Jahresbericht Biotechnet 2011

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1 Jahresbericht Biotechnet 2011 When the knowledge base of an industry is both complex and expanding and the sources of expertise are widely dispersed, the locus of innovation will be found in networks of learning, rather than in individual firms. Diese Aussage von Walker W. Powell, Professor für Soziologie an der University of Arizona, trifft besonders auf die Biotechnologie zu, wo die meisten zukunftsweisenden Entwicklungen an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen entstehen. Im Mai traf sich der Vorstand zu einer zweitägigen Klausur, um die biotechnet- Strategie zu überprüfen. Unter fachlicher Leitung von Prof. René Rüttimann der ZHAW wurde die Erweiterung der Themenplattformen, beispielsweise um eine Plattform Chemie diskutiert. Ein Schwerpunkt galt dem Fokus Asien. Die wachsenden Märkte in China gewinnen massiv an Bedeutung, speziell auch im Bereich Biotechnologie. Es ist dementsprechend wichtig, die Vernetzung und Kontakte mit Hochschulinstituten und der Biotech-Industrie aktiv zu pflegen und zu verstärken. Ebenso im Sinne einer Stärkung des Netzwerks sollen Vorstandssitzungen inskünftig vor Ort bei biotechnet-partnern stattfinden, damit sich die involvierten Institute und ihre Forschungsaktivitäten besser vorstellen können. Ein Symbol für Partnerschaft über die Grenzen ist die Kooperation des Instituts für Biotechnologie an der ZHAW mit der tschechischen Biotechnologiebranche. Es organisierte vom 15. bis 17. Juni 2011 in Prag die BioTech 2011 und das 5. Tschechisch-Schweizerische Symposium, das Innovationen in den Bereichen Pharma und Ernährung sowie Strategien für nachhaltige Bioprozesse vorstellte. Zudem beschlossen die ZHAW und das Institut für Chemische Technologie (ICT) in Prag, ab Herbst 2011 Studenten auf der Master- und Doktorandenstufe auszutauschen. An die 100 Spezialisten der Biotech-Szene trafen sich am 16. Juni 2011 zum 3. Wädenswiler Chemie-Tag, organisiert vom Institut für Chemie und Biologische Chemie (ICBC). Schwerpunkt war die Medizinalchemie. Referenten aus Forschung und Industrie zeigten neueste Trends in der Wirkstoffentwicklung. Der Tag vereinte Expertenwissen aus Medizinalchemie, Informationstechnologie sowie biologisches, orga- 1

2 nisch-synthetisches und materialwissenschaftliches Know-how, Voraussetzung für die Entwicklung neuer Medikamente. Besonderes Interesse galt der von der Fachstelle für Organische Chemie und Medizinalchemie der ZHAW entwickelten Software CyBy2 zur Analyse von komplexen Datensätzen, wie sie in chemischen und biologischen Forschungsprojekten anfallen. Eine zukunftsweisende Partnerschaft gelang der Gruppe um Prof. Dr. Ursula Graf- Hausner am ICBC in Wädenswil. Mit einer Anschubfinanzierung durch die Gebert Rüf Stiftung soll in Wädenswil ein nationales Kompetenzzentrum für physiologisch relevante 3D Zell- und Gewebekulturen entstehen. Das Projekt ist einer der Gewinner der Jahresausschreibung 2010 BREF Brückenschläge mit Erfolg. Das Kernstück bilden die Fachgruppe Tissue Engineering und Zellkulturtechnik der ZHAW und der Industriepartner InSphero AG. Organähnliche humane Gewebemodelle sind ein wichtiges Instrument für die Medikamentenentwicklung und zur Beurteilung von Wirkstoffen. Durch konkrete Forschungsprojekte und Wissenstransfer in einem Netzwerk von Partnern verschiedener Interessengruppen entsteht eine Plattform, welche die Entwicklung und Anwendung alternativer Testmethoden für den Routineeinsatz in der Industrie aktiv mitgestaltet. Das biotechnet verstärkt die Zusammenarbeit aller Partner und trägt zur Umsetzung der Resultate bei. Am 21. Juni 2011 fand in Wädenswil das Kick-off Meeting des Kompetenzzentrums TEDD (Tissue Engineering for Drug Development) statt, um weitere Kompetenzpartner einzubinden und die Kooperation zu starten. (www.icbc.zhaw.ch/tedd). Ein starkes Engagement in diesem Projekt bekundet die DECHEMA, welche mit der ZHAW vom März 2012 im Technopark Zürich das Symposium 3D Cell Culture 2012 organisiert. Im Brennpunkt stehen einerseits fortgeschrittene Zellkulturmodelle für das Testen von Substanzen, das Verstehen von Krankheiten, ADME Arzneimittelprüfungen und industrielle Anwendungen. Anderseits geht es um Schlüsseltechnologien wie Devices für die 3D-Zellkultur, bildgebende Verfahren, Systembiologie und Stammzellen.www.dechema.de/3DCC Die auf eine rege Nachfrage stossende Summer School of Biological Chemistry & Advanced Biotechnology fand auch 2011 statt. Organisator war Prof. Dr. Roderich Süssmuth vom Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin. Vom

3 September trafen sich an der TU Berlin Forschende aus Italien, Deutschland und der Schweiz, um sich über ihre Erfahrungen und die Zukunft der synthetischen Biologie zu unterhalten. Im Brennpunkt stand abschliessend eine lebhafte Diskussion über Bioethik. Sehr gut besucht war wiederum das traditionelle Olten Meeting, das am 23. November den Themen Personalisierte Medizin und Cleantech by Biotech gewidmet war. Professor Thomas Cerny, Chefarzt am Kantonsspital St. Gallen und Präsident der Krebsforschung Schweiz plädierte für personalisierte Behandlungen. Solche, basierend auf dem Verständnis der Krebsbiologie, könnten Millionen von Kre bspatienten weltweit gezielte und effiziente Therapien bieten. Doch dafür sollten Regierungen, Pharma-Unternehmen und die Ärzteschaft die heutige Art der Medikamentenentwicklung überdenken. Dr. Ralph Schiess CEO von ProteoMediX AG ist einer der führenden Spezialisten in personalisierter Medizin. Die Firma entwickelt nicht-invasive Diagnosetests zur Aufdeckung und Beurteilung von Krankheiten und um Patienten sicherere und effizientere Therapien zu verschaffen. Seine Strategie beruht auf neuester Proteomik- Technologie. Die nicht-invasive Diagnostik ist direkt verknüpft mit der Krankheitsursache auf molekularer Basis. Kombiniert werden verschiedene Biomarker, welche die Komplexität einer Krankheit erfassen und so dank gezielter Validierung rasche Zyklen erreichen.?????? Personalisierte Medizin dient für Dr. Timo Wittenberger von Genedata AG dazu, Individuen in Subpopulationen zu unterteilen, welche sich in ihrer Prävalenz für bestimmte Krankheiten oder ihrem Ansprechen auf eine spezifische Behandlung unterscheiden. Damit können wir präventive oder therapeutische Massnahmen auf diejenigen Menschen konzentrieren, die davon profitieren und jenen, die sowieso nicht darauf ansprechen, die Nebenwirkungen ersparen, zudem Kosten im Gesundheitswesen senken. Zum Thema Cleantech by Biotech erinnerte Dr. Anna Bozzi Nising in scienceindustries daran, dass der Bund einen Cleantech Masterplan zur Verbesserung der Res- 3

4 sourceneffizienz und Förderung erneuerbarer Energien erarbeitet. Der Ressourcenverbrauch soll auf ein naturverträgliches Mass reduziert und die Schweiz in Cleantech und Cleantech Innovation führend werden. sciencindustries und die Swiss Biotech Association vereinen ihre Anstrengungen, um die industrielle Biotechnologie in der Schweiz zu etablieren. Professor Fabian Fischer der HES-SO in Sion stellte sein Projekt vor, Phosphat aus Klärschlamm wiederzugewinnen dank einer mikrobiellen Brennstoffzelle. Diese soll auch die Schwermetalle aufnehmen, sodass sich der verbleibende Schlamm direkt als Dünger in der Landwirtschaft nutzen lässt. An der ZHAW Wädenswil geht Professor Karin Kovar neue Wege in der Kultivierung von Mikroalgen in sehr hohen Zelldichten. Zwar liefert neueste Forschung viel Information über die Kultivierung von Mikroalgen unter photoautotrophen Bedingungen, doch ist die Herstellung hochwertiger Verbindungen mit Mikroalgen in konventionellen Edelstahl-Rührbioreaktoren weitgehend unerforscht. Frau Kovars neues Vorgehen erlaubt, ein pflanzenähnliches Material in einer von Wetter und Jahreszeiten unabhängigen Qualität herzustellen. Die Substanzen aus Mikroalgen-Biomasse erschliessen Anwendungen in der Pharma-, Lebensmittel-, Tiernahrungs- und Kosmetik-Industrie. Ein besonderes Highlight des Jahres 2011 war die Akzeptanz diverser Netzwerkprojekte durch die KTI im Betrag von insgesamt 2,5 Mio. CHF. Auf der Ausbildungsseite ergriffen die Partner im biotechnet Netzwerk verschiedene Initiativen, massgeschneidert auf die Bedürfnisse der Industrie. Angesichts der dringenden Nachfrage nach Fachleuten in Mikro- und Nanotechnologie entstand in einem gemeinsamen Projekt durch die ZHAW, die Empa St. Gallen, das NTB Buchs und die Fachhochschule Vorarlberg ein nebenberufliches Master-Programm. In einer grenzübergreifenden Aktion bieten die Universitäten von Strassburg, Basel und Freiburg neu einen Master of Science in Biotechnologie an. Angesichts des grossen Erfolges der für die Roche-Mitarbeitenden massgeschneiderten Ausbildungsangebote, organisierte die ZHAW Wädenswil vom

5 einen Kurs über Säugerzellkultivierung. Prof. Dr. Regine Eibl betreute die Themen Upstreamprocessing und Troubleshooing, um den Teilnehmenden theoretische und praktische Grundlagen zur Kultivierung von Säugerzellen in den gängigsten Kultivierungssystemen und Bioreaktoren mit modernen Analyseautomaten für die In- Prozess-Kontrolle zu vermitteln. In dem von Prof. Dr. Christiane Zaborosch geleiteten Kurs ging es darum, Teilnehmende in die Prinzipien des Downstream-Processing in der Produktion von rekombinanten Proteinen einzuführen, damit sie ein DSP- Verfahren planen können. Sie sollen nach absolviertem Kurs in der Lage sein, ein Computer gesteuertes Chromatographiesystem in Betrieb zu nehmen, es zu bedienen und damit Proteinreinigungen durchzuführen. Auf Wunsch ihrer Industriepartner organisieren die Fachhochschulen spezielle Weiterbildungsanlässe. So initiierte die HES-SO eine dreitägige Sommerschule in Sion mit Einführung in Bioethik. Die internationalen Beziehungen der FHNW Muttenz resultierten in einem Studentenaustausch mit der Universität Palermo, der Universität Linköping in Schweden, der Fachhochschule Innsbruck und der Harvard Universität. Für die Firma Roche in Basel organisierte die ZHAW Wädenswil einen Kurs für die Kultivierung von Tierzellen in Einweg-Bioreaktoren sowie eine FMH-Weiterbildung in Phytotherapie und Neuraltherapie. Bern, 9. Februar 2012 \biotech-report11.docx 5

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