MELANIE GRÄSSER EIKE HOVERMANN Gelassen durch die Essen spielen beruhigen schlafen Alles für einen stressfreien Alltag Baby-Zeit Empfohlen von: Das raten Erzieherinnen, Hebammen, Kinderpsychologen und -ärzte
Greifen und begreifen 19 diese auch zum Mund, ab dem fünften Monat sogar in den Mund. Der Tastsinn Ihres Babys ist wesentlich besser entwickelt als alle anderen Sinne wie Sehen, Hören oder Schmecken. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Babys in der Lage sind, sich ein echtes Bild von dem zu machen, was sie mit Lippen, Zunge oder Gaumen ertasten. Wenn man das Greifen und damit auch die Nutzung der Hand allgemein im Verlauf der ersten Monate und Jahre beobachtet, kann man deutliche Veränderungen wahrnehmen. Zu Beginn sind die Hände zum Packen, Festhalten und wieder Loslassen da. Im Verlauf lernen Kinder, mit ihren Händen eigenständig zu essen und sich die Schnürsenkel zuzubinden. Die Entwicklungsschritte des Greifens im ersten Lebensjahr Alter Entwicklungsschritte 1. Monat Greifreflex: Alles was das Handinnere des Säuglings berührt, wird reflexartig festgehalten, das Loslassen funktioniert unkoor- diniert. Manches wird zum Mund geführt, um daran zu saugen. 2. Monat Der Säugling hat die Hände meist zu lockeren Fäusten geballt und hält Gegenstände fest, lässt diese jedoch nicht los. Wenn man über den Handrücken streicht, geht die Hand wieder auf. 3. Monat Die Hände sind nun geöffnet, einzelne Finger werden in den Mund gesteckt. Dinge können durch Ertasten gegriffen werden. Hingehaltene Gegenstände können gegriffen, bewegt und (meist unkontrolliert) losgelassen werden. Alles wird in den Mund gesteckt. 4. Monat Der Säugling greift gezielt nach Dingen, und die Hände werden über die Körpermitte zusammengeführt und beobachtet. (Die Augen-Hand- und Hand-Hand-Koordination beginnt.) Ein erstes Spielen mit den Händen findet statt. Jetzt kann man anfangen, spielerisch diese Koordination zu trainieren: Halten Sie einen Gegenstand mal mittig, mal an der einen und mal an der ande- ren Seite über Ihren Säugling und lassen Sie ihn danach greifen. Trainieren Sie so auch das Überkreuzgreifen, das ist wichtig für die Stimulation beider Gehirnhälften.
20 Die Entwicklungs stufen des Babys Alter Entwicklungsschritte 5. Monat Das Greifen wird immer gezielter, und Ihr Säugling fängt an, mit beiden Händen Dinge zu untersuchen. Er kann nun auch nach Dingen greifen, ohne sie zu sehen, d. h. er erinnert sich, wo etwas gelegen hat (z. B. abends im Bett der Schnuller). Die Wahrnehmung des Säuglings verändert sich nun gewaltig, er sieht nicht nur, sondern nimmt wahr! 6. Monat Der anfängliche Greifreflex ist nun verschwunden Dinge werden zwischen den Händen hin- und hergegeben, gedreht und betastet der Säugling sammelt viele Eindrücke zu unter- schiedlichen Dingen. Sie werden bemerken, dass Ihr Baby an - fängt, Vorlieben für bestimmte Gegenstände zu entwickeln. Diese werden immer wieder lange untersucht, weniger Spannen- des wird schnell wieder weggelegt. Auch fängt Ihr Säugling mit dem Pinzettengriff an, er greift Dinge mit Daumen und Zeige- finger. 7. Monat Die Hand-Hand-Koordination wird immer sicherer, Ihr Säugling übergibt Gegenstände sicher von einer in die andere Hand. Die genetisch bedingte Händigkeit kann man schon langsam erken- nen. Halten Sie einen Gegenstand in die Mitte und beobachten Sie, mit welcher Hand Ihr Baby zuerst danach greift. Meist ist dies dann auch später die Schreibhand. 8. Monat Ihr Säugling fängt nun an, mehrere Gegenstände auf einmal zu greifen. Er kann Sachen gegeneinanderhauen oder mit ihnen auf eine Unterlage klopfen. Die Wirkung seines Handelns wird ihn begeistern, und er wird es immer und immer wieder tun. Sehr wahrscheinlich kann Ihr Kind sich auch schon eigenständig in die Bauchlage drehen und ist so sicher, dass es sich abstützen und mit einer Hand nach einem Gegenstand greifen kann. 9. Monat Der Pinzettengriff ist langsam ausgereift, nun können mit zwei Fingern auch kleinere Dinge gegriffen werden. Außerdem wird Ihr Kind viel damit experimentieren, was passiert, wenn man einzelne Dinge fallen lässt. Seien Sie also vorsichtig, was Sie ihm geben, und ärgern Sie sich nicht, wenn Ihr Kind zum zwanzigs- ten Mal das Spielzeug fallen gelassen hat. Diese Phase ist wich- tig für seine Entwicklung, Ihr Kind lernt das Wechselspiel von Aktion und Reaktion kennen.
Greifen und begreifen 21 Alter Entwicklungsschritte 10. Monat Ihr Kind nutzt seine Hände inzwischen nicht mehr nur noch zum Greifen, sondern es kann gezielt auf Dinge zeigen, die es haben möchte bzw. toll findet. In Büchern kann es vielleicht schon auf Dinge zeigen, nach denen Sie es fragen ( Wo ist der Hund? ). 11. Monat Ihr Kind fängt langsam an, die Hände zum eigenständigen Essen (Butterbrot oder Banane werden gegriffen und gezielt zum Mund geführt) und Trinken (Flasche oder Becher werden mit beiden Händen gehalten) zu nutzen. Außerdem wird Ihr Kind anfangen, alles auf seine Funktion hin zu untersuchen, z. B. werden Schubladen und CD-Ständer ausgeräumt, Lichtschalter immer wieder gedrückt etc. Tipp: Stellen Sie Ihrem Kind Kartons mit unterschiedlich großen und farbigen Dingen hin (Murmeln, harte Nudeln, große Holzper- len etc.) und lassen Sie es diese nach Lust und Laune sortieren oder auch mal in eine Plastikflasche füllen. Mit solchen Spielchen können sich Kinder in dem Alter lange beschäftigen. Behalten Sie es aber bitte dabei im Auge. 12. Monat Mit dem Löffel versucht Ihr Kind nun, eigenständig zu essen. Wählen Sie das Essen mit Bedacht aus, Suppen sind weniger geeignet als festere Pürees. Außerdem kann Ihr Kind mit seinen Händen stapeln, seien es Bauklötze, Schachteln o. Ä. Expertentipp Das Neugeborene kann noch nicht bewusst greifen. Der Greifreflex verursacht, dass die Händchen sich automatisch schließen, wenn etwas die Handinnenflächen berührt. Die Feinmotorik entwickelt sich erst ab dem achten Lebensmonat. Gerade jetzt sollten Sie alle kleinen Gegenstände, die das Baby greifen und sich in den Mund stecken kann, in Sicherheit bringen.
22 Die Entwicklungs stufen des Babys Das Baby wird mobil Nein, gekrabbelt ist unser Kind nicht, es ist direkt losgelaufen. In der heutigen Zeit ist es nicht ungewöhnlich, dass Eltern über ihr Kind sagen, es wolle nicht krabbeln. Auch von sich selber berichten viele, sie seien als Kind nicht gekrabbelt. Kinderärzte, die danach gefragt werden, finden ein Überspringen des Krabbelns nicht beunruhigend. Dennoch ist das Krabbeln ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung des Babys. Die Natur hätte das Krabbeln nicht erfunden, wenn es überflüssig wäre. Krabbeln ist wichtig für das Erlernen von Überkreuzbewegungen (gleichzeitiges Bewegen von gegenüberliegendem Arm und Bein). Dabei finden wichtige Verknüpfungen zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte statt. Das Krabbeln ist ein Meilenstein in der Koordinationsentwicklung. Dennoch stellt sich die Frage, warum so viele Babys nicht krabbeln wollen. In der kindlichen Entwicklung bauen die einzelnen Bewegungsschritte aufeinander auf. Liegt das Neugeborene viel auf dem Rücken und entdeckt bald seine Hände und Füße, kann es sich meist mit einem halben Jahr schon drehen. Zuerst aus der Rückenlage auf die Seite und auf den Bauch, später auch anders herum. In der Bauchlage lernt es, seinen Kopf zu heben und sich Stück für Stück immer weiter aufzurichten. Mit ca. neun bis zehn Monaten hat sich das Kind in den Vierfüßlerstand vorgearbeitet und beginnt von dort aus zu krabbeln.
Das Baby wird mobil 23 Expertentipp Wenn Ihr Baby auf dem Bauch liegt und sein Köpfchen hält, stüt- zen Sie es mit einer Hand am Po. So kann es sein Köpfchen länger halten und die Muskeln werden gut trainiert. Eine weitere Mög- lichkeit zum Trainieren der Muskelkontrolle Ihres Babys ist das Tragen im Tragesystem/-tuch. Die Muskulatur baut sich langsam auf, um jeden folgenden Entwicklungsschritt leisten zu können. Nach und nach kräftigen sich die Bauch- und Rückenmuskulatur, was sehr wichtig für das spätere aufrechte Gehen ist. Nach dem Krabbeln und Sitzen folgt als nächster Entwicklungsschritt das Hochziehen. Mit ca. zehn bis elf Monaten zieht sich das Kind zuerst auf die Knie und danach vollständig hoch. Aus dem Stehen entwickelt sich dann das seitliche Gehen an Gegenständen entlang (Tisch, Sofa etc.). Mit ca. zwölf bis 18 Monaten folgt dann das freie Gehen. Die Entwicklung des Babys von der Rückenlage bis in den Stand und von dort aus zum Laufen, ist ein langwieriger Prozess. Jedes Kind hat dabei sein eigenes Tempo. Manche Kinder sind schneller, andere langsamer. Neugierde ist der Antrieb der stetigen Weiterentwicklung. Das Baby muss selbst Erfahrungen machen und selber Dinge erreichen. Es soll sich anstrengen und, wenn es etwas Neues erreicht hat, von Ihnen mit einem Lächeln belohnt werden. Besonders wichtig ist es, dass Sie Ihrem Kind bei seiner Entwicklung Zeit lassen! Viele Eltern machen den Fehler, ihrem Kind Ent-