FOTO: BLUMENBÜRO HOLLAND/GPP VIEL GRÜN AUF WENIG PLATZ. Naturnah Gärtnern auf Fensterbrett & Co

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1 FOTO: BLUMENBÜRO HOLLAND/GPP VIEL GRÜN AUF WENIG PLATZ Naturnah Gärtnern auf Fensterbrett & Co

2 Vorwort GARTEN-INFORMATION IM INTERNET "die umweltberatung" Natur im Garten informiert Sie über die Gartentipps der Saison, Tricks des Bio-Gartendoktors und aktuelle Veranstaltungen und Seminare. Der Bio-Gartendoktor informiert über Schadbilder, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten und gibt Tipps zum vorsorgenden Pflanzenschutz. IMPRESSUM: Aktuelle Umweltinformationen und Tipps für Ihren Alltag. Angebote für die Umweltbildung finden Sie unter Angebote für Gemeinden finden Sie unter "die umweltberatung" informiert Sie regelmäßig über Neuerscheinungen, aktuelle Veranstaltungen Ihrer Region und hält Sie mit Umwelttipps auf dem Laufenden. Medieninhaberin und Herausgeberin: "die umweltberatung" Österreich Verband Österreichischer Umweltberatungsstellen 1130 Wien, Hietzinger Kai 5/7, Tel. 01/ , Fax DW 13, Für den Inhalt verantwortlich: Melissa Tauber, Magdalena Uedl-Kerschbaumer Wir danken Ingrid Tributsch, Manuela Lanzinger, Sibylle Unger (Teil Zimmerpflanzen "die umweltberatung" Wien), Christina Wundrak, Stefan Strobelberger, Helga Schleritzko, Johanna Haijawi, Sabina Achtig und Elisabeth Koppensteiner (Teil Der Garten im Kübel NÖ Gartentelefon) sowie dem Verein Lebensqualität in NÖ für Texte und redaktionelle Unterstützung. Gestaltung: MD-design, Markus Damböck, Druck: AV+Astoria Druckzentrum GmbH Faradaygasse 6, 1030 Wien Fotos und Zeichnungen ohne Quellenangabe: "die umweltberatung", Magdalena Uedl-Kerschbaumer, Wir danken der Gärtnerei Birgits und Rainers Blumenstube in Radenthein für das Fotoshooting. FOTO: LEBENSMINISTERIUM WAS WÄRE EIN LEBEN OHNE PFLANZEN? Sie bescheren uns Lebendigkeit, wohltuendes Grün und prächtige Blüten. Selbst der tristeste Korridor und das von Ordnern überquellende Büro wirken durch eine Pflanze freundlicher und lebendiger. Fast überall ist Platz für Pflanzen und selbst in Gläsern, im Wasser, auf Wurzeln gedeihen und wachsen sie. Mit Hilfe dieser Broschüre können Sie auch ganz ohne grünen Daumen die für Sie optimal passenden Pflanzen finden, diese zum Wachsen, Gedeihen und Blühen bringen, und dabei Ihre Umwelt schonen. Sie finden hier alle natürlichen und naturgerechten Maßnahmen zum Zimmerpflanzen-, Balkon- und Fensterkistlgärtnern. Ökologisches Handeln fängt bereits beim Einkauf an mit umweltfreundlich produzierten Pflanzen, natürlichen Pflanzsubstraten, Kompostdüngern bis hin zu biologischen Pflegemitteln und natürlichem Pflanzenschutz. Darüber hinaus erfahren Sie alles rund um den Gesundheitswert begrünter Innen- und Außenräume und erhalten Tipps für die richtige Pflanzenauswahl. Viel Freude mit Ihren Grünpflanzen wünscht herzlichst Ihr Umweltminister Dr. Josef Pröll Viel Grün auf wenig Platz 3

3 Inhaltsverzeichnis Viel Grün auf wenig Platz VIEL GRÜN AUF WENIG PLATZ 5 WAS PFLANZEN FÜR SIE TUN KÖNNEN 6 ZIMMERPFLANZEN GESTALTEN RÄUME 7 PFLANZEN EINKAUFEN 8 FOTO: CMA/GPP DER TOPF MACHT DIE MUSIK 10 ERDE 12 PFLANZEN SELBST VERMEHREN 14 ZIMMERPFLANZEN FÜR ALLE ANSPRÜCHE 17 DER GARTEN IM KÜBEL 26 TOPFPFLANZEN PFLEGEN 37 PFLANZENGESUNDHEIT 39 ZIMMERPFLANZENSCHÄDLINGE 42 LITERATUR & FIRMENLISTE 46 "DIE UMWELTBERATUNG" 48 4 Viel Grün auf wenig Platz FOTO: IZB/GPP VIEL GRÜN AUF WENIG PLATZ Zimmerdschungel, Balkongemüse und Terrassengärten Wer ohne großen Garten lebt, braucht trotzdem nicht auf eine naturnahe, pflanzenreiche Atmosphäre zu verzichten. Auch städtische Wohnstrukturen bieten vielfältigste Möglichkeiten kleiner Grünräume auf Balkons oder Terrassen. Ansprechende Innenraumbegrünung, die nachweislich unser Wohlbefinden steigert, Schadstoffe aus der Luft filtert und sogar positive Auswirkungen auf die Genesung kranker Menschen oder unser Kaufverhalten hat, ist eine boomende Branche. Waren es früher einzelne Blumentöpfe am Fensterbrett, werden Raumpflanzen heute als Stilelement, Farbgeber oder Raumteiler in unerschöpflicher Vielfalt eingesetzt. Der Übergang vom Innenraum nach Draußen über Balkone, Wintergärten, Dachgärten und Terrassen ist dabei fließend. Die steigende Anzahl der Gestaltungs- und Pflegeanfragen an den Servicetelefonen von "die umweltberatung" zeigt die wachsende Bedeutung von Zimmerpflanzen, Balkon- und Terrassenbepflanzung. Ähnlich wie beim ökologischen Gärtnern im Außenraum besteht auch bei der Innenraumbegrünung zunehmend das Bedürfnis nach torffreien Erden, biologischen Düngern, und giftfreier Schädlingsbekämpfung. Vermehrt wird auch die Frage nach fair und nachhaltig produzierten Pflanzen gestellt. Diese Broschüre verrät ökologische Tipps und Tricks für die häufigsten Anfragen an unseren Servicetelefonen. Gerne beraten wir Sie auch persönlich unter 01/ oder am NÖ Gartentelefon / Kleine Gärten in Stadt und Land 5

4 Was Pflanzen für Sie tun können Zimmerpflanzen gestalten Räume WAS PFLANZEN FÜR SIE TUN KÖNNEN Wer in Wohnung, Schule oder Arbeitsplatz von Pflanzen umgeben ist, lebt gesünder. Bedenkt man, dass Menschen heutzutage ca % ihrer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, wird eine naturnahe Umgebung noch bedeutungsvoller. Zimmerpflanzen verbessern nachweislich das Raumklima. Sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit, mindern die statische Aufladung, reduzieren Lärm und Staub und filtern Wohnraumgifte, die von Möbeln, Teppichen und Baustoffen abgegeben werden. Darüber hinaus wirken sie sich positiv auf die Psyche aus. Stress und Aggressionen werden nachweislich abgebaut. Wer von Pflanzen umgeben lebt und arbeitet, hat mehr Abwehrkräfte. Weil gesunde MitarbeiterInnen kreativer und produktiver sind, investieren viele Firmen in das wohltuende Grün, um so ein positives, anregendes Arbeitsumfeld zu schaffen. Pflanzen bringen uns auch die Natur ins Haus. Die Farbe Grün wirkt beruhigend und überaus dekorativ. Pflanzen schaffen eine angenehme Atmosphäre und verleihen Räumen erst Lebendigkeit, Farbe und Fülle. Die positiven Wirkungen eines begrünten Lebensumfeldes sind ein spannendes Thema für die Wissenschaft. Interessant ist, dass die Forschungsergebnisse überwältigend positiv sind. Innenraumforscher- Innen haben in den letzten Jahren nachgewiesen, dass Pflanzen selbst, aber auch die Pflegearbeiten, für Menschen gesund sind. Zum Weiterlesen: Broschüre Gesund mit Pflanzen Bewusst lebt besser, Bestellung beim Fonds Gesundes Österreich, Tel.: 01/ , Oberzaucher, L. u. Grammer, K.: Phytophilie Die positiven Auswirkungen von Pflanzen auf kognitive Vorgänge. Proceedings 4. Kongress d. Gesellschaft für Anthropologie e. V. (GfA) / Hrsg. M. Schultz, 1. Auflage. Göttingen: Cuvillier, 2000) FOTO: IZB/GPP ZIMMERPFLANZEN GESTALTEN RÄUME Vorbei ist die Zeit, als man unter Wohngrün ein paar Blumentöpfe am Fensterbrett verstanden hat. Heute werden Grünpflanzen als Einzelblickpunkt, Raumteiler oder Wandbegrünung eingesetzt. Zimmerpflanzen verwandeln Säulen, unnutzbare Ecken und andere Raumunausgewogenheiten in dekorative Blickfänge. Sie wirken als optische Kantenbrecher oder lenken Blickfelder. Als raumbildendes Element schaffen sie in großen Räumen angenehme, strukturierte Bereiche. Die Aufteilung großer Räume in geschützte, überschaubare Bereiche beruhigt. Grüne Nischen schaffen eine wohltuende Atmosphäre und laden zum Verweilen ein. Pflanzen in Gruppen oder als Raumteiler haben auch eine sehr gute lärmabsorbierende Wirkung und schaffen somit eine angenehme Akustik. Ob Sie nun zartes, freundliches Grün oder imposante, großblättrige Grünpflanzen, farbenprächtige Blüten oder skulpturale Solitärpflanzen bevorzugen, mit der großen Vielfalt an Blatt- und Pflanzenformen lassen sich verschiedenste Wohnund Büroeinrichtungsstile optimal unterstreichen. Räume werden mit der dazu passenden Pflanze erst lebendig. k Tipps: Treppengeländer können meistens gut zur Begrünung genutzt werden. Die Efeutute (Epipremnum) und die Kastanienrebe (Tetrastigma voinierianum) begrünen rasch durch üppigen Wuchs. Selbst die kleinste Blühpflanze ist eine gute Investition und bringt Farbe und Schönheit in Räume. 6 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 7 FOTO: PfP/GPP FOTO: IZB/GPP

5 Pflanzen einkaufen Pflanzen einkaufen k Tipps: Pflanzen aus Blumengeschäften nach einigen Monaten in bessere Blumenerde umtopfen. Zu groß gewordene grüne Freunde kann man Schulen oder Kindergärten als Geschenk anbieten. Freilandtaugliche Blühpflanzen z. B. Primeln, verblühte Schneeglöckchen, Hyazinthen oder Hortensien können nach dem Verblühen in den Garten gepflanzt werden. Professionelle Beratung beim Zimmerpflanzenkauf zahlt sich aus. Pflanzen selbst vermehren ist die günstigste und umweltfreundlichste Alternative. PFLANZEN EINKAUFEN Schon beim Einkauf entscheidet sich, ob eine Pflanze zu Hause gedeiht oder eine Innenbegrünung gut wächst. Zimmerpflanzen kommen aus den verschiedensten Landschaften und Klimazonen. Deshalb sind am besten gleich im Geschäft zusammen mit dem Fachmenschen einige Fragen zu klären, um den optimalen Standort und die richtige Pflege sicherzustellen. Gerade die unterschiedlichen Ansprüche nach Tageslicht sind für gesunden, kräftigen Wuchs bedeutend. Ein sonnenhungriges Pflänzchen kann sich in einer dunklen Raumecke mit Nordfenstern nicht entfalten. Umgekehrt kann eine den Halbschatten bevorzugende Blattschönheit auf der heißen Südfensterbank verbrennen. Deshalb werden einzelne Pflanzen auch nach ihren Standortansprüchen vorgestellt. Pflanzen sind keine Wegwerfartikel, auch wenn sie manchmal sehr günstig zu kaufen sind. Viele Pflanzen aus Massenzüchtungen sind stark gedüngt und sehen im Regal unnatürlich üppig aus. Zu Hause verlieren sie oft an Glanz, Größe und Blütenfarbe. Bei guter Pflege können sie sich jedoch rasch erholen. Aus dem Fachhandel bezogene Pflanzen sind bereits an die heimischen Standortbedingungen angepasst. Unbelastet(e) Blumen verschenken: Importierte Schnittblumen werden häufig mit vielen Pestiziden und unter sozial unfairen Bedingungen für die LandarbeiterInnen hergestellt. Das Blumengütesiegel (Flower Label Programm FLP) zertifiziert Blumen aus menschenwürdiger und umweltgerechter Produktion. mehr über das Blumengütesiegel mit Österreichischer HändlerInnenliste finden Sie unter und unter 8 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 9

6 Der Topf macht die Musik Der Topf macht die Musik DER TOPF MACHT DIE MUSIK Ob eine Pflanze in ihrer Schönheit in Form und Farbe zur Geltung kommt oder nicht, hängt wesentlich von Größe, Form und Farbe des Übertopfes ab. Das Material des Innentopfes entscheidet über Wasserhaltevermögen und Standfestigkeit. Dekorative Zimmerpflanzen kommen umso besser zur Geltung, wenn sie mit ihrem Behälter und dem umgebenden Raum ein harmonisches Ganzes darstellen, das zudem die Persönlichkeit des Besitzers/ der Besitzerin widerspiegelt. Praktische Erwägungen und umweltrelevante Fakten sollten dabei allerdings nicht vollständig vernachlässigt werden. Innen- und Übertopf: In Erde kultivierte Pflanzen werden üblicherweise in einen Innentopf gepflanzt und dann in einen dekorativen Übertopf gestellt. Dieser kann bei Verwendung eines Untersetzers auch entfallen. Bei Pflanzgranulaten gibt es diese Differenzierung nicht, da die Pflanzen direkt in ein wasserdichtes Gefäß gepflanzt werden. Für Pflanzen in Hydrokultur werden spezielle, genormte Innentöpfe aus Kunststoff und dazu passende Gefäße aus Kunststoff, Keramik oder Metall angeboten. Übertöpfe Übertöpfe sind aus den verschiedensten Materialien erhältlich. Empfehlenswert ist, dass der Übertopf im Durchmesser mindestens 4 bis 5 cm größer als der Innentopf ist. Der Luftaustausch wird ansonsten behindert. Neben Kunststoff, Keramik und Terracotta gibt es Übertöpfe aus Metall, Holz, Glas und Korbwaren. k Tipps:... in den recycle-trash gepflanzt... Aus Holzschubladen, großen Wurzeln, alten Haushaltsgegenständen, wie Suppenschüsseln oder Teekannen kann man ungewöhnliche Gefäße für Pflanzen herstellen. Mit Teichfolie (Kautschuk oder Polyethylen) ausgekleidet werden sie wasserdicht. An einem Standort mit direkter Sonneneinstrahlung sind dunkle Töpfe oder Metallkübel, die sich aufheizen, und sehr helle oder glänzende Materialien, die das Sonnenlicht reflektieren, ungünstig. Je größer die Pflanze, desto kleiner sollte ihr Topf im Verhältnis sein: Kleine buschige Pflanzen wirken am besten in etwa gleich großen Gefäßen, schmale hohe Pflanzen kommen in Behältern, die etwa ein Viertel ihrer Höhe haben, am besten zu Geltung. Kalk- und Salzränder gebrauchter Tontöpfe können leicht mit Essigoder Zitronenwasser gereinigt werden. Innentöpfe Tongefäße sind besonders empfehlenswert. Ton speichert viel Feuchtigkeit und gibt sie langsam wieder ab, was zu einem ausgeglichenen Wasserhaushalt beiträgt. Das Naturmaterial Ton ist unproblematisch in Herstellung und Entsorgung. Tonscherben sind als preiswertes Substrat für die Drainageschicht wieder verwertbar. Von Nachteil ist das beträchtliche Eigengewicht, insbesondere mit steigender Gefäßgröße. Die Standfestigkeit von großen, ausladenden Pflanzen wird jedoch deutlich verbessert. Kunststoffgefäße sind günstig, leicht zu reinigen und haben ein geringes Gewicht. Von der Terracotta-Optik über Acrylglas bis hin zu Trend-Gefäßen gibt es ein riesiges Angebot an schönen Kunststoffgefäßen in allen Farben und Formen. Vor allem bei Großpflanzen finden sie regelmäßige Anwendung. Aber Plastik ist ein in Herstellung und Entsorgung kritischer Werkstoff. Gefäße aus PVC sind besonders problematisch und sollten daher unbedingt vermieden werden. Verrottbare Töpfe aus Chinaschilf, Flachs, Hanf oder auf Stärkebasis können direkt mit eingepflanzt werden. Sie eignen sich vor allem zur Pflanzenanzucht. Strikt abzulehnen sind allerdings Torfpresstöpfe, da sie ebenso wie torfhaltige Pflanzsubstrate zum Abbau unserer letzten Moore beitragen. 10 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 11

7 Erde Erde FOTO: IZB/GPP k Tipps: Kaufen Sie torffreie Erde und leisten Sie damit einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz! Torf wird durch den Abbau von Mooren gewonnen, dadurch werden diese wertvollen Naturlandschaften unwiederbringlich zerstört. Bezugsquellen von torffreien Erdenprodukten erhalten Sie unter 01/ oder 02742/74333, sowie auf unserer Homepage Einige Produkte sind mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet. Es garantiert, dass diese Erden frei von Torf sind und strengen Qualitätskriterien entsprechen. Anhand regelmäßiger Kontrollen wird die Einhaltung dieser Kriterien überprüft. Erde kann auch selbst hergestellt werden: Mischen Sie einfach Gartenoder Blumenerde, reifen Kompost und Sand zu gleichen Teilen. Für Kräuter und Gemüse sollte prinzipiell nur Kräutererde, sog. Gartenhumus oder selbst gemischte Pflanzerde verwendet werden. Kaufen Sie grundsätzlich nur Erden hoher Qualität. Ihre Pflanzen wachsen darin besser, sie sind gesünder und sehen besser aus. Außerdem ersparen Sie sich den Ärger mit lästigen Mitbringseln wie Trauermücken oder Schimmelbelag auf der Erde. Mehr Informationen dazu finden Sie unter Im Handel werden unterschiedliche Pflanzsubstrate angeboten. Die drei am häufigsten angebotenen Substrattypen sind dabei Erden, Blähton (Hydrokultur) und Tongranulate (z. B. Seramis). Aufgaben und Eigenschaften der Erde Das Pflanzsubstrat muss die Pflanze verankern und stützen, es speichert Wasser und Nährstoffe und gibt diese bei Bedarf an die Pflanze ab. Pflanzenwurzeln ERDE brauchen viel Sauerstoff, deshalb sind genügend luftgefüllte Poren in der Erde wichtig. Ein hochwertiges Substrat kann Wasser und Nährstoffe sowohl speichern, als auch abgeben. Es ist strukturstabil, das heißt, es verdichtet, wenn überhaupt, nur sehr langsam. Weiters ist es frei von Schädlingen, Krankheitskeimen und Unkraut. Es sollte auch einfach in der Handhabung und möglichst umweltfreundlich sein. Substrattyp Anschaffungs- Kosten Erde Blähton (Hydrokultur) niedrig hoch mittel Pflegeaufwand höher niedrig niedrig Kompostierbar ja nein nein Ökologie Sonstige Nutzen Auf Umweltzeichen achten Bakterien in Erde filtern Luftschadstoffe Wird mit hohem Energieaufwand erzeugt Für Büros usw. wegen Pflegeleichtigkeit zu empfehlen Tongranulate (Seramis) Wird mit hohem Energieaufwand erzeugt Für Büros usw. wegen Pflegeleichtigkeit zu empfehlen 12 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 13

8 Pflanzen selbst vermehren Pflanzen selbst vermehren PFLANZEN SELBST VERMEHREN Es ist einfach und macht Spaß, selbst Pflanzen zu vermehren. Das Erlebnis, etwas wachsen und gedeihen zu sehen ist für Kinder als auch für Erwachsene eine gleichermaßen beglückenden Erfahrung. Außerdem kann man auf diese Weise umweltfreundlich und kostenlos zu schönen, robusten Zimmerpflanzen kommen. Durch Teilung vermehrt werden buschig wachsende Pflanzen mit mehreren Stängeln wie z. B. Farne, Kolbenfaden, Zypergras, Bubikopf oder Metzgerpalme (Aspidistra). Günstigster Zeitpunkt dafür ist das Frühjahr. Blühende Pflanzen sollten aber erst nach der Blüte geteilt werden. Viele Pflanzen lassen sich einfach auseinanderreißen, oder sie werden mit einem Messer geteilt. Wichtig ist jedoch, dass beide neuen Teile ungefähr gleich viele Wurzeln und Blätter haben. Tochterpflanzen oder Kindel : Das sind selbst nachgewachsene neue Jungpflanzen, die man einfach entfernt und neu eintopft. In der Regel haben diese bereits Wurzeln. Für Grünlilien, Bromelien, Kakteen und viele Sukkulenten bietet sich diese Methode an. Vor Verletzungen durch Kakteenstacheln kann man sich schützen, indem man die Mutterpflanze mit einem Papierstreifen umwickelt und die Tochterpflanze mit einem Messer entfernt. Mit Stecklingen wird vermehrt, indem Blatt-, Seitentrieb- oder Stammstecklinge genommen werden. Blattstecklinge kann man etwa von Usambaraveilchen nehmen. Ein abgetrenntes Blatt wird in einen Topf mit feuchter Erde gesteckt. Ein über das Blatt gestülptes Glas erhöht die Luftfeuchtigkeit und fördert die Wurzelbildung. Ein Sanseveria- Blatt kann man in mehrere, ca. 5 cm große Stücke schneiden, einige Tage trocknen lassen und dann in sandige Erde setzen, wobei das untere Ende des Blattstückes in die Erde gesteckt werden muss (mit Kerbe markieren). Für Seitentriebstecklinge werden glatt abgeschnittene Seitentriebe (5 10 cm, verzweigte Blätter) z. B. bei Geranien oder Schefflera einfach in neue Erde gepflanzt. Stammstecklinge erhält man von Philodendron oder Efeutute. Stecklinge können auch zuvor in Wasser eingefrischt werden, bis sie sich bewurzelt haben. Auch Eintopfen in feuchten Sand kann die Bewurzelung fördern. Aussäen von Kernen (Samen). So wachsen Avocados, Zitronen, Feigen etc. auf unseren Fensterbänken. Dazu Kern oder Samen (z. B. von Kräutern) einfach in die Erde stecken. Diese an einen sonnigen Platz stellen und immer leicht feucht halten. Abmoosen eignet sich etwa für Fensterblatt oder Gummibaum. Ein Seitentrieb wird zu 2/3 eingeschnitten, mit Moos umwickelt und einige Wochen feucht gehalten. Haben sich Wurzeln entwickelt, kann man das abgemooste Stück einpflanzen. Gummibäume bewurzeln sich durch Abmoosen leichter als bei Vermehrung durch Seitentriebstecklinge. 14 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 15 FOTO: CMA/GPP

9 Zimmerpflanzen für alle Ansprüche Zimmerpflanzen für alle Ansprüche ZIMMERPFLANZEN FÜR ALLE ANSPRÜCHE Eine Auswahl an besonders robusten und unproblematischen Pflanzen ermöglicht Ihnen auch dann eine schöne Innenraumbegrünung, wenn sie nicht so viel Zeit für die Pflege aufwenden wollen oder nicht über den berühmten grünen Daumen verfügen. Grünlilie (Chlorophytum elatum) macht fast alles mit und ist kinderleicht durch Jungtriebe an den Ranken zu vermehren. Geldbaum (Crassula arborescens) ist für sonnige und heiße Plätze geeignet. Fensterblatt (Monstera deliciosa) wächst auch bei wenig Pflege zu imposanter Größe heran. Bogenhanf (Sansevieria trifasciata) verträgt dunkle Ecken und kommt mit wenig Wasser aus. Einblatt (Spatiphyllum wallisii) treibt auch noch bei wenig Licht und hat weiße Hochblätter. Zamioculcas (Zamioculcas zamiifolia) verträgt dunkle Räume. Die Erde sollte nie komplett austrocknen. 16 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 17

10 Zimmerpflanzen für alle Ansprüche Zimmerpflanzen für alle Ansprüche Schadstoffvertilgende Pflanzen Wir verbringen täglich viele Stunden in geschlossenen Räumen, deshalb ist eine gesunde Raumluft besonders wichtig. Schadstoffe wie Formaldehyd, Benzole oder Trichlorethylen aus Wandfarben, Lacken, neuen Möbeln, Hygieneartikeln etc. belasten die Luft der Innenräume. Das kann zu Kopfschmerzen oder gereizten Augen führen. Pflanzen können durch ihre Filterwirkung ein wenig Abhilfe schaffen. Vor allem eignen sich dafür große, vitale Pflanzen. Sorgen Sie aber immer für ausreichendes Lüften! Das ist das beste Mittel, um Schadstoffe in Innenräumen zu verringern! Grünlilien (Chlorophytum elatum) sind robust und besonders aktiv im Abbau von Schadstoffen. Baumfreund-Arten (Philodendron-Arten) sind ebenfalls ein sehr aktiver und wüchsiger Luftfilter. Echte Aloe (Aloe barbardensis) ist nicht nur ein wirkungsvoller Luftreiniger sondern auch Heilpflanze für Verbrennungen. Efeu (Hedera helix) verträgt keine Staunässe und sollte im Winter an einem kühleren Platz stehen. Einblatt (Spatiphyllum wallisii) bevorzugt einen schattigen Standort und hohe Luftfeuchtigkeit. Kolbenfaden (Aglaonema) hat mit seinen verschiedenen Sorten und intensiven Blattzeichnungen viel zu bieten. FOTO: BLUMENBÜRO HOLLAND/GPP FOTO: CMA/GPP FOTO: BLUMENBÜRO HOLLAND/GPP Drachenbäume (Dracaena- Arten) stellen eine besonders dekorative Form der Luftverbesserung in Innenräumen dar. Efeutute (Epipremnum pinnatum) mit ihren gelbpanaschierten Blättern ist auch für dunklere Ecken geeignet. Purpurtute (Syngonium podophyllum) kann als Hängepflanze oder an einem Stützstab gezogen werden. Bogenhanf (Sansevieria trifasciata) als sukkulente Art sollte nur sparsam gegossen werden. Steckenpalme (Rhapis excelsa) fühlt sich bei etwa 20 C und an einem halbschattigen Standort am wohlsten. Schefflera (Brassaia) filtert gut Schadstoffe und verträgt auch Halb schatten. 18 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 19

11 Zimmerpflanzen für alle Ansprüche Zimmerpflanzen für alle Ansprüche Schattengewächse Das sind all jene Pflanzen, die kein direktes Sonnenlicht vertragen. Einige darunter sind aber hellen Räumen nicht abgeneigt und reagieren mit einem besseren Blüh ansatz. Geeignet sind auch Aspidistra (Schusterpalme), Einblatt, Rhapis-Palme oder Zamioculcas. Kletterprofis Hängepflanzen sorgen für Blickfänge in Zimmerecken, Regalen oder an der Zimmerdecke. An Stäben gezogene Rankpflanzen finden auch in schmalen Räumen noch ausreichend Platz. Zu besonderen Formen erzogen, werden aus ihnen spezielle Einzelstücke. Die meisten Pflanzen dieser Gruppe haben attraktives Laub, es gibt aber auch einige VertreterInnen mit schönen Blüten. Monstera (Monstera deliciosa) gedeiht bei Zimmertemperatur (nicht dauerhaft unter ca. 20 C!) sehr gut, andere Monstera-Arten sind wärmeliebender. Philodendron (Philodendron) hat auch Arten, die eher kühle Zimmertemperaturen (aber mehr als 15 C!) sehr gut vertragen. Aucuba (Aucuba japonica) eignet sich für kühle schattige Standorte und bildet unscheinbare Blüten aus. Efeu (Hedera helix) gibt es in vielen Sorten mit interessantem Laub. Er ist empfindlich gegen Staunässe und kann im Winter kühler stehen. Kletterfeige (Ficus pumila) mit grünem oder grünweißem Laub darf nicht austrocknen und möchte einen hellen Platz. Kiwiknöterich (Mühlenbeckia complexa) mit kleinen rundlichen Blättern lässt sich an Drahtgerüsten leicht zu Formen erziehen. FOTO: BLUMENBÜRO HOLLAND/GPP FOTO: PENDL FOTO: SPIEGLER FOTO: CMA/GPP Frauenhaar-Farn (Adiantum) braucht hohe Luftfeuchtigkeit und ganzjährig Temperaturen über 20 C. Kentie (Kentia) verträgt dunklere Räume und hat eine lange Tradition als Wiener Kaffeehauspalme Flamingoblume (Anthurium) ist pflegeleicht und lässt sich durch Stecklinge oder Teilung vermehren. Leuchterblume (Ceropegia) wird sehr lang und ist an sonnigen Standorten sehr pflegeleicht Wachsblume (Hoya carnosa) hat betörend duftende Blüten. Der Standort sollte im Winter kühler sein. Passionsblume (Passiflora) trägt bei regelmäßiger Wasserzufuhr und hellem Standort außergewöhnliche Blüten. 20 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 21

12 Zimmerpflanzen für alle Ansprüche Zimmerpflanzen für alle Ansprüche Wohltuende Bettgenossinnen Pflanzen geben in der Dunkelheit Kohlendioxid ab. Daher wird manchmal empfohlen, keine Zimmerpflanzen im Schlafzimmer aufzustellen. Doch Pflanzen stören Ihren Schlaf nicht. Verzichten Sie jedoch auf stark duftende Pflanzen im Schlafzimmer. Da die Schlafraumtemperaturen gewöhnlich niedriger sind, sollte die Pflanze entsprechend ausgewählt werden. Einige Zimmerpflanzen sind besonders für Schlafräume empfehlenswert, weil sie auch nachts Kohlendioxid aufnehmen. Mediterranes für unbeheizte Wintergärten Im (fast) unbeheizten Wintergarten wird die Temperatur im Winter um die 5 C gehalten, also gerade noch frostfrei. Viele der klassischen Wintergartenpflanzen wie Citrus-Arten, Ölbaum, Kamelien usw. gehören in diese Kategorie. Besonders harmonisch wirkt Ihr Wintergarten, wenn Sie Pflanzen, die aus der gleichen Region stammen, mit dazupassender Ausstattung kombinieren, z. B. Mediterran mit Terracotta oder fernöstlich mit Rattan. Bogenhanf (Sansevieria) darf nicht zu feucht stehen und benötigt eine Ruhepause im Winter. Aloe (Aloe barbardensis) ist neben vielen nützlichen Eigenschaften auch sehr dekorativ. Schmetterlings-Orchidee (Phalaenopsis) blüht an einem hellen Standort regelmäßig wieder. Citrus-Arten mit ihren duftenden Blüten und Früchten sind die klassischen Wintergartenpflanzen. Olivenbaum (Olea europaea) wächst mit etwas Geduld zu knorrigen, stattlichen Exemplaren heran. Kamelien (Camellia japonica) zählen zu den edelsten Kübelpflanzen. Auf kalkfreies Substrat u. Gießwasser achten. FOTO: BLUMENBÜRO HOLLAND/GPP FOTO: BLUMENBÜRO HOLLAND/GPP Cymbidie (Cymbidium) möchte im Winter bei C gehalten werden. Im Sommer kann sie im Garten stehen. Flammendes Schwert (Vriesea splendens) trägt ihre auffälligen Blüten viele Wochen lang. Lanzenrosette (Aechmea fasciata) ist sehr robust, lediglich Staunässe sollte vermieden werden. Echte Feige (Ficus carica) bietet schöne Belaubung und mildsüße Früchte im Wintergarten. Zierbanane (Musa) kann im Sommer im Freien stehen und gedeiht im Kalt-, als auch im Warmhaus Zwergpalmen (Chamaerops humilis) sind ideal für kleinere Wintergärten. Gießen Sie diese Art sparsam. 22 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 23

13 Zimmerpflanzen für alle Ansprüche Zimmerpflanzen für alle Ansprüche Tropische Schönheiten für den Wintergarten In beheizten Wintergärten, die baulich nicht vom Wohnraum getrennt sind, liegen die Temperaturen ganzjährig bei etwa 18 bis 24 C. Das heißt hier können Sie sich auch im Winter längere Zeit aufhalten und entspannt lesen oder Kaffee trinken. Hibiscus (Hibiscus rosasinensis) braucht volle Sonne und verträgt auch etwas kühlere Temperaturen als 20 C. Usambaraveilchen (Saintpaulia ionantha) bringen Farbe in den Wintergarten. Sie vertragen keine direkte Sonne. Bromelie (Bromelia) wächst ursprünglich in Bäumen. Am wohlsten fühlt sie sich wenn immer etwas Wasser in den Blättern steht. FOTO: CMA/GPP Buntwurz (Caladium-Hybriden): Ihre großen, mehr oder weniger pfeilförmigen Blätter sind meist mehrfarbig oder marmoriert. Glanzkölbchen (Aphelandra squarrosa) hat neben den gelben Blüten auch hübsche grün-weiße Blätter. Medinilla (Medinilla magnifica) ist eher anspruchsvoll, ihre üppigen Blüten eignen sich gut für Ampeln oder hohe Übertöpfe. Würzige Küchenkräuter in Räumen Bei genügend Sonnenlicht gedeihen Kräuter und Sprossenkeimlinge auch in geschlossenen Räumen. Gerade in der Küche hat man so schnell Zugriff auf feinaromatische Gewürze oder frische Salatzutaten. Für die Haltung in Innenräumen eignen sich bekannte Kräuter wie Schnittlauch, Petersilie, Minze, Melisse, Thymian, Basilikum, Rosmarin usw., aber auch exotische Arten wie das Zitronengras. Wichtig sind helle, gern sonnigere Plätze, regelmäßiges Gießen und Temperaturen zwischen 18 und 20 C. Der idealste Standort sind Fensterbänke, wobei südländische Kräuter wie Salbei, Rosmarin oder Thymian am sonnenhungrigsten sind. Schnittlauch, Petersilie, Kerbel, Koriander und Minzen kommen auch mit Nord- oder Ostfenstern zurecht und sollten nie austrocknen. Saatgut und praktische Keimgefäße für Kresse, Alfalfasprossen, Rettich, Senf, Mungobohnen oder Sojakeimlinge sind im Naturkosthandel erhältlich. Sprossen sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und bio aktiven Pflanzenstoffen und verfeinern Ihre Salate oder Gemüsegerichte. k Tipps für essbare Pflanzen: Verwenden Sie nur spezielle Kräuteroder Gartenerde, sie enthält keinen leichtlöslichen Mineraldünger. Wer viel erntet, muss regelmäßig nachdüngen, aber bitte nur für Gemüse und Kräuter geeignete, organische Dünger oder Kompost verwenden und Dosierempfehlungen genau einhalten! Niemals Pflanzenschutzmittel verwenden, bei Schädlingsbefall Bio- Methoden anwenden. Gönnen Sie Ihren Aromakünstlern eine Sommerfrische im Freien. Kranke Pflanzen zur Erholung ins Freiland bringen. Vermeiden Sie, dass die Pflanzen direkt über Heizkörpern stehen, die trockene Luft tut ihnen nicht gut. k Gemüse in geschlossenen Räumen? Wer Paradeiser, Radieschen oder Pflücksalat ernten möchte, wird an einer sonnigen Außenfensterbank mehr Ernteerfolg haben als im Zimmer. Dort lassen sich kleine Gemüse- und Salatsorten aber durchaus kultivieren. 24 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 25 FOTO: HUEFING

14 Der Garten im Kübel Der Garten im Kübel Kleine Wildparadiese Duftende Blumen und Schatten spendende Pflanzen in mobilen großen Töpfen schaffen Atmosphäre Orte der Entspannung, idyllische Sitzplätze oder attraktiven Blickfang. Kübelpflanzen lassen sich ganz nach jedem Geschmack überall dort anordnen, wo sie am wirkungsvollsten sind. Bei der Pflanzenauswahl sind neben den herkömmlichen Balkonblumen wie Pelargonie, Surfinie und Co. auch Stauden, Wildblumen, Kräuter, Gemüse oder Naschobst eine willkommene Alternative. Ein Naturgarten im Kübel spricht sich schnell herum. Die Flieger sind immer die Ersten: Hummeln, Wild-Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen laben sich ganz selbstverständlich an Wildblumentöpfen mit Flockenblume und Thymian, mit Storchschnabel, Salbei und Majoran. DER GARTEN IM KÜBEL Fensterbrett, Balkon und Terrasse Ein ganzer Garten im Topf! Ein einziger Topf mag vielleicht etwas wenig sein. Werden jedoch mehrere Kübel zusammengestellt, dann kann ein ganzes Gartenparadies verwirklicht werden. Ein Balkon mitten im Grau einer Stadt, eine leere Terrasse vor dem Haus oder ein unbeachteter Winkel im Innenhof kann mit bepflanzten Gefäßen belebt werden. Jenseits der klassischen Kübelpflanzen wie etwa Oleander entfaltet sich hier die ganze Vielfalt der Pflanzenwelt. Ein leuchtendes Schmetterlingsparadies oder ein duftender Kräutergarten können entstehen. Ein Eldorado für nützliche, Schädlinge vertilgende Insekten kann geschickt neben dem Gemüse- oder Naschkisterl aufgestellt werden, sogar ein Miniaturteich ist möglich! 26 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 27

15 Der Karten im Kübel Der Garten im Kübel Das Schmetterlingsparadies Der schattige Miniaturwald 1 Lungenkraut Pulmonaria officinalis 2 Salomonsiegel Polygonatum odoratum 3 Wald-Storchschnabel Geranium sylvaticum 4 Gemeine Akelei Aquilegia vulgaris 5 Gewöhnlicher Wurmfarn Dryopteris filix-mas 5 4 Die Sonnenanbeter 1 Margerite Leucanthemum vulgare 2 Kleinblütige Königskerze Verbascum thapsus 3 Wiesen-Salbei Salvia pratensis 4 Moschus-Malve Malva moschata 5 Gemeines Sonnenröschen Helianthemum nummularium Sonnenanbeterinnen und Schattenliebhaberinnen Die Bepflanzungsmöglichkeiten sind mannigfaltig und können auf die Bedürfnisse aller abgestimmt werden. Der Mini-Garten Blumenkisterl lässt der Kreativität freien Lauf. Er ist aber auch ein Sonderstandort: An einem Südbalkon kann es sehr heiß werden und die Pflanzenkisten trocknen schnell aus; an einem Nordbalkon wird sich jedoch nie die Sonne zeigen. Die Pflanzenauswahl wird sich an diese Standortvoraussetzungen anpassen. Schmetterlinge und andere einheimische Blütenbesucher können mit den meisten der üblichen Blumenkisterlpflanzen nichts anfangen. Diese sind aus Kreuzungen entstanden, die vor allem eine große gefüllte Blüte zeigen sollen; sie bilden häufig keine Pollen und Samen mehr aus und führen jeden kleinen Insekten-Räuber, der auf Blütengäste wartet, in die Irre, weil auch die intensivste Suche nach Nahrung hier erfolglos bleiben muss. Wer den Schmetterlingen und den summenden und brummenden Insekten hold sein möchte, versucht einmal etwas Anderes und wählt für die Bepflanzung seiner Töpfe und Kisterln einheimische Wildpflanzen aus. Bezugsquellen für Wildpflanzen finden Sie im Serviceteil und bei "die umweltberatung" Das absolute Wildparadies 1 Acker-Glockenblume Campanula ranuncoloiedes 2 Gewöhnliches Zittergras Briza media 3 Hufeisen-Klee Hippocrepis comosa 4 Wilder Dost Origanum vulgare 5 Knäuel-Glockenblume Campanula glomerata 6 Echtes Johanniskraut Hypericum perforatum 7 Spanischer Mauerpfeffer Sedum hispanicum 8 Echter Beinwell Symphytum officinale 9 Großer Wiesenknopf Sanguisorba officinalis 10 Gewöhnlicher Frauenmantel Alchemilla vulgaris 11 Gänsefingerkraut Potentilla anserina 28 Viel Grün auf wenig Platz Viel lg Grün auf fw wenig Platz 29 FOTO: PENDL FOTO: JD

16 Der Garten im Kübel Der Garten im Kübel Das Naschkisterl Besondere Freude macht es, wenn sich im Kübelgarten ein Naschbereich findet. An erster Stelle sind es natürlich Küchen-Kräuter, die sich auch in Töpfen sehr wohl fühlen. Rosmarin ist aufgrund seiner Frostempfindlichkeit sowieso im Kübel besser aufgehoben. Für eine Dauerbepflanzung eignen sich Bohnenkraut, Thymian, Schnittlauch und Salbei. Andere Arten wie Petersilie, Basilikum und Majoran können die Auswahl ergänzen. Ernten ohne Garten Aber auch Gemüse wächst ohne Schwierigkeiten im Kübel heran: Stangenbohnen, Paradeiser, Brokkoli, Paprika, Lauch. Blattgemüse aus dem Trog Wunderbar geeignet sind Pflücksalate oder Spinat. Einfach direkt in die Erde säen (Rucola, Vogerlsalat, Pflücksalate, Spinat) oder einzelne Pflanzen (z. B. Lollo-Salate, Eichblatt-Salat, Mangold etc.) mit cm Abstand einsetzen. Nimmt man immer nur die äußeren Blätter, kann wochenlang frischer Salat geerntet werden. FOTOS: CMA/GPP Je größer die Früchte, desto eher wird die Zufuhr von (organischem, für Gemüse geeigneten) Dünger notwendig. Wurzelgemüse Radieschen, Steckzwiebeln oder Knoblauch können auf der Fensterbank wachsen. Erdäpfel kann man in Holzkisten oder größeren Blumentöpfen anbauen, bei Karotten, Roten Rüben oder Sellerie sollten größere Gefäße gewählt werden. Sehr schön anzusehen sind auch Haferwurz oder Schwarzwurzeln, als zweijährige Pflanzen bilden sie nach einer frostgeschützten Überwinterung dekorative Blüten. Erforderlich sind hier mindestens 10 Liter fassende Pflanzgefäße mit großen Wasserabzugsöffnungen und nährstoffreiche, mit Kompost angereicherte Pflanzerde. Dann noch die Wahl der richtigen Sorte und dem Genuss von selbst gezogenem Gemüse steht nichts mehr im Wege. Natürlich gilt: je größer das Gefäß, desto besser wachsen die Pflänzchen. Aber auch in gewöhnlichen Balkontrögen kann eine gute Ernte erzielt werden. Feine Früchtchen Alle kleinfruchtigen Gemüse- und Obstarten sind geeignet. Chilischoten, Pfefferoni, kleinfruchtige Paradeiser, kleine Salatgurken- und Zucchinisorten, Melanzani, und bei etwas größeren Gefäßen sogar Kürbisse oder Zuckermelonen. Auch Buschbohnen und sogar Stangenbohnen auf Schnüren sind für die Topfkultur geeignet. k Tipp: Nährstoffkreislauf schließen! Wer Balkon, Dachgarten oder Terrasse in einen Nutzgarten verwandelt, braucht einerseits sehr viel geeignete Pflanzerde, andererseits fallen größere Mengen an organischen Abfällen an. Eine Wurmkompostkiste verwandelt verbrauchte Erde und Pflanzenreste in nährstoffreiche Erde fürs nächste Jahr. Anleitungen und nähere Infos: "die umweltberatung", Tel.: 01/ oder 02742/ Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 31

17 Der Garten im Kübel Der Garten im Kübel Mini-Obstgarten Naschkisterl Selbst für eine reiche Obst- und Beerenernte ist der Kübelgarten nicht zu klein. Erdbeeren gedeihen problemlos auch im Fensterkisterl. Um die Saison zu verlängern, empfiehlt es sich, Monatserdbeeren zu verwenden diese tragen einen längeren Zeitraum hindurch immer wieder neue, köstliche Früchte. 1 Monats-Erdbeere Fragaria vesca var. Hortensis 2 Ysop Hysoppus officinalis 3 Zitronenmelisse Melissa officinalis 4 Ringelblume Calendula officinalis 5 Auch andere Beerensträucher wie Stachelbeeren, Ribiseln, Himbeeren und Brombeeren sind für den Mini-Obstgarten geeignet. 10 bis 20 Liter fassende Pflanzgefäße sind hier sinnvoll. Himbeeren und Brombeeren lieben zusätzlich kühle Füße : Das kann mit einer ganzjährigen Mulchdecke gelöst werden (z. B. Grasschnitt, Laub- oder Nadelstreu oder auch mit Pflanzen wie Spinat oder Polsterpflanzen) Natürlich können auch Obstbäumchen auf Balkon oder Terrasse gezogen werden. Wichtig dabei ist, dass auf schwachwüchsige Bäumchen zurückgegriffen wird. Die Erziehung als Spalier, das heißt auf Schnüre oder Drähte aufgebunden, hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen. Bei der Sortenauswahl sollte unbedingt auf die Befruchtungsverhältnisse geachtet werden. (Einige Sorten tragen nur Früchte, wenn ein anderer Baum der dazupassenden Sorte in unmittelbarer Nähe steht.) Die Töpfe sollten hier mindestens 20 l fassen. Ist der Topf vollkommen durchwurzelt, muss in ein größeres Gefäß umgetopft werden. 11 Kräuterkisterl Lavendel Lavandula angustifolia 11 Zitronen-Thymian Thymus citriodorus 12 Feld-Thymian Thymus serpyllum 13 Wilder Dost Origanum vulgare 14 Echter Salbei Salvia officinalis 14 Bohnenzelt 5 Stangenbohne Phaesolus vulgaris 6 Paprika Capsicum annuum 7 Basilikum (rot) Ocimum basilicum 8 Schnittlauch Allium schoenoprasum 9 Bohnenkraut Satureja montana 32 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 33

18 Der Garten im Kübel Der Garten im Kübel Jahreszeitentöpfe Frühlingsboten 1 Mini-Narzissen Narcissus sp. 2 Steinkraut Alyssum saxatile Zwerg-Akelei Aquilegia flabellata var. pumila Moos-Steinbrech Saxifraga arendsii Wald-Vergissmeinnicht Myosotis sylvatica 3 Krokus Crocus sp. Horn-Veilchen Viola cornuta Sommer klassisch Gold-Zweizahn Bidens ferulifolia Löwenmäulchen Antirrhinum majus 4 Ringelblume Calendula officinalis 5 Portulak Portulaca-Arten 6 Tagetes Tagetes tenuifolia 7 Zinnie Zinnia sp. Herbstkisterl Zartes Federgras Nasella Pony Tails 8 Kissen-Aster Aster dumosus 9 Cosmea Cosmea bipinnatus China-Aster Callistephus chinensis 10 Stiefmütterchen Viola cornuta Know-how der Topfkultur Kübelpflanzen haben besonders mit den Extremen des Wetters und dem geringen Platzangebot im Topf zu kämpfen. Auf einem Balkon oder einer Terrasse können erhebliche Temperaturschwankungen auftreten. Durch das geringe Erdvolumen in den Töpfen dringt Frost, Hitze und Trockenheit schnell bis zu den Wurzeln durch. Auch wird die begrenzte Menge an Erdreich im Topf schneller ausgelaugt. Mit einigen Tipps und Tricks wird das Gärtnern im Topf ganz leicht gemacht und zu einer erfüllenden Beschäftigung: Bei der Mischkultur im Topf ausschließlich Pflanzen mit den gleichen Bedürfnissen verwenden. Enges Zusammenstellen mehrerer Kübel erhöht die Luftfeuchtigkeit und schützt vor Temperaturextremen. Wer nicht jeden Tag gießen kann oder will, wählt trockenheitsliebende Pflanzen. Töpfe mit Grasschnitt, Laub, Heu oder Moos mulchen. Immer Untersetzer verwenden. Kälteempfindliche Pflanzen in der Übergangszeit nachts mit einem Vlies oder Tuch abdecken. 34 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 35 FOTO: IZB/GPP

19 Der Garten im Kübel Topfpflanzen pflegen Überwinterung Sobald im Herbst die ersten Nachtfröste angekündigt werden, ist es für die meisten Kübelpflanzen Zeit, in ein geeignetes Winterquartier zu übersiedeln. Der Winterschutz der einheimischen, also winterharten Pflanzen ist denkbar einfach. Ein frostsicheres Gefäß, in dem mittels Drainage (Tonscherben über die Abzugslöcher der Töpfe vor dem Eintopfen geben) für ausreichenden Wasserabzug gesorgt ist, wird (ohne Untertöpfe) auf ca. 3 cm hohe Holzlatten gestellt. So sind die Pflanzen sicher vor Staunässe. Am besten ist es, wenn alle Töpfe eng zusammengestellt werden. Sind etwas empfindlichere Pflanzen dabei, können die Zwischenräume zwischen den Töpfen auch mit Stroh, Jutesäcken oder Zeitungspapier (an überdachten Stellen) gefüllt werden. Ideal als Überwinterungsplatz für nicht winterfeste Pflanzen ist ein kühler (ca. +2 bis +12 C) und heller Raum. k Grundsätzlich gilt: Schüttere Triebe (evtl. auch ungesunde oder mit Schädlingen befallene) werden abgeschnitten. Je kühler ein Raum, desto geringer ist der Lichtbedarf. Stehen nur Räume mit über 15 C zur Verfügung, ist unbedingt ein heller Fensterplatz notwendig. Je kühler und dunkler der Überwinterungsplatz ist, desto niedriger ist der Wasserbedarf. Steht kein optimales Winterquartier zur Verfügung, werden die Pflanzen so spät wie möglich eingeräumt. Nicht düngen! Wenig gießen (erst wenn sich die Erde trocken anfühlt). Im Frühling müssen die Pflanzen ausgewintert werden. Sie werden langsam an die Außentemperatur und auch an die starke Sonneneinstrahlung gewöhnt. FOTO: PdM/GPP FOTO: CMA/GPP TOPFPFLANZEN PFLEGEN Richtiges Gießen ist besonders wichtig. Der Wasserbedarf richtet sich nach Pflanzengröße, Topfgröße, der Beschaffenheit der Blätter und dem Standort. Im Winter ruhen Pflanzen und brauchen weniger Wasser. Im Zweifel gibt die Fingerprobe Auskunft: Bleibt auf dem Finger Erde hängen, ist noch genügend Feuchtigkeit vorhanden. Viele Zimmerpflanzen in der Heizperiode sind für regelmäßiges Besprühen dankbar. Gießen, Düngen, Umtopfen k Tipps zum Gießen: Stark ausgetrocknete Erde kann nicht sofort Wasser aufnehmen. Langsam und öfter befeuchten, Ablaufwasser wegschütten. Gieß- und Sprühwasser sollte abgestanden und zimmerwarm sein. Die meisten Pflanzen vertragen keine Staunässe. Deshalb nach dem Gießen überschüssiges Wasser ausleeren. Auf Balkonen und Terrassen kann eine automatische Tropfschlauchbewässerung oder Gefäße mit Wasserspeicherreservoir sinnvoll sein. 36 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 37

20 Topfpflanzen pflegen Pflanzengesundheit Düngen Zimmer- und Balkonpflanzen sind auf regelmäßige Düngegaben angewiesen. Die ökologische Alternative sind organische Dünger aus pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen. Sie sind auch als bequeme Flüssig- oder Korndünger erhältlich. Günstig und praktisch in der Anwendung sind z. B. Hornspäne oder Kompost. k Tipps zum Düngen: Mengen- und Anwendungshinweise immer genau einhalten! Pflanzen sind beim Kauf oft überdüngt und können ihr Aussehen danach schnell ändern, z. B. Größe, Blatt- und Blütenfarbe. Niemals trockene Pflanzen düngen. Nach dem Umtopfen braucht 6 8 Wochen nicht gedüngt werden. In Ruheperioden und Krankheitsphasen nicht düngen. Erde auflockern Pflanzen freuen sich, wenn die oberste Erdschicht von Zeit zu Zeit gelockert und eventuell mit frischer Erde verbessert wird. Einmal im Jahr Umtopfen erspart viele Düngergaben! Umtopfen Es ist jedenfalls Zeit zum Umtopfen, wenn die Wurzeln die Erde völlig durchwachsen haben oder sogar unter dem Topf herausragen. Am günstigsten ist Umtopfen zu Frühlingsbeginn. Beim Umtopfen das Wurzelnetz leicht auflockern, eventuell etwas schneiden. Der neue Topf sollte nur eine Größe (= 2 cm) größer sein als der bisherige. In den Topf eine Tonscherbe oder etwas Kies geben, damit das Abflussloch nicht verstopft. Neue Tontöpfe zuerst mit Wasser voll saugen lassen. Einige Pflanzen sind Umtopfmuffel. Vor allem Orchideen, Bougainvillea, Jasmin, Hibiscus, Gewürzrinde, Myrte, Korallenstrauch, Tibouchina, Granatapfel und Rosmarin kommen deshalb nur alle 2 4 Jahre in frische Erde. Lorbeer, Oleander, Olive und Citrus müssen nur alle 4 5 Jahre umgetopft werden. Sie können dabei durch einen leichten Wurzelrückschnitt zum Wachstum angeregt werden. FOTO: IZB/GPP PFLANZENGESUNDHEIT Keine Panik Erstdiagnose für geschwächte Pflanzen: Staunässe? Vertrocknet? Achtung Übertöpfe! Staunässe lässt Pflanzen verkümmern und fördert Pilze, Springschwänze und Trauermücken. Trockene Luft am Überwinterungsstandort? Fördert Thripse und Spinnmilben. Zu viel/wenig gedüngt? Beides lässt Pflanzen kränkeln. In letzter Zeit umgestellt? Viele Pflanzen kümmern dann kurzzeitig, Ficus benjamina kann Blätter abwerfen. Ist es zugig? Zugluft fördert Schädlingsbefall wie Spinnmilben. Braune Spitzen? Trockene Raumluft oder Nährstoffmangel können die Ursache sein. Wurde mit zu kalkhaltigem Wasser gegossen? Sind Tierchen sichtbar? Welche? Nur wenn Sie genau feststellen, was Ihrer Pflanze fehlt bzw. welcher Schädling/welche Krankheit Ihre Pflanze befallen hat, machen Gegenmaßnahmen Sinn. Zusätzlich ist es vernünftig, gleichzeitig Vorbeugemaßnahmen zu setzen, um einen Wiederbefall nach Möglichkeit zu verhindern. Wenn eine Pflanze allerdings trotz aufwändiger Pflege nie so richtig wachsen und gedeihen will, sollte man sie gegen eine standortgerechtere tauschen. 38 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 39 FOTO: CMA/GPP

21 Pflanzengesundheit Pflanzengesundheit Biologischer Pflanzenschutz für Topfpflanzen Nützlinge contra Zimmerpflanzenschädlinge Zum Glück gibt es eine Reihe giftfreier Methoden, Schädlings- oder Krankheitsbefall an Topfpflanzen in den Griff zu bekommen. Mit den vorgestellten Maßnahmen gibt es sehr gute Erfahrungen: Ausschöpfung aller Vorbeugungsmaßnahmen: geeigneter Standort, gute Pflege, natürliche Pflanzenstärkungsmittel Mechanische Maßnahmen: z. B. das Abwaschen, Abbürsten oder Zerdrücken von Schädlingen Biologische Maßnahmen: Nützlingseinsatz. Biotechnische Maßnahmen: z. B. Gelbtafeln gegen Trauermücken, Pheromone Bio-Pflanzenschutzmittel: z. B. Neem, Öle, Seifen, Laugen, Jauchen Alternative Pflanzenbehandlungsmittel: Homöopathie, Ätherische Öle FOTO: TRIBUTSCH Der Einsatz von Nützlingen zum Fangen von Schadinsekten ist eine bewährte Alternative zur Anwendung giftiger Präparate, weil er mit keinerlei gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Nützlinge sind Tiere, die Pflanzen von Schädlingen befreien oder vorbeugend freihalten, z. B. Florfliegenlarven und Marienkäferlarven, die Blattläuse fressen, oder Raubmilben, die Spinnmilben vertilgen. Der Einsatz von Nützlingen im Garten und Haus ist dem Erwerbsgartenbau in Glashäusern abgeschaut, wo durch die Pflanzendichte und Klimabedingungen sehr leicht Schädlinge auftreten, das Gemüse aber nicht durch chemische Pflanzenschutzmittel belastet werden soll. Gerade in Räumen und Wintergärten sind Nützlinge sehr wirksam, da sie nicht auswandern können. Beispiele für funktionierenden Nützlings-Einsatz sind: Parasitische Erzwespen gegen die Weiße Fliege Raubmilben gegen Spinnmilben Florfliegenlarven gegen Blattläuse und Thripse Räuberische Gallmücken gegen Blattläuse im Wintergarten und Gewächshaus Australischer Marienkäfer gegen Woll- und Schmierläuse HM Nematoden gegen Dickmaulrüssler (in Balkontöpfen) SF Nematoden gegen Trauermücken Bezugsadressen finden Sie im Anhang. Probleme bei der Diagnose? Wir helfen Ihnen gerne weiter: 01/ ("die umweltberatung") / (NÖ Gartentelefon) Nutzen Sie auch unsere Pflanzendoktor-Homepage: "die umweltberatung" und Natur im Garten beraten Sie konsequent ökologisch, firmenunabhängig und praxisnah Meist werden Nützlinge mit der Post versandt und müssen rasch zu ihrer Nahrung gelassen werden. Genaue Anleitungen (z. B. Temperatur, Luftfeuchte etc.) werden von den Züchterfirmen mitgeschickt, denn nur deren Einhaltung garantiert einen erfolgreichen Einsatz. FOTO: CMA/GPP 40 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 41

22 Pflanzengesundheit Pflanzengesundheit ZIMMERPFLANZENSCHÄDLINGE Übersicht Broschürentipp: Mehr Information zu Schildläusen, Thripsen, Blattläusen, Spinnmilben, Dickmaulrüsslern und Trauermücken sowie zu Pflanzenbrühen, Nützlingen, Schädlingen und Krankheiten im Garten finden Sie in der kostenlosen Broschüre Natur-Nische Hausgarten, zu bestellen bei "die umweltberatung" und unter Schädling Vorbeugung Gegenmaßnahmen Blattläuse Pflanzen stärken z.b. mit Algenpräparaten Maßvoll düngen Optimaler Standort Mechanisch: Mit Wasserstrahl abspülen, Abwischen, Honigtau abwaschen Biologisch/Nützlinge: Florfliegenlarven, Schlupfwespen, Gallmücken Pflanzenschutz: Spritzbrühen: z. B. Zwiebel-, Kartoffelschalen, Knoblauch-, Brennnessel-, Rainfarn- oder Wermuttee. Bestäuben: (Gesteinsmehl, Asche, Algenkalkstaub) FOTO: PENDL Napf-Deckel- Schildläuse Optimaler Standort Mechanisch: Abbürsten, abkratzen, abwaschen (Honigtau), weichlaubige Pflanzen zurückschneiden Biologisch/Nützlinge: Schlupfwespen Pflanzenschutz: Gießen und Spritzbrühen: (Wurmfarn-, Rainfarntee), hartlaubige Pflanzen wöchentlich nur an der Blattoberseite mit Rapsölmitteln oder Schmierseifenlösung besprühen oder mit Spiritus oder Öl dünn einpinseln. Mindestens 3 4 Mal durchführen. Woll-, Schmierläuse Pflanzen stärken (Algenpräparate) Standort überprüfen Nicht überdüngen Mechanisch: Abkratzen, Rückschnitt Biologisch/Nützlinge: australischer Marienkäfer (Crytolaemus montrouzieri), wenn es warm ist; Schlupfwespen (Leptomastidea abnormis) Pflanzenschutz: Besprühen/Bepinseln: Schmierseifen-Spiritus-Lösung, Rapsölmittel, Rainfarntee, Kaffeesud Spinnmilben Nicht überdüngen Richtiger Standort Gut lüften Luftfeuchtigkeit erhöhen (besprühen, große Wassertassen) Mechanisch: abduschen mit Wasser besprühen und für ein paar Tage in einen durchsichtigen Plastiksack stecken und öfter besprühen Biologisch/Nützlinge: Raubmilben (z. B. Phytoseiulus persimilis) Pflanzenschutz: Spritzbrühen 2 3 Mal täglich 10 Tage lang (Schachtelhalm-, Brennnesseljauche, Knoblauchtee). Kranke Blätter vernichten FOTOS: BIOHELP GMBH 42 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 43

23 Pflanzengesundheit Pflanzengesundheit Schädling Vorbeugung Gegenmaßnahmen Weiße Fliege Richtiger Standort (nicht zu trocken und warm) Lüften Boden feucht halten Genügend Abstand zwischen Pflanzen Mechanisch: Gelbe Leimtafeln Biologisch/Nützlinge: Erzwespen (Encarsia formosa) Pflanzenschutz: Spritzbrühen (Rainfarntee, Sojaöl, Rapsöl, Seifenlösung) Trauermücken Weniger gießen Trockener halten Torffreie Qualitätserde (die Larven werden oft eingeschleppt) Mechanisch: Erde austrocknen lassen, Töpfe mit Sand abdecken, umtopfen mit Abwaschen und Erdaustausch Biologisch/Nützlinge: parasitäre Nematoden (Steinernema sp.) Biotechnisch: Gelbtafeln (gelbe Leimtafeln aus dem Baumarkt zum Fangen der Mücken) Thripse (Blasenfuß) FOTO: TRIBUTSCH Pflanzenstärkungs mittel (Algen- und Kräutermittel) Boden durch Mulchen feucht halten Luftfeuchtigkeit erhöhen Regelmäßig gießen und lüften Mechanisch: Mit Wasser besprühen und für ein paar Tage in einen durchsichtigen Plastiksack stecken und öfter besprühen Biologisch/Nützlinge: Blumenwanze (Orius-Arten) Springschwänze Luftig aufstellen Gießen reduzieren Mechanisch: Pflanzen in Tauchbad stellen und Tiere absaugen, danach Töpfe und Untersetzer gut abwaschen Dickmaulrüssler FOTOS: BIOHELP GMBH Werden oft mit torfhaltiger Erde eingeschleppt torffreie Qualitätserde verwenden Nicht überdüngen und übersäuern (kein Torf oder Rindenmulch) Mechanisch: Umtopfen, Erde austauschen, Käfer nachts absammeln zur Eiablagezeit (Mai, Juni) Biologisch/Nützlinge: Insektenparasitäre Nematoden (Heterorhabditis-Arten) Pflanzenschutz: Wermutjauche, Rainfarn-, Knoblauch-, Neem- oder Wermuttee zum Gießen, Spritzen, als Geruchsbarriere 44 Viel Grün auf wenig Platz Viel Grün auf wenig Platz 45

24 Literatur & Firmenliste Umweltfreundliche Literatur zu Zimmerpflanzen Firmenliste und Bezugsquellen k Biologischer Pflanzenschutz für Haus, Wintergarten und Balkon: BAUMJOHANN, Dorothea und Peter Ulmer, Stuttgart 1997 Vorbeugende Pflanzenpflege, biologischer Pflanzenschutz, Zierpflanzen-Einmaleins (Beschreibung und Pflege von Zimmer-, Balkon- und Kübelpflanzen inkl. Kräuter und Gemüse am Balkon), Biologie und Bekämpfung der wichtigsten Schädlinge, Diagnoseleitfaden, Vorstellung der Nützlinge. k Zimmergärtnern naturgemäß: HEUER, Sigrid Franckh-Kosmos, Stuttgart 1991 Vorbeugende Pflanzenpflege, biologischer Pflanzenschutz, Diagnosetabellen. k Biologischer Pflanzenschutz für Zimmerpflanzen (Gärtnern leicht und richtig): SCHÄFNER, Ulrike BLV. München 1996 Vorbeugende Pflanzenpflege, biologischer Pflanzenschutz, Diagnosetabellen, Pflegetabelle für häufige Zimmerpflanzen. Bezugsquellen für Nützlingsorganismen: Informieren Sie sich vor jedem Nützlingsund Pflanzenschutzmitteleinsatz über aktuelle Zulassungsbestimmungen im Pflanzenschutzmittelregister unter Sie dürfen nur Nützlinge ausbringen, die in Österreich zugelassen sind. k biohelp Biologischer Pflanzenschutz Nützlingszucht Kapleigasse 16, 1110 Wien Tel.: 01/ k H&PWelte GdbR Maurershorn 18a, D Reichenau Tel.: 0049/7534/ k W. Neudorff GmbH KG An der Mühle 3, D Emmerthal Tel.: 0049/5155/ In Österreich erhältlich über: Fa. Windhager Enzersberg 205, A-5303 Thalgau Tel.: 06253/61610 k e-nema Gesellschaft für Biotechnologie und biologischen Pflanzenschutz mbh Klausdorfer Str , D Raisdorf Tel.: 0049/4307/ FOTO: JD 46 Viel lg Grün auf wenig Platz

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