ElbeWeser WIRTSCHAFT. Besuch bei den Nachbarn.

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1 WIRTSCHAFT ElbeWeser Magazin der Industrie- und Handelskammer Stade Heft 3/2014 IHK Stade, Postfach 1429, Stade, PVSt, ZKZ 3899, DP AG Entgelt bezahlt Besuch bei den Nachbarn Großbritannien. Irland. Dänemark. Ein Vorbild: Der Musikspielplatz bietet seinen Mitarbeitern viel Flexibilität. Seite 32 Noch mehr Vorbilder: Kultur fördernde Unternehmen stellen ihr Engagement vor. Seite 34

2 Exklusive Angebote für Gewerbetreibende. Der Mazda CX-5 und der Mazda6. Barpreis Center-Line inkl. Navi zzgl. MwSt. ab 0 1) monatl. Leasing zzgl. MwSt. ab 267 2) 1) Center-Line Barpreis inkl. Navi zzgl. MwSt. ab 0 3) monatl. Leasing zzgl. MwSt. ab 288 2) 1) SKYACTIV-D 150 Diesel SKYACTIV-D 150 Diesel Dank der innovativen SKYACTIV Technologie vereinen der Mazda CX-5 und der Mazda6 Bestwerte bei der Effizienz und maximalen Fahrspaß. 3,9 l / 100 km* bei 380 Nm Drehmoment im Mazda6 sind der beste Beweis dafür. Genießen Sie es bei einer Probefahrt! Kraftstoffverbrauch im kombinierten Testzyklus: 4,6 4,4 l/100 km. CO 2 -Emissionen im kombinierten Testzyklus: g/km. * Kombiniert beim Mazda6 2.2 l SKYACTIV-D. 2) 1) Ein gewerbliches Leasingangebot der Mazda Finance - einem Service-Center der Santander Consumer Leasing GmbH, Santander-Platz 1, Mönchenglad - bach mit 0 Sonderzahlung, 36 Monaten Laufzeit und km Gesamtlaufleistung für einen Mazda CX-5 Center-Line SKYACTIV-D 150 Diesel FWD und einen Mazda6 Kombi Center-Line SKYACTIV-D 150 Diesel i-eloop. Alle Preise inkl. Überführungskosten und zzgl. gesetzlicher MwSt. und Zulassungskosten. Abbildung zeigt Fahrzeuge mit höherwertiger Ausstattung. Autohaus Ottens GmbH Am Umspannwerk Sottrum

3 STANDPUNKT W ieder einmal ist die Energiewende in aller Munde. Kurz nachdem die ersten konkreten Aussagen für neue Stromtrassen zwischen Nord- und Süddeutschland veröffentlicht wurden, wird bereits laut und kontrovers darüber diskutiert. Dies geht von noch eher diffusen Sorgen möglicher Anlieger über konkrete Forderungen zur technischen Ausgestaltung bis hin zum Infragestellen des gesamten Energiewendeprojektes. Energiewende umsetzen: Konstruktiv und mit Mut zu mehr Gelassenheit Viele der vorgebrachten Sorgen sind dabei durchaus verständlich und zwingend in den Planungsprozessen zu berücksichtigen. Viel klingt aber auch nach Aktionismus und Wahlkampfgetöse. Solche Äußerungen sind dann einer der Gründe dafür, dass das Vorhaben Energiewende in Deutschland immer wieder gerechtfertigt werden muss, statt dass sich konstruktiv mit seiner Umsetzung beschäftigt wird. Volker Ziedorn IHK Stade Schauen wir auf die Situation: Der Kern der heute gültigen Energiewendeplanung ist die Abkehr von endlichen, fossilen Kraftwerken hin zu einem höheren Anteil Erneuerbarer. Das bedingt das Ersetzen von zentralen Multimegawattblöcken durch dezentrale Kleinerzeuger. Diese wiederum sollten möglichst dort errichtet werden, wo sie am effizientesten produzieren können; vereinfacht also: Windkraft im Norden, Photovoltaik und Wasserkraft im Süden. Damit dieser Strom dann auch die Verbraucher erreicht, ist eine Stärkung der Übertragungsnetze durch Stromautobahnen wie die SuedLink-Trasse unabdingbar. Fehlt diese Vernetzung, kann die Energiewende nicht gelingen. Liest man heute jedoch die Medienberichte hierzu, fragt man sich zwangsläufig, ob dies jedem klar ist. Reflexartig werden mangelnde Beteiligung beklagt, Sankt Florian bemüht oder wie selbstverständlich Maßnahmen gefordert, die technisch wie rechtlich absolutes Neuland sind. Seltener, dafür aber hochwillkommen, sind Kommentatoren, die richtigerweise darauf hinweisen, dass die gesamte Energiewende noch in den Kinderschuhen steckt. Dass sich gerade auch die Planung der Stromtrassen im frühestmöglichen Suchstadium befindet. Und dass man doch diese Gelegenheit nutzen sollte, sich konstruktiv ins Verfahren einzubringen, um seine Interessen zu wahren und dabei trotzdem das Gesamtprojekt zum Erfolg zu führen. Mit Blick auf die Herausforderungen der zukünftigen Energieversorgung, aber natürlich auch im Interesse der in diesem Bereich tätigen Unternehmen, können wir nur dazu aufrufen, diesem Beispiel zu folgen, auf eingefahrene Reflexe zu verzichten und sich mit der notwendigen Ruhe und der Bereitschaft, zusammen statt gegeneinander zu arbeiten, in das gemeinsame Ziel des Umbaus unseres Energiesystems einzubringen. Wirtschaft ElbeWeser 3/14 3

4 INHALT Schwerpunkt 10 Reif für die Insel? 14 Briten essen dreimal mehr Geflügelfleisch 17 IHK baut Exportleiter-Kreis auf 18 Dänemark - das Tor zu Skandinavien 20 Dänische Wurzeln 22 Neue Nachweispflichten beim innergemeinschaftlichen Warenverkehr 24 Geschäfte mit Irland sind wieder attraktiv 26 Außenwirtschaftsseminare 6 WEW aktuell IHK intern 30 Standort Elbe Weser 36 Bildung Qualifizierung 39 Innovation 43 Recht Steuern 44 Rechtsprechung aktuell 46 Weiterbildung Seminare 48 Serviceteil 50 Schlusspunkt 34 4 Wirtschaft ElbeWeser 3/14

5 Blick über den Tellerrand lohnt Wer zum ersten Mal den Schritt ins Ausland wagen will, tut gut daran, sich zunächst bei den europäischen Nachbarn umzusehen. Die räumliche Nähe erleichtert die Kontaktaufnahme. Zudem unterstützen die Auslandshandelskammern interessierte Unternehmen nach Kräften. Und es lohnt sich zu schauen: Was sind die Vorlieben in anderen Ländern? Vielleicht habe ich genau das richtige Produkt dazu. Von der Vision zum Projekt Referenzen Seite IHK-Wirtschaftsbericht: Beim Handel muss gehandelt werden Das attraktive Unternehmen: Gute Organisation, mehr Freiraum Kulturkontakte 2014: Ehemalige Preisträger stellen ihr Engagement vor Das individuelle Bau-System Entwurf und Planung Festpreis Fixtermin 40 Jahre Erfahrung Alles aus einer Hand Wir beraten Sie gern persönlich. Dipl.-Ing. Fr. Bartram GmbH & Co. KG Ziegeleistraße Hohenwestedt Tel. +49 (0) Fax +49 (0) MITGLIED GÜTEGEMEINSCHAFT BETON Wirtschaft ElbeWeser 3/14 5

6 WEWAKTUELL 100 Jahre Schuhhaus Beck Steinkirchener Fachgeschäft ist kontinuierlich gewachsen Fotos: (links) Bilderbox, (rechts): Schuhhaus Beck A m 15. März 1914 gründeten die Eheleute Friedrich und Gesiene Werneke eine Schuhmacherwerkstatt in Steinkirchen. Durch den Kauf eines Geschäftshauses in der Ortsmitte von Steinkirchen im Jahr 1928 konnten der Betrieb erweitert und die Lage verbessert werden. Die Übernahme des Salamander Alleinverkaufes 1930 trug maßgeblich zur guten Entwicklung des Unternehmens bei. Stehen für erfolgreiche Tradition (v. l. n. r.): Karin Sepetauz, Karin Beck und Rainer Beck Nach dem Tod des Firmengründers Friedrich Werneke übernahmen die Eheleute Hans und Mariechen Beck den Betrieb. Sie bauten ihn mehrfach um und erweiterten ihn: 1957 wurde eine Filiale im Nachbarort Jork eröffnet. Im Jahr 1970 kauften die Becks in Steinkirchen ein Nachbarhaus hinzu, das ein Jahr später abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Dadurch konnte das Schuhfachgeschäft großzügig erweitert werden. Familientradition wird fortgesetzt Seit 1980 führen Rainer und Karin Beck den Betrieb mit gutem Erfolg. Sie werden von ihrer Mitarbeiterin Karin Sepetauz tatkräftig unterstützt. In diesem Jahr feiert das Unternehmen sein 100-jähriges Jubiläum, worauf die Inhaber zu Recht stolz sind. Auftakt für deutsch-türkisches Jahr Deutschland und die Türkei bauen ihre Zusammenarbeit weiter aus: Am 23. Januar 2014 eröffneten Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, und ihr neuer türkischer Amtskollege Fikri Isik, Minister für Wissenschaft, Industrie und Technologie der Republik Türkei, in Berlin das Deutsch- Türkische Jahr der Forschung, Bildung und Innovation Das Wissenschaftsjahr steht unter dem Motto Wissenschaft verbindet Nationen - Science Bridging Nations. Die Themen reichen von anwendungsnaher Forschung in Schlüsseltechnologien über die Herausforderungen des globalen Wandels bis hin zu Geistes- und Sozialwissenschaften. Um neue Projekte auf den Weg zu bringen, richten das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das türkische Ministerium für Wissenschaft, Industrie und Technologie einen Ideenwettbewerb aus. Gefördert werden öffentlichkeitswirksame Projekte, die besonders geeignet sind, deutsch-türkische Kooperationen in den Bereichen Forschung, Bildung und Innovation bekannt zu machen und auszubauen. Bewerbungen sind bis zum 30. April 2014 möglich. 6 Wirtschaft ElbeWeser 3/14

7 Keine Akademisierung um jeden Preis Foto: Bilderbox 2013 wurden 4,5 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge im IHK-Bereich abgeschlossen. Die Zahl sank von rund in 2012 auf Einen wesentlichen Grund dafür sieht DIHK-Präsident Eric Schweitzer auch bei jahrelangen und undifferenzierten Forderungen nach einer Erhöhung der Studierendenquote in Deutschland. Die Hörsäle platzten aus allen Nähten, während Unternehmen händeringend Azubis suchten. Die demografische Entwicklung verschärfe das Problem. Dem Wirtschaftsstandort Deutschland droht nachhaltiger Schaden, wenn der Trend zur Akademisierung um jeden Preis nicht gestoppt wird, warnte Schweitzer. Bis zum Ende des Jahrzehnts fehlen schätzungsweise bis zu 1,4 Millionen Facharbeiter in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik aber nur MINT -Akademiker. Jeder Jugendliche sollte sich seinen Talenten und Fähigkeiten entsprechend frei entfalten können, so Schweitzer weiter. Aber nicht jeder Abiturient ist mit einem Studium gut beraten, das zeigen die hohen Abbruchquoten von 25 Prozent. Es müsse gelingen, betriebliche Karrierepfade noch attraktiver zu gestalten und jungen Menschen aufzuzeigen, dass eine duale Ausbildung sich lohnt. Das solle ein Schwerpunkt bei der Weiterentwicklung des erfolgreichen Ausbildungspaktes sein. USA nicht mehr Richter der Welt Gute Nachricht, nicht nur für deutsche Unternehmen in den USA: Ausländische Unternehmen können nicht wegen Handlungen verklagt werden, die keinen direkten Bezug zu den USA haben. Eine entsprechende Klage gegen Daimler wegen vermeintlicher Rechtsverstöße in Argentinien in den 70er Jahren hat das höchste Gericht der Vereinigten Staaten, der Supreme Court, im Januar abgewiesen. Der DIHK und andere Unterstützer konnten sich mit ihrer Position vor Gericht durchsetzen, die Rechtsordnungen anderer Staaten zu achten und sich nicht zum Richter der Welt in Menschenrechtsfragen zu machen. Nicht verfangen hat das Argument der Kläger, wonach jeder, der Geschäfte in den USA mache, auch dort verklagt werden könne, selbst wenn es gar nicht um diese Geschäfte geht. Dadurch wären Klagen gegen ausländische Unternehmen wegen jedweden Vorwurfs ermöglicht worden, was allein der amerikanischen Sammelklagen- Industrie genutzt hätte. Foto: Bilderbox DIHK: Positionen zu Europa vorgestellt Pünktlich zur Europawahl legt die IHK-Organisation ihre Europapolitischen Positionen Für Europa: Reformen wagen, Vertrauen stärken vor. Zu den zentralen Forderungen gehören unter anderem eine leistungsfähigere Verkehrsinfrastruktur, eine wettbewerbssteigernde Energie- und Klimapolitik sowie Industrie- und Innovationspolitik. Im Hinblick auf die Schuldenkrise fordert die IHK-Organisation, am Reformkurs festzuhalten, um die Schuldenpolitik rasch zu beenden. Auch sollen den jungen Menschen in Europa Beschäftigungsperspektiven gegeben werden, zum Beispiel durch eine praxisnahe duale Ausbildung. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Dr. Martin Wansleben, stellte am 18. Februar in Brüssel die Europapolitischen Positionen offiziell vor. In der anschließenden Diskussion mit Abgeordneten des Europäischen Parlamentes ging es um die künftigen Prioritäten der EU-Politik. Wirtschaft ElbeWeser 3/14 7

8 WEWAKTUELL Foto: Bilderbox Wirtschaft redet bei EU- Förderprogrammen mehr mit D ie Interessen der Wirtschaft finden künftig stärker Eingang in die Planung EU-geförderter Projekte - dafür sorgt der von der EU-Kommission verabschiedete Europäische Verhaltenskodex zur Beteiligung der Wirtschafts- und Sozialpartner. Als Vertreter deutscher Unternehmen werden die Industrie- und Handelskammern (IHKs) sowohl an der Programmplanung als auch der Durchführung noch stärker beteiligt. Sie wollen vor allem sicherstellen, dass nicht nach dem Gießkannenprinzip gefördert wird, sondern in nachhaltiges Wachstum in den Regionen. Ob Innovationen in KMU, betriebsnahe Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen oder der Breitbandausbau - in Zukunft sollen unternehmerische Anliegen deutlich stärker die EU-Förderpolitik gestalten. Der Verhaltenskodex ist in allen EU-Mitgliedsstaaten verbindlich und ein richtiger Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung des Partnerschaftsprinzips. Chance Eigenstrom Die Bundesregierung verfolgt mit ihrem Konzept zur Energiewende grundsätzlich den richtigen Ansatz, die Kosten für Bürger und Wirtschaft zu senken, betonte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Korrekturen fordert er allerdings bei den vorgesehenen Belastungen der Eigenstromerzeugung. Die Pläne, Neuanlagen zur Eigenstromerzeugung nahezu völlig mit der EEG-Umlage zu belegen und Bestandsanlagen mit einem Cent pro Kilowattstunde, nannte er eine schlechte Nachricht für Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Der Photovoltaik gehe damit ein Markt jenseits staatlicher Förderung verloren. Der Neubau von hocheffizienten Kraft- Wärme-Kopplungs-Anlagen und Photovoltaik würde abgewürgt. Viele bestehende Anlagen, gerade auch von mittelständischen Industrieunternehmen, würden unrentabel. Die Bundesregierung solle sehr sorgfältig prüfen, ob die etwa 500 Millionen Euro mehr in der Kasse zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit die entstehenden Schäden aufwögen. Neue Klimaschutz-Unternehmen gesucht Unternehmen, deren Produktion, Produkte und Dienstleistungen überdurchschnittliche energietechnische Standards aufweisen, können sich ab sofort um eine Mitgliedschaft im Verein Klimaschutz-Unternehmen. Die Klimaschutz- und Energieeffizienzgruppe der Deutschen Wirtschaft e.v. bewerben. Als Initiatoren der Gruppe zeichnen Bundesumweltministerium (BMUB), Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und der Deutsche Indus trie- und Handelskammertag (DIHK) Unternehmen, die sich erfolgreich um eine Mitgliedschaft beworben haben, für ihre herausragenden Klimaschutz- und Energieeffizienzleistungen aus. Mit der Verleihung der Urkunde würdigen die Initiatoren die Klimaschutz-Unternehmen als Vorbilder. Voraussetzung für die Mitgliedschaft im Verein der Klimaschutz-Unternehmen ist eine positive Entscheidung des Vereinsbeirats, in dem auch die Initiatoren vertreten sind. Die Entscheidung des Beirats wird auf Grundlage einer intensiven Prüfung und externen Begutachtung der Leistungen des Unternehmens in den Bereichen Klimaschutz und Energieeffizienz getroffen. Die Begutachtung mit ihren hohen Anforderungen wird als Teil des Projektes Mittelstandsinitiative Energiewende von der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums finanziert, um die Qualität des Netzwerkes sicherzustellen. Mitmachen können Unternehmen, die sich auszeichnen durch: ambitionierte Klimaschutz- und Energieeffizienzziele herausragende Beispiele energieeffizienter Produktionsverfahren und unternehmensinterner Prozesse nachhaltige Geschäftsmodelle für innovative Produkte Dienstleistungen, die Energieeffizienz- und Klimaschutzziele unterstützen. Weitere Informationen zu den Mehrwerten der Vereinsmitgliedschaft und zum Bewerbungsverfahren finden Interessierte hier: Weitere Informationen: Projektbüro der Mittelstandsinitiative Energiewende, Ulrike Poremski, Tel.: 030/ , 8 Wirtschaft ElbeWeser 3/14

9 Jubiläen Foto: Bilderbox Roter Teppich für den innovativen Mittelstand Bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in neue Produkte und Dienstleistungen hinkt Europa im weltweiten Vergleich hinterher. Das EU-Forschungsrahmenprogramm HO- RIZON 2020 soll das ändern. Europa droht aus Sicht des EU-Parlaments bei vielen modernen Technologien den Anschluss zu verlieren. Beherrschten beispielsweise europäische Mobilfunkkonzerne vor wenigen Jahren noch den Weltmarkt, haben heute die Wettbewerber aus Amerika und Asien mit Innovationen aufgeholt und überholt. Mit dem Rahmenprogramm HORIZON 2020 will die EU dieser Entwicklung gegensteuern. Die portugiesische Berichterstatterin Maria de Graca Carvalho hält das Forschungsrahmenprogramm gar für das wichtigste EU-Finanzinstrument, um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu garantieren. Nachdem Anfang Dezember auch der Rat der EU zugestimmt hat, ist der Weg für Horizon 2020 frei. Rund 80 Milliarden Euro stehen für den Zeitraum 2014 bis 2020 für die Entwicklung neuer Technologien und deren Umsetzung in marktreife Produkte zur Verfügung, fast 30 Prozent mehr als beim Vorgängerprogramm, vor allem aufgrund der Initiative des EU-Parlaments. Firmen und Forschungsinstitute sollen leichter an Finanzierungsmöglichkeiten kommen, marktorientierte Forschung und innovative Startups mehr Unterstützung erhalten. Die IHK Stade gratuliert 100-jähriges Geschäftsjubiläum Schuhhaus Beck Inh. Rainer Beck, Steinkirchen jährige Mitarbeit RPC Verpackungen Kutenholz GmbH, Kutenholz: Udo Schnackenberg Crane Payment Solutions GmbH, Buxtehude: Wilfried Ropers Crane Payment Solutions GmbH, Buxtehude: Klaus Knabbe Aluminium Oxid Stade GmbH, Stade: Manfred Koslowski ; Günther Tietje ; Dieter Witt Diedrich Schröder GmbH & Co. KG, Bremervörde: Rudolf Steinfeldt jähriges Arbeitsjubiläum Claudius Peters Projects GmbH, Buxtehude: Matthias Löhden ; Erich Schulz Crane Payment Solutions GmbH, Buxtehude: Christina Kaouach Aluminium Oxid Stade GmbH, Stade: Frank Ruch Poliboy-Werk Emigholz & Brandt GmbH, Lilienthal: Petra Behrens Klöckner Desma Schuhmaschinen GmbH, Achim: Gerd Anscheit Möbelhaus Käthe Meyerhoff GmbH, Osterholz-Scharmbeck: Holger Jaster ; Walter Wöhltjen ; Rainer Wendelken ; Holger Röpke ; Doris Wätjen Köver GmbH & Co. KG Metall- und Kunststoffverarbeitung, Buxtehude: Hartmut Krethe ; Bernd Schliedermann-Heinbockel ; Andreas Lohmann Ernst Hasselbring GmbH & Co. KG Baustoffu. Holzgroßhandel Baufachzentrum, Stade: Birgit Tiedemann ; Karina Meyer Diedrich Schröder GmbH & Co. KG, Bremervörde: Andreas Albers Debeka Krankenver sicherung auf Gegenseitigkeit, Stade: Simon Beecken Sapa Extrusion Deutschland GmbH, Achim: Gerhard Möhlenbrock Weitere Informationen: IHK Stade, Manuela Hintelmann, Tel.: 04141/ , Eine Bürde für die wirtschaftliche Entwicklung Einige Vorhaben der Bundesregierung sind eine Bürde für die wirtschaftliche Entwicklung. Das hat DIHK-Präsident Eric Schweitzer in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich gemacht. Der Mindestlohn mache es wenig Qualifizierten schwerer, eine Arbeit zu finden. Die Priorität bei den öffentlichen Ausgaben liege mehr auf den Sozialausgaben, zum Beispiel auf früherem Rentenbezug und nicht auf notwendigen Investitionen. Schweitzer Foto: Bilderbox forderte, die Chancen künftiger Generationen bei politischen Vorhaben verstärkt in den Blick zu nehmen. Wir brauchen Gesetze, die den Unternehmen helfen, im Wettbewerb zu bestehen und die Arbeitsplätze zu erhalten. Andernfalls laufen wir Gefahr, unsere momentane Wachstumsstärke preiszugeben. Er verwies auf die aktualisierten wirtschaftspolitischen Positionen der IHK-Organisation. Hierin fänden sich viele Ideen für den Gestaltungsprozess. Wirtschaft ElbeWeser 3/14 9

10 TITELTHEMA REIF FÜR DIE INSEL? BRITEN SCHÄTZEN DIE HOHE QUALI- TÄT DEUTSCHER PRODUKTE UND DIE ZUVERLÄSSIGKEIT DER DEUTSCHEN 10

11 Foto: istockphoto

12 TITELTHEMA Foto: istockphoto Seit dem vergangenen Jahr befindet sich die britische Wirtschaft wieder in einem, wenn auch verhaltenen, Aufwärtstrend. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2013 um 1,9 Prozent, die Arbeitslosenrate sank auf 7,1 Prozent. Die wirtschaftliche Erholung dürfte 2014 weiter anhalten, nicht zuletzt durch den wieder aufgelebten Wohnungsbau und große Infrastrukturprojekte. Die Confederation of British Industry (CBI), die Interessenvertretung der britischen Wirtschaft, verzeichnet in ihren jüngsten Umfragen eine stetige Zunahme des Auftragseingangs in der verarbeitenden Industrie und eine generelle Aufhellung des Geschäftsklimas unter britischen Unternehmern. Somit mehren sich die Anzeichen, dass sich auch der Investitionsstau der vergangenen Jahre langsam auflösen könnte. Die Exporte deutscher Unternehmen auf die Insel haben sich trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch in den letzten Jahren stetig erhöht. Für das Jahr 2014 werden weitere Zuwächse prognostiziert. Neben beliebten Produkten wie Kraftfahrzeugen und Maschinen entwickelte sich in den letzten Jahren auch der Export von Dienstleistungen positiv, wie die jüngste Umfrage der Deutsch-Briti- schen Industrie- und Handelskammer unter deutschen Niederlassungen in Großbritannien ergab. Dabei spielt vor allem die Qualität eine Rolle, die die Briten an deutschen Produkten schätzen. Die Zuverlässigkeit, mit der deutsche Unternehmen Dienstleistungen erbringen, steht bei britischen Kunden ebenfalls hoch im Kurs. Schlüsselbranchen bieten Chancen Bauwirtschaft: In Großbritannien werden gegenwärtig mehrere große Infrastrukturprojekte realisiert und geplant. Während eine Eisenbahnquerverbindung durch London (Crossrail) sich in Bau befindet, ist eine Hochgeschwindigkeitsstrecke London-Birmingham (HS2), mit der die Fahrtzeit zwischen den beiden wichtigsten Städten Großbritanniens um die Hälfte verkürzt werden soll, in Planung. Mit dem Bau wird voraussichtlich 2017 begonnen. Besonders der Großraum London profitiert gegenwärtig von einer erhöhten Bautätigkeit. Zwei große Wohnund Geschäftskomplexe in Zentrumsnähe sollen auf ehemaligen Industriegeländen am Südufer der Themse errichtet werden. Ebenfalls neu bebaut wird das Gebiet rund um Earl Court im Westen Londons. Energiewirtschaft: Der französische Konzern EDF hat die Genehmigung zum Bau eines Kernkraftwerks im Südwesten Englands erhalten. Dieses Projekt soll voraussichtlich 2014 begonnen werden, 2023 soll das Kraftwerk ans Netz gehen. Im Bereich der erneuerbaren Energien bleibt abzuwarten, wie sich insbesondere Solar- und Windenergie entwickeln werden. Hier sind zukünftige politische Entscheidungen weichenstellend. Der Bau von Anlagen zur Erzeugung von Bioenergie, insbesondere Biogas, steigt jedoch an. Kraftfahrzeug-/Maschinen- und Anlagenbau: Die positive Gesamtentwicklung der britischen Kfz-Industrie in den vergangenen zwei Jahren drückt sich in einer nunmehr erhöhten Investitionstätigkeit sowohl bei den Herstellern als auch bei den Zulieferern aus. Im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus ist durch den entstandenen Investitionsstau ebenfalls mit einer leicht erhöhten Nachfrage zu rechnen. Weitere Branchen, in denen Geschäftschancen bestehen, sind die chemische Industrie sowie medizintechnische Produkte. Persönlicher Kontakt wird geschätzt Der kostengünstige Weg für einen Markteintritt ist die Zusammenarbeit mit einem Handelsvertreter. Dieser kennt den Markt und hat bereits den direkten Kontakt zu Kunden. Da er aber auch Komplementär- oder Konkurrenzprodukte vertreten kann, sind eine ständige Rücksprache und ein gewisses Vertrauen notwendig. Der Markteinstieg über die Wahl eines Großhändlers eignet sich besonders für Produkte mit keinem oder geringem Erklärungsbedarf. Um die Lieferantentreue des britischen Partners zu erhöhen, kann ein Alleinvertrieb vereinbart werden. Anbieter von Dienstleistungen können Aufträge über diverse Ausschreibungsdatenbanken erhalten, aber auch über die Zusammenarbeit mit einem britischen Partnerunternehmen. Die Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer unterstützt Interessierte gern beim Aufbau oder der Erweiterung ihres Großbritannien-Geschäfts. Generell gilt für einen Markteintritt jedoch, dass nach wie vor der persönliche Kontakt besonders wichtig ist, will man langfristig auf der Insel Erfolg haben. Diese können bei den zahlreichen Veranstaltungen der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer geknüpft werden. Hier lernen sich deutsche Unternehmen und potenzielle britische Partner kennen, darüber hinaus ist der Erfahrungsaustausch mit anderen deutschen Unternehmen möglich. Auch die Mitgliedschaft in branchenspezifischen Wirtschaftsvereinigungen erweitert die Kontakte zu möglichen Partnern Networking ist im Vereinigten Königreich groß geschrieben. Weitere Informationen: Deutsch-Britische-Industrie- und Handelskammer, Tel.: 0044/ , Internet: 12 Wirtschaft ElbeWeser 3/14

13 Zehn Tipps für Geschäftsbesprechungen 1. Nehmen Sie sich Zeit: Erwarten Sie nicht, dass es bereits beim ersten Treffen zum Abschluss kommt. 2. Englischsprachiges Informations - material: Lassen Sie Broschüren und Flyer von einem Muttersprachler ins Englische übersetzen. Denken Sie dabei auch an die Internetseiten Ihres Unternehmens. 3. Betonen der Problemlösung: Verzichten Sie auf eine gründliche Problemanalyse und zu viele technische Details. 4. Verhandlungsstil dem britischen Stil anpassen: Üben Sie keine offene Kritik. Verpacken Sie ein Nein freundlich und bieten neue Lösungsvorschläge an. 5. Einfach halten: Legen Sie Ihre wichtigsten Fakten und Botschaften in lockerer, aber effizienter Weise dar. Präsentationen sollten nicht länger als 20 Minuten dauern. 6. Vornamen benutzen: Der britische Gesprächspartner wird sich in der Regel mit seinem Vornamen vorstellen. Dies ist durchaus üblich, jedoch werden Hierarchieebenen trotz scheinbar lockeren Umgangs strengstens eingehalten. 7. Persönlichen Kontakt aufbauen: Einladungen in den Pub oder zu einem Essen dienen dem besseren Kennenlernen oder dem Vertiefen der Geschäftsbeziehung. Dabei sind geschäftliche Unterhaltungen jedoch tabu. 8. Wenn möglich, englischen Muttersprachler mitbringen: Besprechungen werden generell in englischer Sprache abgehalten. 9. Geschäftsbeziehung pflegen und halten: Der Aufbau einer erfolgreichen Zusammenarbeit geht nicht von heute auf morgen. Planen Sie regelmäßige Telefongespräche und Besuche ein. 10. Briten verstehen sich eingeschränkt als Europäer. Foto: Bilderbox Jetzt persönlich beraten lassen Kostenlos anrufen: (Mo Fr 8 20 Uhr) oder anfordern auf barclaycard-selbstaendige.de Speziell für Selbständige und Freiberufler: Günstiger Ratenkredit so einfach wie für Angestellte Flexibel mit kostenlosen Sondertilgungen Sofortentscheidung online oder telefonisch mit schneller Auszahlung Ohne Sicherheiten, nur ein Einkommensteuerbescheid genügt als Nachweis

14 TITELTHEMA Was war der Auslöser für Ihren Schritt nach Großbritannien und Irland? Der Auslöser war und ist ein hoher Bedarf an Geflügelfleisch pro Kopf, speziell in Großbritannien und Irland mit hohen Qualitätsanforderungen und speziellen Veredelungsprodukten. In diesen Märkten werden spezielle Spezifikationen und Rezepturen geschrieben und zusammen entwickelt. Wie sind Sie in diesen Absatzmärkten vertreten? In diesen oben genannten Absatzmärkten beliefern wir größtenteils die Industrie mit Halbfertigprodukten zum Einsatz in deren Endprodukten wie Fertiggerichte und Feinkost. In diesen Absatzmärkten besteht ein Direktgeschäft zwischen dem Industriekunden und Geti Wilba. Briten essen dreimal mehr Geflügelfleisch Der Bremervörder Tiefkühlspezialist Geti Wilba exportiert auch nach Irland und in das Vereinigte Königreich. Wirtschaft Elbe Weser sprach mit Firmenchef Martin Thörner. Foto: istockphoto Herr Thörner, bitte stellen Sie Ihr Unternehmen kurz vor. Hervorgegangen ist Geti Wilba in seiner heutigen Struktur aus der Fusion der Familienunternehmen GETI-Feinkost Georg Timmermann GmbH und Wild-Bargmann GmbH im Jahr Die Tradition der Geflügelverarbeitung geht zurück bis ins Jahr 1952, die der Wildveredelung bis ins Jahr Anfang 1970 kam die Produktion von Fertiggerichten (Kochbeutel, Aufläufe, später Pfannengerichte) hinzu. Geti Wilba ist Tiefkühlspezialist für Hühnerfleisch, Wild und Fertiggerichte. In den Segmenten Hühnerfleisch und Wild sind wir Marktführer in Europa, und eine führende Position haben wir in den Spezialsegmenten Hühnerfrikassee und Wildfertiggerichte. In Bremervörde sind derzeit rund 520 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, in der gesamten Geti-Wilba- Gruppe sind zirka 730 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Unser Hauptabsatzmarkt ist Deutschland. Was den Export betrifft, sind wir vor allem in Benelux, Frankreich, Dänemark, Österreich, der Schweiz und Großbritannien aktiv. Wie wichtig ist dieser Markt für Sie? Dänemark und Großbritannien sind von großer Bedeutung für uns, sie sind unsere stärksten Auslandsmärkte. In 2013 machte der Export insgesamt rund 20 Prozent vom Gesamtumsatz aus. Knapp 24 Prozent des Exportumsatzes entfielen dabei auf Dänemark, rund 19 Prozent auf Großbritannien. Geschäft mit Irland findet bisher nur in kleinem Umfang statt, der Umsatz mit Irland beträgt nur knapp ein Prozent vom Gesamtexport. Welche Zukunftsperspektiven sehen Sie in diesen Ländern? Da ein hoher Geflügelfleischkonsum pro Kopf besonders in Großbritannien herrscht - zirka das Dreifache gegenüber Deutschland - und der Konsum von Convenience-Artikeln steigt, gibt es in diesem Land gute Zukunftsperspektiven für veredelte und spezielle Geflügelprodukte. Auch in Dänemark sind solche Produkte gefragt, die Absatzmöglichkeit ist dort aber auch begrenzt, da die Gesamtbevölkerung bei zirka fünf Millionen liegt. Risiko in beiden genannten Ländern ist die Währung, und entsprechend ist sie auch bei jedem Gespräch ein Thema. 14 Wirtschaft ElbeWeser 3/14

15 Welche Vorgehensweise raten Sie Unternehmen, die noch keine Erfahrung mit diesen Ländern haben, wenn Sie dort Fuß fassen wollen? Die Vorgehensweise muss von Unternehmen zu Unternehmen und zum Produktportfolio entsprechend geprüft werden. Im Vorfeld sollte man aber den Markt genau analysieren, um zu sehen, ob eine Markterschließung Sinn für das Unternehmen macht. Haben Sie Kontakt zu den Auslandshandelskammern vor Ort, und/oder haben Sie diese bei der Markterschließung unterstützt? Zu den AHKs in den jeweiligen Absatzmärkten haben wir derzeit keinen Kontakt und die Markterschließung wurde ohne die AHK durchgeführt. Wie sehen Sie das Verhältnis von EU- Binnenmarkt zu Nicht-EU-Staaten. Wo erwarten Sie mehr Marktpotenzial? Generell muss man sagen, dass Proteine weltweit gefragt sind, auch aufgrund der ansteigenden Weltbevölkerung. Besonders aus dem asiatischen und afrikanischen Raum gab es in den vergangenen Jahren eine hohe Nachfrage nach Proteinen. Da wir aber spezielle und veredelte Produkte zusammen mit unseren Kunden herstellen und entwickeln, sehen wir den Markt für unsere Produkte zukünftig weiterhin eher im EU-Binnenmarkt. Das Unternehmen Geti Wilba Geti Wilba ist Tiefkühlspezialist für Hühnerfleisch, Wild und Fertiggerichte. In den Segmenten Hühnerfleisch und Wild ist das Unternehmen Marktführer in Europa, eine führende Position hat Geti Wilba in den Spezialsegmenten Hühnerfrikassee und Wildfertigge richte. Hervorgegangen ist Geti Wilba in seiner heutigen Struktur aus der Fusion der Familienunternehmen GETI-Feinkost Georg Timmermann GmbH und Wild- Bargmann GmbH im Jahr Die Tradition der Geflügelverarbeitung geht zurück bis ins Jahr 1952, die der Wildveredelung bis ins Jahr Anfang 1970 kam die Produktion von Fertiggerichten (Kochbeutel, Aufläufe, später Pfannengerichte) hinzu, seit 1998 verstärkt Gut Adlersreuth die Kompetenz auf dem Gebiet der Wildfertiggerichte. Als sich die Gründerfamilien 1990 aus dem Unternehmen zurückzogen, gehörte Geti Wilba von 1990 bis 2008 zunächst zu Südzucker, dann zur Schöller Holding und schließlich zum Nestlé-Konzern. Im Jahr 2008 übernahm die Beteiligungsgruppe HANNOVER Finanz Gruppe gemeinsam mit dem Management das Unternehmen im Rahmen eines Management Buy Out vom Nestlé-Konzern. Mitte 2009 wurde mit Brodersen & Köver, Tostedt, ein traditioneller Wildverarbeiter übernommen. Durch die Fusion mit der Josef Maier GmbH & Co. KG, Bad Wörishofen, im Jahr 2011 konnte das Unternehmen den Geschäftsbereich Wild weiter ausbauen. Insgesamt knapp 800 Mitarbeiter sind in den fünf Werken in Bremervörde, Cuxhaven-Altenwalde, Oberreute (Allgäu) und Bad Wörishofen (Allgäu) beschäftigt. Darüber hinaus bestehen zur Sicherung der Rohstoffbasis strategische Partnerschaften mit Unternehmen, an denen Geti Wilba beteiligt ist, in Österreich, Ungarn, Polen und Argentinien. Der Hauptsitz befindet sich im norddeutschen Bremervörde. Geti Wilba beliefert den Lebensmitteleinzelhandel, die Heimdienste, Großverbraucher, den Zustellgroßhandel (und somit die Gastronomie) sowie die Lebensmittelindustrie. Bekannte Marken sind Hase Argentino, Geti Wilba, Köver, Wild Times und Gut Adlersreuth. Das Unternehmen erhält für seine Tiefkühl-Fertigerzeugnisse regelmäßig zahlreiche Medaillen und andere Auszeichnungen im Leistungswettbewerb der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Weitere Informationen: Martin Thörner führt die Geschäfte von Geti Wilba. Foto: Geti Wilba Wirtschaft ElbeWeser 3/14 15

16 TITELTHEMA 16 Wirtschaft ElbeWeser 3/14

17 IHK baut Exportleiter-Kreis auf Auftaktveranstaltung am 22. Mai Inhouse-Beratungstag Wenn Sie Fragen zur Außenwirtschaft haben, können Sie diese am 6. Mai mit einem Vertreter der Industrie- und Handelskammer Stade besprechen. Da der Kammerbezirk groß und die Anfahrt zur IHK Stade unter Umständen weit ist, bietet die IHK am 6. Mai an, für eine Stunde zu Ihnen ins Unternehmen zu kommen und außenwirtschaftliche Themen nach Ihrem Wunsch zu besprechen. Das Angebot ist kostenlos. Erfahrungsgemäß werden Inhouse-Termine gerne angenommen, so dass Sie sich rechtzeitig einen Termin sichern sollten. Weitere Informationen/Anmeldung: IHK Stade, Sabine Herrmann, Tel.: 04141/ , Foto: istockphoto D ie Außenwirtschaft, speziell der Export, wird immer vielfältiger und aufwändiger. Neue Bestimmungen, neue Absatzmärkte, Sondervorschriften, neue Präferenzabkommen, neue Zollvorschriften usw. erfordern immer mehr Know-how und Fingerspitzengefühl der Unternehmen. Gerade der Außenwirtschaftsbereich ist einem ständigen Wandel unterlegen. Dabei wird der Export für viele Unternehmen immer wichtiger, besonders auch für die klein- und mittelständischen Betriebe. Um sich auch in diesem Bereich besser vernetzen und sich gegenseitig austauschen zu können, baut die IHK Stade einen Exportleiterkreis auf. Wir möchten, dass sich die Exportleiter oder -leiterinnen der verschiedenen Unternehmen, die bereits viel exportieren, kennenlernen und austauschen. Außerdem wollen wir auch Beiträge über aktuelle Themen liefern, wozu auch externe Referenten eingeladen werden, zum Beispiel Zollbehörden, wenn das gewünscht wird, sagt Sabine Herrmann, die den Exportleiterkreis betreuen wird. Das Auftakt-Treffen wird am 22. Mai um 14 Uhr in der Industrie- und Handelskammer Stade stattfinden. Dabei wird es um die Themen Exportkontrolle und AEO (Zugelassener Wirtschaftsbeteiligter) gehen. Es ist geplant, dass die weiteren Treffen bei Unternehmen im Kammerbezirk stattfinden werden, so dass die Teilnehmer die verschiedenen Regionen und Wirtschaftsstandorte im Elbe- Weser-Raum kennenlernen können. Wir hoffen, dass wir die exportierenden Betriebe im Kammerbezirk dabei unterstützen können, auch weiterhin erfolgreich am Export teilzunehmen und Synergieeffekte zu erzielen, so Herrmann. Weitere Informationen/Anmeldung: IHK Stade, Sabine Herrmann, Tel.: 04141/ , Die Nr. 1 für meine Kanzlei. Sie vertreten. Wir versichern. Wirtschaft ElbeWeser 3/14 17

18 TITELTHEMA DÄNEMARK DAS TOR ZU SKANDINAVIEN Foto: istockphoto 18 Wirtschaft ElbeWeser 3/14

19 FÜR DÄNEMARK IST DEUTSCHLAND MIT ABSTAND DER GRÖSSTE HANDELSPARTNER. ABER AUCH DÄNEMARK IST FÜR DEUTSCHE UNTERNEHMEN INTERESSANT. UNTER- NEHMEN UND VERBRAUCHER SIND AUFGESCHLOSSEN, KAUFKRÄFTIG UND QUALITÄTSBEWUSST. Dänische Unternehmen stehen bei hohen heimischen Produktionskosten im internationalen Wettbewerb. Sie sind deshalb unter ständigem Modernisierungsdruck. Es muss laufend neue Technologie eingekauft werden, damit sie bei der Produktivität mit an der Spitze sind. Die neuen Technologien werden gerne in Deutschland gekauft. Neben der erwarteten Qualität der Produkte ist es für Dänen wegen der geografischen und kulturellen Nähe sehr naheliegend, sich nach deutschen Lieferanten umzusehen. Dabei ist das Angebot für dänische Nachfrager oft dünn, weil viele ausländische Anbieter gar nicht erst den Markteintritt wagen. Dies bedeutet für die Insider gute Gewinnmargen. Auch bietet sich Dänemark als Sprungbrett für Skandinavien an. Kopenhagen glänzt mit guter Erreichbarkeit, Dänemark insgesamt mit hoher Flexibilität, nicht zuletzt beim Arbeitsmarkt. Dänische Unternehmen sind seit langer Zeit sehr klima- und umweltbewusst. Daher sind die Kompetenzen deutscher Unternehmen besonders in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Umwelttechnik gefragt. Aber auch in den Branchen Maschinenbau, Life Science und Lebensmittel steht das Siegel Made in Germany hoch im Kurs. In Zusammenarbeit mit großen, dänischen Spitzenunternehmen sind eine Menge leistungsfähiger Mittelständler entstanden, die als Kunden für deutsche Unternehmen in Frage kommen. Besondere Chancen ergeben sich in der dänischen Bauwirtschaft. Öffentliche Projekte im Umfang von mehr als 63,9 Milliarden Euro sollen bis 2022 realisiert werden. Die dänischen Auftraggeber sind sehr an Angeboten aus Deutschland interessiert. Die Auslandshandelskammer (AHK) Dänemark macht deswegen Bauwirtschaft zum Schwerpunktthema. Dänemark wächst Der deutsch-dänische Handel hat sich nach dem schweren Einbruch 2009 nur langsam erholt und erreichte erst 2013 wieder die Vorkrisenwerte. Für Deutschland hat sich seit zehn Jahren ein erheblicher Handelsüberschuss aufgebaut. Die dänischen Produzenten konnten wegen ihrer hohen Kos - ten mit dem deutschen Wettbewerb nicht mithalten. Die AHK Dänemark erwartet nun für 2014, dass die dänischen Exporte mit fünf Prozent auf knapp 14 Milliarden Euro ähnlich stark wachsen wie die deutschen (16 Milliarden Euro). Grund ist die nach Jahren der Anpassung seit 2009 gibt es Reallohnverluste gestiegene Wettbewerbsfähigkeit der dänischen Wirtschaft. Deshalb endete 2013 für Dänemark deutlich besser als es anfing. Nach fünf Jahren Rezession und Anpassung wird die Wirtschaft ab jetzt und mittelfristig wieder zulegen. Für 2014 erwartet die AHK ein Wirtschaftswachstum von etwa 1,5 Prozent, 2015 wird dann mit knapp zwei Prozent noch besser. Die gute Perspektive ist das Ergebnis harter Arbeit der Unternehmen. Sie haben sich ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückerkämpft. Die Stimmung unter den Verbrauchern hat sich auch wegen der guten Unternehmensentwicklung deutlich verbessert. Was gut ist für Dänemark, ist auch gut für die deutschen Unternehmen im Land. Die hatten der AHK schon im Frühjahr signalisiert, dass die Konjunktur bald brummen wird. Vier von fünf deutschen Unternehmen erwarten nämlich, dass sie 2014 Umsatzwachstum Die Nr. 1 für mein Unternehmen. Sie produzieren. Wir versichern. Wirtschaft ElbeWeser 3/14 19

20 TITELTHEMA Foto: istockphoto in Dänemark erleben werden. Schön ist, dass sie dafür auch Personal einstellen wollen. Die AHK erwartet, dass die deutschen Ausfuhren nach Dänemark im nächsten Jahr fünf Prozent zulegen werden. Dänen haben eine hierarchiearme Kultur Für deutsche Unternehmen gilt, dass der Umgang mit ihren nördlichen Nachbarn unkompliziert ist. Kulturell sind wir uns ähnlich. Ein paar Unterschiede gilt es trotzdem zu beachten. Dass in der dänischen Sprache die Sie- Form so gut wie ausgestorben ist, ist das Ergebnis einer hierarchiearmen Kultur. Es gilt das Jante -Gesetz, dessen Kurzformel lautet: Glaube ja nicht, dass Du etwas Besonderes bist. Deshalb sprechen alle mit allen: Geschäftsführer rufen in anderen Unternehmen auch Mitarbeiter der unteren Ebene an, um Dinge zu klären. Als Ausländer tut man gut daran, ebenfalls nicht auf einem Gespräch mit dem Direktor zu beharren. Auch tut man gut daran, sich persönlich in skandinavischer Bescheidenheit zu üben. Zu weit braucht man die Anpassung etwa beim legeren Kleidungsstil aber auch nicht zu betreiben. Die mindestens teilweise Erfüllung des Klischees vom formellen Deutschen schafft Sicherheit und Vertrauen beim Guter Einstieg Ermitteln Sie die Marktanforderungen Identifizieren Sie Kunden und Partner Netzwerk als Abkürzung Lassen Sie sich beraten ausländischen Geschäftspartner. Vertrauen können Unternehmen bei ihrem Dänemark-Geschäft auch der AHK Dänemark. Sie hat die richtigen Geschäfts- und Wirtschaftskontakte zwischen Dänemark und Deutschland. Egal ob sie erste Kontakte zu Abnehmern ihrer Produkte oder Dienstleistungen suchen oder Beratung in juristischen und steuerlichen Fragen brauchen die AHK Dänemark unterstützt sie. Reiner Perau Geschäftsführer, AHK Dänemark Weitere Informationen: Bitte stellen Sie Ihr Unternehmen kurz vor: Wann wurde es gegründet? Was produziert es? Wie viele Mitarbeiter sind derzeit am Standort tätig? Welches sind Ihre Hauptabsatzmärkte? Die Geschichte der Sanovo Eiprodukte beginnt 1937 in der Stadt Odense in Dänemark. Ein Mühlenbetrieb experimentierte mit einem Dänische Wurzeln Der Zevener Eiprodukte-Hersteller Sanovo kommt ursprünglich aus Dänemark und betreut von Deutschland aus Großbritannien. Auch Martina Thiele, Prokuristin von Sanovo, hat darum unsere Fragen beantwortet. Sprühtrockner, um verschiedene Produkte zu trocknen. Eine der möglichen Optionen war, Milch und Eipulver herzustellen, das fertige Produkt mit Mehl und anderen Zutaten zu mischen und dann diese Halbfertigprodukte an die Lebensmittelindustrie zu liefern. Diese Produktidee war praktisch die Geburtsstunde der Sanovo Egg Group. Mit der Unterzeichnung der römischen Verträge (=Gründung der EWG, heute EU) wurde es notwendig, in der neuen Staatengemeinschaft einen eigenen Produktionsstandort zu errichten gründete man in Zeven in Nachbarschaft zur damaligen Nordmilch die Sanovo Eiprodukte GmbH als ersten Eiproduktehersteller in Deutschland. Entscheidend für den Standort war bereits zu dieser Zeit die hervorragende Infrastruktur mit dem Industriegebiet Aspe, den Autobahnanschlüssen, den großen Häfen Hamburg und Bremerhaven sowie den Flughäfen Hamburg, Bremen und Hannover. Am Standort Zeven werden alle weißen und gelben Eiprodukte - flüssiggekühlt, konzentriert oder sprühgetrocknet - für die Milch-, Feinkost und Backwarenindustrie produziert. Neben Standardprodukten werden maßge- 20 Wirtschaft ElbeWeser 3/14

21 Fotos (2): Sanovo Eier aufschlagen leicht gemacht: In einer Spezialmaschine werden Eigelb und Eiweiß getrennt. Wie sind Sie in diesen Absatzmärkten vertreten? In Großbritannien ist Sanovo mit einem eigenen Verkaufsbüro in der Nähe von London vertreten. Es hat sich gezeigt, dass eigene Leute vor Ort wesentlich besser den Markt bearbeischneiderte Produkte und Blends mit Zucker, Salz, Maltodextrin etc. geliefert. Die Entwicklungsabteilung arbeitet in diesem Bereich sehr eng mit den Entwicklungsabteilungen der Kunden zusammen. Sanovo Egg Group mit seinen sieben Unternehmen ist global aufgestellt. Damit ist man im Falle von unvorhergesehenen Vorfällen, zum Beispiel der Vogelgrippe, gewappnet und kann dem Kunden immer 100 Prozent Versorgungssicherheit mit Eiprodukten gewähren. Die Rohware von Sanovo kommt praktisch aus dem gesamten europäischen Raum. Durch die Tierschutz- und Tierhaltungsdiskussionen hat sich der Markt total verändert. Eier aus Käfighaltung haben heute eine zurückgehende Bedeutung für die Lebensmittelindustrie. Seit drei Jahren werden zunehmend Eier aus Boden- und Freiland-Haltung verarbeitet. Momentan schon bis zu 70 Prozent, in zwei bis drei Jahren werden 90 Prozent aller Eier aus alternativen Haltungsformen kommen. Am Standort in Zeven sind zirka 65 Personen beschäftigt, Hauptabsatzmarkt ist die Europäische Union. Was war der Auslöser für Ihren Schritt nach Großbritannien und Dänemark? In den Ländern Großbritannien und Dänemark war Sanovo schon durch die Muttergesellschaft in Dänemark vertreten. Zunächst wurde der Markt Großbritannien durch Dänemark bearbeitet, danach immer mehr von Deutschland aus. Es hatte sich gezeigt, dass die britische Mentalität bei Geschäftsvorgängen besser zu den deutschen Gepflogenheiten passte. In Großbritannien schätzt man die deutsche Genauigkeit und Pünktlichkeit sowie verbindliche Zusagen. Die Nr. 1 für meinen Laden. Sie verkaufen. Wir versichern. Wirtschaft ElbeWeser 3/14 21

22 TITELTHEMA Martina Thiele ist Verkaufsdirektorin bei Sanovo in Zeven. ten können als Handelsvertreter aus Deutschland. Wie wichtig ist dieser Markt für Sie? Der Gesamtumsatz von Sanovo liegt bei rund 25 Millionen Euro, davon entfallen zirka 6,5 Millionen auf Länder außerhalb der Europäischen Union. 17 Prozent entfallen auf Dänemark und zirka 10 Prozent auf Großbritannien. Welche Zukunftsperspektiven sehen Sie in diesen Ländern? Die Länder Großbritannien und Dänemark weisen im Gegensatz zu Deutschland nach wie vor eine positive Bevölkerungsentwicklung auf, so dass die Märkte auch langfristig weiter interessant sein dürften. Dänemark hat sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt mit einem Wirtschaftswachstum von fast vier Prozent. In Großbritannien nimmt die Konsumlaune ebenfalls wieder leicht zu, so dass auch dort mit steigenden Umsätzen zu rechnen ist. Welche Vorgehensweise raten Sie Unternehmen, die noch keine Erfahrung mit diesen Ländern haben, wenn Sie dort Fuß fassen wollen? In Großbritannien sollte man, wenn es die Geschäfte zulassen, unbedingt mit einer eigenen Niederlassung vor Ort sein. Die Briten mögen persönliche Kontakte nach wie vor, mehr als E- Mails oder Telefonate. Darum werden Kontakte dort wesentlich besser gepflegt als in Deutschland. Haben Sie Kontakt zu den Auslandshandelskammern vor Ort und/oder haben Sie diese bei der Markterschließung unterstützt? Bislang wurden die Dienste einer Auslandshandelskammer noch nicht in Anspruch genommen. Da Sanovo noch nicht in Irland vertreten ist, könnte dies eine interessante Alternative der Markterschließung sein. Glauben Sie, dass die Außenwirtschaft für Deutschland auch künftig von großer Bedeutung sein wird oder wächst Ihrer Meinung nach die Bedeutung des Binnenmarktes? Wie vorher beschrieben ist Deutschland, was Lebensmittel anbelangt, nicht der stärkste Wachstumsmarkt, andere Länder mit einer stärkeren Bevölkerungsentwicklung rücken automatisch für einen Lebensmittelhersteller in den Fokus. Auch gibt es in diesen Ländern meist einen starken Nachholbedarf für qualitativ hochwertige Produkte. Zwar ist das Preisgefüge in diesen Ländern noch unter dem deutschen Niveau, wird sich aber sicherlich langfristig dorthin entwickeln. Die Außenwirtschaft wird eine Säule der deutschen Wirtschaft bleiben, mittlerweile wird jeder dritte Euro in der Außenwirtschaft verdient. Daran wird sich in den nächsten Jahren wohl kaum etwas ändern. Neue Nachweispflichten beim innergemeinschaftlichen Warenverkehr Ausnahmefälle beachten L ieferungen deutscher Unternehmen nach Großbritannien, Irland, Dänemark und in weitere EU-Mitgliedstaaten sind unter bestimmten Voraussetzungen von der Umsatzsteuer befreit. Unter anderem muss der Nachweis erbracht werden, dass die Ware tatsächlich zu einem Empfänger in einen anderen Mitgliedsstaat gelangt ist. Je nach Fallkonstellation müssen unterschiedliche Belege eingeholt und vorgelegt werden. Grundsätzlich ist seit dem 1. Januar 2014 neben dem Doppel der Rechnung eine so genannte Gelangensbestätigung einzuholen. Diese beinhaltet neben Namen und Anschrift des Abnehmers die Menge und handelsübliche Bezeichnung der gelieferten Waren, Ort und Monat des Erhalts der Ware, Ausstellungsdatum und Unterschrift des Abnehmers oder eines von diesem Beauftragten. Die Bestätigung kann prinzipiell auch elektronisch erfolgen. Aber keine Regel ohne Ausnahmen. Im so genannten Abholfall, in dem der Abnehmer aus dem anderen Mitgliedsstaat die Ware selbst in Deutschland abholt und über die Grenze befördert, muss dieser nach Durchführung des Transports die Bestätigung ausstellen, also nicht bereits bei Übergabe. Bei den Versendungsfällen, also bei Einschaltung von Dritten durch Lieferant oder Abnehmer, wird differenziert. 22 Wirtschaft ElbeWeser 3/14

23 Versendungsbelege, insbesondere in der Form handelsrechtlicher Frachtbriefe werden anerkannt, soweit sie vom Auftraggeber des Frachtführers unterzeichnet sind und die Unterschrift des Empfängers als Bestätigung des Erhalts des Gegenstands der Lieferung enthalten. Weiterhin fallen hierunter ein Konnossement oder Doppelstücke des Frachtbriefs oder Konnossements. Wird der Spediteur vom (deutschen) Lieferer beauftragt, ist als Alternative weiterhin - hierfür hatte sich die IHK- Organisation massiv eingesetzt - die bisher bekannte Spediteursbescheinigung als Nachweisdokument zulässig. Sie muss sich allerdings nunmehr auf die Bestätigung der erfolgten, nicht nur der beabsichtigten Verbringung beziehen. Neu und letztlich auch besser als bisher ist, dass die Spediteursbescheinigung elektronisch übermittelt werden kann. Wenn der Spediteur vom Abnehmer beauftragt wird, werden die Nachweisschwierigkeiten aufgrund des fehlenden Vertragsverhältnisses zwischen Spediteur und Lieferer gesehen. In diesem Fall soll daher eine Spediteursbescheinigung über die nur beabsichtigte Verbringung ausreichen, wenn parallel der Nachweis der Bezahlung des Liefergegenstands über ein Bankkonto erfolgt. Bei Zweifeln weist die Finanzverwaltung für diese Konstellation darauf hin, dass auch hier eine Gelangensbestätigung vom Unternehmen gefordert werden kann. In den Fällen, in denen der Sendungsverlauf elektronisch überwacht wird, beispielsweise bei Kurierdiensten, genügt zur Nachweisführung die schriftliche oder elektronische Auftragserteilung sowie ein vom Kurierdienst erstelltes Protokoll, das den Transport lückenlos bis zur Ablieferung beim Empfänger nachweist ( tracking and tracing ). Bei Postsendungen, in denen dies nicht möglich ist, genügt eine Empfangsbescheinigung eines Postdienstleisters über die Entgegennahme der an den Abnehmer adressierten Sendung und der Nachweis über die Bezahlung der Lieferung. Arne Reinecker IHK Stade Weitere Informationen: Dokument-Nummern und Foto: istockphoto Wirtschaft ElbeWeser 3/14 23

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