Riemerellose bei Pekingenten

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Transkript:

Riemerellose bei Pekingenten - Anzeichen & Handlungsmöglichkeiten - Dr. Christine Ahlers Geflügelgesundheitsdienst Thüringer Tierseuchenkasse

Pekingentenmast mittl. Herdengröße: 14.000 Mastdauer: 40-45d 2 Phasen: Aufzucht (16d) Mast Bodenhaltung (Einstreu) ohne Auslauf Besatzdichte: max. 20kg/m 2 Angebot von offenem Wasser im Stall

klinisch erkrankte Enten mortality (%) 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 cumulative mortality 0,0 1 2 3 4 5 6 week of live

Kükenqualität Die Küken müssen normal entwickelt sein, gesund und vital: Gewicht nicht unter 50g Dottersack vollständig eingezogen, Nabel geschlossen Daunenkleid abgetrocknet und locker Flügel straff anliegend Augen klar und feucht glänzend

hohe Tierverluste: Früherkennung AI!!! 4(1) Geflügelpest-Verordnung Treten innerhalb von 24 Stunden in einem Geflügelbestand Verluste von 1. 2. mehr als 2 vom Hundert der Tiere des Bestandes bei einer Bestandsgröße von mehr als 100 Tieren auf oder kommt es zu erheblichen Veränderungen der Legeleistung oder der Gewichtszunahme, so hat der Tierhalter unverzüglich durch einen Tierarzt das Vorliegen einer Infektion mit dem hochpathogenen oder niedrigpathogenen aviären Influenzavirus durch geeignete Untersuchungen ausschließen zu lassen.

hohe Tierverluste: Früherkennung AI!!! 4(2) Geflügelpest-Verordnung Treten in einem Geflügelbestand, in dem ausschließlich Enten und Gänse gehalten werden, über einen Zeitraum von mehr als vier Tagen 1. Verluste von mehr als der dreifachen üblichen Sterblichkeit der Tiere des Bestandes oder 2. eine Abnahme der üblichen Gewichtszunahme oder Legeleistung von mehr als 5 vom Hundert ein, so hat der Tierhalter unverzüglich durch einen Tierarzt das Vorliegen einer Infektion mit dem hochpathogenen oder niedrigpathogenen aviären Influenzavirus durch geeignete Untersuchungen ausschließen zu lassen.

Gesundheitsstörungen: Zusammenspiel krankheitsauslösender Faktoren Quelle: H. Woernle, S. Jodas (2001): Geflügelkrankheiten. Verlag Eugen Ulmer & Co., 2. Aufl. S. 23

Infektionskrankheiten der Enten viral bakteriell durch Pilze bedingt Aviäre Influenza Aeromonas-Septikämie Aspergillose Circovirusinfektion Av. Pseudotuberkulose EDS Botulismus Entenpest Coliseptikämie Parvovirushepatitis (M) Geflügelcholera Reovirusinf. (M) Geflügeltuberkulose Virushepatitis (P) Listeriose Vogelpocken Nekrotisierende Enteritis Ornithose Riemerellose parasitär Rotlauf Wurmbefall Salmonellose Staphylokokkose Streptokokkose

Riemerellose Exsudative Septikämie Infektiöse Serositis Anatipestifer-Septikämie Klinische Symptome: (v.a. Jungenten bis 8. LW) akuter Verlauf, viele Enten erkranken (hohe Morbidität), hohe Sterblichkeit (Mortalität) Tremor ( Wackelköpfe ) Apathie Ataxie Konjunktivitis Arthritis

Riemerella anatipestifer: Eigenschaften Überlebensfähigkeit: im gereinigten Stall nur wenige Tage, in Wasser länger als 1 Woche, in Kot/kotbelasteter Einstreu über Wochen Abtötung: im Tier durch (wirksame) Antibiotika im Stall durch Desinfektionsmittel mit bakterizider Wirkung

vom Erreger zur Erkrankung Erregereintrag: über Vögel, Schädlinge oder Gerätschaften oder anderes Material, das mit R.a. belastet ist Infektion*: über die Atemwege über die Bindehäute über Hautverletzungen (Fußballen, Kratzwunden!) Inkubationszeit*: klinische Erkrankung: i.d.r. 2-5 Tage in der der Erreger sich in den Zielorganen vermehrt und diese so schädigt, dass klinische Symptome erkennbar sind und/oder das Tier verendet *) Unter einer Infektion, umgangssprachlich auch Ansteckung, versteht man das aktive oder passive Eindringen, Verbleiben und anschließende Vermehren von Krankheitserregern in einen Wirt. Die Zeit zwischen Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome wird als Inkubationszeit bezeichnet.

Krankheitssymptome in der Herde: Herde wächst auseinander erhöhte Tierverluste am Einzeltier: Zittern, Wackelkopf Koordinierungsstörung, unsicherer Gang Schiefhals (S-förmig seitlich gebogener Hals) Gelenkentzündung, Lahmheit Ausfluss aus Nasenöffnungen und Augen Abmagern erkrankter Tiere am Schlachthof: erhöhter Verwurf wg. Organveränderungen (Eileiterentzündungen) und Gelenkentzündungen

Maßnahmen bei/nach Auftreten der Riemerellose 1. unverzügliches Hinzuziehen des betreuenden Tierarztes zur Diagnostik und antibiotischen Behandlung der Herde (z. Zt. sind für Enten nur 2 Antibiotika zugelassen) 2. Intensivierung der Hygienemaßnahmen, um das Risiko der Erregerverschleppung zu minimieren 3. bestandsspezifische Impfung weiterer Herden im Betrieb/Betriebsteil zwischen 10. und 12. LT 4. sorgfältige, umfassende Reinigung & Desinfektion in der Serviceperiode 5. Ruheperiode des betroffenen Betriebes bzw. Betriebsteils (1 Durchgang aussetzen)

Vorsorgemaßnahmen: speziell: Einsatz bestandsspezifischer Vakzine bei Zuchttieren strenge Stallhygiene: alles-rein-alles-raus -Prinzip Reinigung & Desinfektion in der Serviceperiode allgemein: Bestandsabschirmung, Biosicherheitsmaßnahmen regelmäßige, intensive Tiergesundheitskontrollen qualitativ einwandfreies Futter, Wasser und Einstreu kontinuierliche Schädlingskontrolle standardisierte Vorgehensweisen bei Routinearbeiten (z.b. Reinigung & Desinfektion, Stallvorbereitung, tägl. Bestandskontrollen)

Sicherung eines guten Gesundheitsstatus: umfassende Hygienemaßnahmen in der Serviceperiode gesunde Küken von gesunden Elterntierherden guter Hygienestatus während der gesamten Haltungsdauer (= möglichst geringer Infektionsdruck) gute Haltungsbedingungen: Stallklima Management Besatzdichte Einstreuqualität tierart- und leistungsgerechte Fütterung und Wasserversorgung Vermeidung von jeglichem Stress für die Tiere Frühzeitiges Erkennen von Gesundheitsstörungen und Gegensteuern