Generative Grammatik

Ähnliche Dokumente
Generative Grammatik

Einleitung. Definitionen von Korpuslinguistik und das Repräsentativitätsmerkmal

Orientierungspraktikum Linguistik

Experimentell erhobene Grammatikalitätsurteile und ihre Bedeutung für die Syntaxtheorie

Mitschrift VO Syntax des Deutschen (Hartmann)

Behaviorismus und Nativismus im Erstspracherwerb. Theresa Schmidt Naturwissenschaft für Querdenker

Arten und Typen von Grammatiken

Dependency Locality Theory von Edward (Ted) Gibson. Die. Seminar Konnektionistische Sprachverarbeitung, Benjamin Udiljak. 10.

Einführung in die Linguistik, Teil 4

Abteilung Schulfragentwicklung und -betrieb Kollegiumstrasse 28 Postfach Schwyz Telefon Telefax

Funktionale-Grammatik

Interdisziplinäre fachdidaktische Übung: Sprache und Modelle. SS 2015: Grossmann, Jenko

Syntax Hintergrund und Ziel

Formale Methoden 1. Gerhard Jäger 12. Dezember Uni Bielefeld, WS 2007/2008 1/22

Grundwissen: Grammatik

Nativismus. Erklärungsansatz für den kindlichen Spracherwerb. Franziska Pelka & Jonas Lang

Erstspracherwerb. Referentin: Fouad Safaa Seminar: Deutsch als Zweitsprache Seminarleitung: Frau Schulz

Grundkurs Linguistik Wintersemester 2014/15. Syntax. Anja Latrouite

Übungsblatt 23. Alle Aufgaben, die Lösungen zu den Aufgaben und eine Übersicht zu den Grammatiken findest du im Internet:

Contents / Inhalt. Lilijana Stepic, ERLERNEN WIR DIE ENGLISCHEN ZEITEN 205. Vorwort... und noch einige Tipps zum erfolgreichen Lernen

Grundlagen der Künstlichen Intelligenz

1.1 Was ist KI? 1.1 Was ist KI? Grundlagen der Künstlichen Intelligenz. 1.2 Menschlich handeln. 1.3 Menschlich denken. 1.

EINLEITUNG. Kurs: Der Sprachinstinkt (Gergely Pethő), 1. Sitzung

Sherlock is Luke s dog. This is the Elliots house.

ENGLISCHE GRAMMATIK. Bildnachweise Illustrationen: Stefanie Czapla

Theoretische Grundlagen des Spracherwerbs

Jahresschlusstest 2019

Modul (Syntax und Semantik)

Linguistische Informatik

Syntax - Das Berechnen syntaktischer Strukturen beim menschlichen Sprachverstehen (Fortsetzung)

English grammar BLOCK F:

Name: Abgabe: Montag, Blatt 18

Grammatik. einfach logisch. Ein Handbuch. Maria Götzinger-Hiebner. Schwerpunkt Primarstufe und Sekundarstufe 1. Lernen mit Pfiff

Terminus Sprache, Phonologie und Grammatik

Computerlinguistische Grundlagen. Jürgen Hermes Wintersemester 17/18 Sprachliche Informationsverarbeitung Institut für Linguistik Universität zu Köln

Unterrichtsmaterialien in digitaler und in gedruckter Form. Auszug aus: Vertretungsstunde Englisch 6. Klasse: Grammatik

Bei den Modalverben sind die 1. und 3. Person Singular gleich!

Vorlesung: Einführung in die Computerlinguistik. VL: Einführung in die Computerlinguistik

VORSCHAU. Gesund und krank 39 Die Familie 11. Sport 41 Fragen und Antworten 13. Wohnen 43 Jemand beschreiben 15. Unser Haus 45 Essen 17

Semantik und Pragmatik

Vertiefung der Grundlagen der Computerlinguistik. Semesterüberblick und Einführung zur Dependenz. Robert Zangenfeind

Transformationsgrammatik der 60er/70er. Kl. HS, CLI, Liebigstr. Sommmersemester 2006

Lektion 3: Nominativ und Akkusativ (nominative and accusative cases)

Syntax Kernbegriffe. Modul Syntax und Semantik. Universität Leipzig heck. Institut für Linguistik

DAS ERSTE MAL UND IMMER WIEDER. ERWEITERTE SONDERAUSGABE BY LISA MOOS

Klassenarbeit - Grammatik

MATHEMATIK - MODERNE - IDEOLOGIE. EINE KRITISCHE STUDIE ZUR LEGITIMITAT UND PRAXIS DER MODERNEN MATHEMATIK (THEORIE UND METHODE) FROM UVK

Beurteilungskriterien und wesentliche Bereiche Englisch / 5. Klasse

Jahresschlusstest 2018

Handout: Kommunikative Grammatik Nadine Custer

Duell auf offener Straße: Wenn sich Hunde an der Leine aggressiv verhalten (Cadmos Hundebuch) (German Edition)

Konstituenten sind hierarchisch organisiert. Phrasenstruktur. Phrasenstruktur-Regeln. Phrasenstruktur-Regeln. Phrasenstruktur-Regeln

Regel 1: Wie kann ich einen Besitz ausdrücken?

Cirque Du Freak #2: The Vampire's Assistant: Book 2 In The Saga Of Darren Shan (Cirque Du Freak: The Saga Of Darren Shan) By Darren Shan

English grammar BLOCK F:

I. SEMIOTISCHE UND LINGUISTISCHE GRUNDBEGRIFFE. Kommunikation = wichtige Form sozialer Interaktion:

Lexikalische Semantik. Was ist ein Wort? Was ist in einem Wort?

Einführung in die Linguistik, Teil 4

Materialien zu unseren Lehrwerken

Im Fluss der Zeit: Gedanken beim Älterwerden (HERDER spektrum) (German Edition)

Fachübersetzen - Ein Lehrbuch für Theorie und Praxis

Zu "Deutsche Grammatik - Ein Handbuch für den Ausländerunterricht" von Gerhard Helbig und Joachim Buscha (German Edition)

Einführung in die Linguistik: Syntax

Contents Inhaltsverzeichnis

Einführung in die Linguistik

Funktion der Mindestreserve im Bezug auf die Schlüsselzinssätze der EZB (German Edition)

FACHKUNDE FüR KAUFLEUTE IM GESUNDHEITSWESEN FROM THIEME GEORG VERLAG

Offenes Lernen 1: Pflichtaufgaben

Jan Strunk

Passiv. Health und Body Grammar & Structure Level B1 GER_B G

Die einfachste Diät der Welt: Das Plus-Minus- Prinzip (GU Reihe Einzeltitel)

Seminarmaterial zum Abschnitt 12.5 Version vom Deutsche Grammatik verstehen und unterrichten. erarbeitet von Matthias Granzow-Emden

Wolfgang Wildgen. Kognitive Grammatik. Klassische Paradigmen und neue Perspektiven. Walter de Gruyter Berlin New York

Betriebliche Anspruchsgruppen. Der Shareholder- Value- und der Stakeholder-Value Ansatz (German Edition)

Formale Methoden 1. Gerhard Jäger 7. November Uni Bielefeld, WS 2007/2008 1/18

Abkürzungen Abbreviations Unbestimmte Artikel Indefinite Article... 9

GERMAN LANGUAGE Tania Hinderberger-Burton, Ph.D. American University

DOWNLOAD. Einfache Lernspiele Satzbildung. Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit. Einfache Lernspiele für den Englischunterricht.

Analyse und Interpretation der Kurzgeschichte "Die Tochter" von Peter Bichsel mit Unterrichtsentwurf für eine 10. Klassenstufe (German Edition)

Alle Aufgaben, die Lösungen zu den Aufgaben und eine Übersicht zu den Grammatiken findest du im Internet:

COMPUTER: Mission Berlin. November 9, 2006, eleven am. You've got 60 minutes and no extra life left.

COMPUTER: Mission Berlin. November 9, 2006, eleven am. You've got 60 minutes and no extra life left.

Unterrichtsmaterialien in digitaler und in gedruckter Form. Auszug aus: Vertretungsstunde Englisch 5. Klasse: Grammatik

Algorithmen und Formale Sprachen

Definite und indefinite Artikel und deren kontextspezifischer Gebrauch bei Dreijährigen mit Muttersprache Deutsch

Der Topos Mütterlichkeit am Beispiel Bertolt Brechts "Der kaukasische Kreidekreis" und "Mutter Courage und ihre Kinder" (German Edition)

Stefan Lotze Grundlagen der deutschen Grammatik (Teil 2: Seminar) Sommer 2018

Schuljahr 2015/16. Kollegiale und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Lehrer

Transkript:

Linguistik für Kognitionswissenschaften 2 Generative Grammatik Gerhard Jäger Universität Tübingen 28. Oktober 2010 Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 1 / 19

Deskriptive und präskriptive Grammatik Präskriptive (normative) Grammatik Wie soll man sprechen und schreiben? Wie soll man nicht sprechen und schreiben? Wer brauchen ohne zu gebraucht, braucht brauchen gar nicht zu gebrauchen. Beispiele: Duden. Richtiges und gutes Deutsch. Bastian Sick, Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Gesellschaft für deutsche Sprache e.v. siehe auch Andrè Meinunger, Sick of Sick (unter Verwendung von Lehrmaterial von Jan Strunk, RUB) Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 2 / 19

Deskriptive und präskriptive Grammatik Deskriptive Grammatik Wie sprechen und schreiben die Angehörigen einer Sprachgemeinschaft (wirklich)? Erfassung von Regeln (im Sinne von Regelmäßigkeiten) Basiert zumeist auf den intuitiven Urteilen von Sprechern der untersuchten Sprache (Sprecherintuition) oder umfangreichen Sammlungen von Sprachdaten (Korpora) Sprache ist ein natürliches Phänomen (das man nur beschränkt durch Vorschriften regeln kann) (unter Verwendung von Lehrmaterial von Jan Strunk, RUB) Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 3 / 19

Deskriptive und präskriptive Grammatik aber du brauchst das nicht machen Präskriptive Grammatik: Wer brauchen ohne zu gebraucht, braucht brauchen gar nicht zu gebrauchen. Deskriptive Grammatik brauchen scheint sich zu einem Modalverb wie müssen, können oder dürfen zu entwickeln. Verwendung ohne zu, vgl. du musst das nicht machen In manchen Dialekten kein -t in der 3. Person Singular Er brauch das nicht machen. vs. *Er tauch unter. (unter Verwendung von Lehrmaterial von Jan Strunk, RUB) Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 4 / 19

Generative Grammatik W. von Humboldt: Sprache macht von endlichen Mitteln unendlichen Gebrauch. Weniger poetisch: Menge der grammatischen Sätze einer jeden natürlichen Sprache ist unendlich sprachliches Wissen (mentale Grammatik der Sprachbenutzer) ist aber endlich Chomsky: mathematische Modellierung durch rekursives Regelsystem, das jeden Satz generieren kann z.b. Ersetzungssysteme Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 5 / 19

Grundsätze der generativen Grammatik 1 Grammatiken sollen deskriptiv, nicht präskriptiv sein. 2 Grammatiken beschreiben die sprachliche Kompetenz, nicht die Performanz der Sprachbenutzer. 3 Grammatik sollen vollständig explizit formuliert sein. 4 Linguistische Analysen sollen maximal allgemein sein. 5 Die Theorie der Grammatik sollte Aussagen zur Universalgrammatik machen. 6 Grammatiken sollen psychologisch relevant sein. Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 6 / 19

Kompetenz vs. Performanz Kompetenz: sprachliches Wissen des kompetenten Muttersprachlers Linguistic theory is concerned primarily with an ideal speaker-listener, in a completely homogeneous speech-community, who know its (the speech community s) language perfectly and is unaffected by such grammatically irrelevant conditions as memory limitations, distractions, shifts of attention and interest, and errors (random or characteristic) in applying his knowledge of this language in actual performance. (Chomsky, 1965, p. 3) Performanz: tatsächliches sprachliches Verhalten Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 7 / 19

Explizitheit traditionelle Grammatik-Beschreibungen sind informell formuliert setzen linguistisches Grundwissen des Nutzers voraus streben keine Vollständigkeit an Anspruch der generativen Grammatiken formalisiert strebt (zumindest im Prinzip) Vollständigkeit an kann (im Prinzip) in ein Computerprogramm umgesetzt werden, setzt also kein intuitives Vorverständnis voraus Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 8 / 19

Beispiel: traditionelle Grammatikbeschreibung aus G. Helbig & J. Buscha, Deutsche Grammatik, Leipzig 1987 Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 9 / 19

Beispiel: generative Grammatikbeschreibung (Lehrmaterial von Wolfgang Sternefeld) Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 10 / 19

Allgemeinheit Grammatik (i.s.v. formale Grammatikbeschreibung) sollte möglichst allgemein sein wenn zwei Modelle die selbe Menge von Sätzen beschreiben, ist die einfachere Variante (die weniger Regeln/Symbole bzw. allgemeinere Regeln benutzt), vorzuziehen. Beispiel (vgl. Wasow 2001/Postal 1964): tag questions im Englischen Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 11 / 19

tag questions haven t (1) a. I have won, *won t *aren t I *you *we *they? 1 won t b. You will win, *haven t *aren t you *we *they? Hilfsverb des tag ist negierte Form des Hilfsverb des Aussagesatzes. (Falls der Aussagesatz nur ein Hauptverb enthält, wird das Hilfsverb do verwendet.) Subjekt des tag muss identisch sein mit Subjekt des Aussagesatzes. 1 Im Kontext der generativen Grammatik werden mit dem Sternchen ungrammatische (also grammatikalisch falsche) Varianten gekennzeichnet. Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 12 / 19

tag questions won t (2) a. Close the door, *haven t *aren t *I you *we *they zwei Möglichkeiten, tag questions in Imperativsätzen zu beschreiben: 1 Das question tag bei Imperativsätzen ist won t you. 2 Auf einer abstrakten Beschreibungsebene haben Imperativsätze you als Subjekt und will als Hilfsverb, auch wenn diese Komponenten nicht sichtbar sind. zweite Variante ist allgemeiner, weil dann die Regel zur Bildung von tag questions auch für Imperativsätze gilt Andererseits verkompliziert die Stipulation von unsichtbaren Material die Grammatik. Es zeigt sich aber, dass diese scheinbare Stipulation auch in anderen Kontexten zu einfacheren/allgemeineren Beschreibungen führt. Gerhard Jäger Variante (Universität Tübingen) 2 ist daher Linguistik vorzuziehen. für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 13 / 19?

Universalgrammatik Poverty of stimulus: Laut Chomsky genügen die Daten, die ein sprachlernendes Kind beobachtet, nicht aus, um daraus eine vollständige Grammatik zu induzieren. Beispiel (2) a. Alex is singing a song./is Alex singing a song? b. Robin has finished reading./has Robin finished reading? c. The boys are back./are the boys back? offensichtliche Beziehung zwischen Aussage- und Fragesätzen Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 14 / 19

Universalgrammatik Poverty of stimulus: Laut Chomsky genügen die Daten, die ein sprachlernendes Kind beobachtet, nicht aus, um daraus eine vollständige Grammatik zu induzieren. Beispiel (2) a. Alex is singing a song./is Alex singing a song? b. Robin has finished reading./has Robin finished reading? c. The boys are back./are the boys back? offensichtliche Beziehung zwischen Aussage- und Fragesätzen Hypothese 1: Um aus einem Aussagesatz eine Frage zu bilden, muss man das erste Hilfsverb an den Anfang setzen. Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 14 / 19

Universalgrammatik aber: (3) a. The woman who is singing is happy./is the woman who is singing happy?/*is the woman who singing is happy? b. The man that is reading a book has arrived./has the man that is reading a book arrived?/*is the man that reading a book has arrived? Hypothese 2: Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 15 / 19

Universalgrammatik aber: (3) a. The woman who is singing is happy./is the woman who is singing happy?/*is the woman who singing is happy? b. The man that is reading a book has arrived./has the man that is reading a book arrived?/*is the man that reading a book has arrived? Hypothese 2: Das Hilfsverb des Hauptsatzes muss an den Anfang gestellt werden, um aus einem Aussagesatz einen Fragesatz zu machen. Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 15 / 19

Universalgrammatik Chomskys Argument: Fragesätze vom Typ (3) sind sehr selten; ein Kind wird sie im Spracherwerb vermutlich nicht beobachten Dennoch treffen alle englisch-sprachigen Kinder die Korrekte Generalisierung (Hypothese 2) Also: Kinder kennen Kategorien wie Hauptsatz u.ä. schon, bevor sie mit dem Spracherwerb beginnen gewisse grammatische Kategorien und Lernhypothesen sind angeboren Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 16 / 19

Universalgrammatik Universalgrammatik ist die Gesamtheit des grammatischen Wissens, das angeboren ist eine gute generative Grammatik einer Einzelsprache sollte Aussagen darüber machen, welche Aspekte universalgrammatisch und welche einzelsprachlich sind Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 17 / 19

Psychologischer Realismus korrekte Grammatikbeschreibung sollte korrekte Vorhersagen machen bezüglich Sprachverarbeitung Spracherwerb Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 18 / 19

Psychologischer Realismus: Verarbeitungskomplexität (4) a. The reporter who the senator attacked admitted the error. b. The reporter who attacked the senator admitted the error. Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 19 / 19

Psychologischer Realismus: Verarbeitungskomplexität (4) a. The reporter who the senator attacked admitted the error. b. The reporter who attacked the senator admitted the error. Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 19 / 19

Psychologischer Realismus: Verarbeitungskomplexität (4) a. The reporter who the senator attacked admitted the error. b. The reporter who attacked the senator admitted the error. Relativpronomen in (a.) ist mit Objekt-Position des Verbs attacked assoziiert Relativpronomen in (b.) ist mit Objekt-Position des Verbs attacked assoziiert bei linearer Verarbeitung von links nach rechts muss in (a.) länger eine offene Abhängigkeit im Gedächtnis behalten werden In der Tat zeigen Lesezeitstudien, andere behaviorale Tests und bildgebende Verfahren, dass Konstruktionen wie in (a.) schwerer zu verarbeiten sind als Konstruktionen wie in (b.) Gerhard Jäger (Universität Tübingen) Linguistik für Kognitionswissenschaften 28. Oktober 2010 19 / 19