Am Samstag, den 08.08.2015, konnte unser Rettungssanitäter Christian Riegel an einer besonderen Führung in einem besonderen Zug teilnehmen. Hier sein Bericht. Was sich viele bestimmt schon gefragt haben: Was ist denn das für ein Zug, der in einem etwas verblasstem rot auf einem Abstellgleis am Mannheimer Hauptbahnhof steht? Die Antwort: Es ist einer von sechs in Deutschland existierenden Rettungszügen der Deutschen Bahn. Der Zug in Mannheim ist Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit. Die sechs Rettungszüge werden von der Deutschen Bahn vorgehalten, um bei Unglücken vor allem in Tunneln auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken (Schnellfahrstrecken, ICE Strecken) eingesetzt zu werden. Sie fahren mit Spezialtechnik für Feuerwehr und speziellen Sanitätswaggons in den Tunnel ein, um beispielsweise bei einem Brand die Feuerwehrtechnik an den Schadensort zu bringen und verletzte Personen aus dem Gefahrenbereich zu retten. Die medizinische Ausrüstung, Löschmittel, Arbeitsmittel für die technische Hilfeleistung, sowie Rettungsgeräte werden ständig überprüft und wenn notwendig ergänzt bzw. ausgetauscht.
Zahlen, Daten und Fakten Der Rettungszug in Mannheim ist 150 Meter lang und besteht aus jeweils zwei Hauptabschnitten: Dem Feuerwehr Abschnitt, bestehend aus einem Waggon zum Transport der Feuerwehrleute und für die Koordination des Einsatzes, einem Waggon mit Rettungstechnik sowie einem Waggon mit Löschwasser. Weiterhin besteht der Rettungszug aus dem Rettungsdienstabschnitt mit einem Behandlungs- und einem Verletztentransportwaggon. Insgesamt besteht der komplette Rettungszug mit zwei Lokomotiven aus sieben Teilen. Feuerwehr Gerätewaggowaggon Behandlung Löschmittel- Waggon Sanitätswaggon Lok 1 Lok 2 Kommt es zu einem Einsatz, dann werden Feuerwehrabschnitt und Rettungsdienstabschnitt voneinander getrennt. Jeder dieser Abschnitte besitzt dann jeweils eine eigene Lokomotive, um den Standort selbstständig verändern zu können. Personalbesetzung Rettungsdienstabschnitt Hier sind zwei Notärzte und 20 Rettungsdienstmitarbeiter aus den Berufsgruppen Notfallsanitäter, Rettungsassistent und Rettungssanitäter mit an Bord. Hinzu kommt dann der von der Deutschen Bahn bereitgestellte Lokomotivführer. Feuerwehrabschnitt Hier kommen Feuerwehrleute der Feuerwehr Mannheim zum Einsatz. Nach der Alarmierung gelangen sie mit Einsatzfahrzeugen zum Zug, besetzen den Feuerwehrabschnitt und nehmen diesen mit der Feuerwehrtechnik in Betrieb. Die Löschfahrzeuge werden dann von einem Ersatzdienst, der aus Feuerwehrleuten in Bereitschaft besteht, wieder besetzt, um die Feuerwehrbereitschaft in Mannheim lückenlos wieder herzustellen. Auch für den Feuerwehrabschnitt ist ein Lokomotivführer der Bahn bereitgestellt, um den Zug zu fahren.
Ablauf der Rettungsmaßnahmen Die Feuerwehr bleibt mit Ihrem Abschnitt im Tunnel und führt die Rettungsmaßnahmen durch. Verletzte Personen verbringen sie zu den Notärzten und Sanitätern. Im Abschnitt Behandlung werden Patienten mit schweren Verletzungen versorgt und stabilisiert. Hierfür stehen zwei Notfallbehandlungsplätze und weitere Behandlungsplätze zur Verfügung. Die Notfallbehandlungsplätze sind mit Defibrillatoren, Beatmungsmaschinen und dem dazugehörigen Notfallbehandlungsequipment, wie es sich auch auf einem Rettungswagen befindet, ausgestattet. Zusätzlich haben Sie noch die Besonderheit, dass hier auch Notoperationen durchgeführt werden können.
Sobald die Patienten stabilisiert und versorgt sind, werden diese in den angrenzenden Sanitätstransportwaggon verlegt, in dem die Verletzten dann transportiert werden. Hat der Zug seine Kapazität ausgeschöpft, fährt dieser aus dem Tunnel und übergibt dort die Patienten an bereitstehende Rettungsmittel zum Weitertransport in umliegende Kliniken. Sollten noch Verletzte im Gefahrenbereich sein, fährt der Zug wieder und wieder den Schadensort im Tunnel an, bis die Rettungsmaßnahmen abgeschlossen sind. Die beiden Waggons sind jeweils mit Schleusen und Überdruck ausgestattet, um das Eindringen von Rauch, der sich im Tunnel befindet, in das Patientenbehandlungs- und Patiententransportabteil zu verhindern. Weitere medizinische und technische Ausstattung Weiterhin befinden sich zahlreiche Notfallkoffer an Bord, um eine große Anzahl von Verletzten, die bei einem Zugunglück leider oft zu verzeichnen sind, versorgen zu können. Hinzu kommen Schaufel- und Feldtragen sowie Vakuummatratzen für das Immobilisieren von Patienten mit schweren Verletzungen.
Im Bereich Feuerwehr befindet sich ein Waggon, der mit Löschwasser befüllt ist, damit ein Brand bekämpft werden kann. Im nächsten Waggon befindet sich die Technik, um einen Zug aufsägen und sichern zu können. Die Ausstattung ist mit der auf Feuerwehrfahrzeugen vergleichbar. Unterschiedlich ist hier, dass sie Spezialwerkzeuge an Bord haben, um auch die Hülle eines ICE durchdringen zu können. Daneben gibt es noch verschiedene Einrichtungen für die Kommunikation im Tunnel. Mit mobilen externen Antennen wird hier die Funkverbindung zu den Brand- und Rettungstrupps außerhalb des Zuges sichergestellt.
Für die Lokführer heißt es vor der Einfahrt in den Gefahrenbereich: Umsteigen. Da die Lokführer nicht im normalen Führerstand ihrer Lokomotive den Zug in den Tunnel steuern können, wenn dieser evtl. durch ein Feuer mit Rauch voll steht, steigen sie in einen speziellen Führerstand - jeweils einer im Abschnitt Feuerwehr und einer im Abschnitt Rettungsdienst um. Somit sind auch die beiden Lokführer im sicheren Bereich, der unter Überdruck steht, und somit geschützt. Von dort aus können sie über zwei Kameras den Zug in und aus den Tunnel steuern. Eine Kamera zeigt ein normales Bild und die zweite Kamera ein Wärmebild. So ist gewährleistet, dass auch bei einem verrauchten Tunnel Personen, die sich dem Zug nähern, zu erkennen sind, und die Unfallstelle schnell zu übersehen ist.
Der Zug kam glücklicherweise noch nicht zu einem größeren Einsatz. Am 1.8.2014 wurde er zur Unterstützung bei dem Zugunfall im Hauptbahnhof Mannheim in den Einsatz gebracht. Ein unscheinbarer Zug auf einem Bereitstellungsgleis am Hauptbahnhof Mannheim - Im Notfall bereit Leben zu retten.