Gewalt im behinderten Alltag

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1 Fachtagung Gewalt im behinderten Alltag 25. November 2013 PowerPoint Präsentation «denn sie wissen nicht, was sie tun?» Präventionsarbeit mit (potenziellen) Tätern Monika Egli-Alge Fachpsychologin Psychotherapie FSP, Rechtspsychologin SGRP Geschäftsführerin Forensisches Institut Ostschweiz AG Alle Tagungsunterlagen finden Sie auch auf:

2 1 2 WAS TUN MIT... Menschen mit Lern- und geistigen Behinderungen und sexuell grenzverletzendem Verhalten Monika Egli-Alge, lic. phil. I

3 3 Ziele Kurzübersicht Menschen mit Lern- und geistiger Behinderung und grenzverletzendem Verhalten Behandlungsprogramme U80 und U60 forio Marcel der ambulante Klassiker Urs Zusammenarbeit mit der Institution Risk-Circles Inhouse-Modell forio 4

4 IQ unter 80 bedeutet. 5 dass eine sich in der gesamten Persönlichkeit dieser Menschen manifestierende unvollständige Entwicklung der geistigen Fähigkeiten besteht, wobei besondere Beeinträchtigungen von Fertigkeiten vorliegen, die zum Intelligenzniveau beitragen, wie beispielsweise Kognition, Sprache, motorische und soziale Fähigkeiten. dass neben dem verminderten Intelligenzniveau die erschwerte Anpassung an alle Anforderungen des täglichen Lebens bedeutsam sind. AWMF Leitlinien zur Diagnostik und Therapie Behinderung bedeutet 6 Behinderungen haben weitreichende Auswirkungen Behinderungen betreffen die gesamte Entwicklung körperlich emotional psychisch Und somit das gesamte Beziehungsgeschehen und -gefüge

5 Fakten 7 Sexuelles Wissen: Mehrheit ist hochgradig unwissend oder ernsthaft falschinformiert (Brantlinger 1985) 8

6 Stufen nach Finkelhor 9 Widerstand des Opfers überwinden Überwinden externer Hemmungen Überwinden interner Hemmungen Gedanken und Phantasien über sexuellen Missbrauch 10

7 11 Therapie und Behandlung 12 Diagnostik Entwicklung Persönlichkeit Intelligenz Schuldfähigkeit Zurechnungsfähigkeit Sexualität

8 13 Standard Setting Gerichtlich verurteilt und zugewiesen Begutachtet oder psychologisch abgeklärt Vertretbares Risikopotenzial Verbindliches Engagement aller Beteiligten - Behandlungsvertrag Einbindung der Einrichtung und der Eltern Regelmässige Standortbesprechungen mit Eltern und Betreuerteam Abschlussbericht mit Empfehlungen Nachsorgekonzept Setting Therapie 14 2 Therapeuten: 1 Mann und 1 Frau 4-5 Teilnehmer 1 mal wöchentlich 75 Minuten 1 1 ½ Jahre Abschlussbericht

9 15 Settingkonstanz 16 Setting Rahmen

10 17 Setting Sitzung Song Hausaufgaben 5-Minuten-Runde Arbeit am Programm Hausaufgaben Song 18 Die Behandlungsprogramme deliktorientiert kognitiv-verhaltenstherapeutisch gruppenpsychotherapeutisch

11 19 Das Behandlungsprogramm? Deliktorientiert Kognitiv-verhaltenstherapeutisch Gruppenpsychotherapeutisch Der Kurs! 20 Deliktorientiert! Heilpädagogisch! Gruppentherapeutisch!

12 21 22 Marcel 1 Marcel ist 20 Jahre alt, hat bei einem IQ von 56 seine Schulzeit in einem Sonderschulheim absolviert. Seine geschiedenen Eltern wollen seine Behinderung nicht wahrhaben. Schon im Sonderschulheim fiel Marcel durch sein überaus sexualisiertes Verhalten auf, indem er beispielsweise ständig öffentlich über Sex redete und Mitschülerinnen so oft es ging sexualisiert an den Brüsten und am Po anfasste. Verschiedene Massnahmen wurden eingeleitet.

13 23 Marcel 2a Frauen mit grossem Ausschnitt gefallen mir Ich schaue ihnen gern auf den Busen Ich will sie an liebsten anfassen Daran muss ich immer denken Aber das darf man doch nicht Wenn ich das mache, bekomm ich Ärger Ich bin immer brav und mach, was das Personal sagt 24 Marcel 2b Deshalb denken sie vielleicht, ich mach schon nichts Dummes das ist gut so Ich würde gern was machen, was ich mit meiner Freundin nicht machen kann, aber Amelie hat nein gesagt Plötzlich wird mir so Sturm im Kopf ich will es jetzt machen Sie haben es dann doch gemerkt, weil Amelie gequatscht hat Da habe ich mich halt verschätzt

14 25 Marcel 3 Ich habe Amelie gefragt, ob sie mit mir Sex haben will. Mit meiner Freundin kann ich das nicht machen, was ich im Sinn hatte. Amelie hat aber nein gesagt. Ich habe sie immer wieder gefragt und dann überredet, aber sie wollte immer noch nicht. Dann habe ich ihr 20 Franken angeboten, wenn sie mit mir Sex macht. Da hat sie endlich ja gesagt. Aber sie wollte nicht wirklich, drum ging s auch nicht richtig. Die 20 Franken habe ich ihr nachher nicht gegeben, das war ziemlich fies. 26

15 27 Zusammenarbeit Täterarbeit muss vernetzt sein Wertschätzung und Respekt Klare Verantwortungsbereiche Einbindung aller Beteiligten Gemeinsame Entscheidungen 28 Urs 1 Jahrgang 1948, schwere kongenitale Behinderung, IQ < 40 Aufgewachsen in ländlichen Strukturen Dorftrottel Frauen, die Röcke tragen, stimulieren ihn Fasst einem 12 jährigen Mädchen an der Bushaltestelle unvermittelt unter den Rock Masturbiert im öffentlichen Raum

16 29 Urs 2 Installieren von Schutzmassnahmen: auf unabsehbare Zeit kein unbegleiteter Ausgang mehr Abklärung der persönlichen Situation und der Sexualität: mangelndes Wissen, mangelnde Gelegenheiten, grosser Beziehungswunsch, grosser Wunsch nach Körperlichkeit und Sexualität Kaum persönliche, soziale und kognitive Ressourcen beziehungsweise Entwicklungspotenzial in herkömmlichen Programmen 30 Zwischenfazit Bei hohem Rückfallrisiko hoher Bedarf an individuellem Monitoring RNR-Modell Schutzüberlegungen haben Vorrang Einbezug des gesamten Systems, da kein juristischer Rahmen vorhanden Risk-Circles (Risikomonitoring) Coaching der Institution Heimleitung, Gruppenleitung, Bezugsperson, rechtliche Vertretung transparent involviert Lockerungen werden ausschliesslich in der Risk-Circles beschlossen

17 31 Urs 3 Schutz- und Kontrollplan: welche Situationen und Faktoren bedeuten Risiko? Wie kann Urs selbst sein Risiko managen? Wo braucht er welche Unterstützung? Begleiteter Ausgang auch in kritische Situationen (Tanzclub, Fasnacht, Strand) Sorgfältiges Abklären seiner sexuellen Bedürfnisse Bilitis und Einrichtung von Privatheit (TV im Zimmer) Sexualassistentin: Unterstützung bei der Masturbation Prostituierte auf eigenen, speziellen Wunsch Daniela 32 In Memoriam

18 33 34 Inhouse Modell forio Standard-Setting ambulant Aber: innerhalb der Institution 2 Varianten: 1. beide Therapeuten extern (forio) 2. 1 Therapeut extern (forio) 1 Therapeut intern (Institution) Vorteile: Intensivierte Zusammenarbeit, Transfer in den Alltag und in die Institution intensiviert, Akzeptanz in der Institution erhöht, weniger logistischer Aufwand Institution erwirbt sich langfristiges Knowhow im Umgang mit grenzverletzendem Verhalten Sicherheit steigt, präventive Effekte

19 35 36

20 37 Täterarbeit ist Opferschutz Prävention eine Chance für diese gefährdeten Menschen Notwendig! Wer Täterarbeit macht, braucht 38 Durchhaltevermögen Genug Ressourcen Unterstützung Wertschätzung Gute Gesundheit

21 39 40 Danke für ihre Aufmerksamkeit Monika Egli-Alge, lic. phil. I Geschäftsführerin

22 41 Bilder: Daniel Ammann 42 Literatur Sexuell grenzverletzende Kinder und Jugendliche Briken, P., Spehr, A., Romer, G., Berner, W. (Hrsg.) 2010 Pabst Verlag

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