ELEKTROMECHANISCHE FESTSTELLBREMSE
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- Erwin Küchler
- vor 8 Jahren
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1 ELEKTROMECHANISCHE FESTSTELLBREMSE P
2 AUFGABE DER FESTSTELLBREMSE Eine Feststellbremse soll ein haltendes oder abgestelltes Fahrzeug gegenüber dem Wegrollen sichern, auch bei geneigter Fahrbahn und in Abwesenheit des Fahrers. Die Bauteile müssen aus Sicherheitsgründen mechanisch wirken und werden in der Regel durch Fuß-Pedal bzw. Handhebel betätigte Gestänge und Seilzüge aktiviert. Die Feststellbremse wirkt auf die Räder einer Achse und muss feststellbar bzw. arretierbar sein. Gleichzeitig soll die Feststellbremse bei Störungen der Betriebsbremse als Hilfsbremsanlage genutzt werden können. Bei modernen Kraftfahrzeugen erfolgt die Ansteuerung zunehmend elektromechanisch über einen Schalter und Aktuatoren. Diese elektronische Handbremse hält immer mehr Einzug in moderne Personen-Kraftfahrzeuge und ersetzt die konventionelle, manuelle Feststellbremse. Je nach Fahrzeughersteller werden unterschiedliche Systeme am Markt angeboten. Im weiteren Verlauf möchten wir uns deshalb mit der elektromechanischen Feststellbremse (EMF), oft auch elektrische Parkbremse (EPB) benannt, beschäftigen. Beispielhaft betrachten wir hier die elektromechanische Feststellbremse an einem Audi A4. Systemaufbau Bremssattel mit Bremsaktuator (Bild 1) Die elektromechanische Stelleinheit (Bremsaktuator) ist an dem Hydraulischen Teil des Bremssattels der Hinterachse montiert. Steuergerät der elektrom. Feststellbremse (Bild 2) Das Steuergerät befindet sich im Kofferraum rechts unter dem Bordwerkzeug. Alle Regelungs-, Steuerungs-, und Diagnoseaufgaben werden hier Prozessorgesteuert umgesetzt. Der Datenaustausch mit dem ABS- Steuergerät erfolgt über CAN-Datenbus. Kupplungspositionssensor Dieser Sensor befindet sich am Kupplungs-Geber-Zylinder. Das Signal des Sensors wird für die Funktion Dynamischer Anfahrassistent benötigt. Betätigungstaster (Bild 3) Mit diesem Taster (1) wird die elektromechanische Feststellbremse aktiviert bzw. deaktiviert. In diesem Schalter befindet sich gleichzeitig die Kontrolllampe für die Feststellbremse. Taster für Anfahrassistent Mit diesem Taster(2) wird der Anfahrassistent ein- oder ausgeschaltet. Der Schalter befindet sich in der Mittelkonsole links neben dem Schalthebel. Kontrollleuchte für Parkbremse (Bild 4) Die im Kombiinstrument integrierte Kontrolllampe leuchtet bei aktivierter Feststellbremse. Fehlerlampe (Bild 5) Liegt eine Störung vor wird das durch aufleuchten einer Fehlerlampe im Schalttafeleinsatz angezeigt. 1 2 Bild 1 Bild 2 Bild 3 P! Bild 4 Bild 5
3 Mehrspurige Kraftfahrzeuge müssen mit zwei voneinander unabhängigen Bremsanlagen ausgerüstet sein. Die Bedieneinrichtung der zweiten Bremsanlage muss feststellbar sein. (Auszug STVZO 41/5, EG 98/12 ) Hinterrad-Bremssattel mit Bremsaktuator Die bekannte mechanische Handbremshebelfunktion am Bremssattel einer herkömmlichen Handbremse wird durch eine elektrische Baugruppe, den Bremsaktuator ersetzt. Der Bremsaktuator besteht aus einem Gleichstrommotor, einem Taumelscheibengetriebe und einer Spindel. Dabei treibt der Gleichstrommotor über einen Riementrieb das Taumelscheibengetriebe an. Durch eine Spindel, die direkt vom Taumelscheibengetriebe angetrieben wird, erfolgt die Umsetzung einer Drehbewegung in eine Hubbewegung. Im Bremskolben befindet sich ein Zylinder, der sich in dem Kolben hin-und her bewegen kann. Damit sich der Zylinder im Kolben nicht drehen kann, ist er an zwei Stellen plangeschliffen. Auf das vordere Ende des Zylinders ist eine Druckmutter aufgepresst, die sich auf dem Spindelgewinde bewegt, sobald sich die Spindel dreht. Die Spindeldrehzahl wird durch interne Übersetzungsverhältnisse im Getriebe reduziert. Am Spindeltrieb ist die Drehzahl um den Faktor 150, zur Antriebsdrehzahl des Gleichstrommotors, abgestuft worden. Wenn die Feststellbremse betätigt wird, wird durch die Drehbewegung der Spindel die Druckmutter nach vorne bewegt. Der Zylinder drückt dann, mit dem Bremskolben, die Bremsbeläge an die Bremsscheibe. Wird die Feststellbremse gelöst, wird die Druckmutter auf der Spindel zurück gedreht und der Bremskolben entlastet. Durch die Rückverformung des Kolben-Dichtrings, wird wie nach einem normalen Bremsvorgang, der Bremskolben zurückbewegt Bremskolben, 2. Spindel, 3. Zylinder, 4. Bremsscheibe 2 3
4 VORTEILE UND FUNKTIONEN DER ELEKTROMECHANISCHEN FESTSTELLBREMSE Gegenüber der herkömmlichen Handbremse bietet die elektromechanische Feststellbremse viele Vorteile. Durch den Wegfall des Handbremshebels ergeben sich mehr Gestaltungsfreiheiten im Innenraum und vereinfachte Montage- und Produktionsprozesse. Durch elektronische Steuerungen und Systemvernetzungen können weitere Komfortfunktionen und eine Diagnosefähigkeit des Systems realisiert werden. Die elektromechanische Feststellbremse bietet gegenüber einer herkömmlichen Handbremse zusätzlich folgende Komfort- und Sicherheitsfunktionen: Parkbremsfunktion Notbremsfunktion Anfahrassistent Parkbremse Die Parkbremse kann bei eingeschalteter und ausgeschalteter Zündung aktiviert werden. Das Deaktivieren ist nur bei eingeschalteter Zündung möglich. Ist die Fahrertür geschlossen, der Gurt angelegt und der Motor an, löst sich die Parkbremse automatisch beim Anfahren. Wird das Fahrzeug abgestellt und die Parkbremse aktiviert, stellt das System automatisch die erforderliche Spannkraft ein, um einunbeabsichtigtes Wegrollen zu vermeiden. Wird das Fahrzeug an einer Steigung von mehr als 30 % abgestellt, erfolgt eine Warnung im Instrumentendisplay. Kühlen die Bremsscheiben im Stillstand ab, spannt das Steuergerät die Bremse automatisch nach. Dies geschieht durch ein Simulationsmodell im Steuergerät, über das die momentane Bremsscheibentemperatur ermittelt wird. Notbremsfunktion Wenn die Betriebsbremse ausgefallen ist kann eine Notbremsfunktion durch Ziehen und Halten des Schalters aktiviert werden. Die Bremsleuchten werden eingeschaltet und ein akustisches Warnsignal ertönt. Dabei entspricht die Funktion des Schalters des einen normalen Handbremshebels. Ist die Fahrzeuggeschwindigkeit über 7km/h erfolgt der Eingriff über einen vom ABS Steuergerät eingeleiteten hydraulischen Druckaufbau an allen vier Rädern. Ist die Geschwindigkeit kleiner als 7 km/h wird die elektromechanische Feststellbremse aktiviert. Gleichzeitig wird bei betätigtem Gaspedal das Motormoment zurück genommen und die evtl. eingeschaltete Geschwindigkeitsregelanlage ausgeschaltet.solange der Schalter betätigt wird bremst das Fahrzeug ab. Sobald der Schalter losgelassen wird, wird die Bremsung unterbrochen. Die maximale Verzögerung liegt bei ca. 6 m/s. Die Bremswirkung ist ähnlich wie bei einer Vollbremsung. Um eine Fehlbedienung (Auslösung durch den Beifahrer) zu vermeiden, wird die Notbremsung deaktiviert, wenn durch den Fahrer weiter beschleunigt wird
5 Anfahrassistent: Nur verfügbar bei geschlossener Tür, angelegtem Gurt und laufendem Motor km C Anfahrassistent Diese Assistenzfunktion unterstützt den Fahrer bei Anfahrvorgängen, Vorwärts- und Rückwärtsfahrten, und im Fahrzeugstillstand. Diese Funktion wird erst aktiviert bei Fahrertür geschlossen Sicherheitsgurt angelegt Motor gestartet Die Aktivierung und Deaktivierung erfolgt durch Betätigung des Schalters in der Mittelkonsole links neben dem Schalthebel. Die Aktivierung wird durch das Aufleuchten der Kontrolllampe im Schalter angezeigt. Um den Anfahrassistenten optimal einzusetzen, benötigt das Steuergerät weitere Informationen aus dem Bord Netz. Dazu werden Informationen aus dem CAN-Bus über die eingelegte Fahrstufe, Kupplungsbetätigung, Gaspedalstellung, Raddrehzahl, Motormoment sowie den im Steuergerät integrierten Neigungswinkelsensor berücksichtigt. Folgende Assistenzfunktionen werden unterstützt: Anfahrassistent Der Anfahrassistent unterstützt den Fahrer beim Anfahren am Berg und verhindert ein ungewolltes Zurückrollen. Automatisches Parken Wird bei eingeschalteter Funktion das Fahrzeug abgestellt und die Zündung ausgeschaltet und die Tür geöffnet, aktiviert sich automatisch die Feststellbremse. Stop-and-Go-Assistent Automatisches Halten der Bremse bei stehendem Fahrzeug im Stop-and-Go-Verkehr. 4 5
6 DIAGNOSE UND WARTUNG Bild 1 Die Systemfunktionen der elektromechanischen Feststellbremse werden laufend überwacht. Auftretende Fehler werden im Fehlerspeicher des Steuergerätes abgelegt und können mit einen geeignetem Diagnosegerät ausgelesen werden. Zusätzlich können je nach System noch verschiedene Parameter (Bild 1) angezeigt und zur Fehlersuche herangezogen werden. Im Falle von Wartung und Reparatur an der Hinterradbremsanlage, zum Beispiel um die Bremsbeläge zu wechseln wird ebenfalls ein Diagnose- oder Bremsenservice-Gerät benötigt. Bevor die Bremskolben zurückgedrückt werden können müssen zuerst die Druckmuttern auf den Spindelantrieben zurückgefahren werden. Bild 2 Beispiel Reparaturablauf Bremsbeläge erneuern: Diagnosegerät anschließen Funktion Grundeinstellung/ Feststellbremse einfahren auswählen (Bild 2) Nach Beendigung des Vorganges die Zündung ausschalten und den Zündschlüssel aus dem Fahrzeug entfernen Bremsbeläge erneuern dazu die Bremskolben mit einem geeigneten Rückstellwerkzeug zurückdrücken (Bild 3) Nach erfolgter Reparatur, Diagnosegerät anschließen, Zündung einschalten Funktion Grundeinstellung/ Feststellbremse ausfahren auswählen Druckmuttern werden auf dem Spindeltrieb wieder ausgefahren Bremspedal mit 2/3 des Betätigungsweges mehrfach betätigen Dadurch werden die Bremskolben wieder in Ihre Arbeitsposition an die Bremsbeläge gefahren Bild 3 Prüfung auf dem Bremsenprüfstand Eine aussagefähige Funktionsprüfung der elektromechanischen Feststellbremse ist nur auf einem Rollenprüfstand möglich. Durch einen im Steuergerät hinterlegten Prüfmodus kann eine dosierbare Abbremsung durchgeführt werden. Der Prüfmodus wird automatisch erkannt wenn die Vorderräder stehen und die Hinterräder sich mit einer Geschwindigkeit zwischen 2,5 bis 9 km/h drehen. Prüfablauf: 1. Fahrzeug mit den Hinterrädern auf den Prüfstand fahren. Vorderräder müssen einen festen Stand haben 2. Wenn die Hinterräder drehen und der Prüfmodus erkannt wurde leuchtet in der Armaturentafel ein gelbes durchgestrichenes Symbol der Feststellbremse 3. Schalter der in kurzen Abständen 3 x betätigen. Jede Betätigung fährt den Bremskolben um einen definierten Weg heraus. Nach dreimaligen Betätigen ist die Feststellbremse komplett geschlossen Das Lösen der Feststellbremse erfolgt durch ein erneutes Drücken des Tasters.
7 Hinweis! Ein Bremsbelag-Wechsel ohne Diagnose- oder Bremsenservice-Gerät ist an diesem Bremssystem nicht fachgerecht durchführbar! Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang immer die Wartungs- und Reparaturanweisungen der Bremsen- und Fahrzeughersteller! NOTFALLENTRIEGELUNG Die Fahrzeuge verfügen über eine Notfallentriegelung, die es dem Fahrer oder der Werkstatt ermöglichen, bei Ausfall des Systems, die Feststellbremse zu entriegeln. In der Regel ist ein spezieller Torx-Schlüssel im Bordwerkzeug enthalten. Notentriegelung-Feststellbremse: Zündung ausschalten Zündschlüssel aus dem Fahrzeug entfernen Räder an der Hinterachse demontieren Elektrische Steckverbindung am Stellantrieb trennen Befestigungsschrauben am Stellantrieb lösen und entnehmen Stellantrieb und Dichtringe ausbauen Bremskolben durch Drehen der Spindel mechanisch zurückstellen Der Einbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Anschließend mit einen Diagnosegerät eine Grundeinstellung durchführen. Systemvarianten Eine weitere Systemvariante der elektrischen Handbremse ist das Cable Puller System. Bei diesem System wird der Handbremshebel durch eine elektronisch geregelte Motor- Getriebe Einheit ersetzt und kann somit problemlos in bereits bestehende Systeme integriert werden. Dieser Aktuator betätigt die Seilzüge und erzeugt so die gewünschte Spannkraft an den Bremssätteln oder den Bremstrommeln der Hinterachse. Dieses System übernimmt das Anziehen der Bremse beim Parken, die Komfortfunktionen wie das Anfahren am Berg oder das automatische Nachstellen der Seilzüge. Je nach Fahrzeughersteller können diese Systeme unterschiedlich ausgelegt sein und sollten im Rahmen einer Wartung oder Reparatur entsprechend der Herstellervorgaben geprüft und repariert werden. Cable Puller Einheit Opel Astra J Copyright Dieses Dokument ist vertraulich zu behandeln. Die Weitergabe sowie Vervielfältigung, Verwertung und Mitteilung seines Inhalts ist nur mit unserer ausdrücklichen Genehmigung gestattet. Alle Rechte vorbehalten, insbesondere für den Fall der Schutzrechtsanmeldung. This document has to be treated confidentially. Its contents are not to be passed on, duplicated, exploited or disclosed without our express permission. All rights reserved, especially the right to apply for protective rights. 6 7
8 HELLA KGaA Hueck & Co. Kunden-Service-Center Rixbecker Straße Lippstadt/Germany Tel.: (0,20 /Anruf aus dem deutschen Festnetz) Fax: (0,06 je Verbindung) Internet: HELLA PAGID GmbH Lüschershofstraße Essen, Germany HELLA PAGID GmbH 9Z J01331/KB/04.17/0.57 Sachliche und preisliche Änderungen vorbehalten Printed in Germany
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