Konzeption Paten-Projekt für Kinder und Jugendliche mit besonderem Betreuungsbedarf konzipiert und durchgeführt von Ein Projekt des DRK Kreisverbandes Kehl e.v. 1
1. Projektverantwortliche INSEL Integrationsstelle für soziales Erleben und Lernen DRK Kreisverband Kehl e.v. Kanzmattstr. 4 77694 Kehl Ansprechpartner: Petra Ernst (Diplom-Pädagogin) Projektleitung (0 78 51) 94 33-15 E-mail: jugend@kv-kehl.drk.de Thomas Krestel (Diplom-Sozialpädagoge/-arbeiter) Projektmitarbeiter (0 78 51) 94 33-17 E-mail: krim@kv-kehl.drk.de 2. Zielgruppe Das Paten-Projekt ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche ab einem Alter von 12 Jahren, die einen besonderen Betreuungsbedarf bei ihrer Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit aufweisen. Im Vergleich mit deutschen Familien weisen Familien mit Migrationshintergrund statistisch ein niedrigeres Bildungsniveau, ein niedrigeres Einkommen und eine höhere Erwerbslosenrate auf. Dies sind Faktoren, die sich auf Kinder und Jugendliche belastend auswirken können. Das Projekt hat sich daher zur Aufgabe gemacht schwerpunktmäßig mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu arbeiten. 2
Um Integrationschancen zu schaffen und strukturell gegebene Nachteile auszugleichen, werden Paten eingesetzt, die Hilfe, Halt und Unterstützung bei verschiedenen Entwicklungsaufgaben geben. Die Kinder und Jugendlichen werden kontinuierlich und nachhaltig von ausgebildeten Paten gefördert. Die Begleitung findet einmal wöchentlich für ein bis zwei Stunden in den Räumlichkeiten der Schule statt. 3. Ziel des Projektes Wegweiser Mit der Teilnahme bei Projekt Wegweiser werden Kinder und Jugendliche durch die Begleitung von ehrenamtlichen Paten in ihren sozialen und persönlichen Kompetenzen gestärkt und gefördert. Die Paten bieten Zuwendung, Gespräche und Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, fördern Talente und begleiten die Entwicklungsschritte ihrer Schützlinge. Durch kontinuierliche Kontakte entsteht eine vertrauensvolle Beziehung zwischen dem ehrenamtlichen Paten und dem Patenkind, die zur emotionalen Stärkung und Stabilität beiträgt. Hierdurch werden Integrationsprozesse verfestigt, gefördert und initiiert. Die ehrenamtlichen Paten erfahren Anerkennung und leisten einen wertvollen Beitrag in einem interessanten und abwechslungsreichen Arbeitsfeld. 4. Teilnehmer des Projektes Im Paten-Projekt Wegweiser treffen verschiedene Akteure und Institutionen aufeinander. Die Kinder und Jugendlichen und deren Eltern, die Schule, die Paten sowie die betreuende Organisation tragen alle ihren Teil zum Gelingen des Projektes bei. Für einen funktionierenden Projektablauf sind gewisse Voraussetzungen der verschiedenen Teilnehmer unabdingbar, um allen Teilnehmenden einen sicheren, gut betreuten und wertgeschätzten Umgang zu ermöglichen. 3
4.1 Die Patenkinder Die zum Projektziel passenden Kinder und Jugendlichen für die Teilnahme bei Projekt Wegweiser weisen einen erhöhten Betreuungsbedarf auf. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben. So sind aus der Resilienzforschung entwicklungshemmende Faktoren bekannt, die im Folgenden aufgezählt werden. Als persönliche Risikofaktoren des Kindes und Jugendlichen gelten gesundheitliche Beeinträchtigungen, eine hohe Sensibilität, eine passive oder leidende Haltung bei Problemen sowie eine negative Selbsteinschätzung. Im familiären Bereich sind psychische Störungen oder Suchtkrankheiten bei den Eltern, Trennung/Scheidung, Verlust eines Elternteils, Armut, ein niedriges Bildungsniveau der Eltern sowie Misshandlung, Missbrauch oder Gewalt Risikofaktoren. Auch soziale Isolation, z.b. durch Sprachbarrieren, Armut oder kulturelle Hintergründe können entwicklungshemmend auf ein Kind oder Jugendlichen wirken. Stellt ein Lehrer eines oder mehrere dieser Risikofaktoren bei einem Kind oder Jugendlichen mit Migrationshintergrund fest, kann es, er oder sie für Projekt Wegweiser vorgeschlagen werden. Die Eltern der Patenkinder unterschreiben eine Einverständniserklärung zur Teilnahme ihres Kindes an Projekt Wegweiser. Optional können die Eltern es erlauben, in Begleitung der Paten das Schulgelände für Ausflüge oder z.b. für den Besuch der Stadtbücherei zu verlassen. 4.2 Die Paten Die Paten werden über Öffentlichkeitsarbeit wie Flyer, Zeitungsberichte und Vorträge auf das Projekt aufmerksam gemacht. Dabei werden Menschen angesprochen, die Kindern und Jugendlichen interessiert und wohlwollend gegenüber stehen, die Lebenserfahrung mitbringen, die zuverläs- 4
sig sind und sich gerne auf die neue Herausforderung einlassen. Zu Beginn der Tätigkeit als Pate wird eine einmal jährlich stattfindende Schulung angeboten, die an einem Informationstreffen und an sechs Einheiten erfolgt. Dabei werden Themen wie Umgang miteinander, pädagogisch psychologische Grundlagen, Methodenvielfalt und Spieleideen, das System Schule, Grenzen als Pate sowie organisatorische Dinge besprochen. Nach Abschluss der Ausbildung lernen je ein Kinder oder Jugendlicher und ein Pate sich kennen. Einmal wöchentlich treffen sie sich. In regelmäßigen Abständen werden Nachmittage mit allen Paten und Patenkindern stattfinden, an denen Austausch und geselliges Beisammensein im Vordergrund stehen. Einmal monatlich finden Coaching-Sitzungen statt. Hier ist Zeit die Patensitzungen zu besprechen und aufzuarbeiten. Mögliche Konflikte und Schwierigkeiten werden aufgegriffen und ein professioneller Umgang damit gelehrt. 4.3 Die Schule Die Schule ist der Kooperationspartner, der die Räumlichkeiten stellt, in denen die Treffen zwischen Paten und Patenkind zum größten Teil stattfinden. Sie informiert das Kollegium über die Teilnahme am Patenprojekt, wählt nach der Anzahl der zur Verfügung stehenden Paten geeignete Kinder und Jugendliche aus und holt eine Einverständniserklärung über die Teilnahme bei den Eltern ein. Der Pate klärt organisatorische Fragestellungen mit dem Klassenlehrer seines Paten-Kindes. Zwischen der Schule und dem DRK Kreisverband Kehl e.v. besteht ein Kooperationsvertrag, in dem alle Vereinbarungen schriftlich festgehalten sind. 5
4.4 Der Projektträger Der Projektträger des Patenprojektes Wegweiser ist das Projekt INSEL - Integrationsstelle für soziales Erleben und Lernen des DRK Kreisverbandes Kehl e.v.. Insel wird zu 90% vom BMFSFJ gefördert. Die Finanzierung des Projektes Wegweiser läuft über den Projektträger. Die Projektmitarbeiter, eine Diplom-Pädagogin und ein Diplom- Sozialpädagoge, übernehmen die Aufgabe der Gesamtkoordination des Projektes. Dazu gehören Ausbildung und Begleitung der Lernpaten, Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung sowie Konfliktmanagement. Sie sind Ansprechpartner für alle Teilnehmer des Projektes. Kehl, Februar 2011 6