Forst Aktuelle Waldschutzsituation Information der Hauptstelle für Waldschutz Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) Fachbereich Waldentwicklung / Monitoring Ausgabe 02/2016 vom 28.07.2016
Inhalt Situationsbericht zum Auftreten von Schaderregern und Schäden im Land Brandenburg Berichtszeitraum Januar-Juni 2016 blatt- und nadelfressende Insekten 1 Eichenprozessionsspinner 2 Kieferngroßschädlinge 2.1 Prognose aus den Winterbodensuchen 2.2 Befallssituation Kiefernbuschhornblattwespen 3 Kiefernprozessionsspinner 4 Lärchenminiermotte 5 Sonstige blattfressende Insekten an Laubbäumen 5.1 Eichenerdfloh 5.2 Blauer Erlenblattkäfer 5.3 Maikäfer 2
1 Eichenprozessionsspinner Am 9. Mai begann der Hubschraubereinsatz 2016 gegen den Eichenprozessionsspinner in Baruth. Der Schlupf der Eichenprozessionsspinnerräupchen war aus allen Befallsgebieten genau wie im letzten Jahr überwiegend zwischen dem 02. und 14. April gemeldet worden. Die überwiegend warme und trockene Witterung während der Entwicklung der jungen Raupen muss erneut als sehr günstig für deren Wachstum und Überleben bewertet werden. Bekannt ist, dass die jungen Raupen ca. drei Wochen hungern können. In dieser Zeit findet der Fraß an den angetriebenen Knospen statt. Im NSG Friesacker Zootzen konnte dieses Verhalten bei Außenaufnahmen auf den Versuchsflächen am 13.04.2016 aktuell eindrucksvoll dokumentiert werden (Abb. 1-5). Abb. 1: 9:30 Uhr - Fraß an antreibenden Eichenknospen, Die Sichtkontrolle in Augenhöhe ergab bei 25 von 30 ausgewählten Eichen eine enorm hohe Anzahl von kleinen Eiräupchen. Bei flüchtigem Blick ließ die Vielzahl der grau schwarz gefärbten Raupenhärchen erst einen phytopathogenen Hintergrund vermuten. Innerhalb kürzester Zeit Abb. 2: 10:00 Uhr - Knospe ist ausgefressen, werden die Eichenknospen ausgefressen und vertrocknen. Gerade bei vorgeschädigten Eichen sind bei hohen Raupendichten durch den so eingeschränkten Austrieb weitere Vitalitätseinbußen zu erwarten (Abb. 3). Abb. 3: Fraß an jeder Knospe des Triebs und damit an der Stelle totaler Ausfall der Blattmasse, 3
Abb. 4: Verlassener Eispiegel und Eiräupchen, Abb. 5: Spinne mit Eiräupchen, Der Einsatz von Dipel ES hat auch 2016 auf Grundlage der Genehmigung des BVL vom 20. Februar 2015 ( 18 PflSchG) stattgefunden. Insgesamt wurden im Land Brandenburg ab dem 9. Mai 365 ha Wald mit dem umweltschonenden Bakterienpräparat behandelt. In den Landkreisen erfolgte parallel der Biozideinsatz gegen den Eichenprozessionsspinner aus Gründen des Gesundheitsschutzes. Die Allgemeinverfügung zu Betretungsverbot und Sammelverbot von Pilzen und Wildkräutern wurde im Internet einschließlich der Karten veröffentlicht. Schon im Juni war der Erfolg der Maßnahmen insbesondere im Vergleich zwischen behandelten und unbehandelten Waldgebieten, die u. a. aus Naturschutzgründen ausgespart wurden, deutlich sichtbar. 2 Kiefergroßschädlinge 2.1 Prognose aus den Winterbodensuchen Auffällig in den Winterbodensuchen war vor allem eine deutliche Entspannung der Gefährdung durch den Kiefernspinner. Größere Aufmerksamkeit verdienten die lokalen Anstiege der Kokondichten der Kiefernbuschhornblattwespen (Abb. 6 und 7, Tab. 1). 4
Abb. 6: Übersicht zum Auftreten der im Boden überwinternden Kieferngroßschädlinge in Brandenburg Tab. 1: Tendenz des Auftretens Nadelfresser Entwicklung Flächen mit kritischem Wert Fraßgefährdung Kiefernspanner rückläufig 0 gering Forleule leicht ansteigend 0 Kiefernspinner rückläufig 1 Kiefernbuschhornblattwespen leicht ansteigend 2 lokal merklich vereinzelt in Fraßgemeinschaft gering lokal merklich gering lokal merklich 5
Winterbodensuche GZ mit Berücksichtigung des Nadelprozentes 0,7 0,9 1,0 und mehr Abb. 7: Winterbodensuchflächen mit auffälligen Dichten der Kieferngroßschädlinge, in der Oberförsterei sind die Kokondichten der Kiefernbuschhornblattwespen erhöht Die Kokonbelagsdichte der Kiefernbuschhornblattwespen war zumeist niedrig. Allerdings traten im Gegensatz zum Vorjahr auch Flächen mit kritischen Dichten auf: Obf. Herzberg, Rev. Buchhain (24,8 Kokons/m 2 ) und Schönewalde (22,4 Kokons/m 2 ). Die Kokons wiesen bei der Gesundheitsuntersuchung einen geringen Parasitierungsgrad und eine hohe Schlupfbereitschaft auf. Nachsuchen bestätigten die Gefährdung insbesondere für Buchhain. Entsprechend war mit dem Schlupf der Wespen ab Mitte April zu rechnen. 6
2.2 Befallssituation Kiefernbuschhornblattwespen (Diprion pini, Diprion specc. und Gilpinia specc.) In der Obf. Herzberg im Revier Buchhain traten bei den Winterbodensuchen kritische Dichten der Kiefernbuschhornblattwespen auf. Die Nachsuche der Kokons auf den Zusatzflächen und die anschließende Gesundheitsuntersuchung von Mitarbeitern der LFE ließ in einigen Beständen für den kommenden Sommer starken bis Kahlfraß erwarten, da einerseits die Schlupfbereitschaft sehr hoch und andererseits die Parasitierung sehr gering war. Um die Prognose der Fraßschäden zu untersetzen, wurden bis Mitte Mai in den betroffenen Waldflächen Probefällungen zur Ermittlung der Eizahlen durchgeführt. In allen Kronenbereichen, gehäuft auf der Südseite der Kiefern, wurden unzählige Eireihen mit oftmals 15-25 Eiern an beiden Nadeln des Triebes nachgewiesen (Abb. 8, 9), somit die Prognose der Bestandesgefährdung bestätigt. Der in der Literatur (u. a. Schwenke 1982) beschriebene Ablauf der Eiablage konnte gut beobachtet werden. Für jedes Ei sägt das Weibchen eine neue Tasche, wobei sich die Taschen aneinander anschließen, somit erscheint das Schaumdach von der Seite gegliedert (Abb. 9) Die abgelegten Eier sind jedoch von außen nicht sichtbar. Abb. 8: Eireihen an einzelnen Nadeln Abb. 9: Eireihe unter dem Mikroskop Die Eier sind weißlich gelb und etwa 1,5 1,6xmm lang (Abb. 10). Bei der Eiablage sitzt das Weibchen im Reitersitz (Abb. 11, 12). Schneidet das Weibchen die Eitasche, tritt ein schaumiges Sekret aus, dieses wird mit dem Sägemehl vermengt und bildet eine Art Kittmasse, die über das Ei geschmiert wird. 7
Abb. 10: Freigelegte Eier unter dem Mikroskop, Abb. 11, 12: Weibchen bei der Eiablage im Reitersitz, Ende Juni war absehbar, dass die Voraussetzung zur Ausbildung einer 2. Generation gegeben ist. Die Larvalentwicklung wurde lokal unter Langtagbedingungen beendet. Seit Anfang Juli fand deshalb in den Befallsgebieten der Gemeinen Kiefernbuschhornblattwespe, Diprion pini, das Monitoring für die Gefährdungsprognose durch die 2. Generation, also den Herbstfraß, statt. Insektizidmaßnahmen sind in Vorbereitung. 8
3 Kiefernprozessionsspinner (Thaumetopoea pinivora) Im südöstlichen Brandenburg kam es im Juli zu einem vermehrten Auftreten des Kiefernprozessionsspinners. Die Raupen sind durch einreihige Prozessionen sehr auffällig. Die klumpenförmigen Nester in den Bäumen werden tagsüber zum Schutz aufgesucht. Der Fraß findet nachts statt. Problematisch ist die Wirkung der Brennhaare der Raupen. Die Gifthaarpolster werden ab dem 3. Raupenstadium gebildet, also ab etwa Ende Mai. So wie beim Eichenprozessionsspinner auch, rufen die mit Widerhaken versehenen und das Gift Thaumetopoein enthaltenen Gifthaare intensive allergische Reaktionen hervor. Sofort nach Hautkontakt entwickelt sich ein sehr unangenehmer Juckreiz, dem Ausschlag folgen kann. Bei Kontamination der Augen kommt es häufig zu Augenreizungen, beim Einatmen zur Reizung der oberen Atemwege, was bei individueller Vorbelastung zu Atemnot führen kann. Möglich sind Allgemeinsymptome wie Schwindel und Fieber. In jedem Fall sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Bei Kontakt mit Raupenhaaren ist intensives Duschen und Waschen der Kleidung zu empfehlen. Die Raupen (Abb. 13) verpuppen sich in der Regel im Juli und August im Boden. Die Puppen überwintern. Falterflug und die Eiablage an den Nadeln in der Kiefernkrone erfolgen im Frühjahr Die nächste Raupengeneration ist ab Ende April/ Anfang Mai zu erwarten. Da die Wirkung der Gifthaare bis über ein Jahr anhält, ist in den betroffenen Gebieten weiterhin Vorsicht geboten. Auf keinen Fall sollten Raupen, herunter gefallene Nester oder Nestteile berührt werden. Der Aufenthalt in betroffenen Waldgebieten sollte vermieden werden. In sensiblen Bereichen ist eine mechanische Beseitigung der Nester und Raupen ratsam. Am besten geeignet ist das Absaugen durch eine Spezialfirma (Schädlingsbekämpfer). Sind solche Maßnahmen vorgesehen, sollten sie im Spätsommer umgesetzt werden, um nicht nur die Nester, sondern auch noch die Raupen zu vernichten, bevor diese zur Verpuppung in den Boden gehen. Bei den Arbeiten ist ein umfassender Körper-, Augen- und Atemschutz notwendig. Das Abbrennen der Nester ist nicht zu empfehlen, da die Haare durch die Wärmeentwicklung verdriftet werden können und die Gefährdung für die handelnden Personen sehr groß ist. Abb. 13: Kiefernprozessionsspinner im Revier Pinnow, 9
4 Die Lärchenminiermotte (Coleophora laricella) In diesem Jahr wird aus mehreren Teilen des Landes, das Aufkommen der Lärchenminiermotte gemeldet. Die Gesamtbefallsfläche beträgt 6,0 ha. 5 Sonstige blattfressende Insekten an Laubbäumen 5.1 Eiche: Eichenerdfloh (Altica quercetorum) Aus dem östlichen Teil Brandenburgs wurden an Eichen mehrfach Fraßschäden durch den Eichenerdfloh gemeldet. Der irreführende Artname für diese Blattkäferart weist auf das Sprungvermögen der blaugrünen, metallisch glänzenden, 4-5 mm großen Käfer hin. Die fast schwarzen, bis zu 8 mm langen Larven fressen in Gruppen zumeist auf der Unterseite von Blättern der Stiel- und Trauben-Eiche. Ihr Schabefraß lässt auf den Blättern anfangs Bereiche zurück, in denen nur noch die Blattnerven und eine dünne, farblose Zellschicht vorhanden sind. Später werden diese Blätter braun und kräuseln sich. Ältere Larven lassen beim Fressen zum Teil nur noch die Blattnerven übrig. Die Larven verpuppen sich im Juli/August am Boden oder in Rindenritzen. Die meist im August schlüpfenden Jungkäfer fressen, wie die Larven an Blättern. Sie überwintern in der Bodenstreu oder in Rindenritzen und legen ihre Eier im nächsten Frühjahr an der Unterseite junger Eichenblätter ab. Gelegentliche Massenvermehrungen des Eichenerdflohs sind bekannt, die forstliche Bedeutung ist aber im Allgemeinen gering. Gegenmaßnahmen sind nicht angezeigt. Wirtschaftlich bedeutend kann der Eichenerdfloh jedoch in Baumschulen sein. Abb. 14: Eichenerdfloh, Foto: Kati Hielscher Abb. 15: Larven des Eichenerdflohs, Foto: Kati Hielscher 5.2 Blauer Erlenblattkäfer (Agelastica alni) Im nordöstlichen Teil Brandenburgs fielen an Erlen starke Fraßschäden durch Blaue Erlenblattkäfer auf. Blaue Erlenblattkäfer sind 6 7 mm groß und schwarz-blau bis violett gefärbt. Ihre Hauptnahrungspflanzen sind Schwarz- und Grauerle. Nach der Überwinterung in Boden und Bodenstreu erscheinen die Käfer ab April und fressen Löcher in die Erlenblätter. Im Mai kann man die orangegelben Eigelege an den Blattunterseiten finden. 10
Die glänzend schwarzen Larven fressen zuerst in Gruppen an den Blättern, wobei sie nur Blattschichten entfernen, so dass noch keine Löcher in den Blättern entstehen (Schabefraß). Die größeren Larven (bis 11 mm) leben einzeln auf den Blättern und verursachen Löcher oder lassen nur noch die Blattnerven übrig. Die Blätter färben sich nach dem Fraß oft braun, vertrocknen und rollen sich teilweise ein. Nach der Verpuppung erscheinen ab August die Jungkäfer der nächsten Generation. Auch diese Käfer fressen noch an den Erlenblättern bevor sie ihre Überwinterungsplätze aufsuchen. In Baumschulen und Kulturen können die Käfer starke Schäden verursachen. Haben die Erlen das Jungwuchsalter überschritten, kann der auffällige Fraß Zuwachsverluste, jedoch keine Bestandesgefährdung bewirken. Gegenmaßnahmen sind nicht erforderlich. An Erlen tritt noch eine weitere sehr ähnliche Blattkäferart auf, die mit der hier beschriebenen Art verwechselt werden kann der Erzfarbene Erlenblattkäfer (Plagiosterna aenea L.). Abb. 16: Larven des Blauen Erlenblattkäfers, Abb. 17: Braune Blätter durch den Fraß der Larven, 5.3 Maikäfer Maikäferflug auf 2 ha Fläche und leichter bis Kahlfraß an Rand- und Solitärbäumen wurde aus den Oberförstereien Neuruppin und Neuendorf gemeldet. Bearbeiter: DR. KATRIN MÖLLER DFI PASCAL EBERT DR. KATI HIELSCHER Titelbild: Günstige Witterungsbedingungen im Frühjahr waren Ursache für eine erneut massive Raupendichte des Eichenprozessionsspinners. Kahlfraß und damit weitere Vitalitätsverluste in den betroffenen Eichenbeständen sind die Folge () Satz & Layout: Andreas Neumann, LFB, PÖA, Alt Ruppin 11