Entwicklung eines korrekten Übersetzers
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- Axel Hausler
- vor 10 Jahren
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1 Entwicklung eines korrekten Übersetzers für eine funktionale Programmiersprache im Theorembeweiser Coq Thomas Strathmann
2 Gliederung 1 Einleitung 2 Lambda-Kalkül 3 Termrepräsentation 4 Semantik 1/22
3 Motivation Einsatz formaler Methoden vergebens, wenn Übersetzer fehlerhaft Compilerverifikation sehr aufwändig Beispiel: Projekt CompCert enthält über Zeilen Coq (14% Compiler, 10% Semantik, 76% Beweis) formale Verifikation von Übersetzern mithilfe von Theorembeweisern aktives Forschungsfeld Repräsentation abstrakter Syntax mit Variablenbindungen mechanisierte formale Semantik Formalisierung von Programmtransformationen Beweisautomation 2/22
4 Ziele der Arbeit Einführung in Theorie funktionaler Programmiersprachen Lambda-Kalkül formale Semantik Übersetzung Fallstudie für die Anwendung eines interaktiven, typtheoretischen Beweisassistenten (Coq) Überblick aktueller Ansätze zur computergestützten Formalisierung von Programmiersprachen, formaler Semantik, Programmtransformationen 3/22
5 Coq interaktiver, taktischer, typtheoretischer Theorembeweiser Theorie: Kalkül der induktiven Konstruktionen konstruktive Typtheorie + induktive Definitionen abhängig getypter Lambda-Kalkül Beweiser und funktionale Programmiersprache zugleich Programmextraktion 4/22
6 Einfach Getypter Lambda-Kalkül λ Formalismus zur Beschreibung berechenbarer Funktionen Grundlage vieler funktionaler Sprachen Menge T der Typen T enthält Basistypen wie nat oder bool Funktionstypen: Wenn τ 1 und τ 2 T, so ist (τ 1 τ 2 ) T Typurteil M : τ weist Term M den Typ τ zu Menge Λ der Terme Konstanten und Variablen Funktionsanwendung: (F G) λ-abstraktion: λx : τ 1. M : τ 2 5/22
7 α-konversion α-konversion benennt gebundene Variablen um: λx. M α λy. M[y/x] (wenn y nicht frei in M) gebundene Variablen sind nur Platzhalter α-konvertierbare Terme werden als äquivalent angesehen Semantik von λ -Termen auf α-äquivalenzklassen definiert Identifikation α-kongruenter Terme notwendig für Beweise semantischer Eigenschaften 6/22
8 β-reduktion und Substitution β-reduktion ist Funktionsanwendung: (λx. M) N β M[N/x] Definition der Substitution? Naive Substitution kollisionsfreie Substitution (λy. x)[y/x] = λy. y falsch richtig (λy. x)[y/x] = (λz. x[z/y])[y/x] = λz. y 7/22
9 Kollisionsfreie Substitution Substitutionsregeln x[m/x] = M (E F)[M/x] = E[M/x] F[M/x] (λx. E)[M/x] = λx. E { (λy. E)[M/x] = λy. E[M/x] λz. (E[z/y])[M/x] x nicht frei in E y nicht frei in M sonst wobei Variablen x, y, z alle verschieden wünschenswert, wenn Formalisierung ohne diese komplizierte Definitions auskäme 8/22
10 Termrepräsentation Darstellung der abstrakten Syntax der Objektsprache in der Metasprache wichtige Punkte: Ist die Darstellung adäquat? keine exotischen Terme Bijektion zwischen Λ und Instanzen der Termrepräsentation α-kongruenz Substitution Zugriff auf Funktionsrümpfe Zwei Klassen von Ansätzen: Repräsentationen erster Stufe (konkrete Darstellungen) Repräsentationen höherer Stufe 9/22
11 Abstrakte Syntax mit benannten Variablen alle Variablen werden durch Namen repräsentiert α-konvertierbare Terme sind äquivalent Formalisierung von α-kongruenz nötig Substitution muss formalisiert werden Inductive exp : Set := Var : s t r i n g exp Abs : s t r i n g exp exp App : exp exp exp. 10/22
12 De-Bruijn-Indizes Natürliche Zahlen statt Variablennamen Beispiel: λx. (λy. y x) λ(λ0 1) α-äquivalente Terme syntaktisch gleich Substitution mittels arithmetischer Operationen Definition ohne Wohlgeformheitsbedingung Inductive exp : Set := Var : nat exp Abs : exp exp App : exp exp exp. Adäquate Definition mit integrierter W bedingung Inductive exp ( n : nat ) : Set := Var : f i n n exp n Abs : exp (S n ) exp n App : exp n exp n exp n. 11/22
13 HOAS abstrakte Syntax höherer Stufe (higher-order abstract syntax) repräsentiert Bindungskonstrukte der Objektsprache durch Bindungskonstrukte der Metasprache Termäquivalenz und Substitution der Metasprache nutzen nicht möglich in Coq wegen negativen Vorkommens des ersten exp in Konstruktor Abs Inductive exp : Set := Abs : ( exp exp ) exp App : exp exp exp. 12/22
14 schwache HOAS Lösung des Problems: Führe zusätzliche Menge var ein: Parameter v a r : Set. Inductive exp : Set := Var : var exp Abs : ( var exp ) exp App : exp exp exp. Beachte: var ist abstrakt keine Fallunterscheidung nach Variablen möglich... daher exotische Terme ausgeschlossen allerdings auch kein Zugriff auf Rumpf einer Abstraktion Lösungsansätze: var konkret machen, z.b. var := nat exotische Terme möglich, müssen explizit ausgeschlossen werden! parametrisierte HOAS 13/22
15 Parametrisierte HOAS Idee: Typ der Terme mit Typ der Variablen parametrisieren: Section exp. Variable var : Set. Inductive exp : Set := Var : var exp Abs : ( var exp ) exp App : exp exp exp. End exp. D e f i n i t i o n Exp := var, exp var. Zugriff auf Funktionsrümpfe möglich, da durch geeignete Instantiierung von var Werte verfügbar sind, die in Funktionen vom Typ var exp eingesetzt werden können 14/22
16 Repräsentation getypter Terme Wie implementiert man Syntax + Typregeln in einem Beweiser? zwei Möglichkeiten: extrinsische Darstellung: wie in mathematischer Darstellung eine induktive Definition für Syntax und eine für die Typregeln intrinsische Darstellung: Typregeln zusammen mit Syntax in einer induktiven Definition umsetzen Vorteil der intrinsischen Darstellung: nur wohlgetypte Terme können konstruiert werden keine Wohlgetyptheitsbedingung in Aussagen über Terme nötig 15/22
17 Vergleich der Darstellungen Bewertungskriterien für Termrepräsentationen α-kongruenz Objektsprache = syntaktische Gleichheit in Metasprache? Realisiert Metasprache Substitution der Objektsprache? Darstellung adäquat? Möglichkeit, Funktionsrümpfe zu inspizieren, vorhanden? α-kongruenz Subst. adäquat Inspektion Namen De-Bruijn ( ) HOAS schwache HOAS PHOAS 16/22
18 Semantik formale Semantik notwendig für Korrektheitsbeweise von Programmtransformationen Zwei wesentliche Richtungen zu betrachten: denotationale Semantik operationale Semantik Fragen Welcher Semantikstil am besten geeignet für Korrektheitsbeweise von Programmtransformationen in einer Turing-vollständigen Sprache? Umsetzbarkeit in Coq 17/22
19 Denotationale Semantik denotationale (auch mathematische oder Funktions-) Semantik ordnet Termen mathematische Ausdrücke zu interpretiert Terme der Objektsprache als Terme der Metasprache viele Beweis-/Berechnungsschritte erledigt die Metasprache Termäquivalenz β-reduktion Problem: Coq erlaubt nur terminierende Berechnungen! Turing-vollständige Objektsprache: Welchen Coq-Term einer rekursiven Funktion zuordnen? 18/22
20 Operationale Semantik mechanische Sicht der dynamischen Semantik von Programmiersprachen Ausführungsschritte als Ableitungsregeln (relationale Semantik) big-step (natürliche) Semantik: Relation zwischen Termen und Werten (Ergebnissen) Ausführung in einem Schritt small-step (strukturelle) Semantik: Relation zwischen Termen i.d.r. mehrere Schritte bis zum Ergebnis nicht-terminierende Berechnungen handhabbar in Coq: Relation als induktiv definierter Typ Wie Substitution formalisieren? 19/22
21 Implementierung der Substitution in (P)HOAS Substitutionsrelation Relation S, sodass e 1 S e 2, gdw. e 2 = e 1 [M/x] für ein x V gebunden (e 1 ) Substitutionsfunktion Coq-Funktion Subst (M : Exp) (e : Exp1) : Exp wobei Exp1 : var, var exp var liefert e[m/x] wobei x die in e gebundene Variable ist substitution-free operational semantics vermeidet explizite Substitution Lambda-Abstraktionen als Closures in Liste speichern Closure als Coq-Funktion D e f i n i t i o n closure := v a l exp v a l statt Substitution: Closure aus Liste holen und auf Argument anwenden 20/22
22 Behandlung von Nicht-Terminierung Nicht-Terminierung: divergierender Term e hat keine Normalform unbeschränkte Folge von Ableitungsschritten: e e e... Ansätze: koinduktive Interpretation der big-step Ableitungsregeln (nicht äquivalent zur small-step Semantik!) induktive big-step Ableitungsregeln + koinduktive Relation für divergierende Terme koinduktive trace-basierte Semantik... 21/22
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