Beratungsstelle Euskirchen
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- Gudrun Gerhardt
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1 Beratungsstelle Euskirchen
2 Wir sind für Sie da Verbraucherzentrale NRW Beratungsstelle Euskirchen Wilhelmstr Euskirchen Tel.: ( ) Fax: ( ) [email protected] l WIR ARBEITEN FÜR SIE Mit Rat und Tat an Ihrer Seite Stellenplan Weitere Spezialberatungen durch Honorarkräfte Monika Schiffer - Leiterin Kirsten Ahlers - Verbraucherberaterin Carmen Weeber - Bürokraft Leitung und Verbraucherberatung 2,00 Bürokraft 0,50 Lutz Stader - Verbraucherrecht Werner Reiner - Energie Sabine Nikel - Versicherung Christoph Hommel - Altersvorsorge, Geldanlage und Immobilienfinanzierung Ralf Schilberz - Mietrecht Seite 2 Verbraucherzentrale in Euskirchen Jahresbericht 2016
3 2016 IM ÜBERBLICK Online shoppen, via Smartphone bezahlen, per Mausklick einen Kredit aufnehmen: Verbraucherprobleme im digitalen Konsumalltag bestimmten unsere Arbeit im vergangenen Jahr. Neue Themen, ohne dass die Dauerbrenner wie Drücker an der Haustür oder einschüchternde Inkassoforderungen auf dem Rückzug gewesen wären. Eingebettet in das Netzwerk unserer lokalen Kooperationspartner haben wir viel mehr als nur Beratung auf den Weg gebracht. Bei Veranstaltungen für Institutionen und Helfer für Geflüchtete haben wir uns den Herausforderungen gestellt, die das Verbraucherleben in einer fremden Wirtschaftsordnung mit sich bringt. Die Verbraucherzentrale hat Schule gemacht und Rüstzeug für den Konsumalltag vermittelt. Mit der Polizeidienststelle haben wir Fake-Shops enttarnt. Und gegen App-Abzocke via Smartphone wirkungsvolle Sicherungen voreingestellt. Öffentlichkeitswirksam haben wir den richtigen Dreh mitgegeben, um Heizkosten mit Thermostatventilen runterzuregeln. Mit Wissenswertem zum neuen Konto für alle wurde der Zugang für jedermann erklärt. Mit vielen Aktivitäten war die Verbraucherzentrale ein wichtiges Add-on der Daseinsvorsorge in unserem Kreis. Der Erfolg unserer Arbeit fußt ganz wesentlich auf dem Vertrauen, das uns die Bürgerinnen und Bürger entgegenbringen. Die Bilanz 2016 ist ein guter Anlass, dafür danke zu sagen: Unseren Kunden, aber auch Politik, Verwaltung, Medien und allen Kooperationspartnern, die unseren Einsatz ermöglicht haben. Auch 2017 sind wir für alle da! Verbraucherzentrale in Duisburg: in Euskirchen: kurz und kurz knapp und knapp Anfragen von Ratsuchenden Die häufigsten Verbraucherprobleme: Veranstaltungskontakte Telefon und Internet 24 % Internetzugriffe auf die Startseite Allgemeine Dienstleistungen 19 % der Beratungsstelle Finanzen 16 % Energie 12 % Konsumgüter 12 % Weiterführende Erläuterungen unter: l Ihr Team der Verbraucherzentrale in Euskirchen Die in diesem Bericht gewählten männlichen Formen beziehen weibliche und männliche Personen mit ein. Zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichten wir auf Doppelbezeichnungen. Verbraucherzentrale in Euskirchen Jahresbericht 2016 Seite 3
4 MARKT UND RECHT Überraschende Rechnungen, ausgekochte Abzocke. Ob Kunden in der Warteschleife oder Absturz für Verbraucherrechte: Die Verbraucherzentrale war 2016 Anlaufstelle bei enttäuschten Geschäftsbeziehungen. Achtung: Täuschend echt! Warnung vor Online-Fake-Shops Ob Handtaschen, Designer-Klamotten, High-Tech-Trendprodukte oder Marken-Uhren: Im Internet werben Shops mit verlockenden Waren zum Schnäppchenpreis. Doch längst nicht immer, oder manchmal auch nur als schlechte Kopie, kommen sie nach der Onlinebestellung beim Käufer an. Denn Fälscher bieten auf nachgemachten Shop-Seiten im World Wide Web bloße Fake-Offerten feil deren Order zumeist nur gegen Vorkasse ausgeführt wird. Unter dem Motto Achtung! Täuschend echt! haben Verbraucherzentrale und Landeskriminalamt Ende 2016 der grassierenden Betrugsmasche den Kampf angesagt. Denn: Wer im Vertrauen auf die Echtheit des Onlineshops den verlangten Betrag für das begehrte Produkt vorab überwiesen hatte, sah das Geld von den Betreibern der Betrugsseiten in der Regel nie wieder. Gemeinsam hatten Verbraucherzentrale und Landeskriminalamt einen Steckbrief erstellt, um Indizien für Fake-Shops zu erkennen: Kundenunfreundliche Zahlungsarten, fehlende allgemeine Geschäftsbedingungen oder keine Angaben zu Widerrufsmöglichkeiten; auch an Hinweisen auf vertrauenswürdige Gütesiegel mangelt es zumeist. Allerdings: Selbst für Experten ist kaum auf den ersten Blick auszumachen, ob beim Online-Anbieter alles echt oder nur täuschend echt ist. Denn durch professionelles Kopieren oder Fälschen von Produktbildern und Informationen aus realen Internetseiten gleicht der Fake fast dem Original. Zumal nicht selten das Impressum mit der Händleradresse oder die allgemeinen Geschäftsbedingungen ebenfalls von anderen Seiten abgekupfert beziehungsweise frei erfunden sind. Doch nicht nur bei der vorbeugenden Fahndung nach Fake-Seiten gab es Unterstützung. Auch für Reingefallene wurde eine Checkliste aufgelegt, um die Schäden durch diese Betrugsmasche zu minimieren. So prüften die Beratungskräfte mögliche rechtliche Schritte. Und die Polizei nahm Strafanzeige wegen Betrugs entgegen. Abzocke per Smartphone Unbemerkt Kasse gemacht Ein unbedachter Klick aufs Schließen-Fenster und die Kostenfalle beim Smartphone schlug zu. Denn bei Anwendungen wie Wettervorhersagen, Rezepten oder Spielen wurden Nutzer nicht nur mit Infos, Service oder Unterhaltung versorgt. Vielmehr genügte das arglose Tippen auf das mitgelieferte Werbebanner oder auf eine sich öffnende Internetseite, um unbeabsichtigt ein kostenpflichtiges Abo zu aktivieren. Von dem angeblichen Vertragsabschluss hatten die Betroffenen erst erfahren, als das Abo-Entgelt einfach über die monatliche Mobilfunkrechnung abgebucht worden war. Die automatische Übermittlung der Rufnummer des Nutzers hatte den Abzockern die Identifizierung des Mobilfunkanbieters ermöglicht und so die Abrechnung über diesen ausgelöst. Zum Weltverbrauchertag am 15. März hat die Verbraucherzentrale über die grassierende Smartphone-Abzocke aufgeklärt. Dazu hat sie die Masche beim unbemerkten Kasse machen durch das sogenannte WAP-Billing (WAP = Wireless Application Protocol) entlarvt. Crux hierbei: die für Rückforderungen und Beanstandungen dringend benötigten Kontaktdaten des Abo-Anbieters bleiben auf der Telefonrechnung im Dunkeln, weil dieser sich fürs Inkasso meist eines weiteren Dienstleisters bedient und nur dieser erkennbar auf der Rechnung aufgeführt war. Den Urheber der Forderung mussten Betroffene dann erst über den Mobilfunkanbieter oder den technischen Dienstleister ermitteln. Wie dafür mit der Einrichtung der Drittanbietersperre technisch einwandfrei Hand angelegt werden kann, haben die Beratungskräfte auch ganz praktisch gezeigt. Daneben hatten sie Musterbriefe parat, um die Drittfirmen im Hintergrund ausfindig zu machen und unklaren Forderungen aus Telefonrechnungen zu widersprechen. Die Verbraucherzentrale NRW forderte, dass bei Abschluss eines Mobilfunkvertrags die Drittanbietersperre vom Provider zwingend voreingestellt werden muss. Denn die hat sich bisher als untaugliches Instrument erwiesen, weil viele Smartphone-Nutzer diese Möglichkeit gar nicht kennen und Mobilfunkfirmen darüber auch nicht deutlich informieren. Außerdem müsse künftig in Rechnungen klar benannt werden, wer Inhaber von strittigen Rechnungsposten und damit Ansprechpartner ist. Seite 4 Verbraucherzentrale in Euskirchen Jahresbericht 2016
5 Am Infostand beim Stadtfest hat die Verbraucherzentrale nachgefragt: Haben Sie bei Ihrem Mobilfunkanbieter eine Drittanbietersperre eingerichtet? Von den 268 Umfrageteilnehmern hatten das 58 bejaht. 31 Teilnehmer wussten es nicht, 179 hatten (noch) keine Drittanbietersperre. Statt gratis, günstig oder gewonnen: Überraschende Rechnungen Mal winkt eine Fitnessuhr als Gratisgeschenk, mal lockt ein Gewinnspiel zu Routenplanern im Internet. Andernorts preist eine Onlineplattform unschlagbare Schnäppchen aus oder sind vermeintliche Gratis-Kochrezepte nur einen Mausklick entfernt. Fast immer gemeinsame Zutat: Geschickte Täuschung, damit arglose Nutzer kostenpflichtige Bestellungen vornehmen oder in ungewollte Abos tappen. Und gemeinsam ist den von Abzockern im Internet Geleimten, dass sie sich hilfesuchend an die Rechtsberatung der Verbraucherzentrale wenden. Da versprach die Webseite unter dem Slogan sicher, schneller, schlank mühelose Gewichtsreduktion dank des löslichen Pulvers zum Einnehmen. Besteller eines Testpakets wurden mit einem Bluetooth-Fitnessband im Wert von 79,90 Euro als Gratiszugabe belohnt wofür es nur der Angabe von Namen und Zustelladresse bedurfte. Doch wer dann auf den Button Weiter geklickt hatte, sah sich sofort mit einer Bestellung konfrontiert: Erst bei genauerem Hinschauen wurde klar, dass das Fitnessarmband nur dann ausgeliefert wird, wenn sich der Besteller auf das 90-Tage-Abonnement des Nahrungsergänzungsmittels einlässt und dafür insgesamt 149,70 Euro bezahlt. Darüber aber hatte die Webseite jedoch nicht eindeutig informiert und so versucht, unrechtmäßig abzukassieren. Wer im Internet bestellt, muss vor dem Kauf über den Gesamtpreis informiert werden. Außerdem muss auf der Schaltfläche (Button), mit der die Bestellung abgegeben wird, eindeutig erkennbar sein, dass sich der Käufer zu einer Zahlung verpflichtet. Andernfalls kommt kein Vertrag zustande und der Kunde muss nicht zahlen. Ähnlich agierte eine Reihe wechselnder Internetseiten, die für registrierte Nutzer Routenplaner-Dienste offeriert hatte. Durch ein Gewinnspiel geködert hatten Interessierte ihre -Adresse für die Teilnahme angegeben und zugleich wieder per Klick auf einen Button auch den Routenplaner nutzen gewählt. Mit der Angabe ihrer Daten hatten sie dabei in der Lesart der Betreiber einem Vertrag mit Kosten von bis zu 500 Euro zugestimmt. Der Vertragsabschluss wurde Verbrauchern aber erst bewusst, als sie Rechnungen oder Mahnungen erhielten. Auch hier bestritt die Verbraucherzentrale, dass die Anbieter die gesetzlichen Vorschriften eingehalten und den Nutzern genügend Informationen erteilt hatten, damit ein Vertrag überhaupt zustande kam. Liquidieren kommt aus dem Italienischen und bedeutet so viel wie in Geld umwandeln. Dieses Motto hatte der Kleinanzeigenmarkt LiQuiDaDo.de beim Wort genommen. Denn die Plattform, die Elektroartikel, Kleidung oder Schuhe zu unglaublich günstigen Preisen eigentlich nur für Unternehmen anbietet, lockte auch Verbraucher, sich solche Schnäppchen nach einer kostenfreien Registrierung anzuschauen. Doch statt mit dem begehrten Produkt wartete LiQuiDaDo bei der Shopping-Tour mit einer Abo-Falle auf: Im Werbefenster, das das Produkt überlagerte, bat die Firma gar nicht mehr darum, dem Kauf zuzustimmen, sondern vielmehr einen kostenpflichtigen Premiumzugang für 199 Euro abzuschließen. Wer in der Annahme, sich immer noch im Schnäppchen-Land umzuschauen, unachtsam geklickt hatte, fand alsbald eine Rechnung im Briefkasten. Mit dem fragwürdigen Dreh, dass sich der Kaufen-Button plötzlich auf einen kostenpflichtigen Zugang bezieht, fand sich LiQui- DaDo.de durchaus in schlechter Gesellschaft. Zugute kommt Abzockern dieser Art, dass viele Onlinekäufer mit Schlagworten wie Restposten, Lagerverkauf, Großhandelspreise im Netz beständig nach Schnäppchen suchen. Entsprechend zahlreich sind zweifelhafte Angebote, die Nutzer mit extrem günstigen Preisen vor teuren Abo-Fallen blenden wollen. Mit der Tür ins Haus gefallen Ein Duo des Verbraucherärgers hat sich auch 2016 wieder vielstimmig zu Wort gemeldet: Drückerkolonnen an der Haustür oder in Fußgängerzonen sowie ungebetene Werber am Telefon. Verbraucherzentrale in Euskirchen Jahresbericht 2016 Seite 5
6 Zeitschriften, Versicherungs- und Finanzprodukte, Energielieferoder Telekommunikationsverträge. Abos für den Bezug von Nahrungsergänzungsmitteln oder Teilnahmen an gewinnträchtigen Lotteriespielen. Schier unerschöpflich scheint der Fundus, mit dem professionelle Verkaufsstrategen ihre Überrumpelungsversuche starteten. Besonders dreiste Maschen: Telefonisch Sperrboxen zu offerieren, die angeblich zukünftig vor Telefonwerbung schützen sollen oder das Angebot, sich gegen ein monatliches Entgelt in sogenannte Sperrlisten einzutragen, um diese Überrumpelungsanrufe vermeintlich zu verhindern. Trotz des ausdrücklichen Verbots, Werbeanrufe ohne Einwilligung zu tätigen und verschärfter Sanktionen wurden Verbraucher auch 2016 wieder am Telefon zum Abschluss unüberlegter Verträge gedrängt. Und das, obwohl sie so wurde vielfach im Beratungsgespräch berichtet einer Telefonwerbung zuvor nicht zugestimmt hatten. Ein deutlicher Fingerzeig, dass die gesetzlichen Regelungen zur unerlaubten Telefonwerbung dringend nachgebessert werden müssen. Betroffene unterstützte die Verbraucherzentrale mit Musterschreiben, um unberechtigte Forderungen zurückzuweisen. In der Rechtsberatung und -vertretung wurden Widerrufsmöglichkeiten für an der Haustür Überrumpelte ausgelotet. Außerdem: Mit der Geschäftsführung von Unitymedia hat die Verbraucherzentrale NRW Gespräche geführt, um unlautere Kundenwerbung abzustellen. Fallstricke für Flüchtlinge Die Verbindung zu Freunden und Verwandten in der Heimat nicht abreißen zu lassen dieses Bedürfnis der hier angekommenen Flüchtlinge rief windige Vertreter auf den Plan: Diese jubelten den in unserem Wirtschaftsleben Unerfahrenen kostenträchtige Telefonverträge unter. Der Preis für das Smartphone erschien zunächst günstig, allerdings war die regelmäßige Zahlungsverpflichtung hoch. Das stellten die Betroffenen vielfach jedoch erst bei Zusendung der ersten Rechnungen fest. Nicht zuletzt fehlende oder nur geringe Sprachkenntnisse hatten es leicht gemacht, tatsächliche Vertragsinhalte und die Tragweite von -abschlüssen unausgesprochen zu lassen. Aber auch die Tarifvielfalt im Telekommunikationsmarkt oder wie sich die Modelle Prepaid oder Vertrag unterscheiden für Flüchtlinge vielfach alles Neuland. Doch nicht nur die Versorgung mit Telekommunikation, sondern auch mit Strom oder Gas war für unseriöse Vertriebler an der Haustür der Schlüssel für einträgliche Vertragsabschlüsse. In deren Kleingedrucktem waren dann lange Laufzeiten und selten die versprochenen günstigen Bezugspreise versteckt. Überhaupt: Dass Abschlagszahlungen für Energiedienstleistungen dann Endabrechnungen über den tatsächlichen Verbrauch folgen, war bei Flüchtlingen weitgehend unbekannt ebenso wie das finanzielle Polster, aus dem sie die Außenstände begleichen sollten. Auch die Kosten für Leistungen rund um Geldgeschäfte waren für viele eine große Unbekannte. Neben Wissenswertem zur Eröffnung und Führung eines Basiskontos waren auch Informationen zu Geldtransferdiensten gefragt. Verbraucher-Rechtsberatung und Rechtsvertretung Beratungen gesamt Telefon/Internet 38 % Allgemeine Dienstleistungen 22 % Finanzen 14 % Energie 12 % Konsumgüter 11 % Freizeit 3 % l Die Verbraucherzentrale hatte kommunale Ansprechpartner, Verbände, Vereine und Zusammenschlüsse ehrenamtlicher Helfer in der Flüchtlingshilfe im gesamten Kreisgebiet zielgerichtet über ihre Angebote für das Ankommen im Verbraucheralltag informiert. Zentral dabei: der Aufruf, dass sich Flüchtlingspaten oder -betreuer mit ihren Schützlingen gemeinsam bei akuten Problemlagen schnell an die Beratungsstelle wenden. Onlineshopping Datenschutz im Warenkorb Dank Preissuchmaschine das günstigste Smartphone gefunden. Bequem innerhalb von 24 Stunden nach Hause geliefert kostenlose Rücksendung bei Nichtgefallen garantiert. Immer mehr Konsumenten wissen die Vorzüge beim Onlineshopping zu schätzen. Doch wo Klickfallen oder Sicherheitslücken lauern können oder unerlaubter Datensammelei beim Befüllen des Warenkorbs Seite 6 Verbraucherzentrale in Euskirchen Jahresbericht 2016
7 VERBRAUCHERFINANZEN die Tür geöffnet wird damit kennen sich viele Onlinekäufer nicht aus. Mit einem Beratungs- und Informationsangebot zum Datenschutz nimmt die Beratungsstelle Fragen und Probleme rund um die Digitalisierung des Verbraucheralltags gezielt in den Blick. Ein zentraler Baustein dabei: Interessierte in Vorträgen am Beispiel des sicheren Einkaufens durch das World Wide Web zu lotsen. Während die Themenpalette bisher vorwiegend auf ältere Internetnutzer zugeschnitten war, richtete sich der neue Vortrag Online-Shopping Einkaufen im Netz, aber sicher! an eine breitere Zielgruppe. In den Vorträgen wurden die Besonderheiten des Onlineshoppings gegenüber dem Einkauf vor Ort erläutert und das kleine Einmaleins des Verbraucherrechts beim virtuellen Einkaufsbummel an die Hand gegeben. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, welche Daten beim Kauf von Schuhen, Medikamenten, Elektronikgeräten oder beim Buchen von Reisen angegeben werden sollen die dann allein dazu dienen, eine Vielzahl an persönlichen Informationen zu sammeln und detaillierte Kundenprofile zu erstellen. Die Folge sind angepasste Angebote, individualisierte Preisgestaltung und auch unterschiedliche Zahlungsmöglichkeiten, je nach Bonität des Verbraucherprofils. Eine Einführung in Sachen Datenschutz machte fit, um Missbrauch und Manipulation der eigenen personenbezogenen Daten vorzubeugen und mit diesen sensibler umzugehen. Übrigens: Die Vorträge wurden im Rahmen des Pilotprojekts Datenschutz in der digitalen Welt der Verbraucherzentrale NRW angeboten, an dem als eine von insgesamt elf auch die Beratungsstelle in Euskirchen teilnimmt. Basiskonto für alle, Existenzrisiken absichern und aufgeblähte Forderungen abwehren. Auf dem Parkett der Finanzgeschäfte war die Verbraucherzentrale eine gefragte Anlaufstelle. Konto für alle Top! Das Basiskonto gilt! Das lange Warten auf uneingeschränkte Teilhabe am Zahlungsverkehr hatte 2016 ein Ende: Seit dem 18. Juni gibt es einen gesetzlich geregelten Rechtsanspruch auf ein Basiskonto für jedermann! Und dieser besteht explizit auch für Asylsuchende und Flüchtlinge, die sich berechtigt in Deutschland aufhalten, sowie für Obdachlose. Auch Negativeinträge bei der Schufa und finanzielle Schwierigkeiten sind kein legitimer Grund mehr, die Einrichtung eines Basiskontos zu verweigern. Von der Einrichtung des Basiskontos bis zur Umwandlung eines bestehenden in ein Pfändungsschutz-Konto die Verbraucherzentrale ebnete den Weg zum Konto für alle. Erfreuliche Begleitung gab es dabei vom Gesetzgeber: Er nahm Banken ab 18. September in die Pflicht, Kunden beim Kontowechsel zu unterstützen. Inkassobüros Aufgeblähte Forderungen Ob die oftmals horrenden Forderungen von Inkassobüros gerechtfertigt sind viele Ratsuchende wollten auch 2016 hierauf eine Antwort wissen. Denn obwohl das Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken die Gebühren deckeln soll, verlangten Inkassounternehmen immer noch viel zu hohe Beträge allein für die Übersendung einfacher Mahnschreiben. Verbraucherzentrale in Euskirchen Jahresbericht 2016 Seite 7
8 Auch sollten sich Verbraucher bereits zur Zahlung einer Einigungsgebühr verpflichten, wenn sie bloß Mustererklärungen anforderten, um eine Ratenzahlungsvereinbarung anzufragen. Die Höhe der Einigungsgebühr allerdings war nicht immer genannt worden, was dann manch böse Überraschung hervorgerufen hatte. Denn die ohnehin hohen Inkassokosten stiegen durch die Einigungsgebühr noch einmal erheblich an. Auch 2016 war es beim Gros der Inkassounternehmen gängige Praxis, die Ratenzahlungsvereinbarung zu nutzen, um Verbrauchern eine Vielzahl benachteiligender Zusatzvereinbarungen unterzuschieben. Da wurden zum Teil weitere Erklärungen mit weitreichender rechtlicher Bedeutung wie zum Beispiel Anerkenntnisse, Verjährungsverzicht oder sogar Lohnabtretungen entlockt, deren Tragweite den Betroffenen oftmals gar nicht bewusst war. In der Rechtsberatung wurde die Rechtmäßigkeit von Forderungen überprüft und Verbraucher wurden bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützt. Schufafreie Kreditkarten? Geld los statt sorglos Kredit und Kreditkarte ohne Schufa! Die hochgeprägte Goldkarte winkt auch bei schlechter Bonität! Auf Internetseiten mit verheißungsvollen Adressen wie etwa sorglosduo.de, firstgold.de oder mastercredit.de wurde der unproblematische Zugang zum bargeldlosen Bezahlen angepriesen, selbst wenn der Finanzrahmen in Schieflage geraten war. Doch nahm die Bestellung häufig einen enttäuschenden Ausgang: Denn entweder gab es nur teure Prepaid-Kreditkarten oder gar bloß ein paar Antragsformulare für ein Auslandskonto mit Sicherheitsleistung. Im Kleingedruckten der Anbieter war nämlich erwähnt, dass die Anfrage nur an ein Kreditinstitut zur Prüfung weitergegeben werde ungewisse Erfolgsaussichten inklusive. Dessen ungeachtet war nach Bestellung der Kreditkarte eine kostenpflichtige Postsendung per Nachnahme ins Haus geflattert: Diese enthielt aber nicht die erhoffte Kreditkarte, sondern die Aufforderung, eine Ausgabegebühr von 49,90 Euro zu entrichten. Zudem fiel eine Jahresgebühr in ähnlicher Höhe an. Dies alles wurde für eine bloße Prepaid-Kreditkarte verlangt, auf die man vor der Benutzung erst Geld laden muss und die anderswo kostengünstiger erhältlich ist. Die Verbraucherzentrale riet, solchen unseriösen Angeboten die kalte Schulter zu zeigen und niemals vorab Zahlungen zu leisten. Versicherungsinventur Schutz auf dem Prüfstand Mehr als Euro geben Bundesbürger im Schnitt pro Jahr für Versicherungen aus. Dennoch sind viele keineswegs gegen Schäden oder Einbußen gut gewappnet. Denn sie haben sich, unerfahren oder schlecht beraten, falsch beziehungsweise bei zu teuren Gesellschaften abgesichert. Nicht viele Policen in der Schublade zu haben, sondern den Versicherungsschutz regelmäßig zu überprüfen und an sich ändernde Lebenssituationen anzupassen, deckt existenzielle Risiken wirkungsvoll ab. Dafür hatte die Verbraucherzentrale zur Versicherungsinventur aufgerufen. Einträglicher Nebeneffekt: Bei der Optimierung des eigenen Schutzes lockten vielfach auch Einsparpotenziale von mehreren hundert Euro. Übrigens: Eine Nutzerbefragung hat 2016 erbracht, dass 97 Prozent mit der Geldanlageberatung der Verbraucherzentrale zufrieden waren und ebenso viele bestätigten, dass dieses Angebot das Geld wert gewesen sei. Kündigen oder Verträge weiterlaufen lassen? Auf Leistungen verzichten oder diese besser erweitern? die Versicherungsberatung half beim Ordnen und Checken der Vertragsunterlagen. Zudem wurde der persönliche Bedarf ermittelt, um aus der Inventur die passenden (Ab-)Schlüsse zu wählen. Seite 8 Verbraucherzentrale in Euskirchen Jahresbericht 2016
9 ENERGIE Den richtigen Dreh für energiesparende Einstellungen gezeigt. Und Sparpotenziale vom Keller bis zum Dach für jedes Budget ausgelotet. Ein Plus fürs Energiesparen Auch zu Themen rund um die Energie haben die Experten der Verbraucherzentrale informiert. An Aktionsständen und natürlich in persönlichen Beratungsgesprächen klärten sie auf und gaben individuelle Tipps. Zum Stromsparen etwa, zur planvollen Gebäudesanierung, zum richtigen Heizen oder zu den Ertragschancen einer Photovoltaikanlage auf dem Eigenheim. Vertiefend oder alternativ nahmen die Verbraucher Beratungen bei sich zu Hause in Anspruch, in die die konkreten Rahmenbedingungen in Haus oder Wohnung unmittelbar einflossen. Thermostat-Check Energiesparender Dreh Monika Schiffer und Energieberater Werner Reiner zeigten den einfachen Austausch der Thermostate. Im Herbst nahmen die Bürger des Kreises Euskirchen ihre Heizkörper-Thermostate in den Blick. Denn bei der landesweiten Aktion NRW macht den Thermostat-Check zeigte die Verbraucherzentrale auf, wie die unscheinbaren Knäufe Mietern wie Eigenheimbesitzern beim Energiesparen helfen. Ganz ohne Komfortverlust geht das mit der richtigen Einstellung nachts und bei Abwesenheit. Das von Hand gedrehte Standard-Thermostat leistet dabei ebenso gute Dienste wie programmierbare Modelle und vernetzte Smart-Home-Systeme. An einem Infostand beim Knollenfest fanden Interessierte heraus, welche Lösung am besten zu ihren Bedürfnissen passt. Die einfachen Handgriffe für den energiesparenden Austausch konnten direkt an einem echten Thermostat ausprobiert werden. Auch im Internet gab es einen Online-Thermostat-Check und wer einen Austausch oder Umstieg plante, fand dort auch eine Anleitung mit Do-it-yourself-Video. Verbraucherzentrale in Euskirchen Jahresbericht 2016 Seite 9
10 UMWELT UND ERNÄHRUNG Mehr Wert fairschenkt. Appetit auf's Essen in der Kita und Schule gemacht. Mehr Wert schenken ma etwas Gutes tun kann. So hatte ein in der Beratungsstelle aufgestellter Weihnachtsmann gleich einen nützlichen Hinweis parat: von umweltfreundlicher Dekoration über nachhaltige Präsente bis hin zum klimafreundlichen Festessen. Die ökologisch verträglicheren Alternativen sind dabei zumeist auch besser für Gesundheit und Geldbeutel. Wer beispielsweise auf Deko-Artikel aus Kunststoff verzichtet und stattdessen Naturmaterialien wählt, holt sich auch weniger schädliche Inhaltsstoffe ins Wohnzimmer. Von langlebigen und nützlichen Geschenken hat der Empfänger mehr als von Verlegenheitskäufen, die schnell in der Ecke oder gar im Müll landen. Alle Tipps gab es ausführlich auch im Internet in einem Online-Adventskalender. Beraterin Kirsten Ahlers und Beratungsstellenleiterin Monika Schiffer warben für nachhaltige Weihnachtsgeschenke. Foto: Kreispressestelle Mehr Wert schenken unter diesem Motto warb die Verbraucherzentrale im Dezember in Euskirchen für mehr Nachhaltigkeit in der Weihnachtszeit. Im Mittelpunkt standen leicht umzusetzende Tipps, wie jeder mit Freude schenken und feiern und zugleich Umwelt und Kli- Vernetzungsstelle Schulverpflegung NRW Mit Workshop zu Gast Ganztagsschulen, die eine gesunde und schmackhafte Schulverpflegung einführen oder ihr Angebot optimieren wollen, finden bei der Vernetzungsstelle Schulverpflegung NRW eine kompetente Anlaufstelle. Unter Federführung der Verbraucherzentrale NRW bringt sie landesweit mögliche Partner zusammen und unterstützt die Verantwortlichen bei der praktischen Umsetzung. In Euskirchen hat die Vernetzungsstelle Schulverpflegung unter dem Motto Sauber speisen in der Schule Hygienemanagement in der Schulverpflegung Workshops für Interessierte durchgeführt, die in Schulen für die Einhaltung der hygienerelevanten Bestimmungen zuständig sind. Denn für die Herstellung und die Ausgabe von Speisen gelten Gesetze und Verordnungen, um gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorzubeugen. Praxisorientiert gaben Expertinnen Einblick in die wesentlichen Hygienebestimmungen und zeigten Möglichkeiten für deren Umsetzung auf. Sauber essen in der Kita Der Alltag in Kindertagesstätten hat sich durch den Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren und die Ausweitung der Betreuungszeiten nachhaltig verändert. Pädagogische Fachkräfte und Hauswirtschaftskräfte stehen bei der Ernährungserziehung und gesunden Verpflegung der Kleinkinder vor neuen Herausforderungen. Doch nicht nur, wie die Ein- bis Dreijährigen gesund, ausgewogen und lecker essen, steht dabei im Aufgabenbuch, sondern auch, welche Hygieneanforderungen zu erfüllen sind, um alle Kinder optimal zu versorgen. In Euskirchen hat die Verbraucherzentrale bei einem Workshop die wichtigsten Gesetze und Verordnungen für die Herstellung und Ausgabe von Speisen vorgestellt. Die hygienerelevanten Bestimmungen, um gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Kita- Kinder vorzubeugen, wurden dabei insbesondere mit Blick auf deren Umsetzung im Alltag ins Visier genommen. Seite 10 Verbraucherzentrale in Euskirchen Jahresbericht 2016
11 EUSKIRCHEN IM BLICK Politischer Beirat Zweimal im Jahr trifft sich der Politische Beirat, um sich über aktuelle Verbaucherprobleme der Kreisbürger zu informieren. Das Gremium, in dem die Kreistagsfraktionen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und der UWV sowie die Stadt Euskirchen und der Kreis Euskirchen vertreten sind, bietet ein wichtiges Forum für den kontinuierlichen Austausch, die gegenseitige Information und wirkungsvolle Vernetzung. heitsoperationen ist klar: hier bezahlt der Verbraucher eine für ihn persönlich sinnvolle Leistung. Aber wie sieht es aus mit Leistungen zur Früherkennung von Krebs, mit der Glaukomvorsorge und neuen Untersuchungsmethoden? Klärt der Arzt genügend auf über Nutzen, Risiken und Alternativbehandlungen? Wurde IGeL schon vor dem Arztgespräch verkauft? In kostenlosen Vorträgen informierte die Verbraucherzentrale in Euskirchen über den Katalog der IGeL-Leistungen sowie deren Nutzen und Bewertungen. Außerdem wurden die rechtlichen Aspekte beleuchtet, so etwa die Frage, wie ein Vertrag über kostenpflichtige Zusatzleistungen in der Arztpraxis zustande kommt und unter welchen Umständen Kunde Patient die Rechnung nicht begleichen muss. Von links: Silke Winter (Stadt Euskirchen), Dr. Sabine Dirhold (CDU), Beate Fackeldey (Verbraucherzentrale NRW, Regionalleitung), Klaus Kaldenbach (Bündnis 90/Die Grünen), Thomas Bell (Die Linke), Monika Schiffer (Beratungsstellenleiterin), Michael Höllmann (SPD), Karl-Heinz Linden (Kreis Euskirchen). Beratungsstellenleiterin Monika Schiffer erläuterte Landrat Günter Rosenke bei der Übergabe des Jahresberichtes 2015 auch Verbraucherprobleme, die Ratsuchenden aktuell auf den Nägeln brennen. Der Überblick über die anbieterunabhängigen Beratungs- und Informationsangebote zeigte, dass die Verbraucherzentrale eine wichtige Stütze im Netzwerk zur Daseinsvorsorge in der Stadt ist. Foto: Kreispressestelle Vorträge Kunde Patient: IGeL-Leistungen auf dem Prüfstand Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind ärztliche Leistungen, die Patienten selbst bezahlen müssen, weil die Kosten von der gesetzlichen Krankenkasse nicht erstattet werden. Bei Reiseimpfungen, sportmedizinischen Untersuchungen oder Schön- Konsumieren will gelernt sein Ob Wissenswertes rund um die Smartphone-Nutzung oder das kleine Einmaleins bei Geldgeschäften in 67 Veranstaltungen für Jugendliche und junge Erwachsene verschaffte die Verbraucherzentrale Durchblick im Konsumalltag. Ein Baukasten verschiedener Lerneinheiten lieferte dazu die passenden Module. Im Mittelpunkt: praktische Fragen und Probleme aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler oder jungen Auszubildenden. Die Stationen der Veranstaltungen sind detailliert im Einleger zu diesem Jahresbericht dokumentiert. Verbraucherzentrale in Euskirchen Jahresbericht 2016 Seite 11
12 Impressum Herausgeber: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e. V. Mintropstraße Düsseldorf Telefon Fax: Gestaltung und Produktion: lav.ka kreative agentur, Düsseldorf, Fotos: lav.ka kreative agentur, Düsseldorf und fotolia LLC, New York, sowie Verbraucherzentrale NRW e. V. Düsseldorf; weitere Urheberhinweise bei den Fotos Druck: msk marketingservice köln GmbH, Köln, gedruckt auf 100 % Recycling-Papier Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Die auszugsweise Wiedergabe für wissenschaftliche und schulische Zwecke ist gestattet. Grafiken und Fotos unterliegen dem Urheberrecht. Eine Reproduktion gleich welcher Art ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung durch die Copyright-Inhaber (s.o.) gestattet!
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