete sich einst das Tethysmeer aus. Als die Afrikanische Platte sich gegen Ende des Erdmittelalters nordwärts bewegte, wurden in drei Phasen die Alpen aufgefaltet. Dabei wurden alte Gesteine wie Granit sowie jüngere Gesteine wie Sedimente in vielfältigster Form unter Druck gesetzt, zusammengeschoben, emporgehoben, übereinandergeschoben, zerbrochen und umgestaltet; gleichzeitig wurde die Oberfläche durch Verwitterung und Abtragung verändert (später taten die Eiszeiten das Ihre). Dementsprechend bieten die Alpen geologisch wie morphologisch ein höchst buntes Bild. Reste der alten Penninischen Decken sind noch u. a. am Stanserhorn und den Mythen erhalten. Der markante Säntis und der Pilatus sind aus Kalkstein aufgebaut, in Graubünden und im Wallis trifft man auf Gneismassen und Schiefer, Flysch (gespr. fliesch) ein weiches, rasch verwitterndes Sediment gestein bildet die sanften Hügel- und Berglandschaften am Alpennordrand. Entstehung der Alpen Die Längstäler von Rhone und Vorderrhein sowie die Quertäler von Reuss und Ticino gliedern das Gebirge in eine nordöstliche Gruppe (Alpstein/Toggenburg, Glarner, Schwyzer und östliche Urner Alpen), in die Nordwestalpen (westliche Urner, Unterwaldner, Berner, Freiburger, Waadtländer Alpen) und die Südalpen (Walliser, Gliederung Das politische Herz der Eidgenossenschaft: Bundeshaus in Bern
18 HINTERGRUND Natur und Umwelt Tessiner, Bündner Alpen). Die mittlere Höhe der Schweizer Alpen liegt bei 1700 m ü. d. M., etwa 100 Gipfel sind um die 4000 m hoch. Das Matterhorn (4478 m) ist der bekannteste Gipfel des Landes, die Dufour-Spitze im Monte-Rosa-Massiv der höchste (4634 m); der tiefste Punkt der Schweiz ist der Lago Maggiore (193 m). Höhenstufen Schon um 1770 vermerkte der Züricher Gelehrte J. J. Scheuchzer bewundernd die Tatsache, dass man in der Schweiz in wenigen Stunden das Vegetationsspektrum vom Mittelmeerraum bis zur Arktis und die Jahreszeiten vom Winter bis zum Sommer erleben kann. Auf der Alpennordseite unterscheidet man fünf Höhenstufen: die Hügelstufe bis zur Rebengrenze (600 m ü. d. M.), zu der auch die großen Alpentäler und die höher gelegenen Bereiche des Mittellandes zählen, mit Obst-, Gemüse-, Wein- und Getreideanbau die Bergstufe bis zur Laubwaldgrenze (1200 m) mit Laubmischwald und Weidewirtschaft die Untere Alpenstufe bis zur Baumgrenze (1800 m), gekennzeichnet durch Nadelwald, der in Legföhren übergeht die Obere Alpenstufe bis zur Schneegrenze (bis 2500 m) mit Sommerweiden, Einzelbäumen, Legföhren und einer besonders reichhaltigen Blumenflora, und
Die Kühmaad im Lötschental ist ein typisches Beispiel für die Obere Alpenstufe mit Legföhren, Fichten und freistehenden Lärchen. die Schneestufe (über 2500 m) mit Schutt- und Geröllhalden, Schneefeldern und Gletschern. Je nach Sonnen exposition können die Grenzen der Stufen stark variieren. Auf der Alpensüdseite liegen sie ca. 300 m höher als auf der Nordseite. Besonders artenreich und überaus prächtig ist die, die unter schwierigen Klimaverhältnissen gedeiht. In der kurzen Vegetationsperiode in 2000 m Höhe bis zweieinhalb Monate, in 3000 m nur 5, 6 Wochen kann intensive Sonne über 40 C erwärmen, nachts kann auch im Sommer Frost auftreten; das Biotop kann wüstenartig sein, aber auch sumpfig-nass. Zu den typischen Arten zählen vor allem Alpenrose, Enziane, Alpenveilchen, Primeln, Türkenbund, Troll blumen, Alpenmohn, Eisenhut und Edelweiß. Von über 3000 blüten- und farn artigen Pflanzen der Schweiz sind 160 ganz oder teilweise geschützt; die betreffenden Vorschriften sind kantonal unterschiedlich. Einige typische Vertreter der alpinen Tierwelt: In den höheren Bergregionen sind mit etwas Glück putzige Murmeltiere zu sehen, die bei Gefahr mit gellendem Pfiff verschwinden. Als kühne Flieger zeigen sich die kleinen schwarzen Alpendohlen. Selten sind Stein adler und Bartgeier zu entdecken. Meist nur mit dem Fernglas kann man Gemsen und Steinböcke beobachten, die elegant an senkrechten Felswänden (und Staumauern) herumkraxeln und selbst in höchsten Lagen anzutreffen sind. Immer wieder wandern von Italien oder vom Balkan her Wölfe und Bären in die Schweizer Alpen ein. Ebenso ist es gelungen, den Luchs in abgelegenen Bergregionen wieder heimisch werden zu lassen. Weitere Informationen unter www.bafu.admin.ch und www.cps-skew.ch. Flora und Fauna
20 HINTERGRUND Natur und Umwelt Die Entstehung des Mittellandes MITTELLAND Eng mit der Entstehung der Alpen ist die Entwicklung des Schweizer Mittellands verbunden. Aus dem noch jungen Gebirge wurde Erosionsmaterial geschwemmt, die Molasse (von lat. molere, mahlen), die sich im Molassemeer ablagerte. Das Erosionsmaterial wurde im Lauf der Zeit zusammengebacken, wobei die für das Mittelland typischen Gesteine entstanden. Die letzte Phase der Alpenfaltung griff auch auf die Molasse über; alpine Decken wurden auf diese geschoben, einzelne Schollen der Molasse