Das Weltszenario morgen: Globale Verschiebung der ökonomischen Gewichte bis 2050

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1 Das Weltszenario morgen: Globale Verschiebung der ökonomischen Gewichte bis 2050 B. Esser 1 Das Weltszenario morgen: Globale Verschiebung der ökonomischen Gewichte bis 2050 Bernhard Esser Direktor HSBC Trinkaus & Burkhardt AG DE-Düsseldorf

2 2 5. Europäischer Kongress für effizientes Bauen mit Holz 2012 Das Weltszenario morgen: Globale Verschiebung der ökonomischen Gewichte bis 2050 B. Esser

3 Das Weltszenario morgen: Globale Verschiebung der ökonomischen Gewichte bis 2050 B. Esser 3 Das Weltszenario morgen: Globale Verschiebung der ökonomischen Gewichte bis Die Welt im Jahr der 30 größten Volkswirtschaften werden heutige Schwellenländer sein Die Wirtschaftsleistung der aufstrebenden Volkswirtschaften wird größer sein als die der heutigen Industrienationen Das weltweite Wirtschaftswachstum wird durch Impulse aus den Schwellenländern an Fahrt gewinnen Das rasante Wachstum in den aufstrebenden Volkswirtschaften führt zu einer Verschiebung der Kraftverhältnisse innerhalb der Weltwirtschaft. Aber woher kommt diese Veränderung? Wird sie von Dauer sein? Wie wird in diesem Fall die Welt aussehen? Müssen die etablierten Industrienationen ihren Wachstumsbegriff neu definieren? Antworten auf diese Fragen sind bereits heute für Unternehmen und Investoren gleichermaßen wichtig. Auf Grundlage unserer Analyse von 100 Ökonomien und der dann voraussichtlich 30 größten Ökonomien (gelistet nach geschätztem Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2050) ergeben sich folgenden Ergebnisse: Die Weltwirtschaftsleistung wird sich verdreifachen, während das Wirtschaftswachstum, beflügelt durch einen Aufholprozess der Schwellenländer, kräftig anzieht. Nach unseren Erwartungen wird das jährliche Weltwirtschaftswachstum im Durchschnitt von knapp über 2,0 % im zurückliegenden Jahrzehnt bis zur Mitte des Jahrhunderts auf etwa 3,0 %steigen. Der Wachstumsbeitrag der Schwellenländer an dieser Entwicklung wird dabei in etwa doppelt so hoch ausfallen wie der Anteil der klassischen Industrieländer. Bis 2050 wird die Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaften aus den Schwellenländern um das fünffache steigen und damit insgesamt die Größe der Industrienationen übertreffen. 19 der 30 größten Volkswirtschaften (auf Basis des BIP) werden heutige Schwellenländer sein. China wird zur größten und Indien zur drittgrößten Volkswirtschaft aufsteigen. Aber auch so unterschiedliche Länder wie Nigeria, Peru und den Philippinen dürften einen erheblichen Bedeutungsgewinn erleben. Weitere nennenswerte Aufsteigernationen werden Mexiko, die Türkei, Indonesien, Ägypten, Malaysia, Thailand, Kolumbien und Venezuela sein. Ebenso dürfte der afrikanische Kontinent an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen. Dies gilt besonders für den Bereich südlich der Sahara, woher nach unserer Berechnung Tansania, Äthiopien, Kenia, Uganda und Ghana zu den schnell wachsenden Volkswirtschaften gehören werden. Das bedeutet bis 2050 ein durchschnittliches BIP-Wachstum von mehr als 5 %. Diese Prognosen berücksichtigen Erwartungen bezüglich des BIP pro Kopf und der demographischen Entwicklung. Während in weitgehend allen Länder das Pro-Kopf-BIP wachsen dürfte, unterscheiden sich die demografischen Perspektiven teilweise erheblich und haben damit einen veritablen Einfluss auf die jeweiligen Wachstumserwartungen. Die demografische Entwicklung in den USA und Großbritannien führt dazu, dass diese beiden Länder ihre aktuelle Position verhältnismäßig gut halten können. Zu den großen Verlierern zählen kleine, wohlhabende und alternde Industrienationen aus Europa. Die Schweiz und die Niederlande verlieren gehörig an Boden und Schweden, Belgien, Österreich, Norwegen und Dänemark fallen aus dem Top-30 Ranking komplett

4 4 5. Europäischer Kongress für effizientes Bauen mit Holz 2012 Das Weltszenario morgen: Globale Verschiebung der ökonomischen Gewichte bis 2050 B. Esser heraus. Auch Deutschland dürfte bis dahin trotz seiner Wirtschaftsmacht vom derzeit vierten auf den fünften Rang nachgeben. Italien fällt von Position 7 auf 11 zurück, knapp noch vor der Türkei. Die globalen Einflussmöglichkeiten dieser Länder auf das weltpolitische Geschehen werden zurückgehen. Europa musste bereits zwei Sitze im Vorstand des IWF zugunsten von Schwellenländern aufgeben. Damit erhält die gegenwärtige Krise in der Eurozone zusätzliche Brisanz und schafft für ihre Mitglieder Anreize, die Währungsunion dauerhaft zu erhalten. Eine noch größere Rolle wird der demografische Wandel außerhalb Europas spielen. Die arbeitende Bevölkerung wird in Saudi-Arabien um 73 % steigen, während sie in Japan um 37 % fallen wird. Dies spiegelt sich in den Positionswechseln im Top-30 Ranking wider. Um den Bevölkerungszuwachs in der Gruppe der konsumstarken Gruppe der 20- bis 40- Jährigen auszugleichen, brauchen zahlreiche der aufstrebenden Volkswirtschaften ein Mindestmaß an Prosperität. Obendrein ist eine gewisse Einkommensverteilung notwendig. Wenn die Einkünfte aus dem Wirtschaftswachstum nur an der Spitze der Gesellschaft ankommen, gefährdet das den ganzen Aufschwung. Revolten und soziale Spannungen sind die Folge, wie sie sich teilweise während des arabischen Frühlings entladen haben. Die Entwicklungen bis 2050 werden lediglich den Anfang einer weiteren Verschiebung der globalen Verhältnisse markieren. Trotz einer Erhöhung um das siebenfache wird das BIP pro Kopf in der Volksrepublik China lediglich 32 % des amerikanischen Niveaus betragen und damit ausreichend Raum für weitere Aufholimpulse bieten. Dieser Basiseffekt muss beim Vergleich von heutigen Wachstumsraten in Schwellen- und Industrieländern berücksichtigt werden. Eine globale Energieversorgung wird bei diesen Entwicklungen möglich sein, solange ausreichende Investitionen in Energieeffizienz und Alternativtechnologien getätigt werden. Entsprechend wird auf Dauer eine Diversifizierung des weltweiten Energiemix, weg von fossilen Brennstoffen und hin zu regenerativen Energien, unvermeidlich sein. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass sich die Bildung einer entsprechenden globalen Initiative nur dann erreichen lässt, wenn diese nicht mit individuellen Wachstumszielen kollidiert. Dies gilt besonders für die Schwellenländer und, solange weltweite Wohlstandsdisparitäten nicht signifikant zurückgehen. Entsprechend ist perspektivisch eine Intensivierung des Konflikts von Wachstums- und Klimazielen zu erwarten. Ein weiteres zentrales Problem stellt der wachsende globale Bedarf an Nahrungsmitteln dar. Steigerungen der Ernteerträge und Änderungen des Konsumverhaltens könnten hierbei der Schlüssel sein.

5 Das Weltszenario morgen: Globale Verschiebung der ökonomischen Gewichte bis 2050 B. Esser 5 Prognose zur Rangfolge der Volkswirtschaften im Jahr Wirtschaftsleistung (BIP) BIP pro Kopf Veränderung 2050 Mrd. USD (Basis: 2000) USD (2000) 1 China USA Indien Japan Deutschland U.K Brasilien Mexiko Frankreich Kanada Italien Türkei Südafrika Spanien Russische Föderation Philippinen Indonesien Australien Argentinien Ägypten Malaysia Saudi-Arabien Thailand Niederlande Polen Peru Islamische Rep. Iran Kolumbien Schweiz Pakistan Anmerkungen: 1) Berechnungen auf Basis des angepassten Wachstumsmodells von R.J. Barro (Stand: Januar 2012); 2) China inklusive Hongkong und Macau.

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