Vögel brauchen Flügel. Menschen brauchen Menschen. Fische brauchen Wasser. Eine kleine Einführung ins Thema Sozialkapital

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1 Vögel brauchen Flügel. Fische brauchen Wasser. Menschen brauchen Menschen. Eine kleine Einführung ins Thema Sozialkapital

2 Geld, Konsum, Spaß: Das bedeutet mir sehr viel. Aber nicht so viel wie Familie und Freunde. Stefanie Lunardon, 21, Angestellte Bregenz Unsere Gemeinde hat Einwohner und 30 Vereine. Dieses Engagement ist die Basis für die Lebensqualität im Ort. Georg Moosbrugger, Bürgermeister Langenegg Kaum etwas bietet der Wirtschaft so viele Chancen für klare Wettbewerbsvorteile wie soziales Kapital. Hubert Rhomberg, Unternehmer Bregenz Die Stärke eines Landes hängt auch vom gesellschaftlichen Zusammenhalt ab. Zukunftsfähigkeit erfordert ein gutes Miteinander. Landeshauptmann Herbert Sausgruber Internet und Handy sind tolle Erfindungen. Solange sie kein Ersatz für persönliche Gespräche sind. Maria Wergles, 76, Pensionistin Rankweil

3 Besser gemeinsam. Gemeinsam besser. Zusammenhalt in der Famile, im Freundes- und Bekanntenkreis > gesündere Menschen > höhere Lebenszufriedenheit > erfolgreicher im Beruf > mehr Stabilität in Krisensituationen Enge Freundschaften, vielseitige Kontakte, gemeinsame Werte und das Gefühl, in eine Gemeinschaft eingebettet zu sein wer das hat, der hat ein großes Stück Lebensglück. Dieses Stück Lebensglück heißt Sozialkapital und ist die Basis für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Der moderne Lebensstil führt leider oft dazu, dass Beziehungen unverbindlicher werden, dass Solidarität und Engagement abnehmen. Das ICH wächst unverhältnismäßig über das WIR hinaus. Wir können aber auch anders: Wir können durch unser Verhalten Sozialkapital gezielt fördern und vermehren. Wenn wir uns daran machen, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, festigt das nicht nur die Gesellschaft als Ganzes; auch die Gemeinde, die Wirtschaft und jeder Einzelne profitieren davon. Zusammenhalt in Unternehmen und Organisationen > besseres Arbeitsklima > weniger Personalwechsel > innovativere Betriebe > höhere Produktivität > mehr Problemlösungskompetenz Zusammenhalt in der Gemeinde/Region > geringere Kriminalität > leistungsfähigeres Bildungssystem > weniger Arbeitslose > besseres Gesundheitssystem Untersuchungen rund um den Globus haben gezeigt: Dort, wo Menschen zusammenhalten, lebt es sich deutlich besser.

4 Wer einen Freund will, muss selber einer sein. Mensch (Mikroebene) > Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrer Familie? > Pflegen Sie den Kontakt zu Ihren Freunden? > Sind Sie für Familie und Freunde da, wenn alle Stricke reißen? Es ist schön, wenn ein Freund immer für Sie da ist. Wenn der Nachbar Ihre Katze füttert, während Sie Urlaub machen. Wenn ein Bekannter Ihnen eine Arbeitstelle besorgt. Wenn der Krankenpflegeverein Sie bei der Pflege Ihrer Eltern unterstützt. Wenn freiwillige Helfer bei Hochwasser und anderen Katastrophen zur Stelle sind. Aber selbstverständlich ist es nicht. Denn Zusammenhalt besteht aus Geben und Nehmen. Was können Sie persönlich dazu beitragen, Ihr soziales Kapital zu vermehren und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken? Gemeinschaft (Makroebene) > Fühlen Sie sich als Teil einer größeren Gemeinschaft (z.b. Religion, Gemeinde, politische Anschauung)? > Bilden Sie sich zu Politik, Wirtschaft und Kultur eine eigene Meinung und diskutieren Sie mit anderen darüber? > Haben Sie Zivilcourage? Gruppe (Mesoebene) > Engagieren Sie sich in einem Verein oder einer Initiative? > Plaudern Sie öfters mit Ihren Nachbarn und unterstützen Sie sich gegenseitig mit kleineren Hilfeleistungen? > Unternehmen Sie regelmäßig etwas mit Ihren Arbeitskollegen? Mensch, Gruppe, Gemeinschaft: Nur wer auf allen drei Ebenen aktiv ist, steigert sein Sozialkapital.

5 Bande knüpfen und Brücken bauen. Geborgenheit unter Gleichgesinnten (Bonding) Meist ist es eine Gemeinsamkeit, die einzelne Menschen miteinander verbindet und vernetzt. Das kann zum Beispiel der Glaube sein, die politische Überzeugung, der Lebenstil, ein geteiltes Hobby, derselbe Wohnort oder derselbe Arbeitsplatz. Sich aber immer nur unter Gleichgesinnten zu bewegen, bedeutet auf Dauer Stillstand. Am meisten Sozialkapital entsteht dort, wo Menschen, Gruppen und Gemeinschaften offen sind. Gegenüber anderen Nationalitäten, Hautfarben, Religionen und Generationen. Gegenüber anderen Werten, Normen, Ideen, Lebensformen und Interessen. Offenheit gegenüber neuen Menschen und Ideen (Bridging) Zusammenhalt darf nicht Abschottung sein. Nur wenn Bonding und Bridging in Balance sind, bleibt die Gesellschaft lebendig und entwicklungsfähig.

6 zämma leaba Keiner kann so viel wie wir alle zusammen. Bist Du dabei? An der Bushaltestelle ins Gespräch kommen, in einer Theatergruppe mitmachen, Menschen im Altersheim besuchen, ein Picknick im Park veranstalten, ein Fest für Nachbarn organisieren, Blut spenden, eine Fahrgemeinschaft gründen, gemeinsam mit der Familie essen, in einem Chor singen, jassen mit Freunden statt fernsehen, anderen die Tür aufhalten. Es gibt hunderte große und kleine Dinge, die wir jeden Tag tun können, um zu einer echten Gemeinschaft zusammenzuwachsen. zämma leaba zämma leaba B R Ü C K E N S C H L A G Lernwelt Wirtschaft & Gesellschaft Beispiele für Projekte zur Steigerung des Sozialkapitals > Gemeindeprojekt Zämma. Besser gemeinsam. Gemeinsam besser. Das Projekt soll das Bewusstsein für die Bedeutung des Sozialkapitals schärfen und das Miteinander in der Gemeinde stärken. Auf dem Weg dorthin werden die Projektgemeinden vom Büro für Zukunftsfragen begleitet. Zämma wurde 2006 in der Pilotgemeinde Götzis gestartet und läuft zurzeit in mehreren Vorarlberger Gemeinden. > Schulprojekt friends and more In Kooperation mit der Einrichtung JugendInitiativ der katholischen Kirche entwickelte das Büro für Zukunftsfragen ein eigenes Sozialkapital-Projekt für Schulen. Es handelt sich um ein dreistufiges Angebot für 14- bis 18-jährige SchülerInnen, bestehend aus einem Vortrag, einem Workshop und einer konkreten Aktion zur Förderung des Sozialkapitals. > Projekt für Führungskräfte Brückenschlag, Lernwelt Wirtschaft & Gesellschaft Seit 2002 wechseln im Rahmen des Weiterbildungsprogramms Brückenschlag Führungskräfte aus Wirtschaft und Sozialbereich für eine Woche in den jeweils anderen Arbeitsalltag. (

7 > Weitere Informationen Büro für Zukunftsfragen, Amt der Vorarlberger Landesregierung Jahnstraße 13-15, 6901 Bregenz, Tel. 0043/(0)5574/ > Literatur - Bauer, Joachim: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. Hoffmann Campe, Hamburg Büro für Zukunftsfragen (Hg.): Sozialkapital Gesellschaft und Gemeinsinn in Vorarlberg. Kurzfassung einer Studie. Zweite Auflage, Bregenz Coleman, James S.: Social Capital in the Creation of Human Capital. Oxford University Press, Oxford (u.a.) Franzen, Axel/Freitag, Markus: Sozialkapital: Grundlagen und Anwendungen. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Sdh 47/ Putnam, Robert D.: Making Democracy Work. Princeton University Press, Princeton, NJ Putnam, Robert: Bowling alone: The Collapse and Revival of American Community. Simon & Schuster, New York 2000 > Impressum Herausgeber: Büro für Zukunftsfragen (Amt der Vorarlberger Landesregierung), Bregenz 2010 Text: Elke Burtscher; Grafik: Monika Rauch; Illlustrationen: Gabriela Harmtodt; Druck: Hechtdruck

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