How To Understand The Algebraic Structure Of A Program In Python (For Beginners)
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- Karlheinz Bader
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1 Algorithmen und Programmierung Kapitel 8 Abstrakte Datentypen 1 Überblick Abstrakte Datentypen Signaturen und Algebren Spezifikation von ADTs Umsetzung von ADTs 2
2 Einführung Motivation: Wiederverwendbarkeit und Strukturierung von Software Ziel: Beschreibung von Datenstrukturen unabhängig von ihrer späteren Implementierung in einer konkreten Programmiersprache Abstrakter Datentyp (ADT) 3 Formen von Datentypen Konkrete Datentypen: Konstruiert aus Basisdatentypen bzw. Java-Klassen Abstrakte Datentypen: Spezifikation der Schnittstelle nach außen Operationen und ihre Funktionalität 4
3 Prinzipien von Abstrakten Datentypen ADT = Software-Modul Kapselung: darf nur über Schnittstelle benutzt werden Geheimnisprinzip: die interne Realisierung ist verborgen... somit sind abstrakte Datentypen eine Grundlage des Prinzips der objektorientierten Programmierung! 5 Signatur Eine Signatur ist definiert als = (S, Ω) wobei Folgendes gilt: S ist eine Menge von Sorten. Ω = { f S*, S } definiert die Funktionssymbole für Funktionen f : s 1 s n s mit Parametersorten s 1,..., s n und Ergebnissorte s. Funktionen ohne Parameter heißen Konstanten 6
4 Algebra zu einer Signatur Eine Algebra A zu einer Signatur ist definiert als A = (A S, A Ω ) wobei Folgendes gilt: A S sind die Trägermengen der Sorten in S. A Ω = { A f : A s1 A sn A s } sind Funktionen auf diesen Trägermengen. Eine Algebra heißt partiell definiert, wenn mindestens eine der Funktionen eine partielle Funktion ist. 7 Algebraische Spezifikation Gleichungsspezifikation Die Angabe der Signatur legt die Namen der Typen sowie die Funktionssignaturen fest. Gleichungen dienen als Axiome zur Einschränkung möglicher Algebren als Modelle. Zusätzlich erfolgt evtl. ein Import anderer Spezifikationen. 8
5 Algebraische Spezifikation: Beispiel type Nat operators 0: Nat suc: Nat Nat add: Nat Nat Nat axioms i,j : Nat add (i, 0) = i add (i, suc (j)) = suc (add (i, j)) 9 Spezifikationen und Modelle Algebra der Wahrheitswerte type Bool operators true: Bool false: Bool Modelle für diese Spezifikation? 10
6 Modelle für Bool 1. Gewünschte Algebra: A Bool = { T, F } ; A true := T; A false := F 2. Wahrheitswerte über Zahlen realisiert: A Bool = N ; A true := 1; A false := 0 Akzeptabel, aber die Trägermenge ist eigentlich zu groß 3. Algebra mit einem Element: A Bool = { 1 } ; A true := 1; A false := 1 Diese Algebra ist sicherlich als Modell nicht erwünscht! 11 Standardmodelle Wie komme ich zu einem kanonischen Standardmodell (also genau einer Algebra, die die Axiome respektiert) für eine gegebene Spezifikation? Weder zu wenige noch zu viele Elemente No confusion, no junk Wir gehen dazu in zwei Schritten vor: In einem ersten Schritt konstruieren wir eine Algebra, die keine unnützen, also keine nicht durch Funktionsberechnung konstruierbaren Werte enthält. Im zweiten Schritt setzen wir dann die Werte gleich, die mittels der Gleichungen als gleich charakterisiert werden (und nicht mehr!). 12
7 Termalgebra Die Termalgebra zu einer gegebenen Spezifikation ist definiert durch: Die Trägermenge, bestehend aus allen korrekt gebildeten Termen der Signatur. Der Funktionsanwendung als Konstruktion des zugehörigen Terms. 13 Beispiel Termalgebra für Nat Vorüberlegung: A nat induktiv definiert: 0 A nat x, y A nat suc(x) A nat und add(x,y) A nat A nat = { 0,suc(0),suc(suc(0)),add(0,suc(0)), } A 0 = 0 A suc (x) = suc(x) A add (x,y) = add(x,y) 14
8 Quotiententermalgebra QTA Die Quotiententermalgebra QTA ist wie folgt definiert: Die Trägermenge besteht aus den Äquivalenzklassen auf den Termen gemäß der durch die Axiome induzierten Gleichheit =. Die Operationen auf den Äquivalenzklassen nehmen jeweils (Repräsentanten der) Äquivalenzklassen und haben als Ergebnis die (Repräsentanten der) Äquivalenzklasse des Ergebnisterms über den Repräsentanten. 15 Beispiel QTA für Nat Vorüberlegung: Äquivalenzklassen und ihre Repräsentanten 0 repräsentiert { 0, add(0,0), add(add(0,0),0),... } suc(0) repräsentiert { suc(0), add(0,suc(0)), add(add(0,suc(0)),0),... } suc(suc(0))... A nat = { 0,suc(0),suc(suc(0)),suc 3 (0),suc 4 (0), } A 0 = 0 A suc (x) = suc(x) A add (suc n (0),suc m (0)) = suc n+m (0) 16
9 Initiale Semantik QTA als Muster für Standardsemantik Semantik eines ADT: Klasse aller Algebren die äquivalent zur QTA sind Äquivalenz basiert auf bijektiven Morphismen Initialität: Prinzip der maximalen Ungleichheit Zwei Werte sind nur dann gleich wenn dies aufgrund der Gleichungen bewiesen werden kann Symmetrisches Gegenstück ist Terminalität: Prinzip der maximalen Gleichheit Zwei Werte sind nur dann ungleich wenn dies bewiesen werden kann. Erfordert Spezifikation von Ungleichheit! 17 Probleme mit initialer Semantik type Set[Item] operators create: Set is_empty: Set Bool insert: Set Item Set is_in: Set Item Bool axioms s : Set, i : Item is_empty (create) = true is_empty (insert (s, i)) = false is_in (create, i) = false is_in (insert (s, i), j) = if i=j then true else is_in (s, j) 18
10 Probleme mit initialer Semantik II Mengensemantik: insert(insert(s,i),j) = insert(insert(s,j),i) insert(insert(s,i),i) = insert(s,i) Gilt auch in Beispielspezifikation: Eine Menge kann man nur mit is_empty und is_in beobachten, und deren Gleichungen respektieren diese Regeln. Diese Regeln können aber nicht mit den Gleichungen bewiesen werden: insert(insert(s,i),i) und insert(s,i) sind unterschiedliche Elemente in der QTA! 19 Spezifikation und Beispiele Konsequenzen aus der Theorie für Spezifikation Oft initiale Semantik für Konstruktorfunktionen Bei terminaler Semantik muss Ungleichheit auf importierten Datentypen erhalten bleiben Hier Theorie nur oberflächlich diskutiert Ab jetzt konkrete Spezifikationen! 20
11 Spezifikation von Abstrakten Datentypen 1. Type: Name des neuen Typs zusammen mit eventuellen Parametern 2. Functions: Signaturen der auf dem ADT definierten Funktionen: für jede Funktion der Name, Typen und Reihenfolge der Parameter, Ausgabetyp sowie ggf. ob die Funktion total ( ) oder partiell ( ) ist 3. Axioms: beschreiben Eigenschaften der eingeführten Funktionen als prädikatenlogische Formeln (zumeist Gleichungen) 4. Preconditions: für jede partielle Funktion kann eine Vorbedingung angegeben werden, die angibt, wann sie definiert ist 21 Klassifikation der Funktionen Konstruktorfunktionen: Funktionen zum Aufbauen von Elementen des ADT Selektorfunktionen: die Inversen der Konstruktorfunktionen; zerlegen ein Element des Datentyps in seine Einzelteile sonstige Funktionen 22
12 Beispiel für Abstrakten Datentyp ADT für natürliche Zahlen type Nat operators 0: Nat suc: Nat Nat add: Nat Nat Nat axioms i,j : Nat add (i, 0) = i add (i, suc (j)) = suc (add (i, j)) 23 Beispiel: Liste type List(T) import Nat operators [] : List _ : _ : T List List head : List T tail : List List length : List Nat axioms l : List, x : T head (x : l) = x tail (x : l) = l length ([]) = 0 length (x : l) = suc(length(l)) 24
13 Liste: Erläuterungen _ : _ ist Notation für Infix-Operatoren (wie + in artithmetischen Ausdrücken) import importiert bereits definierten Datentypen mögliche Werte für Listen über Zahlen sind nun: [] 1 : [] 5 : ( 6 : ( 7 : [] ) ) 1 : ( 1 : [] ) 25 Kellerspeicher (Stack): Prinzip LIFO-Prinzip: Last-In-First-Out-Speicher push pop top
14 Stack: Definition des ADT type Stack(T) import Bool operators empty : Stack push : Stack T Stack pop : Stack Stack top : Stack T is_empty : Stack Bool axioms s : Stack, x : T pop (push (s, x)) = s top (push (s, x)) = x is_empty (empty) = true is_empty (push (s, x)) = false 27 Keller implementiert über Liste empty == [] push(l,x) == x:l pop(x:l) == l top(x:l) == x is_empty([]) == true is_empty(x:l) == false 28
15 Beispiel für Keller-Nutzung Auswertung einfacher arithmetischer Ausdrücke analysierte Sprache: A ::= B = B ::= Int (B+B) (B*B) Beispiel: ((3 + (4 5)) (6 + 7)) = 29 Bearbeitungsregeln value(t ) = eval t, empty (1) eval (t, S = eval t, (S (2) eval t, S = eval t, S (3) eval +t, S = eval t, +S (4) eval )t, yxs = eval )t, x y S (5) eval )t, y+xs = eval )t, x + y S (6) eval )t, x(s = eval t, xs (7) eval =, x empty = x (8) eval xt, S = eval t, x S (9) 30
16 Auswertungsbeispiel (1) bearbeiteter Term t Stack Regel ((3+(45))(6+7))= ] (2) (3+(45))(6+7)) = ( ] (2) 3+(45))(6+7)) = (( ] (9) +(45))(6+7)) = 3 (( ] (4) (45))(6+7)) = +3 (( ] (2) 45))(6+7)) = (+3 (( ] (9) 5))(6+7)) = 4(+3 (( ] (3) 5))(6+7)) = 4(+3 (( ] (9) ))(6+7)) = 54(+3 (( ] (5) ))(6+7)) = 20 (+3 (( ] (7) )(6+7)) = 20+3 (( ] (6) 31 Auswertungsbeispiel (2) bearbeiteter Term t Stack Regel )(6+7)) = 20+3 (( ] (6) )(6+7)) = 23(( ] (7) (6+7)) = 23 ( ] (3) (6+7)) = 23 ( ] (2) 6+7)) = (23 ( ] (9) +7)) = 6 (23 ( ] (4) 7)) = +6 (23 ( ] (9) )) = 7+6 (23 ( ] (6) )) = 13 (23 ( ] (7) ) = ( ] (5) ) = 299 ( ] (7) = 299 ] (8) 32
17 Komplexere Terme A ::= B = B ::= Int B+B B*B (B) Arithmetische Ausdrücke ohne vollständige Klammerung Interpreter muss die unterschiedlichen Prioritäten der Operatoren berücksichtigen Lösungsansatz zwei Stacks: einen für die Operatoren, den zweiten für die Operanden 33 Komplexere Terme: Regeln value(t ) = eval t, empty, empty (10) eval (t, S 1, S 2 = eval t, (S 1, S 2 (11) eval t, S 1, S 2 = eval t, S 1, S 2 (12) eval +t, S 1, yxs 2 = eval +t, S 1, x y S 2 (13) eval +t, S 1, S 2 = eval t, +S 1, S 2 (14) eval )t, +S 1, yxs 2 = eval )t, S 1, x + y S 2 (15) eval )t, S 1, yxs 2 = eval )t, S 1, x y S 2 (16) eval )t, (S 1, S 2 = eval t, S 1, S 2 (17) eval =, +S 1, yxs 2 = eval =, S 1, x + y S 2 (18) eval =, S 1, yxs 2 = eval =, S 1, x y S 2 (19) eval =, empty, x empty = x (20) eval xt, S 1, S 2 = eval t, S 1, x S 2 (21) 34
18 Komplexere Terme: Abarbeitung (1) bearbeiteter Term t Stack S 1 Stack S 2 Regel (45+3) (6+7) = ] ] (11) 45+3) (6+7) = ( ] ] (21) 5+3) (6+7) = ( ] 4 ] (12) 5+3) (6+7) = ( ] 4 ] (21) +3) (6+7) = ( ] 5 4 ] (13) +3) (6+7) = ( ] 20 ] (14) 3) (6+7) = + ( ] 20 ] (21) ) (6+7) = + ( ] 3 20 ] (15) ) (6+7) = ( ] 23 ] (17) 35 Komplexere Terme: Abarbeitung (2) bearbeiteter Term t Stack S 1 Stack S 2 Regel ) (6+7) = ( ] 23 ] (17) (6+7) = ] 23 ] (12) (6+7) = ] 23 ] (11) 6+7) = ( ] 23 ] (21) +7) = ( ] 6 23 ] (14) 7) = + ( ] 6 23 ] (21) ) = + ( ] ] (15) ) = ( ] ] (17) = ] ] (19) = ] 299 ] (20) 36
19 Warteschlange (Queue) FIFO-Prinzip: First in, first out enter leave front 37 Warteschlange (Queue) type Queue(T) import Bool operators empty : Queue enter : Queue T Queue leave : Queue Queue front : Queue T is_empty : Queue Bool axioms q : Queue, x, y : T leave (enter (empty, x)) = empty leave (enter (enter(q, x), y)) = enter (leave (enter(q, x)), y) front (enter (empty, x)) = x front (enter (enter(q, x), y)) = front (enter (q, x)) is_empty (empty) = true is_empty (enter(q, x)) = false 38
20 Entwurf von ADT Wie komme ich zu den Gleichungen? Wann habe ich genug Gleichungen? Wann fehlt mir ein Axiom? leider keine einfache Antworten zu erwarten 39 Systematische Vorgehensweise 1. Festlegung der Konstruktoren Bei Stack: empty und push 2. Eventuell: Axiome zur Gleichsetzung von Konstruktortermen Siehe Beispiel Set : mehrfaches Einfügen und Reihenfolge der Einfügeoperationen ist unerheblich 3. Definition geeigneter Selektoren Selektoren erlauben den lesenden Zugriff auf konstruierte Werte und liefern meist importierte Datentypen zurück Die Auswertung von Selektoren kann auf ausschließlich mit Konstruktoren konstruierten Termen erfolgen Bei Stack: is_empty, top 4. Weitere Operationen ( Manipulatoren ) festlegen Bei Stack: pop 5. Fehlersituationen abfangen 40
21 Festlegung weiterer Operationen Wenn möglich: direkt auf Konstruktoren und Selektoren zurückführen Regeln von links nach rechts als Ersetzungsregeln aufbauen Rechte Seite einfacher als linke Seite Bei Rekursion: Argumente einfacher (echt monoton schrumpfend) Abbruch garantiert? (Vorsicht! wird oft vergessen) Oft: Vorgehen analog zu applikativen Algorithmen Vollständige Fallunterscheidung: Jeder Konstruktor muss bei den Parametern berücksichtigt werden 41 Umsetzung von ADTs ADT in Programmiersprachen Konzept der Kapselung Verbergen der internen Repräsentation Gleiche Verwendung trotz unterschiedlicher Implementierung Vorteile: Stabilität gegenüber Änderungen, Auswahl einer geeigneten Implementierungsvariante ADT in Java (objektorientiert!) Typen Klassen Funktionen Methoden Klassen als konkrete Implementierung Das nächste Kapitel führt daher in die objektorientierte Programmierung mit Java ein. 42
22 Zusammenfassung Abstrakte Datentypen Kapselung & Geheimnisprinzip Implementierungsunabhängige Definition Literatur: Saake/Sattler: Algorithmen und Datenstrukturen, Kapitel
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