ELTERNINFORMATION KARDIOLOGIE Endokarditisprophylaxe Wo liegt das Endokard? Obere Hohlvene Das Herz ist ein Hohlmuskel, dessen Hauptschlagader (Aorta) Herzwand von aussen nach innen aus drei verschiedenen Gewebeschichten besteht: Epikard = dünne äussere Gewebeschicht der Herzwand Myokard = Hauptbestandteil der Herzwand mit der Herzmuskulatur Rechter Vorhof Linker Vorhof Rechter Venrikel Linker Ventrikel Lungenvenen Lungenarterie (Arterie pulmonalis) Lungenvenen Endokard Myokard Epikard Endokard = dünne innere Auskleidung der Herzinnenfläche, die der Innenauskleidung (Endothel) der Blutgefässe entspricht. Aus dem Endokard sind die vier Herzklappen (Pulmonal-, Aorten-, Mitral- und Trikuspidalklappe) gebildet. Untere Hohlvene Die Schichten der Herzwand
Was ist eine Endokarditis? Eine infektiöse Endokarditis ist eine entzündliche Erkrankung der Herzinnenwand. Sie betrifft vorwiegend die Herzklappen und entsteht durch das vorübergehende Einschwemmen von Bakterien oder Pilzen in die Blutbahn. Die Bakterien können sich an vorgeschädigten Herzklappen, wie sie bei Herzfehlern vorliegen, anheften, vermehren und im Verlauf die Klappe zerstören. Auch operativ implantiertes Fremdmaterial (Herzklappen), welches noch nicht vollständig von Endokard überdeckt ist, ist gefährdet. Jede intakte Mundschleimhaut des Menschen ist mit Bakterien besiedelt. Bakterien können durch sehr kleine Verletzungen (Mikroläsionen) in der Mundschleimhaut, wie beispielsweise beim Kauen (Kaugummi) oder einer Zahnarztbehandlung (Dentalhygiene) in die Blutbahn gelangen. Über die Blutbahn können sie sich bis zum Herz ausbreiten und dort das vorgeschädigte Endokard der Herzklappen infizieren. Eine Endokarditis ist eine lebensbedrohliche Infektion der Herzklappen. Sie kann mit hohem Fieber, Schüttelfrost, allgemeiner Abgeschlagenheit und verminderter körperlicher Belastbarkeit unspezifisch über Tage und Wochen oft unerkannt verlaufen. Sie benötigt eine langfristige Antibiotikatherapie, einen Spitalaufenthalt und eventuell eine Herzoperation.
Wie kann eine Endokarditis verhindert werden? Eine Endokarditis kann durch folgende Massnahmen vermieden werden, die das Einschwemmen von Bakterien in die Blutbahn verhindern: 1) Gesunde Zähne und eine gesunde Mundschleimhaut reduzieren das Risiko von kleinen Verletzungen (Mikro läsionen) im Mund. 2) Bei medizinischen Massnahmen wie z.b. einer Zahnarztbehandlung, wird eine Antibiotikagabe vor dem Eingriff durchgeführt. Diese antibiotische Endokarditisprophylaxe wird vom betreuenden Arzt verordnet. Zur Vorbeugung einer Endokarditis ist eine gute Zahnund Mundhygiene von entscheidender Bedeutung. Gesunde Zähne und Zahnfleisch schützen vor einer Endokarditis. Piercing und Tätowierungen sind mögliche Eintrittsorte für Bakterien, so dass bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Endokarditis davon abgeraten wird. Wer benötigt eine antibiotische Endokarditisprophylaxe? Eine antibiotische Endokarditisprophylaxe wird bei Patienten mit einem hohen Risiko für eine Endokarditis durchgeführt. Ihr Kardiologe gibt Ihnen Auskunft, inwieweit Sie oder Ihr Kind zu dieser Gruppe der Patienten mit einem hohen Risiko gehören. Dazu erhalten Sie einen Ausweis für Endokarditisprophylaxe.
Wann ist eine antibiotische Endokarditisprophylaxe durchzuführen? Bei folgenden Eingriffen wird die Antibiotikagabe durchgeführt: A. Zahnärztliche Eingriffe, bei denen das Zahnfleisch verletzt werden kann (z.b. Zahnentfernung, Zahnsteinentfernung, Gewebeentnahme). B. Eingriffe an den oberen Luftwegen, bei denen die Schleimhaut verletzt wird (z.b. Mandel-Operation, Polyp-Operation, Gewebeentnahme). C. Eingriffe am Magen-Darm-Trakt, bei denen eine Entzündung dieser Organe vorliegt (z.b. Blinddarmentzündung). D. Eingriffe an den Harnwegen und gynäkologischen Bereich, bei denen eine Entzündung dieser Organe vorliegt. E. Eingriff an der äusseren Haut, bei denen eine Entzündung (z.b. Abszess) vorliegt. Bitte haben Sie Ihren Ausweis für Endokarditisprophylaxe stets dabei und legen Sie diesen immer Ihrem behandelnden Arzt vor. Er entscheidet, ob eine antibiotische Endokarditisprophylaxe erforderlich ist.
Wie ist eine antibiotische Endokarditisprophylaxe durchzuführen? Das Antibiotikum wird als Einzeldosis, als Saft oder Tablette 60 Minuten vor dem Eingriff eingenommen. Alternativ könnte die Einzeldosis auch intravenös 30 60 Minuten vor dem Eingriff gegeben werden. Falls die antibiotische Endokarditisprophylaxe vergessen wird, kann sie bis zu zwei Stunden nach dem Eingriff durchgeführt werden. Empfohlener Wirkstoff ist Amoxicillin für zahnärztliche Eingriffe und Eingriffe der oberen Luftwege. Die empfohlene Dosis beträgt bei Erwachsenen 2 g, bei Kindern 50 mg/kg Körpergewicht. Bei einer Penicillin-Allergie wird alternativ der Wirkstoff Clindamycin eingesetzt. Die empfohlene Dosis beträgt bei Erwachsenen 600 mg, bei Kindern 20mg/kg Körpergewicht. Wo erhalten Sie das Antibiotikum? Vor einem geplanten medizinischen Eingriff stellt der betreuende Kinderarzt, Kinderkardiologe oder Ihr Zahnarzt ein Rezept für die antibiotische Endokarditisprophylaxe aus. Weiterführende Literatur: Wilson W et al. Prevention of Infective Endocarditis. Cirulation 2007;116:1736-1754. Flückiger U, Jaussi A. Revidierte schweizerische Richtlinien für die Endokarditisprophylaxe. Kardiovaskuläre Medizin 2008;11:392-400. Günthard J, Knirsch W. Neue Empfehlungen zur antibiotischen Endokarditisprophylaxe: Pädiatrische Applikation. Kardiovaskuläre Medizin 2010;13:297-301.
Folgende Propylaxemassnahmen sind schon ab dem Säuglings alter zu beachten: Der «Kindernuggi» sollte nur von einem Kind benutzt werden. Eltern können ihre eigenen Bakterien der Mundschleimhaut über den Speichel auf das Kind übertragen, wenn sie dessen «Kindernuggi» in den Mund nehmen. Eine gute Zahn- und Mundhygiene ist für die gesamte Familie (Grosseltern, Eltern, Geschwister) erforderlich. 2-3 mal am Tag werden die Zähne geputzt, damit Zahnfleisch und Zähne gesund bleiben. Eltern haben dabei eine Vorbildfunktion. Es ist sinnvoll, dass die Eltern ihre Kinder beim Zähneputzen am Abend unterstützen bis mindestens zum Schuleintritt. Nach dem Zähneputzen am Abend wird empfohlen, den Kindern nur noch Wasser zum Trinken anzubieten und keine zuckerhaltigen Getränke, Fruchtsäfte oder Milch. Diese enthalten Milchzucker und können Karies verursachen. Planen Sie gezielte Trinkpausen ein. Dauerndes Trinken tagsüber verdünnt den Speichel stark, dadurch reduziert sich die Schutzfunktion für Zahnfleisch und Zähne. Übermässiger Konsum von Süssigkeiten können Zahnfleisch und Zähne schädigen. Süssigkeiten daher gezielt und mit Mass über den Tag verteilt anbieten. Kinderspital Zürich - Eleonorenstiftung Steinwiesstrasse 75 CH-8032 Zürich www.kispi.uzh.ch Telefon +41 44 266 71 11 202485 500 06/2017 sts