Infektionskrankheiten in Baden-Württemberg

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1 Infektionskrankheiten in Baden-Württemberg Infektionsbericht für Zahlen, Daten, Fakten zu meldepflichtigen Infektionskrankheiten und Erregernachweisen

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3 Infektionskrankheiten in Baden-Württemberg Infektionsbericht für

4 Impressum Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg Nordbahnhofstr Stuttgart Tel Fax Redaktion Anja Diedler Dr. Christiane Wagner-Wiening Dr. Dorothee Lohr Dr. Günter Pfaff Holger Knebel Rainer Brosch Dr. Iris Zöllner Corinna Langhans Oktober 214

5 Inhaltsverzeichnis Seite Vorwort 5 1. Meldesystem übertragbarer Krankheiten Meldewege für meldepflichtige übertragbare Krankheiten Aufgaben der IfSG-Meldestelle am LGA Referenzdefinition als Grundlage dieses Berichts 8 2. Infektionslage in Baden-Württemberg Datenbasis Orientierende Übersicht nach Jahren und Krankheiten Orientierende Übersicht nach Landkreisen, Alter und Geschlecht Todesfälle Epidemiologische Daten zu ausgewählten Infektionskrankheiten Ausgewählte Magen-Darm-Infektionen Campylobacter-Enteritis E. coli-enteritis EHEC-Erkrankung Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS), enteropathisch Giardiasis Kryptosporidiose Norovirus-Erkrankung Rotavirus-Erkrankung Salmonellose Shigellose (bakterielle Ruhr) Yersiniose Virale Hepatitiden Hepatitis A Hepatitis B Hepatitis C Hepatitis E Influenza Tuberkulose Weitere Erkrankungen Adenovirus-Konjunktivitis Clostridium-difficile-Infektion, schwerer Verlauf Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJK) Denguefieber Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) Haemophilus influenzae, invasive Erkrankung 92 Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 3

6 3.5.7 Hantavirus-Erkrankung Legionellose Listeriose Masern Meningokokken-Erkrankung MRSA Q-Fieber Seltene Krankheiten Nichtnamentlich gemeldete Infektionskrankheiten nach 7 Abs. 3 IfSG Ausgewählte Häufungen und Infektionsgeschehen Masernwelle im Frühjahr Masernerkrankungen mit Genotyp D8-Nachweis nach Italienaufenthalt Neuer EHEC-Stamm: O14:H4 in Baden-Württemberg Hantaviren 27/ Erkrankungsfälle von Sarkozystose bei Reiserückkehrern aus Malaysia Fallbericht: Giardia-duodenalis-Infektion Ausgewählte Häufungen und Infektionsgeschehen Masern 212 in Baden-Württemberg RSV-verursachter Ausbruch in einem Krankenhaus Salmonellosefälle 212 bei Kleinkindern mit Reptilienhaltung im Haushalt Häufung von Q-Fieber-Erkrankungen im Landkreis Göppingen Adenovirus-Ausbruch 211/ Quellenverzeichnis Tabellenverzeichnis Abbildungsverzeichnis Bildnachweis Verwendete Abkürzungen Anhang Auszug aus dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG) Ergänzende Verordnungen auf Bundesebene Verordnung über die Meldepflicht bei Aviärer Influenza beim Menschen (Aviäre-Influenza-Meldepflicht-Verordnung - AIMPV) Verordnung zur Anpassung der Meldepflicht nach 7 des Infektionsschutzgesetzes an die epidemische Lage (Labormeldepflicht-Anpassungsverordnung - LabMeldAnpV) Schwer verlaufende Clostridium-difficile-assoziierte Durchfallerkrankungen Auszug aus der Verordnung des Sozialministeriums über Zuständigkeiten nach dem IfSG vom 19. März Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

7 Vorwort Das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (IfSG - Infektionsschutzgesetz) bestimmt seit 14 Jahren die Arbeit der Meldestelle im Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg (LGA). Die Übermittlung von Daten zu meldepflichtigen Infektionskrankheiten aus den Land- und Stadtkreisen über das Landesgesundheitsamt an das Robert Koch-Institut (RKI) schafft die Grundlage für die Beobachtung des Krankheitsgeschehens zu Infektionskrankheiten in der Bevölkerung Baden-Württembergs. Im vorliegenden Infektionsbericht werden die Infektionsdaten aus den Jahren 211 und 212 beschrieben und grafisch aufbereitet. Die Auswertung der Daten erfolgte mit Hilfe der vom RKI zur Verfügung gestellten Software-Programme und Wir danken allen Ärztinnen und Ärzten in Arztpraxen, Laboratorien und Krankenhäusern, die durch ihre Meldung zur Überwachung des Infektionsgeschehens beigetragen haben. Für die Vollständigkeit und Qualität der Daten zeichnen maßgeblich unsere Kolleginnen und Kollegen in den Gesundheitsämtern verantwortlich. Das LGA dankt allen Beteiligten für die gute und Ziel führende Zusammenarbeit. Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 5

8 1. Meldesystem übertragbarer Krankheiten Am 1. Januar 21 wurde das seit 1961 gültige Bundesseuchengesetz durch das Infektionsschutzgesetz (IfSG) abgelöst. Leitgedanken waren die Stärkung der Eigenverantwortung des Einzelnen sowie der Träger und Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen, Lebensmittelbetrieben und Gesundheitseinrichtungen bei der Vorsorge übertragbarer Krankheiten. Das Infektionsschutzgesetz regelt zum einen, welche Krankheiten bei Verdacht, Erkrankung oder Tod vom Arzt an das Gesundheitsamt zu melden sind. Zum anderem regelt es die Meldepflicht für labordiagnostische Nachweise bestimmter Krankheitserreger. Bei definierten Krankheitserregern ist im Sinne dieser Labormeldepflicht der direkte oder indirekte Nachweis zu melden (soweit diese Nachweise auf eine akute Infektion hindeuten). Ferner sind Krankheitserreger zu melden, soweit deren örtliche und zeitliche Häufung auf eine schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit hinweist und nicht durch eine eigene Meldekategorie erfasst sind. Zudem besteht für Erregernachweise nach 7.3 eine nichtnamentliche Meldepflicht direkt an das RKI. Aufgabe der Infektionssurveillance ist die zeitnahe und räumliche Erfassung des Infektionsgeschehens. Die Meldenden sind durch das IfSG verpflichtet, ihre Meldung unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden zu erstatten, damit Maßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung der Infektionskrankheit möglichst rasch ergriffen werden können. Voraussetzung für die Vergleichbarkeit und die Standardisierung ist eine hohe Datenqualität. Falldefinitionen für meldepflichtige Erkrankungen enthalten bundesweit einheitliche Kriterien für die epidemiologische Überwachung von Infektionskrankheiten. Die vom Robert Koch-Institut (RKI) erstellten Falldefinitionen legen fest, welche Meldungen an die Landesstelle übermittelt werden. Die Falldefinitionen wurden im Laufe der letzten Jahre durch überarbeitete Ausgaben ersetzt, die neue Diagnoseverfahren und Erfahrungen einbeziehen. Die im Jahr 21 eingeführten Falldefinitionen wurden 24 durch neue Falldefinitionen abgelöst. Die dritte Ausgabe gilt ab dem 1. Januar 27 und löste die 24 in Kraft getretene zweite Ausgabe der Falldefinitionen ab. wöchentlicher Infektionsbericht Datenbank Abb. 1: Meldewege nach dem Infektionsschutzgesetz 6 Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

9 1.1 Meldewege für meldepflichtige übertragbare Krankheiten Bei Verdacht auf oder Diagnose einer meldepflichtigen Erkrankung muss der Arzt unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden nach erlangter Kenntnis eine Meldung an das für den Aufenthaltsort des Betroffenen zuständige Gesundheitsamt erstatten 1. Wird ein meldepflichtiger Erreger nachgewiesen, hat das feststellende Labor unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden eine Meldung zu erstatten, Adressat ist das für den Einsender (i.d.r. der behandelnde Arzt) des Untersuchungsmaterials zuständige Gesundheitsamt 2. Gegebenenfalls wird die Meldung an das für den Wohnort des Betroffenen zuständige Gesundheitsamt weitergeleitet. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes führen weitere Ermittlungen durch und veranlassen, falls erforderlich, Maßnahmen des Infektionsschutzes. Ausgewählte Daten werden in anonymisierter Form an das Landesgesundheitsamt übermittelt. Die Meldestelle am LGA führt eine Qualitätskontrolle durch und leitet die Daten arbeitstäglich an das RKI weiter. In besonderen Ausbruchssituationen, beispielsweise während des bundesweiten HUS/EHEC-Ausbruch 211, werden Daten auch mehrmals täglich übermittelt. Erregernachweise von Syphilis, HIV, Malaria, Fuchsbandwurm, angeborener Toxoplasmose bzw. angeborener Röteln werden vom untersuchenden Labor direkt an das RKI gemeldet 3. Diese nichtnamentliche Meldung muss innerhalb von zwei Wochen erstattet werden. Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und weitere Gesetze Seit sind gemäß 6 Abs. 3 IfSG an das Gesundheitsamt gemeldete nosokomiale Häufungen nach 11 Abs. 2 IfSG an die zuständige Landesbehörde und das RKI zu übermitteln. Diese Daten werden erstmals in diesem Infektionsbericht dargestellt. 211/212 gingen im LGA Meldungen ein. Darunter waren 15 Norovirus-Häufungen, 4 Keratokonjunktitivis-Häufungen, 4 Klebsiella pneumoniae-häufungen und 3 Gastroenteritis-Häufungen. 1 Nach 6 IfSG, siehe Anhang. 2 nach 7 Abs. 1 IfSG, siehe Anhang. 3 nach 7 Abs. 3 IfSG, siehe Anhang. 4 nach 12 Gesetz zur Durchführung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (25) und zur Änderung weiterer Gesetze Am traten das IGV-Durchführungsgesetz sowie die Änderung des Infektionsschutzgesetzes in Kraft. Neben der Verkürzung der Meldefristen wurde die namentliche Meldepflicht auf die Infektionskrankheiten Mumps, Keuchhusten, Röteln und das konnatale Rötelnsyndrom sowie Windpocken erweitert. Diese Änderungen betrifft den vorliegenden Bericht, der sich auf die Jahre 211 und 212 bezieht, noch nicht. Zugleich wurde eine arbeitstägliche Übermittlung der Daten eingeführt. Das Auftreten von Erkrankungen mit möglicher internationaler Tragweite wie Cholera, Diphtherie, Fleckfieber, Gelbfieber, virusbedingtem hämorrhagischem Fieber, Pest, Poliomyelitis, Rückfallfieber sowie Fälle von Influenzavirus-Nachweisen hat das Gesundheitsamt unverzüglich an das LGA 4 und dieses wiederum unverzüglich an das RKI zu übermitteln. Das RKI hat die Meldung entsprechend den internationalen Verpflichtungen an die Weltgesundheitsorganisation sowie der Kommission der Europäischen Union und den zuständigen Behörden der Mitgliedsstaaten zu übermitteln (s. Kapitel 12). 1.2 Aufgaben der IfSG-Meldestelle am LGA Das Landesgesundheitsamt hat die Aufgabe, das Infektionsgeschehen in Baden-Württemberg zu überwachen. Die übermittelten Daten werden hierzu analysiert und bewertet. Häufigkeit, zeitliches Auftreten, Geschlecht, Alter und Infektionsorte werden statistisch ausgewertet. Die aktuellen Meldezahlen werden mit Vergleichszeiträumen der Vorjahre, den bundesweiten Meldezahlen sowie mit dem Auftreten in angrenzenden Bundesländern und im benachbarten Ausland verglichen. Im Falle einer Pandemie wird der Bezug zum europa- und weltweiten Geschehen hergestellt. Wenn es erforderlich wird, übernimmt das LGA als fachliche Leitstelle des Öffentlichen Gesundheitsdienstes Baden-Württemberg den grenzüberschreitenden Informationsaustausch mit den regionalen Gesundheitsbehörden im benachbarten Ausland. Jeweils in der zweiten Wochenhälfte arbeitet das Landesgesundheitsamt die Daten aus der Vorwoche für einen Infektionsbericht zu aktuellen Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 7

10 IfSG-Meldungen auf. Dieser Infektionsbericht wird den Gesundheitsämtern, Ärzten und Laboreinrichtungen aber auch interessierten Laien zur Verfügung gestellt. Im Internet sind die Infektionsberichte auf der Homepage abrufbar. 1.3 Referenzdefinition als Grundlage dieses Berichts Eine ärztliche Diagnose, kann unterschiedliche Stufen der Gewissheit durchlaufen. Der Sicherungsgrad reicht vom Krankheitsverdacht über die klinische Diagnose und die Bestätigung durch Laboruntersuchungen bis hin zur pathologischanatomischen Diagnose. Entsprechend muss das Gesundheitsamt eine eingehende Meldung nach der diagnostischen Sicherheit bewerten. Dabei folgt es den Falldefinitionen des RKI. Näheres unter: Für Vergleichszwecke bedient man sich einer sogenannten Referenzdefinition. Die Referenzdefinition fasst in der Regel die Kategorien klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankung und klinisch-labordiagnistisch bestätigte Erkrankung zusammen. Das RKI verwendet diese Referenzdefinition im Infektiologischen Jahrbuch. Auch das LGA greift für die Berichterstellung darauf zurück. Labordiagnostisch nachgewiesene Infektionen bei nicht erfülltem klinischen Bild oder bei unbekanntem klinischen Bild erfüllen nicht die Referenzdefinition und gehen nicht in die Meldestatistik ein. Ausnahmen bilden HUS, Hepatitis Non A-E (sonstige akute Virushepatitis, nicht näher klassifiziert), Masern, Tuberkulose, Poliomyelitis und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Bei diesen Erkrankungen erfüllt bereits das klinische Bild die Referenzdefinition. Bei der Hepatitis C umfasst die Referenzdefinition alle erstmals labordiagnostisch nachgewiesenen Infektionen unabhängig vom klinischen Bild. 2. Infektionslage in Baden-Württemberg In diesem Bericht werden die an das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg übermittelten meldepflichtigen Erkrankungen und Erregernachweise aus den Jahren dargestellt. Hierbei werden nur solche Fälle berücksichtigt, die der Referenzdefinition (s. 1.3) entsprechen. Ausnahmen sind gekennzeichnet (s. Tabelle 1 Anzahl Fallmeldungen ). Es werden sowohl absolute Fallzahlen als auch Inzidenzen dargestellt. Die Inzidenz (lat.: incidere = vorfallen) gibt die Anzahl der übermittelten Neuerkrankungen an, die unter 1 Personen innerhalb eines Jahres neu auftreten. Die angegebenen Inzidenzen beziehen sich auf Einwohner in Baden-Württemberg 211. Die Inzidenz der Erregernachweise wird erheblich vom Einsendeverhalten der niedergelassenen erstversorgenden Ärzte sowie vom länderspezifischen Engagement bezüglich des Umfangs der Nachsuche zu weiteren Erkrankungen bestimmt. 2.1 Datenbasis Namentliche Meldungen Als Datenquelle wurden Daten aus der RKI-Datenbank verwendet, die den Landesstellen auf Datenträgern zur Verfügung gestellt werden. Datenstand ist der RKI ist die Software, mit der das LGA die von den Gesundheitsämtern übermittelten Meldungen zusammenführt, aufbereitet, auswertet und gebündelt an das RKI weiter übermittelt. Die Vergleichszahlen für Deutschland stammen aus der im Internet verfügbaren Datenbank Dieser vereinfachte Datenbestand zu den nach dem IfSG meldepflichtigen Krankheitsfällen und Erregernachweise, gestattet es, nach eigenem Bedarf Tabellen und Graphiken zu erstellen. Nichtnamentliche Meldungen Die sechs Meldekategorien Echinokokkose, HIV, Malaria, konnatale Röteln, Syphillis und konnatale Toxoplasmose werden nichtnamentlich direkt ans RKI gemeldet. Die Abfrage dieser Daten erfolgte ebenso mit der im Internet verfügbaren Datenbank 8 Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

11 2.2 Orientierende Übersicht nach Jahren und Krankheiten Im Jahr wurden insgesamt Einzelfälle meldepflichtiger Infektionskrankheiten (inklusive der Kategorien Weitere bedrohliche Krankheit (WBK) und WBK gastro ) an das LGA übermittelt. Auf diese beiden Meldekategorien entfielen 438 Meldungen. Es gingen also Einzelfälle in die SurvStat-Datenbank ein, welche die Kategorien WBK und WBK gastro nicht enthält. Davon entsprachen der Referenzdefinition (s. 1.3). Zusätzlich wurden aus Baden- Württemberg nichtnamentliche Meldungen nach 7 Abs. 3 IfSG direkt an das RKI gemeldet. Tabelle 1: Anzahl übermittelter Meldungen (ohne Weitere bedrohliche Krankheit (WBK) und WBK gastro ) Jahr Anzahl Fallmeldungen (aus SurvNet) Baden-Württemberg Anzahl nach Referenzdefinition (RD) Übermittlungen pro 1 Einwohner (bez. RD) Anzahl Fallmeldungen (aus SurvStat) Deutschland Anzahl nach Referenzdefinition (RD) Übermittlungen pro 1 Einwohner (bez. RD) , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,6 Die beiden Meldekategorien Weitere bedrohliche Krankheit und Weitere bedrohliche Krankheit gastro sind in den Übersichten nicht enthalten. Die Datenbank in der die deutschlandweiten Daten abgefragt wurden, enthält diese Meldekategorien nicht. Um die Vergleichbarkeit der Daten zu gewährleisten, sind die Daten aus ebenfalls ohne diese Meldekategorien dargestellt. Unter Weitere bedrohliche Krankheit können bedeutende Einzelfälle oder Erkrankungshäufungen übermittelt werden, bei denen kein Erregernachweis vorliegt, bzw. ein Erreger nachgewiesen wurde, der ansonsten nicht in den einzelnen Krankheitskategorien eingegeben werden kann. Weitere bedrohliche Krankheit gastro wurde für Durchfall-Erkrankungen, die bisher in der Kategorie WBK übermittelt wurden eingeführt. Im Jahr 29 fällt die erhöhte Anzahl von Fallmeldungen und die damit verbundene höhere In- zidenz auf. Dem liegt die pandemische Influenza A(H1N1)pdm29 zugrunde, welche sich ab April 29 als sogenannte Schweinegrippe ausbreitete. Die Übermitlungsmodalitäten und die Meldepflicht zu Noroviren haben zwei Änderungen erfahren. Im September 29 wurden die Übermittlungsmodalitäten angepasst, so dass aufwändige Einzelfallübermittlungen seither erspart bleiben. Klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankungen konnten als Gesamtzahl der aufgetretenen Erkrankungen zusammengefasst und übermittelt werden. Im Oktober 21 wurde die Falldefinition geändert. Dadurch wurden nur noch labordiagnostisch bestätigte Erkrankungen übermittelt. Diese aktuelle Fall- und Referenzdefinition wird in der Datenbank ebenso auf die Vorjahre angewendet, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 9

12 Tabelle 2: An das LGA übermittelte meldepflichtige Krankheiten (ohne WBK ) Meldekategorie Anzahl Inzidenz* Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Adenovirus 32,3 4, 4, 15,1 49,5 66,6 Botulismus 1,,,, 1, 1, Brucellose 5,1 6,1 3, 7,1 3, 8,1 Campylobacter , , , , , ,9 Cholera,,,,, 1, CJK 11,1 7,1 2,2 1,1 2, 12,1 Clostridium difficile , -, 1, Denguefieber 1,1 39,4 23,2 22,2 17,2 24,2 Diphtherie, 1,, 1,,, E.-coli-Enteritis 552 5,1 36 3, , , , ,4 Ebolafieber,,,,,, EHEC/STEC 13 1,2 94,9 96,9 11, , ,3 Fleckfieber,,,,,, FSME 115 1, , ,1 13 1, , ,6 Gelbfieber,,,,,, Giardiasis 772 7, , , , , ,8 Haemophilus influenzae 16,2 1,1 17,2 8,1 18,2 27,3 Hantavirus 58, ,5 65,6 12 1,1 11 1, 22,2 Hepatitis A 329 3, , , , 19 1, 132 1,2 Hepatitis B 414 3,8 2 1, ,4 12 1, , ,1 Hepatitis C , , , , , ,2 Hepatitis D, 2, 2, 2, 3,, Hepatitis E 4, 1, 5,1 11,1 11,1 7,1 Hepatitis Non A-E,,,,,, HUS 6,1 24,2 18,2 1,1 11,1 12,1 Influenza 342 3, , , , , ,2 Kryptosporidiose 391 3,6 86, ,2 95, , ,3 Lassafieber,,,,,, Läuserückfallfieber,,,,,, Legionellose 28,3 41,4 44,4 64,6 7,7 97,9 Lepra,,, 1, 1, 1, Leptospirose 5,1 14,1 8,1 11,1 12,1 9,1 Listeriose 25,2 27,3 35,3 41,4 68,6 72,7 Marburgfieber,,,,,, Masern 694 6,4 41,4 32,3 16,2 22, ,1 Meningokokken 76,7 87,8 74,7 68,6 54,5 53,5 Milzbrand,,,,,, MRSA Norovirus 343 3, , , , , ,9 Ornithose 4, 4, 5,1 5,1,, Paratyphus 11,1 15,1 13,1 19,2 12,1 19,2 Pest,,,,,, Poliomyelitis,,,,,, Q-Fieber 82,8 22,2 21,2 72,7 34,3 97,9 Rotavirus , , , , , ,9 Salmonellose , , , , , ,2 SARS,,,,,, Shigellose 265 2,5 17 1,6 94, , , ,3 Tollwut,,,, 1,, Tollwutexpositionsverdacht,,,,,, Trichinellose, 2, 3,,,, Tuberkulose 891 8, , , ,2 73 6, ,9 Tularämie 2, 1, 2, 2, 1,, Typhus 11,1 12,1 13,1 12,1 19,2 12,1 VHF, andere Erreger,,,,, 8,1 Yersiniose 559 5, , , , , ,2 * Übermittlungen pro 1 Einwohner kursiv = keine Übermittlungen 1 Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

13 Tabelle 3: An das LGA übermittelte meldepflichtige Krankheiten (ohne WBK ) Meldekategorie Anzahl Inzidenz* Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Anzahl Inzidenz Adenovirus 43,4 15,1 27,3 38,4 65, ,2 Botulismus 1, 2, 1,, 2,, Brucellose 5,1 9,1 2, 2, 3, 5,1 Campylobacter , , , , , ,2 Cholera,,,, 1,, CJK 18,2 22,2 12,1 22,2 22,2 13,1 Clostridium difficile 6,1 39,4 47,4 89, , ,1 Denguefieber 35,3 57,5 47,4 87,8 42, , Diphtherie,, 2, 3,, 3, E.-coli-Enteritis 34 2, , , , ,7 38 2,9 Ebolafieber,,,,,, EHEC/STEC 88,8 69,6 74,7 73, ,7 12 1, Fleckfieber,,,,,, FSME 96,9 13 1, , ,1 21 1,9 72,7 Gelbfieber,,,,,, Giardiasis 583 5, , , , ,5 55 5,1 Haemophilus influenzae 22,2 35,3 41,4 3,3 48,5 49,5 Hantavirus 191 1,1 72,7 83, , , ,7 Hepatitis A 19 1, 18 1, 77,7 63,6 72,7 88,8 Hepatitis B 114 1,1 93,9 8,7 68,6 59,6 61,6 Hepatitis C , , , , , ,6 Hepatitis D 1, 1, 1, 4,,, Hepatitis E 1,1 9,1 9,1 28,3 21,2 41,4 Hepatitis Non A-E,,,,,, HUS 12,1 13,1 1,1 15,1 36,3 14,1 Influenza , , , , , ,9 Kryptosporidiose 16 1, 68,6 56,5 41,4 52,5 64,6 Lassafieber,,,,,, Läuserückfallfieber,,,,,, Legionellose 79,7 87,8 9, ,6 16 1, 11,9 Lepra,,,,,, Leptospirose 27,3 13,1 18,2 13,1 14,1 12,1 Listeriose 55,5 45,4 66,6 62,6 44,4 63,6 Marburgfieber,,,,,, Masern 19, ,6 67, , ,9 2,2 Meningokokken 56,5 51,5 46,4 33,3 38,4 5,5 Milzbrand,,,,,, MRSA , 292 2, , ,4 Norovirus , , , , , ,5 Ornithose 1, 3, 5,1 2, 3,, Paratyphus 18,2 16,2 12,1 12,1 4, 7,1 Pest,,,,,, Poliomyelitis,,,,,, Q-Fieber 2, ,2 62, ,1 59,6 4,4 Rotavirus , , , , , ,5 Salmonellose , , , , , ,2 SARS,,,,,, Shigellose 123 1,1 97,9 1,9 84,8 84,8 56,5 Tollwut,,,,,, Tollwutexpositionsverdacht,,,,,, Trichinellose,,,,,, Tuberkulose 617 5,7 54 5, 527 4, , 525 4, ,5 Tularämie 11,1 3, 1, 7,1 4, 8,1 Typhus 9,1 6,1 4, 12,1 14,1 8,1 VHF, andere Erreger 5,1 3, 8,1 1,1 5,1 1, Yersiniose 254 2, , 18 1, ,2 18 1, ,3 * Übermittlungen pro 1 Einwohner kursiv = keine Übermittlungen Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 11

14 12 Anzahl Übermittlungen 1 Norovirus 8 6 Campylobacter 4 2 Salmonellose Meldejahr Abb. 2: Die drei am häufigsten nach IfSG übermittelten Infektionskrankheiten, Baden-Württemberg Die drei häufigsten bermittlungen aus Baden- Württemberg betrafen die Durchfallerreger oroviren, amplobacter sowie Salmonellen. Bei der Zunahme der orovirus-erregernachweise flieen zwei rsachen ein. Im Beobachtungszeitraum haben sich die diagnostischen erfahren erheblich verbessert, weshalb sie auch häufiger angewandt werden. Die höhere Inzidenz ist deshalb teilweise auf diese veränderte Diagnostik zurückzuführen. Daneben kam es zu einer echten Zunahme von Durchfallerkrankungen durch oroviren der enogruppe II. 2.3 Orientierende Übersicht nach Landkreisen, Alter und Geschlecht Tabelle 4 zeigt die altersspezifischen Inzidenzen über alle Landkreise, für die Regierungsbezirke sowie für Baden-Württemberg. Der Stadtkreis Baden-Baden fällt mit hohen Inzidenzraten vor allem bei den Säuglingen und Kleinkindern sowie bei den älteren Erwachsenen auf. Allerdings ist Baden-Baden der Kreis mit der kleinsten Einwohnerzahl, so dass die Inzidenzraten nur durch relativ kleine Zahlen und damit eher ungenau geschätzt werden können. Besonders niedrige Raten wurden im Schwarzwald-Baar- Kreis beobachtet. 12 Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

15 Tabelle 4: Übermittelte Meldungen je 1 Einwohner (Inzidenz) nach Stadt- und Landkreisen und Altersgruppen, 211 (ohne weitere bedrohliche Krankheit ) Altersspezifische Inzidenzen Kreise Inzidenz Regierungsbezirk Freiburg 33, ,43 457,13 264,96 218,76 282, 271,85 22,3 181,19 194,43 215,27 363,58 LK Breisgau-Hochschwarzwald 336, ,94 244,5 276,91 27,45 472,46 379,94 232,9 256,28 244,63 288,81 375,14 LK Emmendingen 274,1 122,37 385,43 147,88 23,84 344,1 235,38 282,41 166,67 27,43 24,93 294,21 LK Konstanz 316, ,49 397,97 159,26 223,71 228,11 212,73 227,5 184,68 192,16 24,1 57,18 LK Lörrach 312,16 182,27 228,58 262,45 222,67 229,67 226,19 219,83 149,24 214,77 21,93 442,23 LK Ortenaukreis 312,53 153,64 861,54 429,88 26,24 232,7 25,62 179,88 142,73 185,48 183,62 324,97 LK Rottweil 191,3 742,99 37,46 125,93 138,84 186,36 18,49 135,93 13,66 161,47 148,1 237,78 LK Schwarzwald-Baar-Kreis 254,1 1298,4 653,67 168,8 144,68 234,63 193,78 172,69 149,54 12,79 16,88 36,29 LK Tuttlingen 28,17 129,32 324,63 219,78 3,4 244,35 227,22 195,6 23,24 162,32 214,23 36,75 LK Waldshut 35,96 285,35 278,9 237,12 122,3 292,25 327,94 187, 15,14 148,22 191,87 375,67 SK Freiburg i. Breisgau 369,2 1343,4 419,29 41,28 227,95 341,6 411,48 331,45 273,49 272,38 258,9 376,8 Regierungsbezirk Karlsruhe 257,6 971,45 331,3 211,95 215,63 248,6 235, 214,31 175,89 189,82 186,25 324,59 LK Calw 33, ,36 461,14 248,56 392,74 396,8 389,25 269,13 244,31 25,6 147,74 31,92 LK Enzkreis 218,13 123,71 322,69 196,97 135,43 193,39 265,5 185,92 125,91 172,34 153,89 227,6 LK Freudenstadt 32, ,4 429,34 151,95 233,84 268,55 199,2 252,94 124,35 216,67 213,82 512,8 LK Karlsruhe 313, ,15 299,59 281,99 231,23 3,3 25,1 269,36 24,4 29,7 238,16 462,47 LK Neckar-Odenwald-Kreis 187,47 912,67 298,15 51,34 152,49 177,14 165,42 168,96 148,24 116,25 13,38 227,3 LK Rastatt 39, ,83 461,8 262,31 21,97 312,7 265,12 217,65 249,7 231,11 187,89 286,39 LK Rhein-Neckar-Kreis 197,91 333,86 27,82 224,99 192,17 262,74 238,94 186,6 164,34 182,95 146,15 192,6 SK Baden-Baden 376, ,13 697,21 435,92 162,27 431,54 261,98 25,99 227,3 263,26 36,54 395,95 SK Heidelberg 19,47 296,49 156,74 117,32 136,63 196,7 22,16 28,25 157,35 172,14 186,55 22,54 SK Karlsruhe 279,34 11,69 335,1 17,97 273,72 23,74 225,75 227,3 158,74 231,33 22,3 49,52 SK Mannheim 241,32 818,23 293,47 184,16 227,66 25,48 214,95 183,73 158,16 124,46 28,99 398,42 SK Pforzheim 238,59 153,3 35,68 171,38 175,8 21,21 137,38 178,33 149,82 197,34 168,7 293,27 Regierungsbezirk Stuttgart 281,3 143,78 447,13 234,24 28,6 238,57 232,1 178,49 161,29 168,72 21,63 355,17 LK Böblingen 248, ,26 391,94 114,73 15,12 242,49 21,88 172,6 177,69 178,6 152,54 266,97 LK Esslingen 262, ,51 444,89 265,43 226,3 29,42 211,8 189,81 165,34 149,44 133,38 279,56 LK Göppingen 239, ,34 29,93 13,48 143,25 234,71 281,43 183,59 139,83 158,43 195,73 272,25 LK Heidenheim 27,4 177,25 59,8 143,33 118,6 227, 137,27 264,44 186,15 185,96 193,52 27,57 LK Heilbronn 331, ,67 489,29 27,76 342,6 277,14 234,96 148,61 187,48 213,8 313,14 515,1 LK Hohenlohekreis 38,4 1714,5 465,75 244,34 362,1 424,6 381,8 23,63 221,79 223,26 386,14 459,7 LK Ludwigsburg 166,98 594,79 262,87 19,42 11,71 151,18 175,76 116,84 94,87 111,12 133,72 224,14 LK Main-Tauber-Kreis 24, ,7 236,13 229,29 219,89 266,92 235,75 176,5 12,36 214,47 22,64 247,22 LK Ostalbkreis 39, ,85 523,18 26,7 248,56 344,68 262,5 151,36 174,55 178,75 144,9 236,53 LK Rems-Murr-Kreis 293,47 179,55 592,91 255, 18,53 261,54 187,99 162,88 167,8 144,65 26,7 361,37 LK Schwäbisch Hall 375,7 2241,27 724,56 374,78 311,97 335,81 282,59 23,45 217,12 167,7 249,62 41,3 SK Heilbronn 367, ,5 49,25 26,97 26,87 1,23 34,34 269,8 263,43 29,54 35,69 648,56 SK Stuttgart 326, ,73 495,73 363,71 222,3 28,11 247,82 28,33 145,42 187,34 257,52 575,7 Regierungsbezirk Tübingen 275,56 128,33 362,38 23,41 24,29 25,54 259,68 25,26 183,11 188,7 188,29 35,15 LK Alb-Donau-Kreis 273, ,36 258,2 255,96 229,71 236,18 27,17 29,27 192,39 129,9 173,24 379,74 LK Biberach 287,56 866,34 342,25 221,22 226,49 325,1 251,82 226,18 248,57 221,46 26,66 345,68 LK Bodenseekreis 325,65 232,24 554,71 253,99 333, 26,13 335,25 24,33 18,28 27,14 22,6 284,83 LK Ravensburg 284, ,14 314,94 314,1 26,31 314,17 213,55 25,32 178,5 224,29 227,6 292,1 LK Reutlingen 223, ,9 328,14 132,52 129,89 199,47 225,58 139,56 13,94 143,47 148,43 288,45 LK Sigmaringen 248, ,5 359,65 195,31 241,11 225,59 278,5 175,81 195,55 23,15 174, 131,16 LK Tübingen 29,48 671,21 323,23 149,82 211,18 214,94 249,18 221,65 164,93 14,84 135,69 226,12 LK Zollernalbkreis 351,1 162,14 587,81 354,32 276,54 36,55 329,84 259,46 197,3 252,83 228,22 412,52 SK Ulm 34, ,17 351,63 167,26 335,51 163,1 231,25 233,45 25,36 198,67 194,6 362,76 Baden-Württemberg 278,7 1292,27 46,32 234,61 218,9 252,43 245,41 2,8 172,74 182,9 198,2 34,92 Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 13

16 Tabelle 5: Übermittelte Meldungen je 1 Einwohner (Inzidenz) nach Stadt- und Landkreisen und Altersgruppen, 212 (ohne weitere bedrohliche Krankheit ) Altersspezifische Inzidenzen Kreise Inzidenz Regierungsbezirk Freiburg 274, ,61 288,45 147,97 186,71 242,93 246,93 223,84 16,14 191,3 215,27 325,34 LK Breisgau-Hochschwarzwald 317, ,87 227,22 167,6 263,69 394,89 22,36 297,37 19,45 252,69 256,32 369,97 LK Emmendingen 252,59 963,11 212,65 12,38 128,74 299,7 35,99 254,17 159,26 257,22 252,98 23,25 LK Konstanz 195,69 131,13 211,69 123,6 176,26 178,52 26,98 157,98 119,62 136,53 144, 138,32 LK Lörrach 257, ,84 447,23 221,44 191,95 213,83 129,25 129,54 12,44 145,19 219,72 283,3 LK Ortenaukreis 226, ,88 21,26 122,82 162,65 24,61 165,66 182,2 132,64 156,45 212,23 263,7 LK Rottweil 232,84 18,72 322,83 88,15 92,56 223,63 216,98 194,19 121,95 156,42 119,82 379,53 LK Schwarzwald-Baar-Kreis 31,84 193,5 37,41 177,42 11,64 226,54 235,91 261,25 158,89 154,34 192,16 443,69 LK Tuttlingen 295, ,58 324,63 181, 175,2 171,4 328,2 189,29 198,52 141,38 191,28 336,43 LK Waldshut 372, ,51 329,61 194,1 335,57 32,68 338,87 247,5 212,4 3,55 29,71 563,5 SK Freiburg i. Breisgau 352,62 168,16 353,8 17,97 227,95 258,1 378,38 334,52 233,66 259,25 278,74 49,41 Regierungsbezirk Karlsruhe 249,28 974,11 242,13 15,1 181,98 257,76 245,44 195,62 171,11 19,82 194,88 329,91 LK Calw 256,18 174,69 217,1 135,58 212,29 297,6 316,26 246,22 187,93 179,43 29,3 272,57 LK Enzkreis 254,75 111,46 133,53 17,44 177,76 257,85 285,92 2,22 179,87 189,57 197,17 37,27 LK Freudenstadt 298,28 143,37 232,56 75,98 26,33 49,89 336,8 215,74 233,77 233,78 299,35 372,93 LK Karlsruhe 316, ,17 32,25 145,4 21,59 324,98 343,23 241,43 217,65 215,22 26,26 447,16 LK Neckar-Odenwald-Kreis 236,73 12,15 223,61 51,34 164,22 259,8 229,4 294,12 172,28 214,62 18,91 227,3 LK Rastatt 344,2 1915,84 431,68 211,54 23,16 328,74 361,53 237,44 29,74 236,81 28,77 43,97 LK Rhein-Neckar-Kreis 143,94 184,5 141,66 129,9 153,74 172,94 189,16 139,54 17,41 137,53 121,24 172,97 SK Baden-Baden 411,3 173,3 498,1 35,14 22,84 313,85 261,98 197,2 36,85 338,47 418,23 545,53 SK Heidelberg 145,2 197,66 97,96 19,55 75,91 222,21 12,9 189,74 91,1 172,14 149,24 137,84 SK Karlsruhe 295,14 192,54 194, 222,26 235,71 266,11 266,8 219,79 22,12 228,79 284,6 384,21 SK Mannheim 198,14 764,7 31,62 222,53 137,98 21,1 181,24 93,3 19,94 14,6 169,4 33,24 SK Pforzheim 324, ,78 313,77 25,68 27,77 264,8 162,36 253,77 23,33 185,38 16,6 488,78 Regierungsbezirk Stuttgart 257, ,57 32,55 153,1 169,52 221,23 26,18 188,93 168,15 172,11 182,69 362,91 LK Böblingen 239,3 1268,66 285,55 149,65 15,12 164,9 173,39 189,27 165, 14,19 175,42 292,92 LK Esslingen 258,7 1355,19 424,1 16,75 168,62 216,29 225,25 213,14 194,5 171,79 153,21 243,82 LK Göppingen 269,44 161,32 246,85 13,48 143,25 269,23 339,15 2,91 241,8 233,48 242,85 282,25 LK Heidenheim 333, ,38 186,66 229,32 249,25 347,18 315,72 271,4 291,16 239,9 25,86 383,56 LK Heilbronn 277,13 196,77 324,8 169,89 216,65 219,62 216,85 183,88 18,41 215,89 216,79 438,31 LK Hohenlohekreis 333, ,76 388,12 276,92 211,23 219,62 238,63 258,46 149,71 26,47 169,52 497,87 LK Ludwigsburg 133,39 266,2 26,25 69,58 91,19 185,54 152,1 16,36 13,9 15,56 16,25 183,27 LK Main-Tauber-Kreis 211,29 781,86 185,53 171,97 232,83 24,22 152,54 183,29 28,32 154,62 111,8 238,6 LK Ostalbkreis 244, ,51 264,9 143,1 169,23 21,4 21,78 17,62 152,73 154,17 94,5 336,35 LK Rems-Murr-Kreis 36, ,44 448,55 161,5 155,34 29,23 187,99 187,62 143,21 134,56 217,94 591,33 LK Schwäbisch Hall 321,4 257,56 389,32 252,97 261,38 282,79 22,77 212,49 165,27 149,86 255,5 37,76 SK Heilbronn 275, ,68 551,6 137,98 222,79 212,98 257,52 29,84 129,13 149,67 188,12 342,74 SK Stuttgart 289, ,83 295,77 157,6 156, 232,3 182,39 26,25 17,15 222,23 237,71 519,88 Regierungsbezirk Tübingen 237,58 981,93 196,59 123,29 164,26 241,93 252,37 185,2 178,14 199,51 176,17 284,2 LK Alb-Donau-Kreis 247,7 17,14 134,17 141,22 144,63 262,42 37,43 2,37 164, 18,73 194,89 345,9 LK Biberach 174,12 528,8 124,46 7,79 21,33 213,82 26,81 119,74 156,16 13,35 128,46 222,77 LK Bodenseekreis 291,8 1896, 435,7 117,92 216,45 193, 24,69 2,25 183,19 159,6 243,95 297,8 LK Ravensburg 22,58 689,71 172,47 138,16 124,24 319,99 251,24 175,13 154,73 213,98 152,55 281,76 LK Reutlingen 183,97 751,63 122,1 72,89 8,41 14,8 194,25 151,69 124,61 187,99 116,62 267,35 LK Sigmaringen 244, ,33 31,61 182,29 144,67 25,66 333,66 175,81 182,21 267,31 174, 136,4 LK Tübingen 249,12 671,21 161,55 149,82 162,44 252,55 261,5 217,83 231,43 239,73 216,1 293,95 LK Zollernalbkreis 298, ,11 23,93 161,98 24,86 324,59 229,89 259,46 278,16 263,51 152,15 324,12 SK Ulm 267, ,12 195,35 92,92 251,64 228,34 241,3 183,43 147,44 186,25 251,36 38,32 Baden-Württemberg 255, ,41 273,41 145,98 175,21 238,95 232,34 196,79 168,96 185,56 191,37 333,75 14 Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

17 Norovirus Campylobacter Rotavirus Influenza Salmonellose Hepatitis C Giardiasis Tuberkulose Masern E.-coli-Enteritis MRSA FSME EHEC/STEC Yersiniose weiblich männlich Übermittlungen pro 1 Einwohner und Jahr nach Geschlecht Abb. 3: Geschlechtsspezifische Inzidenzen der häufigsten Infektionskrankheiten, Baden-Württemberg, 211 Norovirus Campylobacter Rotavirus Hantavirus Salmonellose Influenza Hepatitis C Tuberkulose Giardiasis Adenovirus E.-coli-Enteritis MRSA Legionellose Yersiniose weiblich männlich Übermittlungen pro 1 Einwohner und Jahr nach Geschlecht Abb. 4: Geschlechtsspezifische Inzidenzen der häufigsten Infektionskrankheiten, Baden-Württemberg, 212 Männer sind von den häufigsten Infektionskrankheiten insgesamt häufiger betroffen als Frauen. Ausnahmen hiervon sind Norovirus-Erkrankungen sowie EHEC-Erkrankungen im Ausbruchsjahr 211 und Influenza-Erkrankungen im Jahr 212. Die genauen Angaben zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden sind im jeweiligen Unterkapitel von Epidemiologische Daten zu ausgewählten Infektionskrankheiten angegeben. Bei den Noroviren wurde die Referenzdefinition inso- Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 15

18 fern geändert (s. S. 8), dass für alle Jahre nur die klinisch-labordiagnostisch bestätigten Erkrankungen mitgezählt werden. Die tatsächlich an das LGA übermittelte Anzahl der Norovirus-Meldungen liegt deutlich höher, die Inzidenz für Männer liegt nach alter Referenzdefinition (galt bis 21) bei 62,1 und die für Frauen bei 1,9 Erkrankungen pro 1 Einwohner des jeweiligen Geschlechts. 6 Anzahl Übermittlungen Salmonellose Influenza Rotavirus Campylobacter Norovirus Altersgruppen Abb. 5: Häufigste Infektionskrankheiten nach Altersgruppen, Baden-Württemberg Anzahl Übermittlungen Hantavirus Salmonellose Rotavirus Campylobacter Norovirus Altersgruppen Abb. 6: Häufigste Infektionskrankheiten nach Altersgruppen, Baden-Württemberg Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

19 Die Rangfolge der häufigsten übermittelten Erkrankungen ändert sich mit dem Alter deutlich. Rotaviren fallen bei den Kleinsten am deutlichsten ins Auge (8 Erkrankungen pro 1 bei den unter 3-Jährigen). In der ältesten Gruppe stehen die Noroviren im Vordergrund (2 Erkrankungen pro 1 bei den über 7-Jährigen). 2.4 Todesfälle In den Jahren wurden an das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Rahmen der IFSG-Meldungen insgesamt 3 Todesfälle durch meldepflichtige Infektionskrankheiten übermittelt. Zu den Meldekategorien mit den meisten Todesfallmeldungen gehörten die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, Clostridium difficile und Legionellose. Von 21 bis 26 waren die meisten Todesfälle im Rahmen der IfSG-Meldungen auf Tuberkulose-Erkrankungen zurückzuführen. Mit Einführung neuer Meldekategorien im Jahr 213 kamen andere Infektionen mit mehr Todesfallmeldungen hinzu, darunter Clostridium difficile und MRSA (Meldepflicht 29 eingeführt). Aber auch Todesfallmeldungen mit Bezug zu Influenza und Legionellosen haben zugenommen. Die amtliche Todesursachenstatistik des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg weist erheblich mehr Todesfälle an infektiösen und parasitären Krankheiten (A-B99) aus, als im infektionsepidemiologischen Meldewesen übermittelt werden. Zum einen, weil hier auch Todefälle durch Infektionskrankheiten, die nicht über das IfSG-Meldesystem erfasst werden, berücksichtigt sind und zum anderen, weil Todesfälle durch meldpflichtige Infektionserkrankungen nicht immer im engen zeitlichen Zusammenhang mit der Diagnosestellung und einer IfSG-Meldung auftreten können. Die Information über solche Sterbefälle erreicht die Gesundheitsämter nach Abschluss ihrer Ermittlungen häufig nicht. Für Baden-Württemberg weist die amtliche Todesursachenstatistik für das Jahr 211 insgesamt Sterbefälle durch infektiöse und parasitäre Krankheiten aus (Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 212). Im Rahmen der IfSG-Meldungen wurden davon 162 Todesfälle erfasst. Dieser Unterschied erklärt sich durch die unterschiedlichen Ziele beider Erfassungswege. Der Schwerpunkt des infektionsepidemiologischen Surveillance liegt bei einer schneller Handlungsfähigkeit durch Beobachtung von Neuerkrankungen durch bestimmte Infektionen. Dagegen geht es bei der Todesursachenstatistik um eine möglichst vollständige Erfassung aller Todesfälle und des gesamten Todesursachenspektrums. CJK Clostridium difficile Legionellose MRSA Haemophilus influenzae Meningokokken Listeriose HUS Tuberkulose Hepatitis B Kryptosporidiose EHEC/STEC Shigellose Influenza Hepatitis C FSME Norovirus Salmonellose Campylobacter 11,1 % 9, % 8,2 % 8, % 5,6 % 4, % 1,9 % 1,7 %,9 %,8 %,7 %,6 %,4 %,4 %,1 %, % (2 von 411), % (1 von 1282) 43,1 % 74,3 % Anteil der Todesfälle pro Meldekategorie in Prozent Abb. 7: Anteile der Todesfälle pro Meldekategorie, Baden-Württemberg Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 17

20 Tabelle 6: Übermittelte Todesfälle an meldepflichtigen Infektionskrankheiten Meldekategorie Anzahl Todesfälle 211 Gesamtzahl in dieser Meldekategorie 211 Anteil Verstorbener an den Übermittlungen 211 Anzahl Todesfälle 212 Anteil Verstorbener an den Gesamtzahl in dieser Meldekategorie 212 Übermittlungen 212 Campylobacter 6435, , CJK , ,3 Clostridium difficile , ,2 EHEC/STEC 2 295, , FSME 1 21,5 72, Haemophilus influenzae , ,2 Hepatitis B , ,6 Hepatitis C 782, 6 823,7 HUS ,6 14, Influenza , ,4 Kryptosporidiose 52, ,6 Legionellose , ,9 Listeriose , ,2 Meningokokken , , MRSA , ,2 Norovirus , ,1 Salmonellose , ,1 Shigellose 84, ,8 Tuberkulose , ,6 Gesamtzahl (nur Meldekategorien mit Todesfällen) Betrachtet man die in der infektionsepidemiologischen Surveillance erfassten Todesfälle, so standen im Zeitraum mit 19 Todesfällen mehr als ein Drittel aller übermittelten Todesfälle im Zusammenhang mit Meldungen zu Clostridium difficile. Von allen gemeldeten Erkrankungsfällen durch Clostridium difficile war fast jeder zweite mit einer Todesmeldungen verbunden. Mit 45 Todesfällen durch MRSA-Infektionen gehörte fast jeder sechste der übermittelten Todesfälle in diese Kategorie. Bei 8 bis 1 % aller gemeldeten MRSA-Fälle kam auch eine Todesfallmeldung. Weitere 27 Todesfälle wurden im Zusammenhang mit Influenza bekannt, das waren weniger als 1 % aller Influenzameldungen.Bei 26 übermittelten Todesfällen war die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) Todesursache. Bei dieser Meldekategorie sind die meisten der gemeldeten Fälle auch Todesfälle. An fünfter Stelle folgen 23 Todesfälle durch Legionellosen. Hier sind vor allem ältere oder abwehrgeschwächte Menschen oder Patienten mit chronischen Erkrankungen sowie Raucher gefährdet. Europaweit wird versucht, die Gefährdung durch Legionellen zu reduzieren, indem mögliche oder vermutete Infektionsquellen wie z. B. Hotels und Schwimmbadanlagen über ein Europäisches Netzwerk (ELDSNet) erfasst und an die zuständigen Gesundheitsbehörden auch in anderen Ländern weitergeleitet werden. So können vor Ort Wasseruntersuchungen und gegebenenfalls eine Sanierung von solchen Einrichtungen veranlasst werden. Abbildung 8 zeigt die Todesfälle an infektiösen und parasitären Krankheiten (A-B99) 211 aus der Todesursachenstatistik des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg. Die Daten für 212 waren im Zeitraum der Berichterstellung noch nicht verfügbar. Abbildung 9 zeigt die im Rahmen der IfSG-Meldepflicht übermittelten Todesfälle der Jahre 211 und 212. Beide Abbildungen weisen zwar andere Dimensionen, dennoch aber die gleiche altersspezifische Verteilung mit deutlich mit dem Alter ansteigenden gemeldeten Raten an Todesfällen auf. 18 Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

21 12 1 pro 1 Einwohner männlich weiblich 8 6 Todesfälle aus der Todesursachenstatistik Altersgruppe Abb. 8: Altersspezifische Mortalitätsraten durch infektiöse und parasitäre Krankheiten aus der Todesursachenstatistik 5, Baden-Württemberg pro 1 Einwohner männlich weiblich 1 Todesfälle aus den IfSG-Daten Altersgruppe Abb. 9: Altersspezifische Raten von (nach dem IfSG) übermittleten Todesfällen durch meldepflichtige Infektionskrankheiten, Baden-Württemberg Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 19

22 3. Epidemiologische Daten zu ausgewählten Infektionskrankheiten Dieses Kapitel enthält zu jeder aufgeführten meldepflichtigen Krankheit eine kurz gefasste Beschreibung des Erregers und des hierdurch hervorgerufenen Krankheitsbildes sowie die entsprechenden infektionsepidemiologischen Daten. Die Beschreibungen orientieren sich an den Steckbriefen des RKI. Das Infektionsgeschehen in Baden- Württemberg ist im Bericht wie folgt dargestellt: - Anzahl der Fälle pro 1 Einwohner (Bevölkerung 211) und Jahr in Zeitreihen Teilweise kurze Beschreibungen von Ausbrüchen. Darstellung der übermittleten Erkrankungsfälle nach Alter und Geschlecht. Übersicht des zeitlichen Verlaufs, d. h. ein Vergleich der Fälle der Jahre 211 und 212 mit der Streubreite der übermittelten Erkrankungen (zumeist) aus den Jahren Geografische Verteilung der Erkrankungsfälle bzw. der Infektionsorte bei einigen Erkrankungen. Besondere Ausbrüche im Kapitel 5 Ausgewählte Häufungen in Baden-Württemberg Erkrankungen / 1. Einwohner 3.1 Ausgewählte Magen-Darm-Infektionen Magen-Darm-Infektionen betreffen in deutlich erhöhtem Maße Säuglinge und Kleinkinder. Aus Einrichtungen wie Kinderkrippen und Kindergärten werden häufig Krankheitsausbrüche gemeldet. Im Erwachsenenalter spielen Meldungen zu Magen- Darm-Infektionen eine geringere Rolle. Erst bei Menschen ab 7 Jahren steigt die Inzidenz erneut stark an. Flüssigkeits- und Elektrolytverluste führen zwangsläufig oft zu Krankenhausaufhalten. Bei Säuglingen und Kindern bis vier Jahren stellen Magen-Darm-Infektionen 93 % aller Meldungen dieser Altersgruppen dar. Für den Großteil sind Noroviren, Rotaviren, Campylobacter und Salmonellen verantwortlich. Auch Erkrankungen durch enteropathogene E. coli einschließlich EHEC und Yersinien sowie Parasiten wie Giardien und Kryptosporidien spielen ein wichtige Rolle. Auffällig ist der hohe Anteil der Rotavirus-Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern bis zu einem Jahr. Er macht 54 % der insgesamt von übermittelten Durchfallerkrankungen dieser Altersgruppe aus. Noroviren sind bei den Patienten ab 7 Jahren für 71 % der übermittelten Magen-Darm-Infektionen verantwortlich. Gerade ältere Menschen sind besonders von Norovirus-Ausbrüchen in Krankenhäusern, Altenheimen und Altenpflegeheimen betroffen. andere (EHEC, Yersiniose, Giardiasis, Kryprosporidiose, HUS, Shigellose, weitere bedrohliche Krankheit (gastro)) Campylobacter E.-coli-Enteritis Salmonellose Norovirus Rotavirus Altersgruppen Abb. 1: Übermittelte Magen-Darm-Infektionen pro 1 Einwohner und Jahr nach Altersgruppen, Baden-Württemberg, gemittelt über Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

23 3.1.1 Campylobacter-Enteritis Campylobacter-Bakterien sind neben den Salmonellen die häufigsten Verursacher von bakteriellen Durchfallerkrankungen. Die wichtigsten humanpathogenen Spezies sind Campylobacter jejuni, Campylobacter coli und Campylobacter lari. Vorkommen: Reservoir: Infektionsweg: Inkubationszeit: Dauer der Ansteckungsfähigkeit: Klinische Symptomatik: Vorbeugung: Weltweit, vor allem in einem Sommergipfel während der warmen Jahreszeit. Verschiedene warm- und wechselblütige Tiere: Geflügel, Rinder, Schweine, Vögel. Verzehr von kontaminierten oder infizierten Nahrungsmitteln: Kontaminiertes Geflügelfleisch und -produkte stellen die Hauptinfektionsquelle dar. Campylobacter bewirken weder einen sichtbaren Verderb der Lebensmittel, noch kann man sie am Geruch erkennen. Im Zusammenhang mit verschiedenen Ausbruchssituationen wurde Rohmilch als Infektionsquelle beschrieben. Trinkwasserassoziierte Ausbrüche wurden in Skandinavien beschrieben. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch (fäkal-oral) ist wegen der geringen Infektionsdosis möglich, jedoch selten. Die Erreger sind umweltlabil und können sich im Gegensatz zu Salmonellen und pathogenen E. coli außerhalb des Wirtsorganismus nicht vermehren. 2-5 Tage, in Einzelfällen 1-1 Tage. Die Patienten sind infektiös, solange Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Die mittlere Ausscheidungsdauer beträgt 2-4 Wochen. Das Spektrum der Erkrankungen durch diese Bakterien reicht von der akuten Gastroenteritis und Colitis (mit breiigen bis wässrigen, gelegentlich auch blutigen Stühlen, häufig begleitet von Fieber und Müdigkeit, Krankheitsdauer 1-7 Tage) über die systemische Erkrankung mit Bakteriämie und Vaskulitiden (Entzündung der Blutgefäße) bis hin zur immunpathologischen Erkrankung wie Guillain-Barré-Syndrom (Nervenerkrankung mit Lähmungserscheinungen) und reaktive Arthritis. Gute Küchenhygiene, insbesondere bei der Zubereitung von Geflügelfleisch. Ein typischer Sommergipfel fällt mit der Grillsaison zusammen. Geflügelfleisch muss beim Grillen oder Braten stets durcherhitzt werden. ZEITREIHE Erkrankungen durch Campylobacter-Infektionen sind mit übermittelten Erkrankungen in den Jahren die häufigste meldepflichtige Durchfallerkrankung in Baden-Württemberg. Durch die neuen Übermittlungsmodalitäten und den geänderten Falldefinitionen fallen die Noroviren weiter zurück. Die Inzidenz für 212 betrug 59,2 Erkrankungen pro 1 Einwohner. 211 lag sie bei 59,7 Erkrankungen pro 1 Ein- wohner. Im deutschlandweiten Vergleich waren die Inzidenzen für Baden-Württemberg jedes Jahr niedriger als die bundesweiten Inzidenzen. Bundesweit ist seit 21 eine Zunahme zu verzeichnen. Wie Abbildung 11 zeigt, lag Baden- Württemberg meist im bundesweiten Trend. Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 21

24 9 Erkrankungen / 1 Einwohner Meldejahr Abb. 11: Übermittelte Campylobacter-Erkrankungen pro 1 Einwohner und Jahr von 21 bis 212, Baden-Württemberg (Säulen) und Deutschland (Linie) ALTERS- UND GESCHLECHTSVERTEILUNG 12 Erkrankungen / 1 Einwohner 1 männlich weiblich Altersgruppe Abb. 12: Übermittelte Campylobacter-Erkrankungen pro 1 Einwohner und Jahr nach Alter und Geschlecht, Baden-Württemberg, gemittelt über die Jahre Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

25 Campylobacter-Infektionen haben zwei Altersgipfel. Überdurchschnittlich häufig werden Erkrankungen bei Kindern unter vier Jahren gemeldet. In dieser Altersgruppe lag die Inzidenz, gemittelt über die Jahre , bei 67 Erkrankungen pro 1. Auch Erkrankungen bei jungen Erwachsenen zwischen 2 und unter 3 Jahren waren mit 92 Erkrankungen pro 1 relativ häufig. Mit zunehmendem Alter sinkt die Inzidenz der übermittelten Erkrankungen. SAISONALER VERLAUF Campylobacter-Erkrankungen haben ein Maximum in den Monaten Juli bis September. In Abbildung 13 sind die übermittelten Campylobacter- Erkrankungen pro Meldewoche dargestellt. Die Erkrankungen des Jahres 212 sind als Säulen und die des Jahres 211 als Linie dargestellt. Dahinter liegt die Streubreite der Anzahl übermittelter Erkrankungen aus den Jahren (graue Fläche). 3 übermittelte Erkrankungen / Woche Meldewoche Abb. 13: Übermittelte Campylobacter-Erkrankungen in Baden-Württemberg nach Meldewoche 212 (Säulen), 211 (Linie) und Streubreite der Übermittlungen in den Jahren 21 bis 21 (Fläche) Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 23

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