Wie Sie für den Pflegefall vorsorgen

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1 Betriebsleitung Wie Sie für den Pflegefall vorsorgen Pflege ist teuer. Wie schützen Sie sich, Ihren Betrieb und Ihre Kinder am besten vor unkalkulierbaren finanziellen Risiken im Pflegefall? Unser Vorsorge-Ratgeber gibt die Antwort. Wenn dann noch eine Lücke verbleibt wie groß ist sie, und wie kann ich sie durch private Vorsorge schließen? Welche privaten Pflegeversicherungen gibt es welche sind für mich zu empfehlen und was kosten sie? Wird ein Angehöriger pflegebedürftig, ist oft die ganze Familie stark belastet auch finanziell. Die Lebenserwartung steigt. Mit ihr aber auch die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland. Gleichzeitig ziehen die Pflegekosten immer weiter an. Die Sorge, eine möglicherweise notwendig werdende Pflege im Alter nicht mehr bezahlen zu können, nimmt daher auch unter Landwirten zu. Zwar werden in den bäuerlichen Familien nach wie vor enorme Pflegeleistungen erbracht. Doch eine nahezu unbegrenzte Hege und Pflege, wie sie früher üblich war, kann die nachfolgende Generation nicht mehr erbringen weder menschlich-persönlich noch finanziell. Nicht von ungefähr wird deshalb in vielen Hofübergabeverträgen heute die Pflegeverpflichtung des Nachfolgers auf den Bereich der Pflegestufe I begrenzt. Das heißt für die jetzige Betriebsleiter- Generation: Im Rahmen Ihrer Vorsorge- Strategie müssen Sie das Pflegefall-Risiko genauso konsequent ins Visier nehmen wie z. B. das Berufsunfähigkeits-Risiko (top agrar 4/2013). Und das sind die wichtigsten Fragen, die Sie sich dabei stellen sollten: Welche Kosten kommen auf mich zu, wenn ich im Alter schwer pflegebedürftig werden sollte? Welche Leistungen kann ich in diesem Fall von der gesetzlichen Pflegeversicherung erwarten? Wie hoch wird in etwa meine Altersrente sein, und mit welchen Leistungen vom Betrieb kann ich kalkulieren (z. B. bares Altenteil bzw. Pachteinnahmen bei auslaufenden Betrieben)? Foto: Peter Maszlen Fotolia.com Risiko abschätzen: Wie bei allen Vorsorgefragen ist der erste Schritt eine nüchterne Risikoabschätzung. Sie ist beim Thema Pflege nicht ganz einfach, aber einige Eckdaten können dabei helfen. Klar ist: Die Gefahr, pflegebedürftig zu werden, steigt mit dem Alter stark an. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums werden nur ca. 0,8 % der unter 60-Jährigen pflegebedürftig. Zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr steigt das Risiko auf 4,6 %, danach geht es rapide auf rund 30 % hoch. Der Gesetzgeber unterscheidet drei Pflegestufen. Entsprechend sind auch die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung gestaffelt. Das Risiko, später einmal in der höchsten Pflegestufe zu landen, ist rein statistisch betrachtet relativ gering: Über 60 % aller Pflegebedürftigen sind derzeit in Pflegestufe I, ca. 30 % in Pflegestufe II und rund 8 % in Stufe III. In Pflegestufe I ist das finanzielle Risiko überschaubar. Die Pflege erfolgt häufig zuhause durch Angehörige, unterstützt durch das monatliche Pflegegeld in Höhe von derzeit 235 oder durch Pflegesachleistungen bis zu 450 /Monat. Große finanzielle Lücken entstehen hier häufig noch nicht. Deutlich kritischer wird es in Pflegestufe II. Dann erhöht sich nicht nur die Belastung der pflegenden Angehörigen rapide, auch die Kosten schießen in die Höhe. Häufig wird die Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst erforderlich. Hierfür müssen Sie laut Caritas München schnell mit monatlichen Kosten in Höhe von etwa rechnen, z.b. für tägliche umfangreiche Hilfe professioneller Pflegedienste bei der morgendlichen und abendlichen Körperpflege und Nahrungsaufnahme. Hinzukommen bis zu 200 /Monat für Pflegezubehör, insgesamt also Davon übernimmt die Pflegekasse in Pflegestufe II. Die verbleibende Lücke von 600 /Monat muss privat 36 top agrar 5/2013

2 gedeckt werden. Dafür dürften die eigene Rente und die baren Altenteilsleistungen in der Regel ausreichen. Teures Pflegeheim: Am größten wird die finanzielle Lücke, wenn der schlimmste Fall eintritt: Sie werden so schwer pflegebedürftig, dass die Angehörigen definitiv überfordert sind und Sie womöglich über mehrere Jahre in einem Pflegeheim betreut werden müssen. Ein Pflegeheim kostet im Schnitt monatlich rund in Pflegestufe II und über in Pflegestufe III. In einigen Ballungsräumen liegen die Heimkosten hingegen schon heute bei bis oder mehr. Bei jährlich steigenden Heimentgelten sind das auch eher die Dimensionen, die für die Zukunft zu erwarten sind. Über die gesetzliche Pflegeversicherung sind davon nur (Pflegestufe II) bzw (Pflegestufe III) abgedeckt. Es verbleibt je nach Fall oft eine Lücke zwischen und /Monat. Dafür reichen eigene Rente und bares Altenteil in den meisten Fällen nicht mehr aus. Das gilt erst recht, wenn der Ehepartner des Pflegebedürftigen auf dem Hof bleibt und aus den Altenteilsleistungen weiterhin seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Das heißt: Je nach Fall fehlen zur Finanzierung schnell zwischen 500 und /Monat, die bis auf und mehr ansteigen können. Zwar dauert der Aufenthalt in einem Pflegeheim statistisch gesehen im Schnitt keine drei Jahre. Aber auch dann fehlen zur Deckung der Heimkosten insgesamt schnell zwischen etwa und , bei einem sehr teuren Pflegeheim noch deutlich mehr. Doch was ist, wenn die Heimpflege im Einzelfall nicht nur 3, sondern vielleicht 5 oder gar 10 Jahre dauert? Dann verdoppelt oder verdreifacht sich der Finanzbedarf und kann durchaus in Richtung und mehr gehen. Wie gesagt: Es muss nicht so kommen aber ein Risiko in dieser Größenordnung ist eben auch nicht völlig auszuschließen. In jedem Fall sollten Sie möglichst realistisch kalkulieren, wenn Sie sich mit der Absicherung des Pflegefall- Risikos beschäftigen. Wann es Zeit wird: Das müssen Sie nicht schon mit 25 oder 30 Jahren, wenn Sie gerade den elterlichen Betrieb übernehmen. Dann sind andere Vorsorge- Bausteine wichtiger, wie z. B. eine ausreichend hohe Risiko-Lebensversicherung (zur Absicherung von Investitionen und Krediten), eine private Unfall- bzw. eine private Berufsunfähigkeits-Versicherung Schnell gelesen Bei langer, schwerer Pflegebedürftigkeit können finanzielle Lücken bis zu , im Einzelfall bis entstehen. Spätestens mit etwa 40 bis 45 Jahren sollten Sie für sich eine Risikoabschätzung vornehmen. Die beste Lösung ist eine ausreichende private Altersvorsorge. Für verbleibende Lücken kann der Abschluss einer privaten Pflege-Zusatzversicherung sinnvoll sein. mit einer Rentenhöhe von mindestens 500 /Monat, besser bis (siehe top agrar 4/2013, Seite 48). Die private BU-Rente fließt übrigens nicht nur, wenn Sie durch Krankheit oder Unfall vorzeitig berufsunfähig werden, sondern natürlich erst recht, wenn Sie dadurch noch vor Erreichen des Rentenalters pflegebedürftig werden sollten. Das eigentliche Pflegerisiko ist aber ein Alters-Risiko. Mit diesem Thema sollten Sie sich als Betriebsleiter-Ehepaar deshalb spätestens mit etwa 40 bis 45 Jahren intensiver beschäftigen. Zeigt sich dabei, dass später im Pflegefall finanzielle Lücken drohen könnten, sollten Sie aber trotzdem nicht vorschnell eine private Pflege-Zusatzversicherung abschließen. Denn die bessere Strategie ist in vielen Fällen, spätestens jetzt gezielt mit dem Aufbau einer Altersvorsorge in Form von Sparplänen, privaten Lebens- oder Rentenversicherungen, oder auch durch den Bau bzw. Erwerb einer vermieteten Immobilie (z. B. Eigentumswohnung) zu beginnen. Versuchen Sie einmal abzuschätzen, welche Beträge bei vorsichtiger Kalkulation hierfür in den nächsten 20 bis 25 Jahren zur Verfügung stehen könnten. Der große Vorteil dieser Strategie: Wenn Sie im Alter gesund bleiben, stocken Sie mit dem privat angesparten Kapital Ihre Rente auf, haben finanziell mehr Spielraum und können womöglich den Hofnachfolger entlasten, weil Sie mit dem baren Altenteil nicht an die Belastungsgrenze gehen müssen. Kommt es aber knüppeldick, weil Sie und/oder Ihr Ehegatte im Alter pflegebedürftig werden sollten, steht dieses Kapital eben auch für die Finanzierung der Pflege zur Verfügung. Zwar gehen die Erben leer aus, wenn diese Rücklagen für die Pflege verbraucht werden. Aber das Unser Experte Martin Röttgermann ist Versicherungsberater beim Westfälisch- Lippischen Landwirtschaftsverband in Münster. ist immer noch besser, als wenn Sie im Pflegefall über Gebühr die eigenen Kinder belasten müssen oder sogar auf die Hilfe des Sozialamts angewiesen sind. Prioritäten setzen! Unser Zwischenfazit lautet deshalb: Um sich für den Pflegefall abzusichern, hat bei Landwirten der Abschluss einer privaten Zusatzversicherung nicht die höchste Priorität. Dies gilt erst recht für voraussichtlich auslaufende Betriebe ohne Hofnachfolger. Hier kann später im Pflegefall, wenn der Betrieb nicht überschuldet ist, notfalls auf das vorhandene Vermögen zurückgegriffen werden, um eine teure Pflege zu finanzieren. Dies sollte dann aber auch nicht tabu sein. Über den Abschluss einer privaten Pflege-Zusatzversicherung sollten Sie dagegen in folgenden Fällen bzw. Situationen ernsthaft nachdenken: Wenn die finanziellen Spielräume im Betrieb eng sind und absehbar ist, dass Sie bis zum Rentenalter voraussichtlich keine bzw. keine ausreichende private Altersvorsorge aufbauen können. Wenn absehbar ist, dass der Hofnachfolger später relativ hohe Vorbelastungen mitübernehmen muss und deshalb keine hohen Altenteilslasten tragen kann. Wenn Sie zwar regelmäßig Geld fürs Alter zurücklegen können, aber jedes Risiko ausschalten wollen, bei einer sehr langwierigen, teuren Pflege den Betrieb und/oder die Kinder belasten zu müssen. Dann bietet es sich an, das verbleibende Rest-Risiko über eine preiswerte Pflege-Zusatzversicherung abzudecken. Wenn Sie alleinstehend und/oder ohne Kinder sind, oder wenn Sie aus anderen Gründen befürchten müssen, dass Sie im Pflegefall sehr schnell auf fremde Hilfe angewiesen sein werden, weil eine Betreuung durch Angehörige nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich sein wird. Wenn eine private Pflegeversicherung für Sie in Frage kommt, stellen sich die nächsten Fragen: Welche Versicherungsformen gibt es? Was leisten und was kosten sie? Welche Police ist für mich am ehesten zu empfehlen? Dazu lesen Sie mehr im folgenden Beitrag. Johanna Budde top agrar 5/

3 Betriebsleitung Per Tagegeld die Lücke schließen Private Pflege-Zusatzversicherungen: Was sie leisten, was sie kosten Im Pflegefall reichen die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung oft nicht aus. Es gibt drei Arten von privaten Pflege- Zusatzversicherungen: die Pflegekosten-Versicherung, die Pflegetagegeld-Versicherung und die Pflege-Rentenversicherung. Seit Einführung der neuen Unisex-Tarife Anfang 2013 liegen die Versicherungsbeiträge für Männer generell höher, für Frauen dagegen kaum niedriger. Pflegekosten-Versicherung: Sie ist die preiswerteste Form der privaten Pflegeversicherung. Im Pflegefall erstattet sie einen Teil der Kosten, die nicht durch die gesetzliche Pflegeversicherung gedeckt sind. Es gibt sehr unterschiedliche Tarife. Die meisten sind so aufgebaut, dass die private Versicherung im Pflegefall die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegekasse um einen bestimmten Prozentsatz aufstockt. Hier wird alles zwischen 50 und 100 % angeboten. Bei anderen Policen wird genau festgelegt, bis zu welcher Summe die Kosten z. B. von Pflegehilfsmitteln, einer Tagespflege oder eines Pflegeheimes übernommen werden. Der Nachteil dieser Versicherungsform: In erster Linie erstattet sie die Kos- Pflegetagegeld: Am stärksten verbreitet ist die Pflegetagegeld-Versicherung. Auch sie orientiert sich an den gesetzlichen Pflegestufen. Sobald Sie pflegebedürftig werden, zahlt die Versicherung Ihnen das vorher vereinbarte Tagegeld. Die Höhe des Tagegeldes können Sie bei Vertragsabschluss selbst festlegen. In der Regel wird das Tagegeld gestaffelt. Die höchste Summe (100 %) wird in Pflegestufe III gezahlt. In Stufe II sind es 60 oder 70 %, in Stufe I meist 30 %. Auch eine Demenz-Erkrankung ohne Pflegestufe können Sie mitversichern, z. B. mit 10 bis 30 % des vollen Tagegeldes. Wichtig: Bei einigen Tarifen können Sie als Kunde frei entscheiden, wie hoch das Tagegeld in den einzelnen Stufen sein soll. Damit ist diese Versicherung sehr flexibel. So können Sie z. B. auf ein Tagegeld in Pflegestufe I verzichten und dadurch die Beiträge senken. Oder Sie verten professioneller Pflege. Für die Nachbarin, die bei der Pflege hilft, oder für pflegende Angehörige gibt es nur sehr wenig oder gar kein Geld. Generell werden nur direkte Pflegekosten übernommen. Die Versicherung zahlt z. B. nicht für Leistungen wie Haushaltshilfe oder reine Betreuung, wie sie für Demenzkranke wichtig sein kann. Eine Lücke entsteht auch bei einer Heimunterbringung. Denn hier sind die Kosten für Unterkunft und Verpflegung grundsätzlich nicht erstattungsfähig. Diese können sich je nach Fall und Heim schnell auf 600 bis /Monat belaufen. Da nur nachgewiesene Kosten erstattet werden, ist die Abwicklung relativ umständlich. Sie müssen stets die Rechnungen vorlegen. Um z. B. die sehr geringen Erstattungen für heimische Pflege zu erhalten, muss eine Quasi-Rechnung erstellt werden. Diese wird nach einer Ortsbesichtigung von einem zugelassenen Pflegedienst ausgestellt und an die Versicherung weitergeleitet. Bürokratisch! Eine Pflegekosten-Police bekommen Sie als Landwirt oder Bäuerin bei Abschluss mit 45 Jahren für ca. 15 /Monat. Foto: Kzenon Fotolia.com Dafür erhalten Sie im Pflegefall bei ambulanter Pflege durch einen Pflegedienst folgende Leistungen: Pflegestufe I = 225 /Monat Pflegestufe II = 550 /Monat Pflegestufe III = 775 /Monat. Der Höchstsatz von 775 gilt auch bei stationärer Pflege. Schließen Sie die gleiche Police mit 60 Jahren ab, verdoppelt sich der Beitrag auf ca. 30 /Monat. Teurer wird es, wenn Sie bei professioneller Pflege die volle Deckung der Kosten nach Abzug der gesetzlichen Pflegeleistungen anstreben. Für eine solche Police müssen Sie bei Abschluss mit 45 Jahren etwa 25 /Monat hinlegen, obwohl bei der Pflege durch Angehörige nur geringe Beträge erstattet werden. Bis zum 90. Lebensjahr müssten Sie dann insgesamt rund für den Pflegefall-Schutz aufbringen, zwischenzeitliche Beitragssteigerungen nicht mitgerechnet. Schließen Sie den gleichen Vertrag erst mit 60 Jahren ab, kostet der Schutz bereits ca. 90 /Monat, bis zum 90. Lebensjahr also insgesamt rund Da sie relativ unpraktikabel in der Handhabung sind, wurden Pflegekosten- Policen in letzter Zeit kaum nachgefragt. Inzwischen bieten nur noch wenige Gesellschaften diese Versicherungsform an. Fazit: Gerade für Landwirtsfamilien, in denen viel über häusliche Pflege läuft, ist eine Pflegekosten-Versicherung eher nicht zu empfehlen. Sie ist in der Abwicklung zu kompliziert und übernimmt überwiegend nur die Kosten professioneller Pflege. Beim Heimaufenthalt bleiben Sie außerdem immer auf den Kosten der Unterkunft und Verpflegung sitzen, urteilt Versicherungsberater Martin Röttgermann vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV). 38 top agrar 5/2013

4 Worauf achten beim Abschluss? Die wichtigsten Tipps zur Pflegetagegeld-Versicherung vom WLV-Experten Martin Röttgermann Je kürzer die Wartezeit, desto besser. Viele gute Versicherungen verzichten inzwischen ganz auf Wartezeiten. Andere sehen eine Wartezeit von meist drei Jahren vor. Beim Pflege- Bahr beträgt sie sogar 5 Jahre, dafür werden aber auch Personen mit Vorerkrankungen ohne Risiko-Aufschlag aufgenommen. Für unfallbedingte Pflegefälle sollte es generell keine Wartezeit geben. Überlegen Sie, ob Sie nur für die Pflegestufen II und III ein Tagegeld vereinbaren. Das senkt den zu zahlenden Beitrag erheblich, ist aber nur zu empfehlen, wenn Sie weitgehend sicher sein können, dass die Betreuung in Pflegestufe I und bei leichter Demenz (Pflegestufe 0) größtenteils durch Ihre Angehörigen erfolgen kann und die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung voraussichtlich ausreichen. Fragen Sie gezielt nach, was die Versicherung bei häuslicher Pflege zahlt. Teilweise sehen die Policen hier Einschränkungen vor. Diese sind aber nur akzeptabel, wenn Sie dadurch deutlich niedrigere Beiträge zahlen. Solche Angebote gibt es durchaus am Markt. Achten Sie darauf, dass die Versicherung auf ihr ordentliches Kündigungsrecht verzichtet. Denn nur so können Sie sicher sein, dass die Gesellschaft ihren Vertrag nicht nach jahrelanger Beitragszahlung irgendwann einseitig kündigt. Behalten Sie sich das Recht vor, den Versicherungsschutz später regelmäßig zu erhöhen und zwar ohne erneute Gesundheitsprüfung! Hintergrund: Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre sind die Heimentgelte um 1,3 bis 1,5 % jährlich gestiegen. Wenn der Pflegefall erst in 20 oder 30 Jahren eintritt, reicht ein heute passender Tagessatz dann höchstwahrscheinlich nicht mehr aus. Beantworten Sie die Gesundheitsfragen der Versicherung in jedem Fall ehrlich und umfassend. Sonst gibt es am Ende ein böses Erwachen, weil die Versicherung im Pflegefall womöglich die Zahlung verweigert. Je älter Sie bei Abschluss des Vertrages sind, desto teurer wird die Versicherung. Zudem steigt im Alter das Risiko, bereits an Vorerkrankungen zu leiden, die Sie vom Versicherungsschutz ausschließen oder zumindest hohe Risikozuschläge verursachen. Wenn erforderlich, sollten Sie die Tagegeld-Versicherung deshalb besser frühzeitig, z.b. mit 40 bis 45 Jahren, abschließen, und nicht erst mit 60 Jahren. top agrar 5/

5 Betriebsleitung einbaren für Pflegestufe II schon das volle Tagegeld, wenn Sie befürchten müssen, dass Sie in diesem Fall generell auf professionelle Pflege bzw. auf Betreuung in einem Heim angewiesen sein werden. In der Praxis wird häufig folgende Pflegegeld-Staffelung gewählt: Pflegestufe I = 600 /Monat Pflegestufe II = 900 /Monat Pflegestufe III = /Monat. Eine solche Police kostet Sie bei einem Eintrittsalter von 45 Jahren bei einer guten Versicherung rund 40 /Monat. Bis zum 90. Lebensjahr hätten Sie dann rund für den Versicherungsschutz ausgegeben. Bei Abschluss mit 60 Jahren steigen die Monatsbeiträge auf Rente im Pflegefall: Die dritte Form der privaten Vorsorge ist die Pflege-Rentenversicherung. Sie bietet im Pflegefall eine frei verfügbare Monatsrente, deren Höhe nach der Pflegestufe gestaffelt ist. Die Versicherung garantiert bestimmte Rentenhöhen. Diese können im Leistungsfall nie niedriger, aber durchaus höher ausfallen, wenn die Versicherung entsprechende Überschüsse erwirtschaftet. Ein Vorteil der Pflegerente: Wird es einmal finanziell eng im Betrieb, können Sie die Beitragszahlung zeitweise einstellen, ohne die Leistung komplett zu verlieren. Die spätere Pflegerente wird dann nur entsprechend reduziert. Auch können Sie vereinbaren, dass Sie ab einem Wundertüte Pflege-Bahr Seit Jahresbeginn bieten die ersten Versicherer den sogenannten Pflege- Bahr an. Dies ist eine spezielle Form der Pflegetagegeld-Versicherung. Der Staat bezuschusst diese nach dem Bundesgesundheitsminister benannte Versicherung mit 60 /Jahr. Für die Policen gilt zwingend: Die Versicherer dürfen keine Gesundheitsprüfung verlangen und keine Bei vielen Versicherungen müssen Sie bei Eintritt des Pflegefalls keine Beiträge mehr entrichten. Dadurch erhöht sich indirekt die Leistung dieser Policen gegenüber anderen. etwa 95. Rein rechnerisch kostet der gleiche Schutz bis zum 90. Lebensjahr dann insgesamt rund Deutlich günstiger wird die Versicherung, wenn Sie in Pflegestufe I auf ein Tagegeld verzichten. Eine solche Police bekommen Sie bei einem Eintrittsalter von 45 Jahren schon ab etwa 23 monatlich. Damit hätten Sie in Pflegestufe II weiterhin 600 /Monat und in Stufe III abgesichert. Schließen Sie die gleiche Police erst mit 60 Jahren ab, steigen die Beiträge auf 55 /Monat. Fazit: Ein geringerer Versicherungsschutz in den niedrigen Pflegestufen kann für Sie Sinn machen, wenn Sie davon ausgehen können, dass Sie in diesem Fall weitgehend von Angehörigen gepflegt und die gesetzlichen Pflegeleistungen in etwa ausreichen werden. Der Vorteil des Pflegetagegeldes ist, dass Sie die Versicherung gut an Ihre individuelle Situation anpassen und damit zielgenau bestehende Lücken schließen können. Eine besondere Form der Pflegetagegeld-Versicherung ist der neue Pflege-Bahr. Mehr dazu lesen Sie im Kasten auf dieser Seite. bestimmten Zeitpunkt z. B. dem Eintritt ins Rentenalter keine Beiträge zahlen müssen. Dadurch verringert sich die Pflegerente aber erheblich oder Sie müssen vorher deutlich höhere Beiträge zahlen, um die gleiche Rente zu erzielen. Statt laufend Beiträge zu zahlen, können Sie sich eine Pflegerente auch durch einmalige Zahlung einer größeren Summe sichern. Die Beitragszahlung lässt sich also flexibler gestalten als bei Pflegekosten- und Pflegetagegeld-Policen. Gegen Aufpreis bieten die Versicherer zudem eine Todesfall-Leistung an. Diese bewirkt, dass die Erben beim Tod des Versicherten wenn dieser nie pflegebedürftig war die eingezahlten Beiträge zurückbekommen, allerdings ohne oder nur mit sehr geringen Zinsen. Bei einer als sehr gut getesteten Versicherung zahlen Sie bei Abschluss mit 45 Jahren rund 105 /Monat, oder einen Einmalbetrag von für folgende Staffelung der garantierten Rente: In Pflegestufe I = 600 /Monat in Pflegestufe II = 900 /Monat und in Pflegestufe III = /Monat. Beim Kostenvergleich ist es richtig, nur Foto: Marco2811 Fotolia.com die garantierte Rente mit der Pflegekosten- oder der Pflegetagegeld-Police zu vergleichen. Zwar ist damit zu rechnen, dass die tatsächliche Rente im Pflegefall bei entsprechenden Überschüssen der Versicherung höher ausfällt. Doch diese sind in der aktuellen Niedrigzinsphase kaum noch seriös kalkulierbar. Kombinieren Sie die Police noch mit einer 100%igen Todesfall-Leistung, erhöht sich der Monatsbeitrag im Beispiel bei Abschluss mit 45 Jahren auf rund 120. Der Einmalbetrag steigt auf Möchten Sie im Rentenalter keine Beiträge zahlen, beträgt der Monatsbeitrag sogar ca Bis zum 65. Lebensjahr hätten Sie dann insgesamt eingezahlt: mehr als doppelt so viel, wie Sie für den gleichen Pflegefall- Schutz bei einer Tagegeld-Police bis zum 90. Lebensjahr aufbringen müssten. Fazit: Eine Pflege-Rentenpolice versichert das Risiko Pflegefall deutlich teurer als eine Pflegekosten- oder -tagegeld- Versicherung. Der Abschluss einer solchen Police lohnt daher in der Regel nicht. Wenn Sie eine Rentenlösung vorziehen, ist eine normale private Rentenversicherung die bessere Lösung. Hier wird das angesparte Kapital mit Erreichen eines bestimmten Endalters (z.b. 65 Jahre) als private, lebenslange Rente ausgezahlt die dann auch im Pflegefall zur Abdeckung der Kosten zur Verfügung steht. Johanna Budde Schnell gelesen Eine Pflegekosten-Police ist zu bürokratisch, eine Pflege-Rentenpolice zu teuer. Wenn Lücken bestehen, ist eine flexible Pflegetagegeld- Versicherung häufig die günstigste Lösung. 40 top agrar 5/2013

6 Risikozuschläge für Vorerkrankungen erheben. Der Eigenbeitrag des Versicherten muss mindestens 10 /Monat betragen. Leistungen gibt es allerdings erst ab einer Wartezeit von 5 Jahren. Beim Abschluss mit 50 Jahren kostet eine Police derzeit zwischen gut 22 und knapp 25 /Monat, wovon 5 erstattet werden, bei folgenden Leistungen: In Pflegestufe III = 600 /Monat in Pflegestufe II = 360 (60 %) und in Pflegestufe I = 180 (30 %). In Pflegestufe 0 würden bei Demenz 60 /Monat (10 %) Pflegegeld gezahlt. Versicherungsexperte Röttgermann ist allerdings skeptisch: Zum einen ist die Wartezeit von 5 Jahren zu lang. Zum anderen ist die Entwicklung der Beiträge nicht abzusehen. Wegen der fehlenden Gesundheitsprüfung steht die Versicherung für alle Personen mit Vorerkrankungen offen. Für sie lohnt ein Abschluss am ehesten, da sie in den anderen Versicherungen entweder nicht aufgenommen werden oder dort hohe Risikozuschläge zahlen müssen. Die Befürchtung: Sammeln sich im Pflege- Bahr vor allem Menschen mit einem hohen Risiko, pflegebedürftig und damit für die Versicherung sehr teuer zu werden, könnten die Beiträge in Zukunft sprunghaft steigen. Ob das geschieht, so Röttgermann, wissen wir aber frühestens in 5 Jahren, wenn die Wartezeit der ersten Verträge endet. Angesichts dieser Unsicherheit rate ich gesunden Kunden eher zum Abschluss ungeförderter Policen. Deren Beiträge liegen bereits heute oft niedriger als die der Pflege-Bahr - Angebote abzüglich der Zulage. Leiden Sie aber an schweren Vorerkrankungen, kann der Pflege-Bahr im Einzelfall der ideale Einstieg in eine private Pflege-Vorsorge sein. top agrar 5/

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