DFNVC der Videokonferenzdienst im deutschen Wissenschaftsnetz

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1 Gisela Maiss, DFN-Verein Januar 2006 DFNVC der Videokonferenzdienst im deutschen Wissenschaftsnetz Einstieg in die Technik des Dienstes DFNVC Der Dienst DFNVC überträgt die audiovisuellen Datenströme über das Wissenschaftsnetz und nutzt dafür das international standardisierte Protokoll H.323, das die Datenübertragungen für Audio-, Video- und Datenkonferenzen regelt. Den Nutzern eröffnen sich dadurch neue Dimensionen des Arbeitens im Netz. Durch direkte Verbindungen zwischen dem Wissenschaftsnetz und den Forschungsnetzen in Europa, Nordamerika und weltweit sowie mit Hilfe eines international abgestimmten Nummernplans zum Adressieren der Konferenzpartner ermöglicht der Dienst DFNVC außerdem den Aufbau internationaler Videokonferenzen. Kernstück des Dienstes DFNVC sind die sogenannten Multipoint Control Units (MCUs), die Mehrpunktkonferenzen ermöglichen und die Organisation der multimedialen Datenströme übernehmen. Der Dienst DFNVC hat u.a. folgende Eigenschaften: Sowohl Teilnehmer mit IP- als auch mit ISDN-Endgeräten können gemeinsam an Videokonferenzen teilnehmen und auch ohne Computer besteht die Möglichkeit, sich per Telefon in eine Konferenz einzuwählen und mit den Teilnehmern zu sprechen. Dank der hohen Übertragungsleistungen und der breitbandigen Verbindungen des Wissenschaftsnetzes bietet der Dienst eine gute Ton- und Bildqualität auch bei Konferenzen mit mehreren Teilnehmern. Die Rufweiterleitung und die Adressierung der Konferenzpartner übernimmt ein sogenannter Gatekeeper (GK). Die für den Dienst DFNVC realisierte Struktur ist in Abbildung 1 dargestellt. Abbildung 1: Architektur des Dienstes DFNVC (Erläuterungen siehe S. 2) - 1 -

2 Einrichtung: Nutzer: VC-System: GK: Country GK: MCU: DCS: GW: Zone: VC-Portal: eine Hochschule oder Forschungseinrichtung, die einen Vertrag zur Nutzung des Wissenschaftsnetzes abgeschlossen hat Studierender, Mitarbeiter oder Gast einer Einrichtung Videokonferenz-Endsystem Gatekeeper, Hard- oder Software Komponente mit Funktionalitäten u.a. zur Rufweiterleitung und Adressierung der Videokonferenz-Endsysteme der Konferenzpartner Gatekeeper unter der Adressierungsnummer 0049, über den die nationalen (Country GK) und internationalen Partner (World GK) erreichbar sind Multipoint Control Unit, Sternverteiler für Gruppenkonferenzen. Eine MCU ist eine Hardund/oder Softwarelösung, die eine oder mehrere Mehrpunktkonferenzen verwaltet. Data Collaboration System zur Durchführung von Datenanwendungen wie z.b. Application Sharing oder Chat basierend auf dem Protokoll T.120 Gateway zwischen den Protokollwelten H.323 (IP) und H.320 (ISDN), ermöglicht die Teilnahme von ISDN-Systemen in einer Konferenz Nach H.323 ist eine Zone ein Bereich, der H.323-Komponenten wie MCUs, Gateways und VC-Systeme enthält, die genau von einem Gatekeeper verwaltet werden. Das VC-Portal ist eine webbasierte Sammlung von Informationen und Dokumentationen zum Dienst DFNVC sowie die Schnittstelle zur Nutzerunterstützung für Konferenzvorbereitung und -aufbau ( Möchte eine Einrichtung den DFNVC-Dienst nutzen, so hat sie die Wahl zwischen 3 Szenarien, die sich in der Art und Weise der Registrierung der Videokonferenzsysteme auf einem Gatekeeper sowie in der Unterstützung der Nutzer unterscheiden. Folgende Nutzungsarten sind möglich: Szenario 1: Nutzung mit eigener H.323-Zone der Einrichtung Die Einrichtung betreibt für sich (ggf. auch für eine oder mehrere andere Einrichtungen) eine H.323-Zone mit dem dafür notwendigen Gatekeeper. Der Administrator dieser Einrichtung ist für alle technischen und organisatorischen Belange seiner Nutzer (und ggf. auch der Nutzer anderer Einrichtungen) zuständig. Szenario 2: Direkte Nutzung über die DFN-Zone Die Nutzer einer Einrichtung, die keine eigene H.323-Zone mit zugehörigem Gatekeeper betreibt, können den Dienst DFNVC über die DFN-Zone und den DFN-Gatekeeper nutzen. Diese Nutzungsart wird in der Regel nur von Einrichtungen mit geringem Konferenzbedarf und wenigen Videokonferenzendgeräten beauftragt. Szenario 3: Nutzung über die H.323-Zone einer anderen Einrichtung Die Nutzer dieser Einrichtung nutzen den Dienst über die H.323-Zone und den Gatekeeper einer anderen Einrichtung. Für alle technischen und organisatorischen Belange der Nutzer ist der Administrator der anderen Einrichtung zuständig. Ein Nutzer, der erstmalig eine Videokonferenz durchführen möchte, muss sich zunächst um ein geeignetes Videokonferenzsystem kümmern. Je nach Anwendungsumgebung kommen verschiedene Videokonferenzgeräte zum Einsatz. Will man Videokonferenzen von seinem gewohnten Arbeitsplatz aus durchführen, so muss der PC oder Laptop mit einem sogenannten Desktop-System ausgerüstet werden, in der Regel wird eine Videokonferenzsoftware installiert (ab ca. 180,- Euro pro Arbeitsplatz inkl. Kamera und Headset). Angeboten werden auch sogenannte Office-Systeme, die als Komplettlösung mit integriertem Monitor und Kamera ausgestattet sind (ab ca ,- Euro). Beispiele für Software-Lösungen sind die Systeme Polycom PVX und VCON vpoint HD, für Office-Systeme Polycom VSX 3000, Tandberg 1000 MXP und Sony TCS PL 50 (Abbildung 2). Polycom PVX-Client mit Webcam Sony TCS PL Tandberg 1000 MXP

3 Abbildung 2: Beispiele für Desktop- und Office-Systeme Soll ein Seminar- oder Schulungsraum ausgestattet werden, so bieten sich sogenannte Settop-Systeme mit einem Monitor an, mit denen z.b. Treffen von Arbeitsgruppen möglich werden (ab ca ,- Euro erhältlich). Diese kompakten Settop-Einheiten wie z.b. die Systeme Polycom VSX 7000, Sony PCS 1, Tandberg 990 MXP und VCON HD 3000 sind passend für jeden Standard TV Monitor (Abbildung 3) und werden meist auf dem Monitor platziert. Polycom VSX 7000 Tandberg 990 MXP VCON HD 3000 Sony PCS 1 Abbildung 3: Beispiele für Settop-Systeme Alle aufgeführten Systeme verfügen über die Möglichkeit, Video, Audio und Daten parallel über das Protokoll H.239 zu übertragen. Je nach Ausstattung kann die Ausgabe auf einem oder auf zwei separaten Monitoren erfolgen oder das Video wird auf dem Monitor dargestellt und die Präsentation über den Beamer gezeigt. Teurer und aufwändiger wird es bei der Ausstattung von großen Konferenzräumen mit sogenannten Raumsystemen, die über 2 Monitore, Rollwagen und Übertragungsbandbreiten bis zu 2 Mbps über ISDN und 4 Mbps über IP verfügen (Abbildung 4). Systeme mit diesen Ausstattungsmerkmalen sind z.b. Sony PCS-G70, Tandberg 8000 MXP und Polycom VSX Tandberg 8000 MXP Polycom VSX System Abbildung 4: Beispiele für Ausstattung von Konferenzräumen mit Raumsystemen - 3 -

4 Neben der Entscheidung über den Einsatzort des Systems ist es wichtig, die Funktionalitäten der Systeme genauer zu betrachten, die über die Qualität der Konferenz entscheidend mitbestimmen. Hierzu gehören die Übertragungsraten (bis zu 4 Mb/s), die integrierten Video-Codecs (z.b. H.263, H.264), Video-Eingangs- und Ausgangs-Schnittstellen (Composite, S-Video, DVI), Auflösungen für Video und Daten (QCIF, CIF, VGA, SVGA, XGA), die integrierten Audio-Codecs (G.722, G.722.1, AAC), die Unterstützung von H.239 für gemeinsame Übertragung von Video, Audio und Daten, QoS-Features wie Lippensynchronisation, Firewall-Traversal und Packet Loss Recovery (FEC) sowie die Unterstützung der Übertragung verschlüsselter Daten nach H.235 (AES und DES). Bei Auswahl und Einsatz von Videokonferenzsystemen bietet das vom DFN-Verein betriebene Kompetenzzentrum für Videokonferenzdienste (VCC) an der TU Dresden (vcc.zih.tu-dresden.de) wertvolle Hilfe an. Das VCC untersucht laufend aktuelle Videokonferenzhardware und -software. Für die bekanntesten Systeme wurden ausführliche Tests durchgeführt und die Ergebnisse dokumentiert. Im WWW finden sich zahlreiche Produktinformationen über die gängigen Desktop-, Kompakt- und Raumsysteme sowie Installationsanleitungen für einige Systeme und Informationen über Videokonferenz-Zubehör. Das VCC unterstützt die DFN Einrichtungen bei der Einsatzplanung, der Installation und dem Betrieb von Videokonferenz-Komponenten. Eine Beratung und Betreuung der Einrichtungen wird über Telefon oder über E- Mail geleistet; zur Lösung von Problemen können auch Testkonferenzen aufgesetzt werden. Zusätzliche Informationen können in den regelmäßig stattfindenden Workshops gewonnen werden. Darüber hinaus findet eine konkrete Beratung zur Verwendung von geeignetem Audio- und Videoequipment (Mikrofone, Kameras etc.) statt. Bei Auswahl und Einsatz eines Gatekeepers kann ebenfalls auf umfassende Beratung sowie auf Installationshilfen zurückgegriffen werden. Für Einrichtungen, die am Dienst DFNVideoConference teilnehmen wollen, werden vorab Schulungen durchgeführt, wodurch die lokalen Administratoren eine praktische Einführung in ihre zukünftigen Arbeiten bekommen. Als Einarbeitung in die Thematik Videoconferencing stellt der DFN-Verein ein kostenloses Videokonferenz-Handbuch auf den Webseiten des VCC bereit. VC-Portal Zentraler Einstiegspunkt von DFNVC ist ein vom DFN-Verein bereitgestelltes Portal, das unter der Adresse erreichbar ist. Hier werden alle dienstrelevanten Informationen angeboten. Neben dem internationalen Nummernplan für Gatekeeper und Endsysteme finden sich auf dem Portal die Dienst- und Leistungsbeschreibungen, Schulungsunterlagen, Dokumentationen und aktuelle Mitteilungen für die Nutzer. Darüber hinaus bietet das VC-Portal Unterstützung beim Konferenzaufbau, beim Steuern von Konferenzen sowie einen Passwort-Schutz für Konferenzen. In einem Verzeichnis werden alle angemeldeten bzw. aktiven Endsysteme in der DFN Zone und z.t. auch in den Zonen externer Einrichtungen angezeigt, was eine einfache Organisation spontaner Videokonferenzen ermöglicht. Wichtige Konferenzen können auf Wunsch von einem Operator des DFN-Vereins betreut werden. Eine speziell eingerichtete DFN-Hotline unterstützt Videokonferenz-Administratoren in den Rechenzentren der Hochschulen und auch die Nutzer in den Einrichtungen bei der Einführung und beim Betrieb des Dienstes. DFNVideoConference ermöglicht ad hoc Konferenzen, die spontan von einem Nutzer initiiert werden können, d.h. zu einem beliebigen Zeitpunkt können Konferenzen eingerichtet und weitere Teilnehmer zu den Konferenzen eingeladen werden, bietet eine Einwahlmöglichkeit (Dial-In) für ISDN-Endgeräte, die über einen Gateway an einer Konferenz teilnehmen können, gibt Unterstützung bei Vorbereitung, Aufbau und Durchführung einer Konferenz über das VC-Portal, bietet einen internationalen Nummernplan, der das Adressieren der Kommunikationspartner erlaubt, stellt aktuelle Testergebnisse für Videokonferenzsysteme und Konfigurationsanleitungen bereit, ermöglicht den Austausch von Arbeitsdokumenten und Vortragsfolien parallel zur Videokonferenz bietet eine Hotline und Schulungen für die Betreuer in den Einrichtungen

5 Haben wir Ihr Interesse geweckt? 1. Dann fragen Sie nach, ob Ihre Einrichtung einen Vertrag über die Nutzung des Dienstes DFNInternet mit dem DFN-Verein abgeschlossen und den Zugang zum DFN-Videokonferenzdienst beauftragt hat und zu welchen Bedingungen Sie daran teilnehmen können. Nehmen Sie Kontakt zu dem entsprechenden Administrator in Ihrem Rechenzentrum auf. 2. Erkundigen Sie sich, ob es in Ihrer Hochschule ein Videokonferenzsystem gibt, an dem Sie zunächst unter Anleitung an einer Videokonferenz teilnehmen können, bevor Sie an die Installation eines eigenen Systems gehen. 3. Statten Sie sich mit einem Videokonferenzsystem aus. Wir beraten Sie gerne dabei. Alle notwendigen Daten zur Installation und Konfiguration erhalten Sie in Ihrer Einrichtung oder bei der DFN-Hotline. 4. Nach erfolgreicher Konfiguration und Anmeldung Ihres Videokonferenzgerätes kann es losgehen: Sie wählen eine Konferenznummer und treffen sich mit Ihren Konferenzpartnern in einer Videokonferenz. Haben Sie Fragen? Schauen Sie nach unter Dienstleistungen / DFNVC auf den DFN-Seiten oder unter Der Dienst auf dem VC-Portal unter oder melden Sie sich bei der Hotline unter Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes e.v. Telefon DFN-Verein Stresemannstr. 78, D Berlin WWW

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