PFLANZEN IN GESELLSCHAFT



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Transkript:

20 (G)ARTENVIELFALT TEC21 12 / 2008 PFLANZEN IN GESELLSCHAFT Mit abwechslungsreichen Pflanzungen öffentliche Flächen in der Stadt bereichern dies wollten die Forscher des Zentrums Urbaner Gartenbau in Wädenswil 1 und entwickelten zu diesem Zweck integrierte Pflanzsysteme. Dafür verleiht ihnen der Schweizer Heimatschutz dieses Jahr den Schult hess- Gartenpreis. Titelbild Entwicklunsgplan des «Silbersommers» (Bild: Zentrum Urbaner Gartenbau, Institut Umwelt und Natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Wädenswil) Sie sind schön anzuschauen, machen aber auch viel Arbeit: öffentliche Pfl anzfl ächen mit so genanntem Sommerfl or, akkurat gepfl anzt, streng gepfl egt und jährlich mehrfach erneuert. Wegen der hohen Pfl egekosten sind die bunten Schmuckrabatten jedoch in Gefahr, aus dem Stadtbild zu verschwinden ersetzt durch Kleingehölze, die jahrein, jahraus mehr oder weniger gleich aussehen. Gegen das «Einheitsgrün» im öffentlichen Raum entwickelten Forscherinnen und Forscher des Zentrums Urbaner Gartenbau an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil Stauden-Mischpfl anzungen, so genannte integrierte Pfl anzsysteme. SCHULTHESS-GARTENPREIS Mit der diesjährigen Verleihung (23. Mai in Wädenswil) an das Zentrum Urbaner Gartenbau vergibt der Schweizer Heimatschutz den Schulthess-Gartenpreis zum zehnten Mal. Den Preis ermöglicht das Stifterehepaar Marianne und Dr. Georg von Schulthess. Ausgezeichnet werden damit vorbildliche Leistungen im Bereich der Gartenkultur. Das Spektrum des Auszeichnungswürdigen ist, laut den Statuten der Stiftung, gross: Gut unterhaltene historische Gartendenkmäler, aber auch richtungweisende Neuanlagen, Institutionen oder Privatpersonen können die Auszeichnung erhalten. So bekam beispielsweise 2006 die Stiftung Ermitage Arlesheim und Schloss Birseck den mit 30 000 Franken dotierten Preis verliehen für ihr Engagement für den bedeutendsten englischen Landschaftsgarten der Schweiz, die Ermitage in Arlesheim. 1999 wurden fünf Eigentümer von Privatgärten unter dem Motto «Gartenliebe» ausgezeichnet. Mit der diesjährigen Prämierung der Forschung des Zentrums Urbaner Gartenbau knüpft die Jury an den ersten Schulthess-Gartenpreis an: Dieser ging 1998 an die Stiftung «Archiv für die Schweizer Gartenarchitektur und Landschaftsplanung», auch eine Institution, die sich im Dienste der Gartenkultur der Erarbeitung von Grundlagen und der Forschung widmet. Claudia Moll GRUNDLAGENFORSCHUNG Integrierte Pfl anzensysteme basieren auf den Erkenntnissen der Pfl anzensoziologie, eines Fachgebiets der Geobotanik. Laut dieser Theorie leben Pfl anzen nicht isoliert, sondern bilden von Standort und klimatischen Bedingungen abhängige Gruppen, sprich Gesellschaften. In diesem Verbund bilden die Pfl anzen ein wechselseitiges Wirkungsgefüge, das im Laufe der Zeit stabil ist. Dies ist auch bei den integrierten Pfl anzsystemen eigentliche künstlich geschaffene Pfl anzengesellschaften der Fall. Praktisch umgesetzt werden sie folgendermassen: Gärtner pfl anzen auf Freifl ächen von mindestens 30 Quadratmetern eine Mischung aus Stauden, Gräsern und Zwiebelgewächsen, durchsetzt von eingesäten ein- bis zweijährigen Krautpfl anzen. Letztere wachsen schnell und decken die Fläche bereits im Sommer nach der Einsaat ab, sodass nicht erwünschtes Unkraut geringe Chancen hat, zu wachsen. Die sich langsamer entwickelnden Stauden mehrjährige nicht verholzende Pfl anzen mit Blütenschmuck dehnen sich dann aus, wenn die Krautpfl anzen sich bereits reduzieren oder weiter wandern, das heisst, in der zweiten oder dritten Vegetationsperiode. Die ausgewählten Stauden blühen vom Frühsommer bis im Herbst, die dazwischen eingebrachten Zwiebelpfl anzen setzen schon im Frühjahr leuchtende Akzente. «SILBERSOMMER» Das Bild von Pfl anzungen mit integrierten Pfl anzsystemen verändert sich von Jahr zu Jahr. Im ersten dominieren die eingesäten Arten, im Laufe der Zeit nehmen die Stauden Überhand. Je nach Standortbestimmungen und Pfl egeeingriffen entwickeln sich die einen mehr als die anderen. Auf Basis derselben Initialpfl anzung entstehen immer wieder andere Bilder. Diese Dynamik der Pfl anzen fasziniert Jean Bernard Bächtiger, der mit seiner Crew die Pfl anzenmischungen entwickelte, und ist für die Forschergruppe Antrieb für ihre Arbeit. Erste Schritte in der angewandten Forschung zu integrierten Pfl anzsystemen machte die Hochschule Wädenswil in Zusammenarbeit mit deutschen Fachhochschulen; zu diesem Zweck entstand der Arbeitskreis Pfl anzenverwendung. Im Frühjahr 1999 konnte die aus dieser Zusammenarbeit entstandene Mischung aus Stauden und Zwiebelpfl anzen, «Silbersommer» (Bild 1), auf Versuchsfl ächen in acht Städten der Schweiz ausgebracht werden. Die begonnenen Studien setzte die Hochschule Wädenswil im Rahmen eines neuen Forschungsprojektes fort. Nun entwickelten die Forscher integrierte Pfl anzungen, bei denen zusätzlich zu Stauden- und Zwiebelpfl anzen Krautpfl anzen eingesät werden.

TEC21 12 / 2008 (G)ARTENVIELFALT 21 01 Den «Silbersommer» eine Mischung aus Stauden und Zwiebelpflanzen für sonnige und trockene Standorte entwickelte der Arbeitskreis Pflanzenverwendung 1999. Versuchspflanzungen und Darstellung der Veränderungen innerhalb der ersten drei Vegetationsperioden 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 01 Pflanzenmischung Silbersommer Leitstauden Festuca mairei Dictamnus albus Peucedanum cervaria Begleitstauden Achillea filipendulina «Coronation Gold» Achnatherum calamagrostis «Allgäu» Analphalis triplinervis «Silberregen» Anemone sylvestris Aster amellus «Sternkugel» Aster linosyris Euphorbia polychroma Filipendula vulgaris «Plena» Inula hirta Iris carthalinae Linum perenne Melica transsilvanica Nepeta nervosa Sedum telephium «Herbstfreude» 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 Bodendecker Calamintha nepeta Euphorbia cyparissias Geranium renardii Geranium sanguineum «Album» Hieracium pilosella Thymus pulegioides Veronica austriaca ssp. teucrium «Knallblau» Origanum vulgare «Compactum» Pendler Kautia macedonica Lychnis coronara «Alba» Scabiosa ochroleuca Verbascum bombyciferum Zwiebelpflanzen Allium sphaerocephalum Eingewanderte Arten Achillea millefolium Achillea millefolium «Cerise Queen» Ajuga reptans Agastacha rugosa «Alabaster» Alchemilla mollis Aquilegia vulgaris Centranthus ruber Digitalis lutea Geranium pyrenaicum Hypericum perforatum Leonurus cardiaca Linaria purpurea Linaria purpurea «Canon J. Went» Linaria vulgaris Lysimachia punctata Lythrum salicaria Malva moschata Matricaria recutita Papaver somniferum Potentilla recta Saponaria offinialis Silene vulgaris Tanacetum vulgare

22 (G)ARTENVIELFALT TEC21 12 / 2008 «SOMMERNACHTSTRAUM» 2001 hatte Bächtiger zusammen mit Mirjam Bucher und Martina Föhn sechs verschiedene integrierte Pfl anzsysteme zusammengestellt. Auf Versuchsfl ächen an der Hochschule Wädenswil und an 13 weiteren Standorten in mehreren Schweizer Städten wurden die Mischungen angepfl anzt. Sie konnten so unter unterschiedlichen klimatischen und edaphischen (den Boden betreffenden) Bedingungen auf ihre Tauglichkeit getestet werden. Die damit betrauten Gartenbaubetriebe bewerteten die Pfl anzfl ächen mittels eines Fragebogens. Am besten schnitt die Mischung «Sommernachtstraum» ab. Bei dieser Mischung kombinierten die Fachleute aus Wädenswil dunkellaubige Stauden mit fi ligranen Gräsern. Die ausgewählten Pfl anzen blühen von Mai bis Oktober in blauen, violetten und weissen Tönen, die Zwiebelpfl anzen bereits ab Februar, ebenfalls in unterschiedlich abgestuften Blautönen. Schon in der ersten Vegetationsperiode wiesen die Pfl anzfl ächen dieser Zusammensetzung einen hohen Deckungsgrad auf, zudem bewerteten sie die Gärtner in allen Jahreszeiten als attraktiv. Seit 2005 kann der «Sommernachtstraum» bei den Partnern des Stauden Ring ein Zusammenschluss von Staudenproduzenten im deutschsprachigen Raum von Garten- und Landschaftsbauern per Quadratmeter bestellt werden. 02 05 Die Staudenmischung «Sommernacht s- traum» ist das erfolgreichste der vom Zentrum Urbaner Gartenbau entwickelten Systeme. Filigrane Gräser wurden hier mit dunkellaubigen Stauden kombiniert, die Blütenfarben Blau, Violett und Weiss dominieren SOMMERNACHTSTRAUM (PFLANZENZUSAMMENSTELLUNG) Gerüstbildner Agastache rugosum, «Blue Fortune» Aster lateriflorus, «Lady in Black» Panicum virgatum, «Rotstrahlbusch» Gruppenstauden Euphorbia amygdaloides, «Rubra» Geranium phaeum, «Samobor» Heuchera micrantha, «Plum Pudding» Lysimachia ciliata, «Firecracker» Pennisetum alopecuroides, «Hameln» Salvia verticillata, «Purple Rain» Sedum Hybride, «Matrona» Veronica longifolia, «Blauriesin» Streupflanzen Aquilegia vulgaris Bodendecker Ceratostigma plumbaginoides Geranium x cantabrigiense, «Biokovo» Geranium x magnificum, «Rosemoor» Veronica peduncularis, «Georgia Blue» Zwiebelpflanzen Allium caeruleum Narcissus, «Mount Hood» Tulipa, «Queen of Night» Muscari, «Valerie Finnis» Anemone blanda, «Blue Shades» Einsaaten Alyssum maritimum, «Orientalische Nacht» Eschscholzia caespitosa, «Milk Maid» Nigella hispanica, «Curiosität» NEUE AUFGABEN Zurzeit beschäftigen sich die Spezialistinnen Doris Tausendpfund und Martina Föhn in Wädenswil mit einem Pfl anzenmix für Flächen im «trockenen Schatten», also beispielsweise unter dichten Baumkronen, wo Licht, Wasser und Nährstoffe ein rares Gut sind. Im Frühjahr 2006 startete die Hochschule in Wädenswil mit den Gartenbauämtern von Chur, Luzern, St. Gallen und Zürich eine Zusammenarbeit, um diese oftmals stiefmütterlich behandelten Flächen aufzuwerten. Getestet wird, welche Pfl anzen in welcher Zusammensetzung den nicht optimalen Standortbestimmungen standhalten können und die Flächen zudem ansprechend erscheinen lassen. Aussagen zu diesen Pfl anzsystemen lassen sich noch keine machen. Die auch bei diesen Mischungen eingebrachten Zwiebelpfl anzen erfreuten jedoch bereits Anwohner und Passanten. Die Entwicklung der «Robinsonschen Blumenwiese» ist ein weiteres Projekt, mit dem sich das Zentrum Urbaner Gartenbau seit 2004 auseinandersetzt. Hier greifen sie die Idee des irischen Gärtners William Robinson (1838 1935) auf, der Blütenpfl anzen in Wiesen pfl anzte. So sollen Stauden und Zwiebelpfl anzen künftig monoton wirkende Rasenfl ächen durchsetzen, ihre Attraktivität steigern mit einem geringeren Pfl egeaufwand als für die Rasenpfl ege. NEUE KOMPETENZEN Das für die öffentliche Hand überzeugendste Argument, diese Pfl anzsysteme anzuwenden, ist denn auch der deutlich reduzierte Pfl egeaufwand: Nur noch 12 Minuten müssen pro Jahr und Quadratmeter für den Unterhalt aufgewendet werden; bei Mosaikpfl anzungen eines klassischen Staudengartens rechnet man für dieselbe Fläche mit dem Fünffachen an Zeit. Die Unterhaltsarbeiten der in Wädenswil erforschten Pfl anzenmischungen sind auf ein Minimum reduziert: Bewässern muss man nur während der Anwachsphase oder einer ausserordentlichen Trockenperiode. Im November werden die Stauden, mancherorts sogar maschinell, eine Handbreit über dem Boden abgeschnitten, und da die gewählten Stauden allesamt winterhart sind, entfällt auch ein Winterschutz. Im ersten Wachstumsjahr der Pfl anzung ist aber vor allem im Frühjahr eine aufmerksame Pfl egeleistung gefragt. Dann gilt es nämlich, die nicht gewollten spriessenden Blättchen des Unkrauts von denen zu unterscheiden, die sich weiterentwickeln sollen. Damit die Pfl egefachleute hierfür den richtigen Blick gewinnen, bietet die Hochschule in Wädenswil Weiterbildungskurse an. Sie sind in gewisser Weise Teil des Pakets, für das sich Auftraggeber entscheiden. Denn: «Die gärtnerische Arbeit ist eine andere», meint Jean-Bernard Bächtiger. «Es geht nicht mehr nur um Sauberkeit in der Pfl anzfl äche die Gärtner müssen die einzelnen Pfl anzen und ihr Wuchsverhalten kennen.» Die Gärtner entwickeln ihrerseits eine Eigenverantwortung für «ihre» Pfl anzen, und das sieht man den Rabatten auch an. «Der Gärtner moderiert die Pfl anzungen, er wehrt nicht mehr nur Veränderungen ab», so Bächtiger. Dadurch werden die

02 03 04 05

24 (G)ARTENVIELFALT TEC21 12 / 2008 06 07 08 09 10 11 06 11 Die Staudenmischungen verändern ihr Aussehen nicht nur von Jahr zu Jahr, sondern auch innerhalb eines Jahres. Entwicklung eines Versuchsfeldes an der Hochschule Wädenswil 2002, von links nach rechts: März (06), April (07), Mai (08), Juli (09), August (10), September (11) (Bilder und Plan: Zentrum Urbaner Gartenbau, Institut Umwelt und Natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Wädenswil) PROJEKTMITARBEITERINNEN UND -MITARBEITER Entwicklung Staudenmischpflanzungen 1999 2002: Regina Hoffmann Bitter, Landschaftsarchitektin Alexandre Monod, Gartenbauingenieur Integrierte Pflanzsysteme 2001 2004: Mirjam Bucher, Landschaftsarchitektin Martina Föhn, Gartenbauingenieurin Robinsonsche Blumenwiesen / Pflanzenmix für trockenen Schatten ab 2004: Doris Tausendpfund, Landschaftsarchitektin Martina Föhn, Gartenbauingenieurin Pfl egepersonen zu Fachleuten und auch als solche wahrgenommen: Passanten stellen ihnen immer wieder Fragen zu den einzelnen Pfl anzenarten, klagen ihr Leid, wenn die Topfpfl anze in der Stube serbelt, und holen sich Rat für den eigenen Garten. BLUMENWIESE STATT RASEN Die Jahreszeiten in der Stadt erfahrbar zu machen und der Stadtbevölkerung einen direkten Kontakt zu Pfl anzen zu ermöglichen ist für Bächtiger das Ziel hinter der Entwicklung der integrierten Pfl anzsysteme, das Geldeinsparen ein willkommener Nebeneffekt. Ein Schlüsselerlebnis war für ihn ein Kurs, den er in einem Primarschulhaus in Thalwil gab. Kinder, dazu befragt, was für sie Natur sei, nannten unter anderem den Rasen 2 eine botanisch und ökologisch verarmte Wuchsform. Bächtiger ist davon überzeugt, dass das Potenzial von Grünfl ächen im urbanen Raum bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist, und möchte das Bild einer Blumenwiese wieder in das Bewusstsein der Menschen bringen. Claudia Moll, Landschaftsarchitektin BSLA, Institut für Landschaftsarchitektur ETHZ, moll@arch.ethz.ch Anmerkungen 1 Das Zentrum Urbaner Gartenbau ist dem Institut Umwelt und Natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil angegliedert, www.iunr.zhaw.ch 2 Eine Aufwertung des Images des Rasens versuchen die Betreiber des Letzigrund-Stadions, das sie in den Zeiten, da keine Veranstaltungen stattfinden zum öffentlich zugänglichen Freizeitpark machen wollen; siehe TEC21, Nr. 33-34, 2007, S. 31