2 CorelDRAW 8 Ziele dieses Kapitels: $ Sie lernen verschiedene Anwendungsgebiete von CorelDRAW 8 kennen. $ Sie verstehen den Unterschied zwischen Vektor-, Pixel- und Rendergrafiken. 2.1 CorelDRAW 8 Das Allround-Programm Im Bereich der Grafikbearbeitung gibt es eine Vielzahl von professionellen Programmen. Diese Programme beziehen sich zumeist nur auf spezielle Bereiche, wie beispielsweise auf die Verarbeitung von Bildern und Photos (Photoshop) oder die Verbindung von Grafik und Text im Bereich des Desktop- Publishing (z.b. QuarkXpress, Freehand). CorelDRAW gelingt es dank seiner Funktionsvielfalt, grundlegende Operationen solcher speziellen Programme zu vereinen. Die Objektoperationen gestatten neben den hervorragenden Modifikationsmöglichkeiten im Bereich der Objektbearbeitung auch Zugriff auf Bitmaps, der sonst nur speziellen Programmen vorbehalten ist. Das im Corel-Paket enthaltene CorelPHOTO-PAINT ist schon lange kein Zusatzprogramm zu CorelDRAW mehr, sondern hat sich längst dank seiner Vielfalt von Funktionen als Bildbearbeitungsprogramm etabliert und zählt zu den professionellen Werkzeugen im Print- und Internet-Bereich. Dank der seit CorelDRAW 7 integrierten Internet-Schnittstelle, über die HTML- Seiten und Image-Maps direkt ausgegeben werden können, führen CorelDRAW und CorelPHOTO-PAINT zu schnellen, qualitativ hochwertigen Ergebnissen. Die Kompatibilität der beiden Programme ermöglicht es dem Anwender, von einer Anwendung zur anderen umzuschalten, ohne sich erneut mit der Umgebung vertraut machen zu müssen. CorelDRAW 8 erweist sich in diesem Zusammenhang also als Komplettlösung, die es dem ausgebildeten Grafiker ebenso wie dem ambitionierten Anwender dank der leichten Handhabung ermöglicht, in den unterschiedlichsten Bereichen ansehnliche Ergebnisse zu erzielen. Die Entwicklung von Logos, Visitenkarten oder Broschüren bis hin zum Desktop-Publishing oder zu Veröffentlichungen im Internet sind die gängigsten Anwendungsgebiete von CorelDRAW. CorelDRAW 8 11
Dabei ist es längst nicht mehr nötig, das Rad neu zu erfinden: CorelDRAW bietet für den Anfänger wie auch für schnell zu lösende Aufgaben Vorlagen, mit deren Hilfe vorgefertigte Lösungen möglich sind. Diese Vorlagen sollte man als erste Ideenlieferanten ansehen sobald Sie etwas geübter im Umgang mit CorelDRAW 8 sind, können Sie leicht Ihre eigenen Ideen grafisch umsetzen. Merken Sie sich dafür eine goldene Regel: Von den CorelDRAW-Vorlagen ist Abgucken erlaubt, Nachmachen genehmigt, Modifikation erwünscht. Im Laufe der Zeit werden Ihre Ansprüche an Ihre eigenen Arbeiten zwangsläufig wachsen, und mit Ihren Ansprüchen wächst in der Regel auch Ihre Fähigkeit zur qualitativeren Umsetzung Ihrer eigenen Ideen. Außerdem wird von CorelDRAW durch die zahlreichen Hilfsmittel, Vorgaben, Beispiele, ClipArts auf den Zusatz-CDs etc. Potential freigesetzt: Probieren Sie einfach aus, welche Funktionen zu welchen Ergebnissen führen, und so manches Aha-Erlebnis wird Ihre Arbeit begleiten. 2.2 Unterschiedliche Grafikarten in CorelDRAW Ihnen ist sicher aufgefallen, daß Sie bei der Installation zwischen CorelDRAW und CorelPHOTO-PAINT sowie CorelDREAM 3D wählen konnten. In diesen drei eigenständigen Programmen werden jeweils unterschiedliche Grafikarten verarbeitet, die spezifische Vorteile bieten. CorelDRAW 8 besticht im besonderen dadurch, daß es grundlegende Bearbeitungen dieser Grafikarten ermöglicht. Abb. 2.1: Links ein Photo, rechts in CorelDRAW erstellte Objekte 2.2.1 Vektorgrafiken CorelDRAW ist vom Ansatz her ein objektorientiert arbeitendes Grafikprogramm, d.h. es arbeitet hauptsächlich mit grafischen Objekten wie Ellipsen, Rechtecken oder Kurvenzügen. 12 1998
Diese Objekte werden berechnet, wodurch geringe Datenmengen entstehen. Ausreichend für eine Vektorgrafik sind ein Anfangspunkt und eine Endpunkt (für Quadrate oder Rechtecke) oder ein Anfangspunkt mit einer Längenangabe und einem Winkel (für gerade und gebogene Kurven). Jedem Objekt werden bestimmte Eigenschaften zugewiesen, die es definieren: CorelDRAW merkt sich dabei die Form, die Farbe, den Umriß und die Größe sowie die Bildschirmposition des Objektes. Die Funktionsweise von objektorientierten Programmen ist dadurch leicht ersichtlich: Stellen Sie sich ein weißes Blatt Papier vor, auf dem Sie vorher ausgeschnittene Papierschnipsel nebeneinander oder übereinander verteilen jeder richtet wahrscheinlich mindestens einmal im Leben ein Zimmer auf diese Weise mit vorgefertigten Papiermöbeln ein, die leichter als richtige Möbel verschoben werden können. Objektorientierte Programme sind eher dazu geeignet, grafische Elemente exakt zu gestalten und zu plazieren. Der Hauptvorteil liegt dabei darin, daß mehrere Objekte am Bildschirm beliebig verschoben, vergrößert und miteinander verbunden werden können. Diese Objekte lassen sich problemlos über- und nebeneinander legen, sind also auf dem Bildschirm frei verschiebbar und erleichtern es durch diese Handhabung ungemein, Seiten ansprechend zu gestalten. 2.2.2 Bitmap-Grafiken Bitmap-Grafiken bestehen aus sogenannten Pixeln (picture elements). Während bei Vektorgrafiken die Objekte über Anfangs- und Endpunkte sowie den dazugehörigen Eigenschaften berechnet werden, muß der sich Computer bei Bitmaps die Farbwerte einzelner Punkte merken. Stellen Sie sich eine Matrix vor, die wie ein Blatt Papier wirkt, das Sie bemalen wollen, oder besser eine Landkarte (englisch: map), auf der jeder Punkt seine eigene Koordinate hat. Jede Information über den Farbwert besteht aus Bits. Mit Hilfe von Mal- oder Photobearbeitungsprogrammen setzen Sie mit den entsprechenden Werkzeugen (z.b. einem Pinsel) Punktwerte, aus denen über unsere visuelle Wahrnehmung ein Bild entsteht. Im Fachjargon heißen diese Grafiken Bitmaps. CorelPHOTO-PAINT arbeitet mit solchen Bitmap-Bildern. Spätere Änderungen können nur vorgenommen werden, indem man Bereiche übermalt, also die Farbwerte der einzelnen Pixel ändert. Vorteilhaft ist diese Grafikart vor allem im Bereich der Retusche. So sind leicht photorealistische Effekte wie Schattierungen und Farbintensivierung möglich, indem ausgewählte Bereiche pixelweise bearbeitet werden. CorelDRAW 8 13
Abb. 2.2: Extreme Vergrößerung der Dreiecksspitze (Objekt) und der pixeligen Krebsschere Die obige Vergrößerung zeigt den Unterschied zwischen Vektor- und Pixelgrafiken bei dem Objekt ist kein Qualitätsunterschied in der Darstellung zu erkennen, weil es unabhängig von der Vergrößerung jedesmal neu berechnet wird. Als Nachteil ergibt sich bei Bitmap-Grafiken, daß der Computer sich für jeden Punkt einen Farbwert merken muß, was zu besonders großen Datenmengen führen kann. Gerade für das Internet benötigt man kleine Dateien, die schnell geladen werden können. Man kann die Anzahl der Punkte, die nebeneinander gesetzt sind und die Grafik bilden, verringern und erhöhen. Man spricht hier von der Auflösung eines Bildes. Je größer die Auflösung eines Bildes ist, desto größer ist die Anzahl der abzubildenden Punkte der Speicherbedarf steigt. Je mehr Punkte aber zur Verfügung stehen, desto deutlicher wird das Bild, desto feiner kann gemalt und retuschiert werden. Sie verstehen nun vielleicht, warum Ihre Bildschirmanzeige kleiner, aber feiner wird, wenn Sie die Auflösung erhöhen, denn de facto funktioniert Ihr Bildschirm wie ein Blatt Papier, das ständig neu bemalt wird. Sie haben in CorelDRAW eingeschränkte Möglichkeiten, diese Bitmap-Grafiken pixelorientiert zu bearbeiten (dafür ist schließlich CorelPHOTO-PAINT zuständig), allerdings werden diese Bitmaps in der Plazierung auf der Seite von CorelDRAW wie Objekte behandelt. 14 1998
2.2.3 Gerenderte Grafiken In gerenderten Grafiken kommen Mischformen aus Vektorgrafiken und Bitmaps vor. CorelDREAM 3D ist ein Renderprogramm, in dem zunächst Gittermodelle erstellt werden. Diese Gittermodelle können nicht nur an der X- und Y-Achse, also horizontal und vertikal vergrößert bzw. verkleinert, sondern außerdem noch an der Z-Achse bewegt werden. Die Z-Achse dient zur Orientierung für die Tiefe im Raum. Auf der Grundlage von Gittermodellen ist es möglich, Modelle zu berechnen und entstehende Flächen mit Texturen oder Bitmaps zu überziehen, wodurch die Flächen realistischer erscheinen diesen Vorgang nennt man Rendern. Im Spielebereich sind deshalb momentan die 3D-Grafik-Beschleunigerkarten so begehrt. Sie unterstützen den Computer, indem sie ihm die Rechenarbeit für solche Texturen oder Bitmaps abnehmen. Der Vorteil von solchen Rendergrafiken ist, daß sie ständig neu berechenbar sind und man den Ansichtswinkel verändern kann, wodurch letztlich Bewegungen simuliert werden können: Computereffekte wie Raumschiffflüge in den neueren Enterprise-Folgen basieren auf dieser Technik. Abb. 2.3: Gittermodell und Ergebnis CorelDRAW übernimmt diese Funktionalität im 3D-Textbereich, wie Sie in einem späteren Kapitel feststellen werden. Abb. 2.4: Eine gerenderte 3D-Schrift CorelDRAW 8 15
Testaufgaben $ Frage 1: Was sind Objekte? A. Nur Pixelgrafiken. B. Nur Vektorgrafiken. C. Nur gerenderte Grafiken. D. In CorelDRAW werden alle Grafikarten als Objekte behandelt. $ Frage 2: Was ist der Unterschied zwischen Vektor- und Pixelgrafiken? A. Vektorgrafiken werden einmal berechnet und in Pixelgrafiken (Bitmaps) umgewandelt. B. Pixelgrafiken werden einmal berechnet und in Vektorgrafiken umgewandelt, um sie wie Objekte behandeln zu können. C. Vektorgrafiken werden bei jeder Veränderung neu berechnet Pixelgrafiken sind Punkt-für-Punkt-Setzungen, die nur von speziellen Bildbearbeitungsprogrammen verändert werden können. D. Pixelgrafiken sind eigentlich gerenderte Grafiken, die wie Vektorgrafiken in der horizontalen, vertikalen und räumlichen Ausrichtung verändert werden können. $ Frage 3: Was ist der Unterschied zwischen Vektorgrafiken und gerenderten Grafiken? A. Beide Grafikarten werden berechnet. Gerenderte Grafiken besitzen allerdings neben der horizontalen und vertikalen Ausrichtung noch eine räumliche Achse, so daß Flächen entstehen, die mit Texturen oder Bitmaps gefüllt werden können. B. Gerenderte Grafiken haben im Unterschied zu Vektorgrafiken stärkere Ränder. C. Gerenderte Grafiken sind Drahtgittermodelle mit einer zusätzlichen Raumachse, deren Flächen gefüllt werden können. Vektorgrafiken sind Punkt-für-Punkt-Berechnungen. $ Frage 4: Worin unterscheiden sich Pixelgrafiken und gerenderte Grafiken? A. Gerenderte Grafiken sind Drahtgittermodelle, deren Flächen mit Texturen oder Bitmaps überlegt sind. Bitmaps sind Punktfür-Punkt-Berechnungen, es fehlt nur die räumliche Achse. B. Gerenderte Grafiken sind Drahtgittermodelle, deren Flächen mit Texturen oder Bitmaps überlegt sind. Bitmaps sind Punktfür-Punkt-Setzungen ohne räumliche Achse. C. Bitmaps werden einmal berechnet und sind dann wie gerenderte Grafiken in der räumlichen Dimension veränderbar. 16 1998