Ursachen von Scheidung
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- Mona Kohl
- vor 10 Jahren
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Transkript
1 Ursachen von Scheidung Prof. Dr. Guy Bodenmann Universität Zürich Lehrstuhl für Klinische Psychologie Kinder/Jugendliche & Paare/Familien
2 Inhalt des Vortrags Was braucht es für eine glückliche und stabile Partnerschaft? Welche Faktoren sagen eine Scheidung vorher? Warum sind Scheidungen im Vergleich vor 40 Jahren häufiger geworden? 2
3 40-50% der Ehen werden geschieden! " "
4 Vier mögliche Gründe für destruktive Partnerschaftsverläufe 1. Morbide Ausgangslage 2. Mangelhafte Pflege aufgrund von Inkompetenz 3. Mangelhafte Pflege aufgrund von Motivationsmangel (fehlendes Commitment) 4. Schlecht Passung zwischen Partnern
5 Was braucht es für eine glückliche und stabile Partnerschaft?! " "
6 Weder Schönheit, Intelligenz, Macht, Status, Reichtum schützen vor einer Scheidung. Persönlichkeitsattribute sind in der Regel (ausser Neurotizismus) nicht geeignet, um eine Scheidung vorhersagen zu können. Dies vor allem wegen der Verstärkererosion, welcher diese Persönlichkeitsmerkmale unterworfen sind.
7 Ja, worauf kommt es denn an?
8 4 scheidungsrelevante Faktoren Ursachen Auslöser Scheidungserleichternde Bedingungen Scheidungserschwerende Bedingungen Scheidung
9 Ursachen für Scheidung! "
10 Psychische Labilität / Psychische Probleme Leichte Irritierbarkeit starke Nervosität emotionale Instabilität Alltagsstress beeinflusst alle drei ungünstig Mangelnde Kompetenzen Kommunikation Problemlösung Stressbewältigung Geringes oder fehlendes Commitment kognitiv emotional sexuell
11 Angenehme Alltagsinteraktionen Respektvoller Umgang miteinander Nette Interaktionen (zuvorkommendes Verhalten) Interesse am anderen zeigen, nachfragen und teilhaben Positivität (Lächeln, Zärtlichkeit) Bei Scheidungsrisiko reduziert Kleine Aufmerksamkeiten, Geschenke
12 Konstruktive Konfliktlösung Keine Vermeidung, sondern Ansprechen von Störendem Beide Partner bringen ihre Meinungen ein und geben sich gegenseitig Raum Beiden gehen auf die Positionen des anderen ein Beide suchen nach tragfähigen, fairen Lösungen Bei Scheidungsrisiko reduziert Beide sind zu Kompromissen bereit
13 Gegenseitige Unterstützung Dem anderen mitteilen, dass man froh um seine Unterstützung wäre wahrnehmen, dass der Partner gestresst ist Emotionales Eingehen auf den Partner (Einfühlen), Verständnis zeigen und praktische Unterstützung Bei Scheidungsrisiko reduziert
14 Manglendes Commitment Kognitives Commitment Emotionales Commitment Sexuelles Commitment annäherungsmotiviert Ich liebe meinen Partner und möchte das Leben lang bei ihm/ihr sein. Bei Scheidung geringes oder vermeidungsorientiertes Commitment Meinem Partner bin ich emotional am nächsten und lasse mich gefühlsmässig voll auf ihn/sie ein. Ich bin meinem Partner treu, weil ich ihn/sie liebe. vermeidungsmotiviert Es ist besser jemanden zu haben, als allein zu sein. Ich bin niemand anderem emotional nah, da ich generell Distanz brauche. Ich bin meinem Partner treu, weil sich keine anderen Gelegenheiten bieten.
15 Eine Scheidung wird dann wahrscheinlich, wenn Gradient 1 runtergeht und Gradient 2 nicht ansteigt Neuartigkeit/Attraktivität/ Faszination Intimität/Vertrauen/Verbundenheit/ Vorhersagbarkeit Dauer der Beziehung
16 Auslöser für Scheidung! "
17 Häufige Auslöser für eine Scheidung: 1. Bekannt gewordene Untreue des Partners 2. Lebensveränderungen (Umzug, beruflicher Wiedereinstieg der Frau) 3. Kritische Lebensereignisse (Jobverlust des Partners, sozialer Abstieg, chronische Krankheiten, Unfälle, Behinderungen) 4. Kumulation von Alltagsstress
18 Scheidungserleichternde Bedingungen! "
19 Scheidungserleichternde Bedingungen: 1. Juristisch erleichterte Scheidung 2. Schwinden des Einflusses der Religion 3. Veränderte Lebenseinstellungen und Werthaltungen 4. Statistische Häufigkeit und damit Normalität der Scheidung 5. Grosser Markt an potentiellen Partnern (Internetbörsen)
20 Scheidungserschwerende Bedingungen! Investitionen in die Beziehung "
21 Scheidungserschwerende Bedingungen: 1. Kinder bis zum Alter von 6 Jahren 2. Mangelnde finanzielle Ressourcen, schlechte Wirtschaftslage 3. Abhängigkeit vom Partner 4. Schlechte Chancen für neue Partnerschaft 5. Wohnen auf dem Land, soziale Kontrolle, mangelnde Anonymität
22 Warum sind Scheidungen häufiger geworden? 1. Modernisierung der Gesellschaft (Bildung und Berufstätigkeit der Frauen, Wegfall der Stigmatisierung der Scheidung, liberalisierte Normen, schwache religiöse Bindung, Scheidungsrecht) 2. Transmission des Scheidungsrisikos (geschiedene Elternehe) 3. Attraktivität neuer Lebensformen und steigende Chancen einer Wiederheirat (Internet, Partnerbörsen) 4. Wertewandel (Selbstverwirklichung, Ehe auf der Basis von Liebe und nicht Zweckgemeinschaft, hohe Ansprüche und Erwartungen)
23 Take Home Message Nicht die Qualität der Beziehung zu Beginn, noch Liebe oder Persönlichkeitsattribute sind prädiktiv für eine Scheidung, sondern die Pflege der Beziehung (Kompetenzen) und das Commitment. Da Kompetenzen früher ähnlich waren wie heute, gibt es zwei Hauptgründe für den markanten Anstieg von Scheidungen: - geringeres Commitment - mehr scheidungserleichternde Bedingungen und Wegfall von scheidungserschwerenden Bedingungen
24 Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse
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