Liquidity Risk Management Solutions Funds Transfer Pricing: Vielfältige Herausforderungen für Finanzinstitute

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1 Liquidity Risk Management Solutions Funds Transfer Pricing: Vielfältige Herausforderungen für Finanzinstitute

2 Spätestens seit der Finanzmarktkrise Mitte 2007 ist allen Finanzinstituten deutlich geworden, dass Liquidität fortan weder unbegrenzt verfügbar noch kostenlos ist. Für Banken stellt sich damit die Frage, welcher Handlungsbedarf aus dieser neuen Marktbedingung resultiert. Funds-Transfer-Pricing-Systeme (FTP-Systeme), wie sie auch in den MaRisk 2012 gefordert werden, ermöglichen die Ermittlung und bankinterne Verrechnung von Liquiditätskosten. Fehlende Marktstandards bei der Gestaltung von FTP-Systemen erschweren den Instituten dabei allerdings Konzeption und praktische Umsetzung. Margenermittlung durch die Marktzinsmethode Die Marktzinsmethode ist derzeit gängiger Standard bei der Margen ermittlung. Einerseits dient diese den Banken als Entscheidungs kriterium für die Rentabilität von Geschäften. Andererseits erlaubt die Marktzinsmethode die Erfolgsmessung der Bereiche eines Finanzinstituts, indem diese die Aufteilung des Zinserfolges in seine einzelnen Komponenten ermöglicht. Zukünftig soll auch das Liquiditätsrisiko an das zentrale Treasury und somit das operative Risikomanagement übertragen werden. Abb. 1 Bausteine eines effizienten FTP-Systems Gesamtbanksteuerung Adäquate Preiskalkulation MaRisk 2012 Best Practice Ansätze Gestiegene Liquiditätskosten Bei der Anwendung der Marktzins methode sind Liquiditätskosten 1 in der Regel jedoch nur eingeschränkt berücksichtigt worden. Als Grundlage ist dabei häufig eine Opportunitätszinskurve, beispielsweise basierend auf Euribor- und EUR-6M-Swapsätzen, herangezogen worden, teilweise ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Refinanzierungssätze. Dies war vor der Finanzkrise vertretbar, da Liquidität nahezu unbegrenzt zur Verfügung stand und sich die Kosten der Liquiditätsbeschaffung nahe Null bewegten. Seit Mitte 2007 sind die Liquiditätskosten jedoch deutlich gestiegen und sollten daher in der Konditionengestaltung und Erfolgsmessung berücksichtigt werden (s. Abb. 1). Ursachen der gestiegenen Liquiditätskosten Zwei wesentliche Ursachen können für die erhöhten Liquiditätskosten genannt werden: Seit der Finanzkrise hat sich die Differenz zwischen den Refinanzierungs kosten der Institute und dem risikofreien Zinssatz deutlich erhöht. Dies spiegelt sich beispielsweise in den gestiegenen Euribor-OIS Spreads wider (s. Abb. 2). Insbesondere für längere Laufzeiten müssen Banken gegenwärtig erhebliche Aufschläge zahlen. Um Liquiditätsengpässen vorzubeugen, aber auch aus regulatorischen Gründen (im Rahmen der MaRisk 2 und zukünftig durch Basel III 3 bzw. CRR/CRD IV) ist ein Liquiditätspuffer aus hoch liquiden Aktiva vorzuhalten. Dieser Puffer verursacht zusätzliche (Opportunitäts-) Kosten. Die tatsächlichen Kosten der Liquiditätsbeschaffung und -vorhaltung sind in der Praxis häufig schwierig zu bestimmen und den verschiedenen Bereichen zuzuordnen. Ihre korrekte Allokation stellt jedoch eine wesentliche Voraussetzung für eine effektive Gesamtbanksteuerung dar. Funds Transfer Pricing 1 Liquiditätskosten werden hier als Sammelbegriff für Liquiditätskosten, -nutzen und -risiken verwendet. 2 Vgl. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Mindestanforderungen an das Risikomanagement bei Banken, BTR 3.1 Tz. 5 bis 7, Dezember Vgl. Basel Committee on Banking Supervision (BCBS), Basel III: The Liquidity Coverage Ratio and liquidity risk monitoring tools, January 2013.

3 Abb. 2 Entwicklung der Liquiditätskosten im Zeitverlauf bp M-Euribor OIS Euribor-OIS Spreads M-Euribor OIS 1M-Euribor OIS Nutzen eines FTP-Systems Die Nichtbeachtung oder eine intransparente Allokation von Liquiditätskosten kann zu einer unsauberen Produktkalkulation und damit zu falschen Steuerungsimpulsen führen, wodurch die Liquiditäts- und Ertragslage des Instituts gefährdet werden kann. Finanzinstitute stehen daher vor der Heraus forderung, ihre Steuerungssysteme so anzupassen, dass sie Liquiditätskosten angemessen berücksichtigen können. Auf Basis einer Weiterentwicklung der Marktzinsmethode schafft die Konzeption und Implementierung eines institutsspezifischen FTP-Systems mit Unterstützung durch Deloitte hierfür die richtigen Voraussetzungen. Ein solches FTP-System erhöht darüber hinaus die bankinterne Transparenz, da es die Kosten und Nutzen jedes Bank geschäfts für das Gesamtinstitut offenlegt und den verantwortlichen Geschäftsbereichen verursachungsgerecht zuweist. In Erweiterung der Marktzins methode wird bei einem FTP-System jedoch nicht der klassische Opportunitätszinssatz 4 verwendet, sondern eine intern definierte Einstandskurve zur Ermittlung der Verrechungspreise. Der Vorteil liegt dabei darin, dass diese Einstandskurve verschiedene Komponenten enthalten kann, die alle Liquiditätskosten abdecken. Zudem ist es möglich, die Einstandskurve produktspezifisch zu gestalten. Dadurch können die Konditionen von Produkten aufgrund ihrer Liquiditätseigenschaften exakter kalkuliert werden. Zum 4 Der Opportunitätszinssatz ist der Zinssatz, den eine alternative Anlage oder Aufnahme am Geld- und Kapitalmarkt erzielen bzw. kosten würde. Beispiel kann bei der Kalkulation eines zentralbankfähigen Kredits (KEV-fähiges Darlehen) eine Aufteilung in einen besicherten (Kreditvolumen abzgl. Haircut) und einen unbesicherten (Haircut) Anteil der Refinanzierung vorgenommen werden. Basierend darauf kann bei der Ermittlung der produktspezifischen Einstandskurve eine Optimierung der Kombination aus besicherter und unbesicherter Kurve erreicht werden. Daneben ist aber auch die gezielte und transparente Förderung bestimmter Geschäfts zweige z.b. aufgrund von strategischen Überlegungen durch die Aufnahme von Steuerungskomponenten möglich. Der Ermittlung institutsspezifischer Einstandskurven, über die der produktspezifische Liquiditätsbedarf einschließlich etwaiger Unsicherheiten ermittelt wird, kommt daher eine besondere Rolle zu, da sie die Basis eines Transferpreismodells bildet. Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine Zinsstrukturkurve, die die tatsächlichen Refinanzierungskosten des Instituts reflektiert und somit auch den institutsspezifischen Credit Spread beinhaltet. Dabei werden die Refinanzierungskosten einer Benchmarkkurve als Spreadkurven aufgeschlagen. Als Benchmarkkurve sollte im Optimalfall die adressausfallrisikolose OIS-Kurve herangezogen werden, da z.b. in den Euribor- und EUR-6M-Swapsätzen ein Ausfallrisiko inhärent ist. Die Einstandskurve für ein KEV-fähiges Darlehen sollte somit aufgrund des Liquiditätsnutzens unterhalb der unbesicherten Einstandskurve liegen. Ein FTP-System lässt sich in Abhängigkeit von der Komplexität des Geschäftsmodells instituts spezifisch gestalten. Pragmatische Ansätze mit vergleichsweise geringem Umsetzungsaufwand sind dabei ebenso möglich wie anspruchsvolle Verfahren, die auch bei komplexen Produkten eine saubere Vor- und Nachkalkulation ermöglichen. Bei der grundsätzlichen Methodik sind unterschiedliche Konzepte zu prüfen, denn anders als bei der Marktzinsmethode konnte sich noch kein allgemein anerkannter Ansatz am Markt durchsetzen. Wie alle Komponenten bei der Preisgestaltung müssen auch die Liquiditätskosten sorgfältig ermittelt werden. Durch eine Methodik, die Liquiditäts kosten unterschätzt, werden Produkte gegebenenfalls zu günstig kalkuliert, da die Kosten des Liquiditätspuffers oder für unerwartete Refinanzierungen nicht vollständig einbezogen werden. Demgegenüber besteht bei einer zu konservativen Schätzung der Liquiditätskosten die Gefahr, eigene Produkte nicht konkurrenzfähig zu kalkulieren. Mit einem adäquaten Liquiditätsrisiko management in Verbindung mit einem effektiven FTP-System können sich Banken dieser Herausforderung stellen.

4 Erfüllung regulatorischer Anforderungen Ein FTP-System bringt Finanz instituten nicht nur aus Sicht der Gesamtbanksteuerung Vorteile. Durch eine angemessene Implementierung stellen Banken zudem sicher, dass sie die Anforderungen der 4. MaRisk-Novelle erfüllen. 5 Im Rahmen von Basel III sind Banken zudem zukünftig verpflichtet, einen Liquiditätspuffer vorzuhalten und ihre Bilanzstruktur anzupassen, um die Liquiditäts kennziffern LCR und NSFR einzuhalten. 6 Ein geeignetes FTP-System stellt ebenfalls sicher, dass die Kosten hieraus bei der Produktkalkulation berücksichtigt werden. Verrechnung der Liquiditätskosten Ein Beispiel soll zeigen, wie die Kosten zur Einhaltung der LCR für eine Produktgruppe ermittelt und allokiert werden können (s. Abb. 3): Die Grundidee der LCR besteht darin, dass ein Institut in einer Stresssituation stets einem Abfluss liquider Mittel gegenüber steht. Um eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden, muss das Institut daher einen Puffer aus hochliqui den Aktiva mindestens in Höhe der im Stressfall erwarteten Nettoabflüsse vorhalten. Im Beispiel wird angenommen, dass 5% der Kundeneinlagen abfließen. 7 Die entsprechende LCR-Komponente für den Liquiditäts puffer ist daher negativ und reduziert somit weiter den Konditi ons beitrag, der den einwerbenden Marktbereichen zugeschrieben wird. Der Konditionsbeitrag wird grundsätzlich nach der Marktzins methode berechnet. Allerdings ist zu beachten, dass der Einlagenzins in einem FTP-System nicht an einem (hypothetischen) Opportu nitätsgeschäft am Geldund Kapitalmarkt gemessen wird, sondern an einem internen, vom Treasury vorgegebenen Einstandszinssatz. Abb. 3 Beispiel für die Anpassung des Konditionsbeitrags um die LCR-Kosten (vereinfachte Darstellung) Refinanzierungszinssatz (günstigste Alternative) 3% Zinssatz für Privatkundeneinlagen 1,5% Rendite Liquiditätspuffer (z.b. EONIA) 2% Marge des Liquiditätspuffers 100 bp Refinanzierungszinssatz (günstigste Alternative) 3% x Liquiditätsabfluss bis Stressfall (max. reg/ökon) 30% der PK-Einlagen Bruttoertrag vor Kosten 1,5% + Kosten für Sicherungseinrichtung, Verwaltung, Marketing, IT -100 bp LCR-Komponente für den Liquiditätspuffer 30 bp + Konditionsbeitrag nach Kosten 20 bp 5 Vgl. Deloitte White Paper Nr. 55: Vierte Novelle der MaRisk Neue Anforderungen an Risikomanagement und Compliance. 6 Vgl. Deloitte White Paper Nr. 47: Basel III in der EU Die Implementierung der Baseler Liquiditätskennzahlen. 7 Der Prozentsatz der Abflüsse ergibt sich aus den aufsichtsrechtlichen Vorgaben für die LCR.

5 Fazit Liquiditätskosten sind in der Vergangenheit häufig nur eingeschränkt in die Produktkalkulation und in die Erfolgsmessung einbezogen worden. Seit der Finanzkrise sind die Ermittlung und Verrechnung dieser Kosten auch bei der Aufsicht in den Fokus gerückt. Mit Blick auf die sich durch Basel III bzw. CRD IV ändernden Marktbedingungen liegt eine verursachungsgerechte Zuordnung der Liquiditätskosten aber auch im eigenen Interesse der Institute. Aufbauend auf der bestehenden Margenermittlung liefert ein FTP-System eine praxisorientierte Lösung, mit der die Liquiditätskosten transparent in der Gesamtbanksteuerung berücksichtigt werden können. Gleichzeitig werden die Anforderungen aus den MaRisk 2012 erfüllt. Durch die Skalierbarkeit eines FTP-Systems lässt sich eine auf den jeweiligen Komplexitätsgrad des individuellen Instituts zugeschnittene Lösung entwickeln und umsetzen. Dadurch ist gewährleistet, dass alle Institute adäquate Steuerungs informationen auf Portfolioebene wie auch für die Einzelgeschäfts- und Produktkalkulation erhalten. Wir unterstützen Sie gerne bei der fachlichen Konzeption und praktischen Implementierung eines FTP-Systems, das Ihnen eine optimale Gesamtbanksteuerung ermöglicht und dabei sämtliche regulatorischen Vorgaben erfüllt. Unsere Expertise und Erfahrung im Liquiditätsrisikomanagement, bei der Umsetzung von regulatorischen Anforderungen und in der Gesamtbanksteuerung von Banken bieten die ideale Grundlage, einen ganzheitlichen FTP-Ansatz für Ihr Institut zu erarbeiten, der dem aktuellen Stand der derzeitigen Best-Practice-Ansätze entspricht. Dabei identifizieren wir gemeinsam mit Ihnen mögliche Ansatzpunkte für die Optimierung Ihres Liquiditätsrisikomanagements und unterstützen Sie in der Konzeption und Umsetzung eines auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittenen FTP-Systems. Auf diese Weise erfüllt Ihr Institut nicht einfach nur die regulatorischen Vorgaben, sondern besitzt durch eine effektivere Gesamtbanksteuerung einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Ihren Mitbewerbern. Überzeugen Sie sich selbst von unserem Beratungsspektrum in einem persönlichen Gespräch.

6 Ihre Ansprechpartner Für mehr Informationen Michael Cluse Tel: +49 (0) Anne Leonhardt Tel: +49 (0) Martin Flisgen Tel: +49 (0) Für weitere Informationen besuchen Sie unsere Webseite auf Die Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als verantwortliche Stelle i.s.d. BDSG und, soweit gesetzlich zulässig, die mit ihr verbundenen Unternehmen nutzen Ihre Daten im Rahmen individueller Vertragsbeziehungen sowie für eigene Marketingzwecke. Sie können der Verwendung Ihrer Daten für Marketingzwecke jederzeit durch entsprechende Mitteilung an Deloitte, Business Development, Kurfürstendamm 23, Berlin, oder widersprechen, ohne dass hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen. Diese Veröffentlichung enthält ausschließlich allgemeine Informationen und weder die Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft noch Deloitte Touche Tohmatsu Limited ( DTTL ), noch eines der Mitgliedsunternehmen von DTTL oder ihre verbundenen Unternehmen (insgesamt das Deloitte Netzwerk ) erbringen mittels dieser Veröffentlichung professionelle Beratungs- oder Dienstleistungen. Bevor Sie eine Entscheidung treffen oder Handlung vornehmen, die Auswirkungen auf Ihre Finanzen oder Ihre geschäftlichen Aktivitäten haben könnte, sollten Sie einen qualifizierten Berater aufsuchen. Keines der Mitgliedsunternehmen des Deloitte Netzwerks ist verantwortlich für Verluste jedweder Art, die irgendjemand im Vertrauen auf diese Veröffentlichung erlitten hat. Deloitte erbringt Dienstleistungen aus den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance für Unternehmen und Institutionen aus allen Wirtschaftszweigen. Mit einem weltweiten Netzwerk von Mitgliedsgesellschaften in mehr als 150 Ländern verbindet Deloitte herausragende Kompetenz mit erstklassigen Leistungen und steht Kunden so bei der Bewältigung ihrer komplexen unternehmerischen Herausforderungen zur Seite. To be the Standard of Excellence für rund Mitarbeiter von Deloitte ist dies gemeinsame Vision und individueller Anspruch zugleich. Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu Limited, eine private company limited by guarantee (Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach britischem Recht), und/oder ihr Netzwerk von Mitgliedsunternehmen. Jedes dieser Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig. Eine detaillierte Beschreibung der rechtlichen Struktur von Deloitte Touche Tohmatsu Limited und ihrer Mitgliedsunternehmen finden Sie auf Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Stand 06/2013

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